Im Zeichen des Bären Zwischen Harz und Saaletal

Schloss Bernburg Im Zeichen des Bären
Der Eindruck täuscht nicht: Auf einem
Sandsteinfelsen über der Saale erhebt sich
ein wunderschönes Renaissanceschloss
(unser Titelbild). Erst auf den zweiten Blick
erregt ein mächtiger Bergfried die
Aufmerksamkeit des Betrachters. Der Turm
stammt aus dem 12. Jh. Schon während der
Herrschaftszeit OTTOS I. wurden zur
Sicherung der östlichen Grenze des
entstehenden deutschen Reichs entlang der
Saale eine Kette von Burgen erbaut und
Grenzbezirke (Marken) eingerichtet. Die
eingesetzten Markgrafen, darunter auch die Askanier, hatten
die Grenze militärisch zu sichern. Einer der bedeutendsten
Markgrafen war ADELBERT VON BALLENSTEDT (um 1100-1170).
Bekannter ist dieser als ALBRECHT I. bzw. ALBRECHT DER BÄR. Er
gab sich nicht damit zufrieden die Ostgrenze zu sichern,
sondern trieb die deutsche Ostkolonisation voran (Gründung
der Mark Brandenburg 1157). Der Beiname des Markgrafen
wurde symbolisch in viele Wappen übernommen. So finden
wir den Bären im Wappen von Berlin und natürlich im Wappen
von Anhalt. Übernommen wurde der auf einer Mauerzinne
schreitende Bär auch in das Wappen des heutigen
Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Den letzten wilden Bär in den
anhaltischen Forsten erlegte man jedoch bereits im Jahre
1696. Im Burggraben von Schloss Bernburg ist der König der
Wälder aber auch heute noch leibhaftig zu bewundern. Die
Burg über der Saale war Witwensitz von Gräfin Eilika, der
Mutter des Markgrafen ALBRECHT I. Heute beherbergt das
Schloss Bernburg ein Museum mit Ausstellungen u. a. zu
anhaltischen Mineralien und Münzen, eine besonders
interessante Dauerausstellung
zur Ur- und Frühgeschichte der
Landschaft an der Saale sowie zu
mittelalterlichen Foltermethoden.
Warum die Bernburger den
Bergfried „Eulenspiegelturm“
nennen, lassen Sie sich am besten
bei einem Besuch vor Ort erklären.
Vom Schlossberg haben
wir einen wunderbaren Blick über
die Saale bis hin zum Brocken,
dem höchsten Berg des Harzes.
Weitere Informationen: www.museumschlossbernburg.de

Vom Harz ins untere Saaletal bei Aderstedt Von Naturpark zu Naturpark
Die Entwicklung der Produktreihe „Naturerleben
an der Straße der Romanik“ ist
ursprünglich eine Idee der Pflege- und
Entwicklungskonzeption für den Naturpark
Harz. Dieser Idee liegt die Überlegung zu
Grunde, dass die Gestalt unserer heutigen
Kulturlandschaft nur aus der Kenntnis der
Geschichte ihrer Nutzung verständlich
wird. Zwar ist das Gebiet beiderseits der
unteren Saale eines der ältesten
menschlichen Siedlungsgebiete Mitteleuropas,
doch abgesehen von den jungsteinzeitlichen
Großsteingräbern bei Grimschleben, Gerbitz
oder Latdorf sind uns steinerne Zeugnisse der Siedlungsgeschichte
erst seit dem Mittelalter erhalten geblieben. Zu
den ersten steinernen Gebäuden zählten Sakralbauten. Sie
entstanden im Stil der Romanik zu jener
Zeit, als das fränkische Reich der Karolinger
zerfiel und sich während der Herrschaftszeit
der Ottonen (919-1024)
zwischen Harz und Saale ein politisches
und kulturelles Zentrum Europas befand.
Selten sind die Bauwerke in ihrer ursprünglichen
Form erhalten geblieben, viele
wurden durch Feuer zerstört, danach im
Baustil der Zeit wieder auf- und oft mehrfach
umgebaut. Oft jedoch blieben
wenigstens einzelne Elemente aus der Zeit
der Romanik erhalten, so z. B. an der
Südseite des Schiffs der Kirche St. Paul in
Aderstedt ein wunderbares Sandsteinportal.
Es ist eine kunstvolle Steinmetzarbeit
mit eingestellten Säulchen, die ihren
Abschluss in Kelchblockkapitellen finden,
mit Taustab, Maskenköpfchen und
kräftigen Kämpfern (Würfelfries).
Die Idee, unsere Naturerlebnistour hier beginnen zu lassen,
geht von der die Naturräume des Harzes und des unteren
Saaletals verbindenden Wipper aus. Der kleine Fluss
entspringt am Dankeröder Berg im Naturpark „Harz“, verleiht
der Stadt Wippra ihren Namen, verlässt das Mittelgebirge bei
Vatterode, fließt durch Mansfeld, Hettstedt, Aschersleben
und Güsten, um schließlich zwischen Aderstedt und Bernburg
in die Saale zu münden. Bei Osmarsleben überquert die
Wipper die westliche Grenze des Naturparks „Unteres
Saaletal“. Ob von dort auf dem
Wipper-Saale-Radweg oder von
Aderstedt auf dem Saaleradweg:
den urwaldähnlichen
Auwaldrest zu erleben, ist nicht
nur für Kenner von Vogelstimmen
eine besondere Empfehlung.
Wir können nach
Spuren des Bibers Ausschau
halten oder uns beim Anblick
mächtiger alter Eichen in die
Zeit der Romantiker träumen.
Nach Waldau Weiter in Fließrichtung
Zunächst lässt sie sich nur erahnen: die ursprüngliche
Fließrichtung heute stehender
Gewässer. Der Streng am Ortsrand von Aderstedt,
ein lang gezogener See, ist ebenso ein
Altarm der Saale wie der Tote Saalearm, den
wir nach kurzer Wegstrecke durch den Auwald
des Aderstedter Buschs erreichen.
Altarme entstanden in natürlichen Auenlandschaften
durch Verlagerung des Flussbettes
oder im Zuge der Verbesserung der Schiffbarkeit
durch künstliche Flussbegradigungen.
Nur bei ab und zu wiederkehrenden Hochwasserereignissen
werden die Altarme noch durchströmt. In Fließrichtung
heißt: Wandern oder Radeln in Richtung Bernburg! Am
Ende des Toten Saalearms queren wir die Wipper. Unser Ziel ist
die Kleine Aue, wo uns nahe einer Schutzhütte eine weitere
Brücke auffällt. Diese können wir für einen Abstecher nutzen,
um zur Mündung der Wipper in die Saale zu gelangen.
Besonders im Frühjahr lohnt der Spaziergang.
Dann können wir dem Gesang der
hier häufigen Nachtigall lauschen. Mit
trillerndem Ruf macht auch der Schwarzmilan
auf sich aufmerksam. Er ist, wie der
Rotmilan, Brutvogel im Auwald. Dort wird
es im Winter ruhiger, doch im unbelaubten
Zustand der Bäume können wir Waldbewohner
wie Buntspecht oder Kleiber
einfacher entdecken. Unvermittelt erreichen
wir am Saaleufer ein idyllisch gelegenes
Ausflugslokal. Angrenzend lädt
ein Tierpark zum Besuch ein. „An der
Röße“ heißt eine Straße auf die wir treffen,
wenn wir vom Ausflugslokal Reimann zu
den Parkplätzen gehen und dort die B185
queren. Auch die Röße fließt nur noch bei
starkem Hochwasser. „Große Wasserreihe“,
und schon sind wir an der 1741 erbauten
Waldauer Flutbrücke. Sie überspannt
die Wiesen des Waldauer Angers, ein ehemaliges
Flussbett, in welchem sich heute ein Spielplatz befindet. Es ist
noch nicht so lange her, dass hier die Röße – ein Nebenarm der
Saale – floss. Die Bernburger Talstadt lag bis dahin auf einer
Insel. Unser Ziel ist aber die Kirche des 1871 in Bernburg
eingemeindeten Dorfes Waldau. Wir können sie bereits von der
Flutbrücke aus auf der Höhe des steil ansteigenden Geländes
entdecken. Waldau auf der westlichen Seite der Saale wird bereits
als Standort eines fränkischen Königshofs erwähnt. KARL I.
