Über den Harz Natur erleben am Kaiserweg
Vom Heidenstieg zum WeitwanderwegDer Kaiserweg
Im Jahre 1258 wird eine via – eine Fahrstraße – erwähnt, deren
Verlauf teils identisch ist mit dem 45 km langen Abschnitt des
Kaiserwegs zwischen Bad Harzburg und dem Auekopf bei
Walkenried. Befahrbar war sie allerdings nur mit zweirädrigen
Harzkarren, in denen Erz und Handelsgüter transportiert
wurden. Heute wechseln mit Langholzwagen befahrbare und
ausschließlich für Wanderer nutzbare Abschnitte einander ab.
Der Kaiserweg ist einer der wichtigsten Weitwanderwege in
Deutschland und Bestandteil des Weges Deutscher Kaiser und
Könige (www.wanderbares-deutschland.de). Er verbindet den
Burgberg Bad Harzburg in Niedersachsen mit der Königspfalz
Tilleda in Sachsen-Anhalt, nachdem er auch ein gutes Stück
durch Thüringen verläuft.
Sportliche Leistung oder genussvolles Schweben Hinauf zur Harzburg
Aller Anfang ist schwer! Das gilt nicht
nur für das Schreiben kurzer Faltblatttexte,
sondern auch für die erste Etappe
auf dem Kaiserweg, so sie denn per
pedes bewältigt werden soll. Ausgangspunkt
ist die Bushaltestelle am Berliner
Platz an der Bundesstraße 4 (hier auch
kostenfreie Parkmöglichkeit) in Bad
Harzburg (N 51°52.45’; E 010°33.72’).
Alternativ sei auf die Möglichkeit
hingewiesen, in der Zeit zwischen 9:00
und 17:00 Uhr die ersten 185 Höhenmeter
mit der Seilbahn zu überwinden (Parkmöglichkeit Talstation
auf dem Großparkplatz vor dem Hotel „Tannenhof“).
Die 490 m lange Seilbahn versieht ihren Dienst bereits zuverlässig
seit dem 17. Juni 1929. Zwei Kabinen werden von um
Kehrräder laufenden Zugseilen wechselweise bergauf und
bergab gezogen. Die Fahrgäste schweben über die Wipfel der
Waldbäume, unter denen die Laubbäume hier standortheimisch
sind.
Wir aber beginnen unseren Aufstieg am
Kleinen Burgberg, also an der Bushaltestelle
am Berliner Platz. Nachdem wir die
letzten Häuser Bad Harzburgs hinter uns
gelassen haben und uns die erste Anstrengung
des Aufstiegs schon zu einer
kurzen Pause ermahnt, erreichen wir das
Amsbergdenkmal. Die in einen mächtigen
Hornfelsblock eingelassene Tafel erinnert an PHILLIP
AUGUST VON AMSBERG (1788-1871), der maßgeblich beteiligt war
an der Errichtung der ersten deutschen Staatsbahn, der Herzoglich
Braunschweigischen Staatseisenbahn, wozu auch die
1843 fertiggestellte Eisenbahn von
Vienenburg nach Bad Harzburg
gehörte. Seit 1850 war er Generaldirektor
der Herzoglichen Eisenbahnund
Postdirektion. Er ließ auch den
Radauwasserfall am Winterberg
südlich von Bad Harzburg errichten.
Angetan von den lichten Eichenwäldern
und den Ausblicken auf Bad
Harzburg erreichen wir bei 461 m
über NN den Antoniusplatz. Erste
Verwirrung: Der Kaiserweg verläuft in
zwei Richtungen? Schnell entschließen
wir uns, ihm zunächst auf den Großen Burgberg zu folgen,
denn dort soll es allerhand zu sehen geben!
Geschichte im Schatten alter Bäume Auf dem Burgberg
Die Harzburg war die wichtigste der Höhenburgen (mit Residenz
und Kollegialstift), die der in Goslar geborene Salier HEINRICH IV.
vor fast Tausend Jahren zum Zeichen seiner Macht in Sachsen
und Thüringen bauen ließ. Erstmals urkundlich erwähnt wird die
außergewöhnlich stark befestigte Burg im Zusammenhang mit
dem Ausbruch des Sachsenaufstands, in dessen Verlauf sie
belagert wurde. Die Harzburg hielt
der Belagerung stand, doch ein Jahr
nach seiner Flucht wurde HEINRICH IV.
im Frieden von Gerstungen 1074
gezwungen, seine Burgen im Harzgebiet
zu schleifen. Die von aufständischen
Bauern bis auf die
Grundmauern zerstörte Burg wurde
später wieder aufgebaut. Über ihre
wechselvolle Geschichte bis zu ihrer
endgültigen Zerstörung im Jahr
1651 berichtet eine Schautafel auf
dem Burgberg. Wir befassen uns
stattdessen noch etwas mit HEINRICH
IV. Anlass dazu bieten sowohl sein 900. Todestag im Erscheinungsjahr
dieses Faltblatts, als auch die auf dem Burgberg
während der Zeit der Bismarckverehrung am 26. August 1877
eingeweihte Canossa-Säule. Das Monument trägt die Inschrift
„Nach Canossa gehen wir nicht. - Reichstagssitzung 14. Mai
1872“. Reichskanzler OTTO VON BISMARCK (1815-1898), der diese
Worte im Kulturkampf gegen die katholische Kirche ausrief, ist
auf der anderen Seite der Säule mit einem bronzenen Reliefporträt
verewigt. Seit Bismarcks Anlehnung an den Bittgang im 11.
Jh. bezeichnen wir heute mit dem „Gang nach Canossa“ einen erniedrigenden
Bittgang. HEINRICH IV., der von Papst GREGOR VII. im
Zuge des Investiturstreits mit einem Kirchenbann belegt war,
hatte die Alpen überquert. Im Januar des Jahres 1077 traf er den
vor ihm auf der Burg Canossa Schutz suchenden Papst. Letzterer
versuchte zuvor noch zu taktieren, doch wohl auch im Ergebnis
umfangreicher diplomatischer Vermittlungen erteilte GREGOR VII.
schließlich dem König feierlich Absolution und Segen. 1084
setzte Gegenpapst CLEMENS III. Heinrich die Kaiserkrone auf.
Zurück in der Gegenwart genießen wir den wunderbaren Ausblick
vom Burgberg: im Osten
das „Kreuz des deutschen Ostens“,
nach Norden über den
Kleinen Burgberg auf Harli und
Elm, im Nordwesten auf Langenberg
und Sudmerberg bei
Goslar. Im Bereich der Ostburg
können wir auch die seltene
Bergulme entdecken.
Im Nationalpark Harz Nach Oderbrück
Vom Burgberg wieder zum Antoniusplatz zurückgekehrt,
wandern wir nun in südöstlicher Richtung auf dem Kaiserweg
weiter. An der Säperstelle (N 51°52.08’; E 010°34.69’)
angekommen, laden eine Schutzhütte (Stempelstelle Nr. 121
für Wanderpass „Harzer Wandernadel“), zahlreiche Bänke im
Freien und die gefasste Quelle des „Sachsenbrunnen“ auch
größere Wandergruppen zu einer letzten Rast im Naturpark
ein. Anders als im benachbarten Sachsen-Anhalt gehört der
Nationalpark Harz in seinem niedersächsischen Teil nicht zum
Naturpark. An der Säperstelle erreichen wir die Nationalparkgrenze.
Sichtbares Zeichen ist zunächst der Wechsel der
Beschilderung. Statt der traditionellen Schildertafeln des
Harzklubs, werden uns auf den nächsten 24 km durch den
Nationalpark aus Holz gearbeitete Schilderbäume den rechten
Weg weisen. Es ist zunächst ein sehr schöner Wanderweg, der uns zwischen der 500er und der 520 m über NN
verlaufenden Höhenlinie am Südwesthang des
Kaltetalkopfs entlang führt. Ständig wechseln die
Waldbilder. Dort wo der Weg durch Fichtenstangenholz
führt, ist die Trasse aufgehauen,
Laubhölzer wie die Rotbuche erobern ihre
ursprünglichen Standorte zurück. Zur frühen Sommerzeit
schmückt der Rote Fingerhut den Wegesrand.
Als Zwergstrauch ist die Heidelbeere vertreten.
Wer die Einladung der zahlreichen Bänke
zu einer weiteren Pause ignoriert, erreicht nach
gut einer Viertelstunde Fußmarsch den versteckt
liegenden Reuscheteich (N 51°51.68’;
E 010°35.58’). Wir beobachten Libellen und wundern uns, wie
die Wasserläufer auf der Wasseroberfläche laufen können. Von
nun an verläuft der Kaiserweg über Echoplatz und vorbei am
Grillplatz Molkenhaus auf geschotterten Forststraßen. Sportliches
Wandern überwiegt den Naturgenuss. Kinder können wir
motivieren, indem wir ihnen versprechen, bald einen wunderschönen
Waldspielplatz mit allerlei hölzernen Spielgeräten zu
erreichen (N 51°51.25’; E 010°34.51’). Täglich
fünfmal verkehrt zwischen dem Waldspielgelände
und Bad Harzburg der Nationalparkbus. Am Waldspielgelände
wird das Landschaftsbild dank einer
großen Waldwiese mit weitem Ausblick wieder
reizvoller. Unser nächstes Ziel ist die Schutzhütte
an der Luisenbank, deren Name wohl eine
Würdigung der Königin Mutter (1776-1810) des
Reichsgründers Kaiser WILHELM I. ist. Von dort aus
verlassen wir nach 200 m wieder die Forststraßen;
der Kaiserweg gleicht nun wieder vorübergehend
einem Pfad, der durch einen Fichtenhochwald
führt. An lichten Stellen wachsen Himbeeren. Am
Sellenberg bewegen wir uns dann auf der Nationalparkgrenze.
Bis zur Kreuzung des Ulmer Wegs ist hier auch der Kaiserweg
wieder befahrbar. Vorbei am Abbenstein (769 m über NN) und
an den Luisenklippen vereinen sich für ein kurzes Stück
Kaiserweg und der vom Torfhaus zum Brocken
führende Goetheweg (hier öffentliche Toiletten).
Wieder getrennt von den vielen Brockenwanderern
fallen uns am höchsten Punkt, den wir auf dem
Kaiserweg erreichen, zwei Granitklippen auf
(N 51°47.42’; E 010°34.00’). Sie werden „Hopfensäcke“
genannt und sind typische Beispiele für
das, was von Geologen als „Wollsackverwitterung“
bezeichnet wird. Noch arbeitet der Borkenkäfer
daran, aber bald werden die Klippen (868 m über
NN) völlig freistehen. Mit dem der Oder zuströmenden
moorbraunen Wasser wandern wir hinab
zum Gasthaus Oderbrück, das zur gemütlichen
Einkehr einlädt.
Entfernung ca. 15 km
Mittelalterliche WegepflasterungÜber Königskrug zur Schutzhütte
Helenenruh
Wer bis Oderbrück fahrlässigerweise noch keine festen und
wasserabweisenden Wanderschuhe getragen hat, sollte sie
spätestens jetzt anziehen! Etappenweise kommt das Gefühl
auf, es ginge geradewegs durch das Bett einer der zahllosen
Bäche, hier in Höhen um 800 m über NN, im Quellgebiet der
Oder. Schon bald haben wir aber festen Boden unter den Füßen:
mittelalterliche Wegepflasterung. Unschwer wird uns bewusst, dass selbst hier die Fahrt mit den zweirädrigen
Harzkarren eine Tortur gewesen
sein muss! Im weiteren Verlauf folgt der
Kaiserweg dann weitgehend der Trasse
einer Energiefreileitung, so dass uns
auch schon einmal die Sonne ins Gesicht
scheint. Im Fichtenwald kurz vor dem
Königskrug blüht im Sommer der Europäische
Siebenstern, eine Pflanze aus der
Familie der Schlüsselblumengewächse. In
die Familie der Doldenblütengewächse
gehört der Bärwurz. Wer jemals in einer
Harzer Bergwiese gelegen hat, wird
seinen würzigen Geruch nie vergessen.
Wir finden den Bärwurz auf der Wiese am
Gasthaus Königskrug und auch auf den Wiesen an der Alten
Harzburger Straße, auf der uns der Kaiserweg an einem Schullandheim
und am Forsthaus Brunnenbach vorbeiführt. Weiter
geht es Richtung Waldmühle, einem Mutter-Kind-Heim, und
dann auf einem Fußweg zum Parkplatz „Lausebuche“ an der
B27. Hier verlassen wir den Nationalpark und erreichen nach
weiteren 2 km den „Kapellenfleck“ (Stempelstelle 157).
