Im Zeichen des SteinkauzesZwischen Harz
und Goldener Aue

Ruinen Alt-Morungen und Neu MorungenGeburtsstätte des Minnesängers über dem Molkenbachtal
Während Alt-Morungen von der Natur
zurückerobert wird und zunehmend in
Vergessenheit gerät, ist Neu-Morungen
noch ein häufig aufgesuchtes Wanderziel.
Doch der Reihe nach: Mit dem Auto von
Groß Leinungen oder vom Kunstteich
Wettelrode kommend erreichen wir im
Molkenbachtal Morungen. Der 200-
Seelenort ist geprägt von alten Fachwerkhäusern
und einer barocken Dorfkirche
aus dem 14. Jh. Kommen wir aus Richtung
Wettelrode, so fällt der Blick zunächst auf
ein kleines Schloss. Es ist weder eine der gesuchten Burgen,
noch anstelle einer historischen Burg errichtet. Das Schloss
wurde erst im 19. Jh. erbaut. Am Ortsrand gibt eine
Informationstafel wertvolle Hinweise. In nordöstlicher
Richtung führt eine kleine Straße
bergan zum Waldrand. Durch einen
artenreichen Laubwald geht es zur
Burgruine Neu-Morungen. Unterwegs
weisen Wanderschilder zur Sachsenschanze,
vermutlich eine frühere
Fluchtburg, auf jeden Fall Zeugnis
einer frühgeschichtlichen Besiedlung.
Kupferschiefer, der bei Morungen
zutage trat, wurde bereits vor über
1.200 Jahren gewonnen. Von der Burg
Neu-Morungen ist unter anderem ein
Teil des Rundturms erhalten. Der Harzklubzweigverein
Halle-Saale hat hier im
Jahr 1925 eine gusseiserne Tafel
angebracht, die auf die Geburtsstätte
des Minnesängers HEINRICH VON
MORUNGEN hinweisen soll. Da die Burg
Neu-Morungen aber erst im 13. Jh. als
Ersatz für die vom Verfall bedrohte
Burg Alt-Morungen erbaut wurde, ist
der tatsächliche Geburtsort wohl eher auf der alten Burg zu
suchen. Bemerkenswert ist der Ausblick von der Ruine Neu-
Morungen bis hinüber zum Kyffhäuser. Haben wir alles
gründlich erkundet, so können wir wieder ins Tal absteigen
und zurück nach Morungen wandern. In südwestlicher
Richtung steigen wir nun hinauf auf einen Vorsprung des
Bornberges. Hier finden wir die Reste der im 12. Jh.
aufgegeben Burg Alt-Morungen: eine trapezförmig angelegte
Kernburg mit Ringgraben und Wall. Reste der Ringmauer sind
erhalten. Östlich der Kernburg
befand sich zwischen zwei
Abschnittsgräben die Vorburg. Seit
1996 sind die Buchenwälder mit
der Ruine Alt-Morungen Teil des
3.891 ha großen Naturschutzgebietes
„Gipskarstlandschaft
Questenberg“.
Unten im Dorf Morungen steht an
der Kirche eine knapp 700jährige
Sommerlinde Tilia platyphyllos. Sie
ist als Naturdenkmal geschützt.
Ruine Questenburg Hoch über dem Tal der Nasse
Im Naturschutzgebiet „Gipskarstlandschaft
Questenberg“ liegt hoch über dem Ort
Questenberg eine weitere Burgruine. Gleich
hinter der Kirche führt ein schmaler Weg zur
Ruine der Burg Questenberg hinauf. Unterwegs
bietet sich uns ein wunderschöner Blick
auf das Dorf, das Auslaugungstal der Nasse
und die gegenüber liegende Queste als Wahrzeichen
des Ortes. Eine Wanderung ist an
einem sonnigen Herbsttag besonders zu
empfehlen. Das in vielerlei
Farben leuchtende Laub von Eiche, Buche, Ahorn
im Kontrast zu dem hellen Felsgestein zieht
immer wieder die Blicke auf sich. Die Reste der
Burg Questenberg lassen ahnen, wie die in der
Zeit der Spätromanik erbaute Burg einmal
ausgesehen haben
könnte. Die Besitzer der
Burg wechselten oft und
Mitte des 17. Jh. war sie
bereits weitgehend verfallen.
