Bodetal @Dr. Klaus George
Bodetal @Dr. Klaus George

Bad Lauterberg

 

Von Annelies Stolle

 

Von Lutterberg zu Lauterberg

Auf dem Gipfel des Hausberges (422 m ü. NHN), an dessen Ausläufer sich die Harzflüsse Oder und Lutter vereinen, bezeugen die Ruinen der alten Burg Lutterberg die Frühgeschichte Bad Lauterbergs. Im Gelände sichtbar sind von der ursprünglich im Grundriss 30 x 60 m angelegten Grafenburg nur noch die geringen Reste der Ringmauer und des Burgbrunnens. Als Ende des 12. Jahrhunderts Graf Sigebodo von Lutterberg hier seinen neuen Stamm- und Verwaltungssitz erbaut, siedeln sich auch die ersten Einwohner als Bedienstete unterhalb der Burg an. Das junge Lutterberger Adelsgeschlecht war als Nebenlinie aus dem Stammbaum der Grafen von Scharzfeld hervorgegangen. Bei der Findung eines eigenen Familiennamens schienen sich die Lutterberger Grafen von jenem Fluss inspirieren zu lassen, der am Fuße des Burgberges verläuft, auf dem der neue Stammsitz thront: die Lutter. Im Althochdeutschen geht der Begriff „Lutter“ wiederum auf „hlutara“ oder „luttar“ zurück, was so viel bedeutet wie lauter, hell, klar oder rein. So ließe sich über die Jahrhunderte hinweg auch der Wandel im Sprachgebrauch erklären: Aus Lutterberg wird Lauterberg!

Nach dem Aussterben der Lutterberger Linie fiel die Burg 1405 an die Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen, die sie wiederum an die Grafen von Hohnstein verlehnten. Eine Fehde zwischen den neuen Lehnsnehmern und Herzog Erich von Grubenhagen († 1427) führte 1415 jedoch zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Dabei ist die Burg Lutterberg zerstört und später auch nicht wiederaufgebaut worden. Als 1499 die Braunschweig-Grubenhagener erneut einfielen, brannte schließlich auch die Ortschaft Lutterberg nieder. Eine Aussöhnung mit den Herzögen von Grubenhagen ermöglichte es jedoch den Grafen von Hohnstein, trotz aller Streitigkeiten Lehnsherren der Grafschaft Lutterberg zu bleiben. Damit behielten sie im Übrigen auch den Zugriff auf die in ihrem Einzugsgebiet vorhandenen Bergschätze. Die Hohnsteiner Grafen waren schon früh dem Bergbau zugetan und planten, den seit dem 12. und 13. Jh. im Harz umgehenden Bergbau zu neuer Blüte zu verhelfen. Angeregt von den Silbererz-Funden im Revier des späteren Sankt Andreasbergs, riefen die Grafen von Hohnstein 1521 (und 1527) die (erweiterte) Bergfreiheit für das Lutterberger Revier aus. Die Bergfreiheiten erlaubten einheimischen und zugezogenen Bergleuten neben anderen Privilegien, nach Erzen zu schürfen. Das Berggeschrei blieb nicht ungehört. Der Bergbau, der seit der letzten Pestepidemie (1347 – 1349) ruhte, kann wieder aufgenommen werden. Nun bewohnt von zahlreichen Bergknappen und Hüttengewerklern, erhält Lutterberg die Rechte einer Bergstadt, von der aus das Montanwesen bis zur Gründung der Bergstadt Sankt Andreasberg (ab 1528) verwaltet wird. Die Ausbeute in den Lutterberger Silber-Bergwerken blieb jedoch in den Erwartungen deutlich zurück, so dass Lutterberg die Bergstadtrechte rasch wieder verlor (1538). Die Grafen widmeten ihre Aufmerksamkeit derweil der aufstrebenden, gleichfalls zur Grafschaft Lutterberg gehörenden Bergstadt Sankt Andreasberg. Der Flecken Lauterberg, wie er ab Mitte des 16. Jahrhunderts namentlich bekannt ist, blieb indes für die nächsten knapp 100 Jahre bergbaulich unbedeutend.

Nach dem Aussterben der Hohnsteiner Grafenlinie (1592) folgte für das Lutterberger Revier eine Zeit der herrschaftlichen Unruhe und der wirtschaftlichen Instabilität. Diese fand im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) ihren Höhepunkt. Im Ergebnis des Westfälischen Friedens fiel der Flecken Lauterberg an das Kurfürstentum Hannover. Die Leitung des Berg- und Hüttenwesens übernahm fortan das Bergamt in Clausthal. 1686 konnte der Lauterberger Kupferbergbau erfolgreich wiederaufgenommen und in eine reiche Ausbeuteperiode geführt werden, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts andauerte. Die wichtigsten Kupfergruben dieser Zeit waren „Louise Christiane“, „Aufrichtigkeit“ und „Kupferrose“. Nachdem die bekannten Kupfervorkommen erschöpft und keine weiteren erschlossen werden konnten, kam der Lauterberger Kupferbergbau 1824 zum Erliegen. Der intensiven Suche nach neuem Kupfer folgte jedoch die Erkenntnis über reiche Vorkommen an Schwerspat (Baryt, Bariumsulfat), ein mineralischer Rohstoff, der später vor allem in der Farbindustrie als weißes Farbpigment von Bedeutung war. Ab 1838 erfolgte der Abbau vor allem in der Grube „Wolkenhügel“, der hier auch bis 2007 andauerte. Mit der Einstellung der Förderung in dieser letzten Grube endete schließlich der aktive Bergbau im gesamten Harz. Mit einer Abbaumenge von mehreren Millionen Tonnen Schwerspat galt das Lauterberger Revier als eine der bedeutendsten europäischen Lagerstätten ihrer Art.

