Herbst im Naturpark Harz Sachsen Anhalt
September
Durch den Ostergrund ( 1 )
Motiv Unsere kleine Wanderung beginnt am Haltepunkt Osterteich, dem idyllischen Waldbad der Stadt Gernrode (217 m ü. NN). Bereits vor 300 Jahren wurde der gern besuchte Badeteich künstlich angestaut. Jetzt im September klingt die Badesaison aber langsam aus. Wir überqueren zunächst die Gleise, gehen am Ufer des Osterteiches, dann über den Damm, um auf der östlichen Seite entlang zu laufen. Hier am Rande des Naturschutzgebietes "Alte Burg" ist Diabas aufgeschlossen. Es handelt sich dabei um ein sehr altes Gestein vulkanischen Ursprungs (Oberdevon vor 380-358 Mio. Jahren). Heute hat sich auf den kaum bodenbedeckten Felsstandorten eine sehr vielfältige Flora trockener Standorte herausgebildet. Aber nicht die Kiefern im Naturschutzgebiet sind es, die uns im September anziehen, denn wir wollen uns an der einsetzenden Laubfärbung erfreuen. Dazu wandern wir den Ostergrund hinauf in Richtung Heiliger Teich. Die sommergrünen Laubbäume bereiten sich auf die Ruhephase im Winter vor. Die Blattalterung wird durch unterschiedliche Faktoren wie abnehmende Tageslänge und Sonneneinstrahlung sowie sinkende Temperaturen ausgelöst. Im Ergebnis wird die Laubverfärbung durch bestimmte Farbpigmente hervorgerufen. Das grüne Chlorophyll, welches die Pigmente im Sommer überlagert, wird langsam abgebaut. Dadurch kommen die Xanthophylle (gelbe bis bräunliche Farbstoffe), Karotine (gelbe bis rote Substanzen) und Anthocyane (rot bis violett) zur Geltung. Es folgt der Prozess der Blattablösung, bei der zwischen dem Zweig und dem Blattstiel eine Art Korkschicht gebildet wird, die weitere Wasserund Nährstofftransporte unterbindet. Jetzt ist alles bereit für den Laubfall - die Aufgabe des Windes. Im Ostergrund begegnen wir einer Vielzahl von Laubbaumarten, darunter Schwarzerle, Rotbuche, Birke, Wildkirsche, Salweide, Bergahorn, Feldahorn, Stieleiche und Esche. Ständiger Bewohner der Laubwälder hier im Unterharz ist der Kleiber, den wir gut dabei beobachten können, wie er die Rinde der Bäume nach Nahrung absucht. Nachdem wir etwa 2 km gelaufen sind, erreichen wir den Heiligen Teich. Hier haben wir vielleicht Glück die Selketalbahn zu erleben, wenn sie über den Damm des Teiches dampft. Solch ein herrliches Panorama lädt doch zu einer genüsslichen Rast ein! Danach geht's aber weiter zum Ziel unserer Wanderung, dem Haltepunkt Sternhaus-Haferfeld ( 2 ) der Harzer Schmalspurbahnen. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: 4,6 km.
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Motiv Tourist-Information Gernrode
Tel.: (039485) 354
www.gernrode.de
Oktober
Wiesenweg ( 2 )
Motiv Im Jahre 1043 wurde die Stadt Hasselfelde (ca. 450 m ü. NN) erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Hasselfelde ist wahrscheinlich auf die vielen Haselnusssträucher, die in der Vergangenheit auf der weiten Hochfläche standen, zurückzuführen. Ein grünes Haselblatt auf weißem Grund finden wir auch im Wappen der Stadt, die bereits im Jahre 1222 das Stadtrecht verliehen bekam. Heute ist Hasselfelde staatlich anerkannter Luftkurort und von schönen Bergwiesen, Wäldern und Gewässern umgeben. Am Bahnhof Hasselfelde präsentiert die Interessengemeinschaft Harzer Schmalspurbahnen einige interessante Ausstellungsgegenstände. Unter ihnen befindet sich der Umbau eines im Jahr 1909 für die Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahn AG (NWE) im Waggonbau Görlitz hergestellten Fahrzeugs, das zuletzt als Schneepflug der Deutschen Reichsbahn (DR) im Harz im Einsatz war. Nachdem wir uns auf dem Gelände des Bahnhofs gründlich umgeschaut haben, folgen wir nun der Wegeausschilderung zum Waldseebad. Eine Informationstafel unter dem Titel Terrainkurwegevorschläge für den Luftkurort Hasselfelde" gibt Empfehlungen für verschiedene Wanderungen in der Region um den Ort. Das sehr handliche dazugehörige Faltblatt können wir in der Tourist-Information, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt erwerben. Wir empfehlen heute den Wiesenweg. Dort steht an einem Grillplatz eine Informationstafel, die uns die einheimischen Singvögel vorstellt. Vielleicht begegnen wir hier einem Buchfinken, der häufigsten Brutvogelart des Harzes, bei der Nahrungssuche. Nur wer seinen Lockruf kennt, wird auch in der Lage sein, diese Vogelart sicher im Flug zu bestimmen. Dann jedoch ist es ein Leichtes, Buchfinken zu beobachten, die im Oktober zu Tausenden über den Harz nach Süden ziehen. Alsbald erreichen wir das Waldseebad und den Hoyerteich. Zwischen beiden Gewässern führt uns der Wiesenweg nun in östliche Richtung. Wir gehen weiter bis zur Schutzhütte und genießen immer wieder die herrliche Aussicht. Bei guter Sicht ist auch der Brocken zu sehen. Von der Schutzhütte wandern wir wieder zurück zum Bahnhof. Gesamtlänge der Naturerlebnistour ca. 3 km.
