Im Zeichen des Bären Zwischen Harz und Saaletal
Motiv Motiv
Schloss Bernburg Im Zeichen des Bären
Motiv Der Eindruck täuscht nicht: Auf einem Sandsteinfelsen über der Saale erhebt sich ein wunderschönes Renaissanceschloss (unser Titelbild). Erst auf den zweiten Blick erregt ein mächtiger Bergfried die Aufmerksamkeit des Betrachters. Der Turm stammt aus dem 12. Jh. Schon während der Herrschaftszeit OTTOS I. wurden zur Sicherung der östlichen Grenze des entstehenden deutschen Reichs entlang der Saale eine Kette von Burgen erbaut und Grenzbezirke (Marken) eingerichtet. Die eingesetzten Markgrafen, darunter auch die Askanier, hatten die Grenze militärisch zu sichern. Einer der bedeutendsten Markgrafen war ADELBERT VON BALLENSTEDT (um 1100-1170). Bekannter ist dieser als ALBRECHT I. bzw. ALBRECHT DER BÄR. Er gab sich nicht damit zufrieden die Ostgrenze zu sichern, sondern trieb die deutsche Ostkolonisation voran (Gründung der Mark Brandenburg 1157). Der Beiname des Markgrafen wurde symbolisch in viele Wappen übernommen. So finden wir den Bären im Wappen von Berlin und natürlich im Wappen von Anhalt. Übernommen wurde der auf einer Mauerzinne schreitende Bär auch in das Wappen des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Den letzten wilden Bär in den anhaltischen Forsten erlegte man jedoch bereits im Jahre 1696. Im Burggraben von Schloss Bernburg ist der König der Wälder aber auch heute noch leibhaftig zu bewundern. Die Burg über der Saale war Witwensitz von Gräfin Eilika, der Mutter des Markgrafen ALBRECHT I. Heute beherbergt das Schloss Bernburg ein Museum mit Ausstellungen u. a. zu anhaltischen Mineralien und Münzen, eine besonders interessante Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte der Landschaft an der Saale sowie zu mittelalterlichen Foltermethoden. Warum die Bernburger den Bergfried „Eulenspiegelturm“ nennen, lassen Sie sich am besten bei einem Besuch vor Ort erklären. Vom Schlossberg haben wir einen wunderbaren Blick über die Saale bis hin zum Brocken, dem höchsten Berg des Harzes.

Weitere Informationen: www.museumschlossbernburg.de
Motiv
Vom Harz ins untere Saaletal bei Aderstedt Von Naturpark zu Naturpark
Motiv Die Entwicklung der Produktreihe „Naturerleben an der Straße der Romanik“ ist ursprünglich eine Idee der Pflege- und Entwicklungskonzeption für den Naturpark Harz. Dieser Idee liegt die Überlegung zu Grunde, dass die Gestalt unserer heutigen Kulturlandschaft nur aus der Kenntnis der Geschichte ihrer Nutzung verständlich wird. Zwar ist das Gebiet beiderseits der unteren Saale eines der ältesten menschlichen Siedlungsgebiete Mitteleuropas, doch abgesehen von den jungsteinzeitlichen Großsteingräbern bei Grimschleben, Gerbitz oder Latdorf sind uns steinerne Zeugnisse der Siedlungsgeschichte erst seit dem Mittelalter erhalten geblieben. Zu den ersten steinernen Gebäuden zählten Sakralbauten. Sie entstanden im Stil der Romanik zu jener Zeit, als das fränkische Reich der Karolinger zerfiel und sich während der Herrschaftszeit der Ottonen (919-1024) zwischen Harz und Saale ein politisches und kulturelles Zentrum Europas befand. Selten sind die Bauwerke in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben, viele wurden durch Feuer zerstört, danach im Baustil der Zeit wieder auf- und oft mehrfach umgebaut. Oft jedoch blieben wenigstens einzelne Elemente aus der Zeit der Romanik erhalten, so z. B. an der Südseite des Schiffs der Kirche St. Paul in Aderstedt ein wunderbares Sandsteinportal. Es ist eine kunstvolle Steinmetzarbeit mit eingestellten Säulchen, die ihren Abschluss in Kelchblockkapitellen finden, mit Taustab, Maskenköpfchen und kräftigen Kämpfern (Würfelfries). Die Idee, unsere Naturerlebnistour hier beginnen zu lassen, geht von der die Naturräume des Harzes und des unteren Saaletals verbindenden Wipper aus. Der kleine Fluss entspringt am Dankeröder Berg im Naturpark „Harz“, verleiht der Stadt Wippra ihren Namen, verlässt das Mittelgebirge bei Vatterode, fließt durch Mansfeld, Hettstedt, Aschersleben und Güsten, um schließlich zwischen Aderstedt und Bernburg in die Saale zu münden. Bei Osmarsleben überquert die Wipper die westliche Grenze des Naturparks „Unteres Saaletal“. Ob von dort auf dem Wipper-Saale-Radweg oder von Aderstedt auf dem Saaleradweg: den urwaldähnlichen Auwaldrest zu erleben, ist nicht nur für Kenner von Vogelstimmen eine besondere Empfehlung. Wir können nach Spuren des Bibers Ausschau halten oder uns beim Anblick mächtiger alter Eichen in die Zeit der Romantiker träumen.
