Von Quedlinburg in die Domstadt Halberstadt
Unsere Karte zeigt den Verlauf des beschriebenen Teilabschnitts
des insgesamt 550 km langen Geschichtspfades „Wege Deutscher
Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“.
Ruhe findenWege Deutscher Kaiser und Könige
im Harzvorland
im Harzvorland
Sind Sie schon einmal
auf die Idee gekommen,
von Quedlin burg
nach Halberstadt zu laufen?
Wahrlich, eine Notwendigkeit
dazu besteht
heute nicht mehr. Wer
über ein eigenes Fahr zeug
verfügt, nutzt die Bundesstraße
B 79, gelangt nach
20 Minuten Fahrtzeit aus
dem Zentrum der UNESCOWelterbestadt
Quedlinburg
zum Sitz der Kreisverwaltung
des Landkreises Harz in
Halber stadt. Eine Bahnverbindung
gibt es sogar
bereits seit 1863. Moderne
Züge verkehren heute im Stundentakt. Der sanierte Bahnhof
Halberstadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Gut
erreichbar sind von dort nicht nur die Landeshauptstadt
Magdeburg sowie Vienenburg in Niedersachsen, der zweite
wichtige Eisenbahnknotenpunkt im nördlichen Harzvorland,
sondern in Richtung Blankenburg auch touristische Ziele wie
Langenstein und der Bahnhof Börnecke im Regensteingebiet.
An ihnen führt die in diesem Faltblatt beschriebene
Wanderroute vorbei. Das könnte für die ganz individuelle
Tourplanung durchaus von Bedeutung sein. So sind wir
dann auch schon bei einem guten Grund, doch einmal von
Quedlinburg in die Domstadt Halberstadt zu laufen: Wir
wollen uns bewegen, dabei möglichst viel entdecken und
eben nicht auf dem schnellsten Wege von einer Stadt in die
andere gelangen. Lassen wir uns ein auf die wunderschöne
Landschaft in einem mittelalterlichen Machtzentrum des
Heiligen Römischen Reiches. Lassen wir uns vor allem Zeit!
Wir wollen Abstand nehmen von der Hektik unseres Alltags;
wir wollen wandern!
Die hier beschriebene Tour ist Teil Netzes „Wege Deutscher
Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“. Die Idee dafür
wurde am Rande des 96. Deutschen Wandertages 1996
in Wernigerode geboren. Eine eigens für die Realisierung
gegründete Arbeitsgruppe ist noch heute aktiv und eng
vernetzt mit dem Harzklub. Der Regionalverband Harz
als Träger der Naturparke Harz in Sachsen-Anhalt und
Niedersachsen hat es sich zum Ziel gesetzt, die ehrenamtlichen
Akteure bei der Erhaltung des bedeutenden
Geschichtslehrpfades zu unterstützen. Mit einer mehrteiligen
Faltblattserie trägt er dazu bei, die Bekanntheit der
„Wege Deutscher Kaiser und Könige“ zu erhöhen. Auch die
Beschilderung und mehrere Informationstafeln konnten mit
Unterstützung des Naturparks erneuert werden.
Fenster in die Erdgeschichte Von Quedlinburg in Richtung Brocken
Am Horizont prägt westlich von Quedlinburg „Vater“ Brocken
das markante Bild der Harzsilhouette. Luftlinie nur 36
km entfernt, kann der mit 1.141 m höchste Berg des
Natur- und Geoparks uns dennoch allein an klaren Tagen
den Weg weisen. Unabhängig vom Wetter hält zwischen
Marktplatz und Schloss Quedlinburg montags bis freitags
die Informationsstelle des Natur- und Geoparks Harz in
der Hohen Straße allerlei Tipps und Informationsmaterial
bereit. Eigentlicher Ausgangspunkt der Wanderung und der
7 km langen ersten Etappe ist aber die Stiftskirche auf dem
Schlossberg. Sie kann außer montags täglich besichtigt werden
(Öffnungszeiten: www.domschatzquedlinburg.de).
