Winter im Naturpark Harz Sachsen Anhalt
Dezember
Klippen und Loipen ( 1 )
Klippen und Loipen ( 1 )
Am Fuße des Brockens liegt im schmalen Tal der Kalten Bode der wunderschöne Harzort Schierke. Mit 640 m über dem Meeresspiegel ist Schierke die höchstgelegene Gemeinde im Ostharz. Eine Felsbildung in der Nähe des Harzortes, die Feuersteinklippe, ist nicht nur eines seiner Wahrzeichen, sondern seit vielen Jahrzehnten auch Markenzeichen eines beliebten Kräuterlikörs. Ein bedeutender Besucher dieses Naturdenkmals war 1784 JOHANN WOLFGANG VON GOETHE. Die Feuersteinklippe (690 m ü. NN) befindet sich nur ungefähr 100 m nördlich vom Bahnhof der Harzer Schmalspurbahnen, versteckt in einem Fichtenwald. Im Hochharz entstanden die einmaligen Granitfelsformationen durch die sogenannte „Wollsackverwitterung“. Die durch Verwitterungsspalten in abgerundete Formen gegliederten Granitblöcke gleichen gestapelten Wollsäcken. Von der Feuersteinklippe aus folgen wir einem Pfad bergan in Richtung Brocken. Auf ihm gelangen wir nach 1,5 km zum „Ahrensklint“. Diese Granitklippe ist ein einmaliger, natürlicher Aussichtspunkt, den wir auf kleinen Trittleitern erklimmen können, jedoch auf eigene Gefahr. Von dem Felsen werden wir mit einem wunderschönen Blick zum Brocken, Wurmberg und nach Schierke belohnt. In manchen Jahren recht häufig, in anderen wieder seltener, können wir hier oben den Fichtenkreuzschnabel beobachten. Dieser fast starengroße Vogel gehört zu den sogenannten „Invasionsvogelarten“. Große Scharen dieser Vögel erscheinen immer dort, wo sich besonders reichlich Nahrung bietet. Für den Fichtenkreuzschnabel sind das die Samen der Fichten. Um sie aus den Zapfen herausholen zu können, überkreuzen sich Ober- und Unterschnabel. Die Männchen sind auffällig rot gefärbt, Weibchen und Jungvögel tragen hingegen ein grünes Federkleid. Richtung Schierke wählen wir zum Abstieg den „Pfarrstieg“. Ehe dieser die Schienen der Brockenbahn quert, gehen wir linker Hand parallel der Eisenbahnschienen zurück zum Bahnhof Schierke. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: 3,1 km.
Januar
Der Talwächter ( 2 )
Der Talwächter ( 2 )
Eines der wohl natürlichsten und urigsten Täler des Harzes ist das Elendstal. Hier fließt die Kalte Bode von Schierke hinab nach Elend. Am Fluss ist die Wasseramsel heimisch, die erst bei stärkerem Frost und Vereisung des Gewässers in tiefere Lagen abwandert. Im Tal stockt der höchstgelegene Buchenmischwald des Harzes. Auf den Südwesthängen ist es vorwiegend der Harzlabkraut-Buchenwald, während sich an den nordostexponierten Hängen durch die Einmischung der Fichte eine Hochlagenvariante dieser Waldgesellschaft herausgebildet hat. Andernorts im Oberharz wurde der ursprüngliche Laub- oder Mischwald meist von Fichtenforsten verdrängt, denn das schnellwüchsige Holz der Fichte war für den einstmals im Harz betriebenen Bergbau unverzichtbar. Das einzigartige Elendstal ist deshalb seit 1961 Naturschutzgebiet. Heute wird das Tal eingangs von einer über 200 Jahre alten kolossalen Fichte bewacht. Sie ist die stärkste im gesamten Naturschutzgebiet und besitzt einen stattlichen Durchmesser von 1,10 m und eine Höhe von 41 m. Wir beginnen unsere Tour am Bahnhof der Harzquerbahn und nehmen den „Heinrich-Heine- Weg“, bis wir den „Talwächter“ erreichen und dort das Naturschutzgebiet Elendstal betreten. Nach ca. 0,5 km gelangen wir zur Ruine der Elendsburg, von der aber nur der Burgberg zu erkennen ist. Eine Tafel vor Ort klärt uns über die einstige Burganlage auf. Am Wegesrand begleiten uns in unregelmäßigen Abständen weitere Informationstafeln. Nachdem wir an einer verfallenen Brücke angekommen sind, wechseln wir rechter Hand auf den „Mühlenweg“ bis zum Ortseingang von Schierke (640 m ü. NN). Dort, an einer kleinen Brücke angelangt, beginnen wir unseren Rückmarsch. Wir wandern auf anderen Seite der Kalten Bode auf dem „Boderandweg“ wieder zum Bahnhof in Elend. Auf unserem Weg werden wir so manch merkwürdige Fährte entdecken können. Am Bahnhof angekommen, nutzen wir die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Zuges für einen Rundgang im Harzort Elend mit der sehenswerten kleinsten Holzkirche Deutschlands. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: ca. 5,0 km.
