Im Zeichen der DohleZwischen Halberstadt und Großem Bruch
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Motiv Kaum wegen außergewöhnlicher Schönheit, sondern vielmehr wegen ihrer Seltenheit, erwecken bestimmte wildlebende Tier- und Pflanzenarten das besondere Interesse von Naturliebhabern. Dort wo viele seltene Arten auf engem Raum vorkommen wurden zu ihrer Erhaltung Naturschutzgebiete ausgewiesen. Naturschutzgebiete sind innerhalb unserer Kulturlandschaften etwas Besonderes. Meist fahren wir achtlos an den Weizenfeldern im Harzvorland vorbei, bestaunen aber Einkorn, Emmer und Dinkel als alte Nutzpflanzen in Schaugärten. Auch hier ist die Erklärung einfach: Diese Getreidearten sind selten, waren bedeutsam in der Stein- bzw. ab der Bronzezeit. Um sie heute noch bewundern zu können müssen wir lange suchen, finden sie vielleicht in einem besonderen Garten: einem Schaugarten.
Motiv Interessieren wir uns außerdem für Zeugnisse verschiedener Architekturepochen, so finden wir eindrucksvolle Jugendstilbauten vielerorts zwischen München oder Riga, bewundern die barocke Pracht des Dresdner Zwingers ebenso, wie die unzähliger bayerischer Kirchen dieser Epoche, kennen die Renaissancerathäuser von Augsburg bis Leipzig. Älter sind die Bauwerke der Gotik wie der Kölner oder der Magdeburger Dom. Seltener, weil noch älter, sind Bauwerke aus der Endzeit des Frühen Mittelalters. Es sind Zeugnisse romanischer Architektur, die gleichsam seltener Tier- und Pflanzenarten in Naturschutzgebieten, in kaum einer Region Deutschlands in solcher Dichte und Vielfalt zu finden sind wie in der Region rings um den Harz: Von der Pfalz Tilleda, den Burgruinen Hohnstein und Osterode im Süden über die Stiftskirche Bad Gandersheim im Westen, die Klosterkirchen in Drübeck und auf dem Huy oder die Stiftskirche Quedlinburg im Norden und die Burg Freckleben im Osten. Wir wollen uns aufmachen, um nicht nur ihre schlichte Schönheit zu genießen, sondern auch um die Landschaften der Harzvorländer zu erkunden, deren besonderer Reichtum die fruchtbaren Böden sind. Diese fruchtbaren Böden und das Vorkommen wertvoller Erze in unmittelbarer räumlicher Nähe erklären, warum schon KARL DER GROSSE (742-814) den Harz als königlichen Forst nutzte und hier das Kerngebiet eines Königshofes in Sachsen schuf, und warum König HEINRICH I. (deutscher König von 919-936) Quedlinburg zu seinem Stammsitz erwählte. Unvorstellbar, welchen Genuss mittelalterliche Bauern, Edelleute, Könige und Kaiser empfunden hätten angesichts goldwogender Felder mit den prallen Ähren unserer modernen Getreidesorten! In Mitten des Gebietes zwischen Harz und Großen Bruch wurden und werden sie gezüchtet, so in Böhnshausen und Schlanstedt. Eine kleine Ausstellung in der Burg Schlanstedt, über die heute wieder Dohlen wachen, berichtet darüber. Fahren wir also nicht achtlos vorbei, sondern halten inne, betrachten die Schönheit der Gersten- oder Weizenfelder und lassen unsere Blicke über sie hinweg in die Ferne schweifen!