(„der Große“, 747-814) schickte Ostern 806 seinen Sohn nach
Waldau, wo dieser Heerschau hielt und anschließend einen Feldzug
gegen die östlich der Saale siedelnden Slaven führte. Von
der Königspfalz ist heute nichts mehr zu entdecken. Am Standort
einer bereits 946 erwähnten Missionskirche steht heute die
Kirche St. Stephan, die in ihren ältesten Teilen 1160 entstand.
Sie ist eine der baugeschichtlich bedeutendsten Kirchen aus der
Zeit der Romanik, ein Werksteinbau mit Westturm, dreiachsigem
Schiff, eingezogenem Rechteckchor und halbrunder Apsis. Von
besonderer kunsthistorischer Bedeutung sind die romanischen
Putzritzungen von Schaftkreuzen in der Laibung der Schlupftür
zwischen Turm und Schiff.
Über Neugattersleben nach Nienburg Zur Bode
Großräumig bestimmen nicht die Flüsse das
Landschaftsbild im nordöstlichen Harzvorland,
sondern die fruchtbaren Äcker der
Magdeburger Börde. Natur erleben heißt, sich
auch auf diese baumarme Landschaft einzulassen,
wo nicht nur das Getreide für unser
tägliches Brot wächst, sondern ebenso
Zuckerrüben hervorragend gedeihen. Verkehrsmittel
der Wahl ist das Fahrrad. Ein
kurzes Stück auf dem Radweg an der B71 und
wir erreichen von Waldau aus schnell Strenzfeld.
Der Bernburger Ortsteil liegt wie eine
Insel inmitten der Feldflur. Junge Menschen bestimmen hier das
Bild. Sie studieren an der Fachhochschule Anhalt, die auf dem
Gelände des früheren Flugzeugwerkes der Junkers AG einen ihrer
Standorte hat. Besonders die agrarwissenschaftliche Forschung
und Lehre hat eine lange Tradition.
Prof. HERMANN HELLRIEGEL (1831-1895),
der Entdecker der Knöllchenbakterien
– Luftstickstoffsammler der
Schmetterlingsblütler wie Erbsen,
Bohnen, Wicken oder Klee – gründete
bereits 1882 in Bernburg die Herzoglich
Anhaltische Versuchsstation.
Vom Hochschulgelände aus radeln
wir in nordöstlicher Richtung durch
die Versuchsfelder. Am Ende des
schnurgeraden Weges biegen wir
rechts ab zu unserem nächsten Ziel,
dem 42 ha großen Landschaftspark
Neugattersleben. Er bietet Entspannung
und ist reichlich mit interessanten
Informationstafeln zur Natur ausgestattet.
Ganz im Osten entdecken
wir das dazugehörige Schloss, dessen
Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht.
Wie in Bernburg kündet
ein runder Wehrturm - der „Schiefe
Heinrich“ - von jener Zeit des Mittelalters,
als eine Wasserburg den strategisch
wichtigen Bodeübergang
sicherte. Auf dem Europaradweg R1
folgen wir dem Lauf der Bode und
erreichen nach 4 km Nienburg. Dort
ist die ehemalige Benediktinerkirche
St. Maria und Cyprian Station der
„Straße der Romanik“. Feinste Gotik
ist der erste Eindruck. Wie im Falle
des Bernburger Renaissanceschlosses
erschließt sich auch hier der Bezug
zur Romanik erst bei genauerer
Betrachtung. Die frühgotische
Ostpartie (Bild oben) entstand auf den Fundamenten und unter
Einbeziehung intakter Mauerreste der 1060 geweihten Kirche.