Die Stiftskirche St. Servatii erhebt sich heute anstelle einer
mittelalterlichen Pfalz. In der Kapelle der Pfalz Quedlinburg
ließ Königinwitwe MATHILDE († 968) am 31. Juli 936 ihren Mann,
den ostfränkischen König HEINRICH I. begraben und gründete
am selben Tag ebenda ein Kanonissenstift. Nur wenige Wochen
später, am 13. September, bestätigte König OTTO I. († 973) die
Gründung seiner Mutter, stattet das Stift reich aus und verlieh
ihm die Immunität. Mitte des 16. Jh. wird es im Ergebnis
der angenommenen Reformation als „Kayserliches freyes
weltliches Stift Quedlinburg“ bezeichnet. An der Spitze stand
als Souverän eine Äbtissin, eine Frau aus dem europäischen
Hochadel. Die seit 1477 bestehende kursächsische Vogtei
wurde in der Neuzeit an das Kurfürstentum Brandenburg
verkauft, das die Schutzherrschaft formell ab 1697 ausübte.
In der Folge des Friedens von Lunéville fiel das Stift als
Fürstentum Quedlinburg 1803 endgültig an Preußen. Die
Grenze zum benachbarten Westerhausen verlor damit vollends
an Bedeutung.
Von der Stiftskirche führt der Weg unterhalb des Münzenbergs
durch die Langenbergstrasse und den Bornholzweg aus der
Stadt hinaus. Nach knapp 2,5 km kreuzt der Rundwanderweg
R1, der u. a. die Wälder von Steinholz und Altenburg verbindet.
Gehen wir auf ihm ein paar Schritte in südliche Richtung, können
wir über Rebflächen zurückschauen auf den Schlossberg und
die Stiftskirche. Die Stadt Quedlinburg selbst liegt im Tal der
Bode; sie bleibt unserem Blick verborgen. Der weitere Weg
nach Westen führt am südlichen Waldrand des Langenbergs
entlang, zunächst gesäumt von Robinien. Bald erreichen wir
die Grenze des Landschaftsschutzgebietes, die Bebauung
findet ihr Ende. Der Brocken, wenigstens aber Westerhausen
- unser nächstes Etappenziel, geraten ins Blickfeld. 4 km
liegen nun bereits hinter uns, da bemerken wir durch den
dürren Kiefernwald auf dem
Kamm des Langenbergs
eine Felsgruppe. Unter dem
Namen „Kleines Kamel“
sind die Felsen samt
Umfeld eingetragen in das
Naturdenkmalverzeichnis.
Am schönsten ist es dort
oben zur Zeit der Heideblüte.
Als Geotop gewährt das
Naturdenkmal einen Einblick
in die Erdgeschichte. Die
Felsen bestehen wie der
Schlossberg Quedlinburg
aus kreidezeitlichem Sand.
Landbrücke Westerhausen
Westerhausen liegt inmitten eines einstmals
ausgedehnten Feuchtgebietes. Die Situation
vor den umfangreichen Entwässerungen durch
flämische Siedler im 12. Jh. beschreibt die
Informationstafel Westerhausen-Bornholzweg.
Nach gründlichem Studium derselben, gehen
wir links zwischen den Gartenanlagen hindurch.
Nach 400 m biegt der „Kaiserweg“ dann scharf
rechts ab. Wir erreichen Westerhausen an
der Kindertagesstätte am Kuckucksberg. Der
historische Weg führte vorbei am Junkerhof,
einer alten Wasserburg, welche die schmalste
Stelle des Seearms zwischen Großem Bruchsee
und Moorteich zu schützen hatte. Wir wählen
den folgenden Weg: vom Kuckucksberg rechts
in die Feldstraße, dort gleich nach den Parkplätzen auf
der Fußgängerbrücke über den Zapfenbach und weiter
durch das Feuchtgebiet „Ellern“. Hier hat sich wieder
eine typische Vegetation angesiedelt. Im Schilf singt die
Rohrammer. Dort wo noch Pferde weiden, blüht im Frühjahr
das Wiesenschaumkraut auf nassen Wiesen. Wir kommen in
der Hessengasse an, halten uns links. Es geht
durch die Planstraße bis zur Schulstraße und
dort zur Kirche St. Stephani. Sie wurde 1180 am
jetzigen Ort errichtet. Aus jener Zeit erhalten
geblieben ist der spätromanische Turm, der seit
1702 anstelle des ursprünglichen Satteldaches
zwei barocke Zwiebeltürme trägt. 1702 wurden
auch die Linden an der Kirche gepflanzt. Die
erneuerte Turmbekrönung zeigt jeweils den
heiligen Stephanus mit den drei Steinen, darüber
auf dem Südturm das Malteserkreuz und auf
dem Nordturm den Preußenadler.
