Landmarke 8
Schloß Wernigerode
Schloß Wernigerode
Hoch über der bunten Stadt am Harz Schloß Wernigerode® ( 1 )
Auf einem Sporn des Agnesberges liegt das
märchenhafte Schloß Wernigerode. Von hier
bietet sich ein wunderschöner Blick auf die
Fachwerkstadt, das Brocken-Hohne-Massiv
und das Harzvorland.
Ursprünglich eine mittelalterliche Burg, die
den Weg der deutschen Kaiser auf ihren Jagdausflügen
in den Harz sichern sollte, zeigt sich
das Schloß heute in neuem Gewand. Nach
schweren Verwüstungen im 30jährigen Krieg
(1618-1648) begannen unter Graf ERNST ZU
STOLBERG-WERNIGERODE (1716-1778) die
Umbauarbeiten von einer Festung zum
barocken Residenzschloss. Der Aufstieg des
Grafen OTTO ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1837-
1896) zum ersten Oberpräsidenten der preußischen Provinz
Hannover 1867, später zum Botschafter in Wien und schließlich
zum Stellvertreter OTTO VON BISMARCKS (1815-1898) war der
Grund für den Umbau 1862 bis 1885. Der Architekt CARL FRÜHLING
jun. schuf ein Schloßensemble, das seit 1930 in Teilen der
Öffentlichkeit zugänglich ist. 50 Räume sind in zwei Rundgängen
zu besichtigen.
Als Baumaterial wurden für die Schlossanlagen Werksteine der
Region benutzt. Schon beim Aufstieg fallen in der nördlichen
Mauer des Lustgartens schöne Stromatolithe auf: schüsselförmige
Kalksteingebilde, geschaffen von koloniebildenden Cyanobakterien
im Meer des Unteren Buntsandsteins gleichzeitig mit
dem Rogenstein. Rogenstein ist ein oolithischer Kalkstein, der
aus winzigen Kugeln besteht, die an Fischrogen erinnern. Das
Torhaus des Schlosses ist mit gelbem Rogenstein verblendet,
der – häufiger auch in roten Varietäten – gemeinsam mit
rötlichen Sandsteinen des Buntsandsteins das überwiegende
Baumaterial des Schlosses bildet. Für die Ringmauern, seltener
auch für Türme und aufgehendes Mauerwerk der Gebäude,
wurden dunkelgraue Grauwacken des Agnesberges und
schwarze Vulkanite des Harzgrundgebirges verwendet.
Das relative Gebäudealter ist gut an der Oberflächengestaltung
der Naturwerksteine zu erkennen. In frühen Bauphasen wurden
überwiegend gebankte Sand- und Kalksteine verwendet, die
nach der Bankung „gespalten“ und senkrecht zur Schichtung
„gestoßen“ wurden, so dass sie bruchraue Flächen zeigen. Die
im 19. Jh. neu erbauten Gebäude oder Gebäudeteile sind
dagegen erkennbar am Einsatz glatt gesägter Werksteine –
insbesondere gelblicher Kreidesandsteine und örtlich auch
Rogensteine – für Erker, Tür- und Fenstergewände oder
Treppenanlagen. Seltener – wie etwa an der Mauer der großen
Schlossterrasse zu beiden Seiten des Hausmannsturms –
wurden auch gesägte Steine aus den Werksteinbänken des
Muschelkalkes verwendet. Der Einsatz ausländischer Werksteine
erfolgte nur ausnahmsweise (z.B. belgischer Marmor für den
Kamin des Festsaales, französischer Kalkstein für Kanzel und
Altar der Schlosskirche).Schloß Wernigerode GmbH
(03943) 553030 Fax: 553055
Mai - Okt. tägl. 10 – 18 Uhr
Nov. - Apr. Di. - Fr. 10 – 16 Uhr
Sa., So., feiertags 10 – 18 Uhr
www.schloss-wernigerode.de
In der bunten Stadt am Harz Harzmuseum Wernigerode ( 2 )
Das 1821 als Wohnhaus
errichtete Gebäude Klint 10
beherbergt seit 1955 in seinem
Obergeschoss ein Museum. Die
Ausstellung gliedert sich in den
beiden Gebäudeteilen in einen
naturwissenschaftlichen und
einen stadtgeschichtlichen
Bereich.
