Von Quedlinburg in die Domstadt Halberstadt
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Unsere Karte zeigt den Verlauf des beschriebenen Teilabschnitts des insgesamt 550 km langen Geschichtspfades „Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“.
Ruhe findenWege Deutscher Kaiser und Könige
im Harzvorland
Motiv Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, von Quedlin burg nach Halberstadt zu laufen? Wahrlich, eine Notwendigkeit dazu besteht heute nicht mehr. Wer über ein eigenes Fahr zeug verfügt, nutzt die Bundesstraße B 79, gelangt nach 20 Minuten Fahrtzeit aus dem Zentrum der UNESCOWelterbestadt Quedlinburg zum Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Harz in Halber stadt. Eine Bahnverbindung gibt es sogar bereits seit 1863. Moderne Züge verkehren heute im Stundentakt. Der sanierte Bahnhof Halberstadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Gut erreichbar sind von dort nicht nur die Landeshauptstadt Magdeburg sowie Vienenburg in Niedersachsen, der zweite wichtige Eisenbahnknotenpunkt im nördlichen Harzvorland, sondern in Richtung Blankenburg auch touristische Ziele wie Langenstein und der Bahnhof Börnecke im Regensteingebiet. An ihnen führt die in diesem Faltblatt beschriebene Wanderroute vorbei. Das könnte für die ganz individuelle Tourplanung durchaus von Bedeutung sein. So sind wir dann auch schon bei einem guten Grund, doch einmal von Quedlinburg in die Domstadt Halberstadt zu laufen: Wir wollen uns bewegen, dabei möglichst viel entdecken und eben nicht auf dem schnellsten Wege von einer Stadt in die andere gelangen. Lassen wir uns ein auf die wunderschöne Landschaft in einem mittelalterlichen Machtzentrum des Heiligen Römischen Reiches. Lassen wir uns vor allem Zeit! Wir wollen Abstand nehmen von der Hektik unseres Alltags; wir wollen wandern! Die hier beschriebene Tour ist Teil Netzes „Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“. Die Idee dafür wurde am Rande des 96. Deutschen Wandertages 1996 in Wernigerode geboren. Eine eigens für die Realisierung gegründete Arbeitsgruppe ist noch heute aktiv und eng vernetzt mit dem Harzklub. Der Regionalverband Harz als Träger der Naturparke Harz in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen hat es sich zum Ziel gesetzt, die ehrenamtlichen Akteure bei der Erhaltung des bedeutenden Geschichtslehrpfades zu unterstützen. Mit einer mehrteiligen Faltblattserie trägt er dazu bei, die Bekanntheit der „Wege Deutscher Kaiser und Könige“ zu erhöhen. Auch die Beschilderung und mehrere Informationstafeln konnten mit Unterstützung des Naturparks erneuert werden.