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Ehemaliges Augustinerkloster und Moritzkirche Halberstadt Vom Bischofs- zum Kreissitz
Motiv Halberstadt wurde im Jahr 804 von KARL DEM GROSSEN zum Bischofsitz erhoben. Das Bistum Halberstadt umfasste den östlichen Harz mit den umgebenden fruchtbaren Landschaften. Die Grenze zum westlich benachbarten Bistum Hildesheim bildete die Oker, im Osten waren Elbe und Saale, im Süden Unstrut und Helme Grenzflüsse, und die Grenze zum Bistum Verden im Norden markierte das Flüsschen Aland. Im Ergebnis des Dreißigjährigen Krieges wurde das Bistum 1648 aufgelöst und als Fürstentum an Brandenburg angegliedert. Noch heute prägen die Kirchenbauten der bereits im Mittelalter bedeutenden Stadt das Bild Halberstadts. Anstelle des gotischen Doms wurde bereits um 800 eine Missionskirche errichtet und 859 unter Bischof HILDEGRIM II. ein karolingischer Dom geweiht. Station der „Straße der Romanik“ ist die ebenfalls am Domplatz gelegene Liebfrauenkirche (ehemalige Augustiner- Chorherrenkirche Unser Lieben Frauen), die einzige viertürmige romanische Basilika Mitteldeutschlands. Damit erschöpfen sich aber nicht die Zeugnisse romanischer Architektur in Halberstadt. Weil sie während des Bombenangriffs am 8. April 1945 so stark zerstört wurde, musste zwar die Paulskirche, eine ehemalige Pfeilerbasilika abgetragen werden, doch auch die 1980 restaurierte Moritzkirche am nördlichen Rand der Altstadt wurde als Pfeilerbasilika errichtet (Untergeschoss der Doppelturmfassade aus romanischer Zeit). Im Mittelalter war es noch Sitte, beim Erbauen von Burgen Kinder zu opfern; Burgen und Festungen, in denen lebendige Menschen eingemauert wurden, sollten dadurch unbezwingbar werden. Kinder wurden dazu gekauft oder von Maurern geraubt. Dohlen, die um alte Bauten schreiend umherfliegen galten im Volksglauben als für ihre grausamen Taten verwandelte Maurer. Von der alten Domburg Halberstadts sind im Düsterngraben nur noch wenige Reste erhalten, und so mag es kaum verwundern, dass die Dohle, von der es in den Trümmern der ausgebombten Stadt einstmals noch über 100 Brutpaare gab, zur Zeit als ausgestorben gelten muss. Wem die heute um die Kirchtürme kreisenden Turmfalken als Naturerlebnis nicht genügen, dem sei nach einem anstrengenden Stadtspaziergang zumindest im Sommer keine Wanderung in der sanfthügligen Landschaft der Klus- und Spiegelsberge empfohlen. Entspannung und Abkühlung bietet der Halberstädter See, den wir über die B 81 in Richtung Magdeburg erreichen, ehe wir beim Ortsteil Wehrstedt die Grenze der Kreisstadt des künftigen Harzkreises passieren.
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Ein Stück mit der Eisenbahn
Motiv Mehrmals täglich gelangen wir in jeweils nur fünf Minuten Fahrzeit mit dem Harz- ElbeExpress - HEX, einem modernen Nahverkehrszug der Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt, von Halberstadt nach Groß Quenstedt und zurück. Was uns erwartet ist schon eigentümlich: Die Kirche im Dorf ist verfallen, aber im Gelände einer Wüstung östlich von Groß Quenstedt trutzt die St. Laurentius-Kirche. Sie ist nicht ganz einfach zu entdecken, denn die alten Laubbäume des heute als Friedhof genutzten Geländes erwecken den Eindruck eines einsamen Feldgehölzes. Es scheint das Ende der Welt: der Kirchweg ist als Sackgasse ausgeschildert. Das entsprechende Verkehrszeichen muss aber nur Autofahrer interessieren, wir jedoch unternehmen eine kleine Flurbesichtigung. Auf den Feldern wird heutzutage meist Wintergetreide oder Raps angebaut. Nach einem kurzen Spaziergang auf dem Plattenweg erreichen wir das Gehölz, worin die Kirche versteckt ist. Es handelt sich um einen einfachen Saalbau, der Turm stammt vermutlich aus dem 11. Jh. Sofern das Gras trocken ist, gehen wir zurück auf dem nach Süden führenden Fußweg, der wunderbar von Kirschbäumen gesäumt ist. Stündlich können wir von verschiedenen Haltepunkten in Halberstadt mit dem HarzElbeExpress auch nach Langenstein fahren. Dort am südlichen Ortsrand, vom Teich am Goldbach, führt ein Hohlweg auf den Burgberg – gesäumt von Höhlenwohnungen und mit tief in den Sandstein eingekerbten Wagenspuren. Von der zeitweilig als Sommersitz der Halberstädter Bischöfe genutzten Burg sind nur noch Reste der Ringmauer und