Februar
Von Granit, Schotter und anderen Gesteinen ( 3 )
Von Granit, Schotter und anderen Gesteinen ( 3 )
Wir beginnen unsere Tour am 311 m über dem Meeresspiegel gelegenen Bahnhof Steinerne Renne. In der Vergangenheit ging in der Nähe des Bahnhofs der Bergbau um. Vieles darüber erfahren wir entlang des „Naturkundlich-geologischen Lehrpfads Hasserode“. Hasserode ist ein Ortsteil von Wernigerode. LÖNS nannte sie die „Bunte Stadt am Harz“. Hasserode, ursprünglich ein kleines Dorf an einer Wasserburg, wurde 1907 in die Stadt eingemeindet. Der Lehrpfad beginnt am Bahnhof Steinerne Renne und verläuft parallel der Eisenbahnstrecke. Nach 2,5 km erreichen wir auf diesem Weg das frühere Schotterwerk und die Verladestation Thumkuhlental. Oberhalb dieser Stelle wurden am Beerberg in mehreren kleinen Steinbrüchen Granit und Diorit abgebaut. Bei der Gewinnung von Werksteinen fiel dort auch reichlich kleinstückiges Haufwerk an. Es wurde mit einer 2 km langen elektrisch betriebenen Feldbahn bis zum Bremsberg und von dort hinab zur Verladestation transportiert. Den Strom für die Feldbahn erzeugte das kleine Elektrizitätswerk am Bahnhof Steinerne Renne, das auch heute noch in Betrieb ist. Das Schotterwerk im Thumkuhlental wurde 1899 erbaut. Nur wenige Schritte von der früheren Verladestation entfernt, gelangen wir an eine Kreuzung. Dort halten wir uns rechts. Unser nächstes Ausflugsziel ist der „Ottofelsen“. Während des Aufstiegs erhalten wir zunächst Einblick in einen der ehemaligen Steinbrüche auf der dem Fahrweg gegenüberliegenden Talseite. Dann passieren wir eine Holzhütte, eine Station der Bergwacht des „Roten Kreuzes“. Bald danach verlassen wir auf einem Pfad den Fahrweg und gelangen nach insgesamt 4,3 km an die markante Felsformation des „Ottofelsens“. Über kleine Trittleitern ist diese von „Wollsackverwitterung“ geprägte riesige Granitklippe zu erklimmen. Nach dem erfolgreichen Aufstieg, werden wir bei guter Sicht mit einem wundervollen Harzpanorama belohnt. Wir haben einen Blick auf den Brocken, die Stadt Wernigerode mit ihrem Schloss und auf das Harzvorland bis zum Huy. Danach geht es glücklicherweise nur noch bergab: wir gehen wieder zurück in Richtung der Verladestation, verlassen hier aber nicht den Fahrweg, sondern unterqueren die Harzquerbahn und laufen rechter Hand die kleinen Treppen hinunter. Dort folgen wir weiter dem „Naturkundlichen- Geologischen Lehrpfad“. Wir werden einen geologischen Aufschluß mit 340 Mio. Jahre alten Gesteinsschichten sowie die historische Wasserkunst kennenlernen. Ein nächster wichtiger geologischer Haltepunkt ist das „Lossendenkmal“. Dieses Denkmal wurde dem Königlichen Preußischen Landesgeologen PROF. DR. KARL AUGUST LOSSEN zu Ehren errichtet. Um den Granitsockel befinden sich 33 unterschiedliche Gesteinsarten des Harzes. Eine Tafel informiert über die einzelnen Gesteine und ihre Herkunft. Ein kleiner Pfad mit einer Länge von 1,9 km führt uns zurück zum Bahnhof der Harzquerbahn. Während weiter oben im Gebiet des Ottofelsens eher der Tannenhäher zu Hause ist, begegnet uns hier in den unteren Lagen vielleicht ein Eichelhäher. Manch Wanderer im Harz trägt seine teilweise blaugefärbte Flügelfeder am Hut. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: ca. 9,5 km.
Ausgewählte Hotels
Hotel Brockenscheideck Schierkewww.harz-hotel-brockenscheideck.de
Tel.: (039455) 268
Hotel König Schierkewww.harz-hotel-koenig.de
Tel.: (039455) 383
Cafe Winkler Schierkewww.brockenwirt.de
Tel.: (039455) 235
Hotel-Restaurant-Café "Grüne Tanne" Elend www.mandelholz.de
Tel.: (039454) 460
Text: M. Bunzel, Dr. K. George
Fotos: Bunzel, George Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke
Fotos: Bunzel, George Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke