Landmarke 8
Schloß Wernigerode
Hoch über der bunten Stadt am Harz Schloß Wernigerode® ( 1 )
Motiv Auf einem Sporn des Agnesberges liegt das märchenhafte Schloß Wernigerode. Von hier bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Fachwerkstadt, das Brocken-Hohne-Massiv und das Harzvorland. Ursprünglich eine mittelalterliche Burg, die den Weg der deutschen Kaiser auf ihren Jagdausflügen in den Harz sichern sollte, zeigt sich das Schloß heute in neuem Gewand. Nach schweren Verwüstungen im 30jährigen Krieg (1618-1648) begannen unter Graf ERNST ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1716-1778) die Umbauarbeiten von einer Festung zum barocken Residenzschloss. Der Aufstieg des Grafen OTTO ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1837- 1896) zum ersten Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover 1867, später zum Botschafter in Wien und schließlich zum Stellvertreter OTTO VON BISMARCKS (1815-1898) war der Grund für den Umbau 1862 bis 1885. Der Architekt CARL FRÜHLING jun. schuf ein Schloßensemble, das seit 1930 in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich ist. 50 Räume sind in zwei Rundgängen zu besichtigen. Als Baumaterial wurden für die Schlossanlagen Werksteine der Region benutzt. Schon beim Aufstieg fallen in der nördlichen Mauer des Lustgartens schöne Stromatolithe auf: schüsselförmige Kalksteingebilde, geschaffen von koloniebildenden Cyanobakterien im Meer des Unteren Buntsandsteins gleichzeitig mit dem Rogenstein. Rogenstein ist ein oolithischer Kalkstein, der aus winzigen Kugeln besteht, die an Fischrogen erinnern. Das Torhaus des Schlosses ist mit gelbem Rogenstein verblendet, der – häufiger auch in roten Varietäten – gemeinsam mit rötlichen Sandsteinen des Buntsandsteins das überwiegende Baumaterial des Schlosses bildet. Für die Ringmauern, seltener auch für Türme und aufgehendes Mauerwerk der Gebäude, wurden dunkelgraue Grauwacken des Agnesberges und schwarze Vulkanite des Harzgrundgebirges verwendet. Das relative Gebäudealter ist gut an der Oberflächengestaltung der Naturwerksteine zu erkennen. In frühen Bauphasen wurden überwiegend gebankte Sand- und Kalksteine verwendet, die nach der Bankung „gespalten“ und senkrecht zur Schichtung „gestoßen“ wurden, so dass sie bruchraue Flächen zeigen. Die im 19. Jh. neu erbauten Gebäude oder Gebäudeteile sind dagegen erkennbar am Einsatz glatt gesägter Werksteine – insbesondere gelblicher Kreidesandsteine und örtlich auch Rogensteine – für Erker, Tür- und Fenstergewände oder Treppenanlagen. Seltener – wie etwa an der Mauer der großen Schlossterrasse zu beiden Seiten des Hausmannsturms – wurden auch gesägte Steine aus den Werksteinbänken des Muschelkalkes verwendet. Der Einsatz ausländischer Werksteine erfolgte nur ausnahmsweise (z.B. belgischer Marmor für den Kamin des Festsaales, französischer Kalkstein für Kanzel und Altar der Schlosskirche).

Schloß Wernigerode GmbH
(03943) 553030 Fax: 553055
Mai - Okt. tägl. 10 – 18 Uhr
Nov. - Apr. Di. - Fr. 10 – 16 Uhr
Sa., So., feiertags 10 – 18 Uhr
www.schloss-wernigerode.de
In der bunten Stadt am Harz Harzmuseum Wernigerode ( 2 )
Motiv Das 1821 als Wohnhaus errichtete Gebäude Klint 10 beherbergt seit 1955 in seinem Obergeschoss ein Museum. Die Ausstellung gliedert sich in den beiden Gebäudeteilen in einen naturwissenschaftlichen und einen stadtgeschichtlichen Bereich. Der Harz wird im ersten Teil der Dauerausstellung vorgestellt: Fossilien, Minerale und Gesteine dokumentieren seine erdgeschichtliche Entwicklung. Die Erze waren Gegenstand eines über Jahrtausende andauernden Bergbaus, dessen Spuren noch an vielen Stellen im Gebiet zu finden sind. Die Tierwelt des Harzes ist sehr artenreich. Unter dem Aspekt des Naturschutzes sind Präparate verschiedener Tierarten ihrem jeweiligen Lebensraum zugeordnet, und eine Schutzgebietskarte gibt eine Übersicht über die Lage ökologisch besonders wertvoller Flächen. Im zweiten Teil der Ausstellung finden wir einen bis in das 9. Jh. zurückreichenden Abriss der Geschichte Wernigerodes. Die Entwicklung der Handwerkskünste in der Stadt, darunter die der Zinngießer und Büchsenmacher, wird vorgestellt. Auch der Fremdenverkehr und das Fachwerk in Wernigerode haben ihren Platz. Im Garten vor dem Museum ist ein besonders schöner Stromatolith zu bewundern. Die be nachbarte Harz-Bücherei ist eine der bedeutendsten regionalen Bibliotheken.

Öffnungszeiten: Mo. – Sa. (auch Feiertage) 10 – 17 Uhr
(03943) 654454
www.wernigerode.de
Eiszeit-Denkstein Wernigerode ( 2 )
Motiv Sehenswert ist auch das Endmoränendenkmal in Wernigerode: eine Granitstele südlich des Großparkplatzes "Am Anger" an der Ecke Rimbecker Straße/ Lindenallee. Sie markiert die so genannte „Feuersteinlinie“. Bis hierher transportierten die Inlandgletscher den Feuerstein, wie wir ihn von der Ostsee her kennen.
Bürgerpark Das Geologische Fenster „Mineralienschlucht“ Wernigerode ( 3 )
Motiv Unter dem Motto „Harzblicke erleben“ stellte die Landesgartenschau 2006 in Wernigerode neu gestaltete Landschaften dar. Unter anderem wurde dazu eine alte Deponie zwischen Kurtsund Schreiberteichpark artig umgestaltet und dabei von der „Mineralienschlucht“ durchschnitten. Auf 48 m Länge enthält sie als „geologisches Fenster“ Gesteine und Minerale, die ein 15 km langes Profil vom Lustberg bei Schmatzfeld im Norden über den Schlossberg Wernigerode, die Schaubergwerke „Büchenberg“ sowie „Drei Kronen und Ehrt“ (Landmarke 13) bis zum Hahnenkopf am Bodetal bei Rübeland im Süden im Untergrund anschneiden würde. So haben wir Gelegenheit, die Zusammenhänge von Landschaftsformen, Gesteinen und geologischem Baustil durch Betrachtung der Schautafeln und der dem geologischen Schnitt zu zu ordnen den Gesteinsbruchstücke in den Gabionen der Mineralienschlucht zu erkennen. Die ersten der insgesamt 24 Gabionen enthalten die Gesteine des Harzvorlandes: Sandsteine und Mergel der subherzynen Kreidemulde und die bei der Heraushebung der Grundgebirgsscholle des Harzes aufgeschleppten und nun senkrecht stehenden Schichten von Trias und Perm. In der siebenten Gabione grenzen an der nachempfundenen Harznordrandstörung die unterkarbonischen Kulmgrauwacken des Grundgebirges an die Zechsteingipse des Vorlandes. Es folgen die devonischen und karbonischen Schiefer, Grauwacken und Kalke der Wernigeröder Einheit mit dem typischen Wechsel von Schieferung und Schichtung in den einzelnen tektonischen Schollen. Die Gabionen 15 - 23 enthalten typische Vulkanite, Erze und Kalksteine des Elbingeröder Komplexes. Dabei wurden vulkanische Gesteine der Mittelharzer Gänge, die das Harzgrundgebirge im Rotliegend durchschlagen haben, eingebaut. Die gegenüberliegende Gabionenwand enthält zwei Gabionen mit Gesteinen des Brockengranitmassivs.

