Von der Pfalz Bodfeld zur Erichsburg
SpurensucheWege Deutscher Kaiser und Könige
des Mittelalters im Harz
des Mittelalters im Harz
Wer nicht allein Ruhe und Erholung
in der Natur sucht, sondern sich
zugleich für die Entstehung einer
wunderschönen Kulturlandschaft
interessiert, der ist im Naturund
Geopark Harz genau richtig!
Das nördlichste Mittelgebirge
Deutschlands durchzieht ein ganzes
Netz von Themenwegen. Der
jüngste unter ihnen, der Wanderweg
entlang des Grünen Bandes, befasst
sich zugleich auch mit der jüngsten
Geschichte: mit der gut 40jährigen
Teilung Deutschlands nach dem
Zweiten Weltkrieg. Doch auch zuvor
war der Harz eine über Jahrhunderte geteilte Landschaft.
Souveräne Staaten wie die Königreiche Hannover und
Preußen, die Herzogtümer Anhalt und Braunschweig übten
die Hoheit über bedeutende Teilgebiete des Harzes aus. In
ihren Grenzen lagen eine ganze Reihe einstmals selbständiger
Fürstentümer, darunter die Grafschaften Regenstein,
Hohnstein, Stolberg oder Mansfeld. Wer sich für diese neuzeitliche
Geschichte interessiert, dem sei eine Wanderung
auf der Themenroute entlang historischer Grenzwege empfohlen.
Die 200 km lange Route ist in einer 2008 erschienen
Broschüre des Regionalverbandes Harz detailliert beschrieben.
Mit der noch weiter zurückliegenden Geschichte befasst
sich schließlich ein ganzes Netz von Wegen. Es sind die
„Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“. Ihr Streckennetz umfasst
550 km Wanderwege. Eine
unglaubliche Zahl von 55 speziellen
Informationstafeln bietet
rein rechnerisch aller 10 km
Standortbeschreibungen und
Hintergrundwissen. Ungezählte
Wegemarken mit einer goldenen
Krone auf rotem Grund
sollen verhindern, dass sich
irgendjemand verläuft. Die dauerhafte
Unterhaltung dieses
Wanderwegenetzes ist eine ständige
Herausforderung, der sich
besonders die Mitglieder vieler
Harzklubzweigvereine stellen.
Der Regionalverband Harz, seit
2003 Träger des Naturparks Harz/Sachsen-Anhalt und seit
2005 auch des Naturparks Harz in Niedersachsen, steht
dabei den ehrenamtlich tätigen Harzklubmitgliedern unterstützend
zur Seite. Eine Serie handlicher Faltblätter beschreibt
Teilabschnitte des 550 km langen Geschichtslehrpfades.
Zuerst war 2006 das Faltblatt „Über den Harz“ erschienen.
Es ist dem Kaiserweg von Bad Harzburg über Nordhausen
zur Königspfalz Tilleda im südlichen Harzvorland gewidmet.
Ebenfalls an den Fuß des Kyffhäusergebirges führt eine
zweite Harzquerung. Sie ist beschrieben im 2007 erschienenen
Faltblatt „Vom Königstein zur Königspfalz“ und nimmt
ihren Anfang im nördlichen Harzvorland bei Westerhausen.
Mit dem wiederum ein Jahr später herausgegeben Faltblatt
der königsblauen Serie „Vom Kaiserweg zur Pfalz Bodfeld“
begann der Regionalverband Harz die Beschreibung der
Wege des Wegenetzes Deutscher Kaiser und Könige, die
die Harzquerungen durch das Gebirge miteinander verbinden.
Von der ersten Querung, dem Kaiserweg nahe der
Eckertalsperre, ging es in südöstliche Richtung
zu jener legendären Pfalz, wo im Jahr 1056
Kaiser HEINRICH III. (1017-1056) im Beisein von
Papst VICTOR II. (um 1022-1057) verstarb. Von
dort soll es nun mit dem hier vorliegenden
vierten Faltblatt als Begleiter weitergehen über
Elbingerode, Hasselfelde und Güntersberge
zur Ruine der Erichsburg. In ihrer Nähe treffen
wir nicht zufällig auf die im Mittelalter bedeutende
zweite Harzquerung.