In Westerhausen, ursprünglich Königsgut, besaß
Kaiser HEINRICH IV. († 1106) Grundbesitz. Nachgewiesen
im Lehnsverzeichnis von 1202/1227 des
Grafen SIEGFRIED VON BLANKENBURG, hatten die Grafen
von Blankenburg die vom Bistum Halberstadt lehnsrührige
Herrschaft über Westerhausen und dem gleichnamigen Rittergeschlecht
inne. Der später sogenannte „Junkerhof“ war eine
Niederungsburg der Grafen. 1599 erlosch das Regen stein/
Blankenburger Grafengeschlecht im Mannes stamm. 1643
hatte Erzherzog LEOPOLD WILHELM VON ÖSTERREICH (†1662) als
Bischof von Halberstadt seinem
Berater und halberstädtischen
Kämmer er, Graf WILHELM LEOPOLD
VON TATTENBACH († 1661), die
Graf schaft Regenstein zum
Lehen gegeben. Endgültig ließ
Brandenburg 1670 die Grafschaft
Regenstein einziehen,
nachdem das Kurfürstentum
bereits im Westfälischen Frie den
1648 neuer Herr über Halberstadt
geworden war, wozu
auch die Grafschaft Reinstein/
Tättenbach als ehemaliger
Halberstädter Lehnsteil gehörte.
Westerhausen war danach preußischer Amtssitz.
Wir verlassen Westerhausen auf folgendem Wege: am Ende der
Schulstraße nach rechts in die Straße Hinter dem Amt, dann
die alte B6 überqueren und durch den Hohlweg bis hinauf zum
Friedhof, von wo aus wir schon die Königsteine sehen können.
Kaiserweg trifft auf vierspurige Bundesstraße Ins alte Braunschweiger Land
An den Königssteinen beginnt der
im Faltblatt „Vom Königstein zur
Königspfalz“ beschriebene Abschnitt der
„Wege Deutscher Kaiser und Könige“ über
den Unterharz nach Tilleda mit einem
Abstecher nach Thale. Auf dem Weg in
Richtung Königsteine, erstes Ziel der
3 km langen Etappe, queren wir zunächst
die wenig befahrene Kreisstraße, die
Westerhausen und Börnecke verbindet.
An den Königsteinen führt ein Hohlweg
hinab zum Hungerstein. Wir aber halten
uns links, wandern am Nordrand des
bewaldeten Höhenzuges Richtung
Westen, bis uns der Wildschutzzaun der
vierspurigen Bundesstraße B6 den Weg
versperrt. Hier in dieser Gegend wollen wir
nicht länger verweilen; der Verkehrslärm
stört das Landschaftserleben doch
erheblich. Am Zaun entlang gehen wir
deshalb eilig zur Unterführung und auf
dem Plattenweg direkt nach Börnecke.
Unbemerkt passieren wir auf halbem
Weg die historische Grenze zwischen
dem Königreich Preußen und dem
Herzogtum Braunschweig. Diese Grenze
verlor nach dem Zweiten Weltkrieg
ihre landespolitische Bedeutung, war
zeitweilig noch Bezirks- und Kreisgrenze
und trennt heute lediglich die Stadt Thale
mit ihrem Ortsteil Westerhausen vom
Ortsteil Börnecke der Stadt Blankenburg.
