Von der Pfalz Derenburg in den Harz
Das Titelbild des fünften in der königsblauen Serie „Natur
erleben am Weg Deutscher Kaiser und Könige“ erschienen
Faltblatts des Regionalverbandes Harz zeigt einen Blick vom
Agnesberg über Derenburg auf den Harz. Allein dieser Blick
macht Lust, sich auf eine Wanderung in den Naturpark Harz
zu begeben.
Unsere Karte zeigt den Verlauf des beschriebenen
Teilabschnitts des insgesamt 550 km langen Geschichtspfades
„Wege Deutscher Kaiser und
Könige des Mittelalters im Harz“. Wir
haben den Namen in Anführungszeichen
gesetzt, weil die von den Harzklubzweigvereinen
ausgeschilderte Wanderroute
nicht überall dem ursprünglichen
Verlauf der mittelalterlichen Wege folgt.
SpurensucheWege Deutscher Kaiser und Könige
des Mittelalters im Harz
des Mittelalters im Harz
Phantasie sollte haben, wer sich heutzutage auf die „Wege
Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“
begibt. Weder wird uns Einlass und Schutz geboten in der
Pfalz Derenburg, noch können wir das Schloss Elbingerode
besichtigen. Letzteres wurde bereits im Dreißigjährigen
Krieg (1618–1648) bis auf die Grundmauern zerstört. Der
parkartig gestaltete Schlossberg von Elbingerode im Harz
eignet sich aber wenigstens als Zielpunkt einer erlebnisreichen
Wanderung.
Ausgangspunkt der Wanderung soll Derenburg im
nördlichen Harzvorland sein. Dort wurde lange Zeit der
genaue Standort einer bedeutenden mittelalterlichen Pfalz
gesucht, und endlich auch 1991 im Rahmen systematischer
Überfliegungen gefunden. Was sich in Luftbildern lediglich
als Verfärbungen im reifenden Getreide abzeichnete,
erwies sich 2008 tatsächlich als Treffer! Im Rahmen einer
vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege
Sachsen-Anhalt durchgeführten Grabung wurden die
Grundmauern, Knochenreste von Menschen und Tieren,
ein mittelalterlicher Ofen sowie Teile von Töpfen und
Werkzeugen gefunden. Einen Eindruck von der Grabung
auf dem Agnesberg vermittelt unser Foto. Längst ist über
den Ort der Grabung wieder das sprichwörtliche Gras
gewachsen. Wollten wir ihn besuchen, müssten wir am
nördlichen Ortsrand von Derenburg, gegenüber vom Haus
Schloßstraße Nr. 24, den schmalen Pfad zum Agnesberg
heraufsteigen. Der Ausblick würde es allemal lohnen.
Apropos Belohnung …
Verzeihen, Belohnen und Ehren Derenburg und die Ottonen
Ähnlich exponiert wie die bereits im 19. Jh. entdeckten
Königspfalz Werla am Steilhang des Kreuzbergplateaus über
der Oker zwischen Goslar und Wolfenbüttel, lag die Pfalz
Derenburg auf einem Plateau über der Holtemme. Der kleine,
nahe des Brocken am Renneckenberg (in 840 m über NN)
entspringende Nebenfluss der Bode prallte hier im nördlichen
Harzvorland an den Hang des Agnesberges und bildete eine
vor Angriffen schützende sumpfige Niederung.
Von 919 bis 1024 regierte im sich herausbildenden Heiligen
Römischen Reich das sächsische Adelsgeschlecht der Liudolfinger
(nach den drei Kaisern mit dem Namen Otto später als
die „Ottonen“ bezeichnet). Es war jedoch zunächst HEINRICH I.
(† 936), der 919 zum König gewählt wurde. Er verfügte nicht
wie die heute Regierenden über einen Staatsapparat mit
vielen Beamten. Seinen Machtanspruch setzte er durch,
indem er den Großen des Reiches weitestgehend ihre
Herrschaftsgewalt beließ. Innenpolitisch ging es ihm um
Frieden unter den ostfränkischen Stämmen. Dazu war ein
enges Beziehungsgeflecht zu pflegen. Der König, sein Sohn
OTTO DER GROSSE († 973), dessen Nachfahren OTTO II. († 983)
und OTTO III. († 1002) waren deshalb ständig auf Reisen.