die in den Sandstein gehauenen Keller erhalten. Die romanische Burg selbst wurde 1177 von Truppen des Welfen HEINRICH DES LÖWEN (1129-1195), Herzog von Sachsen und Bayern, zerstört. Allein der Ausblick auf Harz, Huy oder Halberstadt lohnt aber einen Aufstieg. In einem sehenswerten Park versteckt, entdecken wir vom Burgberg aus in Langenstein auch ein barockes Schloss. MARIA ANTONIA VON BRACONI (1746-1793) ließ es in den Jahren zwischen 1778 und 1781 hier erbauen. Zwar war die gebürtige Genueserin sehr gebildet und galt zu ihrer Zeit als schönste Frau Deutschlands, doch wäre sie sicher längst vergessen, spielte da in ihrem Leben nicht ein Geheimrat aus Weimar eine Rolle:

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Motiv JOHANN WOLFGANG VON GOETHE traf sie erstmals 1779 in Lausann. Zweimal, jeweils im September 1783 und 1784 besuchte er sie später in Langenstein. Die Marquise VON BARCONI soll ihn zu einem seiner schönsten Gedichte inspiriert haben: „Über allen Gipfeln ist Ruh’ ...“
Wasserburg Zilly Hier Luft und Wasser
Motiv Motorradfahrer wissen längst wo Zilly liegt, denn die „Bikerschmiede“ gleich an der Wasserburg bietet mehr als interessante Emailleschilder. So wie der Eine Natur auf Zweirädern mit 90 PS erlebt, zieht es der Andere vor, zu Fuß zu gehen. Letzterer kann nicht nur um einen Teich promenieren, auf dem neben den häufigen Stockenten auch die seltenen Reiherenten heimisch sind, sondern sogar den eigentümlicherweise höher gelegenen Quellteich im Park erkunden. An die Wasserburg, eine ursprünglich kreisrunde Anlage, wurde im 13. Jh. eine kastellartige Wohnburg angebaut. Sie birgt den größten Palas der Harzregion. 1504 wurde die Burg Eigentum des Halberstädter Domkapitels. MATTHIAS VON OPPEN (um 1565-1621), Domherr und späterer Dechant des Stifts Halberstadt, hatte das Potential des teilweise ungenutzten Grundbesitzes des Domkapitels erkannt, stellte den Aufbau der Landwirtschaft unter seine persönliche Aufsicht und ließ die Burg Zilly zu einem Mustergut umwandeln. Der Bergfried am Zugang der Vorburg stammt aus dem 13. Jh.; ein zweiter quadratischer Bergfried befindet sich an der Hauptburg.
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Dorfkirchen in Deersheim Wo die Aue fließt
Motiv Nach modernem Namensrecht könnte der nun besuchte Ort den Doppelnamen Bexheim- Deersheim tragen. Lange Zeit waren es eigenständige Dörfer, die so dicht beieinander lagen, dass wir mitten im heutigen Deersheim gleich zwei romanische Kirchen finden. Vom Parkplatz gegenüber dem Dorfgemeinschaftshaus gelangen wir durch die Straße mit dem Namen „Edelhof“ schnell zur spätromanischen Deersheimer Kirche St. Peter und Paul, zu deren Besonderheiten die Fenstergestaltung mit einfachen und gekuppelten Doppelfenstern gehört. Nur 100 m entfernt finden wir die Bexheimer Kirche St. Albanus. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jh. erbaut und zählt somit zu den ältesten noch existierenden Kirchen der Harzregion. Der romanische Kirchenbau besteht aus dem einschiffigen Langhaus, an das sich in östlicher Richtung der Altarraum anschließt, dessen Abschluss eine halbrunde, erhöhte Absis bildet. Die 1,26 m dicken Mauern des Sachsenturms sind Zeugnis der Wehrhaftigkeit der Kirche. Am Portal zum angrenzenden Kirchhof erkennen wir das Wappen der aus dem Hildesheimischen stammenden Adelsfamilie VON GUSTETDT, die 1406 vom Halberstädter Bischof ERNST mit den Dörfern Deersheim und Bexheim sowie dem Burglehn zu Schwanebeck beliehen wurde. Unsere Naturerlebnistour beginnt am streng geometrisch angelegten Teich. Der 1 km lange Weg quert den träge dahin fließenden Bach namens „Aue“ und führt uns schnurgerade durch die Teichwiese. Die Reize gehen von der Auenvegetation und dem vielstimmigen Vogelkonzert aus. Alte Eschen, Erlen, Pappeln und Birken säumen den Weg, es eröffnen sich Blicke auf Hochstaudenfluren, Knaulgraswiesen und verschilfte Bereiche. Zu den stimmgewaltigen gefiederten Sängern zählen Gelbspötter, Nachtigal, Mönchsgrasmücke und Schlagschwirl. Im Schilf brütet die Rohrammer. Am Ende des Weges erwartet uns an den Wochenenden nachmittags ein Café im Grünen (am alten Forsthaus). Der angrenzende Laubwald bietet auf gut ausgebauten Wegen vielfältige Möglichkeiten zum Wandern und Radfahren.