Legendäre QuelleAm Brunnen
Born steht im ostfälischen Sprachraum für Brunnen. Der
Wortstamm findet sich in Ortsnamen wie Badeborn oder
eben auch Börnecke. Ganzjährig fließende Quellen waren
hier im mitteldeutschen Trockengebiet, im Regenschatten
des Brockens, ein guter Grund für die Gründung von
Ansiedlungen und die Trassierung von Handelswegen. Für die
Zeit vor deren ersten urkundlichen Erwähnung gibt es reichlich
archäologische Befunde und nicht selten auch Legenden. Die
Börnecker Legende erzählt von einem Einsiedler, der inmitten
des Waldes wundersame Kuren verabreichte; er hatte regen
Zulauf. Siedler ließen sich bei ihm am Brunnen
nieder und begannen den Wald zu roden. Die
erste urkundliche Erwähnung fand der Ort als
Burnaccherunt im Jahr 1006: König HEINRICH II.
(† 1024) bestätigte die Schenkung des Ortes
an seinen Kaplan DIEDRICH. Ein Kaplan stand
zu jener Zeit der Hofkapelle, der einzigen
institutionellen Verwaltungseinheit am
Königshof vor. Mit der Ausführung der dort
schriftlich verfassten Kapitularien, der königlichen
Weisungen, waren die Grafen befasst;
es waren unter der Regierung HEINRICHS II.
im Harzgau VOLKMAR II. († 1015) und LIUTGER
(† vermutlich 1031).
Der legendäre Brunnen, die
mineralhaltige Schwefel-Eisen-
Quelle, schüttet noch heute.
Seit 1964 ist die Quelle als
Naturdenkmal geschützt. Der
Weg dorthin führt uns durch
die Gartenstraße entlang
des Ortsrandes Börnecke,
ehe wir nach 400 m links
zum Seeberg gehen. Nach
weiteren 200 m erreichen
wir eine Informationstafel.
Unweit davon entdecken wir
die Schwefel-Eisen-Quelle.
Die Ruhe genießenZum Bahnhaltepunkt Börnecke
Es mutet schon merkwürdig an, dass,
nachdem wir Börnecke verlassen haben,
bis zum Bahnhaltepunkt des Ortes noch
3 km vor uns liegen. Es ist aber eine
erholsame Etappe. Zunächst nehmen
wir den mit Gras bewachsenen Weg
am nordöstlichen Rand des Seebergs.
Der Wald wächst langsam hinein in die
aufgelassene Streuobstwiese, die ihn
vom angrenzenden Acker trennt. Eine
Birke neigt sich über unseren Weg. Sie
wurde gebeugt von schwerer Reif- und
Eislast an nasskalten Wintertagen. Am Wegesrand blüht von
April bis Juni die Große
Sternmiere aus der
Familie der Nelkengewächse.
Wenige Schritte
weiter haben Rote Waldameisen
einen großen
Haufen trockener Nadeln
auf dem selten be fahrenen
Weg aufgeschichtet.
Dieser führt nun in
westlicher Richtung bergan,
quert den Seeberg
und trifft am Rande des
Hoppelberges auf den Harzklub-Hauptwanderweg 37K. Wir
sind hier unmittelbar an der Grenze zwischen dem Bistum
Halberstadt (später Preußen) und der Grafschaft Blankenburg-
Regenstein (später Braunschweig). Am Rande des Hoppelberges
kann man einen Graben und Steine aus verschiedenen
Materialien und Epochen
entdecken, die die Grenze
kennzeichneten.
Wir wenden uns aber in
süd westliche Richtung.
Auf den vor uns liegenden
Weg durch die Feldflur, bis
zum Großen Rönneberg,
zum Regenstein und sogar
bis zum Brocken können
wir von der bereits im
Jahr 1915 aufgestellten
Harzklubbank blicken.
Reiner weißer Sandstein: „Reinstein“Am Fuße des Regensteins
Wer eine ältere Harzkarte dabei hat, die den Verlauf der
„Wege Deutscher Kaiser und Könige“ zeigt, darf auf der
bevorstehenden 5 km langen Etappen nicht am rechten Weg
zweifeln! Maßgeblich sind die Beschilderung vor Ort und
diese Beschreibung: Am Bahnhof Börnecke queren wir die
Gleise und halten uns scharf links. Nach 1,2 km verlassen
wir den Hauptweg, wandern rechter Hand in Richtung
Regenstein und Heimburg. Wir halten die eingeschlagene
Richtung, wählen an der Schutzhütte den Knappenpfad
(Nordic-Walking-Route), halten uns auch nach gut 1 km an
einer Vierwegekreuzung weiter geradeaus und nach noch
einmal 400 m an der Gabelung rechts. Nach weiteren 200 m
geraten die Sandhöhlen im Heers (Stempelstelle Nr. 81 der
Harzer Wandernadel) in den Blick und verraten uns: Wir sind
richtig! Weiter geht es an den Fuß des Regensteins, der sich
75 m über der alten Heerstraße, dem über Jahrhunderte
Quedlinburg und Goslar verbindenden Schalkesweg, erhebt.