Start Vom Schlosskopf zum Galgenberg
Von Heimburg am nördlichen Harzrand
kommend führt eine Straße durch das Trecktal
in Richtung Elbingerode. Der Verkehr auf der
Kreisstraße K1347 hat stark zugenommen, seit
die neue Bundesstraße B6n fertig ist. So fahren
nun viele Harzgäste mit dem Ziel Drei Annen
Hohne, Schierke oder Braunlage durch das enge
Tal, über welchem sich, im Wald verborgen,
unauffällig der Schlosskopf erhebt. Der Berg trägt
diesen Namen erst seit dem 15. Jh. Wie lange
er wirklich besiedelt war, ist nicht überliefert.
Ende des 19. Jh. durchgeführte archäologische
Grabungen förderten Erstaunliches zu Tage:
Fundamente zweier massiver Gebäudegruppen, die in die Zeit
des Mittelalters zu datieren sind. Inzwischen gilt als sicher, dass
sich auf dem Schlosskopf die legendäre Pfalz Bodfeld befand.
Für diese Pfalz sind nicht weniger als 17 Aufenthalte deutscher
Kaiser und Könige urkundlich nachgewiesen. Da die Urkunden
meist im Herbst ausgestellt wurden, kann von einer Nutzung als
Jagdpfalz ausgegangen werden. Diese war prächtig und wehrhaft
ausgestattet, verfügte über Kapelle, Treppenturm und Palas, ein
davon getrenntes weiteres großes Steingebäude (wahrscheinlich
eine Versammlungshalle), weitere Wirtschaftsgebäude, einen
runden Turm, Torhaus und Ummauerung sowie einen zweiten
Turm außerhalb. Ein schlichtes Holzkreuz markiert heute
die Stelle, wo sich einstmals die Kapelle befand. Um auf den
Schlosskopf zu gelangen, fahren wir auf der K1347 bis zum
Abzweig Eggeröder Brunnen.
In manchen Karten wird der Ortsteil der Stadt Elbingerode
auch noch als Jasperode bezeichnet. Diesen Namen trug der
Ortsteil in den Jahren 1946 bis 1990 in Erinnerung an den
Sozialdemokraten und langjährigen Ministerpräsidenten des
Freistaates Braunschweig HEINRICH JASPER (1875-1945), der durch
das nationalsozialistische Regime
verfolgt wurde und wenige
Wochen vor Kriegsende im KZ
Bergen-Belsen ums Leben kam.
Kurz nach dem Abzweig von
der Kreisstraße führt links ein
Forstweg zum Schlosskopf.
Nach dessen Besuch kehren wir
an den Ausgangspunkt zurück
und halten uns rechter Hand in
südliche Richtung. Wir wollen
zum Gagenberg bei Elbingerode.
Die genaue Wegeführung dorthin kann sich verändern, denn
der voranschreitende Abbau devonischer Kalke in riesigen
Tagebauen beansprucht neue Flächen. Stehen bleiben wird
wohl die im November 2008 zu Ehren des zweiten Harzer
Wanderkaisers gepflanzte Eiche.
Sie wollen auch Wanderkaiser werden? Der Anfang wäre getan,
wenn Sie in Ihren Wanderpass am Galgenberg den ersten
Stempel drücken (Stempelstelle Nr. 38 der Harzer Wandernadel,
www.harzerwandernadel.de).
Zuvor passieren wir aber noch die Stelle des im 15. Jh. wüst
gefallenen Dorfes Erdfelde. Über den Tagebau hinweg schweift
unser Blick bis zum oberhalb von Rübeland gelegenen Gut
Heiligenstock.