Dabei hinterließen sie bis heute Spuren, denn sie zeichneten
an vielen Orten Urkunden. Bestätigt wurden so meist
Schenkungen und Verleihungen von Rechten. Wer unter den
Großen eine Urkunde eines Königs sein Eigen nennen konnte,
stand in dessen ehrenvoller Nähe, fühlte sich geehrt.
Kerngebiet der Königsherrschaft mit einem solcherart
besonders engen Beziehungsgeflecht war schon seit HEINRICH
I. der Harz-Elbe-Saale-Unstrut-Raum. In diesem Gebiet
gelegen, fand die Pfalz Derenburg – die „Taremburch“ – ihre
erste urkundliche Erwähnung, als sich hier OTTO I. am 11.
Oktober 937 in seinem zweiten Regierungsjahr
aufhielt. Er war danach nachweislich noch
siebenmal in der Pfalz Derenburg. Sein Sohn
urkundete hier mindestens zehnmal, und auch
die Kaiser OTTO III. und HEINRICH II. († 1024)
urkundeten drei bzw. sechsmal in Derenburg.
Mindestens achtmal haben hier ottonische Kaiser
und Könige auch das liturgisch und politisch
wichtige Weihnachtsfest gefeiert. MATHILDE († 999),
Tochter von OTTO I. und erste Äbtissin von
Quedlinburg, hielt als Reichsverweserin gar einen
Landtag in Derenburg ab, als
sich ihr Neffe, Kaiser OTTO III.
in Italien befand.
Kaiser HEINRICH II. überschrieb
Derenburg im Jahr 1008 der
Äbtissin SOPHIA VON GANDERSHEIM
(† 1039), einer Tochter Kaiser
OTTOs II. Das Stift Gandersheim
belehnte später die Regensteiner
Grafen mit Derenburg.
Ihr Wappen können wir heute
noch am Rathaus entdecken.
Durch altes preußisches Gebiet Von Derenburg ins Osterholz
Machen wir uns auf den Weg. Von der
Schloßstraße geht es zunächst durch die Schlup,
dann am Brunnen rechts in die Mittelstraße,
weiter nach links in die Kirchstraße zum Derenburger
Markt mit dem Rathaus und der dahinter
gelegenen Kirche St. Trinitatis. Wir begeben uns
dann nach rechts in die Halberstädter Straße,
um unsere Schritte schon nach 100 m in die
Promenade und nach weiteren 200 m in die
Gartenstraße zu lenken. Weiter geht es durch
die Gärten, dann öffnet sich die Landschaft.
Eine feuchte Wiese zeigt an, dass hier früher der
heute von Pappeln gesäumte und in ein vertieftes
Bett gezwängte Hellbach stark mäandrierte.
Unterhalb des Teichbergs spenden uns einige
alte Rosskastanien Schatten. Dann erreichen wir
den Waldrand des Osterholzes. Es geht bergan
bis zu einer Sitzgruppe und dort scharf rechts
durch den Eichenwald. Das Waldbild wechselt:
Dort wo ein monotoner Kiefernforst beginnt,
kreuzt ein von Osten kommender Waldweg. Auf
diesem geht es in westliche Richtung weiter bis
zum Waldrand, dem wir dann in südliche
Richtung folgen. Belohnung bei klarer Sicht: ein
wunderbarer Brockenblick! Wir haben die
Sitzgruppe am Bocksberg erreicht. Eine Tafel
informiert über die Besiedlungsgeschichte und
den nahen mittelalterlichen Verbindungsweg zwischen den
Pfalzen Derenburg und Bodfeld. Etwa 300 m weiter südlich
begeben wir uns wieder in den Schatten des Waldes, halten
uns aber weiter in südlicher Richtung parallel zum Waldrand.
Bald fallen entlang des Waldrandes eine leichte Verwallung
bzw. ein Graben auf. Bei genauerem Hinsehen sind Grenzsteine
zu entdecken.