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Fachwerkstadt, Harzpanorama, Trockenrasen und Rotbuchenwälder Osterwieck und Großer Fallstein
Motiv Anders als wir, die wir auf unserer Naturerlebnistour zwischen Halberstadt und Großem Bruch, Osterwieck von Osten her erreichen, kam KARL DER GROSSE im Jahre 780 auf seinem Feldzug gegen die heidnischen Sachsen von Westen über die Oker. Im heutigen Osterwieck gründete er unter dem Namen „Salingenstede“ (Seligenstadt) ein Missionsbistum, das im Jahre 804 nach Halberstadt verlegt wurde. Ausgangspunkt der heutigen Naturerlebnistour soll die zweitürmige evangelische Stephanuskirche sein, deren romanisches Westwerk uns erhalten geblieben ist. Sie gehört wohl zu den 35 Urpfarreien, die im 8. Jh. auf Veranlassung von Kaiser LUDWIG DEM FROMMEN (778-840), Sohn von KARL I., im Bistum Halberstadt unter der Herrschaft des Bischofs HILDEGRIM 804 bis 827 gegründet worden. Auf dem Stephanuskirchhof wenden wir uns gen Osten, gelangen durch den mit Fachwerk überbauten Gang auf den Marktplatz der malerischen Fachwerkstadt, wo wir im historischen Rathaus dem Heimatmuseum einen Besuch abstatten. Danach folgen wir der Schulzenstraße, gehen in der Goslarer Straße nach rechts und am Denkmalplatz durch den Park. Am Ende des Parks überqueren wir eine Kreuzung um in den Kirchbergweg zu gelangen, der uns aus der Stadt hinaus führt. Der Name des Weges deutet noch heute darauf hin, dass die vor der Errichtung der Stephanuskirche am Missionsstützpunkt Seligenstadt existierende hölzerne Kapelle auf dem Berg ihren Platz hatte, wo sich die frühere germanische Kultstätte befand. Den Berg besteigen wir heute über einen knapp 1,5 km langen Fußweg im Schatten uralter Kastanien. Auf dem Kirchberg angekommen, lassen wir vom Bismarckturm den Blick zurück über die Stadt auf das atemberaubende Panorama des Harzgebirges schweifen. Nun müssen wir uns entscheiden: Nach links zur Fallsteinklause oder doch besser Richtung Waldhaus. Wollen wir das Harzpanorama weiter genießen und uns an Streuobstwiesen, im Frühjahr auch an Adonisröschen erfreuen, gehen wir den Feldweg nach Osten weiter. Wir können aber auch in den Schatten des herrlichen Laubwalds des Großen Fallsteins „eintauchen“ und uns sogleich vom betörenden Duft des Bärlauchs einfangen lassen. So oder so, beides lässt sich auch zum Rundweg verbinden. Wildtiergehege machen die Tour zusätzlich interessant. Die Einkehr im Waldhaus, ob im schattigen Biergarten oder in der gemütlichen Gaststube verspricht ausreichend Stärkung für den Rückweg.
Motiv www.osterwieck.de
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Lüttgenrode Die alte Linde
Motiv Hoch oben über dem Ort Stötterlingen erheben sich mitten in Lüttgenrode die beiden Turmspitzen der ehemaligen Klosterkirche. Wir können das Szenario bereits vom Bismarckturm bei Osterwieck aus bewundern. Aus der Nähe betrachtet, erweist sich die Klosterkirche als Ruine, die mehrere Bauperioden von der ersten Hälfte des 11. bis zur zweiten Hälfte des 13. Jh. erkennen lässt. Mitte des 12. Jh. wurde der Ostteil mit Chor und Apsis erneuert; gut sichtbar überzieht ein Schachbrettmuster im Sandstein die Kämpfer des Apsisbogens. Wir staunen über den Stamm einer riesigen Linde nördliche der Klosterkirche und überlegen, wie viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte wohl schon ihr Überlebenskampf dauert?