Bergbautradition Durch Elbingerode
Der Galgenberg (Landmarke 13 6) ist als Naturdenkmal
geschützt und wird so hoffentlich der Nachwelt erhalten
bleiben. Der Berg (506 m über NN) ist Teil des Harzer
Grundgebirges und entstanden als tropisches Korallenriff
zu jener Zeit im Devon, als sich das Gebiet des heutigen
Harzes noch in Äquatorlage befand. Von alters her war er
eine Gerichtsstätte und im 16. Jh. Standort des Elbingeröder
Galgens. Heute ist es um den Berg friedlich geworden.
Im Frühjahr blühen auf dem Trockenrasen zahlreich die
Schlüsselblumen.
Auf dem Weg vom Galgenberg hinein in die
Stadtmitte kommen wir vorbei am Hotel
„Zum Goldenen Adler“. Der Adler im Namen
ist ein Hinweis darauf, dass wir uns in
einer einstmals preußischen Stadt aufhalten.
Elbingerode fiel 1866 mit dem Königreich
Hannover an Preußen. Kurz zuvor, im Jahr
1858, hatte ein verheerender Brand die
Stadt heimgesucht. Der im neugotischen
Stil errichtete Neubau der evangelischen
Kirche St. Jacobi wurde am 25. Oktober
1863 im Beisein des Hannoverschen Königs
GEORG V. (1819-1878) eingeweiht. In ihr
würden über 800 Menschen Platz finden,
doch die Zahl derer, die sich zum christlichen
Glauben bekennen, ist hierzulande stark
zurückgegangen. Direkt an der Kirche lädt die Heimatstube
zum Besuch ein (geöffnet dienstags 15-17 und donnerstags
10-12 Uhr). Im Freigelände befinden sich landwirtschaftliches
Gerät und ein Grenzstein aus der Gemarkung Elbingerode.
Er markierte einstmals die Grenze zwischen dem Königreich
Hannover (KH) und dem Herzogtum Braunschweig (HB).
Elbingerode gelangte 1422 vom Stift Gandersheim in
welfische Lehnsherrschaft. Herzog ERICH I. VON BRAUNSCHWEIGGRUBENHAGEN
(1383-1427) belehnte wenige Jahre später die
Grafen zu Stolberg mit Schloss und Flecken Elbingerode
nebst den dazugehörigen Hütten, Wäldern, Fischerei und
Wildbann. Mitbelehnt wurden die Grafen von Schwarzburg.
Während des Dreißigjährigen Krieges weigerte sich Herzog
GEORGE VON BRAUNSCHWEIG-CALENBERG (1582-1641), dem finanziell
schwachen Grafenhaus Stolberg erneut einen Lehnsbrief über
Elbingerode auszustellen.
Das Schloss Elbingerode ist seit
dem Dreißigjährigen Krieg bis
auf die Grundmauern zerstört.
Der Besuch des Schlossberges
lohnt dennoch. Er ist als Park
gestaltet, Bänke laden zum
Verweilen ein.
An den bis 1970 betriebenen
Eisenerzbergbau erinnert u. a.
das Besucherbergwerk „Drei
Kronen und Ehrt“ an der B242
in Richtung Rübeland. Jährlich
am ersten Wochenende im
Juli findet in Elbingerode eine
traditionelle Bergparade statt.
Auch die Kalkwerke können
dann besucht werden. Auf unserer Wanderung begnügen wir uns mit einem Blick
in den südlich der Stadt gelegenen Tagebau (Stempelstelle
Nr. 39 der Harzer Wandernadel). Aus der Stadt gelangen wir
dorthin im Verlauf der Torstraße. Von der Stempelstelle bis
zum Abzweig Andreaskirche sind es noch 2,5 km.