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Motiv Touristinformation Hasselfelde
Tel.: (039459) 71369 oder 19433
www.hasselfelde.de
November
Silbererz und Dicke Eiche ( 3 )
Motiv Wie der Name des Ortes es schon verrät, wurden hier im Selketal einstmals silberhaltige Erze verhüttet. Als der Landesherr Fürst WILHELM VON ANHALT-HARZGERODE im Jahre 1690 die umliegenden Gruben an private Gewerkschaften verpachtete, gelangte der Bergbau zu schneller Blüte. Infolge krimineller Machenschaften fielen die Gruben jedoch Anfang des 18. Jh. an das anhaltische Fürstenhaus zurück. Erst nach der Reichsgründung 1871 und der damit verbundenen Einführung des Allgemeinen Preußischen Berggesetzes verkaufte Anhalt seine Bergwerke. Ein erneutes Aufblühen war die Folge. Es wurde kräftig investiert, unter anderem eine Schmalspurbahn zwischen Neudorf und Silberhütte erbaut. Zahlreiche Schilder im Ort, die sogenannten "Dennerttannen", erzählen von dieser Geschichte und erklären z. B. auch, wie der Bremsberg in Silberhütte mit der früheren Schmalspurbahn in Verbindung zu bringen ist. Zwei Teiche, die wir auf unserer kleinen Wanderung entdecken werden, lieferten Aufschlagswasser für die Silberhütte: Fürstenteich und Teufelsteich. Nach Einstellung des Neudorfer Bergbaus im Jahr 1903 wurde diesen beiden sowie drei weiteren Teichen durch ein insgesamt 25,5 km langes Grabensystem, den "Silberhütter Kunstgraben", zusätzliches Wasser zugeführt. Als 1910 die Silberhütte Konkurs ging, wurde noch bis 1939 mit der Wasserkraft Strom erzeugt und danach der Graben trockengelegt. Die ehemaligen Hüttengebäude wurden später als Sägewerk genutzt. Wir werden nun aber am Fuße des Bremsberges unsere kleine Wanderung durch die herrliche und reizvolle Teichlandschaft des Teufelsbachtals beginnen und folgen zunächst dem mit einem grünen Dreieck gekennzeichneten Weg in Richtung Fürstenteich. Nach wenigen Schritten gelangen wir an eine kleine Kreuzung. Dort wählen wir nicht den Weg mit den Treppen, sondern halten uns weiter links. So werden wir gleich auf einen sehr alten und faszinierenden Baum treffen: die als Naturdenkmal geschützte "Dicke Eiche". Der Weg führt uns dann hinauf auf den Damm des Fürstenteiches. Er wurde im Jahr 1729 errichtet. Der Teich diente 1937 bis 1997 noch den unterliegenden Orten Silberhütte und Mägdesprung zur Trinkwasserversorgung. Weiter talaufwärts passieren wir einen kleinen namenlosen Teich. Dort halten wir für einen Moment inne: Wir lauschen den Vogelstimmen und beobachten, was sich im Geäst an den Waldrändern alles bewegt. Zu den auffälligeren Arten gehört das kleine Rotkehlchen, dass durch seinen scharfen Ruf "schnicks" auf sich aufmerksam macht. Einzelne Rotkehlchen überwintern jährlich im Unterharz. Weiter geht's zum "Teufelsteich" und von der Westseite des Damms wieder talwärts. Wir halten uns, ehe wir die Talsohle erreichen, links und nehmen den historischen Bergbaulehrpfad. Dann gehen wir zum Bahnhof Silberhütte zurück. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: ca. 5,5 km.
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Motiv Stadtinformation Harzgerode
Tel.: (039484) 32421
www.harzgerode.de
Ausgewählte Hotels
MotivRestaurant und Kaffeestube „Nostalgie“
im Bahnhof Hasselfelde
Tel.: (039459) 76799
MotivFerienpark Hasselhäuser Hasselfelde
Tel.: (039459) 7800
MotivPension & Gaststätte Alte Straßenmeisterei Hasselfelde
www.alte-strassenmeisterei.de
Tel.: (039459) 70444
MotivHotel "Hagenmühle" Hasselfelde
www.hotel-hagenmuehle.de
Tel.: (039459) 70050
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Text: M. Bunzel, Dr. K. George, C. Linke
Fotos: Bunzel, George, Linke