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Fenster in die Erdgeschichte Von Quedlinburg in Richtung Brocken
Am Horizont prägt westlich von Quedlinburg „Vater“ Brocken das markante Bild der Harzsilhouette. Luftlinie nur 36 km entfernt, kann der mit 1.141 m höchste Berg des Natur- und Geoparks uns dennoch allein an klaren Tagen den Weg weisen. Unabhängig vom Wetter hält zwischen Marktplatz und Schloss Quedlinburg montags bis freitags die Informationsstelle des Natur- und Geoparks Harz in der Hohen Straße allerlei Tipps und Informationsmaterial bereit. Eigentlicher Ausgangspunkt der Wanderung und der 7 km langen ersten Etappe ist aber die Stiftskirche auf dem Schlossberg. Sie kann außer montags täglich besichtigt werden (Öffnungszeiten: www.domschatzquedlinburg.de). Die Stiftskirche St. Servatii erhebt sich heute anstelle einer mittelalterlichen Pfalz. In der Kapelle der Pfalz Quedlinburg ließ Königinwitwe MATHILDE († 968) am 31. Juli 936 ihren Mann, den ostfränkischen König HEINRICH I. begraben und gründete am selben Tag ebenda ein Kanonissenstift. Nur wenige Wochen später, am 13. September, bestätigte König OTTO I. († 973) die Gründung seiner Mutter, stattet das Stift reich aus und verlieh ihm die Immunität. Mitte des 16. Jh. wird es im Ergebnis der angenommenen Reformation als „Kayserliches freyes weltliches Stift Quedlinburg“ bezeichnet. An der Spitze stand als Souverän eine Äbtissin, eine Frau aus dem europäischen Hochadel. Die seit 1477 bestehende kursächsische Vogtei wurde in der Neuzeit an das Kurfürstentum Brandenburg verkauft, das die Schutzherrschaft formell ab 1697 ausübte. In der Folge des Friedens von Lunéville fiel das Stift als Fürstentum Quedlinburg 1803 endgültig an Preußen. Die Grenze zum benachbarten Westerhausen verlor damit vollends an Bedeutung. Von der Stiftskirche führt der Weg unterhalb des Münzenbergs durch die Langenbergstrasse und den Bornholzweg aus der Stadt hinaus. Nach knapp 2,5 km kreuzt der Rundwanderweg R1, der u. a. die Wälder von Steinholz und Altenburg verbindet. Gehen wir auf ihm ein paar Schritte in südliche Richtung, können wir über Rebflächen zurückschauen auf den Schlossberg und die Stiftskirche. Die Stadt Quedlinburg selbst liegt im Tal der Bode; sie bleibt unserem Blick verborgen. Der weitere Weg nach Westen führt am südlichen Waldrand des Langenbergs entlang, zunächst gesäumt von Robinien. Bald erreichen wir die Grenze des Landschaftsschutzgebietes, die Bebauung findet ihr Ende. Der Brocken, wenigstens aber Westerhausen - unser nächstes Etappenziel, geraten ins Blickfeld. 4 km liegen nun bereits hinter uns, da bemerken wir durch den dürren Kiefernwald auf dem Kamm des Langenbergs eine Felsgruppe. Unter dem Namen „Kleines Kamel“ sind die Felsen samt Umfeld eingetragen in das Naturdenkmalverzeichnis. Am schönsten ist es dort oben zur Zeit der Heideblüte. Als Geotop gewährt das Naturdenkmal einen Einblick in die Erdgeschichte. Die Felsen bestehen wie der Schlossberg Quedlinburg aus kreidezeitlichem Sand.
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Landbrücke Westerhausen