Besucherbergwerk „Drei Kronen und Ehrt“
Geöffnet: Mai - Oktober 9.00 – 17.30 Uhr, im Winter 10.00 – 16.30 Uhr
www.dreikronenundehrt.de
Alternative RoutenSusenburgblick oder Andreaskirche
Nun müssen wir uns entscheiden! Der längere,
dafür aber romantischere Weg führt nach
rechts in Richtung Andreaskirche. Tatsächlich
vorfinden werden wir eine Waldwiese auf
der nur Spuren einer Kirche zu entdecken
sind, von deren Existenz ansonsten einzig
ein Ablassbrief des Halberstädter Bischofs
VOLRAD VON KRANICHFELD aus dem 13. Jh. kündet.
Den früheren Standort markiert ein schlichtes
Holzkreuz. Die Stille des umgebenden Waldes
lädt zu einer kurzen Andacht ein. Bald steigen
wir den schmalen Pfad in den Papengrund
hinab und gelangen durch diesen zum Ufer
der Überleitungssperre. Sie staut das Wasser
der sich zuvor bei Königshütte zur Bode
vereinigenden Kalten und Warmen Bode. Die
Betonstaumauer aus dem Jahr 1956 erreichen
wir linkerhand. Durch einen 1,8 km langen
Stollen wird das Wasser übergeleitet in den
Rappbodestausee, der nur so ausreichend
Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung
bereitstellen kann.
Die alternative Route führt uns auf dem Fahrweg
direkt zur Staumauer der Überleitungssperre.
Wir lassen an der Schutzhütte den Abzweig
Richtung Susenburg bzw. Rübeland links
liegen. Obwohl auch in Richtung Rübeland
ein Teilabschnitt des Wegenetzes „Deutscher
Kaiser und Könige des Mittelalters“ führt,
lenken wir unsere Schritte konsequent talwärts!
In östlicher Richtung ist über dem Bodetal der
schmale Felsgrad zu sehen, auf dem einstmals
die Susenburg stand.
An der Staumauer (Titelbild) vereinen sich die
hier beschriebenen beiden Alternativrouten.
Auf der gegenüberliegenden Seite erreichen
wir zunächst eine weitere Stempelstelle der
Harzer Wandernadel. „Trogfurter Brücke“ heißt
es auf dem Stempel mit der Nr. 42. Etwa
100 m in Richtung Königshütte weist eine
Informationstafel auf den Ort, wo zunächst
eine Furt des Trock- bzw. Trogweges die Bode querte, und
wo 1739/40 – wahrscheinlich aus den Steinen des alten
Wartturms der Susenburg – eine steinerne Brücke errichtet
worden war. Am 14. April 1945 ließ sie die SS sprengen. Die
später erbaute Holzbrücke versank im Stausee.
Die nächsten 2,5 km sind keine Forststraßen, weshalb wir
guten Gewissens die zweite Hälfte des Weges zweimal laufen
können!
Zum nächsten königlichen JagdhofWeiter in Richtung Hasselfelde
Nach gut 1 km ignorieren wir
also zunächst die Wendung des
Trockweges in Richtung Süden,
denn ein Abstecher zur Ruine der
Königsburg lohnt nicht nur wegen
der Stempelstelle Nr. 41. Vielmehr
gibt es noch Teile des Bergfriedes,
Gräben und Wälle der 1518
aufgegebenen Grenzburg des
Bistums Halberstadt zu entdecken.
Zurück auf der Hauptroute geht es
dann aber doch weiter Richtung
Süden, bis sich der Trockweg,
der „Weg Deutscher Kaiser
und Könige“, mit dem Harzer
Hexenstieg vereinigt. Die nächste
Schutzhütte und eine weitere
Informationstafel erreichen wir
dort, wo „Die Lange“ den Trockweg
quert. Der Höhenweg trägt seinen
Namen, weil er über eine sehr
lange Strecke schnurgerade auf
der Wasserscheide von Kalter Bode
und Rappbode verläuft. Er diente
ursprünglich der Erschließung der
Bergbaureviere der Grafschaft Regenstein
bei Trautenstein und Tanne.
Fuhrleuten, die im Mittelalter aber auf dem
Trockweg unterwegs waren, stand im Tal
der Rappbode eine weitere Flussquerung
bevor. Wahrscheinlich zum Schutz der Furt
befand sich vom 13. bis 18 Jh. westlich von
ihr eine kleine Burganlage: die Trageburg.
1960 versank die Furt im Stausee der
Vorsperre. Wir queren die Rappbode also
trockenen Fußes über die Staumauer. Ab
der Schutzhütte Trageburg trennt sich der
Harzer Hexenstieg vom Trockweg. Wir aber
bleiben auf dem Hauptweg und erreichen nach ca. 1 km
eine weitere Schutzhütte. Dort knickt der Trockweg wieder
in Südrichtung (Richtung Hasselfelde) ab. Nächste Station
ist der Paradieskopf auf der Hasselfelder Hochfläche. Von
hier sehen wir schon die Stadt und können im Süden
auch die 50 m hohe Stahlkonstruktion des Carlsturms
erkennen. Auf der kleinen Kuppe des Paradieskopfes soll
im 13. Jh. ein Kloster der Serviten gestanden haben - ein
Orden, der seine Bestätigung 1304 durch Papst BENEDIKT
XI. (1240-1304) erhielt. In Richtung Hasselfelde verläuft
parallel zum ausgebauten Fahrweg eine schmale Birkenallee.
Rechts vorbei am Gasthaus Hagenmühle erreichen wir den
Stadtrand, wo die schmuckvoll restaurierte Dr. Hermann
Blumenau Schule an einen bekannten Hasselfelder Bürger
erinnert: den Gründer der brasilianischen Stadt Blumenau.
Nicht weit entfernt befindet sich in der Breiten Straße die
Touristinformation.
Über die GrenzeNach Güntersberge
Während Hasselfelde 1599 mit der
Grafschaft Blankenburg-Regenstein an das
Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel fiel,
gelangte unser nächstes Ziel - die zeitweilig
an die Stolberger Grafen verpfändete Stadt
Güntersberge - 1536 wieder zu Anhalt. Die
Grenze der bis 1933 existierenden Freistaaten
Braunschweig und Anhalt werden wir auf der
bevorstehenden Etappe überschreiten.
Vom Käseberg bei Hasselfelde geht es zunächst
östlich der Hassel bis zum Gästehaus Domäne
(Reiterhof & Campingplatz). Dort folgen wir
der Beschilderung in Richtung Güntersberge.
Unser Weg ist eine alte Laubbaumallee, von
der sich herrliche Ausblicke zurück über
Hasselfelde bis zum Brocken eröffnen. Bald
kreuzt der Weg die Straße, die Stiege mit
Allrode verbindet. Stiege lassen wir rechts
liegen, denn der durch Stiege führende
Abschnitt des „Weges Deutscher Kaiser und
Könige“ in Richtung Nordhausen bleibt der
Beschreibung in einem weiteren Faltblatt der
königsblauen Serie des Regionalverbandes
Harz vorbehalten. Wir wandern weiter auf
dem Harzklub-Hauptwanderweg 47F. Von
der Harzhochstraße (B242) zweigt am
Kanonenplatz die im Mittelalter ebenfalls
bedeutende „Hohe Straße“ ab. Sie ist heute
ein teilweise ausgebauter Forstweg. Ehe wir
darauf in Richtung Güntersberge wandern,
lohnt jedoch ein kurzer Abstecher zur
Wüstung Selkenfelde. Das Dorf „Silicanvelth“
wurde bereits in einer Urkunde von Kaiser
OTTO I. (912-973) erwähnt und hatte offenbar
Anschluss an die „Hohe Straße“. Für geleistete
Waffenhilfe gab Kaiser OTTO IV. (um 1175-
1218) Stiege mit dem Ort Selkenfelde den
Blankenburger Grafen zu Lehen. Bis in das
14. Jh. hinein hatte das Dorf seinen eigenen
Pfarrer, doch wohl schon im 15. Jh. wurde es
aufgegeben. Die Reste der Steinkirche wurden 1885-1887
ausgegraben und sind heute in unmittelbarer Nähe der Gleise
der Harzer Schmalspurbahnen zu entdecken. Am Rastplatz
Selkenfelde steht die Stempelstelle Nr. 55 der Harzer
Wandernadel. Ein kurzes Stück zurück durch den Wald,
dann Vorsicht bei der Querung der B242! Auf der anderen
Straßenseite beginnt ein schmaler Pfad, der uns zur „Hohen
Straße“ zurückführt. Zum Kanonenplatz sind es aber noch
ein paar Schritte auf der „Hohen Straße“. Der Kanonenplatz
ist Teil einer noch gut erkennbaren Befestigungsanlage.