Erkennbar sind Reste einer Wall- und Grabenanlage sowie auf
dem baumfrei gehaltenen Kapellenfleck selbst, die Umrisse
einer im 19. Jh. ausgegrabenen, steinernen Kapelle.
Im Mittelalter war der Kaiserweg eine in ihrer Bedeutung den
heutigen Autobahnen vergleichbare Verkehrsader. An den
Bundesautobahnen kennen wir Raststätten und Autobahnkirchen.
Ähnliche Funktionen
dürfte die umwallte Anlage inmitten
des Harzes gehabt
haben. Einer alten Urkunde
nach schenkte sie Graf SIBODO
VON SCHARZFELD im Jahre 1257
dem Zisterzienserkloster Walkenried.
Das Kloster war zu
jener Zeit das reichste im nordund
mitteldeutschen Raum. Es
verfügte u. a. über Erzgruben
am Rammelsberg bei Goslar
und über zahlreiche Hüttenbetriebe. Eine Schmelzhütte befand
sich im nahen Brunnenbachtal. Auf dem Kaiserweg waren
deshalb viele Güter zu transportieren, darunter Erz und Hüttenprodukte.
Etwa in der Mitte des 15. Jh. verlor die Anlage am Kapellenfleck
ihre wirtschaftliche Bedeutung, wurde aufgegeben
und geriet in Vergessenheit.
Näheres über den Bergbau erfahren wir von den Dennert-
Tannen entlang des weiteren Weges
zur Schutzhütte Helenenruh. Wir
durchqueren einen ausgedehnten
Fichtenforst. Der tote Stamm einer
alten Rotbuche am Wegesrand ist
Zeugnis der hier einstmals heimischen
Rotbuchenwälder. Sie fielen der Holzkohleproduktion
zum Opfer. Die
Köhler produzierten den Brennstoff für
die Verhüttung des Roteisensteins,
welcher hier im Revier immerhin einen
Eisengehalt von 36 % aufwies (Rotbücher
Schacht).
Die Orte Wieda und Zorge sind nur
jeweils 2,5 km entfernt von der
Wegekreuzung Helenenruh (Stempelstelle 160).Entfernung ca. 15 km
Wo war die Grenze?Über Walkenried nach
Nordhausen
Nächstes Ziel ist die am Südhang des
603 m über NN hohen Jagdkopfs gelegene
Bremer Hütte (Stempelstelle Nr.
163 für Wanderpass „Harzer Wandernadel“).
Der kurze steile Aufstieg vom
Kaiserweg wird belohnt mit einem
wunderbaren Ausblick auf Wieda und
auf den Ravensberg, ein Vulkan aus
der Endzeit des Erdaltertums vor
knapp 300 Mio. Jahren. Weiter geht es
Richtung Eichberg. Der in manchen
Wanderkarten dort ausgewiesene Aussichtspunkt
lohnt keinen Abstecher, er
ist weitestgehend zugewachsen. So
genießen wir alsbald den Schatten der Buchenwälder in der
Oberaue. Über den Eseltreiberweg geht es dann hinein nach
Walkenried zur Ruine der gotischen Klosterkirche. Teile der
Klosteranlage haben die Jahrhunderte unbeschadet
überstanden und beherbergen heute das modern gestaltete
Zisterzienser-Museum. Nach einer Besichtigung begeben wir
uns auf den linksseitig am Kloster vorbeiführenden Klosterweg,
benutzen aber nicht die Fußgängerbrücke, sondern
spazieren rechts der Wieda solange in
Fließrichtung, bis das Flüsschen von einer
befahrbaren Brücke überspannt wird. Von
nun an folgen wir der Beschilderung in
Richtung Juliushütte. Kaiser- und Karstwanderweg
führen zunächst gemeinsam
am Waldrand entlang. Wir passieren dann
einen Bahnübergang und gehen den
asphaltierten Weg Richtung Süden. Von
diesem lohnt ein kurzer Abstecher zum
Itelteich, dem größten der einstmals 365
Teiche des Klosters Walkenried. Die ausgedehnte
Schilfzone ist Lebensraum von
Rohrammern und versteckt lebenden
Rallenarten, darunter die Wasserralle, die
ihre Anwesenheit nur verrät durch ein
grunzend einsetzendes „krruih“, das
quiekend aufwärts geht und so an das
Quieken eines Schweinchens erinnert. Zurückgekehrt zum Ausgangspunkt
des Abstechers geht es
noch ein kurzes, asphaltiertes
Stück weiter, bis wir
am Kahlen Kopf nach Osten
zunächst am Waldrand
bergan und dann immer geradeaus
durch den Wald des
Naturschutzgebietes „Itelteich“
talwärts zum ehemaligen
Standort der Juliushütte
gelangen. Bis in die 1920er
Jahre eine Gipsfabrik, wurde
später Holzmehl produziert,
bis das Fabrikgelände im Zweiten Weltkrieg zum Außenlager
des KZ Dora wurde. Unter katastrophalen Verhältnissen
waren, umgeben von Stacheldraht und Wachtürmen, 7.000
Menschen untergebracht. Heute erinnern Tafeln und
Gedenksteine an die Gräueltaten der Faschisten und das
Leiden der Häftlinge. Inmitten des Geländes verlief später die
innerdeutsche Grenze. Auch von ihrem Stacheldraht ist
nichts mehr zu finden, die Natur erobert das Land zurück.