Der Übergang von der Kupfer- in die Schwerspat-Epoche Mitte des 19. Jahrhunderts war von einem grundlegenden strukturellen Wandel in der Industrie geprägt. Lauterberg musste sich wirtschaftlich neu orientieren und passte sich nur langsam an die veränderten Gegebenheiten an. Viele Menschen verloren ihr Einkommen. Not und Hunger waren innerhalb der Bevölkerung allgegenwärtig und fanden in einem schlechten allgemeinen Gesundheitszustand Ausdruck. Der seit 1826 in Lauterberg praktizierende Amtsarzt Dr. Ernst Ritscher († 1859) diagnostizierte bei seinen Krankenbesuchen vor allem Unterernährung, Silikose (Staublunge) und Tuberkulose sowie Neurasthenie (Nervenschwäche). Ritscher war überzeugt, dass insbesondere Lauterberg mit seiner viel bewaldeten Umgebung, dem klaren Wasser und der frischen Luft ideale Voraussetzungen bot, um Heilbehandlungen bzw. heilsame Urlaube anzubieten. 1839 gründete er eine Kaltwasserheilanstalt und startete mit zwölf Kurgästen, einer Zahl, die sich in den folgenden Jahren fortwährend erhöhte. 1870 konnten schon 350 Kurgäste vermeldet werden, Ende des 19. Jahrhunderts waren es bereits 5.000. Auch das Angebot der Kureinrichtungen wuchs stetig. 1906 fand diese Entwicklung mit Verleihung des Titels „Bad“ eine würdigende Anerkennung. Zudem erkannte das Preußische Staatsministerium der Fleckensgemeinde Bad Lauterberg im Harz 1929 die Stadtrechte zu. Heute ist Bad Lauterberg staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad (1968) und Schroth-Kurstadt (1982) mit bis zu 100.000 Gästen jährlich.

In der montanwirtschaftlichen Historie Bad Lauterbergs spielt der Abbau von Eisenerzen insgesamt eine eher untergeordnete Rolle. Wie der Kupferbergbau endete er ebenfalls 1824. Andernorts boomte jedoch der Eisen- und Silberbergbau, so dass Hüttenwerke und Schmieden durchaus gefragt waren. Die Königshütte entstand zwischen 1733 und 1737 im südlichen Lauterberg am Ufer der Oder als das größte Eisenhüttenwerk im kurfürstlich hannoverschen Staat. Zwei 7 m hohe Hochöfen erzeugten hier Roheisen, das in den angeschlossenen Hammerhütten zu Halbzeugen, einem vorgefertigten Rohmaterial, weiterverarbeitet wurde. Die Eisenerz-Lieferungen für diesen Prozess kamen vor allem aus dem Raum Sieber-St. Andreasberg sowie aus dem Lerbacher- und Elbingeröder Revier. 1867 endete der inzwischen unrentabel gewordene Hochofenbetrieb. Nach einer Versteigerung in Privatbesitz, wird das Werk nach 1871 in eine Eisengießerei mit angeschlossenem Maschinenbau umgewandelt. Der Betrieb hielt sich bis 2001 aufrecht. Seit 2014 sind die Gebäude des Werkes als "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" anerkannt und als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Als Geopunkt 11 im Teilgebiet 5 ist die Königshütte eingebunden in das Landmarkensystem des UNESCO Global Geoparks Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen. Faltblätter zu den Landmarken des Geoparks sind in Bad Lauterberg u. a. erhältlich im Parkhotel Weber-Müller oder im Hotel Panoramic.

Quellen

Artelt, P. (2009): Lauterberg – Der Wandel vom Bergbauort zum Kurort. In: Unser Harz, Ausgabe Januar 2009/57. Jahrgang, Oberharzer Druckerei und Verlag Fischer & Thielbar GmbH, Clausthal-Zellerfeld, S. 8-11.

 

Ließmann, W. (1992): Historischer Bergbau im Harz: Ein Kurzführer. Schriften des Mineralogischen Museums der Universität Hamburg, Band 1, Verlag Sven von Loga, Köln.

 

Morich-Clausthal, H. (1936): Das alte Amt Scharzfeld, In: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Schaltjahr 1936. Piepersche Buchdruckerei, Clausthal 1935, Seite 65

Schröpfer, T. (2000): Fundgrube: Wissenswertes über den Westharzer Bergbau und das Hüttenwesen; mit zahlreichen Stichwörtern aus den Bereichen Archäologie, Bergbau, Botanik, Geographie, Geologie, Hüttenkunde, Lagerstättenkunde und Mineralogie. Schriftenreihe des Oberharzer Geschichts- und Museumsverein e. V., Piepersche Druckerei und Verlag GmbH, Clausthal-Zellerfeld.

 

Stedingk, K., Ließmann, W. & R. Bode (2016): Harz: Bergbaugeschichte – Mineralienschätze - Fundorte. Bode Verlag, Lauenstein.

 

www.badlauterberg.de

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