www.wernigeroeder-buergerpark.de
Grenzen Ruine Stapelburg ( 4 )
Motiv Schon vor dem Jahre 1306 hatten die Grafen von Wernigerode an der Heerstraße, die ihr Stammschloss mit der bedeutenden Reichs- und Bergbaustadt Goslar (Landmarke 3) verband, die Stapelburg als Straßenschutzund Zollstätte errichten lassen. Die Burg wurde mehr fach verpfändet und gelangte 1394 durch Kauf in den Besitz des Bistums Halberstadt. Nach mehrfach em Wechsel der Eigentümer gelangte die Burg 1625 als Erbschaft wieder an das Domkapitel Halberstadt. Erst Graf CHRISTIAN ERNST ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1691-1771) gelang es im Berliner Vergleich mit dem Domkapitel vom 11. März 1722 Stapelburg für die nächsten Jahrhunderte wieder als Zubehör für die Grafschaft Wernigerode zu sichern. König FRIEDRICH WILHELM I. VON PREUSSEN (1688-1740) stellte gut fünf Jahre später durch endgültige Beseitigung der Hoheitsansprüche des inzwischen preußisch gewordenen Halberstädter Domkapitels die alte Verbindung mit der Grafschaft Wernigerode wieder her. Heute erhebt sich die Ruine Stapelburg eindrucksvoll über den gleichnamigen Ort, der einen Besuch lohnt. Empfohlen wird ein kleiner Spaziergang von der Kirche hinauf auf den Burgberg mit seinen wunderschönen Streuobstwiesen und einer mächtigen Linde. Im Schatten des alten Baumes lädt eine Bank zum Verweilen ein. In den Mauerresten der Stapelburg, z. B. links neben dem Eingang zum Kellergewölbe, finden wir auch Rogenstein als Baumaterial (vgl. Geopunkt 1). Während der Zeit der Teilung Deutschlands lag Stapelburg im so genannten Schutzstreifen der innerdeutschen Grenze. Letztere verlief in der Mitte des Flüsschens Ecker. Im Herbst 1989 wurde hier der Durchgang durch die Mauer geschaffen, der den meisten Ostharzern einen ersten Besuch im Westharz ermöglichte.
Mundglashütte in Derenburg Glasmanufaktur Harzkristall ( 5 )
Motiv Die Derenburger Glasmanufaktur HARZ KRISTALL gehört zu den wenigen noch produzierenden Mundglashütten in Deutschland und geht neue Wege, um Besucher in die Geheimnisse der Glasproduktion einzuweihen. Zwar besteht die Glashütte bereits seit 60 Jahren, doch erst in den vergangenen Jahren rückte die idyllisch gelegene Hütte stärker ins Visier der Touristen. Bei einem Besuch wird uns die Hüttengeschichte und die Geschichte des Glases nahe gebracht. Die wohlgehüteten Geheimnisse der Herstellung dieses Werkstoffes und seine Verarbeitung werden auf ansprechende Art vermittelt. Beim Rundgang wird uns ein sinnliches Erlebnis geboten. Aus der Geschichte der Glasherstellung wandern wir in die reale Arbeitswelt der Glasmacher, erleben perfektes Handwerk und Gästeführer, die selbst mit diesem Handwerk verwurzelt sind. Zu vielen Anlässen können wir selbst Glas blasen und so erfahren, wieviel Geschick Glasmacher brauchen. In einer Verkaufsausstellung sind die Glasprodukte zu besichtigen und zu erwerben. Während die Kinder auf dem Spielplatz toben können, bleibt Zeit für einen Blick auf einen kleinen Auwaldrest an der Holtemme, Fischreiher auf den Feldern sowie Rot- und Schwarzmilane in der Luft oder auf ihren Schlafbäumen vor Derenburg und für einen Rundgang durch das neu angelegte parkähnliche Gelände mit Wasserfall.

Glasmanufaktur Harzkristall GmbH & Co. KG
Im Freien Felde 5, 38895 Derenburg
Führungen täglich zwischen 10.30 - 15.30 Uhr
(03 94 53) 680-0, Fax -25
www.harzkristall.de
Motiv
Steil gestellt: Die Nordharz-Aufrichtungszone Der Horstberg ( 6 )
Motiv Wir verlassen Wernigerode auf der B 6 alt in Richtung Blankenburg. Am Ortsausgang sehen wir linker Hand die Reste einer alten Wege warte auf dem Horstberg. Links zweigt ein Feldweg ab. Dort lassen wir unser Auto stehen. Am Kammweg entdecken wir einen auf gelassenen Steinbruch (N51°50.470´; E010°49.434´). Vom Gipfel haben wir einen wunderschönen Blick auf den Harz bzw. in das subhercyne Becken. Der Horstberg weist zwei Härtlingszüge auf. Sowohl die Terebratelbank des Unteren Muschelkalkes als auch die Trochitenkalke des Oberen Muschelkalkes treten als Härtling auf. Die dazwischen liegenden Schichten des Mittleren Muschelkalkes sind als weiche dolomitische Kalke ausgebildet, wurden schneller abgetragen und bilden deshalb eine Senke. Im zentralen Steinbruchteil kann das Überkippen der Schichten und ihre Steilstellung in der Nordharz-Aufrichtungszone beobachtet werden. Hier wurden die Schaumkalkbänke des Wellenkalkes abgebaut. Am südlichen Berghang fallen im Ackerboden die rötlich-grauen, teilweise bläulichen Tone des Oberen Buntsandsteins auf. Von unserer kleinen Exkursion zum Auto zurückgekehrt, können wir noch die Straße überqueren und zur Tongrube der ehemaligen Ziegelei „Heuer“ gehen. Dort wurden Tone des Mittleren und Unteren Buntsandsteins abgebaut. Der härtere Schicht rücken des Rogensteins ist dadurch gut herausgearbeitet. Bereits 50 m weiter südlich stehen schon die Gesteine des Harzpaläozoikums an.
Zechstein-Erdfälle und „Harz-Zacke“ Wolfsholz und Benzingeröder Vorsprung ( 7 )
Motiv In östlicher Richtung liegt die Siedlung Wolfsholz (N51°50.065´; E010°50.492´). Die hiesigen kleinen „Wasserlöcher" entstanden oft als Erdfälle bzw. Dolinen auf Zechsteinunterlage. Es sind kessel- bis trichterförmige Hohlformen im Gelände, in denen die Deckschichten über ein gestürzten Auslaugungshohlräumen im Gips nachgebrochen sind. Wir befinden uns am Sporn des sogenannten Benzingeröder Vorsprungs. Da die Nordharzrandstörung nicht geradlinig verläuft, nennt man die zackenartigen Harzausbuchtungen nach Norden "Sporne", denen jeweils eine "Einbuchtung" nach Süden folgt. Weitere Sporne sind der Schimmerwald zwischen Stapelburg und Bad Harzburg (Landmarke 15) und der Sporn bei Ermsleben (Landmarke 3).
Naturschutzgebiet Struvenburg bei Benzingerode ( 8 )
Motiv Weiter östlich am Harzrand - im Taldurchbruch des Hellbaches durch den Muschelkalkrücken - liegt Benzingerode. Der Übergang vom Harzvorland zum Harzgebirge ist hier mit Höhen unterschieden bis zu 300 m sehr markant. Vom Ortszentrum wandern wir zur Struvenburg, einer Wallanlage wahrscheinlich fränkischer Herkunft (N51°50.083´; E010°52.247´). Sie liegt bereits im Naturschutzgebiet (NSG) „Ziegenberg bei Heimburg“. Insbesondere am Südhang beherrscht ein Enzian-Schillergras- Halbtrockenrasen das Bild. Kleine aufgelassene Steinbrüche zeigen meist eine steile, zum Harz hin überkippte Lagerung von Schichten der Trias, vorwiegend Unterer Muschelkalk bis teilweise zum Mittleren Keuper. Abgebaut wurden in der Regel die Schaumkalkbänke des Wellenkalkes. Wir können das NSG auf dem Kammweg begehen und auf der Südseite zum Ausgangspunkt zurückkehren. Die südlich des NSG gelegenen Vertiefungen sind Erdfälle bzw. alte Pingen, in denen Gips gebrochen wurde.
Sagenhafte Steinsäulen Menhire bei Benzingerode ( 9 )
Rabenklippe Drei Riesen wollten einst die Entscheidung, wer von ihnen ein von allen umworbenes Bauernmädchen zur Frau erhält, in einem Steinwurfwettkampf herbeiführen. Da sie am Ende aber feststellen mussten, dass die von ihnen geworfenen Steine unterschiedlich groß waren, konnte keiner zum Sieger erhoben werden. Die Riesen gingen im Zorn auseinander und verließen die Gegend. Zurückblieben aufrecht stehende Steinsäulen: die Menhire bei Benzingerode. Soweit die Sage, doch welche Bedeutung hatten die vor mehr als 5.000 Jahren aufgerichteten Steine, die aus verkieseltem Heimburger Sandstein bestehen tatsächlich? Wir wissen es nicht. Bei bauvorbereitenden archäologischen Untersuchungen, für die vierspurige B6 wurden zahlreiche Belege einer Besiedlung im Neolithikum gefunden, darunter eine Totenhütte, in der zur Zeit der Bernburger Kultur (3.400 bis 2.800 v. Chr.) ca. 40 Menschen bestattet wurden. In beiden Fahrtrichtungen der B6 gibt es dazu auf den Rastplätzen „Regensteinblick“ Informationen.
Kugelige Körper im Gestein Kalksandstein-Konkretionen bei Blankenburg ( 10 )
Motiv Beim Bau der neuen B6 wurden in den Heimburg-Schichten des Obersantons (Ober kreide) kugelförmige Kalksandstein- Konkretionen gefunden, die verwitterungsbeständiger sind als die umgebenden Sandsteine und an der B6 zu großen Kegeln auf gehäuft wurden. Sie entstanden aus zir kulierenden Lösungen.
Bergbau im Elbingeröder Komplex Schaubergwerk Büchenberg Elbingerode (11 )
Motiv Von Heimburg aus fahren wir in Richtung Elbingerode und folgen der Ausschilderung zum Schaubergwerk Büchenberg. Vom Parkplatz bis zum Eingang ist es noch ein kurzer Spaziergang. Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer können mit dem PKW bis zum Eingang fahren. Am Ende des Weges fällt ein Eisengittermast auf: Es ist die Stütze Nr. 1, die an die einstmals längste Industrieseilbahn Europas erinnert. Im Schaubergwerk ist seit 1989 ein 600 m langer Teil der 1. Sohle zwischen Seilbahn und Schacht I (Rotenbergschacht) öffentlich zugänglich. Eine Ausstellung im Foyer gibt Informationen zu Geologie, Bergbaugeschichte und Erzförderung/-verhüttung. Die Grubenbefahrung (auch für Rollstuhlfahrer möglich) erlaubt Einblicke in die Abbautechnik und Erzförderung der letzten Betriebsperiode und gewährt mit dem Schalsteinlager in der Schachtumfahrung und dem Erzkörper Nr. 5 Einblicke in interessante Erztypen. Beim Anfahren der Antriebsanlage der Industrieseilbahn und dem Vorführbetrieb von Bohrhammer, Überkopflader und Schrapper können wir reale Bergbauatmosphäre spüren. Eisenerzbergbau ist bei Elbingerode schon seit dem 10. Jh. belegt, aber tatsächlich wohl noch viel älter. Abgebaut wurden vor allem kalkige Roteisenerze, die sich als günstiger Zuschlagstoff für die Verhüttung der sauren Salzgitter-Erze erwiesen. Nach Kriegsende trugen die Harzer Eisenerzgruben Büchenberg und Braunesumpf wesentlich zur DDR Roheisenversorgung bei. In der letzten Förderungsperiode überwogen im Büchenberger Fördererz Magnetit, Eisenspat und Roteisenstein mit Quarzbeimengungen. Am Schaubergwerk beginnt und endet ein Bergbaulehrpfad, der in historisches Bergbaugebiet führt. Östlich des Berg werks befindet sich das Naturdenkmal „Marmorpinge Hartenberg“, wo Eisenerz und Kalke abgebaut wurden. Aufgrund des feucht-kalten Mikroklimas haben sich hier seltene Farne, Moose und Flechten erhalten. Übrigens gibt es die günstige Kombikarte, die den Eintritt in eine Rübeländer Tropfsteinhöhle (Landmarke 13) und in das Schaubergwerk Büchenberg ermöglicht.

Führungen täglich um 10, 12, 14 und 16 Uhr und auf Anmeldung.
(039454) 42 200
www.schaubergwerk-buechenberg.de
Karstquellen, Stollenmundloch, Kalkhöhlen und artesischer Brunnen Von Jasperode in den Klostergrund ( 12 )
Motiv Aus dem Kalkstein des Braunesumpf-Sattels entspringt an dem wenig sehenswerten Flecken Eggeröder Brunnen (Ortsteil Jasperode der Stadt Elbingerode) eine leider ein gehauste Karstquelle. Der Flecken ist aber Ausgangspunkt für eine Wanderung zu drei sehenswerten Geopunkten. Wir erreichen Jasperode über einen öffentlichen Waldweg, der nordöstlich Elbingerode von der nach Heimburg führenden Straße im Drecktal am Drei-Herren-Stein abzweigt. Wir suchen einen Stellplatz für das Auto und folgen dem Wanderweg Richtung Blankenburg. An der Gabelung am Forsthaus wählen wir den nach links führenden Talweg in den Klostergrund. Nach etwa 1 km öffnet sich linker Hand in dunkelgrau en Spilit-Kissenlaven das Mund loch eines Stollens, der alte Eisenerzgruben des Mittelberges entwässert (N51°47.147’; E010° 52.247’). Weiter talabwärts wird uns an einer alten Fichte der Weg in ein Seitental gewiesen. Es sind nur wenige Schritte bis zu einer munter sprudelnden Karstquelle, dem Volk marsbrunnen. Rechter Hand in einer Kalkklippe entdecken wir nach einem kleinen Aufstieg die künstlich erweiterte Naturhöhle „Volkmars keller“ (N51°47.287’; E010°52.346’). Der Haupt raum der Höhle, eine heute trocken liegen de Etage dieses Höhlensystems, ist an zwei parallelen, etwa 60° nach West einfallenden Nord-Süd-Klüften angelegt. Im Jahre 956 wird die Höhle dem Reichsstift Quedlinburg geschenkt. In der Schenkungsurkunde König OTTOS wird eine Klausnerin Liutbirg erwähnt, die um 850 in der Höhle gewohnt haben soll. Erwähnung findet für diesen Ort auch eine Michaelskirche. Zwei in den Felsen gehauene Weihekreuze sind an den Felsenwänden erhalten. Später befand sich hier eine Einsiedelei der sagenhaften Volkmarsbrüder. 1146 ließen sich Zisterziensermönche nieder; die Fundamente oberhalb der Höhle dürften die Reste dieses ersten Klosters Michaelstein sein, das später talabwärts verlegt wurde (Landmarke ). Ein enger Schacht verbindet das ehemalige Kloster mit der Höhlenkirche. Alle diese Anlagen haben sich entlang des Karstwasserbaches im Klostergrund entwickelt. Archäologische Funde belegen, dass schon in dieser Zeit am Eggeröder Brunnen in Rennfeueröfen Eisenerze verhüttet wurden. Wieder in den Klostergrund zurückgekehrt, wandern wir weiter tal abwärts. Etwa auf halbem Weg zum Kloster Michaelstein ent decken wir rechter Hand noch ein unverschlossenes Bohrloch (N51°47.925’; E010°53.820’). Es entstand bei einer Probeboh rung zur Erkundung von Eisenerzlagerstätten. Das Bohrloch wirkt wie ein artesischer Brunnen: periodisch tritt schwefelhaltiges Grundwasser aus. Bis zur gemütlichen Einkehr im Gasthaus „Zum Klosterfischer“ ist es nun nicht mehr weit.
Motiv Motiv
Geologie des Gebietes
Mitten durch das Gebiet um die Landmarke 8 verläuft die Nordharzrandstörung. Im Norden setzen sich die Schichten des dem Harz vorgelagerten Sedimentbeckens – des Subhercynen Beckens – im Gebiet der Landmarke 14 fort. Südlich der Harznordrandstörung steht das Grundgebirge aus Gesteinen des Erdaltertums (Paläozoikum) an. Aus Meeresablagerungen des Devons und Unterkarbons gingen Tonschiefer und Grauwacken hervor, denen auch örtlich Kieselschiefer und Kalksteine eingelagert sind. Vor ca. 300 Mio. Jahren setzte an der Wende Unterkarbon/ Oberkarbon die variszische Gebirgsbildung ein, mit der diese Gesteine aufgefaltet und geschiefert wurden. Das Meer wurde zurückgedrängt. Teile der Erdkruste schmolzen auf und stiegen als saures Magma auf, bis die Intrusivkörper stecken blieben und sich abkühlten. Dabei entstand u. a. der Brockengranit, der im Ergebnis von Hebungs- und Abtragungsvorgängen zu Tage getreten ist. Seit dem Oberkarbon wurde das Faltengebirge abgetragen und im Oberen Perm zu nächst vom Zechstein-Meer überflutet. Im Laufe des Erdmittelalters (Mesozoikum) wurden überwiegend unter Meeresbedeckung mächtige Schichten abgelagert, wie die Ton-, Sand- und Kalksteine der Trias oder die Kreidesandsteine. Seit dem Jura, besonders während der Kreide und weit in das Tertiär hinein stieg im Zuge der saxonischen Tektonik die Pultscholle des Harzer Grundgebirges an einem NW–SE gerichteten Tiefenbruch, der Harznordrandstörung, auf – im Nord harz ca. 3.000 m! Gleichzeitig wurden die nördlich vorgelagerten mesozoischen Sedimente emporgeschleppt und auf gerichtet, so dass ihre ehemals horizontalen Schichtflächen nun senkrecht stehen. So finden wir in dieser, dem Harzrand vorgelagerten „Aufrichtungszone“ ursprünglich übereinander abgelagerte Gesteine unterschiedlicher Verwitterungsbeständigkeit nebeneinander, z. B. Muschelkalk des Ziegenbergs Wernigerode, des Horstbergs, des Struvenbergs und des Ziegenbergs Heimburg bzw. der Kreidesandsteine der Teufelsmauer und der Gegensteine in den Gebieten der Landmarken 9 und 15.
Motiv
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
MotivZum Klosterfischer“
Blankenburg/Michaelstein
www.klosterfischer.de
Tel.: (03944) 351114
MotivHotel „Der Kräuterhof“
Drei Annen Hohne
www.hotel-kraeuterhof.de
Tel.: (039455) 840
MotivWaldgasthaus und Hotel
"Drei Annen"
Drei Annen-Hohne
www.drei-annen.de
Tel.: (039455) 570-0
MotivGutsmühle Minsleben
Wernigerode/Minsleben
www.gutsmuehle.de
Tel.: (03943) 249604
MotivHotel „Am Anger“
Wernigerode
www.hotel-am-anger.de
Tel.: (03943) 9232-0
Motiv
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen Georoute rund um das Schloß Wernigerode ®. Auch sachkundige Führungen können vermittelt werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im Regionalverband Harz, Herr Dr. STEIGER (03944) 369085 oder T_Steiger@gmx.de). Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!

Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Klaus George, Achim Groß, Guido Harnau, Silvia Lisowski, Dr. Dieter Mucke, Fritz Reinboth, Dr. Horst Scheffler & Dr. Rainer Schulz
Blockbild: Dr. I. Rappsilber & Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: Bandarau, Büchenberg, George, Mucke, Schauhöhlen- und Bergwerksbetrieb Rübeland