Zurück im Dorf
fällt uns in der Mauer
zum Kirchhof ein Halseisen
auf. Dieses und der
gegenüber stehende hölzerne
Roland sind Zeichen der niederen
Gerichtsbarkeit. Die Rolandsfigur steht
vor einer Winterlinde, die als Naturdenkmal
geschützt ist.
Ruine Grillenburg Gipskarstlandschaft Pölsfeld
In der Gipskarstlandschaft liegt weiter östlich
ein weiteres großes Naturschutzgebiet (859
ha), das den Ort Pölsfeld umschließt und im
Westen bis Grillenberg reicht. Hier finden wir
in der Straße „Langes Tal“ eine Parkmöglichkeit,
und Schilder weisen einen schmalen steilen
Pfad hinauf zum Schlossberg und zur Ruine
der Grillenburg. Ein geologischer Aufschluss
lässt die Herkunft des Baumaterials
der ersten Bauphase der Grillenburg um 1200
erkennen
(Konglomerate und Sandstein).
Ein eigener Adel ist erst 1217 genannt. Die Hauptburg
war ein Kastell mit Wohnturm. Darum legte
sich ein Zwinger mit Halbrundtürmen. Vom
Wohnturm sind drei Außenwände erhalten
(Mauerstärke 3 m). Erhalten sind auch Teile des
Zwingers und Ringmauern der Vorburg. Letztere
sind teilweise in Ziegelstein ausgeführt und werden
einer zweiten Bauphase im 14. Jh. zugeordnet.
Im zeitigen Frühjahr betört uns der würzige
Knoblauchgeruch des Bärlauchs Allium ursinum, der rings um
die Burg reichlich vorkommt.
St. Martini Stolberg Die Gestalt eines Vogels
Das nordwestlichste Ziel unserer Naturerlebnistour
„Im Zeichen des Steinkauzes“ ist Stolberg.
Schon mitten in den Wäldern des Harzes
gelegen kam hier niemals der Steinkauz
vor. Er liebt das Offenland. Ganz anders der
etwa ebenso große Raufußkauz Aegolius
funereus, der „Logovogel“ des Naturparks
Harz in Sachsen-Anhalt, der insbesondere
Nadelwälder liebt und gern Höhlen des
Schwarzspechts bewohnt. Wenn wir von
Questenberg aus über Hayn und den Auerberg
(Wald-
Erlebnispfad am Schindelbruch)
nach Stolberg reisen, durchfahren wir solche Wälder.
Überwiegend prägen aber Rotbuchenwälder das Gebiet im
Unterharz.
Einzige Zeugnisse spätromanischer
Architektur in Stolberg
sind die unteren Geschosse des
Westturms der Stadtkirche St.
Martini und der Rundturm des
Schlosses. Im Zusammenhang
mit dem Geschlecht der Stolberger
Grafen datiert die erste urkundliche
Erwähnung im Jahr
1210. Schon im 13. Jh. wurde
Stolberg das Stadtrecht verliehen.
In der Stadt wurden Münzen
geprägt, sie war von Anfang an Residenz der Grafen zu Stolberg.
Seit 1485 gehörte die Grafschaft als Lehen zum Herzogtum
Sachsen. Der einstmals wichtige Bergbau wurde im 17. Jh.
eingestellt. Doch lange zuvor, am 21. April 1525, predigte
MARTIN LUTHER (1483-1546) in der Stadtkirche gegen den
Bauernaufstand. Er war befreundet mit WILHELM REIFFENSTEIN (um
1482-1538), dem Kanzler der beiden Harzgrafschaften Stolberg
und Wernigerode unter Graf BOTHO ZU STOLBERG (1467-1538).
