Frühling im Naturpark Harz Sachsen Anhalt
März
Zeugnisse vergangener Zeiten ( 1 )
Motiv Ein beliebtes Ausflugsziel bietet die kleinste Stadt Sachsen-Anhalts: Güntersberge (412 m ü. NN) mit der Burgruine Güntersburg. Am Bahnhof Güntersberge beginnt ein sehr schön gestalteter Naturlehrpfad für Jung und Alt. Wir werden mit der Wanderwegmarkierung „NL“ durch den Güntersberger Forst geführt, der Teil eines Landschaftsschutzgebietes ist. Der Lehrpfad bietet zahlreiche Informationstafeln, darunter über den Bergbau oder den Aufbau eines Holzkohlemeilers. Außerdem werden wir die einheimische Flora und Fauna kennen lernen. So können wir jetzt im Monat März die gerade aus ihren Überwinterungsgebieten zurückgekehrten Stare dabei beobachten, wie sie verschiedene Baumhöhlen auf deren Eignung als Brutstätte inspizieren. Ausdauernd tragen die Starenmännchen dann in unmittelbarer Nähe der auserwählten Höhle ihren Gesang vor. Ihre Lieder enthalten ganze Strophen anderer Vogelarten, denen sie in ihren Überwinterungsgebieten in Südeuropa und Nordafrika begegnet sind. Die hier vorgeschlagene Tour kann bequem in zwei Stunden bewältigt werden. In ca. 1,0 km Entfernung von unserem Ausgangspunkt am Bahnhof Güntersberge erreichen wir das Naturdenkmal „Martinsberg“. Hier befindet sich ein geschützter Massenstandort von Buntem Eisenhut, Wolfseisenhut und Türkenbundlilie. Ihre Blüten entfalten diese Pflanzenarten jedoch erst im Sommer. Nach ca. 0,5 km gelangen wir dann zum Aussichtspunkt Gierskopf, von wo aus bei guter Sicht der Brocken zu sehen ist. Also nicht das Fernglas vergessen! Einen halben Kilometer weiter entdecken wir dann den Burggraben der Ruine Güntersburg. Die ehemalige Burganlage liegt 485 m über NN. Eine Tafel vor Ort erzählt die Geschichte der Güntersburg. Danach beschreibt ein altes Amtsbuch von 1608 die Burg als alte Hausstätte „welche überall mit Holz bewachsen und all da nichts zu sehen ist“. Aber den Burggraben und einige Mauerreste erkennen wir doch! Folgen wir nun dem talwärts führenden Weg, so sehen wir bald das Ufer des sieben Hektar großen Bergsees. Er wird auch „Mühlteich“ genannt. In der Vergangenheit wurde er zur Versorgung der Mühlen und des Bergbaus im Selketal angelegt. Nun führt der Lehrpfad an den Gleisen der Selketalbahn entlang, und wir werden am Hang des Südufers auf das Naturdenkmal „Aufschluss Teichdamm“ treffen. Nach wenigen Schritten erreichen wir dann die Selke und somit das Ende des Naturlehrpfades. An der Selke entlang führt uns der Weg wieder zurück zum Bahnhof der Harzer Schmalspurbahnen. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: 3,5 km.
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April
Von Raubrittern und Schieferplatten ( 2 )
Motiv Wir beginnen unsere Erlebnistour am Haltepunkt Sternhaus-Ramberg der Selketalbahn und begeben uns zunächst 0,5 km in Richtung Gasthaus „Sternhaus“. Am Parkplatz gegenüber dem Gasthaus Sternhaus angekommen, halten wir uns dann rechts und folgen dem mit einem rotem Punkt markierten Wanderweg. Nach ca. 1,5 km erreichen wir das Naturdenkmal „Burgberg der Heinrichsburg“. Die Burg wurde einstmals zur Sicherung der bedeutenden Selkestraße erbaut, aber später von Raubrittern eingenommen und im Jahre 1344 zerstört. Ein Neuaufbau machte die Burganlage bis Ende des 15. Jahrhunderts wieder bewohnbar. Die heutigen Mauerreste sind von zahlreichen seltenen und besonders geschützten Pflanzen umgeben, darunter Türkenbundlilie, Eisenhut und Akelei. Jetzt im April entfalten aber erst einmal Frühblüher wie Buschwindröschen und Hohler Lerchensporn ihre vielfarbige Blütenpracht.