Motiv Motiv
Nach Waldau Weiter in Fließrichtung
Motiv Zunächst lässt sie sich nur erahnen: die ursprüngliche Fließrichtung heute stehender Gewässer. Der Streng am Ortsrand von Aderstedt, ein lang gezogener See, ist ebenso ein Altarm der Saale wie der Tote Saalearm, den wir nach kurzer Wegstrecke durch den Auwald des Aderstedter Buschs erreichen. Altarme entstanden in natürlichen Auenlandschaften durch Verlagerung des Flussbettes oder im Zuge der Verbesserung der Schiffbarkeit durch künstliche Flussbegradigungen. Nur bei ab und zu wiederkehrenden Hochwasserereignissen werden die Altarme noch durchströmt. In Fließrichtung heißt: Wandern oder Radeln in Richtung Bernburg! Am Ende des Toten Saalearms queren wir die Wipper. Unser Ziel ist die Kleine Aue, wo uns nahe einer Schutzhütte eine weitere Brücke auffällt. Diese können wir für einen Abstecher nutzen, um zur Mündung der Wipper in die Saale zu gelangen. Besonders im Frühjahr lohnt der Spaziergang. Dann können wir dem Gesang der hier häufigen Nachtigall lauschen. Mit trillerndem Ruf macht auch der Schwarzmilan auf sich aufmerksam. Er ist, wie der Rotmilan, Brutvogel im Auwald. Dort wird es im Winter ruhiger, doch im unbelaubten Zustand der Bäume können wir Waldbewohner wie Buntspecht oder Kleiber einfacher entdecken. Unvermittelt erreichen wir am Saaleufer ein idyllisch gelegenes Ausflugslokal. Angrenzend lädt ein Tierpark zum Besuch ein. „An der Röße“ heißt eine Straße auf die wir treffen, wenn wir vom Ausflugslokal Reimann zu den Parkplätzen gehen und dort die B185 queren. Auch die Röße fließt nur noch bei starkem Hochwasser. „Große Wasserreihe“, und schon sind wir an der 1741 erbauten Waldauer Flutbrücke. Sie überspannt die Wiesen des Waldauer Angers, ein ehemaliges Flussbett, in welchem sich heute ein Spielplatz befindet. Es ist noch nicht so lange her, dass hier die Röße – ein Nebenarm der Saale – floss. Die Bernburger Talstadt lag bis dahin auf einer Insel. Unser Ziel ist aber die Kirche des 1871 in Bernburg eingemeindeten Dorfes Waldau. Wir können sie bereits von der Flutbrücke aus auf der Höhe des steil ansteigenden Geländes entdecken. Waldau auf der westlichen Seite der Saale wird bereits als Standort eines fränkischen Königshofs erwähnt. KARL I. („der Große“, 747-814) schickte Ostern 806 seinen Sohn nach Waldau, wo dieser Heerschau hielt und anschließend einen Feldzug gegen die östlich der Saale siedelnden Slaven führte. Von der Königspfalz ist heute nichts mehr zu entdecken. Am Standort einer bereits 946 erwähnten Missionskirche steht heute die Kirche St. Stephan, die in ihren ältesten Teilen 1160 entstand. Sie ist eine der baugeschichtlich bedeutendsten Kirchen aus der Zeit der Romanik, ein Werksteinbau mit Westturm, dreiachsigem Schiff, eingezogenem Rechteckchor und halbrunder Apsis. Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung sind die romanischen Putzritzungen von Schaftkreuzen in der Laibung der Schlupftür zwischen Turm und Schiff.
