Sommer im Naturpark Harz Sachsen Anhalt
Juni
Über der Baumgrenze ( 1 )
Motiv Am 8. Juni 1890 legte der Direktor des Botanischen Gartens der Universität Göttingen, Prof. Dr. ALBERT PETER einen Versuchsgarten auf dem höchsten Berg des Harzes an, den ersten Alpenpflanzengarten in Deutschland! Während der Weltkriege unterbrochen, wurden knapp 100 Jahre später scheinbar endgültig Pflege und wissenschaftliche Arbeit im Brockengarten eingestellt. Von ehemals 1.400 konnten so im Jahr 1990 nur noch 90 Pflanzenarten nachgewiesen werden. Ein Garten war als solcher überhaupt nicht mehr erkennbar. Heute beherbergt der Brockengarten über 1.600 Pflanzen aus alpinen Gebieten der ganzen Erde. Ein begehbarer Schauteil bringt uns die Mannigfaltigkeit der Hochgebirgspflanzen näher. Qualifizierte Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung empfangen Urlauber, Wanderer, Naturfreunde, Schulklassen oder andere Gruppen während der Vegetationszeit von Mai bis Oktober montags bis freitags jeweils um 11:30 Uhr und 14:00 Uhr zu kostenlosen Führungen. Auch an Wochenenden und Feiertagen gibt es im Anschluss an die geführten Wanderungen auf dem Rundweg die Möglichkeit den Garten zu besichtigen: Treffpunkt ist jeweils um 11:15 Uhr und 13:00 Uhr zwischen Wetterwarte und Bahnhof. Artenschutz hat im Nationalpark natürlich eine besondere Bedeutung, denn hier sollen die vom Aussterben bedrohten und besonders gefährdeten Arten in ihren Beständen erhalten werden. Zu diesen Arten gehören beispielsweise Brockenanemone und Zwergbirke. Weitere Kostbarkeiten des Brockengartens sind unter anderem Alpenwaldrebe, Stengelloser Enzian, Alpenrose, Alpenleinkraut, Weißer Hahnenfuß und Rasiger Steinbrech. Widmen wir uns nun den Gesteinen: Am Rundwanderweg der Brockenkuppe treffen wir auf die Geotope "Teufelskanzel" und "Hexenaltar". Dort verbrachte Goethes Dr. Faust die Walpurgisnacht. Es ist dies die Nacht zum 1. Mai, in der alle Hexen den Winter mit ihren Besen vertreiben. Ob er da wohl einen Blick für die seltene Alpenringdrossel übrig hatte, die in Norddeutschland ausschließlich auf dem Brocken brütet? Weil sich auch außerhalb des Brockengartens seltene Tiere, bemerkenswerte Flechten, seltene Bärlappe und viele andere unscheinbare Mitbewohner unserer Erde angesiedelt haben, beachten wir gerne das Wegegebot.
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Juli
Von der Schiene auf's Boot ( 2 )
Motiv Im schönen Sommermonat Juli wird uns die Harzer Schmalspurbahn in den kleinen Harzort Stiege (500 m ü. NN) bringen, denn hier können wir die mit nur 400 m Länge kleinste Eisenbahnwendeschleife Europas bestaunen. Nicht nur für "Landratten" beginnt am Bahnhof Stiege unser Weg mit der Markierung "TS 5". Er führt entlang der Gleise der HSB durch die liebliche Landschaft. Nach ca. 1,0 km werden wir auf dem Mühlberg auf einen schön gelegenen Grillplatz treffen. Folgen wir dem Weg nur einige Meter weiter, so sind wir schon am Oberteich mit seiner Naturbadestelle angekommen. Wer aber lieber das Ruder schwingt, der ist nach ein paar Minuten am Schulteich genau richtig. Hier bietet sich die Möglichkeit mit Ruder- oder Tretboot die Natur auf diesem Gewässer zu erleben! Die künstlich angestauten Gewässer der beiden Teiche dienten als Wasserspeicher und wurden im 16. Jh. zum Antreiben von Kupferhämmern benötigt. Später wurden sie zur Fischerei genutzt. Heute sind sie ein beliebtes Ziel der Touristen. Über dem Ufer des Schulteiches erhebt sich das 1329 erstmals urkundlich erwähnte Schloss. Es war ein Jagdschloss und diente dem Schutz des damals betriebenen Bergbaus. Die Teiche sind sehr wichtige Lebensräume für viele Tierarten, darunter verschiedene Wasservogelarten. Die heimlichste unter ihnen ist der sich meist in der Ufervegetation verbergende Zwergtaucher. Sein größerer Verwandter, der farbenprächtige Haubentaucher hingegen, führt um diese Jahreszeit seine schwarz-weiß gestreiften Jungen auf dem offenen Gewässer. Ebenfalls an die Verlandungszone der Teiche angepasst ist das zur Gattung der Rallen gehörende Blässhuhn. Es führt sogenannte "Schachtelbruten" aus, so dass wir Jungvögel verschiedenen Alters und verschiedener Größe beobachten können. Die häufigste Wasservogelart ist die Stockente. Die Zahl der Männchen mit ihren metallisch grün glänzenden Köpfen scheint zu überwiegen. Sie haben bereits ihre Mauser, den Gefiederwechsel, begonnen, während die meisten Weibchen noch ihre Jungen führen. Eine echte Besonderheit sind die erst in den letzten Jahrzehnten im Harz als Brutvögel eingewanderten Reiherenten. Sie sind kleiner und brüten später als die Stockenten. Besonders auffällig sind die schwarz-weiß gefärbten Männchen. Anders als die Stockenten unternehmen sie zur Nahrungssuche ausgedehnte Tauchgänge. Einstmals der Herrscher großer einsamer Seen, ist inzwischen auch der Höckerschwan weit verbreitet und ebenfalls Brutvogel auf den Stieger Teichen. Seinem Herrschaftsanspruch angemessen, kann er mit großer Aggressivität seine oftmals als "hässliche Entlein" bespöttelten Jungen verteidigen. Nicht nur deshalb sollten wir seine Ruheansprüche und die der anderen Wasservögel akzeptieren und mit dem Boot angemessenen Abstand wahren! Nach unserer Teicherkundung laufen wir entweder den Weg "TS 5" oder die "Lange Straße" zurück zum Bahnhof. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: ca. 4,0 km.
