Im Zeichen des BuchfinkenZwischen Harz und Harly
Artenreicher Trockenrasen Kanstein bei Langelsheim
Nordöstlich von Langelsheim begrenzt der über 30 Meter hohe Steilhang der Kansteinhochfläche die Aue der Innerste. Hier stand im Frühmittelalter während
des 9. und 10. Jh. eine äußerst bedeutsame Wallburg, von der wenig bekannt ist und die in der Nachkriegszeit durch Kalksteinabbau nahezu vollständig
zerstört wurde. Die Burg lag strategisch besonders günstig, da sie zwei Furten im Zuge der südlichen Trasse der Via regis kontrollierte. Dieser Königsweg (im allgemeinen Sprachgebrauch „Hellweg“ oder „Alte Straße“ genannt) war im frühen Mittelalter wohl die wichtigste Fernverbindung, die die Pfalz Aachen im Westen
über Paderborn mit der zunächst östlichsten Grenzpfalz Magdeburg verband. Kaiser KARL DER GROSSE (748-814) benutzte diese vermutlich schon in der Jungsteinzeit bestehende Wegeverbindung bei seinen Feldzügen gegen die Sachsen. Die nur teilweise ergrabene Burg dürfte nach der fränkischen Eroberung Sachsens zur Landsicherung gegründet worden sein. Die in den Abwehrkämpfen gegen die Ungarn und als Königsburg der an die Macht gelangten Liudolfinger wichtige
Kansteinburg verlor wahrscheinlich mit dem Tod OTTOS III. (980-1002) ihre Bedeutung, als sein Nachfolger HEINRICH II. (973-1024) das nahe gelegene Goslar ausbaute und 1017 die Pfalz von Werla an der Oker nach Goslar verlegte. Der Kanstein ist vom Bahnhof Langelsheim oder mit dem PKW gut erreichbar. Am südlichen Fuß der ehemaligen Burg ermöglicht eine von der Kreisstraße Langelsheim – Jerstedt aus ansteigende Talung den Aufstieg auf die Hochfläche. Bei genauerem
Hinsehen sind die ehemaligen Wallanlagen der Burg auf dem ursprünglich weitgehend ebenen Gelände der Hochfläche erkennbar. Der weite Blick nach Norden in die Innersteaue, nach Westen über die Stadt Langelsheim, nach Süden auf den Harzrand und nach Osten über die Kansteinhochfläche und das Harzvorland lässt die strategische günstige Lage deutlich werden. Der Kanstein ist Bestandteil der neu eingerichteten „Wege deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters“, die vom
ottonischen Königshof in Brüggen über die ehemalige Pfalz Dahlum (beide Landkreis Hildesheim) mit einem Abstecher zur Kaiserpfalz Goslar zur ehemaligen Pfalz Werla (Landkreis Wolfenbüttel) führen. Durch die besonderen Reliefformen des Kansteins, die den Boden prägenden Ausgangsgesteine, die klimatischen Verhältnisse und zum Teil auch durch historische Nutzungsformen bedingt, sind hier verschiedene Pflanzengesellschaften heimisch. Auf den steil geneigten, Wind und Regen ausgesetzten Kalkflächen wächst das Kalk-Blaugras Sesleria varia, ein ausgedehntes Vorkommen mit großem Seltenheitswert, das sich wahrscheinlich nach dem Abschmelzen des Inlandeises der letzten Eiszeit auf der seither unveränderten Steilwand angesiedelt hat. Über Jahrtausende verhinderte die Innerste durch immer wiederkehrende Hochwässer den Aufwuchs eines das Kleinklima verändernden Gehölzsaums. Die Zähmung der Innerste und die Rekultivierung alter Halden- und Hüttenstandorte im Umfeld des Kansteins führten zu Veränderungen des Landschaftsbildes, der fortschreitende Kalkabbau zum Verlust der historischen Bedeutung des Kansteins.
Schöne Aussicht vom Harlyturm Klosterkirche Wöltingerode
Im Jahr 1174 übergaben die Grafen von
Wöltingerode ihren am südlichen Fuße des
Harly gelegenen Stammsitz der Kirche zur
Gründung eines Klosters und siedelten zum
Wohldenberg bei Seesen um. Den Ordensregeln
folgend errichteten die Zisterzienserinnen,
die bereits 1189 das Kloster belegen,
die Klosterkirche als romanische kreuzförmige
Basilika mit Stützenwechsel ohne Turm.
Über der westlich angrenzenden kryptenartigen
Unterkirche erbauten sie den Nonnenchor,
der zum Kreuzgang und zu den Zellen und den Gemeinschaftsräumen
führte. Nach einer Feuersbrunst 1676 wurde das
Kloster um 1700 in seiner heutigen barocken Form wieder aufgebaut.
1718 kam der Turm hinzu. Durch Dekret des Königreichs
Westfalen vom 13.05.1809 wurde
das Nonnenkloster aufgehoben. 1816
übernahm die Klosterkammer die Anlage
und trennte Krypta und Nonnenchor ab.
Letzterer dient der Stadt Vienenburg als
Veranstaltungsort, während in der Krypta
die auf dem Klostergut gebrannten Spirituosen
gelagert und verkauft werden. Ein Besuch
von Kirche, Krypta und Klostergut
lohnt nicht nur wegen der geistigen
Getränke!
Der nördlich gelegene, knapp sechs Kilometer
lange und einen Kilometer breite
Höhenzug des Harly lädt zum Wandern ein.
Aufgrund der Vielfalt seines geologischen
Aufbaus beherbergt der Harly auf engem Raum eine große Zahl
naturnaher Waldgesellschaften. Im westlichen Teil stockt ein
seltener, wärmeliebender Eichen-Elsbeeren-Wald. Seine Krautschicht
wird vom Blauroten Steinsame Lithospermum purpureocaeruleum
beherrscht. Neben den Naturdenkmalen „Waldmänneken-
Höhle“ und „Kräuter-August-Höhle“ ist der 1986
wiedererrichtete Harlyturm wegen der hervorragenden Aussicht
bevorzugtes Wanderziel. Der seit dem Mittelalter auf der
Südseite des Harly abgebaute Rogenstein war bevorzugtes
Baumaterial, beispielsweise auch für das Kloster Wöltingerode.
Im östlichen Teil des Harly zeugen überwachsene Wälle und Gräben
von der ehemaligen Harlyburg. Im welfisch-staufischen
Spannungsbereich erbaute der Welfenkönig OTTO IV., Sohn
HEINRICHS DES LÖWEN, 1203/1204 diese Burg, um den Heer- und
Handelsweg zwischen Braunschweig und Goslar zu beherrschen
sowie die Ost-Westverbindung im Nordharzraum zu kontrollieren.
OTTO IV. konnte damit die staufisch gesinnte Stadt Goslar
von den mit ihr verbündeten Städten abschneiden.
Ein Angriff auf die Harlyburg führte zum Gegenschlag
auf die Stadt Goslar, die 1206 erobert
und gnadenlos geplündert wurde. Im Frühjahr
1218 erkrankte der Kaiser auf der Harlyburg
schwer und wurde auf die besser ausgebaute
Harzburg gebracht, wo er am 19. Mai verstarb.
1291 wurde die zur Raubritterburg heruntergekommene
Harlyburg belagert, und musste nach
einer Schlacht übergeben werden. Ein Gericht
verfügte ihre Zerstörung.
Die Harzburg
Die von HEINRICH IV. errichtete Harzburg war
Teil eines territorialpolitischen Burgenprogramms,
welches er verfolgte, um nach den
Jahren der Vormundschaft seinen Einfluss auf
das Königsgut rund um den Harz zurück zu
gewinnen. Der seinerzeit völlig neue Burgentyp
zeichnete sich durch eine siedlungsferne
Höhenlage, sehr starke Befestigungswerke
und eine ständige Besatzung mit landesfremden
schwäbischen Ministerialen aus. Im Jahr
1068, drei Jahre nach Beginn der offiziellen
Regentschaft HEINRICH IV., muss die Harzburg
im Wesentlichen fertig gestellt gewesen sein. Sie hob sich hervor
durch aufwendige Bauwerke für
Repräsentationszwecke und zum
Aufenthalt des Königs sowie der
Anlage eines Stifts mit Kirche.
Im Jahr 1073 kam es zum Ausbruch
offener Feindseligkeiten
zwischen sächsischen Fürsten
und HEINRICH IV., der sich von
Goslar auf die Harzburg zurückzog.
Ein Heer der aufständischen
Sachsen belagerte daraufhin die
Burg. In der Nacht vom 9. auf
den 10. August 1073 floh der
König, um eine bessere Ausgangsbasis
gegen den sich ausbreitenden Aufstand zu haben.
Bei Hersfeld kam es am 27. Januar 1074 zur Schlacht, die
HEINRICH IV. verlor. In den Friedensverhandlungen musste er der
Schleifung der Harzburg zustimmen, zögerte aber die
Zerstörung hinaus. Das übernahm der Volkszorn, der auch vor
der Schändung der Reliquien und der königlichen Grablegen
nicht Halt machte. Dies bewirkte einen Stimmungsumschwung
zugunsten des Königs, der daraufhin 1075 die Sachsen
vernichtend schlug und unterwarf. Seine Auseinandersetzung
mit dem Papst verhinderte jedoch den Wiederaufbau der Burg.
FRIEDRICH I., Barbarossa (1122-1190) ließ nach den Auseinandersetzungen
mit dem unterworfenen HEINRICH DEM LÖWEN 1181 die
Harzburg als Zeichen seiner Macht und zur
Sicherung des Goslarer Krongutes und der
dortigen Erz- und Silbervorkommen, wieder
aufbauen. Als Burgherren setzte er die
Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg ein.
Der Konflikt zwischen Welfen und Staufern
entflammte später erneut. Nach der
Ermordung des Staufers König PHILIPP VON
SCHWABEN 1208 konnte der Welfe OTTO IV. die
Macht für sich erringen und wurde 1209
zum Kaiser gekrönt. Die Harzburg war wohl
sein Lieblingsort. Die verfallene Burg ließ
der Herzog von Braunschweig, AUGUST DER
JÜNGERE (1579-1666), einreißen.
Von Bad Harzburg aus können wir mit der
Seilbahn hinauf zum Burgberg fahren.
Bad Harzburg und der Naturpark Harz
Der Naturpark Harz/Niedersachsen
wurde 1960 gegründet. Teilgebiete
des Naturparks wurden später
Nationalpark. Beide Parks gehören
zu den Nationalen Naturlandschaften
und sind hervorragende
Wandergebiete.
Mit Fertigstellung der ersten Deutschen
Staatsbahn von Braunschweig
nach Bad Harzburg, damals
noch Neustadt genannt, war
der Harz ab 1841 als Sommerfrische
leichter erreichbar. Der Ort
Neustadt unter der Harzburg entwickelte
sich: Das Badewesen
wurde ausgebaut, Hotels, Pensionen
und Villen entstanden. 1892
benannte sich der Ort nach der
oberhalb auf 483 m Höhe gelegenen
Harzburg und bekam 1894
Stadtrecht. Von der Burg ist das gesamte
nördliche Harzvorland bis
hin zum früheren Standort der altsächsischen
Pfalz Werla bei
Schladen überschaubar. Die ehemals
am Harzrand entlangführende
alte Fernstraße vom Rhein zur Elbe
ließ sich vom Burgberg aus kontrollieren.
Seit 1929 bringt eine Seilbahn
die Besucher auf den Burgberg,
der wie zu Zeiten HEINRICH IV.
eine herrliche Aussicht in das
Harzvorland ermöglicht.
Seit über 100 Jahren werden die
Wanderwege im Harz vom Harzklub
ausgeschildert. So besteht keine
Gefahr, dass wir uns verlaufen. Von
Bad Harzburg aus führen gut
ausgeschilderte Wanderwege zum
Kreuz des deutschen Ostens, zur
Rabenklippe und zur Sennhütte.
Das streckenweise wildromantische
Eckertal an der Grenze zu Sachsen-
Anhalt, die Eckertalsperre und der
Radauwasserfall bieten sich ebenfalls
als Wanderziele an.
Gründung der Stadt Goslar
Die Zeugnisse der mehr als tausendjährigen
Geschichte von Rammelsberg und
Altstadt Goslar machen sie zum Weltkulturerbe.
Schon lange vor dem 10. Jh. wurde am
Rammelsberg Bergbau betrieben. Erst verbesserte
Abbaumöglichkeiten und die
Gewinnung von Silber aus den Rammelsberger
Erzen, verbunden mit einer verbesserten
landwirtschaftlichen Produktion,
die zu einer „Bevölkerungsexplosion“ und
einer Welle von Stadtgründungen führte,
dürften aber Grundlage der Entwicklung Goslars zur Stadt
gewesen sein. Die Urzelle Goslars war zunächst wohl nur ein
königlicher Jagdhof mit einer Mühle an der Gose. Hier entstand
unter HEINRICH II. der Pfalzbezirk. Ein weiterer Siedlungsbereich
könnte auf dem Georgenberg gelegen haben,
ein dritter - das Bergdorf mit eigener Kirche - am Hang des
Rammelsbergs. Wohnten dort die Bergleute, so sollen die
Verhüttungsspezialisten am Fuße des Steinbergs, dem
Frankenberg gewohnt
haben. Unterhalb des
Wirtschaftshofes bildete
sich die Marktsiedlung mit
Marktplatz, Marktkirche
und Rathaus als Zentrum
der zukünftigen Stadt
heraus.
Goslar Pfalzbezirk
Der Pfalzbereich ist gut ausgeschildert vom
Bahnhof aus erreichbar. Parkplätze befinden
sich unterhalb der Pfalz.
Die Bedeutung, die der Bergbau am
Rammelsberg für die deutschen Kaiser
erlangte, führte im frühen 11. Jh. dazu,
dass die aus sächsischer Zeit stammende
wichtige Pfalz Werla bei Schladen durch
Goslar Konkurrenz erhielt. HEINRICH III.
verlegte díe Königspfalz vollständig nach
Goslar. Unter seiner Herrschaft entstand
um 1050 ein neuer Residenzbereich mit
Pfalzgebäude und gegenüberliegender
Stiftskirche St. Simon und Juda. Die neue Pfalz Goslar wird bis
1253 durch viele Hoftage zu einem Mittelpunkt der Reichsherrschaft.
Erhalten ist neben dem Saalbau noch die Pfalzkapelle
St. UIrich. Von der Stiftskirche, Vorbild für die
späteren in Goslar errichteten Kirchen, ist lediglich der stadtseitige
Eingang - die um oder
kurz nach 1150 errichtete
Domvorhalle - erhalten geblieben.
In ihr befinden sich der
Kaiserstuhl umgeben von steinernen
Schranken, sowie romanische
und gotische Architekturfragmente.
Die Pfalz, welche eine
wechselvolle Geschichte erlebte,
wäre wegen Baufälligkeit
beinahe wie die Stiftskirche
im 19. Jh. abgebrochen
worden, hätten nicht die
Preußenkönige sie als Legitimation ihrer Herrschaft benötigt
und von 1868 bis 1879 umfassend wiederhergestellt. Im Erdgeschoss
liegt der ursprünglich über eine Warmluftheizung
im Fußboden beheizbare Wintersaal, im Obergeschoss der
große Saal mit aufwendigen Fensterarkaden aus staufischer
Zeit. Die Wandausmalung mit Historienbildern von HERMANN
WISLICENUS (1825-1899) sollte den Anspruch Preußens belegen,
Erbe der mittelalterlichen Kaiserwürde zu sein. Der Wintersaal
beherbergt eine sehenswerte Ausstellung über die
mittelalterlichen Wanderkaiser, die, von Pfalz zu Pfalz reitend,
ihr Reich regierten.
Die im Süden an die Königspfalz anschließende doppelstöckige
Pfalzkapelle St. Ulrich entwickelt sich von einem
griechischen Kreuz im Grundriss des Untergeschosses zu
einem Achteck im Obergeschoss.