Motiv Motiv
Über Neugattersleben nach Nienburg Zur Bode
Motiv Großräumig bestimmen nicht die Flüsse das Landschaftsbild im nordöstlichen Harzvorland, sondern die fruchtbaren Äcker der Magdeburger Börde. Natur erleben heißt, sich auch auf diese baumarme Landschaft einzulassen, wo nicht nur das Getreide für unser tägliches Brot wächst, sondern ebenso Zuckerrüben hervorragend gedeihen. Verkehrsmittel der Wahl ist das Fahrrad. Ein kurzes Stück auf dem Radweg an der B71 und wir erreichen von Waldau aus schnell Strenzfeld. Der Bernburger Ortsteil liegt wie eine Insel inmitten der Feldflur. Junge Menschen bestimmen hier das Bild. Sie studieren an der Fachhochschule Anhalt, die auf dem Gelände des früheren Flugzeugwerkes der Junkers AG einen ihrer Standorte hat. Besonders die agrarwissenschaftliche Forschung und Lehre hat eine lange Tradition. Prof. HERMANN HELLRIEGEL (1831-1895), der Entdecker der Knöllchenbakterien – Luftstickstoffsammler der Schmetterlingsblütler wie Erbsen, Bohnen, Wicken oder Klee – gründete bereits 1882 in Bernburg die Herzoglich Anhaltische Versuchsstation. Vom Hochschulgelände aus radeln wir in nordöstlicher Richtung durch die Versuchsfelder. Am Ende des schnurgeraden Weges biegen wir rechts ab zu unserem nächsten Ziel, dem 42 ha großen Landschaftspark Neugattersleben. Er bietet Entspannung und ist reichlich mit interessanten Informationstafeln zur Natur ausgestattet. Ganz im Osten entdecken wir das dazugehörige Schloss, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Wie in Bernburg kündet ein runder Wehrturm - der „Schiefe Heinrich“ - von jener Zeit des Mittelalters, als eine Wasserburg den strategisch wichtigen Bodeübergang sicherte. Auf dem Europaradweg R1 folgen wir dem Lauf der Bode und erreichen nach 4 km Nienburg. Dort ist die ehemalige Benediktinerkirche St. Maria und Cyprian Station der „Straße der Romanik“. Feinste Gotik ist der erste Eindruck. Wie im Falle des Bernburger Renaissanceschlosses erschließt sich auch hier der Bezug zur Romanik erst bei genauerer Betrachtung. Die frühgotische Ostpartie (Bild oben) entstand auf den Fundamenten und unter Einbeziehung intakter Mauerreste der 1060 geweihten Kirche. Wie sie ausgesehen haben könnte zeigt ein in der Kirche ausgestelltes Modell. Dort sind auch Reste eines romanischen Stuckfußbodens zu besichtigen. Besonders bemerkenswert ist eine sechseckige Monatssäule, die in das späte 13. Jh. datiert wird. Ihre zwölf Figuren nehmen mit ihren Attributen Bezug auf die in den einzelnen Monaten zu verrichtenden bäuerlichen Arbeiten. Klausur und Kreuzgang des Klosters wurden im 17. Jh. weitgehend abgebrochen und zu einem nördlich an die Kirche angrenzenden Schloss umgebaut. Dieses wiederum im 19. Jh. zunächst in eine Reisstärkefabrik, später als Malzfabrik umgenutzt, verfällt heute.
Motiv Motiv
Motiv
Klosterkirche Hecklingen Bodeaufwärts
Motiv „Bei den Hakelleuten“ könnte die Bedeutung des Ortsnamens sein, denn dass sich der Hakel - der Waldmantel - einst bis in die Gegend von Hecklingen ausgedehnt hat, bezeugt der Magdeburger Theologe und Geschichtsschreiber GEORG TORQUATUS in seiner Topographie des Stifts Halberstadt von 1574. Schon 400 Jahre zuvor entstand die Klosterkirche, eine der besterhaltenen Basiliken am Harz. Das einstmals hier gelegene Benediktinerkloster ist in der zweiten Hälfte des 11. Jh. gegründet worden. Als mit den Urenkeln des Gründers der Mannesstamm derer VON HAKELINGEN erloschen war, fielen die Güter und Rechte, darunter auch die Vogtei über das Kloster an die Askanier. Im Jahre 1461 belehnte dann Fürst BERNHARD VI. VON ANHALT-BERNBURG (regierend 1420-1468) CLAUS VON TROTHA mit Hecklingen und Gänsefurth, und gut 100 Jahre später erwarb 1571 CHRISTOPH VON TROTHA von Fürst JOACHIM ERNST VON ANHALT-KÖTHEN (1536-1586) auch das Klostergut erb und eigentümlich. Grabtafeln in der Klosterkirche St. Georg und Pancratius erinnern an die Trothasche Familie, die über 458 Jahre die Entwicklung von Hecklingen und Gänsefurth bestimmte. So gründete Major THILO-LEBRECHT VON TROTHA († 1904) im Jahr 1875 ein Kalkwerk mit vier Kalkschachtöfen zur Herstellung von Branntkalk. Dort wo die Natur Abbauflächen bereits zurückerobert hat, können wir nun deshalb auf einem Spaziergang in der Umgebung Hecklingens alljährlich im Frühjahr die Blüten des Adonisröschens bewundern. Auch die Erschließung einer Mineralquelle nahe am Schloss Gänsefurth fällt in diese Zeit. Das bis heute beliebte und geschätzte Mineralwasser „Gänsefurther Schlossbrunnen“ wurde ab der Weltausstellung 1889 in Paris angeblich sogar an das englische Königshaus verkauft. Auch durch die stürmische Entwicklung des Staßfurter und Leopoldshaller Salzbergbaus kam Hecklingen zu früher Blüte und verfügte bereits 1903 vor den allermeisten Dörfern Anhalts über Wasserleitung und elektrische Beleuchtung.
Motiv
Dorfkirche Schneidlingen Radtour in die Egelner Mulde
Motiv Ausgangspunkt unseres nächsten Ausflugs ist Schneidlingen an der B180. Bei der Dorfkirche St. Sixti befindet sich ein kleiner Parkplatz. Hier können wir die Fahrräder startklar machen. An Tagen mit schönem Wetter ist ein Uhrenvergleich möglich, denn an der Kirche, die deutliche Einflüsse romanischer Architektur erkennen lässt, befindet sich eine Sonnenuhr. Wir fahren nun von Egeln auf der Kreisstraße nach Groß Börnecke. Von dort führt eine nicht klassifizierte gepflasterte Straße in nördlicher Richtung durch die Feldflur nach Tarthun. Die Pflasterstraße lässt sich gut befahren, sind doch in ihrer Fahrbahn zwei parallele Spuren aus Schlackensteinen verlegt. Alsbald erreichen wir eine Stallanlage, wo uns ein Grenzstein auffällt. Nach Süden zeigt er ein „P“ für Preußen, nach Norden ein „A“ für Anhalt. Tatsächlich überqueren wir hier aber nicht die frühere Landesgrenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Anhalt, sondern bleiben im ehemals preußischen Gebiet; der Grenzstein steht nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz, die Grenze verlief weiter östlich. Weiter geht es: Wir queren die langsam dahin fließende Ehle und erreichen als Vorposten von Tarthun eine Siedlung, die hier nahe des Schachtes Brefeld, einem ehemals königlichen Salzbergwerk entstand. Richtung Tarthun müssen wir noch ein kurzes Stück auf der Kreisstraße nach links, um dann rechts hinein in das Dorf zu fahren. An der Kirche entdecken wir einen liebevoll restaurierten Taubenturm, doch lange halten wir uns nicht auf, sondern radeln weiter in Richtung Sportplatz. Wir genießen den Schatten des Auwaldes und freuen uns auf die Attraktionen am Tourismuszentrum „Tarthuner Wöhl“ (Bett & Bike), darunter ein außergewöhnlich vielfältig ausgestatteter Kinderspielplatz und ein nach alten Vorbildern errichtetes Backhaus. Der Radweg, den wir nun weiter in Richtung Unseburg befahren ist Teil des Jacobs-Pilgerweges. Dieser führt von Krakau in Polen bis ins spanische Santiago de Compostela. Die dortige Kathedrale aus dem 12. Jh. ist wegen ihres romanischen Doppelportals weltbekannt! Doch nach Spanien zieht es uns trotz romanischer Berühmtheit im Moment nicht. Von den Brücken über den parallel zum Radweg fließenden Mühlgraben tut sich ein wunderbarer Blick hinüber nach Wolmirsleben auf. Keine der Brücken müssen wir jedoch überqueren, denn unser Weg führt mit der Fließrichtung des Mühlgrabens nach Unseburg. Dort überqueren wir die Bode und halten uns rechts. Unser nächstes Ziel ist Lust. Der Name des Ortsteils von Löderburg verspricht mehr als er halten kann, weshalb wir gleich nach Athensleben weiterfahren. Dort brütet der Weißstorch und südwestlich des Ortes entdecken wir zahlreiche Seen, die infolge von Bergsenkungen entstanden sind. Aufgrund ihrer Salinität leben hier Brandgänse, die wir sonst als Küstenbewohner von Nord- und Ostsee kennen. Nach ausgiebiger Rast geht es dann zurück über Groß Börnecke, dem früheren Preußisch Börnecke, nach Schneidlingen.