Die regelmäßig geformten, aus Sandstein gehauenen Steine
wurden 1844 entlang der Grenze zwischen dem Königreich
Preußen und dem Herzogtum Braunschweig gesetzt. Die
Welfen, die mit Herzog HEINRICH JULIUS VON BRAUNSCHWEIG-WOLFENBÜTTEL
(† 1613) den Bischof von Halberstadt stellten,
kamen zwar nach dem Aussterben des Regensteiner 1599
zunächst in deren Besitz der Grafschaft Regenstein (durch
Selbstbelehnung), doch als Erzherzog LEOPOLD WILHELM VON ÖSTERREICH († 1948) Fürstbischof von Halberstadt geworden
war, belehnte dieser einen vertrauten bayerischen Adligen mit
der Grafschaft. Als wegen seiner Verwicklungen in die
Ungarische Magnatenverschwörung Graf
HANS ERASMUS VON TATTENBACH auf Geheiß des
Kaisers 1671 in Graz hingerichtet wurde,
zog das Kurfürstentum Brandenburg (später
Preußen) die Grafschaft Regenstein als heimgefallenes
Lehen ein. Die Grafschaft Blankenburg,
kurzzeitig selbständiges Fürsten tum,
verblieb jedoch als altes braunschweigisches
Lehen bis 1918 im Herzogtum
Braunschweig.
Entfernung ca. 5,6 km
Ins alte Braunschweiger Land Zur Heimburg
Nach einer Pause in der Rasthütte im Osterholz wandern wir
noch 1 km im Schatten des Waldes in südöstliche Richtung.
Dann geht es außerhalb weiter bis zu einem mit Betonspurbahnen
befestigten landwirtschaftlichen Weg und auf diesem
in südwestliche Richtung zur Landstraße L 84. Als die
„Wege Deutscher Kaiser und Könige“ Ende der 1990 Jahre erstmals
ausgeschildert wurden, brauchte man die Landstraße einfach
nur zu queren, denn der Burgberg Heimburg liegt nun
bereits direkt vor uns. Leider wurden aber die Belange der
Wanderer beim Bau der neuen vierspurigen Bundesstraße nicht
berücksichtigt. Achtung: Gefährlicher Wegeabschnitt! Es
bleibt keine andere Möglichkeit, als auf der Brücke der L 84 die
B 6n zu queren. Wir wenden uns nun einem Kegel großer runder
Steine zu. Geopunkt 11 im Gebiet der Landmarke 10 des
Geoparks Harz·Braunschweiger Land·Ostfalen ist kein steinzeitlicher
Grabhügel. Die großen runden Steine wurden beim
Bau der B 6n in Schichten aus der Kreidezeit gefunden.
Fachleute bezeichnen sie als Konkretionen: eine Kalsandsteinmasse,
die verwitterungsbeständiger ist als der
Sandstein, der sie einstmals umgab. Nun gehen wir
sprichwörtlich „mit der Kirche ums Dorf“: auf dem
Plattenweg (zunächst parallel der B 6n), an dessen
Rand von Mai bis Juli vereinzelt der
Wiesen-Bocksbart Tragopogonpratensis blüht.
Die Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse
öffnet ihre Blüten morgens und schließt sie bereits
wieder um die Mittagszeit. Die Blüten werden gern
von Käfern und Fliegen besucht, die die Bestäubung
übernehmen.
Kurz vor der Kleingartenanlage nehmen wir den
nach links abzweigenden Weg, der einem kleinen
Rinnsal folgt. Oben im Ort angekommen geht es
auf dem Fußweg entlang der Hauptstrasse (Wilhelm-Pieck-Straße) zur Bushaltestelle. Ganz in der Nähe
informiert eine Tafel über Geschichte und
Bedeutung der Heimburg. Um auf den Burgberg zu
gelangen, durchschreiten wir ein großes Tor. Oben
an gekommen erwarten uns eine weitere Informationstafel, ein Pavillon mit einer wunderbaren
Aussicht und ein Rondell uralter Linden bäume. Von
der Burg selbst sind nur wenige Mauerreste geblieben.
