Landmarke 9
Bodetal - Teufelsmauer
Bodetal - Teufelsmauer
Harzgrundgebirge Sagenhafte Roßtrappe bei Thale ( 1 )
In der Nähe des Bahnhofs
Thale gibt es an allen Tagen
ausreichend Parkplätze. Von
dort gelangen wir innerhalb
weniger Minuten zur Talstation
des Sesselliftes – der
bequemste Weg hinauf zur
Roßtrappe (N51o44.131’,
E011o 01. 071’). Wer das
Wandern liebt, dem sei
jedoch die Route Präsidenten
weg – Eselsteig – Roßtrappe
empfohlen. Der
Präsidentenweg beginnt im
Bodetal, ein kurzes Stück
hinter der Talstation der Seilbahn.
Nachdem man im Verlauf
des Aufstiegs die Trasse des
Sesselliftes gequert hat, sind
es nur noch wenige Windungen
des Serpentinenwegs
bis zu den 32 Treppenstufen,
die hinauf auf den Granitfelsen
der Bülowhöhe führen.
Von der Bülowhöhe
bzw. vom Aussichtspunkt
am Berghotel Roßtrappe eröffnet sich an schönen Tagen ein
wunderbarer Ausblick in das Harzvorland.
Das eigentliche Ziel ist die Roßtrappe selbst, erreichbar
vom Berghotel aus auf einem gut ausgeschilderten
Wanderweg.
Eine aus dem Reich der Riesen
stammende Sage erzählt von
der Königstochter Brunhilde,
die von Bodo, einem böhmischen
Prinzen, verfolgt wurde.
Durch einen kühnen Sprung
ihres Rosses vom Hexentanzplatz
über das Bodetal
konnte sie sich retten. Das
Pferd Bodos schaffte es nicht.
Beide stürzten in die Tiefe, wo
Bodo – verwandelt in einen
schwarzen Hund – im Bodekessel
die Krone bewacht, die Brunhilde bei ihrem Sprung
verlor. Der Fluss soll nach ihm benannt sein. Ein Huf des
Pferdes schlug so tief in den Fels ein, dass der Abdruck
heute noch zu sehen ist.
Der Roßtrappenfelsen besteht überwiegend aus Granit.
Dieser wird von verschieden starken Quarzadern durchzogen,
was an mehreren Stellen gut erkennbar ist.
Nach dem Besuch der Roßtrappe lohnt immer ein Abstieg in
das Bodetal entlang der Serpentinen der „Schurre“. Die
„Schurre“ führt durch Geröllhalden des verwitterten Felsgesteins.
Im Tal lädt das Gasthaus „Königsruhe“ zur Rast
ein. Geologische Führungen werden von der Thale-Information vermittelt (email: info@thale.de).Geo?logisch, das etwas andere Naturerlebniskonzept, verknüpft Entdeckungen vor Ort mit verständlicher Wissenschaft. Kontakt: Martin Danielzik, (0 39 47) 77 94 99 5 oder (0171) 28 68 360
Thale-Informationin der Rathausstraße 1
Tel.: (03947) 2597
www.thale.de
Kultplatz, Refugium und Bergtheater Hexentanzplatz Thale ( 2 )
Wir erreichen den Hexentanzplatz
mit einer Kabinenbahn von der
Talstation im Bodetal. Natürlich
kann man den Berg auch erwandern
oder mit dem Auto erreichen
(Parkleitsystem). Am Austritt der
Bode aus dem Harz erhebt sich der
451 m hohe Hexentanzplatz. Auch
hier dominiert der Ramberggranit.
„Feldspat, Quarz und Glimmer –
das vergess ich nimmer!“ Wer sich
diesen Spruch einprägt, der weiß immer, welche drei Minerale
hier gesteinsbildend waren.