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August
Verhexte Königskapelle ( 3 )
Motiv Haben wir nicht schon immer von einer abenteuerlichen Reise zu verhexten Felsblöcken, geheimnisvollen Pfaden und wilden Fichtenwäldern geträumt? Zwar wird auf der vorgeschlagenen Tour nicht jeder Traum in Erfüllung gehen, doch wollen wir erst einmal losgehen: Wir starten am Bahnhof Drei Annen Hohne (543 m ü. NN). Um nicht mehr als nötig auf einem gut ausgebauten Fahrweg wandern zu müssen, begeben wir uns zunächst auf den "Löwenzahn-Entdeckerpfad" des Nationalparks Harz. Hier gibt es so viele Spielmöglichkeiten, dass Familien mit Kindern empfohlen wird, genügend Zeit mitzubringen. Wir gehen von der mächtigen alten Eiche zum nördlich gelegenen Hauptwanderweg und folgen der Wegmarkierung mit dem roten Balken zunächst in Richtung der "Leistenklippe". Bald wird dann auch unser erstes Wanderziel, der "Trudenstein", auf einem Wegweiser erwähnt. Am Wegesrand werden uns Roßkastanien, Rotbuchen, Fichten sowie die Pionierbaumarten Schwarzerle, Hängebirke und Eberesche begleiten. Als Pionierpflanzen werden Pflanzen bezeichnet, die als erste einen vegetationslosen Boden besiedeln. Dort wo wir den Wormkegraben überqueren, haben wir bereits eine stattliche Höhe von 640 m über dem Meeresspiegel erreicht. Der Graben wurde in der Vergangenheit von Fischern und zum Antrieb von Mühlen genutzt. Wir gehen weiter bergan und dann auf dem Glashüttenweg in Richtung Brocken. Nach insgesamt 2,6 km sind wir endlich am mysteriösen "Trudenstein" angelangt. Obwohl dem Felsgebilde 1894 versehentlich der Name "Königskapelle" gegeben wurde, hat sich die Bezeichnung "Trudenstein" gehalten. Warum? Angeblich hat dieser Granitbrocken Ähnlichkeit mit einer Hexe, mundartlich "Trute". Vom "Trudenstein" haben wir eine herrliche Sicht und mit etwas Glück können wir die Brockenbahn hören und sehen. Nun geht's weiter Richtung "Bärenklippe". Dorthin haben wir einen anstrengenden - aber zum Glück nur 0,5 km langen Anstieg zu bewältigen. Nachdem wir auf dem "Hohnekopf" angekommen sind, halten wir uns rechter Hand und laufen den ausgeschilderten Weg zurück nach Drei Annen Hohne. Am Alten Forsthaus vorbei, sind wir nach 3 km wieder am Bahnhof der Harzquerbahn angelangt. In Jahren mit reichlichem Zapfenbehang der Fichten, gehört der Erlenzeisig zu den häufig im Oberharz zu beobachtenden Vogelarten. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: ca. 6,0 km.
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Motiv Touristinformation Wernigerode
Tel.: (03943) 633035
www.wernigerode-tourismus.de
Ausgewählte Hotels
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Schierke
Tel.: (03455) 120
www.brockenhotel.de
Motiv "Waldgasthaus und Hotel Drei Annen"
  Drei Annen Hohne
 Tel.: (039455) 570-0
Motiv Hotel "Der Kräuterhof“
Drei Annen Hohne
Tel.: (039455) 840
www.hotel-kraeuterhof.de
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Text: M. Bunzel, Dr. K. George
Fotos: Bunzel, George, Hellmann, HSB