Wie sie ausgesehen haben könnte zeigt ein in der Kirche
ausgestelltes Modell. Dort sind auch Reste eines romanischen
Stuckfußbodens zu besichtigen. Besonders bemerkenswert ist eine sechseckige Monatssäule, die in das späte 13. Jh. datiert
wird. Ihre zwölf Figuren nehmen mit ihren Attributen Bezug auf
die in den einzelnen Monaten zu verrichtenden bäuerlichen
Arbeiten. Klausur und Kreuzgang des Klosters wurden im 17. Jh.
weitgehend abgebrochen und zu einem nördlich an die Kirche
angrenzenden Schloss umgebaut. Dieses wiederum im 19. Jh.
zunächst in eine Reisstärkefabrik, später als Malzfabrik
umgenutzt, verfällt heute.
Klosterkirche Hecklingen Bodeaufwärts
„Bei den Hakelleuten“ könnte die
Bedeutung des Ortsnamens sein, denn dass
sich der Hakel - der Waldmantel - einst bis
in die Gegend von Hecklingen ausgedehnt
hat, bezeugt der Magdeburger Theologe
und Geschichtsschreiber GEORG TORQUATUS in
seiner Topographie des Stifts Halberstadt
von 1574. Schon 400 Jahre zuvor entstand
die Klosterkirche, eine der besterhaltenen
Basiliken am Harz. Das einstmals hier
gelegene Benediktinerkloster ist in der
zweiten Hälfte des 11. Jh. gegründet
worden. Als mit den Urenkeln des Gründers der Mannesstamm
derer VON HAKELINGEN erloschen war, fielen die Güter
und Rechte, darunter auch die Vogtei über
das Kloster an die Askanier. Im Jahre 1461
belehnte dann Fürst BERNHARD VI. VON
ANHALT-BERNBURG (regierend 1420-1468)
CLAUS VON TROTHA mit Hecklingen und
Gänsefurth, und gut 100 Jahre später
erwarb 1571 CHRISTOPH VON TROTHA von
Fürst JOACHIM ERNST VON ANHALT-KÖTHEN
(1536-1586) auch das Klostergut erb und
eigentümlich. Grabtafeln in der
Klosterkirche St. Georg und Pancratius
erinnern an die Trothasche Familie, die
über 458 Jahre die Entwicklung von Hecklingen und
Gänsefurth bestimmte. So gründete Major THILO-LEBRECHT VON
TROTHA († 1904) im Jahr 1875 ein Kalkwerk mit vier Kalkschachtöfen
zur Herstellung von Branntkalk. Dort wo die
Natur Abbauflächen bereits zurückerobert hat, können wir
nun deshalb auf einem Spaziergang in der Umgebung
Hecklingens alljährlich im Frühjahr die Blüten des
Adonisröschens bewundern. Auch die Erschließung einer
Mineralquelle nahe am Schloss Gänsefurth fällt in diese Zeit.
Das bis heute beliebte und geschätzte Mineralwasser „Gänsefurther
Schlossbrunnen“ wurde ab der Weltausstellung 1889
in Paris angeblich sogar an das englische Königshaus
verkauft. Auch durch die stürmische Entwicklung des Staßfurter
und Leopoldshaller Salzbergbaus kam Hecklingen zu
früher Blüte und verfügte bereits 1903 vor den allermeisten
Dörfern Anhalts über Wasserleitung und elektrische
Beleuchtung.