Sie befand sich im Besitz der Regensteiner.
Entfernung ca. 5,3 km
Hinein in den HarzZum Kloster Michaelstein
Zurück geht es den Burgberg hinab, vorbei an
den spätbarocken Domänengebäuden und
Bushaltestelle bis zur Elbingeröder Straße.
Sie war im Mittelalter die erste Etappe einer
der wichtigsten Harzquerungen (über
Trockweg oder Alte Thüringerstraße
Richtung Nordhausen). Ein kurzes Stück
haben wir noch den Fußweg für uns, dann queren
wir die nach Elbingerode führende Kreisstraße um auf
den schmalen Pfad über den Ziegenberg zu wechseln. Hier im
Naturschutzgebiet „Ziegenberg bei Heimburg“ gilt ein
Wegegebot. Es einzuhalten ist Ehrensache für jeden Wanderer!
Es gilt die vielen seltenen Pflanzenarten des Enzian-
Schillergras-Halbtrockenrasens zu bewahren. Gute Chancen
haben wir, einen Rotmilan Milvus milvus zu beobachten, der
gern die an den Höhenzügen der geologischen Aufrichtungszone
des nördlichen Harzrandes um die Mittagszeit
entstehende Thermik nutzt, um in der aufsteigenden
Warmluft segelnd nach Beute
Ausschau zu halten. Vom Kamm des
Ziegenbergs können wir noch einmal zurückschauen
auf den Burgberg und den Ort
Heimburg. Dann geht es den Südhang hinunter
und auf dem Radweg R 1 über die
Elbingeröder Straße Richtung Südost. Bald
erreichen wir den Waldrand des Harzes.
Zuvor fällt linker Hand am Wegesrand noch
ein Stollenmundloch auf. Zwar wurde der
Stollen bergmännisch aufgefahren, doch
ging es hier nicht um Erz. Vielmehr
diente der Stollen der Durchleitung von
in einer nahen Quellfassung gewonnenem
Trinkwasser für den Ort Heimburg.
Im Schatten einer alten Hainbuche lädt
eine Bank zum Verweilen ein. Im kühlen
Grund führt 500 m weiter eine Brücke
zum Mundloch des Heilschlammbergwerks
„Teufelsbad“. Auf einem Schienenstrang erinnert
eine Lore an die schwere Arbeit der Bergleute, die hier bis
1980 tätig waren. Die nahe gelegene Fachklinik „Teufelsbad“,
in der heute u. a. entzündlich-rheumatische Erkrankungen
behandelt werden, setzt als Heilmittel Moor ein, das im
Helsunger Bruch östlich von Blankenburg gewonnen wird. Wir
folgen nun dem Geologischen Wanderweg (Geopunkt 9 im
Gebiet der Landmarke 9 des Geoparks Harz·Braunschweiger
Land·Ostfalen), steigen die Treppe hinauf, halten uns links
und erreichen sogleich den Unterlauf des Klosterbachgrabens.
Er ist Teil eines 1,8 km langen mittelalterlichen Kunstgrabens
zur Versorgung der Klosterziegelei. Wir folgen dem Graben.
Am Oberlauf knickt der Weg nach links ab. Es geht am
Waldrand entlang und dann quer über eine Wiese. In Sicht
kommen die Gebäude des ehemaligen Zisterzienserklosters.
Durch das Torhaus führt der gepflasterte Fahrweg zum
Museum für Musikinstrumente und zur Gaststätte „Zum
Klosterfischer“.
Entfernung ca. 4 km
Am Goldbach entlangZum Eggeröder Brunnen
Verlaufen? Auf dieser Etappe ausgeschlossen,
denn wir folgen einfach dem Goldbach
talaufwärts bis zur Quelle.
Weißblühender Bärlauch Allium ursinum
säumt den Bachlauf und verströmt einen
zartwürzigen Knoblauchgeruch. Von der
1.000-jährigen Bergbaugeschichte mit der
ganz sicher auch die Gründung des Zisterzienserklosters 1139 durch die Quedlinburger
Äbtissin BEATRIX II. VON WINZENBURG
(† 1160) als Filiale des Klosters Altenkampen
in Zusammenhang steht, ist hingegen nur
noch wenig zu bemerken.