Nach dem reinen weißen Sandstein („Reinstein“) aus der Zeit
der Oberkreide nennt sich seit dem 12. Jh.
ein Zweig der Blankenburger Grafen. KONRAD,
der jüngste Sohn POPPOS, des mutmaßlichen
Begründer des Grafengeschlechts, ist in einer
Urkunde des Halberstädter Bischofs 1167
erstmals als comes Cunradus de Regenstein
bezeugt. König LOTHAR III. († 1137) hatte
seinem treuen Vasallen POPPO I. († 1164)
einstmals die Harzgaugrafschaft überlassen.
Nach dem Aussterben der Grafen von
Blankenburg 1367 wurde schließlich das
Gesamthaus und damit, neben zahlreichen
anderen, Halberstädter und Welfische
Lehnsteile unter der Regenstein/Heimburger
Linie vereinigt. Als dann jedoch schließlich
1599 auch das Geschlecht der Regensteiner
Grafen im Mannesstamm ausgestorben war,
fiel die Grafschaft Blankenburg als welfisches
Lehen an das Fürstentum Braunschweig-
Wolfenbüttel. Durch die von Herzog HEINRICH
JULIUS († 1613) als postuliertem Halberstädter
Bischof erfolgte Selbstbelehnung mit
dem Besitz der Regensteiner Grafen,
konnte zunächst ein Auseinanderbrechen
der Grafschaft Regenstein-Blankenburg
verhindert werden. Unter Herzog FRIEDRICH
ULRICH († 1634) mussten sich jedoch die
Welfen unfreiwillig aus dem Fürstbistum
Halberstadt zurückziehen. Die Halberstädter Lehnsrechte konnten wieder aktiviert werden. 1670 ließ
Kurbrandenburg auch den strategisch wichtigen Regenstein
besetzen und ab 1671 zur Festung ausbauen. Die Grenze der
preußischen Enklave Regenstein in der Grafschaft Blankenburg
des Herzogtums Braunschweig wurde 1848 neu vermarkt.
Der Grenzstein Nr. 233 steht direkt am alten Heerweg.
Von hier kann man über den Grünen Hof zur Burgruine
Regenstein aufsteigen. Wir aber wandern weiter auf dem
Schalkenweg, um nach 200 m scharf rechts abzubiegen. Noch
500 m geht es durch die dürren Kiefernforsten des Heers,
dann öffnet sich der Blick über die Goldbachniederung und
das gegenüberliegende Osterholz. Ein paar Schritte gehen
wir nach rechts, um dann dem Waldrand in nordwestliche
Richtung zu folgen. Am Ende der Etappe die Entscheidung:
über Tyrstein und durch das Osterholz einen Abstecher nach
Derenburg machen oder gleich weiter über Langenstein nach
Halberstadt wandern? Wir entscheiden uns für die zweite
Variante.
Lebensraum des EisvogelsAm Goldbach entlang
Es war die Idee der Väter der touristischen
Routen „Wege Deutscher Kaiser und Könige
des Mittelalters im Harz“, interessierte
Einheimische und ihre Gäste entlang
des Golbaches bis Langenstein wandern
zu lassen. Allein einem uneinsichtigen
Bauern gefiel es, einen jahrhunderte alten
Weg einfach abzupflügen und seinem
Acker einzuverleiben. Die Obrigkeit blieb
bisher tatenlos. Bleibt uns die Nutzung einer
Abkürzung (4,5 km bis Langenstein). Wir folgen also bei erster
Gelegenheit der Beschilderung in Richtung Brockenstedter
Mühle. Der sandige Weg anfangs durch eine Eichenaufforstung,
dann durch den Kiefernforst, ist weit aufgehauen; Wege
begleitend hat sich Heidekraut angesiedelt. Um die Romantik
noch zu steigern wurden einige
Wacholdersträucher gepflanzt.