Der Harz wird im ersten Teil der
Dauerausstellung vorgestellt:
Fossilien, Minerale und Gesteine
dokumentieren seine erdgeschichtliche Entwicklung. Die
Erze waren Gegenstand eines
über Jahrtausende andauernden
Bergbaus, dessen Spuren noch an vielen Stellen im Gebiet zu
finden sind. Die Tierwelt des Harzes ist sehr artenreich. Unter
dem Aspekt des Naturschutzes sind Präparate verschiedener
Tierarten ihrem jeweiligen Lebensraum zugeordnet, und eine
Schutzgebietskarte gibt eine Übersicht über die Lage
ökologisch besonders wertvoller Flächen.
Im zweiten Teil der Ausstellung finden wir einen bis in das
9. Jh. zurückreichenden Abriss der Geschichte Wernigerodes.
Die Entwicklung der Handwerkskünste in der Stadt, darunter
die der Zinngießer und Büchsenmacher, wird vorgestellt.
Auch der Fremdenverkehr
und das Fachwerk in
Wernigerode haben ihren
Platz.
Im Garten vor dem
Museum ist ein besonders
schöner Stromatolith zu
bewundern. Die be nachbarte
Harz-Bücherei ist
eine der bedeutendsten
regionalen Bibliotheken.Öffnungszeiten: Mo. – Sa. (auch Feiertage) 10 – 17 Uhr
(03943) 654454
www.wernigerode.de
Eiszeit-Denkstein Wernigerode ( 2 )
Sehenswert ist auch das Endmoränendenkmal
in Wernigerode: eine Granitstele
südlich des Großparkplatzes "Am Anger"
an der Ecke Rimbecker Straße/ Lindenallee.
Sie markiert die so genannte „Feuersteinlinie“.
Bis hierher transportierten die
Inlandgletscher den Feuerstein, wie wir
ihn von der Ostsee her kennen.
Bürgerpark Das Geologische Fenster „Mineralienschlucht“ Wernigerode ( 3 )
Unter dem Motto „Harzblicke
erleben“ stellte die Landesgartenschau 2006 in
Wernigerode neu gestaltete
Landschaften dar. Unter
anderem wurde dazu eine
alte Deponie zwischen Kurtsund
Schreiberteichpark artig
umgestaltet und dabei von
der „Mineralienschlucht“
durchschnitten. Auf 48 m
Länge enthält sie als „geologisches
Fenster“ Gesteine
und Minerale, die ein 15 km
langes Profil vom Lustberg
bei Schmatzfeld im Norden über den Schlossberg Wernigerode,
die Schaubergwerke „Büchenberg“ sowie „Drei
Kronen und Ehrt“ (Landmarke 13) bis zum Hahnenkopf am
Bodetal bei Rübeland im Süden im Untergrund anschneiden
würde. So haben wir Gelegenheit, die Zusammenhänge von
Landschaftsformen, Gesteinen und geologischem Baustil
durch Betrachtung der Schautafeln und der dem geologischen
Schnitt zu zu ordnen den Gesteinsbruchstücke in den Gabionen
der Mineralienschlucht zu erkennen.
Die ersten der insgesamt 24 Gabionen enthalten die Gesteine
des Harzvorlandes: Sandsteine und Mergel der subherzynen
Kreidemulde und die bei der Heraushebung der Grundgebirgsscholle des Harzes aufgeschleppten und nun senkrecht
stehenden Schichten von Trias und Perm. In der
siebenten Gabione grenzen an der nachempfundenen Harznordrandstörung die unterkarbonischen Kulmgrauwacken
des Grundgebirges an die Zechsteingipse des Vorlandes. Es
folgen die devonischen und karbonischen Schiefer, Grauwacken
und Kalke der Wernigeröder Einheit mit dem typischen Wechsel von Schieferung und Schichtung in den
einzelnen tektonischen Schollen. Die Gabionen 15 - 23 enthalten
typische Vulkanite, Erze und Kalksteine des Elbingeröder
Komplexes. Dabei wurden vulkanische Gesteine der
Mittelharzer Gänge, die das Harzgrundgebirge im Rotliegend
durchschlagen haben, eingebaut. Die gegenüberliegende
Gabionenwand enthält zwei Gabionen mit Gesteinen des
Brockengranitmassivs.www.wernigeroeder-buergerpark.de
Grenzen Ruine Stapelburg ( 4 )
Schon vor dem Jahre 1306 hatten
die Grafen von Wernigerode an
der Heerstraße, die ihr Stammschloss
mit der bedeutenden
Reichs- und Bergbaustadt Goslar
(Landmarke 3) verband, die
Stapelburg als Straßenschutzund
Zollstätte errichten lassen.