Reformator und Kanzler bestiegen nach Ostern 1525 den
Berghang, zu dessen Fuß am Stadtrand die Thyra fließt. Auch wir
können heute diese Tour machen. In der Stadt weist ein Schild
zur Lutherbuche. Besser beginnen wir den Aufstieg „Oberer
Bandweg“ jedoch am Hotel „Chalet Waldfrieden“ (kostenlose
Parkmöglichkeit, Kaffeemaschinenmuseum). Das Wanderziel
„Lutherbuche“ beschreibt einen Aussichtspunkt hoch über der
Stadt. Dort stehen noch alte Rotbuchen, keine jedoch so alt,
dass sie noch aus dem 16. Jh. stammen könnte. Hier oben
verglich Luther die Stadt mit einem Vogel:
Das Schloss meinte er, wäre der Kopf, der
Markt der Rumpf, die beiden Gassen die
Flügel, die Niedergasse der Schwanz.
Stolberg hat seine Silhouette bis heute
nicht verändert.
Tourist-Information-StolbergTel.: (034654) 454 oder 19433
www.stadt-stolberg.de
Ulrichskirche Sangerhausen Rosenstadt
Die heutige Kreisstadt ist eine fränkische
Gründung. Das Dorf „Sangerhus“, am Flüsschen
Gonna gelegen, gehörte Ende des 10.
Jh. zum Kloster Memleben. Das Stadtrecht erhielt
Sangerhausen im Jahr 1194. Seit dem
Thüringischen Erbfolgekrieg (1247-1266)
war die Stadt im Besitz des Markgrafen
HEINRICH III., der Erlauchte (1215-1288) aus
dem Geschlecht der Wettiner. HEINRICH III. war
nicht nur Markgraf von Meißen, als welcher er
wie HEINRICH VON MORUNGEN Eingang im Codex
Manesse als Minnesänger fand, er war u. a. eben auch Landgraf
von Thüringen. 1485 fiel Sangerhausen an die Albertiner, eine
Linie der Wettiner, die bis 1918 als Herzöge,
Kurfürsten und Könige in Sachsen
regierten. Im Ergebnis
des Wiener Kongresses
wurde das
gesamte sächsische
Amt Sangerhausen
jedoch dann Teil des
Staates Preußen (Provinz
Sachsen, Regierungsbezirk
Merseburg).
Die kunsthistorisch
bedeutendste Kirche
in Sangerhausen ist die Ulrichskirche
(Station der Straße der Romanik). Sie wurde auf Grund eines
Gelübdes des Thüringer Grafen LUDWIG DES SPRINGERS (1042-1123)
aus dem Geschlecht der Ludowinger in den Jahren um 1073
oder 1116 errichtet. Der Kirchenbau ist burgundisch beeinflusst
(vgl. St. Godehard in Hildesheim), hinsichtlich der Grundrißlösung
und der steilen Proportionen des Innenraums für die
romanische Architektur Mitteldeutschlands ohne Parallele.
Für eine Verbindung von Kultur- und
Naturerleben brauchen wir die Stadt
nicht zu verlassen, denn bereits 1903
gründete der Verein Deutscher Rosenfreunde
in Sangerhausen das Rosarium.
Auf 12,5 ha werden hier heute über
8.300 Rosenarten und –sorten gezeigt
(Öffnungszeit: April-Oktober 8-19 Uhr).
Ein Besuch der idyllischen Anlage lohnt
sich aber selbst im Winterhalbjahr. Aus dem Rosarium heraus
eröffnen sich wunderbare Blicke in die
Landschaft, so etwa zur Spitzkegelhalde
„Hohe Linde“, eine der Landmarken
des UNESCO-Geoparks Harz.
Von der Burg Beyernaumburg nach KlosterodeAuf dem Fahrrad durch das südliche
Harzvorland
Unter KARL DEM GROSSEN (748-814) erhielt
das Kloster Hersfeld im Gebiet zwischen
Unterharz, Unstrut und Saale den Zehnt
zugewiesen. In dem Hersfelder Zehntverzeichnis
sind über 300 Orte erstmals
urkundlich erwähnt, darunter auch der
zehntpflichtige Ort „Niunburc“ und die
dazugehörige „Niuuenburg“. Die Burg
Beyernaumburg gehört also bereits in die
karolingische Zeit. Seinen heutigen Namen
erhielt der Ort durch folgende Begebenheit:
Nach 1113 erhielt Graf WICHMANN VON
GLEUSS-SEEBURG aus dem Geschlecht der Querfurter die Burg
zum Lehen. Da der Graf durch seine Mutter zuvor den Besitz
der in Bayern gelegenen Grafschaft Gleuß erlangte, nannte
man ihn den „Bayer“. Das bot die Möglichkeit, die „Nuenburc“
von ihrer Namensschwester an der Unstrut, der heutigen
Stadt Naumburg, zu unterscheiden. Beyernaumburg kann
also gedeutet werden als:
„Des Bayern neue Burg“.
Der Aufstieg zur Burg
lohnt heute nur wegen
des schönen Ausblicks.
Über neue Rebflächen am
Burgberg schweift der
Blick hinüber zur spätromanischen
Kirche St.
Urbani aus dem 13. Jh.
und weiter auf das
Hügelland der Rohneniederung.
Die typischen
Spitzkegelhalden sind
Zeugnisse der jüngeren
Epoche des tausendjährigen
Bergbaus auf
Kupferschiefer. Erhalten ist der quadratische Bergfried in der
der Kernburg westlich vorgelagerten Vorburg (Umbau im 19.
Jh.). Erhalten sind auch Reste der Ringmauer.
Die Burg war von 1653 bis 1945 im
Besitz der Familie Bülow, die in der
Burganlage ein Schloss erbauen ließ. Den
Schlosspark ließ FRIEDRICH VON BÜLOW (1760-
1831) anlegen (in der zweiten Hälfte des
19. Jh. umgestaltet, diverse Familiengräber).
Beyernaumburg liegt am Westrand eines
sehr schönen Waldgebietes. Durch die
Mischwälder und später am Waldrand
entlang verläuft in nordöstliche Richtung
der Harzvorland-Radwanderweg. Er führt
uns zu unserem nächsten Ziel: Klosterode.
Das dortige Kloster wurde um 1150 durch
den Prämonstratenserorden gegründet, im
Bauernkrieg geplündert und 1543 säkularisiert.
1567 kaufte OTTO HEINRICH VON
BODENHAUSEN das Gut von den Mansfelder
Grafen und ließ den Renaissanceturm des alten Schlosses
bauen. Das Schloss beherbergt eine Heimatstube mit
Sammlung landwirtschaftlicher Geräte und bäuerlicher
Gebrauchsgegenstände.
Romanisches Portal Wolferstedt In der Niederung der Rohne
Von Klosterode aus fahren wir auf dem
Harzvorland-Radwanderweg 2,5 km zurück
um dann nach Süden in Richtung
Liedersdorf abzubiegen. Liedersdorf war
als „Lindolvesdorf“ bereits 899 im Zehntverzeichnis
des Klosters Hersfeld gelistet.
Das nordhessische Benediktinerkloster
wurde im Jahr 769 gegründet. Von
Hersfeld aus betrieben der erste Abt LULLUS
und Kaiser KARL DER GROSSE die Unterwerfung
und Christianisierung
der Thüringer
und der Sachsen. Das erste noch
bekannte Zehntverzeichnis stammte aus
dem Jahr 880, ein weiteres wurde 899 in
der Amtszeit von Abt HARDERAT erstellt.
Darin wird auch „Vuolfheresstedi“ im
Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt.
Friesenfeld war ein Gau, der sich im
Gebiet zwischen Allstedt und Merseburg
erstreckte, benannt nach Friesen, die sich
hier als Kolonisten ansiedelten. „Vuolfheresstedi“,
das heutige Wolferstedt, ist
unser eigentliches Ziel. Dorthin geht es
auf einem südlich der Kirche St. Cyriakus
von Liedersdorf nach Süden führenden
Weg. Der Weg ist sehr gut ausgebaut.
Wir kreuzen die Autobahn A38 und
erreichen kurz darauf Wolferstedt.
