Im Zeichen des Roten MilansZwischen Harz
und Hainleite

Dom zum Heiligen Kreuz NordhausenTausendjährige Reichs- und
Hansestadt
HEINRICH I., im Jahr 912 zum Herzog von
Sachsen und Thüringen gewählt, und seine
Frau MATHILDE mussten ihre Burgen und Erbgüter
ständig inspizieren. Sie zogen also
durch die Lande und immer wieder auch
nach Nordhausen. Auf der dortigen Burg
wurden mindestens zwei ihrer Kinder
geboren: Gerberga (915) und im Jahr nach
der Wahl HEINRICHS zum König sein gleichnamiger
Sohn (920). Zur Absicherung
seiner Frau MATHILDE vermachte der König
ihr am 13. Mai 927 seine Güter in Duderstadt, Nordhausen,
Quedlinburg und Pöhlde sowie Einkünfte aus den Orten
Gudersleben und Woffleben. Damit fand Nordhausen die erste
urkundliche Erwähnung. 961 gründete Königin MATHILDE, die
ihren Mann um fast 32 Jahre überlebte, auf der Reichsburg ein
Damenstift. Von den Ottonen bis zu den Staufern wurde
Nordhausen mit seinem Königshof mehrfach von deutschen
Königen und Kaisern
aufgesucht. 1158 gab
Kaiser FRIEDRICH I., Barbarossa
(um 1122-
1190) allen Reichsbesitz
in Nordhausen
an das Damenstift,
welches im Jahr 1200
in ein Chorherrenstift
umgewandelt wurde.
Kaiser FRIEDRICH II.
(1194-1250) erhob
Nordhausen zur freien
Reichsstadt. Mit dieser Geschichte eng verbunden ist die
Geschichte des Doms zum Heiligen Kreuze, wovon eine
gusseiserne Tafel an der Ummauerung zur Domstrasse hin
kündet. Der romanische Taufstein stammt aus dem
ehemaligen Kloster Ilfeld.
1277 gab es einen Aufstand der Handwerker und Kleinbürger
gegen die Reichsritter, die Reichsburg wurde von
Handwerkern und Kleinbürgern
zerstört. Im späten Mittelalter
erhielt sich Nordhausen seine
Reichsfreiheit durch Bündnisverträge
mit Erfurt, Mühlhausen und
anderen Städten. Das Kurfürstentum
Sachsen wirkte als Schutzmacht.
Seit 1430 gehörte Nordhausen
zur Hanse. Im Jahr 1500
wurde die Stadt Teil des
Niedersächsischen Reichskreises.
Später gehörte Nordhausen zur
preußischen Provinz Sachsen und
ist seitdem Kreisstadt.

Stadtinformation NordhausenTel.: (03631) 696797
www.nordhausen.de
Frauenbergkirche Nordhausen und alte Eiche KrimderodeVom Gartenschaugelände an den
Stadtrand
Im Zentrum der Stadt Nordhausen fand 2004
eine Landesgartenschau statt. So wurde nicht
nur das Gelände am Petersberg mit dem
markanten Judenturm umgestaltet, neue
Treppen führen auch hinab zum Frauenberg.
Dort wurde um das Jahr 1200 erstmals eine
dreischiffige, romanische, kreuzförmige
Pfeilerbasilika urkundlich erwähnt. Sie gehörte
zu einem Zisterzienserinnenkloster.
Die Basilika fiel im April 1945 zu großen
Teilen einem Bombenangriff zum Opfer. Seit
der Landesgartenschau gibt ein stilisiertes Mittelschiff aus
modernen Stahlanbauten an die
1954-1967 teilweise restaurierte
Kirche (Querhaus und Chor) auch
wieder ein Raumgefühl vom
ehemaligen Langhaus. Von den
drei Glocken des bereits 1997 errichteten
Glockenturms stammt
nur die kleine mittelalterliche
Glocke aus dem früheren Helmturm
der Frauenbergkirche. Von
der Frauenbergkirche ist es nicht
weit bis zum Bahnhof.