Die Burg wurde mehr fach verpfändet und gelangte 1394 durch
Kauf in den Besitz des Bistums
Halberstadt. Nach mehrfach em
Wechsel der Eigentümer gelangte
die Burg 1625 als Erbschaft
wieder an das Domkapitel Halberstadt. Erst Graf CHRISTIAN ERNST
ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1691-1771) gelang es im Berliner
Vergleich mit dem Domkapitel vom 11. März 1722 Stapelburg
für die nächsten Jahrhunderte wieder als Zubehör für die
Grafschaft Wernigerode zu sichern. König FRIEDRICH WILHELM I. VON
PREUSSEN (1688-1740) stellte gut fünf Jahre später durch
endgültige Beseitigung der Hoheitsansprüche des inzwischen
preußisch gewordenen Halberstädter Domkapitels die alte
Verbindung mit der Grafschaft Wernigerode wieder her.
Heute erhebt sich die Ruine Stapelburg eindrucksvoll über den
gleichnamigen Ort, der einen Besuch lohnt. Empfohlen wird ein
kleiner Spaziergang von der Kirche hinauf auf den Burgberg mit
seinen wunderschönen Streuobstwiesen und einer mächtigen
Linde. Im Schatten des alten Baumes lädt eine Bank zum
Verweilen ein. In den Mauerresten der Stapelburg, z. B. links
neben dem Eingang zum Kellergewölbe, finden wir auch
Rogenstein als Baumaterial (vgl. Geopunkt 1).
Während der Zeit der Teilung Deutschlands lag Stapelburg im
so genannten Schutzstreifen der innerdeutschen Grenze.
Letztere verlief in der Mitte des Flüsschens Ecker. Im Herbst
1989 wurde hier der Durchgang durch die Mauer geschaffen,
der den meisten Ostharzern einen ersten Besuch im Westharz
ermöglichte.
Mundglashütte in Derenburg Glasmanufaktur Harzkristall ( 5 )
Die Derenburger Glasmanufaktur
HARZ KRISTALL
gehört zu den wenigen noch
produzierenden Mundglashütten
in Deutschland und
geht neue Wege, um Besucher
in die Geheimnisse der
Glasproduktion einzuweihen.
Zwar besteht die Glashütte
bereits seit 60 Jahren, doch
erst in den vergangenen
Jahren rückte die idyllisch
gelegene Hütte stärker ins
Visier der Touristen. Bei
einem Besuch wird uns die
Hüttengeschichte und die
Geschichte des Glases nahe
gebracht. Die wohlgehüteten Geheimnisse der Herstellung
dieses Werkstoffes und seine Verarbeitung werden auf
ansprechende Art vermittelt. Beim Rundgang wird uns ein
sinnliches Erlebnis geboten. Aus der Geschichte der
Glasherstellung wandern wir in die reale Arbeitswelt der
Glasmacher, erleben perfektes Handwerk und Gästeführer, die
selbst mit diesem Handwerk verwurzelt sind. Zu vielen
Anlässen können wir selbst Glas blasen und so erfahren, wieviel
Geschick Glasmacher brauchen. In einer Verkaufsausstellung
sind die Glasprodukte zu besichtigen und zu erwerben.
Während die Kinder auf dem Spielplatz toben können, bleibt
Zeit für einen Blick auf einen kleinen Auwaldrest an der
Holtemme, Fischreiher auf den Feldern sowie Rot- und
Schwarzmilane in der Luft oder auf ihren Schlafbäumen vor
Derenburg und für einen Rundgang durch das neu angelegte
parkähnliche Gelände mit Wasserfall.Glasmanufaktur Harzkristall GmbH & Co. KG
Im Freien Felde 5, 38895 Derenburg
Führungen täglich zwischen 10.30 - 15.30 Uhr
(03 94 53) 680-0, Fax -25
www.harzkristall.de
Steil gestellt: Die Nordharz-Aufrichtungszone Der Horstberg ( 6 )
Wir verlassen Wernigerode auf
der B 6 alt in Richtung Blankenburg.