Zunächst steuern wir die St. Veits-Kirche an. Turm und
Kirchenschiff sind saniert. Die Südwand schmückt ein
romanisches Portal aus dem Jahr 1180. An das Dorf grenzt
südlich die Niederung der Rohne. Sie entwässert ein weit
nach Osten reichendes Gebiet, fließt weiter Richtung Allstedt
und mündet schließlich in die Helme. Die Rohneniederung
bei Wolferstedt zeigt noch alle Merkmale eines klassischen
Steinkauzlebensraums. Auf den ausgedehnten Grünlandflächen
konnte die kleine Eule jagen, in den Kopfweiden fand
sie Tageseinstand und Bruthöhle. Im Osten Deutschlands
gibt es von der kleinen Eule, die früher jedes Kind kannte,
nur noch wenige isolierte Restvorkommen. Der aktuelle
Status der Art im Sangerhäuser Gebiet bedürfte einer
genaueren Untersuchung. Für den meist zu Fuß jagenden
Steinkauz scheint allerdings das Gras auf den Wiesen bei
Wolferstedt nicht kurz
genug. Noch im November
stehen die
Schafe im vollen
Futter. Früher waren
die Nutztierbestände
viel höher, ortsnahe
Wiesen beweidet von
Kühen, Pferden, Schafen
und Gänsen. Das
war dem Steinkauz
gerade recht!
Burg und Schloss Allstedt Höckerschwäne und alte Eichen
Von Wolferstedt führt ein Weg rechts der
Rohne nach Allstedt. Dort ist unser
nächstes Ziel das Schloss auf der alten
Burg (Museum & Café). Auf dem Burgberg
befand sich einstmals eine der bedeutendsten
Pfalzanlagen der Harzregion, die
wohl schon zur Zeit der Karolinger angelegt
wurde (erste urkundliche Erwähnung
der altthüringischen Siedlung
„Altsedi“ im Jahr 777). Bis zur
Stauferzeit war sie als Teil
des königlichen Tafelguts ein beliebter
Aufenthaltsort der Könige und Kaiser. In
ununterbrochener Reihenfolge blieb sie seit
HEINRICH I. (876-936) bis um das Jahr 1200 Kaiserpfalz
und Reichsburg. Unter OTTO II. (955-
983) war Allstedt die meistbesuchte Pfalz in
Sachsen. Von der romanischen Anlage erhalten
sind jedoch lediglich Gräben und Reste der
alten Wehrmauer. Der weithin sichtbare
gotische Torturm erhielt seine Renaissancebekrönung
im Jahr 1746.
Ein interessantes Zeugnis romanischer Architektur
ist hingegen die Wigbertikirche
(querrechteckiger Turm mit dreifach
gekuppelten Schallöffnungen in den Breitseiten).
Auf dem Goetheweg gelangen wir vom
Schloss hinunter in die Stadt. An der
Schloßstrasse lädt der Teich zum Verweilen
ein. Es bietet sich ein schöner Blick zurück
zum Schloss, und außerdem können wir
verschiedene Wasservögel beobachten:
Höckerschwäne, Stockenten, Teichhühner
u. a. Nachdem wir auch die Wigbertikirche
aus der Nähe betrachtet haben, zieht es uns
zurück in die Natur. Durch die Straße „Unter
den Linden“ gelangen wir zum Allstedter
Wald. Schon am Waldrand fallen mächtige
alte Eichen auf. Im Wald selbst soll einmal
die Sophieneiche gestanden haben, im Jahr
1900 benannt nach der Gattin des letzten
Großherzogs ALEXANDER VON SACHSEN-WEIMAR.
Der Baum ist inzwischen abgestorben. Besonders
in grauen Novembertagen scheint
es dennoch ein mystischer Ort. Spaziergänge
oder Radtouren im Allstedter Wald
lohnen zu jeder Jahreszeit. Die alten
Laubwälder beheimaten eine artenreiche
Vogelwelt, darunter mehrere Spechtarten.
Die Wege sind ausgeschildert, der Naturlehrpfad
bedürfte jedoch dringend einer
Pflege: Schilderpfähle sind abgefault und
ruhen gelegentlich angelehnt an lebenden
Bäumen. Der Allstedter Wald markiert den
nordwestlichen Ausläufer des Ziegelrodaer
Forstes. Wagen wir uns etwas tiefer hinein,
so erreichen wir das 88 ha große Naturschutzgebiet
„Borntal“. Es wurde 1961 unter
Schutz gestellt und umfasst naturnahe Waldgesellschaften
auf Buntsandstein im Übergangsbereich vom Harz in das
mitteldeutsche Trockengebiet.