Seit 2004 verkehren die Fahrzeuge
der Straßenbahn Nordhausen
nicht mehr nur innerhalb
der Stadt, sondern über das Gleis der Harzquerbahn bis nach
Ilfeld. Da die Strecke nach Ilfeld jedoch keine Fahrleitung
besitzt, wurden für die Linie 10 neue Fahrzeuge mit Hybridantrieb
beschafft. Innerhalb der Stadt Nordhausen beziehen
diese ihren Antriebsstrom direkt aus der
Fahrleitung, außerhalb erfolgt der
Antrieb diesel-elektrisch. Auch fahren
die Triebwagen der Harzer Schmalspurbahnen
teilweise bis auf den Bahnhofsvorplatz.
So bietet sich uns eine Möglichkeit,
schnell und bequem den Stadtrand
zu erreichen. Dort, am Haltepunkt
Nordhausen-Krimderode angekommen,
gehen wir durch die Freiheitsstraße zur
B4. Etwa 200 m weiter in nördlicher
Richtung führt ein steiler Pfad hinauf zur
„Flehmüllers Eiche“. Sie ist ob ihres
stattlichen Alters von über 600 Jahren
und wegen ihres exponierten Standorts
hoch über der Zorge-Niederung eines der markantesten
Baumnaturdenkmale in der gesamten Harzregion. Der Sage
nach flüchtete hier hinauf der Müller der an der Zorge gelegenen
Gipsmühle vor jedem Hochwasser und flehte immer wieder um
Hilfe für sich, seine Familie und den Erhalt seiner Mühle. Offenbar
wurden die Hilferufe des „Flehmüllers“ erhört, auf jeden Fall
rettete ihm der Liethberg sein Leben und das seiner Familie. Aus
Dankbarkeit soll er die Eiche gepflanzt haben.
Tourismus – InformationszentrumNordhausen
Tel.: (03631) 902154
www.nordhausen-tourist.de
Jakobikirche Rüdigsdorf Ausflug in die „Rüdigsdorfer Schweiz“
Im Jahr 1760 bereisten die Schweizer Maler
ANTON GRAFF (1736-1813) und ADRIAN ZINNG die
Sandsteinformationen an der Elbe flussaufwärts
von Dresden und gaben dem kleinen
Gebirge den Namen „Sächsische
Schweiz“. Seither wurden weitere Landschaften
als „Schweiz“ tituliert, sofern nur einige
Felsen hervortraten. In der „Rüdigsdorfer
Schweiz“ sind es vor allem Kalkfelsen und
aufgelassene Steinbrüche. Doch ehe wir
einen von diesen bewundern können, führt
uns der Karstwanderweg von der Flehmüllers Eiche auf der Höhe
in Richtung Rüdigsdorf. Unsere Blicke schweifen hinüber zum
Mühlberg (316 m über NN) bei Niedersachswerfen und zum
Harzrand. Nach ca. 3 km erreichen wir eine Kreuzung, von der
Wege abgehen nach Harzungen (1,4 km), ins Harzfelder Holz
(Fortsetzung des Karstwanderwegs) oder eben nach Rüdigsdorf
(0,5 km). Wir wählen letzteren und
sind bald an der kleinen St. Jacobikirche.
Von der Kapelle aus dem 12.
Jh. ist als ältester Teil der Turm erhalten.
Unter ihm öffnet sich der
Altarraum – ein schlichtes Kreuzgewölbe
– mit einem spitzbogigen Triumphbogen
hin zum Kirchenschiff,
welches 1527 an den Chorturm angebaut
wurde. Orgel und Altarfenster
stammen aus dem 19. Jh. Eine der
beiden wertvollen Bronzeglocken sollte im Zweiten Weltkrieg
eingeschmolzen werden. Sie fand sich jedoch nach Kriegsende
auf einem Hamburger „Glockenfriedhof“, von wo sie unter Vermittlung
des Landesbischofs von Hannover, JOHANNES E. R. LILJE
(1899-1977) ihren Weg zurück in die
Gemeinde Rüdigsdorf fand.
Rüdigsdorf unterstand als freies
Reichsdorf bis 1436 nicht dem Gaugericht,
sondern dem Gericht des Heiligen
Römischen Reiches in Nordhausen.
Die Gemeinde hatte jährlich
um Pfingsten Steine für den Bau der
Stadtmauer an Nordhausen zu liefern,
als Reichsdorf war es aber von
Zollabgaben an die Reichsstadt befreit.