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Rhoden – Veltheim - WesterburgAuf dem Harzvorland-Radweg unterwegs
Motiv Ausgangspunkt, Weg und Ziel unserer Fahrradtour auf dem gut ausgeschilderten HV-R bestimmen Zeugen frühmittelalterlicher Baukunst. Wir starten an der Dorfkirche Rhoden, fahren zunächst ein gutes Stück durch die Feldflur nach Osten, biegen im Wald des Großen Fallstein nach Norden ab um dann - im Großen Bruch angekommen - auf einem Plattenweg wieder gen Osten zu radeln. Im Großen Bruch haben wir noch die Chance die auch hier selten gewordenen schwarz-weiß gefärbten Kiebitze zu beobachten. Noch ehe wir den Hessendamm erreichen, wo wir ein kurzes Stück auf der B 79 nach rechts fahren müssen, schauen wir hinüber nach Veltheim. Am 5. April des Jahres 1722 zerstörte ein furchtbares Feuer 72 Häuser und die Kirche des Dorfes. Veltheim wurde wieder aufgebaut, der über 1000- jährige steinerne Turm hielt zwar dem Feuer stand, seine damals neu gegossenen Glocken verlor er aber im Zweiten Weltkrieg an die Ilsenburger Kupferhütte, und nun leidet er unter den Folgen eines sanierungsbedürftigen Daches. 5 km weiter östlich weist ein Schild gen Süden nach Rohrsheim und zur Westerburg. Dort wieder an der „Straße der Romanik“ angekommen erreichen wir die größte erhaltene Wasserburg der Harzregion. An die Rundburg, die ein 33 m hoher Rundturm mit 3,5 m starken Mauern aus dem 11. Jh. überragt, wurde in Spätgotik und Renaissance ein Kastell angebaut. Die gesamte Anlage ist hervorragend restauriert und beherbergt das Romanik-Hotel „Wasserschloss Westerburg“.
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Schlanstedt und Eilenstedt Mit der Feldbahn Richtung Bruch
Motiv Schon aus der Ferne weist uns der romanische Rundturm den Weg. Wollen wir von ihm Ausschau halten, müssen wir die Burg Schlanstedt besuchen (Titelbild). Es ist eine Schlossanlage deren Renaissance- Rahmung der Hofportale auf den im frühen 17. Jh. erfolgten Umbau einer früheren Wehrburg hinweist, die hier ab 934 von den Regensteiner Grafen errichtet wurde. Nach dem 30jährigen Krieg 1618-48 war die Burg Sitz eines preußischen Domänenamtes und wurde 1836-1946 von der Saatzüchterfamilie Rimpau gepachtet. Während der Burgbesichtigung entdecken wir sie nun auch endlich: Die drolligen Dohlen, die hier in den Schornsteinen brüten. Sind es wirklich verwandelte Maurer, die einstmals die Burg erbauten? Der Name des Ortes Schlanstedt mag wohl „Schlammstedt“ bedeutet haben, jedenfalls waren die Wege schlecht und die fruchtbaren Böden bei Nässe mit Pferdefuhrwerken kaum befahrbar. Mit dem Aufschwung der landwirtschaftlichen Produktion und dem Aufbau einer verarbeitenden Industrie (Zuckerfabrik 1832, Brennerei um 1860, Rübensamenspeicher 1909/10) entstanden deshalb zwei Feldbahnen: die Rimpau-Bahn, die bis ins Große Bruch bei Neudamm führte, und die Strube-Bahn, die ab 1915 den Züchtungskomplex in Schlanstedt mit dem Regelspurbahnhof in Eilenstedt verband. An mehreren Wochenenden jährlich können wir heute wieder mit der Feldbahn fahren (www.Feldbahn- Schlanstedt.de), gezogen wie einstmals mit Lokomotiven oder Pferden. Nicht nur die Dorfkirche Schlanstedt, sondern auch die in Eilenstedt ist ein Beispiel romanischer Architektur. Neben dem Turm ruht deren Turmhaube aber derzeit auf einer Wiese; die Restaurierungsarbeiten scheinen zum Erliegen gekommen. Ein Besuch lohnt dennoch: im Frühjahr locken Streuobstwiesen südlich des Ortes zum Spaziergang bis zur Ruine der Paulskopfwarte auf dem östlichen Ausläufer des Huy, und an der Straße aus Richtung Schlanstedt lockt im Sommer ein gut gepflegtes Freibad.