Unsere diesbezügliche Aufmerksamkeit wird
etwa auf halbem Wege geweckt: ein Denkmal
für acht Bergleute, die 1893 auf der
Grube Volkmar durch einen tragischen
Unfall ihr Leben ließen.
Volkmarskeller werden auch die Karsthöhlen
in einem Seitental 500 m talaufwärts
genannt. Mittelalterliche Einbauten und ihre
künstliche Erweiterung zeugen davon, dass
das Kloster hier oben seinen Ursprung hatte.
Die Verlegung an seinen heutigen Ort
erfolgte erst im Jahr 1167. Während es
draußen grünt, bedeckt im Herbst herein
gewehtes Laub der Rotbuchen den Boden
der zugänglichen Höhlen (Geopunkt 12 im
Gebiet der Land marke 10 des Geoparks).
Volkmarsbrunnen werden Karstquelle und
Teich genannt. Talaufwärts ein sicher
verwahrtes Stollenmundloch; gewonnen
wurde Roteisenerze. Im Quellgebiet des
Goldbachs befand sich ein Ort, den Kaiser
OTTO I. Egininkisrod nannte. Engerode, ein
im Mittelalter bedeutender Hüttenort, fiel
später wüst. Der als Ferienhaussiedlung
wiederbelebte Ort am Eggeröder Brunnen
(Karstquelle) ist in manchen Karten auch als
„Jasperode“ verzeichnet.
Entfernung ca. 5,5 km
Tradition und ModerneZiel Rübeland
Es ist eine kurze Etappe, die uns von der
Informationstafel „Eggeröder Brunnen“
durch die Bergwiesenlandschaft der
Hüttenröder Hochfläche nach Süden
führt. Nach 1 km kreuzen wir einen
anderen Fahrweg. Es ist die alte
Elbingeröder bzw. Quedlinburger Straße,
die die im Mittelalter sehr bedeutende
Stadt an den Trockweg bei Elbingerode anschloss. 200 m
weiter zweigt eine Zufahrt zum Gut Heiligenstock ab. Das
Gut, zu dem etwa 85 ha Land gehörten, wurde von 1925
bis 1969 von den Neu-Vandsburger Diakonissen
bewirtschaftet. Es diente der Versorgung ihres Elbingeröder
Mutterhauses mit Kartoffeln, Milch und Fleisch.
Unser Weg geht nun allmählich in
einen mit Gras bewachsenen Weg
über, der wenig befahren und wohl
auch wenig begangen wird.
Begeisterten zunächst die wunderschönen
Ausblicke auf den
Oberharz mit Hohnekamm und
Brocken, kommt vor uns nun eine
Landschaft ins Blickfeld, die ihr
Angesicht durch den umgehenden
Kalkabbau ständig verändert. Im
Peersgrund informiert eine weitere
Tafel über die Lage eines wüsten
Hüttenortes, dessen früherer Name nicht überliefert ist.
Nach weiteren 700 m durch die Wiesen ein Abzweig zum
Schornsteinberg. Ein Abstecher lohnt schon wegen der
wunderbaren Aussicht auf Rübeland. Der Schornsteinberg
ist aber auch Standort des geschützten Wald-Windröschens
Anemone sylvestris. Es blüht von April bis Juni.
Vom Abstecher zurück, steigen wir nun im Schatten des
Waldes nach Rübeland hinab. An einem im Wald versteckten
Ferienhaus wählen wir den geradeaus verlaufenden Weg. Er
führt uns direkt zum Eingangsbereich der Baumannshöhle.
Eine besondere Attraktion sind
Tourismusfahrten auf der 125 Jahre
alten Strecke der Rübelandbahn.
Der Traditionszug wird von einer
Steilstreckenlokomotive der Baureihe
95 gezogen. Die häufiger
verkehrenden Kalkzüge jedoch
verfügen nicht zuletzt aus Gründen
des Lärmschutzes über moderne
Elektrolokomtiven.