Dorfkirche Schneidlingen Radtour in die Egelner Mulde
Ausgangspunkt unseres nächsten Ausflugs
ist Schneidlingen an der B180. Bei
der Dorfkirche St. Sixti befindet sich ein
kleiner Parkplatz. Hier können wir die
Fahrräder startklar machen. An Tagen mit
schönem Wetter ist ein Uhrenvergleich
möglich, denn an der Kirche, die deutliche
Einflüsse romanischer Architektur erkennen
lässt, befindet sich eine Sonnenuhr.
Wir fahren nun von Egeln auf der Kreisstraße
nach Groß Börnecke. Von dort führt
eine nicht klassifizierte gepflasterte Straße
in nördlicher Richtung durch die Feldflur nach Tarthun. Die
Pflasterstraße lässt sich gut befahren, sind doch in ihrer
Fahrbahn zwei parallele Spuren aus Schlackensteinen verlegt.
Alsbald erreichen wir eine Stallanlage, wo uns ein Grenzstein
auffällt. Nach Süden zeigt er ein „P“ für Preußen, nach Norden
ein „A“ für Anhalt. Tatsächlich überqueren wir hier aber nicht
die frühere Landesgrenze zwischen dem Königreich Preußen
und dem Herzogtum Anhalt, sondern bleiben im ehemals
preußischen Gebiet; der Grenzstein
steht nicht mehr an seinem
ursprünglichen Platz, die Grenze
verlief weiter östlich. Weiter geht es:
Wir queren die langsam dahin
fließende Ehle und erreichen als
Vorposten von Tarthun eine Siedlung,
die hier nahe des Schachtes Brefeld,
einem ehemals königlichen Salzbergwerk
entstand. Richtung Tarthun
müssen wir noch ein kurzes Stück auf
der Kreisstraße nach links, um dann
rechts hinein in das Dorf zu fahren.
An der Kirche entdecken wir einen
liebevoll restaurierten Taubenturm,
doch lange halten wir uns nicht auf, sondern radeln weiter in
Richtung Sportplatz. Wir genießen den Schatten des
Auwaldes und freuen uns auf die Attraktionen am Tourismuszentrum
„Tarthuner Wöhl“ (Bett & Bike), darunter ein
außergewöhnlich vielfältig ausgestatteter Kinderspielplatz
und ein nach alten Vorbildern errichtetes Backhaus. Der Radweg,
den wir nun weiter in Richtung Unseburg befahren ist
Teil des Jacobs-Pilgerweges. Dieser führt von Krakau in Polen
bis ins spanische Santiago de Compostela. Die dortige Kathedrale
aus dem 12. Jh. ist wegen ihres romanischen Doppelportals
weltbekannt! Doch nach Spanien zieht es uns trotz
romanischer Berühmtheit im Moment nicht. Von den Brücken
über den parallel zum Radweg fließenden Mühlgraben tut
sich ein wunderbarer Blick hinüber nach Wolmirsleben auf.
Keine der Brücken müssen wir jedoch überqueren, denn
unser Weg führt mit der Fließrichtung des Mühlgrabens nach
Unseburg. Dort überqueren wir die Bode und halten uns
rechts. Unser nächstes Ziel ist Lust. Der Name des Ortsteils
von Löderburg verspricht mehr als er halten kann, weshalb
wir gleich nach Athensleben weiterfahren. Dort brütet der
Weißstorch und südwestlich des Ortes entdecken wir
zahlreiche Seen, die infolge von Bergsenkungen entstanden
sind. Aufgrund ihrer Salinität leben hier Brandgänse, die wir
sonst als Küstenbewohner von Nord- und Ostsee kennen.
Nach ausgiebiger Rast geht es dann zurück über Groß
Börnecke, dem früheren Preußisch Börnecke, nach
Schneidlingen.