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Dorfkirche Dingelstedt Eine spannende Rundwanderung
Motiv An der Kirche St. Stephanie in Dingelstedt mit ihrem romanischen Turmstumpf wollten wir unsere Tour beginnen. Eine Möglichkeit, das Auto abzustellen, findet sich am nahe gelegenen Schützenplatz. Von dort beginnen wir auch sogleich unseren Aufstieg zum Huy. Der gepflasterte Fußweg, führt uns zunächst durch Streuobstwiesen. Hier können wir mit etwas Glück den Grünspecht beobachten, zumindest finden wir an morschen Baumstämmen seine Spuren. Der Grünspecht ernährt sich mit Vorliebe von Wiesenameisen, von denen es in den Streuobstwiesen reichlich gibt. Der gepflasterte Fußweg endet an der Revierförsterei. Nun nehmen wir den Forstweg durch den herrlichen Rotbuchenwald. An den glatten grauen Stämmen streben Efeuranken zum Licht. Sind Buschwindröschen und Maiglöckchen erst einmal verblüht, und hat sich das Blätterdach geschlossen, sind Buchenwälder nahezu lichtundurchlässig. Unterm geschlossenen Kronendach finden wir deshalb im Sommer kaum Bodenvegetation, dafür reichlich wohltuenden Schatten. Vom Forstweg weichen wir nicht nach rechts oder links ab bis wir die einsame Siedlung Mönchhai erreichen. Seine beste Zeit hat der Flecken hinter sich. Obwohl schon Ruine, erinnert der Backsteinbau der ehemaligen Fabrikgebäude an eine Zeit, als Industriearchitektur nicht nur zweckmäßig, sondern auch schön war. Einige Familien bewohnen noch kleine Häuschen, hinter denen liebevoll gepflegte Gemüsegärten liegen. Mönchhai mag aber ebenso vielen Pferden wie Einwohnern Heimat bieten. Ab April bis in den Herbst hinein begleitet uns der Gesang des Girlitzes auf unserem Weg, der in Mönchhai scharf nach links abbiegt. Selten begegnen wir auf der Betonstraße einem einsamen Auto. Wir folgen der Straße Richtung Röderhof, die bald am Waldrand vorbeiführt. Wieder im Wald strebt im Talgrund ein kleiner Bach Richtung Röderhofer Teich. Bevor wir ihm folgen, machen wir noch einen Abstecher zur nur wenige Schritte von der Kreuzung entfernten Daneilshöhe. Eine Tafel berichtet die Sage vom bösen Räuber Daneil, der die neugebornen Kinder seines unfreiwillig bei ihm lebenden Weibes tötete, ehe sie durch ihr Geschrei das Versteck verraten konnten. Der Eingang in einen der wohl in der Eiszeit durch Auswaschung des Buntsandsteins entstandenen Höhlenräume gleicht einem überdimensionalen Schlüsselloch. Nach soviel Schauerlichkeit überkommt uns die Sehnsucht nach gepflegter Gastlichkeit. Wir finden sie am Röderhofer Teich im Gasthaus „Jagdhütte“, von deren Terrasse unser Blick bis hinauf zur Huysburg schweift. Den halbstündigen Aufstieg scheuen wir, lenken stattdessen unsere Schritte auf dem kürzesten Weg – dieser zweigt am Jagdhaus Richtung Nordost über die Anhöhe ab – zurück nach Dingelstedt. Vom höchsten Punkt des Weges bietet sich ein traumhafter Blick auf die Orte nördlich des Huys bis hinüber zum Elm. Das Dorf Dingelstedt ist wegen seiner hervorragend sanierten Bauernhöfe und einer Wasserdurchfahrt, in der die ausgetrockneten hölzernen Wagenräder der Ackerwagen aufquellen und die Pferde nach der Arbeit gewaschen werden konnten, sehenswert. Auch der Stephanuskirche, die 1714 einen Hallenneubau erhielt, statten wir noch einen Besuch ab. Für die 5,5 km lange Rundwanderung genügen einschließlich einer gemütlichen Einkehr drei Stunden.