Am Ortsausgang sehen
wir linker Hand die Reste einer
alten Wege warte auf dem Horstberg.
Links zweigt ein Feldweg
ab. Dort lassen wir unser Auto
stehen. Am Kammweg entdecken
wir einen auf gelassenen
Steinbruch (N51°50.470´;
E010°49.434´). Vom Gipfel
haben wir einen wunderschönen
Blick auf den Harz bzw. in
das subhercyne Becken.
Der Horstberg weist zwei Härtlingszüge auf. Sowohl die Terebratelbank des Unteren Muschelkalkes als auch die Trochitenkalke des Oberen Muschelkalkes treten als Härtling auf. Die
dazwischen liegenden Schichten des Mittleren Muschelkalkes
sind als weiche dolomitische Kalke ausgebildet, wurden
schneller abgetragen und bilden deshalb eine Senke. Im zentralen
Steinbruchteil kann das Überkippen der Schichten und
ihre Steilstellung in der Nordharz-Aufrichtungszone beobachtet
werden. Hier wurden die Schaumkalkbänke des Wellenkalkes
abgebaut. Am südlichen Berghang fallen im Ackerboden die
rötlich-grauen, teilweise bläulichen Tone des Oberen Buntsandsteins
auf.
Von unserer kleinen Exkursion zum Auto zurückgekehrt,
können wir noch die Straße überqueren und zur Tongrube der
ehemaligen Ziegelei „Heuer“ gehen. Dort wurden Tone des
Mittleren und Unteren Buntsandsteins abgebaut. Der härtere
Schicht rücken des Rogensteins ist dadurch gut herausgearbeitet.
Bereits 50 m weiter südlich stehen schon die
Gesteine des Harzpaläozoikums an.
Zechstein-Erdfälle und „Harz-Zacke“ Wolfsholz und Benzingeröder
Vorsprung ( 7 )
In östlicher Richtung liegt die Siedlung
Wolfsholz (N51°50.065´;
E010°50.492´). Die hiesigen kleinen
„Wasserlöcher" entstanden oft als
Erdfälle bzw. Dolinen auf Zechsteinunterlage. Es sind kessel- bis trichterförmige
Hohlformen im Gelände,
in denen die Deckschichten über
ein gestürzten Auslaugungshohlräumen im Gips nachgebrochen
sind. Wir befinden uns am Sporn des
sogenannten Benzingeröder Vorsprungs.
Da die Nordharzrandstörung
nicht geradlinig verläuft, nennt
man die zackenartigen Harzausbuchtungen
nach Norden "Sporne",
denen jeweils eine "Einbuchtung"
nach Süden folgt. Weitere Sporne sind der Schimmerwald
zwischen Stapelburg und Bad Harzburg (Landmarke 15) und
der Sporn bei Ermsleben (Landmarke 3).
Naturschutzgebiet Struvenburg bei Benzingerode ( 8 )
Weiter östlich am Harzrand
- im Taldurchbruch des
Hellbaches durch den
Muschelkalkrücken - liegt
Benzingerode. Der Übergang
vom Harzvorland zum
Harzgebirge ist hier mit
Höhen unterschieden bis zu
300 m sehr markant. Vom
Ortszentrum wandern wir
zur Struvenburg, einer Wallanlage wahrscheinlich
fränkischer Herkunft (N51°50.083´; E010°52.247´). Sie liegt
bereits im Naturschutzgebiet (NSG) „Ziegenberg bei Heimburg“.
Insbesondere am Südhang beherrscht ein Enzian-Schillergras-
Halbtrockenrasen das Bild. Kleine aufgelassene Steinbrüche
zeigen meist eine steile, zum Harz hin überkippte Lagerung
von Schichten der Trias, vorwiegend Unterer Muschelkalk bis
teilweise zum Mittleren Keuper. Abgebaut wurden in der
Regel die Schaumkalkbänke des Wellenkalkes.
Wir können das NSG auf dem Kammweg begehen und auf der
Südseite zum Ausgangspunkt zurückkehren. Die südlich des
NSG gelegenen Vertiefungen sind Erdfälle bzw. alte Pingen, in
denen Gips gebrochen wurde.
Sagenhafte Steinsäulen Menhire bei Benzingerode ( 9 )
Drei Riesen wollten einst
die Entscheidung, wer von
ihnen ein von allen umworbenes
Bauernmädchen zur
Frau erhält, in einem Steinwurfwettkampf
herbeiführen.
Da sie am Ende
aber feststellen mussten,
dass die von ihnen geworfenen
Steine unterschiedlich
groß waren, konnte
keiner zum Sieger erhoben
werden. Die Riesen gingen
im Zorn auseinander und
verließen die Gegend.
Zurückblieben aufrecht
stehende Steinsäulen: die
Menhire bei Benzingerode.
Soweit die Sage, doch welche Bedeutung hatten die vor mehr
als 5.000 Jahren aufgerichteten Steine, die aus verkieseltem
Heimburger Sandstein bestehen tatsächlich? Wir wissen es
nicht.
Bei bauvorbereitenden archäologischen Untersuchungen, für
die vierspurige B6 wurden zahlreiche Belege einer Besiedlung
im Neolithikum gefunden, darunter eine Totenhütte, in
der zur Zeit der Bernburger Kultur (3.400 bis 2.800 v. Chr.)
ca. 40 Menschen bestattet wurden. In beiden Fahrtrichtungen
der B6 gibt es dazu auf den Rastplätzen „Regensteinblick“
Informationen.
Kugelige Körper im Gestein Kalksandstein-Konkretionen bei
Blankenburg ( 10 )
Beim Bau der neuen B6 wurden in den
Heimburg-Schichten des Obersantons
(Ober kreide) kugelförmige Kalksandstein-
Konkretionen gefunden, die verwitterungsbeständiger sind als die umgebenden
Sandsteine und an der B6 zu großen
Kegeln auf gehäuft wurden. Sie entstanden
aus zir kulierenden Lösungen.
Bergbau im Elbingeröder Komplex Schaubergwerk Büchenberg
Elbingerode (11 )
Von Heimburg aus fahren wir in
Richtung Elbingerode und folgen der
Ausschilderung zum Schaubergwerk
Büchenberg. Vom Parkplatz bis zum
Eingang ist es noch ein kurzer
Spaziergang. Gehbehinderte und
Rollstuhlfahrer können mit dem PKW
bis zum Eingang fahren. Am Ende des
Weges fällt ein Eisengittermast auf: Es
ist die Stütze Nr. 1, die an die einstmals
längste Industrieseilbahn Europas
erinnert. Im Schaubergwerk ist seit 1989 ein 600 m langer
Teil der 1. Sohle zwischen Seilbahn und Schacht I
(Rotenbergschacht) öffentlich zugänglich. Eine Ausstellung im
Foyer gibt Informationen zu Geologie, Bergbaugeschichte und
Erzförderung/-verhüttung. Die Grubenbefahrung (auch für
Rollstuhlfahrer möglich) erlaubt Einblicke in die Abbautechnik
und Erzförderung der letzten Betriebsperiode und gewährt
mit dem Schalsteinlager in der Schachtumfahrung und dem
Erzkörper Nr. 5 Einblicke in interessante Erztypen. Beim
Anfahren der Antriebsanlage der Industrieseilbahn und dem
Vorführbetrieb von Bohrhammer, Überkopflader und
Schrapper können wir reale Bergbauatmosphäre spüren.
Eisenerzbergbau ist bei Elbingerode schon seit dem 10. Jh.
belegt, aber tatsächlich wohl noch viel älter. Abgebaut wurden
vor allem kalkige Roteisenerze, die sich als günstiger
Zuschlagstoff für die Verhüttung der sauren Salzgitter-Erze
erwiesen. Nach Kriegsende trugen die Harzer Eisenerzgruben
Büchenberg und Braunesumpf wesentlich zur DDR Roheisenversorgung
bei. In der letzten Förderungsperiode
überwogen im Büchenberger Fördererz Magnetit, Eisenspat
und Roteisenstein mit Quarzbeimengungen.
Am Schaubergwerk beginnt und endet ein Bergbaulehrpfad,
der in historisches Bergbaugebiet führt. Östlich des Berg werks
befindet sich das Naturdenkmal „Marmorpinge Hartenberg“,
wo Eisenerz und Kalke abgebaut wurden. Aufgrund des
feucht-kalten Mikroklimas haben sich hier seltene Farne,
Moose und Flechten erhalten.
Übrigens gibt es die günstige Kombikarte, die den Eintritt in
eine Rübeländer Tropfsteinhöhle (Landmarke 13) und in das
Schaubergwerk Büchenberg ermöglicht.Führungen täglich um 10, 12, 14 und 16 Uhr und auf Anmeldung.
(039454) 42 200
www.schaubergwerk-buechenberg.de
Karstquellen, Stollenmundloch, Kalkhöhlen
und artesischer Brunnen Von Jasperode in den Klostergrund ( 12 )
Aus dem Kalkstein des Braunesumpf-Sattels
entspringt an dem wenig sehenswerten
Flecken Eggeröder Brunnen (Ortsteil Jasperode
der Stadt Elbingerode) eine leider ein gehauste
Karstquelle. Der Flecken ist aber Ausgangspunkt für eine Wanderung zu drei
sehenswerten Geopunkten. Wir erreichen
Jasperode über einen öffentlichen Waldweg,
der nordöstlich Elbingerode von der nach
Heimburg führenden Straße im Drecktal am
Drei-Herren-Stein abzweigt. Wir suchen einen
Stellplatz für das Auto und folgen dem Wanderweg
Richtung Blankenburg. An der Gabelung
am Forsthaus wählen wir den nach links
führenden Talweg in den Klostergrund. Nach
etwa 1 km öffnet sich linker Hand in dunkelgrau
en Spilit-Kissenlaven das Mund loch eines
Stollens, der alte Eisenerzgruben des Mittelberges
entwässert (N51°47.147’; E010°
52.247’).
Weiter talabwärts wird uns an einer alten
Fichte der Weg in ein Seitental gewiesen. Es
sind nur wenige Schritte bis zu einer munter
sprudelnden Karstquelle, dem Volk marsbrunnen.
Rechter Hand in einer Kalkklippe
entdecken wir nach einem kleinen Aufstieg
die künstlich erweiterte Naturhöhle „Volkmars
keller“ (N51°47.287’; E010°52.346’). Der
Haupt raum der Höhle, eine heute trocken liegen
de Etage dieses Höhlensystems, ist an
zwei parallelen, etwa 60° nach West einfallenden
Nord-Süd-Klüften angelegt. Im Jahre 956
wird die Höhle dem Reichsstift Quedlinburg
geschenkt. In der Schenkungsurkunde König
OTTOS wird eine Klausnerin Liutbirg erwähnt,
die um 850 in der Höhle gewohnt haben soll.
Erwähnung findet für diesen Ort auch eine
Michaelskirche. Zwei in den Felsen gehauene
Weihekreuze sind an den Felsenwänden
erhalten. Später befand sich hier eine Einsiedelei
der sagenhaften Volkmarsbrüder.
1146 ließen sich Zisterziensermönche nieder;
die Fundamente oberhalb der Höhle dürften
die Reste dieses ersten Klosters Michaelstein
sein, das später talabwärts verlegt wurde (Landmarke ). Ein
enger Schacht verbindet das ehemalige Kloster mit der
Höhlenkirche.
Alle diese Anlagen haben sich entlang des Karstwasserbaches
im Klostergrund entwickelt. Archäologische Funde belegen,
dass schon in dieser Zeit am Eggeröder Brunnen in Rennfeueröfen
Eisenerze verhüttet wurden.
Wieder in den Klostergrund zurückgekehrt, wandern wir weiter
tal abwärts. Etwa auf halbem Weg zum Kloster Michaelstein
ent decken wir rechter Hand noch ein unverschlossenes
Bohrloch (N51°47.925’; E010°53.820’). Es entstand bei einer
Probeboh rung zur Erkundung von Eisenerzlagerstätten. Das
Bohrloch wirkt wie ein artesischer Brunnen: periodisch tritt
schwefelhaltiges Grundwasser aus. Bis zur gemütlichen Einkehr
im Gasthaus „Zum Klosterfischer“ ist es nun nicht mehr weit.
Geologie des Gebietes
Mitten durch das Gebiet um die Landmarke 8 verläuft die
Nordharzrandstörung. Im Norden setzen sich die Schichten
des dem Harz vorgelagerten Sedimentbeckens – des
Subhercynen Beckens – im Gebiet der Landmarke 14 fort.
Südlich der Harznordrandstörung steht das Grundgebirge
aus Gesteinen des Erdaltertums (Paläozoikum) an. Aus
Meeresablagerungen des Devons und Unterkarbons gingen
Tonschiefer und Grauwacken hervor, denen auch örtlich
Kieselschiefer und Kalksteine eingelagert sind.
Vor ca. 300 Mio. Jahren setzte an der Wende Unterkarbon/
Oberkarbon die variszische Gebirgsbildung ein, mit der
diese Gesteine aufgefaltet und geschiefert wurden. Das
Meer wurde zurückgedrängt. Teile der Erdkruste schmolzen
auf und stiegen als saures Magma auf, bis die Intrusivkörper
stecken blieben und sich abkühlten. Dabei entstand u. a. der
Brockengranit, der im Ergebnis von Hebungs- und
Abtragungsvorgängen zu Tage getreten ist.
Seit dem Oberkarbon wurde das Faltengebirge abgetragen
und im Oberen Perm zu nächst vom Zechstein-Meer überflutet.
Im Laufe des Erdmittelalters (Mesozoikum) wurden
überwiegend unter Meeresbedeckung mächtige Schichten
abgelagert, wie die Ton-, Sand- und Kalksteine der Trias
oder die Kreidesandsteine. Seit dem Jura, besonders während
der Kreide und weit in das Tertiär hinein stieg im Zuge der
saxonischen Tektonik die Pultscholle des Harzer
Grundgebirges an einem NW–SE gerichteten Tiefenbruch,
der Harznordrandstörung, auf – im Nord harz ca. 3.000 m!
Gleichzeitig wurden die nördlich vorgelagerten mesozoischen
Sedimente emporgeschleppt und auf gerichtet, so
dass ihre ehemals horizontalen Schichtflächen nun senkrecht
stehen. So finden wir in dieser, dem Harzrand vorgelagerten
„Aufrichtungszone“ ursprünglich übereinander
abgelagerte Gesteine unterschiedlicher Verwitterungsbeständigkeit nebeneinander, z. B. Muschelkalk des Ziegenbergs
Wernigerode, des Horstbergs, des Struvenbergs und
des Ziegenbergs Heimburg bzw. der Kreidesandsteine der
Teufelsmauer und der Gegensteine in den Gebieten der
Landmarken 9 und 15.
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Zum Klosterfischer“Blankenburg/Michaelstein
www.klosterfischer.de
Tel.: (03944) 351114
Hotel „Der Kräuterhof“Drei Annen Hohne
www.hotel-kraeuterhof.de
Tel.: (039455) 840
Waldgasthaus und Hotel"Drei Annen"
Drei Annen-Hohne
www.drei-annen.de
Tel.: (039455) 570-0
Gutsmühle MinslebenWernigerode/Minsleben
www.gutsmuehle.de
Tel.: (03943) 249604
Hotel „Am Anger“Wernigerode
www.hotel-am-anger.de
Tel.: (03943) 9232-0
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer
ganz persönlichen Georoute rund um das Schloß Wernigerode
®. Auch sachkundige Führungen können vermittelt
werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im
Regionalverband Harz, Herr Dr. STEIGER (03944) 369085 oder
T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung
und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier
vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Klaus George, Achim Groß, Guido Harnau,
Silvia Lisowski, Dr. Dieter Mucke, Fritz Reinboth, Dr. Horst Scheffler
& Dr. Rainer Schulz
Blockbild: Dr. I. Rappsilber & Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: Bandarau, Büchenberg, George, Mucke, Schauhöhlen- und Bergwerksbetrieb Rübeland
Blockbild: Dr. I. Rappsilber & Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: Bandarau, Büchenberg, George, Mucke, Schauhöhlen- und Bergwerksbetrieb Rübeland