Motiv Westerhausen liegt inmitten eines einstmals ausgedehnten Feuchtgebietes. Die Situation vor den umfangreichen Entwässerungen durch flämische Siedler im 12. Jh. beschreibt die Informationstafel Westerhausen-Bornholzweg. Nach gründlichem Studium derselben, gehen wir links zwischen den Gartenanlagen hindurch. Nach 400 m biegt der „Kaiserweg“ dann scharf rechts ab. Wir erreichen Westerhausen an der Kindertagesstätte am Kuckucksberg. Der historische Weg führte vorbei am Junkerhof, einer alten Wasserburg, welche die schmalste Stelle des Seearms zwischen Großem Bruchsee und Moorteich zu schützen hatte. Wir wählen den folgenden Weg: vom Kuckucksberg rechts in die Feldstraße, dort gleich nach den Parkplätzen auf der Fußgängerbrücke über den Zapfenbach und weiter durch das Feuchtgebiet „Ellern“. Hier hat sich wieder eine typische Vegetation angesiedelt. Im Schilf singt die Rohrammer. Dort wo noch Pferde weiden, blüht im Frühjahr das Wiesenschaumkraut auf nassen Wiesen. Wir kommen in der Hessengasse an, halten uns links. Es geht durch die Planstraße bis zur Schulstraße und dort zur Kirche St. Stephani. Sie wurde 1180 am jetzigen Ort errichtet. Aus jener Zeit erhalten geblieben ist der spätromanische Turm, der seit 1702 anstelle des ursprünglichen Satteldaches zwei barocke Zwiebeltürme trägt. 1702 wurden auch die Linden an der Kirche gepflanzt. Die erneuerte Turmbekrönung zeigt jeweils den heiligen Stephanus mit den drei Steinen, darüber auf dem Südturm das Malteserkreuz und auf dem Nordturm den Preußenadler. In Westerhausen, ursprünglich Königsgut, besaß Kaiser HEINRICH IV. († 1106) Grundbesitz. Nachgewiesen im Lehnsverzeichnis von 1202/1227 des Grafen SIEGFRIED VON BLANKENBURG, hatten die Grafen von Blankenburg die vom Bistum Halberstadt lehnsrührige Herrschaft über Westerhausen und dem gleichnamigen Rittergeschlecht inne. Der später sogenannte „Junkerhof“ war eine Niederungsburg der Grafen. 1599 erlosch das Regen stein/ Blankenburger Grafengeschlecht im Mannes stamm. 1643 hatte Erzherzog LEOPOLD WILHELM VON ÖSTERREICH (†1662) als Bischof von Halberstadt seinem Berater und halberstädtischen Kämmer er, Graf WILHELM LEOPOLD VON TATTENBACH († 1661), die Graf schaft Regenstein zum Lehen gegeben. Endgültig ließ Brandenburg 1670 die Grafschaft Regenstein einziehen, nachdem das Kurfürstentum bereits im Westfälischen Frie den 1648 neuer Herr über Halberstadt geworden war, wozu auch die Grafschaft Reinstein/ Tättenbach als ehemaliger Halberstädter Lehnsteil gehörte. Westerhausen war danach preußischer Amtssitz. Wir verlassen Westerhausen auf folgendem Wege: am Ende der Schulstraße nach rechts in die Straße Hinter dem Amt, dann die alte B6 überqueren und durch den Hohlweg bis hinauf zum Friedhof, von wo aus wir schon die Königsteine sehen können.

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Kaiserweg trifft auf vierspurige Bundesstraße Ins alte Braunschweiger Land
An den Königssteinen beginnt der im Faltblatt „Vom Königstein zur Königspfalz“ beschriebene Abschnitt der „Wege Deutscher Kaiser und Könige“ über den Unterharz nach Tilleda mit einem Abstecher nach Thale. Auf dem Weg in Richtung Königsteine, erstes Ziel der 3 km langen Etappe, queren wir zunächst die wenig befahrene Kreisstraße, die Westerhausen und Börnecke verbindet. An den Königsteinen führt ein Hohlweg hinab zum Hungerstein. Wir aber halten uns links, wandern am Nordrand des bewaldeten Höhenzuges Richtung Westen, bis uns der Wildschutzzaun der vierspurigen Bundesstraße B6 den Weg versperrt. Hier in dieser Gegend wollen wir nicht länger verweilen; der Verkehrslärm stört das Landschaftserleben doch erheblich. Am Zaun entlang gehen wir deshalb eilig zur Unterführung und auf dem Plattenweg direkt nach Börnecke. Unbemerkt passieren wir auf halbem Weg die historische Grenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Braunschweig. Diese Grenze verlor nach dem Zweiten Weltkrieg ihre landespolitische Bedeutung, war zeitweilig noch Bezirks- und Kreisgrenze und trennt heute lediglich die Stadt Thale mit ihrem Ortsteil Westerhausen vom Ortsteil Börnecke der Stadt Blankenburg.