Hexentanzplatz und Roßtrappe waren bedeutende altheidnische
Kultstätten. Der zeitweise Aufenthalt von Menschen
kann anhand von Bodenfunden bis in die Jungsteinzeit dokumentiert
werden. Um 750 v.Chr. wurde von den Sachsen eine
Wallanlage errichtet. Reste des Sachsenwalls sind auf dem
Weg vom Parkplatz zum Bergtheater noch heute erkennbar.
In Anlehnung an die Geschichten um den Hexentanzplatz
baute der Berliner Architekt BERNHARD SEHRING hier die
Walpurgishalle. Das Blockhaus im altgermanischen Stil wurde
1901 fertiggestellt. Im Innern befinden sich fünf Bilder des
Malers HERMANN HENDRICH, die Goethes Walpurgisnachtsszene
aus dem „Faust“ illustrieren. Außerdem kann ein Opferstein
mit germanischen Schriftzeichen besichtigt werden, der während
der Bauarbeiten an der Walpurgishalle gefunden
wurde.
Der Tierpark auf dem Hexentanzplatz ist ein beliebtes
Ausflugsziel und berühmt als Refugium heimischer bzw.
ehemals im Harz heimischer Arten.
Eine ganz besondere Attraktion ist das Harzer Bergtheater,
welches in eine nach Nordosten geöffnete Schlucht eingebettet
ist. Der Theatergründer Dr. ERNST WACHLER ließ das Theater
1903 nach dem Vorbild griechischer Amphitheater bauen.
Wenn Sie eine Vorstellung besuchen wollen, sollten Sie rechtzeitig
im Theater sein, um zunächst den fantastischen Blick
auf das Harzvorland zu genießen und anschließend der
Handlung folgen zu können.
www.tierpark-thale.de
Fahrtzeiten Kabinenbahn & Sessellift:
Ostern bis Okt. 9.30 - 18.00 Uhr*
Nov. bis Jan. 10.00 - 16.30 Uhr*
Feb. bis Ostern 10.00 - 16.30 Uhr*
* z. T. nur an den Wochenenden
Industriegeschichte Hüttenmuseum Thale ( 3 )
Zwischen Bahnhof Thale und Talstation
der Seilbahn liegt das 1986 gegründete
Hüttenmuseum. Das Museum
zeigt die über 300-jährige Entwicklung
der Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung am Standort Thale. Wer
kennt sie nicht - die Emailletöpfe aus
Thale? 1835 wurde vom damaligen
Werks besitzer JOHANN CARL BENNIGHAUS
das erste Blechgeschirremaillierwerk
Europas gebaut. In Thale wurde 1910
ein Zehntel des Weltbedarfs an
Emailgeschirr produziert!
Eine Besonderheit ist eine Tandem-Walzenzugdampfmaschine,
die von 1912 bis zur Stilllegung des Blockwalzenwerkes 1990
arbeitete. Über eine Kammwalze trieb die Dampfmaschine die
Blockstraße mit drei Walzengerüsten an. Seit 2009 kann die
restaurierte und mit Motorkraft reaktivierte Dampfmaschine
von April bis Oktober nach Voranmeldung besichtigt werden.Führungen und museumspädagogische Angebote auf Anfrage:
Tel.: (0 39 47) 7 22 56
Öffnungszeiten: Mai bis Okt.: Di. - Fr. 9.00-17.00 Uhr Sa./So. 10.00-18.00 Uhr
Nov bis Apr.: Di. - So. 9.00-17.00 Uhr
www.huettenmuseum-thale.de
Klamm und Hornfels Durch das Bodetal nach Treseburg
Das zwischen Thale und Treseburg
gelegene wildromantische Bodetal ist
das bedeutendste Felsental nördlich
der Alpen. Es inspirierte viele deutsche
Dichter, unter ihnen HEINE,
FONTANE, GOETHE und KLOPSTOCK, zur
literarischen Verarbeitung. Ohne den
von der Stadt Thale herausgegebenen
„Führer durch das Bodetal“ sollte man
nicht zu dieser Wanderung aufbrechen.