Einzig ein Grenzstein (N 51°34.704’; E 010°39.834’) aus
längst vergangener Zeit weist auf die frühere Grenze
zwischen dem Herzogtum Braunschweig (HB) und dem
Königreich Preußen (KP), einer Linie, die auch Grenze
zwischen der BRD und der DDR war. Hier gehen wir auf dem
Kaiserweg zwar nachdenklich aber unbehelligt als freie
Menschen von Niedersachsen nach Thüringen. Vorbei an
Ellrich und durch den Kammerforst streben wir in
südöstlicher Richtung Nordhausen entgegen. Hinter
Woffleben passieren wir über eine Brücke erneut das
Flussbett der Wieda, allein das fehlende Wasser erinnert
daran, dass wir uns in einem ausgedehnten Karstgebiet
befinden. Ehe wir Nordhausen erreichen, stoßen wir auf die
KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora. Drei Viertel der Altstadt
Nordhausens wurden bei einem Luftangriff Anfang April
1945 zerstört, und dennoch ist sie einen Besuch wert. Es gibt
noch vielfältige Zeugnisse der langen Stadtgeschichte. Von
den Ottonen bis zu den späten Staufern wurde Nordhausen
mit seinem Königshof mehrfach von deutschen Königen
aufgesucht.Entfernung ca. 23 km
Im Zauber der JahreszeitenDurch Goldene Aue und
Badraer Schweiz
Zwischen Bremer Klippe und Eichenberg
– ehe wir Walkenried erreichten –
führte der Kaiserweg ein Stück entlang
auf einer Wasserscheide; nach
Osten entwässern die Berge zum
Flüsschen Zorge. Nachdem wir Nordhausen
verlassen haben führt der Kaiserweg
nun in südöstlicher Richtung
entlang der Zorge durch die Goldene
Aue. Südlich von Bielen bis fast hin
nach Heringen ist ihr Landschaftsbild
nicht mehr allein von
ausgedehnten, im Frühling
vom blühenden
Raps und im Sommer vom reifen Getreide goldwogenden
Feldern geprägt: Der Bergbau geht
um! Große Seen sind Zeugnis des Kiesabbaus.
Gewonnen wurde und wird hier das Material,
was Flüsse wie die Zorge in der jüngeren Vergangenheit
der Erdgeschichte vom Harzgebirge
abgetragen und in der Aue abgelagert haben.
Ehe wir südlich von Heringen die Goldene Aue
verlassen, verweilen wir etwas in dem Ort und
nehmen das in Sanierung befindliche Renaissanceschloss
in Augenschein. Im 17. Jh. war es
zeitweilig Residenz des Herzogs von Braunschweig.
Südlich von Heringen liegt noch ein
Gasthaus am Weg. Danach geht es wieder in die
Berge. Diese sind jedoch keinesfalls so hoch,
wie der Name „Badraer Schweiz“ vermuten lässt.