Burgen Freckleben und Aschersleben Ein Stück mit der Eisenbahn
Mit dem HarzElbeExpress HEX, einem
modernen Nahverkehrszug, gelangen wir
in nur zwölf Minuten von Aschersleben
nach Freckleben. Freckleben liegt im Tal
der bereits beschriebenen Wipper und wird
von einer alten Burg überragt. Wegen ihrer
Eigentümlichkeit wollen wir für einen
Moment unsere Aufmerksamkeit der
Dorfkirche schenken. Sie weicht insoweit
von der üblichen Form ab, als sie einstmals
einen Erweiterungsbau in nördlicher
Richtung erhielt. Die Längsachse liegt so
nicht in Ostwest- sondern in Nordsüdrichtung.
Sodann beginnen wir unseren Spaziergang hinauf
zur Burg. Während des Aufstiegs passieren wir einen kleinen
Teich. Ein besonderer Genuss sind die Streuobstwiesen im
hügeligen Gelände am östlichen Hang des Wippertals. Die
Burg selbst ist teilweise restauriert. Der runde Turm gehört
zur ältesten Bauphase der Anlage. Architektonische
Merkmale des heute noch 17 m hohen Turms, wie die
geschlossene Baumasse und die
wenigen einfachen romanischen
Elemente, lassen seine Erbauung
in der ersten Hälfte des 12. Jh. als
Teil einer Kastellanlage vermuten.
Zu jener Zeit war Graf UDO IV. VON
FRECKLEBEN mit Adelheid, einer
Schwester ALBRECHT I., verheiratet.
Dies scheint den Grafen aber
nicht von dem Expansionsdrang
seines Schwagers geschützt zu
haben, denn 1127 eroberte
ALBRECHT DER BÄR eine Schlüsselstellung
der Frecklebener: die
Hildagesburg bei Elbeu, und am
15. März 1130 wurde UDO IV. bei
den Kreuzsteinen am Lindenhof
Aschersleben erschlagen. Kaiser
LOTHAR III. (1075-1137) zog
daraufhin Freckleben als herrenloses
Gut ein. 1166 wurde es
Eigentum des Erzbistums Magdeburg,
die Burg 1196 Reichsburg.
In dieser Zeit entstand der
imposante spätromanische Turm
der Oberburg, ein quadratischer
Bergfried, der in halber Höhe in
ein Achteck übergeht. Ursprünglicher
Zugang in 8,5 m Höhe im
dritten von fünf Geschossen; in den oberen beiden
Stockwerken des Wohnturms wurde 1997 eine technische
Rarität wieder entdeckt: eine so genannte „Drehspindelleiter“.
Die einzelnen Stufen dieser Leiter ragen frei in den
Raum hinein und sind drehbar gelagert. Im Jahr 1497 wurden
die Askanier Lehnsherren über Freckleben. Im 16. Jh.
aufgegeben, dienten die Gebäude bis in die jüngere Vergangenheit
als Domäne einer landwirtschaftlichen Nutzung.
Der 1966 wieder entdeckte Brunnen wurde im Jahr 2000
restauriert. Er ist 27 m tief (Wasserstand: 6,80 m). Zurück geht es wieder mit dem Zug
in die älteste Stadt Sachsen-Anhalts:
Aschersleben fand 753 erstmals
Erwähnung und war Stammsitz der
Askanier. Der Name des Adelsgeschlechts
ist von der alten Stammburg
Ascharien abgeleitet. Auf dem
Wolfsberg finden wir die Reste der
ehemaligen Burg. Vermutlich im
11. Jh. wurde
dort in den
Hauptwall einer älteren Anlage ein
mächtiger Rundturm eingebaut, der in
8 m Höhe erhalten ist und einen Durchmesser
von 15,9 m mit einer Mauerstärke
von 4,5 m aufweist. Heute ist ein
großer Teil des Geländes der Alten
Burg ein ansehnlicher Zoo, der
besonders wegen seines Freigeheges
für sibirische Tiger besuchenswert ist.