Hier sind Informationen zur
Geologie, Geschichte, Flora und Fauna
sowie Sagen übersichtlich zusammengefasst.
Beispiel haft für die beeindruckende Geologie sind
zum Einen die mit fast 90 Grad steilen Felswänden einzige
Klamm im Harz (flussaufwärts vom Gasthaus „Königsruhe“)
und zum Anderen weiter talaufwärts von der Teufelsbrücke,
die sichtbare Kontaktgrenze von Granit und Hornfels (ein
durch heiße Magmen kontaktmetamorph veränderter
ursprünglicher Tonschiefer).
Von Treseburg ist ein Spaziergang zum Aussichtspunkt
„Wilhelmsblick“ (N51o43.391’; E010o58.017’) zu empfehlen,
den man von der Straße Richtung Thale bzw. Wienrode aus
durch einen in den Felsen gehauenen Stollen erreicht. Entlang
der Straße treten in schiefriger Matrix sehr große Gesteinsbrocken
auf. Diese untermeerischen Rutschmassen (Olisthostrome)
entstanden zu Beginn der Gebirgsbildung. Ihre Entdeckung
hat die Geologie des Harzes wesentlich bereichert.
Grenzen Inlandeis und Preußischer Saalstein ( 5 )
Zwei Eiszeiten erreichten
den Nordharzrand:
die Elster-Eiszeit und
die Saale-Eiszeit. Vor
ungefähr 480.000 Jahren, während der Elster-
Eiszeit, gelangte die
Gletscherfront erstmalig
an den Harz. Im
Osten wurde der Harz
bis zur Höhe Friedrichsbrunn
vom Eis überfahren.
Eiszeit-Denksteine
an der Hauptstraße in
Friedrichsbrunn und
am Lühner Torplatz in
Blankenburg markieren
die Südgrenze der
Inlandvereisung. Der
Eiszeit-Denkstein zeigt
nicht nur die Grenze
der Inlandvereisung,
sondern auch eine
Grenze aus der jüngeren
Geschichte Deutschlands:
die Staatsgrenze der bis 1990 existierenden DDR.
Eine andere Grenze, die des Herzogtums Anhalt und des
Königreichs Preußen, markiert der Preußische Saalstein
(N51o43.006’; E011o06.081’). Er befindet sich auf der linken
Seite des Kalten Tales zwischen Friedrichsbrunn und
Bad Suderode. Wie der gegenüberliegende Anhaltische
Saalstein (siehe Faltblatt zu Landmarke 15) ist der Preußische
Saalstein eine imposante Felsklippe mit Blockschutthalde
im Zweiglimmergranit des Ramberg-Plutons.
Friedrichsbrunn ist Ausgangs- und Endpunkt des als Rundweg
angelegten 8,5 km langen Köhlerhüttenweges. Dieser
führt an Zeugnissen des Köhlerhandwerkes, der Forstwirtschaft
und des Altbergbaus (Pingen, Schachtlöcher)
vorbei. Die Wegführung ist mit dem Symbol der Köhlerhütte
markiert.
Auch die ehemalige Grenze zwischen dem Königreich
Preußen und dem Herzogtum Braunschweig, die im Rahmen
der ersten preußischen Landvermessung 1844 vermessen
und markiert wurde, verläuft von Nord nach Süd durch die
Landmarke 9.
Aufrichtungszone Großvater und Hamburger Wappen bei Blankenburg
Zwischen dem Großvater bei
Blankenburg, dem am weitesten
westlich gelegenen Felsen
der Teufelsmauer, und
Timmenrode liegt eines der
abenteuerlichsten Wandergebiete
der Region. Ein
anspruchsvoller Weg mit vielen
kleinen Kletterstrecken
verläuft auf oder entlang der
Felsen der Teufelsmauer, die
hier meist im Wald versteckt
sind. Immer wieder sind sie
aber hoch genug, um reizvolle
Blicke auf den Harzrand
oder das nördliche Harzvorland freizugeben. Parallel
dazu, am Südhang des etwa 5 km langen Höhenzugs,
kann man auch einen von Hindernissen freien Weg benutzen.
Der Wald ist sehr vielfältig: alte Rotbuchen, Traubeneichen
und Kiefern sowie
angrenzende Streuobstwiesen
bilden hier den
Lebensraum sieben verschiedener
Spechtarten, vom
Schwarzspecht bis zum Wendehals.
Kinder würden es in diesem
Gebiet sicher über den
Zeitraum eines zweiwöchigen
Urlaubs aushalten, denn
Halbhöhlen und andere
Verstecke in den Felsen
garantieren abenteuerliche
Erlebnisse. Die Silhouette
der Felsformation nahe
Timmenrode erinnert an die
Türme im Wappen der
Hansestadt Hamburg. Wegen
dieser Ähnlichkeit tragen
die Felsen auch den
Namen „Hamburger Wappen“
(N51o46.609’;E011o00.108’).
Die anstehenden Gesteine gehören zur Heidelberg-
Formation, die hier am Harzrand große Gerölle aus älteren
Gesteinen enthält. Sie sind Zeichen des frühen Aufstiegs
des Harzes und der Erosion von Buntsandstein und
Muschelkalk.
Beliebte Ausgangspunkte für Wanderungen in das Gebiet
sind das Hotel „Helsunger Krug“ (von der B 6 zwischen
Blankenburg und Westerhausen in Richtung Timmenrode
abfahren) oder die Ausflugsgaststätte am Großvater. Vom
Bahnhof Blankenburg führt ein 3 km weiter Wanderweg in
das Gebiet.
Tourist- und Kulturinformation
Blankenburg (Harz) Tel.: (03944) 2898
www.blankenburg.de
Eines der ältesten Naturschutzgebiete Teufelsmauer bei Weddersleben ( 8 )
Rundwanderungen können am
Parkplatz (N51o45.388’; E011o
05.484’) an der Friedensbrücke
zwischen Weddersleben und
Neinstedt begonnen werden.
Die imposante Teufelsmauer ist
keine vom Menschen erbaute
Mauer und auch des Teufels
Hand war nicht im Spiel. Der
Sage nach wollten Gott und der
Teufel die Erde unter sich aufteilen.
Dazu hatten sie vereinbart,
dass alles Land, welches
der Teufel in einer einzigen
Nacht bis zum ersten Hahnenschrei
mit einer Mauer umbaut,
ihm gehöre. Der Teufel machte
sich fleißig ans Werk und war
fast fertig. Eine Frau, die noch
vor dem Morgengrauen aufgebrochen
war, um ihren Hahn auf
dem Markt zu verkaufen, stolperte,
der Hahn erschrak und
fing zu krähen an. Pech für den
Teufel - seine Bauzeit war um. Aus Wut darüber riss er die
Mauer teilweise wieder ein, was deren heutige Gestalt erklären
soll.
Doch die Teufelsmauer entstand durch Gesteinsbewegungen,
die während des Harzaufstieges zur Steilstellung der mächtigen
Bänke des Heidelbergsandsteins führten. Vor ca. 80 Mio.
Jahren wurde das Harzgrundgebirge herausgehoben und nach
Norden aufgeschoben. Die als Schichtrippe erscheinende Teufelsmauer
besteht aus silifiziertem Sandstein.
Erste menschliche Besiedelungen gab es in der Altsteinzeit.
Die um die ganze Teufelsmauer herum verstreut liegenden
Felstrümmer wurden bis in das 19. Jh. hinein für verschiedene
Bauzwecke abgebaut. Danach begann man auch direkt aus der
Mauer heraus Steine zu brechen. Die Gefahr, dass die Mauer
vollständig verschwand, war abzusehen. Aus diesem Grund
erließ der Königlich
Preußische Landrat
WEYHE bereits im Jahr
1833 ein Verbot, dort
Steine und Sand abzubauen
da:
„es nicht geduldet
werden kann, dass die
Teufelsmauer, welche
der ganzen Gegend
zur Zierde gereicht,
durch Abbrechen der
Steine von derselben
zerstört werde“.