Motiv
Burgen Freckleben und Aschersleben Ein Stück mit der Eisenbahn
Motiv Mit dem HarzElbeExpress HEX, einem modernen Nahverkehrszug, gelangen wir in nur zwölf Minuten von Aschersleben nach Freckleben. Freckleben liegt im Tal der bereits beschriebenen Wipper und wird von einer alten Burg überragt. Wegen ihrer Eigentümlichkeit wollen wir für einen Moment unsere Aufmerksamkeit der Dorfkirche schenken. Sie weicht insoweit von der üblichen Form ab, als sie einstmals einen Erweiterungsbau in nördlicher Richtung erhielt. Die Längsachse liegt so nicht in Ostwest- sondern in Nordsüdrichtung. Sodann beginnen wir unseren Spaziergang hinauf zur Burg. Während des Aufstiegs passieren wir einen kleinen Teich. Ein besonderer Genuss sind die Streuobstwiesen im hügeligen Gelände am östlichen Hang des Wippertals. Die Burg selbst ist teilweise restauriert. Der runde Turm gehört zur ältesten Bauphase der Anlage. Architektonische Merkmale des heute noch 17 m hohen Turms, wie die geschlossene Baumasse und die wenigen einfachen romanischen Elemente, lassen seine Erbauung in der ersten Hälfte des 12. Jh. als Teil einer Kastellanlage vermuten. Zu jener Zeit war Graf UDO IV. VON FRECKLEBEN mit Adelheid, einer Schwester ALBRECHT I., verheiratet. Dies scheint den Grafen aber nicht von dem Expansionsdrang seines Schwagers geschützt zu haben, denn 1127 eroberte ALBRECHT DER BÄR eine Schlüsselstellung der Frecklebener: die Hildagesburg bei Elbeu, und am 15. März 1130 wurde UDO IV. bei den Kreuzsteinen am Lindenhof Aschersleben erschlagen. Kaiser LOTHAR III. (1075-1137) zog daraufhin Freckleben als herrenloses Gut ein. 1166 wurde es Eigentum des Erzbistums Magdeburg, die Burg 1196 Reichsburg. In dieser Zeit entstand der imposante spätromanische Turm der Oberburg, ein quadratischer Bergfried, der in halber Höhe in ein Achteck übergeht. Ursprünglicher Zugang in 8,5 m Höhe im dritten von fünf Geschossen; in den oberen beiden Stockwerken des Wohnturms wurde 1997 eine technische Rarität wieder entdeckt: eine so genannte „Drehspindelleiter“. Die einzelnen Stufen dieser Leiter ragen frei in den Raum hinein und sind drehbar gelagert. Im Jahr 1497 wurden die Askanier Lehnsherren über Freckleben. Im 16. Jh. aufgegeben, dienten die Gebäude bis in die jüngere Vergangenheit als Domäne einer landwirtschaftlichen Nutzung. Der 1966 wieder entdeckte Brunnen wurde im Jahr 2000 restauriert. Er ist 27 m tief (Wasserstand: 6,80 m). Zurück geht es wieder mit dem Zug in die älteste Stadt Sachsen-Anhalts: Aschersleben fand 753 erstmals Erwähnung und war Stammsitz der Askanier. Der Name des Adelsgeschlechts ist von der alten Stammburg Ascharien abgeleitet. Auf dem Wolfsberg finden wir die Reste der ehemaligen Burg. Vermutlich im 11. Jh. wurde dort in den Hauptwall einer älteren Anlage ein mächtiger Rundturm eingebaut, der in 8 m Höhe erhalten ist und einen Durchmesser von 15,9 m mit einer Mauerstärke von 4,5 m aufweist. Heute ist ein großer Teil des Geländes der Alten Burg ein ansehnlicher Zoo, der besonders wegen seines Freigeheges für sibirische Tiger besuchenswert ist. In die Turmruine wurde eine Voliere für Uhus eingebaut. Der Uhu ist unsere größte heimische Eulenart.