Am Ende des Weges öffnet sich
der Blick in die Feldflur. Wir
halten uns links, kommen vorbei
an einem Soldatengrab und einer
Schutzhütte. Den sinnlosen Tod
starb Uffz. WERNER KAMISCHKE in seinem
19. Lebensjahr wenige Tage
vor Ende des Zweiten Weltkriegs
in einer Gegend, die immer
wieder Zankapfel der Territorialfürsten
war. Dort, wo in der Goldbachniederung - umgeben von
Bänken - ein Mühlstein einlädt, den
Tisch zu decken, stand bis in die
1970er Jahre die Brockenstedter
Mühle als letzter Rest der Siedlung
Brucolstedi. Diese fand ihre erste
schriftliche Erwähnung in einer
von König OTTO I. ausgestellten
Schenkungsurkunde. Die Zu gehörigkeit
zum Besitz des Stifts
Quedlinburg bestätigten 974 König
OTTO II. und 1171 Papst ALEXANDER. Doch die Brockenstedter
Mühle blieb Zankapfel und Kriegsbeute, wechselte mehrfach
ihre Gemeindezugehörigkeit. Nach der Rast geht es weiter
nach links auf dem Harzvorlandradweg und mit diesem
tatsächlich entlang des Goldbachs bis nach Langenstein. Der
Goldbach ist seit 1988 als Naturdenkmal geschützt, u. a. als
Lebensraum des Eisvogels.
EndspurtÜber Langenstein nach Halberstadt
In Langenstein angekommen, lohnt ein
Abstecher zu den Höhlenwohnungen und
zum am Südrand des Ortes gelegenen
Sandsteinrücken, einem Ausläufer des
Hoppelbergs. Auf dem steilen Felsen ließ der
Halberstädter Bischof ULRICH († 1181) 1151
eine Burg gegen den südlich von Langenstein
gelegenen Machtbereich des Welfen HEINRICH
DER LÖWE († 1195) erbauen. Der königsgleich
machtvolle Herzog von Sachsen und Bayern
zerstörte diese 1166 und nochmals 1177, doch
Langenstein verblieb letztlich den Bischöfen
von Halberstadt. Während der andauernden
kriegerischen Auseinandersetzungen mit den
benachbarten Grafen residierten die Bischöfe
im 14. Jh. häufig in der strategisch wichtigen Burg. Im
Dreißigjährigen Krieg 1644 durch die Schweden schwer
beschädigt, wurde die Burg 1653 endgültig abgebrochen.
Heute zeugen von ihr nur noch wenige Mauerreste. Tradition
aber wird in Langenstein lebendig gehalten, maßgeblich auf
dem Schäferhof (Hofladen, Gaststätte, Hotel …). Unsere 7 km
lange Etappe folgt zunächst der Quedlinburger Straße, die uns
aus Langenstein hinausführt. Am Ortsrand verlassen wir diese
Straße um auf dem Harzvorlandradweg Richtung Halberstadt
zu wandern. er Gläserne Mönch, Geopunkt 7 im
Gebiet der Landmarke 14 des Geoparks
Harz - eine markanter Sandsteinfelsen
- lohnt einen kleinen Abstecher. Ein
traumhafter Ausblick entschädigt die
Strapazen des Treppensteigens.
Wer es sanfter mag, bleibt gleich
auf dem „Kaiserweg“, der hier auch
den Leidensweg der Häftlinge des
nahen KZ-Außenlagers Langenstein-
Zwieberge nachzeichnet bzw. in
Erinner ung bewahrt. An der Station
5 „Große Halde“ des Leidensweges
erinnert eine Tafel daran, dass Häftlinge
des Konzentrationslagers hier
Abraum aus dem Stollenbau zu einem
Bahndamm aufschütten mussten.