Diese existierte wohl schon im Mittelalter, wurde aber
im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) als so genannte
„Schwedenschanze“ weiter ausgebaut. Ihr heutiger Zustand
geht zurück auf die Wiederinstandsetzung und Besetzung
durch hannoversche Jäger im Siebenjährigen Krieg (1756-
1763). Uns versperrt die Befestigungsanlage nicht mehr den
Weg. Unbemerkt überschreiten wir im Verlauf der „Hohen
Straße“ auch die frühere Grenze zwischen den Länden
Braunschweig und Anhalt.
NaturlehrpfadAbstecher zur Ruine der Güntersburg
In Güntersberge endet die dort auch so
bezeichnete Hohe Straße an der Alten
Schule mit einem Waldkabinett
(Ausstellung). Von Güntersberge aus
haben die Planer des Netzes der „Wege
Deutscher Kaiser und Könige“ einen
Abstecher zur Ruine der Güntersburg
vorgesehen. Er führt uns an das Südufer
des Bergsees Güntersberge und von
dort auf einen sehr interessanten
Naturlehrpfad, der von dem örtlichen
Zweigverein des Harzklubs unterhalten
wird. Eine ältere Tafel am Naturlehrpfad erklärt, warum im
Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt öfter die Sonne scheint, und
warum es im Westharz häufiger regnet. Auf dem Kohlberg
hoch über dem Bergsee finden wir die Ruine Güntersburg. Es
sind Reste einer ausgedehnten
Siedlung mit
Wallanlage, Fundamenten von
Tortürmen und weiteren
Gebäuden. Die Siedlung existierte
bereits im 11. Jh., fiel
aber Anfang des 17. Jh. wüst.
Der Naturlehrpfad wurde
2009 kindgerecht erneuert
und führt bis hinein in das
Kinder- und Erholungszentrum
Güntersberge. Ein
kleiner Spielplatz befindet
sich auch am Bürgerhaus
(Tourist information) inmitten
des staatlich anerkannten
Er holungs ortes. Wie in
Elbinge rode ein „Goldener
Adler“ auf preußische
Ge schichte hinweist, sind es
in Günters berge und Siptenfelde
die Gaststätten
„Schwarzer Bär“, die an das
Wappentier der Fürsten von
Anhalt-Bernburg als frühere
Landesherren erinnern.
Gegenüber vom „Schwarzen
Bär“ steht eines der ältesten
Gebäude von Güntersberge.
Die Einheimischen nennen es
„Schlösschen“. Das im Jahr
1684 erbaute Fachwerkhaus
überstand den Großbrand
von 1707. Es war zeitweise
Bürgermeisterwohnung und
beherbergte im Keller das
Stadtgefängnis.

NaturschutzgebietDurch Selke- und Uhlenbachtal
Altes RaubritternestVom Uhlenstein zur Ruine
Erichsburg
Schon unter HEINRICH I. (876-936) wurde
mit dem Bau des Jagdhofs Siptenfelde
begonnen. Sein Sohn, Kaiser OTTO
I., hielt sich dort bevorzugt auf.