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Legendäre QuelleAm Brunnen
Motiv Born steht im ostfälischen Sprachraum für Brunnen. Der Wortstamm findet sich in Ortsnamen wie Badeborn oder eben auch Börnecke. Ganzjährig fließende Quellen waren hier im mitteldeutschen Trockengebiet, im Regenschatten des Brockens, ein guter Grund für die Gründung von Ansiedlungen und die Trassierung von Handelswegen. Für die Zeit vor deren ersten urkundlichen Erwähnung gibt es reichlich archäologische Befunde und nicht selten auch Legenden. Die Börnecker Legende erzählt von einem Einsiedler, der inmitten des Waldes wundersame Kuren verabreichte; er hatte regen Zulauf. Siedler ließen sich bei ihm am Brunnen nieder und begannen den Wald zu roden. Die erste urkundliche Erwähnung fand der Ort als Burnaccherunt im Jahr 1006: König HEINRICH II. († 1024) bestätigte die Schenkung des Ortes an seinen Kaplan DIEDRICH. Ein Kaplan stand zu jener Zeit der Hofkapelle, der einzigen institutionellen Verwaltungseinheit am Königshof vor. Mit der Ausführung der dort schriftlich verfassten Kapitularien, der königlichen Weisungen, waren die Grafen befasst; es waren unter der Regierung HEINRICHS II. im Harzgau VOLKMAR II. († 1015) und LIUTGER († vermutlich 1031). Der legendäre Brunnen, die mineralhaltige Schwefel-Eisen- Quelle, schüttet noch heute. Seit 1964 ist die Quelle als Naturdenkmal geschützt. Der Weg dorthin führt uns durch die Gartenstraße entlang des Ortsrandes Börnecke, ehe wir nach 400 m links zum Seeberg gehen. Nach weiteren 200 m erreichen wir eine Informationstafel. Unweit davon entdecken wir die Schwefel-Eisen-Quelle.

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Die Ruhe genießenZum Bahnhaltepunkt Börnecke
Motiv Es mutet schon merkwürdig an, dass, nachdem wir Börnecke verlassen haben, bis zum Bahnhaltepunkt des Ortes noch 3 km vor uns liegen. Es ist aber eine erholsame Etappe. Zunächst nehmen wir den mit Gras bewachsenen Weg am nordöstlichen Rand des Seebergs. Der Wald wächst langsam hinein in die aufgelassene Streuobstwiese, die ihn vom angrenzenden Acker trennt. Eine Birke neigt sich über unseren Weg. Sie wurde gebeugt von schwerer Reif- und Eislast an nasskalten Wintertagen. Am Wegesrand blüht von April bis Juni die Große Sternmiere aus der Familie der Nelkengewächse. Wenige Schritte weiter haben Rote Waldameisen einen großen Haufen trockener Nadeln auf dem selten be fahrenen Weg aufgeschichtet. Dieser führt nun in westlicher Richtung bergan, quert den Seeberg und trifft am Rande des Hoppelberges auf den Harzklub-Hauptwanderweg 37K. Wir sind hier unmittelbar an der Grenze zwischen dem Bistum Halberstadt (später Preußen) und der Grafschaft Blankenburg- Regenstein (später Braunschweig). Am Rande des Hoppelberges kann man einen Graben und Steine aus verschiedenen Materialien und Epochen entdecken, die die Grenze kennzeichneten. Wir wenden uns aber in süd westliche Richtung. Auf den vor uns liegenden Weg durch die Feldflur, bis zum Großen Rönneberg, zum Regenstein und sogar bis zum Brocken können wir von der bereits im Jahr 1915 aufgestellten Harzklubbank blicken.

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Reiner weißer Sandstein: „Reinstein“Am Fuße des Regensteins
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Wer eine ältere Harzkarte dabei hat, die den Verlauf der „Wege Deutscher Kaiser und Könige“ zeigt, darf auf der bevorstehenden 5 km langen Etappen nicht am rechten Weg zweifeln! Maßgeblich sind die Beschilderung vor Ort und diese Beschreibung: Am Bahnhof Börnecke queren wir die Gleise und halten uns scharf links. Nach 1,2 km verlassen wir den Hauptweg, wandern rechter Hand in Richtung Regenstein und Heimburg. Wir halten die eingeschlagene Richtung, wählen an der Schutzhütte den Knappenpfad (Nordic-Walking-Route), halten uns auch nach gut 1 km an einer Vierwegekreuzung weiter geradeaus und nach noch einmal 400 m an der Gabelung rechts. Nach weiteren 200 m geraten die Sandhöhlen im Heers (Stempelstelle Nr. 81 der Harzer Wandernadel) in den Blick und verraten uns: Wir sind richtig! Weiter geht es an den Fuß des Regensteins, der sich 75 m über der alten Heerstraße, dem über Jahrhunderte Quedlinburg und Goslar verbindenden Schalkesweg, erhebt. Nach dem reinen weißen Sandstein („Reinstein“) aus der Zeit der Oberkreide nennt sich seit dem 12. Jh. ein Zweig der Blankenburger Grafen. KONRAD, der jüngste Sohn POPPOS, des mutmaßlichen Begründer des Grafengeschlechts, ist in einer Urkunde des Halberstädter Bischofs 1167 erstmals als comes Cunradus de Regenstein bezeugt. König LOTHAR III. († 1137) hatte seinem treuen Vasallen POPPO I. († 1164) einstmals die Harzgaugrafschaft überlassen. Nach dem Aussterben der Grafen von Blankenburg 1367 wurde schließlich das Gesamthaus und damit, neben zahlreichen anderen, Halberstädter und Welfische Lehnsteile unter der Regenstein/Heimburger Linie vereinigt. Als dann jedoch schließlich 1599 auch das Geschlecht der Regensteiner Grafen im Mannesstamm ausgestorben war, fiel die Grafschaft Blankenburg als welfisches Lehen an das Fürstentum Braunschweig- Wolfenbüttel. Durch die von Herzog HEINRICH JULIUS († 1613) als postuliertem Halberstädter Bischof erfolgte Selbstbelehnung mit dem Besitz der Regensteiner Grafen, konnte zunächst ein Auseinanderbrechen der Grafschaft Regenstein-Blankenburg verhindert werden. Unter Herzog FRIEDRICH ULRICH († 1634) mussten sich jedoch die Welfen unfreiwillig aus dem Fürstbistum Halberstadt zurückziehen. Die Halberstädter Lehnsrechte konnten wieder aktiviert werden. 1670 ließ Kurbrandenburg auch den strategisch wichtigen Regenstein besetzen und ab 1671 zur Festung ausbauen. Die Grenze der preußischen Enklave Regenstein in der Grafschaft Blankenburg des Herzogtums Braunschweig wurde 1848 neu vermarkt. Der Grenzstein Nr. 233 steht direkt am alten Heerweg. Von hier kann man über den Grünen Hof zur Burgruine Regenstein aufsteigen. Wir aber wandern weiter auf dem Schalkenweg, um nach 200 m scharf rechts abzubiegen. Noch 500 m geht es durch die dürren Kiefernforsten des Heers, dann öffnet sich der Blick über die Goldbachniederung und das gegenüberliegende Osterholz. Ein paar Schritte gehen wir nach rechts, um dann dem Waldrand in nordwestliche Richtung zu folgen. Am Ende der Etappe die Entscheidung: über Tyrstein und durch das Osterholz einen Abstecher nach Derenburg machen oder gleich weiter über Langenstein nach Halberstadt wandern? Wir entscheiden uns für die zweite Variante.

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Lebensraum des EisvogelsAm Goldbach entlang
Motiv Es war die Idee der Väter der touristischen Routen „Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“, interessierte Einheimische und ihre Gäste entlang des Golbaches bis Langenstein wandern zu lassen. Allein einem uneinsichtigen Bauern gefiel es, einen jahrhunderte alten Weg einfach abzupflügen und seinem Acker einzuverleiben. Die Obrigkeit blieb bisher tatenlos. Bleibt uns die Nutzung einer Abkürzung (4,5 km bis Langenstein). Wir folgen also bei erster Gelegenheit der Beschilderung in Richtung Brockenstedter Mühle. Der sandige Weg anfangs durch eine Eichenaufforstung, dann durch den Kiefernforst, ist weit aufgehauen; Wege begleitend hat sich Heidekraut angesiedelt. Um die Romantik noch zu steigern wurden einige Wacholdersträucher gepflanzt. Am Ende des Weges öffnet sich der Blick in die Feldflur. Wir halten uns links, kommen vorbei an einem Soldatengrab und einer Schutzhütte. Den sinnlosen Tod starb Uffz. WERNER KAMISCHKE in seinem 19. Lebensjahr wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs in einer Gegend, die immer wieder Zankapfel der Territorialfürsten war. Dort, wo in der Goldbachniederung - umgeben von Bänken - ein Mühlstein einlädt, den Tisch zu decken, stand bis in die 1970er Jahre die Brockenstedter Mühle als letzter Rest der Siedlung Brucolstedi. Diese fand ihre erste schriftliche Erwähnung in einer von König OTTO I. ausgestellten Schenkungsurkunde. Die Zu gehörigkeit zum Besitz des Stifts Quedlinburg bestätigten 974 König OTTO II. und 1171 Papst ALEXANDER. Doch die Brockenstedter Mühle blieb Zankapfel und Kriegsbeute, wechselte mehrfach ihre Gemeindezugehörigkeit. Nach der Rast geht es weiter nach links auf dem Harzvorlandradweg und mit diesem tatsächlich entlang des Goldbachs bis nach Langenstein. Der Goldbach ist seit 1988 als Naturdenkmal geschützt, u. a. als Lebensraum des Eisvogels.

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EndspurtÜber Langenstein nach Halberstadt
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Motiv In Langenstein angekommen, lohnt ein Abstecher zu den Höhlenwohnungen und zum am Südrand des Ortes gelegenen Sandsteinrücken, einem Ausläufer des Hoppelbergs. Auf dem steilen Felsen ließ der Halberstädter Bischof ULRICH († 1181) 1151 eine Burg gegen den südlich von Langenstein gelegenen Machtbereich des Welfen HEINRICH DER LÖWE († 1195) erbauen. Der königsgleich machtvolle Herzog von Sachsen und Bayern zerstörte diese 1166 und nochmals 1177, doch Langenstein verblieb letztlich den Bischöfen von Halberstadt. Während der andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen mit den benachbarten Grafen residierten die Bischöfe im 14. Jh. häufig in der strategisch wichtigen Burg. Im Dreißigjährigen Krieg 1644 durch die Schweden schwer beschädigt, wurde die Burg 1653 endgültig abgebrochen. Heute zeugen von ihr nur noch wenige Mauerreste. Tradition aber wird in Langenstein lebendig gehalten, maßgeblich auf dem Schäferhof (Hofladen, Gaststätte, Hotel …). Unsere 7 km lange Etappe folgt zunächst der Quedlinburger Straße, die uns aus Langenstein hinausführt. Am Ortsrand verlassen wir diese Straße um auf dem Harzvorlandradweg Richtung Halberstadt zu wandern. er Gläserne Mönch, Geopunkt 7 im Gebiet der Landmarke 14 des Geoparks Harz - eine markanter Sandsteinfelsen - lohnt einen kleinen Abstecher. Ein traumhafter Ausblick entschädigt die Strapazen des Treppensteigens. Wer es sanfter mag, bleibt gleich auf dem „Kaiserweg“, der hier auch den Leidensweg der Häftlinge des nahen KZ-Außenlagers Langenstein- Zwieberge nachzeichnet bzw. in Erinner ung bewahrt. An der Station 5 „Große