Entfernung ca. 5,5 km
Rübeländer Tropfsteinhöhlen
Täglich geöffnet
(039454 ) 49132
www.harzer-hoehlen.de
Einsatzort des ersten RangersHöhlen und Burg Birkenfeld
In der Eingangshalle der Baumannshöhle (Geopunkt 1 im
Gebiet der Landmarke 13 ) finden Sie alle Geoparkfaltblätter
und damit auch ausreichend Informationen zu ihrer Geologie.
In der Neuzeit sind Besucher der Höhle schon im 16. Jh. nachgewiesen.
Erste Führungen gab es im 17. Jh. Als jedoch Fürst
RUDOLF AUGUST VON BRAUNSCHWEIG-WOLFENBÜTTEL († 1704) während
einer Befahrung seiner Höhle erschrocken feststellen musste,
welche Schäden und Verunstaltungen von Menschenhand
angerichtet worden waren, ließ er den Höhleneingang mit
einem Tor verschließen. Ein Mann namens HANS BECKER erhielt
fortan das alleinige Privileg, Führungen zu veranstalten. Er
hatte den Herzog auf dessen Befahrung der Baumannshöhle
begleitet. BECKER war der erste „Ranger“ in einem Schutzgebiet.
Neben den Führungen musste er für den Erhalt der Schönheit
der Tropfsteinhöhle sorgen und jedermann zur Bestrafung
anzeigen, der sich unberechtigt in der Höhle aufhielt. Das
Wort „Naturschutz“ war noch nicht erfunden, und die
Unterschutzstellung der Höhle erfolgte auch nicht
durch eine Verordnung. Vielmehr war es die
Urkunde über die Bestallung der Familie BECKER, die
der Herzog am 10. April 1668 in Blankenburg
ausstellen ließ. Sie enthält alle Regelungen einer
modernen Naturschutzverordnung: Beschreibung
des Schutzobjektes, des Schutzzwecks, Aufzählung
der verbotenen Handlungen, Androhung
bestimmter Strafen und Zuweisung der
Zuständigkeit.
Die zweite heute zugängliche Besucherhöhle ist die
Herrmannshöhle. Sie wurde unmittelbar nach ihrer Entdeckung
im Jahr 1866 gesichert und wissenschaftlich untersucht, ehe
sie später kontrolliert besichtigt werden konnte (seit 1890 im
Schein von elektrischem Licht). Nachdem wir auch ihr einen
Besuch abgestattet haben, geht es zurück und kurz hinter
dem Café an der Felsgrotte den Aufgang von der Burgstraße
zum Schützenplatz hinauf.
Oben angekommen, befinden wir uns auf dem Gelände der
Burg Birkenfeld. Die Ruine besteht aus dem Stumpf des
Wohnturms und einigen wenigen Mauerresten. Auf ihre
Existenz bereits im Jahr 1361 lässt sich aus einer Urkunde des
Halberstädter Bischofs LUDWIG VON MEISSEN († 1382) schließen. Es
war wohl eine kleine Ministerialburg, deren Burgherr über die
Eisenhütten und den Wegeübergang über die Bode zu wachen
hatte. Vom Burgberg streift unser Blick über den Bielstein und
über die Blankenburger Straße in Richtung Mühlental. Auf dem
Bielstein fällt ein kleines Anläuthaus auf. Dort wo heute im
Falle von Gefahr eine Sirene
ertönt, wurde früher eine Glocke
angeschlagen. Berg- und
Hüttenleute erfuhren so, was die
Stunde geschlagen hatte, und
wann sie sich auf den Weg zur
Arbeit machen mussten.
Wir aber machen uns nun auf den
Weg zum Aussichtspunkt Hoher
Kleef.
Entfernung ca. 1 km
Ein Stück auf dem Harzer HexenstiegDie letzte Etappe
Wer eine ältere Harzkarte dabei hat, darf
jetzt nicht am rechten Weg zweifeln! Ab
dem Aussichtspunkt Hoher Kleef verläuft
der „Weg Deutscher Kaiser und Könige“ neuerdings zunächst 2 km lang exakt auf
der Nordroute des Harzer Hexenstiegs.
Dieser 97 km lange Weitwanderweg wurde
2008 als schönster Wanderweg Deutschlands
ausgezeichnet. Nachdem wir auf ihm
eine riesige Halde umgehen konnten, erreichen wir am
Ausgang des Tiefenbachtals eine Straße. Sie verläuft parallel
zur Bode und verbindet Rübeland mit seinen Ortsteilen
Hahnenkopf und Susenburg. Auf dieser wenig befahrenen
Straße geht es nun weiter flussaufwärts. Ehe wir die in den
1950er Jahren entstandene Bergbausiedlung Susenburg erreichen,
queren wir im Verlauf der links abbiegenden Straße die
Bode. Auch wenn manches Haus und mancher Garten in
Susenburg liebevoll gepflegt ist, so sind doch die Folgen der
Abwanderung und des demographischen Wandels unübersehbar.
Etwa an der Bebauungsgrenze
endet die Pflasterung. Der
weitere Weg hat nur noch eine wassergebundene
Decke. Einen halben
Kilometer weiter erreichen wir den
Ort, wo einstmals die Burg stand,
nach der die Bergarbeitersiedlung
benannt ist. Ein schmaler Pfad führt
auf den Burgberg. Dort sind noch
eine in den Fels gehauene Treppe
und künstlich begradigte Felswände
der Hausstellen erkennbar. Der
kurze Aufstieg lohnt allein schon
wegen des traumhaften Blicks hinab
ins Bodetal. Auch JOHANN WOLFGANG
VON GOETHE († 1832) war während
seiner dritten Harzreise hier. Von
der Burg selbst ist wenig bekannt. Überliefert ist ein Bergfried.
Zurück auf dem Fahrweg erreichen
wir nach weiteren 500 m eine
Schutzhütte. Hier kann man auf den „Wegen Deutscher Kaiser und
Könige“ entweder nach Norden bis
Elbingerode wandern oder nach
Süden bis Hasselfelde. Wer sich für
letztere Variante entscheiden
möchte, dem sei das Faltblatt „Von
der Pfalz Bodfeld zur Erichsburg“ aus der königsblauen Serie des
Regionalverbandes Harz empfohlen.
Unser Ziel ist aber der Schlossberg Elbingerode. Wir queren ein
Gebiet, wo in riesigen Tagebauen Kalk abgebaut wird. In
Elbingerode gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten und eine
interessante Heimatstube (Bild oben: Parkmöglichkeit an der
Heimatstube, Sammlung alter Grenzsteine).
Entfernung ca. 8,5 km
Ausgewählte Informationsstellen, Einkehrund
Übernachtungsmöglichkeiten
Übernachtungsmöglichkeiten
„Zum Klosterfischer“Blankenburg-Michaelstein
www.klosterfischer.de
Tel.: (03944) 351114
Berggasthof und Pension„Ziegenkopf“ Blankenburg
www.ziegenkopf.de
Tel.: (03944) 353260
Hotel BlocksbergSilstedt
www.hotel-blocksberg.de
Tel.: (03943) 54710
Hotel „Am Anger“Wernigerode
www.hotel-am-anger.de
Tel.: (03943) 9232-0
GutsmühleMinsleben
www.gutsmuehle.de
Tel.: (03943) 249604
Der Harz ist nicht nur als Naturpark geschützt, sondern auch Teil des Geoparks
Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen. Im Jahr 2005 wurde dieser in das
Europäische Netzwerk der Geoparke aufgenommen und Mitglied des Globalen
Geoparke-Netzwerkes der UNESCO (www.worldgeoparks.eu). Der Übersichtskarte
können Sie die Lage des Gebietes und den Verlauf der bisher in der königsblauen
Faltblattserie des Regionalverbandes Harz beschriebenen Teile des Netzes der
„Wege Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“ entnehmen. Wir
wünschen Ihnen interessante Erlebnisse und gute Erholung im Natur- und
Geopark Harz.
Text und Fotos: Dr. Klaus George