Wallhausen Goldene Aue
Nördlich von Allstedt fahren wir auf die
Autobahn in Richtung Göttingen. Die
blühenden Rapsfelder waren es nicht, die
der Goldenen Aue, in die wir jetzt fahren,
den Namen gaben. Vielmehr war es eine
nahe verwandte Wildkrautart aus der Familie
der Kreuzblütengewächse: Hederich
Raphanus raphanistrum, der als Ackerunkraut
die Landschaft gelb färbte. Einst
fragte so die hl. MATHILDE (895-968): „Wem
gehört dieses schöne Land, Herr Heinrich?“
Es war im Jahr 909, als sie von Herford nach
Wallhausen im Südharzvorland gebracht wurde, um dort den
späteren König des Ostfränkischen Reiches HEINRICH I. zu
heiraten. 912 wurde in Wallhausen ihr erster Sohn geboren
(OTTO I., ab 962 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches). Wir
fahren also an Sangerhausen vorbei und erreichen mit
Wallhausen (Autobahnabfahrt) unser
nächstes Ziel. Romanische Reste sind im
Untergeschoss des aus dem 16. Jh. stammenden
Schlosses erhalten, darunter Säulen
mit flachen Kapitellen und Ecksporen
an den Basen. Das Schloss soll ein Ort
moderner Kunst werden. Das Dorf Wallhausen
wurde im April 1945 bombardiert.
Pfalz Tilleda Freilichtmuseum am Kyffhäuser
Auf der Straße der Romanik geht es
zunächst nach Süden. Vor dem Ort Brücken
queren wir die Helme. Sie fließt durch die
Goldene Aue und weiter nach Osten durch
das Ried um schließlich bei Kalbsrieth in die
Unstrut zu münden. In Hackpfüffel biegt die
Straße der Romanik nach Westen ab. Mit
Blick auf das Kyffhäuserdenkmal fahren wir
nach Tilleda um das Freilichtmuseum
Königspfalz zu besuchen (täglich geöffnet).
Nach archäologischen Befunden wurden
einige Gebäude rekonstruiert. Mehrere Gebäudegrundrisse
wurden zudem durch
Ausgrabungen freigelegt und bestimmt. Ein Kammertor aus
dem 12. Jh. ist in einer Höhe von 1,6 m erhalten.
Die Pfalz Tilleda war nicht nur häufig aufgesuchter Aufenthaltsort
von Kaisern, Königen und deren Gefolge, sondern auch
Handwerksplatz (Eisengießer, Tuchmacher). Wie den Königshof
Nordhausen schenkte OTTO II. auch Tilleda seiner Gemahlin
THEOPHANU (955-991). Dies führte zur ersten urkundlichen
Erwähnung der Pfalz im Jahr 972. Barbarossa,
der Staufer FRIEDRICH II. (1211-1290),
lagerte hier vor seinem fünften Italienfeldzug,
und schließlich versöhnte sich der
Staufer HEINRICH VI. († 1150), Mitkönig unter
seinem Vater KONRAD III. (1093-1152) in der
Pfalz Tilleda mit dem aus England
zurückgekehrten HEINRICH DEM LÖWEN (1129-
1195) aus dem Geschlecht der Welfen.
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Ausgewählte Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel „Katharina“Sangerhausen
www.hotelkatharina.de
Tel.: (03464) 2429-0
Landhotel „Sachsenhof“Kelbra
www.sachsenhof.de
Tel.: (034651) 4140
Waldcafé am KunstteichWettelrode
www.waldcafé-wettelrode.de
Tel.: (03464) 587428
Hotel-Pension „Am Rosarium“Sangerhausen
Finkenstraße 24
Tel.: (03464) 578273
Wellness-Hotel SchindelbruchStolberg/Harz – Auerberg
www.schindelbruch.de
Tel.: (034654) 8080
Hotel Beutel „Chalet Waldfrieden“Stolberg/Harz
www.hotel-beutel.de
Tel.: (034654) 8090
Text, Fotos & Redaktion: Dr. K. George, C. Linke
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