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Von der Huysburg nach Sargstedt Auf der Höhe des Huy
Motiv Zur Huysburg, einer Station an der „Straße der Romanik“ können wir bequem mit dem Auto fahren. Der Parkplatz direkt an der Huysburg soll Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung auf der Höhe des Huy nach Sargstedt sein. Schon wenige Meter auf dem nach Westen gerichteten Weg entdecken wir im Wald die Reste einer Wallanlage. Sie bestand ursprünglich aus zwei Reihen Pallisaden, deren Zwischenraum mit Erde aufgefüllt war. Zu erkennen sind jedoch nur noch die Gräben außerhalb der Wälle. Die Wehranlage schützte eine fränkische Burg. 997 erhielten die Halberstädter Bischöfe von Kaiser OTTO III. (980-1002) den Bann über den Huywald und wahrscheinlich auch die wohl aus Holzbauten und Wehranlage bestehende karolingische Burganlage. Dort wurde 1058 eine Marienkapelle geweiht. Es entwickelte sich ein den Regeln der Benediktiner folgendes Doppelkloster, das Bischof BURCHARD II. VON HALBERSTADT (um 1028-1088) im Jahre 1084 zur Abtei erhob. Wir werden die Benediktinerklosterkirche St. Maria am Ende unseres Ausflugs besuchen, denn unser Weg führt uns über 2,5 km zunächst in das Naturschutzgebiet „Herrenberg und Vorberg im Huy“ und zur Sargstedter Warte. Die Warte wurde wie andere Warttürme oder Feldwarten im nördlichen Harzvorland im Vorfeld von Städten in spätmittelalterlicher Zeit errichtet, damit Beobachtungsposten durch Fahnen-, Rauch- oder Feuerzeichen frühzeitig vor Gefahren wie etwa herannahenden feindlichen Truppen warnen konnten. Warttürme waren meist von einem Wall umgeben, die Eingänge befanden sich in einigen Meter Höhe und waren nur über Strickleitern erreichbar. Viele dieser Türme wurden Ende des 19. Jh. zu Aussichtstürmen umgebaut und erhielten wie die Sargstedter Warte einen Treppenaufgang. Leider gehört die Sargstedter Warte zu denjenigen Aussichtstürmen, die sich in einem schlechten Pflegezustand befinden. Eine wilde Eibe, die einzige in Deutschland unter Naturschutz stehende Baumart, konnte so ausgerechnet in einer Fuge des Turms ihren Standort finden. Ganz in der Nähe befindet sich die Ausflugsgaststätte „Sargstedter Warte“, wo Gäste freitags bis sonntags ab 11 Uhr willkommen sind. An der Gaststätte ist Muschelkalk aufgeschlossen, der hier als Baumaterial gebrochen wurde und wohl auch beim Bau Sargstedter Kirche Verwendung fand. Sargstedt gehörte zum Bistum Halberstadt bis dieses 1648 säkularisiert und sein Territorium als Fürstentum Halberstadt mit dem Kurfürstentum Brandenburg vereinigt wurde. Nach der Neuzeichnung der politischen Landkarte Europas durch den Wiener Kongress anlässlich der Niederlage des napoleonischen Frankreich gehörte Sargstedt dann seit 1815 zur preußischen Provinz Sachsen. Von Sargstedt führen verschiedene Wege zurück auf die Höhen des Huy.
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Ausgewählte Übernachtungsmöglichkeiten
MotivHotel Villa Heine
Halberstadt
www.hotel-heine.de
Tel.: (03941) 31400
MotivHotel-Restaurant Waldhaus
Osterwieck
www.waldhaus-osterwieck.de
Tel.: (039421) 6180
MotivLandhotel Schäferhof
Langenstein
www.schaeferhof-langenstein.de
Tel.: (03941) 613841
MotivCamping am Halberstädter See
Halberstadt
www.camping-am-see.de
Tel.: (03941) 609308
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Text, Fotos & Redaktion: Dr. Klaus George