Halde“ des Leidensweges erinnert eine Tafel daran, dass Häftlinge des Konzentrationslagers hier Abraum aus dem Stollenbau zu einem Bahndamm aufschütten mussten. Das Stollen projekt „Maifisch“ sah vor, kriegswichtige Produktion unter die Erde zu verlagern. Im Winter 1944/45 wurde der Bau eingestellt. In den bereits fertig gestellten Stollen waren nach der Währungsunion am 1. Juli 1990 übrigens die Banknoten der untergehenden DDR zwischengelagert worden. Nächstes Ziel ist der Landschaftspark Spiegelsberge. Legendär ist der bis heute nachwirkende Wille des Herzogs von Anhalt-Dessau, LEOPOLD III. FRIEDRICH FRANZ († 1817), sein Wörlitzer Gartenreich für jedermann zur Erfreuung und Belehrung frei zugänglich zu halten. Dessen Entscheidung passte in seine Zeit. Auch ein Vertrauter des Preußischen Königs FRIEDRICH II. († 1768), sein Kammerherr und Domdechant in Halberstadt, ERNST LUDWIG CHRISTOPH VON SPIEGEL († 1785), hatte in den nach ihm benannten Spiegelsbergen am Stadtrand Halberstadts einen Landschaftspark nach seinen Plänen anlegen lassen und stellte die Idylle der Allgemeinheit zur Verfügung. Beide Parks sind heute eingebunden in das touristische Projekt Gartenträume des Landes Sachsen-Anhalt. Das Wohnhaus des Freiherren können wir heute übrigens auch besichtigen; es befindet sich darin nämlich das Städtische Museum. Es verwundert auch nicht, dass sich dieses am Domplatz mitten in der Stadt befindet. VON SPIEGEL war zunächst Domherr, gehörte also zu den Beamten des Domkapitels, dass trotz Säkularisierung 1648 im Bistum Halberstadt bis 1810 Bestand hatte. Am Domplatz, dem Ziel unserer Wanderung, angekommen, haben wir die Qual der Wahl. Wollen wir uns versichern, ob wir die unterwegs angetroffenen Vogelarten richtig bestimmt haben, so ist das Vogelkundemuseum Heineanum die richtige Adresse (www.heineanum.de), übrigens auch Informationsstelle des Natur- und Geoparks. Das Städtische Museum wurde bereits erwähnt. Der gotische Dom St. Stephanus und St. Sixtus beherbergt eine ganze Reihe bedeutender Kunstwerke, darunter eine Triumphkreuzgruppe aus dem ottonischen Vorgängerbau aus der Zeit Anfang des 13. Jh. Der Dom kann täglich, der bedeutende Domschatz dienstags bis sonntags besichtigt werden (Öffnungszeiten: www.dom-und-domschatz.de).

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Ausgewählte Informationsstellen, Einkehrund
Übernachtungsmöglichkeiten
Motiv1. Familotel “Family Club Harz”
Quedlinburg
www.familyclub.de
(03946) 77220
Motiv2. Hotel “Helsunger Krug”
Blankenburg,OT Helsungen
www.helsunger-krug.de
(03944) 3530610
Motiv3. Hotel “Zum Klosterfischer”
Blankenburg-Michaelstein
www.klosterfischer.de
(03944) 351114
Motiv4. Berggasthof und Pension
„Ziegenkopf“ Blankenburg
www.ziegenkopf.de
(03944) 353260
Motiv5. Landhotel „Schäferhof“
Langenstein
www.schaeferhoflangenstein.de
(03941) 613841
Motiv6. Hotel Villa Heine
Halberstadt
www.hotel-heine.de
(03941) 31400
Motiv7. Camping am
Halberstädter See
www.camping-am-see.de
(03941) 609308
Der Harz ist nicht nur als Naturpark geschützt, sondern auch Teil des Geoparks Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen. Im Jahr 2005 wurde dieser in das Europäische Netzwerk der Geoparke aufgenommen und Mitglied des Globalen Geoparke-Netzwerkes der UNESCO (www.worldgeoparks.eu). Der Übersichtskarte können Sie die Lage des Gebietes und den Verlauf der bisher in der königsblauen Faltblattserie des Regionalverbandes Harz beschriebenen Teile des Netzes der „Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“ entnehmen. Wir wünschen Ihnen interessante Erlebnisse und gute Erholung im Natur- und Geopark Harz.
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Text und Fotos: Dr. Klaus George