Weitere Informationen: www.tierpark-aschersleben.de
Motiv Motiv
Motiv Motiv
Burg Gatersleben und Klosterkirche Frose Seeland
Motiv Den ältesten Kastellbau der Harzregion finden wir in Gatersleben in der Schmiedestraße. Versteckt hinter der Rathausvilla, liegt im Schatten einer Linde der Brunnen dieser Anlage. Trutzig erhebt sich noch der alte Wohnturm, dessen Untergeschoss und die beiden Wohngeschosse romanischen Ursprungs sind. Dort, wo schon im Jahre 964 erstmals eine Rundburg erwähnt wurde, ließ der Halberstädter Bischof 1179-1183 die kastellförmige Hauptburg anbauen. Die Bischöfe hielten in Gatersleben ihre Sommersynoden ab. Die Gräben der alten Wasserburg sind teilweise noch erhalten. Wenn im Frühjahr und Sommer die Mönchsgrasmücken singen, ist der Aufenthalt im Park ein Genuss. Von Gatersleben fahren wir weiter nach Schadeleben. Dort befindet sich ein ehemaliges Braunkohletagegebiet, dass voraussichtlich bis 2007 geflutet wird. Der See soll eine maximale Ausdehnung von etwa 600 ha erreichen. Einmalig und für Familien mit Kindern ein Muss ist der größte Kinderspielplatz Sachsen-Anhalts. Er liegt östlich des Sees auf einer früheren Abraumhochschüttung. Aus dem Holz einer Baumart, die zu Rekultivierungszwecken auf den Halden angepflanzt wurde, sind unzählige überlebensgroße Figuren geschnitzt. Die Robinienholzeulen und andere Tiere wachen über den 10 Hektar großen Spielplatz mit mehr als 50 Spielattraktionen, darunter auch ein Labyrinth aus Hainbuchenhecken.
Motiv Motiv
Motiv Seeland GmbH Schadeleben
Tel: (034741) 91341
www.seeland.de
Motiv Ehe wir zurückfahren zur Straße der Romanik um abschließend der Stiftskirche Frose einen Besuch abzustatten, wollen wir noch einiges in der Natur beobachten. Auch dafür bietet das Harzer Seeland hervorragende Voraussetzungen. So ist etwa der Königsauer See - ebenfalls ein früherer Braunkohletagebau - als ein nach Naturschutzgesetz geschützter Landschaftsbestandteil allein den Pflanzen und Tieren vorbehalten. Im Böschungsbereich hat sich so der Sanddorn ausgebreitet. Die nährstoff- und vitaminreichen Früchte bieten Zugvögeln und Wintergästen wichtige Nahrung. So können wir hier im Winter tausende Wacholderdrosseln antreffen. Die ungestörte See bietet auch Rückzugsraum für viele Wasservogelarten. Doch auch der Concordia See hat eine wichtige Funktion im Naturhaushalt übernommen. Wenn im Herbst die Wassersportsaison längst zu Ende gegangen ist, rasten und schlafen hier nordische Kraniche und Gänse. Die abendlichen Einflüge lassen sich besonders schön vom Aussichtspunkt bei Nachterstedt beobachten. Nach Frose führt von dort eine gepflasterte Allee durch die bewaldeten Abraumhalden.
Motiv Motiv
Ausgewählte Gaststätten
und Übernachtungsmöglichkeiten
MotivAcamedResort Neugattersleben
www.acamedresort.de
Tel.: (34721) 50100
MotivTarthuner Wöhl
www.tarthunerwoehl.de
Tel.: (039268) 2822
MotivHotel „Zum Schwan“ - Nachterstedt
www.hotel-schwan-quedlinburg.com
Tel.: (034741) 74470
Motiv
Text und Fotos: Dr. Klaus George
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke