Vom Kaiserweg zur Pfalz Bodfeld
Des Kaisers FluchtwegAm Ausgangspunkt
Der Regionalverband Harz ist Träger
der Naturparke Harz in
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Mit Förderung des Landes
Niedersachsen hatte er 2006 in
einem ersten Faltblatt den
„Kaiserweg“ beschrieben. Dieser verbindet
die Harzburg am
Nordharzrand in Niedersachsen mit
der Königspfalz Tilleda im südlichen
Harzvorland in Sachsen-Anhalt. Auf
ihm soll in der Nacht vom 8. auf den
9. August 1073 Kaiser HEINRICH IV.
(1050-1106) während des Aufstands
sächsischer Bauern von seiner
belagerten Burg über den Harz
geflohen sein. Wir wollen seinem Fluchtweg nach Süden
jedoch nur das kurze Stück vom Burgberg der Harzburg bis
zur Schutzhütte an der Luisenbank folgen. Hier ist der
Ausgangspunkt unserer Tour Richtung Osten. Von Bad
Harzburg aus können wir mit der Seilbahn auf den Burgberg
fahren. Von April bis November gibt es daneben sogar die
Möglichkeit, den Ausgangspunkt unserer Wanderung direkt
mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (Haltestelle
„Abzweig Eckertalsperre“). „Der Grüne Harzer“, die Buslinie
Nr. 875 der KVG Braunschweig, verkehrt während dieser
Jahreszeit als Ringverkehr im Nationalpark Harz.
Zeugnisse deutscher Teilung Zur Eckertalsperre
Die Eingliederung in das fränkische Reich
unter KARL DEM GROSSEN brachte dem im nordwestdeutschen
Raum siedelnden Volk der
Sachsen nicht nur das Christentum (einschließlich
Bistumsgründungen), sondern
auch neue Herrschaftsstrukturen und die
Übernahme des Lehnswesens. Auf der
Grundlage der fränkischen Grafschaftsverfassung
wurden sächsische Adlige als
Grafen über meist mehrere sächsische Gaubezirke
eingesetzt. Grafen galten als die
Stellvertreter des Königs, sie übten die
Gerichtsbarkeit aus. Manchen Familien
gelang es, Grafenrechte und Besitzrechte in ihrer Hand zu
bündeln und sich damit eine herausgehobene Machtposition
zu sichern. Einer dieser sächsischen Herzöge wurde gar 919
zum König gewählt: HEINRICH I. († 936). Aus dem Ostfrankenreich
wurde das deutsche Reich. Des Königs Lieblingspfalz
war Quedlinburg. Den Harz-Elbe-Saale-Unstrut-Raum
baute er zum Herzstück seiner Königsherrschaft aus. Er
regierte „mit langer Leine“, d.h. er beließ den Mächtigen
seines Reiches die Herrschaftsgewalt
in ihren Territorien.
Sein Geschlecht, das
der Ottonen, starb im 11. Jh.
aus. Nachkommen anderer
einstmals mächtiger sächsischer
Adelsgeschlechter mit
Besitzungen in der Harzregion,
wie das der Askanier,
leben noch heute. Nach 1180
war das Königsgut im und am
Harz an das Reich zurückgefallen
und wurde neu zu Lehen
vergeben. Mehreren gräflichen
Familien bot sich die Chance zum Aufstieg in die Reichsunmittelbarkeit.
Die Harzgrafschaften Blankenburg, Regenstein,
Hohnstein, Scharzfeld, Wernigerode und Stolberg entstanden.
Wir können hier nicht umfassend die Zersplitterung
der Territorialgewalt unter weltlichen (Herzögen, Grafen,
Edelherren) und kirchlichen Landesherren (Erzbischöfe und
Bischöfe) darstellen, auch nicht wie irgendwann die Welfen
(Braunschweig und Hannover) und später die Hohenzollern
(Preußen) zunehmend Einfluss gewannen in der Harzregion.
Als im Jahr 1942 eine 235 m lange und 65 m hohe Mauer
erstmals die Ecker staute, markierte das kleine Flüsschen
jedenfalls die Grenze zwischen den preußischen Provinzen
Hannover (im Westen) und Sachsen (im Osten). Noch konnte
man ungestraft über die Mauerkrone wandern, bis dann infolge
des Zweiten Weltkriegs auf der Grundlage des Londoner
Protokolls genau hier die Grenze zwischen den westlichen
Besatzungszonen und der sowjetischen Besatzungszone, der
späteren DDR, verlaufen sollte. Es entstand eine Mauer auf
der Mauer, die bis 1989 unüberwindbar war. Als Zeichen des
Zusammenwachsens der Harzregion finden wir an der
Eckertalsperre heute die Stempelstelle Nr. 1 der Harzer
Wandernadel. Mit dem Wasser aus der Talsperre werden
hauptsächlich die Regionen Braunschweig, Wolfenbüttel und
Wolfsburg versorgt.
Durch das frühere Sperrgebiet
Soviel vorweg: Bisher führte unser Weg
durch den Nationalpark Harz, und in
demselben bleiben wir auch noch bis
nahe Ilsenburg. Der Natur soll in einem
Nationalpark absoluter Vorrang eingeräumt
werden, und so besteht ein
strenges Wegegebot. Auch wenn die
Neugier uns plagt, nach den wenigen
verbliebenen Zeugnissen der früheren
innerdeutschen Grenze können wir
deshalb nicht überall suchen! Die
Zäune sind ohnehin vollständig abgebaut.
Es gab ihrer mindestens zwei auf
dem früheren Hoheitsgebiet der DDR, die mehr oder weniger
parallel verliefen. Zunächst einen 3 m hohen Streckmetallzaun
als in der Regel letztes Hindernis kurz vor der tatsächlichen
Grenzlinie, markiert mit Betonsäulen. Das zwischen Zaun und
Grenze liegende Gebiet galt als „Niemandsland“. Am Sperrzaun waren zeitweise zusätzlich
Minen (Selbstschussanlagen) montiert. Nach Osten hin
schlossen sich Panzersperren oder Gräben und ein 12 m
breiter Spurenstreifen an. Dann folgte ein Kolonnenweg, auf
welchem die Grenzsoldaten immer paarweise zu
Fuß oder motorisiert patrollierten. Um Kontakt
halten zu können zu den Nachbarposten bzw.
zum kommandierenden Offizier, der auf einem
massiven Turm saß, führten die Soldaten das so
genannte „Gummiohr“ mit. Es war ein mit Mikrophon
kombiniertes Hörgerät, welches mit dem
Grenzmeldenetz verbunden werden musste.
Betonsäulen mit den entsprechenden Steckern
finden sich noch in den Wäldern. Einen Kolonnenweg
erreichen wir nach kurzer Wegstrecke. Die
typischen Betonplatten werden wohl als letzte
Zeugnisse der einstmals umfangreichen Grenzanlagen
überdauern. Aus den Waben quellen verschiedenartige
Pflanzen: kleine Fichtensämlinge, Huflattich …
Schnell würden sie den Kolonnenweg überwuchern, würde er
nicht mehr begangen und befahren werden. Am nächsten
Kolonnenweg, den wir Richtung Ilsenburg erreichen, stand der
zweite Zaun. Dieser Grenzsignalzaun
war nicht so hoch, aber zusätzlich
ausgestattet mit Strom führenden
Stacheldrähten. Bei Kontakt wurde eine
Alarmanlage mit optischen und akustischen
Signalen ausgelöst. Heute ist
es hier gastlicher. In einer Schutzhütte
finden wir die Stempelstelle Nr. 3 „Am
Kruzifix“ der Harzer Wandernadel. Das
im Zuge der Errichtung der Grenzanlagen
zerstörte gusseiserne Kreuz
wurde neu errichtet. Der Vers aus der
Bibel, war sicher nicht passend zur
Grenze aus der Zeit des Kalten Krieges:
Christus ist mein Leben. Sterben ist mein Gewinn (Phil. 1, 21).
Heinrich-Heine-Wanderweg Im Ilsetal
Vom Kruzifix führt uns unser Weg durch
das Große Sandtal hinab ins Ilsetal. Bis
hierhin reichte während der deutschen
Teilung das Sperrgebiet. Hier vereint
sich wie eh und je der uns begleitende
Bach mit der Ilse. „Das ist nun die Ilse,
die liebliche, süße Ilse. Sie zieht sich
durch das gesegnete Ilsetal, an dessen
beiden Seiten sich die Berge allmählich
höher erheben, und diese sind bis zu
ihrem Fuße meistens mit Buchen, Eichen
und gewöhnlichen Blattgesträuche
bewachsen.“ Der Dichter HEINRICH HEINE
(1797-1856), aus dessen „Harzreise“
dieses Zitat stammt, stieg während seiner
Göttinger Studentenzeit im Herbst 1824 vom
Brocken in das Ilsetal hinab. Er beschrieb die
Natur beinahe beiläufig. Aus welchen Arten
sich das „gewöhnliche Blattgesträuche“ zusammensetzte,
wusste ein anderer bedeutender
Mann ganz genau: Oberforstmeister
HANS DIETRICH VON ZANTHIER (1717-1778). Er trat
1747 in den Dienst der Grafen zu Stolberg-
Wernigerode mit dem Auftrag, die gräflichen
Forsten „in eine erwünschte Aufnahme zu
bringen und die Einkünfte zu mehren."
Während seiner drei Jahrzehnte währenden
Tätigkeit in Ilsenburg ließ er ertragreiche
Wirtschaftswälder anlegen und gründete die erste deutsche
Forstakademie. Hier konnte er sein Hauptanliegen
verwirklichen: die Verbindung von Theorie und Praxis in der
Ausbildung. Seine rationelle Forstkultur wurde zum Vorbild
der Forstwirtschaft in ganz Deutschland. Am Zanthier-Platz,
den wir alsbald erreichen, erinnert ein schlichter Stein an den
bedeutenden Forstmann und Lehrer. Auf der anderen Talseite
erhebt sich die mächtige Granitklippe des Ilsesteins.
GeotropismusAuf dem Naturlehrpfad
An der weiter talwärts gelegenen Blankschmiedebrücke
queren wir nicht die
Ilse, sondern nehmen den Fußweg an
ihrem rechten Ufer. Auf dem sehr informativen
Naturlehrpfad erfahren wir
zunächst Wissenswertes über den weiteren
Verlauf der Ilse. Rechter Hand
steht das Brunnenhaus der Prinzess Ilse-
Quelle. Im Bachbett bestimmen vom
Wasser rund geschliffene Granitblöcke
noch immer das Bild, obwohl das Tal
jetzt Quarzitschichten aus dem Unterkarbon
angeschnitten hat. Mehrere
interessante Aufschlüsse lassen Einblicke in die Erdgeschichte
zu. Schichtung und Kluftbildung werden erklärt.
Unsere Aufmerksamkeit richtet sich aber bald auf den Stamm
einer abgestorbenen und teilweise umgebrochenen Rotbuche.
Er ist über und über mit Baumpilzen bewachsen. Es
sind die Fruchtkörper des Zunderschwamms, der bis zu 30
Jahre alt werden kann. Wie andere Baumpilze zeigt auch er
einen ausgeprägten Geotropismus: Neu zuwachsende Fruchtschichten
werden zum Erdboden ausgerichtet. Bricht der
Wirtsbaum um oder ein Teil des Stammes ab, bilden die
Fruchtkörper neue Fruchtschichten, die
gegenüber den zuerst gewachsenen
Schichten um 90 Grad gedreht sind; gut zu
sehen am liegenden Teil des Stammes, der
langsam zerfällt und von Brombeeren überwuchert
wird. Schon Steinzeitmenschen
nutzten die locker-filzige Mittelschicht des
Pilzes zum Feuer entfachen. Sicher haben
Sie die Redewendung schon einmal gehört:
„Brennt wie Zunder!“
Nun geht es über die Drahtmühlenbrücke.
Ein kurzes Stück weiter zweigt der Mühlgraben
ab. Das Wasser setzte Wasserräder
in Bewegung. Transmissionsriemen übertrugen
die Kraft auf die Maschinen einer
Achsschmiede, einer Sägemühle sowie
einer Nagelhütte. Der Mühlteich der Nagelhütte
ist noch erhalten. Die Nagelhütte
selbst ist heute eine urgemütliche Gaststätte.
Unser Ziel ist aber das ehemalige
Kloster. Am Blochhauer Platz queren wir
die Ilsebrücke und entdecken bald die imposante
Anlage mit Gebäudeteilen aus der
Zeit der Romanik (unser Titelbild). Weitere
Informationen zum Kloster Ilsenburg enthält
das Faltblatt „Zwischen Ilsestein und
Regenstein“ aus der Serie „Naturerleben an
der Straße der Romanik“, das beim Regionalverband
Harz bestellt werden kann.
Ilsenburg selbst ist von Wernigerode oder
Vienenburg aus bequem erreichbar mit den
modernen Zügen des HarzElbeExpress.
Bunte Stadt am HarzNach Wernigerode
Auf dem Harzklub-Hauptwanderweg
50F (gekennzeichnet mit)
gelangen wir von Ilsenburg nach
Wernigerode. Nach einem kurzen
Aufstieg durch artenreichen Laubwald
läuft der Weg parallel zum
Mönchs- oder Pfenniggraben. Es
ist die mittelalterliche Wasserversorgung
des Klosters Ilsenburg.
Weiter geht es durchs Klosterholz
in Richtung Gasthaus Waldschänke
Öhrenfeld. Wir sind in
einem Zechsteingebiet mit typischen
Karsterscheinungen. An
der ehemaligen gräflichen Kalkhütte
entstand durch Auslaugung
unterirdischer Gipslager ein mächtiger
Erdfall: eine Doline. Über die
Geschichte der Kalkhütte berichtet
eine Informationstafel. Nach einer
kurzen Rast in der Schutzhütte
wandern wir weiter, teilen uns den
Weg streckenweise mit Radfahrern,
die auf dem R1 unterwegs
sind. Wernigerode erreichen wir
im Ortsteil Hasserode nahe der
Jugendherberge. „Der Weg Deutscher
Kaiser und Könige“ führt
nun direkt durch die vom Schriftsteller
und Journalisten HERMANN
LÖNS (1866-1914) als „Bunte Stadt
am Harz“ gelobte frühere Residenzstadt:
Schöne Ecke, Altes
Amtshaus, Lustgarten mit Archiv.
Hier lagern Urkunden und Akten
aus über tausend Jahren, die das
Gebiet der früheren Preußischen
Provinz Sachsen betreffen. Die
älteste Urkunde datiert auf den
10. September 960. Es ist die
Gründungsurkunde des nahe
gelegenen Klosters Drübeck, ausgestellt
in Magdeburg und unterzeichnet
von Kaiser OTTO I. (912-
973). Neuere Dokumente befassen sich mit staatlichen Betrieben
und Massenorganisationen der DDR, und auch Akten
des Landesbergamtes sind hier archiviert. Vom Lustgarten
aus steigen wir hinauf auf den Agnesberg (Stempelstelle Nr.
31 der Harzer Wandernadel), genießen den einmalig schönen
Blick auf das Schloß Wernigerode®, und lenken unsere
Schritte dann auf dem Annaweg wieder in das Innere des
Harzes.
Schlosswasserreise und TierparkAnnaweg mit Abstecher
Der Annaweg trug früher den Namen
„Oberer Röhrenweg“. Zum Hochbehälter
auf dem Agnesberg führten im
18. Jh. zunächst Holzrohre, später
Ton- und zuletzt Eisenrohre im sanften
Gefälle Wasser heran, das für Schloss,
herrschaftliche Gärten und Beamtenhäuser
benötigt wurde. Der Annaweg
und im weiteren Verlauf ein hier ebenfalls „Kaiserweg“ benannter
Weg folgen deshalb annähernd den Höhenlinien
entlang der Berghänge. Wir müssten also keine
steilen Steigungen mehr bewältigen, würden
wir uns nicht einen kleinen Abstecher in den
Wildpark Christianental erlauben. In vielen
Gehegen und Volieren beherbergt er heimische
Tierarten, darunter Luchs, Uhu und die
schlauen Kolkraben. Es ist eine einmalig
schöne Anlage in natürlicher Umgebung und
verfügt über ein gemütliches Gasthaus. Wir
brauchen keine Angst zu haben, uns zu
verlaufen, denn der Abstecher ist vom Harzklubzweigverein
Wernigerode hervorragend
ausgeschildert. Am Wildschweingehege geht
es durch das Louisental wieder hinauf. Dort wo
der Annaweg in weitem Bogen das Louisental
quert, entdecken wir ein Stollenmundloch. Eine
Informationstafel erklärt die „Schlosswasserreise“,
die Anlage zur Wasserversorgung,
die auf Graf CHRISTIAN ERNST ZU
STOLBERG-WERNIGERODE (1691-1771) zurückgeht.
Er hatte den Regierungssitz der Grafschaft
von Ilsenburg zurück nach Wernigerode
verlegt und das Schloss umfangreich
umbauen lassen. 1714 erkannte er die
Oberhoheit Brandenburg-Preußens über
seine Grafschaft an. Wir wandern nun
wieder auf dem Annaweg. Louisental und
Annaweg sind benannt nach den beiden
Töchtern des Grafen CHRISTIAN FRIEDRICH ZU
STOLBERG-WERNIGERODE (1746-1824). Christian
Friedrich verehrte den bereits erwähnten,
im Dienste der Grafschaft stehenden Oberforstmeister
VON ZANTHIER als Freund und
Wanderführer und ließ ihm zu Gedenken in
dessen Todesjahr am Annaweg einen Stein
setzen. Eine Sitzgruppe lädt heute zur Rast
ein, hier haben wir einen wunderschönen
Blick zurück zum Schloß Wernigerode®.
Auf dem weiteren Weg können uns gelegentlich Reiter
begegnen. Die friedfertigen Haflingerpferde, auf deren
Rücken sie unterwegs sind, haben unten im Mühlental ihre
Ställe (Reiterhof). Geräusche der im Tal verlaufenden Straße
erreichen uns in der Einsamkeit des Waldes, in der Ferne
verhallt von Zeit zu Zeit das Pfeifen der Dampflokomotiven
der Harzer Schmalspurbahn. Auch vom Rastplatz „Sieben
Börner“ haben wir wieder einen schönen Schlossblick. Ein
Stück weiter ermöglicht die Steingleie einen Abstieg ins Tal
zur Haltestelle der Stadt- und Regionalbusse. Unser Weg trägt
fortan den Namen „Kaiserweg“

Eisenerzrevier und MarmorbruchHinauf zum Hartenberg
Nach ca. 9 km auf Anna- und Kaiserweg erreichen wir das
Kleine Pfaffental. Wir folgen den Wegmarken des „Weges
Deutscher Kaiser und Könige“ talaufwärts. Achtung: Einige
Wanderkarten sind in diesem Bereich ungenau oder zeichnen
eine andere Route vor! Aber keine Angst: es ist letztlich egal,
ob der Weg durch den Eisergrund oder durch das Kleine
Pfaffental gewählt wird. In letzterem erreichen wir jedenfalls
bald einen kleinen Teich. Er ist im Frühjahr wichtiges
Laichgewässer für Teichmolch, Erdkröten & Co.
Nach unserem Versuch, einige der Tiere oder ihre
Kaulquappen zu entdecken, geht es weiter
bergan. Der Weg biegt bald rechts ab und tangiert
an einer Stelle die frühere Grenze zwischen
Preußen und Braunschweig (ehemaliger Landkreis
Blankenburg). Wenig später vereint sich der von
uns gewählte Weg mit dem aus dem Eisergrund
heraufkommenden. Eine Kastanienallee bietet
dem Wanderer im Sommer Schatten. Durch eine
Informationstafel zum Büchenberger Erzrevier
neugierig geworden, sicher auch durstig und ein
wenig hungrig, fällt die Entscheidung für einen
Abstecher zum nahe gelegenen Schaubergwerk
Büchenberg (Geopark LM 8 Pkt. 11). Dort wird der Wanderer
freundlich empfangen und bewirtet. Wer genügend Zeit
eingeplant hat, kann an einer Führung unter Tage teilnehmen
(täglich um 10, 12 und 14 Uhr oder nach vorheriger
Anmeldung auch um 16 Uhr). Zum Schutz vor unerwünschten
Autofahrern ist der eigentliche „Weg Deutscher Kaiser und
Könige“ am früheren Forsthaus Hartenberg mit
einer Schranke abgesperrt. Uns kann sie nicht den
Weg versperren. Zwischen kleinen Bungalows,
Schuppen und Garagen aus jener nicht fernen
Zeit, als Ostdeutsche in ihrem Urlaub noch nicht
nach Mallorca fliegen konnten, weist ein Schild
den Weg zum Marmorbruch am Ludwig-Uhland-
Weg. Dieser kurze Abstecher zu einem wahrhaft
romantischen Ort ist ein absolutes Muss! Kein
Geringerer als CASPAR DAVID FRIEDRICH (1774-1840)
fand dort das Motiv für sein Gemälde „Grabmal
der gefallenen Freiheitskämpfer“. 1840 wurden in
der nahe gelegenen Voigtstieger Marmormühle 20
Säulen aus Hartenberger Marmor für den Bau der Potsdamer
Friedenskirche im Schlosspark Sanssouci hergestellt.
SchlosskopfZum Ziel
Unsere hier beschriebene Wanderung auf
einem der „Wege Deutscher Kaiser und
Könige des Mittelalters“, dem bereits im
10. Jh. erwähnten Trockweg, nähert sich
dem Ende. Ehe wir die Straße von Heimburg
nach Elbingerode überqueren, fällt
rechter Hand noch ein besonders markanter,
übermannshoher Grenzstein auf.
Er markiert einen Punkt, wo sich im 18.
Jh. die Grenzen dreier Herrschaften
berührten und wird deshalb „Drei-Herren-
Stein“ genannt. Für die Grafschaft Wernigerode,
aus deren Gebiet wir kamen,
findet sich das W, das P für Preußen
wurde später hinzugefügt. Die angrenzende
Grafschaft Blankenburg, die
zum Herzogtum Braunschweig gehörte,
ist mit den Buchstaben B gekennzeichnet.
Der Buchstabe E auf der dritten Seite
steht schließlich für das Amt Elbingerode,
seit 1705 zu Hannover gehörig. An der
Straße fällt uns ein dreieckiger Wegestein
auf. Wir müssen von dort zunächst etwa
200 m die unbefestigte Straße Richtung
Eggeröder Brunnen entlanglaufen, ehe
wir auf den links abzweigenden breiten
Forstweg abbiegen. Es geht durch einen
dunklen Fichtenforst bis zu einer großen
Kahlfläche. Dort wo ein kleiner Tümpel
als Laichbiotop angelegt wurde und sich seit neuestem eine
Sitzgruppe befindet, können wir nach Westen blickend einen
alten Laubwald erkennen. Frisch gepflanzte kleine Eichen
säumen die letzte kurze Wegstrecke zu unserem Ziel. Eine
Informationstafel erläutert die Situation der im Jahr 1885 ausgegrabenen
Reste einer in das 9./10. Jh. zu datierenden
massiven Gebäudegruppe. Es handelt sich vermutlich um die
Reste der legendären Königspfalz
Bodfeld. Anhand von in den
Jahren 944 bis 1068 ausgestellten
Urkunden lassen sich für
diese Pfalz 17 Aufenthalte fast
aller zur damaligen Zeit regierenden
Herrscher nachweisen. Bodfeld
selbst fand erstmals im Jahr
935 in einer Urkunde HEINRICHS I.
Erwähnung. Es ist die erste urkundliche
Erwähnung einer Siedlung
im Inneren des Harzes überhaupt!
Da die meisten der 17 in Bodfeld ausgestellten
Urkunden auf Herbstmonate datiert sind, wird angenommen,
dass die hohen Herrschaften Bodfeld als Jagdpfalz nutzten.
Kaiser HEINRICH III. (1017-1056) aus dem Geschlecht der Salier
verstarb hier im Jahr 1056 in Anwesenheit von Papst VICTOR II.
(um 1022-1057). Letzterer war vom Hoftag in Goslar im
September 1056 nicht nach Rom zurückgekehrt, sondern
beim Kaiser geblieben. Ein schlichtes Holzkreuz markiert
heute die Stelle, wo sich dereinst die Kapelle der Burganlage
befand.
Ausgewählte Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel TannenhofBad Harzburg
www.solehotels.de
Tel.: (05322) 96880
Hotel „Am Anger“Wernigerode
www.hotel-am-anger.de
Tel.: (03943) 9232-0
Schaubergwerk BüchenbergElbingerode
www.schaubergwerk-buechenberg.de
Tel.: (039454) 42200
Landhaus „Zu den RothenForellen“ – Ilsenburg
www.rotheforelle.de
Tel.: (039452) 93 93
Seit 2003 ist der Regionalverband Harz Träger des Naturparks Harz/Sachsen-
Anhalt und seit 2005 auch Träger des Naturparks Harz in Niedersachsen. Der
Harz und seine Vorländer sind Teil des Geoparks Harz.Braunschweiger
Land.Ostfalen, der als UNESCO-Geopark international anerkannt wurde
(www.worldgeoparks.eu). Der Übersichtskarte können Sie die Lage des Gebietes
und den Verlauf der bisher in der königsblauen Faltblattserie des
Regionalverbands Harz beschriebenen Teile des Netzes der „Wege Deutscher
Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“ entnehmen. Wir wünschen Ihnen
interessante Erlebnisse und gute Erholung im Natur- und Geopark Harz!
Text und Fotos: Dr. Klaus George