Das Stollen projekt „Maifisch“ sah vor,
kriegswichtige Produktion unter die
Erde zu verlagern. Im Winter 1944/45
wurde der Bau eingestellt. In den bereits
fertig gestellten Stollen waren nach der
Währungsunion am 1. Juli 1990 übrigens
die Banknoten der untergehenden DDR
zwischengelagert worden.
Nächstes Ziel ist der Landschaftspark
Spiegelsberge. Legendär ist der bis
heute nachwirkende Wille des Herzogs
von Anhalt-Dessau, LEOPOLD III. FRIEDRICH
FRANZ († 1817), sein Wörlitzer Gartenreich
für jedermann zur Erfreuung
und Belehrung frei zugänglich zu
halten. Dessen Entscheidung passte
in seine Zeit. Auch ein Vertrauter des
Preußischen Königs FRIEDRICH II. († 1768),
sein Kammerherr und Domdechant
in Halberstadt, ERNST LUDWIG CHRISTOPH
VON SPIEGEL († 1785), hatte in den
nach ihm benannten Spiegelsbergen
am Stadtrand Halberstadts einen
Landschaftspark nach seinen Plänen
anlegen lassen und stellte die Idylle
der Allgemeinheit zur Verfügung. Beide
Parks sind heute eingebunden in das
touristische Projekt Gartenträume des
Landes Sachsen-Anhalt. Das Wohnhaus
des Freiherren können wir heute
übrigens auch besichtigen; es befindet sich darin nämlich
das Städtische Museum. Es verwundert auch nicht, dass sich
dieses am Domplatz mitten in der Stadt befindet. VON SPIEGEL
war zunächst Domherr, gehörte also zu den Beamten des
Domkapitels, dass trotz Säkularisierung 1648 im Bistum
Halberstadt bis 1810 Bestand hatte.
Am Domplatz, dem Ziel unserer Wanderung, angekommen,
haben wir die Qual der Wahl. Wollen wir uns versichern,
ob wir die unterwegs angetroffenen Vogelarten richtig
bestimmt haben, so ist das Vogelkundemuseum Heineanum
die richtige Adresse (www.heineanum.de), übrigens auch
Informationsstelle des Natur- und Geoparks. Das Städtische
Museum wurde bereits erwähnt. Der gotische Dom St.
Stephanus und St. Sixtus beherbergt eine ganze Reihe
bedeutender Kunstwerke, darunter eine Triumphkreuzgruppe
aus dem ottonischen Vorgängerbau aus der Zeit Anfang des
13. Jh. Der Dom kann täglich, der bedeutende Domschatz
dienstags bis sonntags besichtigt werden (Öffnungszeiten:
www.dom-und-domschatz.de).
Ausgewählte Informationsstellen, Einkehrund
Übernachtungsmöglichkeiten
Übernachtungsmöglichkeiten
1. Familotel “Family Club Harz”Quedlinburg
www.familyclub.de
(03946) 77220
2. Hotel “Helsunger Krug”Blankenburg,OT Helsungen
www.helsunger-krug.de
(03944) 3530610
3. Hotel “Zum Klosterfischer”Blankenburg-Michaelstein
www.klosterfischer.de
(03944) 351114
4. Berggasthof und Pension„Ziegenkopf“ Blankenburg
www.ziegenkopf.de
(03944) 353260
5. Landhotel „Schäferhof“Langenstein
www.schaeferhoflangenstein.de
(03941) 613841
6. Hotel Villa HeineHalberstadt
www.hotel-heine.de
(03941) 31400
7. Camping amHalberstädter See
www.camping-am-see.de
(03941) 609308
Der Harz ist nicht nur als Naturpark geschützt, sondern auch Teil des Geoparks
Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen. Im Jahr 2005 wurde dieser in das
Europäische Netzwerk der Geoparke aufgenommen und Mitglied des Globalen
Geoparke-Netzwerkes der UNESCO (www.worldgeoparks.eu). Der Übersichtskarte
können Sie die Lage des Gebietes und den Verlauf der bisher in der königsblauen
Faltblattserie des Regionalverbandes Harz beschriebenen Teile des Netzes der
„Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“ entnehmen. Wir
wünschen Ihnen interessante Erlebnisse und gute Erholung im Natur- und
Geopark Harz.
Text und Fotos: Dr. Klaus George