Geologischer Wanderweg Blankenburg ( 9 )
Am Kloster Michaelstein bei Blankenburg
beginnt ein knapp 5 km langer
geologischer Rundwanderweg. Zahlreiche
Aufschlüsse am Weg ermöglichen
einen einzigartigen Einblick in rund 400
Mio. Jahre Erdgeschichte. Besonders
erwähnt sei hier der Hanganschnitt im
Teufelsbachtal, wo fast senkrecht aufgerichtete Bänke des Muschelkalkes
an stehen, die diskordant (ungleich) von
sandigen Mergeln und Sandsteinen der
Oberkreide (Campan) überlagert sind.
Dieser Hanganschnitt ist eine geologische
Besonderheit von internationalem
Rang. Auch das Mundloch der ehemaligen
Heilschlammgrube finden wir am
gut ausgeschilderten
geologischen Rundwanderweg. An den
einzelnen Aufschlüssen
geben Informationstafeln Auskunft
über die jeweiligen
Gegebenheiten.

Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute. Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute
Erholung und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte
im hier vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München-www.stadtplan.net-Lizenz-Nr.07-08-110
Blankenburger Mulde Helsunger Bruch bei Timmenrode ( 10 )
Nordöstlich der Teufelsmauer bei
Timmenrode erstreckt sich ein eiszeitliches
Erosionsbecken. Aus dem Harz
abfließende Wässer haben diese Mulde
ausgeräumt. In dieser Mulde befindet
sich eine zweigeteilte Beckenhohlform,
die durch Einsinken infolge unterirdischer
Salzauswaschung entstand. Im
Verlauf der Zeit bildete sich in wenigstens
einer der Hohlformen ein durch
kalkhaltiges Schichtwasser gespeister
See, und es sammelten sich typische Seeablagerungen (Mudden)
an. Auf dem Boden dieses nährstoffarmen Sees wuchs ein dichter
Rasen von Armleuchteralgen, an dem sich dann der im
Wasser gelöste Kalk abscheiden konnte. In den Kalkmudden
gefundene kleine Muscheln sind Beleg da für, dass das
Helsunger Bruch zu Recht als einziges Kalkflachmoor des nördlichen
Harzvorlandes angesehen wird. Im Prozess der weiteren
Verlandung verschilfte das Gebiet. Der über den Mudden aufliegende
Torf besteht fast ausschließlich aus abgestorbenem
Schilf. Nachdem der Preußenkönig FRIEDRICH II. (1712-1786) im
18. Jh. die Torfgewinnung forcieren ließ, begann 1752 auch im
Helsunger Bruch der Torfabbau. Mit Beginn der Förderung von
Braunkohle bei Nachterstedt und Königsaue verlor der Torf als
Energielieferant an Bedeutung. Heute wird nur noch kleinflächig
Torf als Heilmittel abgebaut und kommt bei der Behandlung
von Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen in der
Teufelsbadklinik Blankenburg zur Anwendung. Reste des
intakten Moores sind im NSG „Hammelwiese“ geschützt.
Raubgrafenburg im Sandsteinfelsen Regenstein bei Blankenburg ( 11 )
Der Regenstein ist ein freistehendes Sandsteinmassiv
mit einer nach Norden abfallenden
75 m tiefen Steilwand. Der Felsen besteht aus
einem Sandstein der Oberen Kreide (Heidelbergschichten).