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Motiv Das im gesamten Gebiet des Burgberges stehende und herumliegende Totholz ist ein wertvoller Lebensraum für seltene Pilz- und Insektenarten, letztere beliebte Beutetiere der heimischen Spechte. Viele dieser Arten sind deshalb so selten, weil in den modernen Wirtschaftswäldern das Holz genutzt wird, ehe die zum natürlichen Kreislauf dazugehörige Zerfallsphase einsetzt. Nachdem wir die Burgruine und ihr Umfeld erkundet haben, müssen wir noch ca. 1,0 km bergab Richtung Mägdesprung laufen. Bei feuchter Witterung zeigen sich hier häufig einzelne Feuersalamander. Mägdesprung wird oft mit der Sage von der „Mägdetrappe“ in Verbindung gebracht. Tatsächlich verdankt der Ort seinen Namen aber der „Maide-Sprungk“- Quelle am Fuße des Zirlberges. Am Rande von Mägdesprung (300 m ü.NN) angekommen, können wir ein zweites Naturdenkmal bestaunen: Der „Plattenschieferbruch Mägdesprung“ zeigt einen Aufschluss von Plattenschiefer der Tanner-Grauwacke. Der Plattenschiefer wurde als Baumaterial für viele historische Bauten im Selketal genutzt (Gebäude, Brücken, Stollenmundlöcher oder Trockenmauern). Entsprechende Zeugnisse sind allgegenwärtig. Nur ein kurzes Stück ist es noch bis zum Bahnhof Mägdesprung ( 3 ) der Harzer Schmalspurbahnen. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: 3,5 km.
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Mai
Felsen und baumbrütende Mauersegler ( 3 )
Motiv In einem der schönsten Teile des Selketals liegt Alexisbad (325 m ü. NN). Das Kurbad wurde 1810 vom Herzog ALEXIUS VON ANHALT BERNBURG gegründet. Wegen des aus mehreren Stollen austretenden jod-, fluor und eisenhaltigen Wassers kamen viele Gäste in den Kur- und Erholungsort. Unser Rundweg ist in ca. 2,5 Stunden zu schaffen. Da die hier überwiegend wachsenden Eichen erst spät ihre Blätter entfalten, werden wir vielerorts noch wunderschöne Aussichten ins romantische Tal der Selke haben. Das Selketal bietet aber nicht nur schöne Wälder, Quellen und Klippen, sondern auch eine Vielzahl von attraktiven Frühblühern entlang der Wege, z.B. Buschwindröschen, Hohler Lerchensporn, Wald-Goldstern und Lungenkraut. Vom Bahnhof Alexisbad beginnen wir die Route mit dem Wanderweg Nr. 7, welcher direkt an der Selke und den Gleisen entlang führt. Wir werden am „Schwefelstollen“ und der kleinen Kapelle vorbei kommen, ehe wir auf den sogenannten „Klippenweg“ wechseln. Nach 0,6 km Aufstieg werden wir den im Jahr 1823 erbauten „Luisentempel“ erreichen und können dort kurz verweilen. Nur einige Meter weiter gelangen wir an die „Luisenklippe“, von der wir einen Talblick genießen können.
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Motiv Von der Klippe folgen wir dann dem Weg in Richtung Harzgerode bis wir die längste natürliche Rodelbahn (von Harzgerode bis nach Alexisbad) kreuzen. Von dort aus folgen wir dem „Klippenweg“ weiter und nach 0,7 km stehen wir vor dem „Friedensdenkmal“. Hier haben wir eine schöne Sicht auf den Ort Alexisbad mit seinen teilweise imposanten Hotelgebäuden. Bald wenden wir uns aber ab und spazieren bis zur „Verlobungsurne“ auf dem „Habichtstein“. Angelangt an diesem geschützten Geotop gönnen wir uns eine Rast mit einem wundervollen Panorama. Uns fallen dabei vielleicht die vielen Mauersegler auf, die hier laut kreischend ihre Bahnen ziehen. Zwar kennen wir diese Vogelart aus den Städten, doch gibt es in den höhlenreichen Laubwäldern an den Selkehängen bei Alexisbad die erst unlängst entdeckte größte Kolonie baumbrütender Mauersegler in Deutschland. Nach der Heimkehr der Mauersegler aus ihren Winterquartieren im südlichen Afrika jeweils um den 1. Mai herum gibt es alljährlich erbitterte Kämpfe um die besten Baumhöhlen. Dabei unterliegen meist sogar die großen Stare und müssen ihre bereits begonnenen Bruten aufgeben. Nun beginnt unser ca. 1,2 km langer Rückmarsch über das „Birkenhäuschen“ zum Bahnhof Alexisbad. Gesamtlänge der Naturerlebnistour: 5,2 km.
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Ausgewählte Hotels
MotivBerghotel "Glück auf" Güntersberge
www.berghotel-guentersberge.de
Tel.: (039488) 301
MotivEinkehrstation am Bahnhof Mägdesprung
Tel.: (039484) 40922
MotivKinder- und Erholungszentrum Güntersberge e.V.
www.kiez-harz.de
Tel.: (039488) 7622
MotivHotel "Zur Güntersburg"
www.hotel-guentersburg.de
Tel.: (038488) 330
MotivHotel Habichtstein
www.habichtstein-harz.de
Tel.: (039484) 780
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Text: M. Bunzel, Dr. K. George
Fotos: Bunzel, George, Hellmann, RVH