Alles ist relativ. Alles? Nicht so die Ausblicke die
sich uns von hier oben bieten: auf den Harz, die
Goldene Aue, die Aulebener Fischteiche und
den Helmestausee – ein Feuchtgebiet von internationaler
Bedeutung, wo sich alljährlich im
Herbst Tausende Kraniche versammeln. Der
Weg ist bis Badra gut begehbar und ordentlich
ausgeschildert. Erst östlich von Badra scheint er
wenig begangen. Wir planen unsere Tour deshalb
so, dass wir diesen Wegeabschnitt begehen,
nachdem das Gras nicht mehr taunass ist.
Erreichen wir Badra zu zeitig, lohnt der Gang
zum Gasthaus. Eine Interessengemeinschaft präsentiert dort
eine beispiellose Sammlung historischer Grenzsteine. Wir befinden uns im
Grenzgebiet der
Fürstenhäuser
Schwarzburg-
Sondershausen
und Schwarzburg-
Rudolstadt
zum Königreich
Preußen. Östlich
von Badra geht
es weiter über
den Kyffhäuser
zum Ziel.Entfernung ca. 23 km
Der kleine Bruder des HarzesÜber den Kyffhäuser zur
Pfalz Tilleda
Die letzte Etappe auf dem Kaiserweg führt
uns über den Kyffhäuser. „Kleiner Bruder
des Harzes“ wird das Gebirge auch gelegentlich
genannt. Nicht weil dort ebenfalls
ein Natur- und Geopark eingerichtet
wurde, sondern wegen seiner geologischen
Entstehungsgeschichte: Während
der Zeit der Oberkreide wurde der Kyffhäuser
als Bruchscholle emporgehoben.
Die nördliche Bruchkante erhebt sich 300
m über die Goldene Aue, aus der uns der
Kaiserweg hier hinauf führte. Eindrucksvoll
erlebbar ist das Szenario am Aussichtspunkt
„Brockenblick“. Herausgetreten
aus den Hallen der Rotbuchenwälder
können wir hier bei klarer Sicht stolz zurückblicken
auf den Oberharz, den wir im
ersten Teil unserer Wanderung bezwungen
haben. Im Norden überragt der Auerberg
– wie der Ravensberg ein Vulkan aus
der Endzeit des Erdaltertums - den Unterharz,
und die Ruine Rothenburg liegt uns
gleichsam zu Füßen. Vorbei am Fernsehturm
des Kulpenberg (473 m über NN)
führt uns der Kaiserweg nicht zum bekannten
Denkmal für Kaiser FRIEDRICH I. -
genannt Barbarossa, sondern durch
Langes Tal und Wolwedatal hinab zum
Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda. Hier endet der
Kaiserweg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Pfalz im
Jahr 972 zu Zeiten der Regentschaft von Kaiser OTTO I. (912-
973). Zahlreiche Könige hielten dort in den folgenden 200
Jahren Hof, darunter im Jahr 1180 auch FRIEDRICH I. (1122-
1190). Die Reste der Burganlage können wir heute bewundern;
zahlreiche Gebäude
wurden nach originalem
Vorbild aus Holz und aus
in umliegenden Gruben gewonnenem
Lehm wieder
aufgebaut.Entfernung ca. 14 km
Am Ziel: Freilichtmuseum
Königspfalz Tilleda
Täglich geöffnet
Apr.- Okt. 10-18 Uhr,
Nov. & März 10-16 Uhr
Ausgewählte Hotels
Hotel TannenhofBad Harzburg
www.solehotels.de
(05322) 96880
Landhotel „Sachsenhof“Kelbra am Kyffhäuser
www.sachsenhof.de
(034651) 4140
Seit 2003 ist der Regionalverband Harz Träger des Naturparks Harz/
Sachsen-Anhalt und seit 2005 auch Träger des Naturparks Harz in Niedersachsen.
Der Harz ist Teil des Geoparks Harz.Braunschweiger
Land.Ostfalen. Im Jahr 2005 wurde er in das Europäische Geopark-
Netzwerk aufgenommen und als UNESCO-Geopark international
anerkannt (www.worldgeoparks.eu). Im Südosten grenzt der Naturpark
Kyffhäuser an. Der Übersichtskarte können Sie die Lage des Gebietes und
den Verlauf des Kaiserwegs entnehmen. Wir wünschen Ihnen interessante
Erlebnisse und gute Erholung im Natur- und Geopark Harz.
Text und Fotos: Dr. Klaus George