Die Grabplatte
HEINRICHS III., die ursprünglich
in der Vierung
der Stiftskirche stand,
wurde 1884 mit seinem
Herzen hier untergebracht.
Vor seinem Tod
hatte er verfügt, dass
sein Herz in Goslar
bleiben solle, während
sein Leichnam in der
Grablege der Salier, dem
Dom zu Speyer beizusetzen
sei.
GoslarKirchen und andere Zeugnisse der Romanik
Innerhalb des Mauerrings entstanden
neben dem Domstift St. Simon und Juda
und nach dessen Vorbild weitere Kirchen,
von denen noch die Pfarrkirchen St. Cosmas
und Damian (Marktkirche; 2. Viertel
des 12. Jahrhunderts), St. Jakobi (2. Hälfte
des 11. Jahrhunderts), St. Peter und Paul
auf dem Frankenberg (frühes 12. Jahrhundert)
und das Benediktinerinnenkloster St.
Mariae in horto (Neuwerkkirche, etwa 1180
Baubeginn) vorhanden
sind. Ergänzungen um
weitere Seitenschiffe (Marktkirche), Umbauten
zur Hallenkirche (St. Jakobi), Veränderungen
der Westwerke aus statischen
Gründen (Frankenberg) oder
wegen Bränden (Marktkirche) führten zu
Abwandlungen, lassen die Gemeinsamkeiten
aber immer noch deutlich werden.
Die nahe dem Bahnhof gelegene Neuwerkkirche
zeigt den Stil der Romanik in
reinster Ausprägung. An ihrer Südseite
wurde vor wenigen Jahren ein romanischer
Garten neu angelegt. Hier sind
die Pflanzenarten zu finden, die als Heil-,
Gewürz- und Zierpflanzen typisch für
mittelalterliche Klostergärten waren.
Innerhalb der Altstadt finden sich noch
viele romanische Zeugen, so das Spital
zum Großen Heiligen Kreuz nahe der
Pfalz, zunächst ein Spital zur Beherbergung
hilfsbedürftiger Durchreisender,
später ein „Altersheim“, oder steinerne
Wohntürme der Patrizier, die in Fachwerkhäuser
einbezogen wurden. Zudem zeigt das Städtische
Museum an der Abzucht eine Vielzahl romanischer Zeugnisse,
insbesondere aus dem abgebrochenen Dom, beispielsweise
den Krodoaltar.
Bei einer Entdeckungsreise durch die Altstadt von Goslar
sollte die Besteigung des Nordturms der Marktkirche eingeplant
werden. Aus der Höhe erschließt sich die zu Füßen liegende
Stadt mit ihrem Gewirr von Gassen, schiefer- und
ziegelgedeckten Fachwerkhäusern, den dominanten Kirchen
und der Pfalz besonders eindrucksvoll. Der Verlauf der
ehemaligen Stadtbefestigung zeichnet sich durch das Breite
Tor, den Zwinger,
einige Mauertürme
und die mit alten Bäumen
bewachsene Wallanlage
ab. Es lohnt,
mit einem Stadtplan
ausgerüstet, den Verlauf
der früheren Befestigungsanlagen
bei
einem Spaziergang
nachzuvollziehen. Im
Bereich des Zwingers
wird die Abfolge von
Feldmauer, Graben,
Wall und Stadtmauer
besonders deutlich.
Goslar Romanische Kirchenruinen
Auf dem Georgenberg,
von dessen Rand sich
ein eindrucksvoller
Blick auf Goslar und
den Rammelsberg bietet,
stehen die Sockelmauern
einer Kirche,
die mit ihrem achteckigen
Grundriss eine der
bedeutendsten Nachfolgebauten
des
Aachener Münsters
war. Dieses Augustiner-Chorherrenstift war eine Gründung
Kaiser KONRADS II. (990-1039).
Im Jahr 1527, als Herzog HEINRICH VON BRAUNSCHWEIGWOLFENBÜTTEL
(1489-1568) sich im nahegelegenen Kloster
Riechenberg einquartiert hatte und die Stadt Goslar
bedrohte, um so seinem Anspruch auf die Eigentumsrechte
am Rammelsberg und die
Hoheitsrechte über Verhüttungsbetriebe
und Forsten Ausdruck zu
verleihen, entluden sich die religiösen
und sozialen Spannungen der
Reformationszeit darin, dass aufgebrachte
Bürger das dem Herzog
zugeneigte katholische Kloster
zerstörten. Auch die weiteren vor
der Stadtmauer liegenden Kirchen,
in denen sich der Herzog hätte
verschanzen können, wurden dem
Erdboden gleichgemacht: im Süden
am Fuße des Rammelsberges die
Kirche Johannes im Bergedorf, im
Nordwesten die Kommende zum
Heiligen Grabe und im Osten das
Kollegiatsstift St. Peter. Ihre Grundmauern
sind weitgehend erhalten und lohnen einen Besuch.
Die Reste des Chorherrenstiftes auf dem Petersberg lassen
sich vom Breiten Tor und vom Osterfeld aus erreichen. Der
Weg führt am Klusteich und am Klusfelsen vorbei. Diese
imponierende 15 - 20 m hohe Felsrippe besteht aus
Hilssandstein, der sich vor etwa 110 Mio. Jahren in einem
flachen Meer ablagerte und durch den Aufstieg des Harzes
senkrecht gestellt wurde. Hilssandstein war ein beliebter
Werkstein im Bereich Goslar, der besonders für feinere Architekturelemente
verwendet wurde. Im Klusfelsen befindet sich
eine aus dem Fels gehauene Kapelle. Oberhalb des Felsens
bietet der sogenannte
Märchenblick (siehe
Titelfoto) ein Panorama
der Stadt
Goslar.
Wenige Meter weiter
liegen die Reste des
1050 von HEINRICH III.
und seiner Frau Agnes
gestifteten Klosters,
dessen Anlage
die Form der Pfalzkirche
aufgreift. Eine weitere Kirche, die noch in
den Grundmauern zu erkennen
ist, liegt südlich der Bergdorfstraße
(am Hang des Rammelsberges)
und ist von dieser
Straße über Fußwege erreichbar.
Sie bildete den Mittelpunkt
des Bergdorfes, einer der ersten
Siedlungszellen auf halben Weg
zwischen Marktsiedlung und Bergwerken, die sich außerhalb
des späteren Mauerrings weit nach Süden den Hang des
Rammelsberges hochzog. Diese erstmals 970 erwähnte
Bergmannssiedlung verlor später wegen der abseitigen Lage
zur sich entwickelnden Stadt Einwohner und wurde in den
Wirren des Jahres 1527 zerstört und aufgegeben. Im Umfeld
der Kirchenruine sind Reste der Befestigung des Bergdorfes,
bestehend aus einem System von Wall, Graben und Hecken zu
entdecken. Die angrenzenden Wiesen am Rammelsberg wie an
den anderen Goslarer Bergen zeugen von ihrer
landwirtschaftlichen Nutzung: hier befanden sich Nutzgärten,
Ackerflächen und Wiesen, auf denen das Winterfutter für das
in der Stadt gehaltene Vieh gewonnen wurde. Darüber hinaus
finden sich in der Landschaft zwischen Bergdorf und
Erzbergwerk vielfältige Zeugen des Bergbaus. Bis in das
Hochmittelalter reichen die vielen Hohlwege zurück, die dem
Abtransport der Erze von den Gruben zu den Hüttenplätzen
dienten. Zahlreiche Halden sind an
ihrem schütteren Bewuchs erkennbar.
Durch den Bergbau versiegte
Bachläufe und die Trasse einer alten
Erzabfuhrbahn sind ebenso zu
entdecken wie Reste der Landwehr.
Vom Ausflugslokal des Maltermeisterturms,
dem ältesten erhaltenen
übertägigen Gebäude des
Rammelsberges aus dem 15. Jahrhundert,
das zur Überwachung und
Verteidigung und später als Anläuteturm
diente, bietet sich ein
grandioser Blick auf Goslar und das
Harzvorland.
Die vierte Kirche, die den Unruhen des Jahres 1527 zum Opfer
fiel, war die Klosterkirche „Zum Heiligen Grabe“ an der
gleichnamigen Straße unweit von Bahnhof und Hauptpost.
Vermutlich wurde diese Niederlassung des Johanniterordens
Ende des 12. Jh. gegründet. Das Besondere der Kirche: Im
Kirchengebäude stand nach dem Vorbild der Jerusalemer
Grabeskirche eine Nachbildung des Grabes Jesu. Das leere
Grab Jesu ist für den christlichen Glauben von zentraler
Bedeutung. Aus dem Wunsch, diese Stätte nicht nur im fernen
Jerusalem verehren zu können, wurden in Europa seit dem
frühen Mittelalter architektonische
Nachbildungen errichtet.
Wenn auch in anderer
Form, so sind weitere Heilige
Gräber in der Stiftskirche von
Gernrode und im Magdeburger
Dom zu finden. In Goslar
sind nur die Überreste des
6,40 m langen und 2,25 m
breiten Gebäudes in einer
kleinen Grünanlage neben
der Straße erhalten.
Goslar Kloster Riechenberg
Von den Ruinen des Heiligen Grabes ist es
nicht weit zum 1826 eröffneten Friedhof an
der Hildesheimer Straße, einem gartenarchitektonischen
Kleinod und flächenhaften
Denkmal, das Mausoleen bedeutender
Goslarer Bürger, Familiengräber, Soldatenfriedhöfe
und Begräbnisstätten der Täter
und Opfer der nationalsozialistischen Diktatur
aufweist.
Am nördlichen Friedhofsrand führt der Riechenberger
Weg durch Ackerflächen zu
einer weiteren romanischen Kostbarkeit:
dem in der Feldflur eingebetteten Stift
Riechenberg. Dieses - ehemals zu Braunschweig gehörende -
Stift war der Ort, an dem die Auseinandersetzungen zwischen
den Braunschweiger Herzögen und der Stadt Goslar mit dem
1552 geschlossenen Riechenberger Vertrag ihr für die Stadt
Goslar wenig günstiges Ende nahmen.
Im Jahr 1131 besetzte der Bischof BERNHARD I. VON HILDESHEIM (†
1154), das Benediktinerkloster Riechenberg mit Augustiner-
Chorherren. Bereits 1154 wird in einer Urkunde seines
Nachfolgers eine Krypta erwähnt, die somit um 1150 errichtet
sein musste. 1803 wurde das Stift aufgehoben, später als
Steinbruch missbraucht. Von der kreuzförmigen Basilika ist
insbesondere die Krypta erhalten (Führungen Mai-Oktober
immer dienstags 14:30 und 15:30 Uhr, Eingang Rosenpforte in
der südlichen Klostermauer). In den Kapitellen staut sich eine
Fülle von Phantasiemotiven mit dämonischen Beschwörungen;
Tiere und Masken werden mit
Rankenwerk umwoben, wobei
die Kämpfer in die Ornamentierung
einbezogen sind. An
den Basen finden wir Ecksporen.
Ebenfalls reich verziert
sind die Säulenschäfte. Heute
nutzt die evangelische Gethsemane-
Bruderschaft die instand
gesetzten Gebäude. Zum
Morgen- und Abendgebet
zwischen Montag Abend und
Samstag Abend wird eingeladen
(7:00 bzw. 18:00 Uhr).
Die Landschaft um Kloster und Wirtschaftshof lohnt einen
Spaziergang.
Ausgewählte Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel WinterbergBad Harzburg
www.solehotels.de
Tel.: (05322) 928692
Hotel TannenhofBad Harzburg
www.solehotels.de
Tel.: (05322) 96880
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Natur- und Kulturerlebnistour „Im Zeichen des Buchfink“.
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung
und interessante Einblicke in die Geschichte der Harzregion.
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Regionalverband Harz bestellen (siehe Impressum). Verwaltungs-Verlag München, Lizenz-Nr. 06/04/50. Weitere Stadtpläne unter
www.stadtplan.net
Text: Günter Piegsa
Fotos: George, Piegsa
Fotos: George, Piegsa