Auf Grund seiner exponierten
Lage wurde der Regenstein schon frühzeitig als
Burgstandort genutzt. Es wird angenommen,
dass im 12. Jh. die Grafen von Regenstein hier
ihr Domizil einrichteten. Die Burg wurde seinerzeit fast vollständig
aus dem Fels herausgearbeitet. In der Quedlinburger
Geschichte ist zu lesen, dass Graf ALBRECHT II. von Regenstein im
Jahre 1336 in Streit mit dem Bischof von Halberstadt geriet. Der
Graf überfiel und besetzte Teile Quedlinburgs und die
Gersdorfer Burg. Schließlich wurde der Graf gestellt und gefangengenommen.
Im sogenannten „Raubgrafenkasten“, welcher
heute noch im Schlossmuseum Quedlinburg zu sehen ist,
wurde er der Legende nach gefangengehalten. Im 17. Jh.
begann die Festungsgeschichte auf dem Regenstein. Trotz
Schleifung der Anlage durch die Preußen im 18. Jh. kann man
das ehemalige militärische Befestigungswerk in seiner
Gesamtheit und in vielen Details noch gut erfassen.
Öffnungszeiten Burgruine:
Apr.-Okt. tgl. 10.00 - 18.00 Uhr und
Nov. bis März Mi. bis So. 10.00 - 16.00 Uhr
Quedlinburger Sattel Schlossberg Quedlinburg ( 12 )
An der Südflanke des Quedlinburger Sattels erhebt
sich der Schlossberg. Der herzynisch streichende
Quedlinburger Sattel trennt den östlichen Teil der
subherzynen Kreidemulde in die Halberstädter Mulde
im Norden und die Blankenburger Mulde im Süden.
Die Unterkreide-Sandsteine sind am westlichen
Schlossberg sehr gut aufgeschlossen. Die Lage des
Schlossberges - exponiert, nahe am Wasser der Bode und
umgeben von fruchtbarsten Böden - war wohl ein Grund
dafür, dass HEINRICH I. (876-936) hier nach seiner Krönung
zum deutschen König im Jahre 919 eine Pfalz errichten ließ.
Das von ihm und seiner Frau MATHILDE (895-968) gegründete
Freiweltliche Damenstift erlangte in der folgenden Zeit große
Macht im Deutschen Reich.
In der bis heute erhaltenen romanischen Stiftskirche ist der
Quedlinburger Domschatz ausgestellt - eine Sammlung von
kostbaren Reliquien und Evangeliaren. Außerdem befinden
sich in der Kirche fünf Teilstücke des ältesten bekannten
Knüpfteppichs des Abendlandes.
Das Schloss, welches bis 1802 Wohn- und Repräsen tationszwecken
des Stiftes diente, beherbergt ein Museum mit Ausstellungen zur geologischen und geschichtlichen Entwicklung
der Stadt und ihrer Umgebung. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe
gehörende Altstadt von Quedlinburg ist mit ihren ca.
1.200 Fachwerkhäusern eines der größten Flächendenkmale
Deutschlands.
Kamel und Weinberg Königsstein bei Westerhausen ( 13 )
Den Weinberg gibt es tatsächlich am Königstein;
„Kamel“ ist im Volksmund die Bezeichnung des imposanten Felsens des Königsteins
(N51o48.684’; E011o03.165’), dessen Silhouette an ein ruhendes Kamel erinnert. Wie der
Schlos sberg Quedlinburg markiert der verhärtete
Sandstein des Königsteins (190 m über
NN) die Südflanke des Quedlinburger Sattels.
Die Sandsteine sind hier ebenfalls durch Kieselsäure imprägniert
und infolgedessen „quarzitisch“ geworden, was eine
beträchtliche Härte des Gesteins verursachte. Die wellige
Oberfläche der Felswände kommt durch dünne verkieselte
Adern und Zonen inhomogener Verfestigung zustande. Dort,
wo die neue Bundes straße 6 den Höhenzug quert, wurde im
Vorfeld der Bauarbeiten eine aufwändige Grabanlage der
Kugelamphoren kultur aus der mittleren Jungsteinzeit (etwa
3.000 bis 2.800 v. Chr.) ausgegraben.