„Armer Sünderstein“ wurde der
letzte Grenzstein zwischen Rüdigsdorf
und Nordhausen genannt, weil
an ihm Verbrecher zwischen Stadt und Grafschaft ausgetauscht
wurden. Wir gehen nun auf der Rüdigsdorfer Straße zurück in
Richtung Krimderode bis wir rechter Hand einen aufgelassenen
Gipsbruch entdecken (Geopunkt 6 im Gebiet der Landmarke 7
des UNESCO-Geoparks). Der Gips ist feingeschichtet. In die
teilweise durch Ton und Karbonate verunreinigten Schichten
sind sogenannte „Alabasterkugeln“ eingelagert. Die Gebilde von
20 bis 40 cm Durchmesser bestehen aus reinem Gips, der sich
leicht bearbeiten lässt. Bekannt sind Figuren aus Alabaster
sowie Alabastervasen. Von der Straße weist ein Schild in Richtung
Infopunkt Alabastergips Rüdigsdorf. Auf diesem Weg wandern
wir zurück nach Nordhausen.
Ruinen Ebersburg Herrmannsacker und Heinrichsburg Neustadt Kleines Burgenland I
Dort wo der von Stolberg kommende „Alte
Nordhäuser Weg“ nahe Herrmannsacker den
Harzrand erreicht (Gasthaus Sägemühle) liegt
hoch über der Straße auf einer Bergkuppe die
Ruine der Ebersburg. Die Anlage wurde wahrscheinlich
zwischen 1181 und 1183 erbaut
(Gründung der Thüringer Landgrafen). Gut
erhalten sind ein mächtiger Rundturm mit
hochgelegenem Eingang und das Kammertor
zur ovalen, zweigeteilten Oberburg (23 x 60
m). Südlich grenzte die Vorburg an (30 x 60
m), und östlich legte sich die Unterburg vor (20 x 50 m). Die
Ringmauer läuft um drei Seiten der Ober- und Unterburg und
schließt im Westen und Osten an die Ringmauer der zwingerähnlichen
Vorburg. Da die romanische Anlage nicht erweitert
wurde, ist sie ein Musterbeispiel einer kleinen romanischen
Harzburg. Nach 1587 wurde die Burg verlassen und verfiel.
Nach dem Abstieg von der
Ebersburg wandern oder
fahren (Fahrradweg) wir auf
dem Harzrundweg in Richtung
Neustadt (ca. 5 km).
Noch ehe wir Neustadt erreichen,
weist eine Informationstafel
des UNESCO-Geoparks
auf das Felsentor
(Geopunkt 4 im Gebiet um
die Landmarke 7). Wir gehen
die paar Schritte zum Felsentor,
folgen der Beschilderung
Richtung Heinrichsburg und
erklimmen den 351 m über
NN liegenden Bergsporn.
Von der einstmals 40 x 80 m
großen Anlage sind keine
Gebäudereste mehr erhalten,
jedoch ein Rest der 2 m
starken Mantelmauer. Wahrscheinlich
war die Burg eine
Schutzanlage für die „Alte
Heerstraße“, die am Fuße des
Berges vorbeiführte. Erwähnung findet die Burg im Jahr 1344 als
„hus zcu dem Heinrichsberge“. Heimischer Laubwald hat den
Burgberg zurückerobert. Am Fuße der
Mantelmauer wächst ein heimischer
Strauch aus der Familie der Spindelstrauchgewächse.
Wegen Form und
Farbe seiner im Spätherbst reifenden
Früchte wird er Pfaffenhütchen genannt.
Neustadt-InformationTel.: (036331) 46277
www.neustadt-harz.de
Ruinen Hohnstein Neustadt und Ilburg Ilfeld Kleines Burgenland II
Zu den romanischen Herrenburgen, die in
die Endzeit der Salier fallen, gehört auch
die Burg Hohnstein auf einer Porphyrkuppe
über der 1372 erstmals erwähnten
Gemeinde Neustadt. Als Erbauer gilt
KONRAD VON SANGERHAUSEN (um 1120). Durch
Erbfolge kam die Burg 1145 in den Besitz
der Gemahlin von ELGER II. VON ILFELD. Er ist
der Stammvater des Harzgrafengeschlechts
von Hohnstein, das mehrfach im
Konflikt mit der benachbarten Reichsstadt
Nordhausen stand. 1373 wurde die Grafschaft
geteilt: Grafschaft Hohnstein-Lohra-Klettenberg südlich
der Wipper und nördlich des Flüsschens Grafschaft
Hohnstein-Heringen-Kelbra. Nach einem Familienstreit
kamen Burg und Herrschaft Hohnstein 1417 in den Besitz der
Stolberger Grafen. Während des Dreißigjährigen Kriegs
besetzte 1627 der sächsische Oberst CHRISTIAN VITZTHUM VON
ECKSTÄDT Burg und Grafschaft.
Für die Burg wollte
er Schutzgeld erpressen.
Weil die verarmte Herrschaft
das Geld aber nicht
aufbringen konnte, wurde
die Burg Hohnstein zu
Weihnachten niedergebrannt.
Die Ruine ist
heute Eigentum des Landkreises
Nordhausen. Ein
1908 erbautes gemütliches
Gasthaus lädt auf
dem Burgberg zur Einkehr
ein.
Viel weniger als von der
Burg Hohnstein ist auf
dem heutigen Burgberg im nahe gelegenen Ort Ilfeld von der
Ilburg erhalten geblieben. Graf ELGER I. VON BIELSTEIN ließ die
Burg als castrum Yleborgk um das Jahr 1150 errichten. Nachdem
ELGER II. in den Besitz der nahen Burg Hohnstein gekommen
war, stiftete er das Kloster Ilfeld. Die Burg wurde aufgegeben
und diente als Steinbruch für den Bau des Klosters.
Südharztouristik Ilfeld-InformationTel.: (036331) 32033
www.suedharztouristik.de
St. Maria in monte Ellrich Frauenberg und „Schwanenteich“
Das älteste sakrale Bauwerk im Landkreis
Nordhausen ist die St. Marienkirche auf
dem Frauenberg. Die sehr kleinen und
hoch sitzenden schmalen Fenster weisen
sie als Wehrkirche aus, die bereits um 720
geweiht wurde. Die historische Stadt entwickelte
sich nicht um den Frauenberg
herum, sondern südwestlich von diesem.
Zwischen Ellrich und Sülzhayn legten
Walkenrieder Mönche im 13. Jh. Fischteiche an.
Einer von ihnen
ist der Frauenbergsteich,
nach welchem
wir aber auf der
Suche nach der
nahen Frauenbergkirche
besser nicht
fragen, denn in Ellrich
ist er eher als
„Schwanenteich“ bekannt.
Stockenten
können wir auf dem
Teich beobachten,
einige Seerosen
wachsen hier, und
eine wunderschöne Birkenallee
lädt zum Spaziergang ein. Die
Stadt ist längst über ihre
Stadtmauer hinaus gewachsen.
Häuserzeilen reichen entlang der
Straße Richtung Sülzhayn bis
zum Frauenbergsteich.Fremdenverkehrsbüro Ellrich
Tel.: (036332) 260
www.ellrich.info
Ehemalige Kapelle Elende Eichsfelder Pforte
Elende – ein Ortsteil der Stadt Bleicherode
- ist ein kleines Straßendorf an der B80.
Unmittelbar an der Bundesstraße in Fahrtrichtung
Nordhausen stehen rechts zwei
Steinkreuze. Das am Kopf leicht beschädigte
Sühnekreuz aus Kalkstein zeigt die
lateinische Kreuzform. Zu wessen Gedenken
es ursprünglich errichtet wurde ist unbekannt.
Erinnert es an einen getöteten
oder einen verunglückten Menschen, der
unvermittelt starb, ohne die heiligen
Sterbesakramente empfangen zu haben? Die Tradition nahe
am Ort des plötzlichen
Todes Steinkreuze zu errichten
ist seit dem 13.
Jh. überliefert. Mit der
Einführung der „Carolina“
1532 endete das Sühnebrauchtum.
Auf der gegenüberliegenden
Straßenseite fällt
uns das Gebäude einer
ehemaligen Kapelle auf.
Sie wurde im Jahr 1257
erbaut. Als Baumaterial
fand insbesondere Muschelkalk
Verwendung,
neben dem Buntsandanstein das gebirgsbildende Gestein der
Hainleite.
Nördlich von Elende lohnt ein Spaziergang
zum Galgenberg. Nachdem wir die
Autobahn auf einer Brücke überquert
haben, eröffnet sich ein Blick auf die
Eichsfelder Pforte: links Ausläufer der Hainleite,
rechts die beginnenden Bleicheröder
Berge. Dort hindurch führen A38, B80 und
Eisenbahn aus der protestantischen
Harzregion ins katholische Eichsfeld. Unser
weiterer Weg hinauf zum Galgenberg ist
von alten Pflaumenbäumen gesäumt.
Burg Lohra Vom Grafensitz zum Offenen Haus
In der Zeit der Regentschaft der Ottonen
wandelte sich die Grafschaft vom ursprünglichen
Dienstadel (Stellvertreter des
Königs in einer Verwaltungseinheit) zum
Geburtsadel. Grafenämter und Lehen wurden
fortan vererbt. Mit dem Tod von
HEINRICH II. († 1024), König des Ostfrankenreichs
seit 1002 und seit 1014 Kaiser des
Heiligen Römischen Reiches, erlosch das
Geschlecht der Ottonen im Mannesstamm
endgültig. Während der folgenden Regentschaft
der Salier beginnt
die Geschichte des Lohraer
Grafengeschlechts.
Sie reicht bis in das 11. Jh.
zurück, doch die Periode
der urkundlichen Erwähnung
dauert nur von 1116
(Graf BERINGER I. VON LAHRE)
bis 1221. Auf dem Gelände
eines germanischen
Heiligtums und einer
Fluchtburg hoch oben
über dem heutigen Ort
Großlohra errichteten sie
die größte Burg des südwestlichen
Vorharzes. Als seltenes Baudenkmal ist eine romanische
Doppelkapelle erhalten (Titelbild, erbaut zwischen
1120 und 1180). In ihr blieb das Obergeschoss der
Herrschaft vorbehalten, das einfache Volk fand Platz im
Untergeschoss. Doppelkapellen wie die auf der Burg Lohra
gab es nur in Burgen des Hochadels. Und so finden wir Graf
LUDWIG VON LAHRE auch in der Umgebung von Kaiser LOTHAR III.
VON SÜPPLINGENBURG (1075-1137), römisch-deutscher König seit
1125 und ab 1133 Kaiser. Die Herrschaft der Grafen von
Lahre reichte bis ins Werratal und bis in die Niederungen
nördlich der Hainleite. Zu den Nachbarn gehörten die Grafen
von Hohnstein.
Später war die Burg u. a. im Besitz der Grafengeschlechter
von Beichlingen, Klettenberg und Hohnstein. Nach dem Westfälischen
Frieden 1648 (Beendigung des Dreißigjährigen Krieges)
fiel sie an Preußen und wurde als Amt Lohra bis 1977 als
landwirtschaftliches Gut genutzt.
Wir erreichen die Burg über den steilen Burgstieg von
Großwenden aus oder mit dem Auto, indem wir von Friedrichslohra
die Hainleite hinauf
in Richtung Friedrichsrode
fahren. Am Rande einer großen
Rodungsfläche, dort wo die
Straße nach Friedrichsrode von
der nach Ebeleben führenden
Straße abzweigt, führt am
Waldrand entlang ein Fahrweg
Richtung Amt Lohra. Der Fahrweg
wird linksseitig von alten
Eschen gesäumt. Am Ende
erreichen wir eine mächtige
solitär wachsende Esche (Parkmöglichkeit
und Informationstafel).
Von hier aus erkunden wir das ausgedehnte Burggelände.
St.Gangolf Münchenlohra Von Naturgewalt bedroht
Wahrscheinlich um 1170 stifteten die
Lohraer Grafen ein Mönchskloster im
früheren „Monkelare“. Belegt ist jedoch nur
die Nutzung des Klosters von Benediktinerinnen
und Augustinerchorfrauen. Als Teil
der Klosteranlage in Münchenlohra blieb in
ihrer ursprünglichen Bestimmung einzig die
Kirche St. Gangolf, eine romanische
Pfeilerbasilika erhalten. Die übrigen Klostergebäude
wurden nach der Reformation abgerissen,
als sich das
ehemalige Kloster 1590-1701 im Besitz
der Familie von Gladbeck befand. Die
Kirche jedoch ließ BODO VON GLADBECK im
Jahr 1666 reparieren. Seinen Grabstein finden
wir in der Kirche. Nach dem Aussterben
derer von Gladbeck wurde Münchenlohra
zu einer Domäne, später (ab 1712)
preußische Staatsdomäne. Beginnend
1732 wurden nun die Kirchtürme, Teile
der Westapsis, die Nebenapsiden und Seitenschiffe
abgerissen, Hauptschiff und
Kreuzarme zu einer Dorfkirche umgebaut.
Später gab der preußische Generalkonservator
FERDINAND VON QUAST (1807-1877) die
entscheidenden Anstöße zur Wiederherstellung,
die auch schließlich bis auf die
Westapsis 1882-1885 erfolgte. Danach bedrohte
jedoch eine Naturgewalt weiterhin
das Bauwerk. Wegen Karsterscheinungen
im Baugrund (wasserlöslicher Gips) bildeten
sich Risse im Mauerwerk. Versuche, die Fundamente mit
Beton zu stabilisieren scheiterten zunächst in den 1980er
Jahren. Eine schrittweise Neufundamentierung begann dann
1994.
Die auf einer Anhöhe stehende ehemalige Klosterkirche prägt
das Landschaftsbild nördlich der Hainleite. Der Weg hinauf zu
ihr ist in Münchenlohra von einer prächtigen Lindenallee
bestimmt. Auf der Westseite der Kirche wächst ein imposanter
Spitzahorn. Rote Milane segeln hier oft in der Thermik.
Dorfkirchen Steinbrücken und Hain Feldspaziergang für Heimatliebende
Südlich von Nordhausen erstreckt sich eine
hüglige Ackerlandschaft, die wohl kaum jemals
Touristenscharen anzulocken vermag.
Doch wer sich vorgenommen hat, seine
Heimat zwischen Harz und Hainleite kennen
zu lernen, der sollte nahe der Autobahnanschlussstelle
Nordhausen einmal die B4
verlassen und in den Ort Steinbrücken
hineinfahren. Wir stellen unser Auto an der
Dorfstraße gleich bei der Kirche ab. Die
schlichte Chorturmkirche St. Michaelis
wurde vermutlich im 18. Jh. erbaut, doch
der Turm gehörte schon zu einem Vorgängerbau
aus dem 12. Jh. Im Inneren finden wir einen
barocken Altar mit Kruzifix.
Der alte Turm harrt einer
denkmalgerechten Sanierung
und bietet so lange noch Einflugmöglichkeiten
für Schleiereule
und Turmfalke. Durch
die Schulstraße verlassen wir
Steinbrücken und bleiben auf
dem westwärts führenden
Feldweg bis sich alsbald die
Möglichkeit bietet, in südliche
Richtung abzubiegen.
Schnell wird die Landschaft
abwechslungsreicher. Die
kleinen Wäldchen lassen wir
immer links liegen, erfreuen
uns an den alten Streuobstwiesen.
Es wird einsam.
Schilder, die uns den Weg
weisen könnten, sind nicht
zu entdecken. So beschwören
wir den Pfadfindergeist.
Solange es in südlicher Richtung
leicht bergan geht, sind
wir richtig. Der Höhenunterschied
zwischen Steinbrücken
und dem Turmberg
(281 m über NN) westlich von
Hain beträgt genau 100 m. In
Hain scheint die Zeit stehen
geblieben zu sein. Die
Bremer Stadtmusikanten könnten
von hier stammen,
jedenfalls sind Esel, Hund
und Hahn zu hören, Katzen
sonnen sich auf Mauern und
Fensterbrettern. Mitten im
Ort breitet eine alte Eiche
ihren Schirm über die Denkmäler
für die gefallenen
Söhne beider Weltkriege. Im
Kirchgarten stehen alte Obstbäume.
Die Kirche selbst ist eine kleine romanische Saalkirche
aus dem 13. Jh. Als Baumaterial überwiegt Röt (Oberer Buntsandstein).
Der romanische Taufstein ist vermutlich einer der
ältesten der Region.
Ausgewählte Übernachtungsmöglichkeiten
Parkhotel SüdharzEllrich – Sülzhain
Tel.: (036332) 2860
Hotel “Hufhaus“Harzhöhe, Ilfeld
www.hotelhufhaus.de
Tel.: (036331) 48125
Hotel "Am Kloster"Ilfeld/Südharz
www.harzhotel-kloster.de
Tel.: (036331) 366
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Natur- und Kulturerlebnistour „Im Zeichen des Roten Milans“.
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung
und interessante Einblicke in die Geschichte der Harzregion.
Weitere Faltblätter dieser und anderer Serien können Sie beim
Regionalverband Harz bestellen (siehe Impressum). Verwaltungs-Verlag München, Lizenz-Nr. 06/04/50. Weitere Stadtpläne unter
www.stadtplan.net
Text & Fotos: Dr. K. George