Nach Ausgrabungen und neuesten
Forschungen vermutet man den
Standort des kaiserlichen Jagdhofs
Siptenfelde beim heutigen Forsthaus
Uhlenstein. Auf den Grundmauern
des mittelalterlichen Jagdhofs wurde
wahrscheinlich später das Klostergut
„Münchenhof“ errichtet, das zeitweilig
Nebenkonvent des Klosters Marienthal bei Helmstedt war. Das
Forsthaus Uhlenstein mit seinem kleinen Teich ist einer der
idyllischsten Orte im Unterharz. Durch
den als FFH-Lebensraum geschützten
Rotbuchenwald führt uns der „Weg
Deutscher Kaiser und Könige“ von
dort hinauf zur Beckstraße, einem
ausgebauten Forstweg. Unmittelbar
an der Beckstraße und nicht weit
entfernt von der Blockhaussiedlung
des Ferienparks Merkelbach (Hotel &
Gaststätte, Wildgehege) liegt im Wald
versteckt die Ruine der Erichsburg.
Es sind Wallanlagen und die Reste
des Burgfrieds, eines Wohngebäudes
und Wohnturms der Kernburg. Über
ihr Schicksal weiß Spangenbergs
Mansfeldische Chronica von 1572
zu berichten, dass Graf HERMANN VON
STOLBERG als Raubritter schlimmster
Art keinen schonte und sein
Handwerk trieb, bis der Landgraf
von Thüringen – gemeinsam mit
Bürgern aus Erfurt, Mühlhausen und
Nordhausen – das Raubnest an der
überregional wichtigen Handels- und
Heerstraße ausnahm und strengstes
Gericht hielt. Die Erichsburg ist seither
wüst. Das sprichwörtliche Gras ist
bis heute nicht über sie gewachsen,
dafür reichlich Waldmeister. Galium
odoratum, so sein wissenschaftlicher
Name, gehört zur Gattung der
Labkräuter. Den charakteristischen
Duft verströmt Waldmeister erst
nachdem er abgerissen trocknet.
Wegen ihres Cumarin-Gehaltes fand
die Pflanze in der Volksmedizin
Verwendung, und schon im Jahr 854
beschrieb der Benediktinermönch
WANDALBERT VON PRÜM (813-870) einen
Maiwein, den wir heute als Maibowle
schätzen. Für ihre Zubereitung wird ein trockener Weißwein
benötigt, in den für nicht mehr als eine halbe Stunde einige
welke Waldmeisterblätter gehängt werden. An schließend mit
Sekt oder Mineralwasser auffüllen und nach Belieben etwas
süßen: Fertig ist die köstliche Erfrischung, die auch die Kaiser
und Könige des Mittelalters schon schätzten!
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Pension & Gaststätte
„Alte Straßenmeisterei“ Hasselfelde
www.alte-strassenmeisterei.de
Tel.: (039459) 70444
Kinder- und Erholungszentrum
Güntersberge
www.kiez-harz.de
Tel.: (039488) 7622
Berghotel „Glück auf“
Güntersberge
www.berghotel-guentersberge.de
Tel.: (039488) 301
Ferienpark Merkelbach
Siptenfelde - Friedrichsbrunn
www.ostharz.de
Tel.: (039487) 7530
Der Harz ist nicht nur als Naturpark geschützt, sondern auch
Teil des Geoparks Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen. Im
Jahr 2005 wurde dieser in das Netzwerk der Geoparke Europas
aufgenommen und als UNESCO-Geopark international anerkannt
(www.geopark-harz.de). Der Übersichtskarte können Sie die Lage
des Gebietes und den Verlauf der bisher in der königsblauen
Faltblattserie des Regionalverbandes Harz beschriebenen
Teile des Netzes der „Wege Deutscher Kaiser und Könige
des Mittelalters im Harz“ entnehmen. Wir wünschen Ihnen
interessante Erlebnisse und gute Erholung im Natur- und
Geopark Harz.
Text und Fotos: Dr. Klaus George