Fossilienreichtum Salzberg Quedlinburg ( 14 )
Am Ortsausgang Quedlinburg in Richtung Warnstedt
befindet sich an der südlichen Flanke des Quedlinburger
Sattels der Salzberg (N51o46.962’; E011o07.641’).
Der Salzbergmergel stammt aus der Oberkreide (Santon).
Seine Schichten sind in einer Ablagerung der oberen
Kreide an der Straße aufgeschlossen. Diese
Typuslokalität ist Fundort verschiedenster Fossilien,
besonders Muscheln und Schnecken, aus der Kreide zeit
und deswegen als Naturdenkmal geschützt.
Marienglas Seweckenberge Quedlinburg ( 15 )
Das Landschaftsschutzgebiet „Seweckenberge“ ist der östlichste
Ausläufer des Quedlinburger Sattels. Man erreicht das Gebiet
von Quedlinburg aus über die Straße zur Gersdorfer Burg.
Vom Turm der Seweckenwarte (N51o46.224’; E011o12.418’),
die zu dem ehemaligen Warten system um Quedlinburg gehört,
hat man einen guten Blick über die Blankenburger Mulde und
auf die Aufrichtungszone mit den Gegensteinen (Landmarke 15)
sowie den Harz. Der frühere Bürger meister Magdeburgs, OTTO
VON GUERICKE, auch bekannt wegen seiner Experimente (Mag deburger
Halbkugeln), berichtete über einen Fossilfund, der hier
1663 gemacht wurde. Er nahm an, dass die gefundenen Knochen
von einem Einhorn stammten. Der Universalgelehrte GOTTFRIED
WILHELM LEIBNIZ übernahm den Bericht in seine „Protogaea“ (Urgeschichte der Erde). Wie sich herausstellte,
handelte es sich aber tatsächlich um Knochen eines
Mammuts. Auch später wurde in den Gipsschlotten Knochenmaterial weichselzeitlicher Säugetiere gefunden. In
den ehemaligen Steinbrüchen wurde Gips der Anhydrit-
Folge abgebaut. Auch Marienglas – eine besondere Form
des Gipses – kommt hier vor. Marienglas ist ein durchsichtiger,
fensterglasähnlicher Gips. Im Mittelalter wurde
Marienglas als Glasscheibenersatz für Reliquienbehälter
und Marienbilder verwendet – daher der Name.
Geologischen Entwicklung des Gebietes
Die Landschaftsgeschichte des Harzes und seines Vorlandes ist durch
einige grundlegende Hebungsprozesse geprägt. Gesteine und tektonische
Strukturen im Gebiet geben diesen Erscheinungen Ausdruck. Die
erste Reliefbildung kann durch den Aufstieg des Ramberg-Plutons
angenommen werden, als Zeugnis des Eindringens granitischer
Schmelzen in vorher gebildete und bereits in Hebung befindliche
Gesteine am Rande einer Versenkungszone. Dies geschah vor etwa 300
Mio. Jahren am Ende des Erdaltertums. Der zweite Aufstiegsprozess
zeichnet sich im Bereich der sogenannten Aufrichtungszone ab, an der
die Hebung der Harz-Pultscholle von der Zeit der höheren Kreide vor
etwa 75 Mio. Jahren erkennbar ist. In dieser Phase bewegten sich die
Gesteine des Harzes entlang zweier im Norden und Süden des Gebirges
laufender Hauptstörungsbahnen, der Harznordrand-Störung und der
Harzsüdrand-Störung. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die
Aufrichtungsbewegungen sind die imposanten steilstehenden Sandsteinbänke
der „Teufelsmauer“. Eine weitere Episode der Hebungsprozesse
im Bereich des Harzes wird im Quedlinburger Sattel deutlich.
Diese Struktur entstand durch das Empordringen eines länglichen
Salzdomes aus dem Untergrund (beginnend vor 190 Mio. Jahren und
bis heute andauernd).
Zwischen der Aufrichtungszone und dem Quedlinburger Sattel erstreckt sich die Blankenburger Mulde, die einerseits durch flachliegende Schichten der Kreidezeit und des Tertiärs geprägt ist. Andererseits finden sich hier auch Reste der pleistozänen Vereisungsphasen. Eiszeitlichen Ursprungs sind ebenfalls die Lößschichten, auf denen sich im Harzvorland die fruchtbaren Schwarzerdeböden bildeten. Verwitterung und Erosion wirkten unterschiedlich auf die Gesteine ein. Der Granit des Rambergs entwickelte die charakteristischen Figuren der Wollsackverwitterung. Je nach Resistenz wurden die umgebenden Tonschiefer, Grauwacken und Kalke in unterschiedlichen Klimaepisoden ausgeschwemmt, gelöst oder herauspräpariert, so dass die heutige hügelige Mittelgebirgslandschaft des Unterharzes entstehen konnte. Die Aufrichtungszone zieht als schmale Zone steil stehender Schichten entlang der Harznordrandstörung und dokumentiert in spektakulärer wie auch komplexer Weise die Aufstiegsphasen der Harzscholle.
Zwischen der Aufrichtungszone und dem Quedlinburger Sattel erstreckt sich die Blankenburger Mulde, die einerseits durch flachliegende Schichten der Kreidezeit und des Tertiärs geprägt ist. Andererseits finden sich hier auch Reste der pleistozänen Vereisungsphasen. Eiszeitlichen Ursprungs sind ebenfalls die Lößschichten, auf denen sich im Harzvorland die fruchtbaren Schwarzerdeböden bildeten. Verwitterung und Erosion wirkten unterschiedlich auf die Gesteine ein. Der Granit des Rambergs entwickelte die charakteristischen Figuren der Wollsackverwitterung. Je nach Resistenz wurden die umgebenden Tonschiefer, Grauwacken und Kalke in unterschiedlichen Klimaepisoden ausgeschwemmt, gelöst oder herauspräpariert, so dass die heutige hügelige Mittelgebirgslandschaft des Unterharzes entstehen konnte. Die Aufrichtungszone zieht als schmale Zone steil stehender Schichten entlang der Harznordrandstörung und dokumentiert in spektakulärer wie auch komplexer Weise die Aufstiegsphasen der Harzscholle.
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Ausflugsgaststätte und Hotel„Helsunger Krug“ Blankenburg
www.helsunger-krug.de
Tel.: (0 39 44) 35 30 61
Gasthaus und Hotel„Königsruhe“ Thale
www.koenigsruhe.de
Tel.: (0 39 47) 27 26
Ferienhotel und Reisedienst„Forelle“ Treseburg
www.hotel-forelle.de
Tel.: (03 94 56) 5 64 - 0
Familotel / Family Club HarzQuedlinburg
www.familyclub.de
Tel.: (0 39 46) 7 72 20
Berggasthof und Pension„Ziegenkopf“ Blankenburg
www.ziegenkopf.de
Tel.: (0 39 44) 35 32 60
Berghotel Roßtrappe - Thalewww.rosstrappe-berghotel.de
Tel.: (03947) 3011
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002
gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der
Regionalverband Harz e. V. übernommen. Träger im nördlich
angrenzenden Gebiet ist der Verein FEMO mit Sitz in Königslutter.
Der Übersichtskarte können Sie die Lage aller Land marken entnehmen.
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Herausgeber: Regionalverband Harz e. V., Hohe Straße 6, 06484 Quedlinburg
Telefon: 0 39 46 - 9 64 10, Fax: 0 39 46 - 96 41 42
6., neu bearbeitete Auflage. © Regionalverband Harz e. V.
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Autoren: Dr. K. George, C. Linke & Dr. T. Steiger
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