In die Turmruine wurde eine Voliere für
Uhus eingebaut. Der Uhu ist unsere
größte heimische Eulenart.
Weitere Informationen: www.tierpark-aschersleben.de
Burg Gatersleben und Klosterkirche Frose Seeland
Den ältesten Kastellbau der Harzregion
finden wir in Gatersleben in der Schmiedestraße.
Versteckt hinter der Rathausvilla,
liegt im Schatten einer Linde der
Brunnen dieser Anlage. Trutzig erhebt
sich noch der alte Wohnturm, dessen
Untergeschoss und die beiden Wohngeschosse
romanischen Ursprungs sind.
Dort, wo schon im Jahre 964 erstmals eine
Rundburg erwähnt wurde, ließ der
Halberstädter Bischof 1179-1183 die
kastellförmige Hauptburg anbauen. Die
Bischöfe hielten in Gatersleben ihre Sommersynoden ab. Die
Gräben der alten Wasserburg sind teilweise noch erhalten.
Wenn im Frühjahr und Sommer die Mönchsgrasmücken
singen, ist der Aufenthalt im Park ein Genuss. Von Gatersleben fahren wir weiter nach
Schadeleben. Dort befindet sich ein ehemaliges Braunkohletagegebiet, dass voraussichtlich bis 2007 geflutet wird. Der See soll eine maximale Ausdehnung von etwa 600 ha erreichen.
Einmalig und für Familien mit Kindern
ein Muss ist der größte Kinderspielplatz
Sachsen-Anhalts. Er liegt östlich des
Sees auf einer früheren Abraumhochschüttung.
Aus dem Holz einer
Baumart, die zu Rekultivierungszwecken
auf den Halden angepflanzt
wurde, sind unzählige überlebensgroße
Figuren geschnitzt. Die Robinienholzeulen
und andere Tiere wachen über
den 10 Hektar großen Spielplatz mit
mehr als 50 Spielattraktionen, darunter
auch ein Labyrinth aus Hainbuchenhecken.
Seeland GmbH
SchadelebenTel: (034741) 91341
www.seeland.de
Ehe wir zurückfahren zur Straße der
Romanik um abschließend der Stiftskirche
Frose einen Besuch abzustatten, wollen wir
noch einiges in der Natur beobachten.
Auch dafür bietet das
Harzer Seeland hervorragende
Voraussetzungen.
So ist etwa der
Königsauer See - ebenfalls
ein früherer Braunkohletagebau
- als ein
nach Naturschutzgesetz
geschützter Landschaftsbestandteil
allein den Pflanzen und Tieren
vorbehalten. Im Böschungsbereich hat sich
so der Sanddorn ausgebreitet. Die nährstoff-
und vitaminreichen Früchte bieten
Zugvögeln und Wintergästen wichtige
Nahrung. So können wir hier im Winter
tausende Wacholderdrosseln antreffen. Die
ungestörte See bietet auch Rückzugsraum
für viele Wasservogelarten. Doch auch der
Concordia See hat eine wichtige Funktion
im Naturhaushalt übernommen. Wenn im
Herbst die Wassersportsaison längst zu
Ende gegangen ist, rasten und schlafen hier
nordische Kraniche und Gänse. Die abendlichen
Einflüge lassen sich besonders schön
vom Aussichtspunkt bei Nachterstedt beobachten.
Nach Frose führt von dort eine gepflasterte
Allee durch die bewaldeten
Abraumhalden.
Ausgewählte Gaststätten
und Übernachtungsmöglichkeiten
und Übernachtungsmöglichkeiten
AcamedResort Neugatterslebenwww.acamedresort.de
Tel.: (34721) 50100
Tarthuner Wöhlwww.tarthunerwoehl.de
Tel.: (039268) 2822
Hotel „Zum Schwan“ - Nachterstedtwww.hotel-schwan-quedlinburg.com
Tel.: (034741) 74470
Text und Fotos: Dr. Klaus George
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke