Landmarke 8
Schloß Wernigerode
Schloß Wernigerode
Hoch über der bunten Stadt am Harz Schloß Wernigerode® ( 1 )
Auf einem Sporn des Agnesberges liegt das
märchenhafte Schloß Wernigerode. Von hier
bietet sich ein wunderschöner Blick auf die
Fachwerkstadt, das Brocken-Hohne-Massiv
und das Harzvorland.
Ursprünglich eine mittelalterliche Burg, die
den Weg der deutschen Kaiser auf ihren Jagdausflügen
in den Harz sichern sollte, zeigt sich
das Schloß heute in neuem Gewand. Nach
schweren Verwüstungen im 30jährigen Krieg
(1618-1648) begannen unter Graf ERNST ZU
STOLBERG-WERNIGERODE (1716-1778) die
Umbauarbeiten von einer Festung zum
barocken Residenzschloß. Der Aufstieg des
Grafen OTTO ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1837-
1896) zum ersten Oberpräsidenten der preußischen Provinz
Hannover 1867, später zum Botschafter in Wien und schließlich
zum Stellvertreter OTTO VON BISMARCKS (1815-1898) war der
Grund für den Umbau 1862 bis 1885. Der Architekt CARL FRÜHLING
jun. schuf ein Schloßensemble, das seit 1930 in Teilen der
Öffentlichkeit zugänglich ist. 50 Räume sind in zwei Rundgängen
zu besichtigen.
Als Baumaterial wurden für die Schloßanlagen Werksteine der
Region benutzt. Schon beim Aufstieg fallen in der nördlichen
Mauer des Lustgartens schöne Stromatolithe auf: schüsselförmige
Kalksteingebilde, geschaffen von koloniebildenden Cyanobakterien
im Meer des Unteren Buntsandsteins gleichzeitig mit
dem Rogenstein. Rogenstein ist ein oolithischer Kalkstein, der
aus winzigen Kugeln besteht, die an Fischrogen erinnern. Das
Torhaus des Schloßes ist mit gelbem Rogenstein verblendet,
der – häufiger auch in roten Varietäten – gemeinsam mit
rötlichen Sandsteinen des Buntsandsteins das überwiegende
Baumaterial des Schloßes bildet. Für die Ringmauern, seltener
auch für Türme und aufgehendes Mauerwerk der Gebäude,
wurden dunkelgraue Grauwacken des Agnesberges und
schwarze Vulkanite des Harzgrundgebirges verwendet.
Das relative Gebäudealter ist gut an der Oberflächengestaltung
der Naturwerksteine zu erkennen. In frühen Bauphasen wurden
überwiegend gebankte Sand- und Kalksteine verwendet, die
nach der Bankung „gespalten“ und senkrecht zur Schichtung
„gestoßen“ wurden, so dass sie bruchraue Flächen zeigen. Die
im 19. Jh. neu erbauten Gebäude oder Gebäudeteile sind
dagegen erkennbar am Einsatz glatt gesägter Werksteine –
insbesondere gelblicher Kreidesandsteine und örtlich auch
Rogensteine – für Erker, Tür- und Fenstergewände oder
Treppen anlagen. Seltener – wie etwa an der Mauer der großen
Schloßterrasse zu beiden Seiten des Hausmannsturms – wurden
auch gesägte Steine aus den Werksteinbänken des Muschelkalkes
verwendet. Der Einsatz ausländischer Werksteine erfolgte
nur ausnahmsweise (z.B. belgischer Marmor für den Kamin des
Festsaales, französischer Kalkstein für Kanzel und Altar der
Schloßkirche).
Schloß Wernigerode GmbH
(03943) 553030
Fax: 553055
Mai - Okt. tägl. 10 - 18 Uhr
Nov. - Apr. Di. - Fr. 10 - 16 Uhr
Sa., So., feiertags 10 - 18 Uhr
www.schloss-wernigerode.de
In der bunten Stadt am Harz Harzmuseum Wernigerode ( 2 )
Das 1821 als Wohnhaus
errichtete Gebäude Klint 10
beherbergt seit 1955 in seinem
Obergeschoss ein Museum. Die
Ausstellung gliedert sich in den
beiden Gebäudeteilen in einen
naturwissenschaftlichen und
einen stadtgeschichtlichen
Bereich.
Der Harz wird im ersten Teil der
Dauerausstellung vorgestellt:
Fossilien, Minerale und Gesteine
dokumentieren seine erdgeschichtliche Entwicklung. Die
Erze waren Gegenstand eines
über Jahrtausende andauernden
Bergbaus, dessen Spuren noch an vielen Stellen im Gebiet zu
finden sind. Die Tierwelt des Harzes ist sehr artenreich. Unter
dem Aspekt des Naturschutzes sind Präparate verschiedener
Tierarten ihrem jeweiligen Lebensraum zugeordnet, und eine
Schutzgebietskarte gibt eine Übersicht über die Lage
ökologisch besonders wertvoller Flächen.
Im zweiten Teil der Ausstellung finden wir einen bis in das
9. Jh. zurückreichenden Abriss der Geschichte Wernigerodes.
Die Entwicklung der Handwerkskünste in der Stadt, darunter
die der Zinngießer und Büchsenmacher, wird vorgestellt.
Auch der Fremdenverkehr
und das Fachwerk in
Wernigerode haben ihren
Platz.
Im Garten vor dem
Museum ist ein besonders
schöner Stromatolith zu
bewundern. Die benachbarte
Harz-Bücherei ist
eine der bedeutendsten
regionalen Bibliotheken.
Öffnungszeiten: Mo. – Sa. (auch Feiertage) 10 – 17 Uhr
(03943) 654454
www.wernigerode.de
Eiszeit-Denkstein Wernigerode ( 2 )
Sehenswert ist auch das Endmoränendenkmal
in Wernigerode: eine Granitstele
südlich des Großparkplatzes "Am Anger"
an der Ecke Rimbecker Straße/ Lindenallee
(N51°50.231’; E010°47.686’). Sie markiert
die so genannte „Feuersteinlinie“. Bis
hierher transportierten die Inlandgletscher
den Feuerstein, wie wir ihn von der Ostsee
her kennen.
Bürgerpark Das Geologische Fenster „Mineralienschlucht“ Wernigerode ( 3 )
Unter dem Motto „Harzblicke
erleben“ stellte die Landesgartenschau 2006 in
Wernigerode neugestaltete
Landschaften dar. Unter
anderem wurde dazu eine
alte Mülldeponie zwischen
Kurts- und Schreiberteichpark artig umgestaltet und
da bei von der „Mineralienschlucht“
durchschnitten.
Auf 48 m Länge enthält sie
als „geologisches Fenster“
Gesteine und Minerale, die
ein 15 km langes Profil vom
Lustberg bei Schmatzfeld im Norden über den Schlossberg
Wernigerode, die Schaubergwerke „Büchenberg“ sowie „Drei
Kronen und Ehrt“ (Landmarke 13) bis zum Hahnenkopf am
Bodetal bei Rübeland im Süden im Untergrund anschneiden
würde. So haben wir Gelegenheit, die Zusammenhänge von
Landschaftsformen, Gesteinen und geologischem Baustil
durch Betrachtung der Schautafeln und der dem geologischen
Schnitt zu zu ordnen den Gesteinsbruchstücke in
den Gabionen der Mineralienschlucht zu erkennen.
Die ersten der insgesamt 24 Gabionen enthalten die Gesteine
des Harzvorlandes: Sandsteine und Mergel der subherzynen
Kreidemulde und die bei der Heraushebung der Grundgebirgsscholle des Harzes aufgeschleppten und nun senkrecht
stehenden Schichten von Trias und Perm. In Gabione 7
grenzen an der nachempfundenen Harznordrandstörung die
unterkarbonischen Kulmgrauwacken des Grundgebirges an
die Zechsteingipse des Vorlandes. Es folgen die devonischen
und karbonischen Schiefer, Grauwacken und Kalke der Wernigeröder Einheit mit dem typischen Wechsel von Schieferung
und Schichtung in den einzelnen tektonischen Schollen. Die
Gabionen 15 - 23 enthalten typische Vulkanite, Erze und
Kalksteine des Elbingeröder Komplexes. Dabei wurden vulkanische
Gesteine der Mittelharzer Gänge, die das Harzgrundgebirge im Rotliegend durch schlagen haben, eingebaut. Die
gegenüberliegende Gabionenwand enthält zwei Gabionen
mit Gesteinen des Brockengranitmassivs.www.wernigeroeder-buergerpark.de
Grenzen Ruine Stapelburg ( 4 )
Schon vor dem Jahre 1306 hatten
die Grafen von Wernigerode an
der Heerstraße, die ihr Stammschloß
mit der bedeuten den
Reichs- und Bergbaustadt Goslar
(Landmarke 3) verband, die
Stapelburg als Straßenschutzund
Zollstätte errichten lassen.
Die Burg wurde mehr fach verpfändet und gelangte 1394 durch
Kauf in den Besitz des Bistums
Halberstadt. Nach mehrfachem
Wechsel der Eigentümer gelangte
die Burg 1625 als Erbschaft
wieder an das Domkapitel Halberstadt. Erst Graf CHRISTIAN ERNST
ZU STOLBERG-WERNIGERODE (1691-1771) gelang es im Berliner
Vergleich mit dem Domkapitel vom 11. März 1722 Stapelburg
für die nächsten Jahrhunderte wieder als Zubehör für die
Grafschaft Wernigerode zu sichern. König FRIEDRICH WILHELM I. VON
PREUSSEN (1688-1740) stellte gut fünf Jahre später durch
endgültige Beseitigung der Hoheitsansprüche des inzwischen
preußisch gewordenen Halberstädter Domkapitels die alte
Verbindung mit der Grafschaft Wernigerode wieder her.
Heute erhebt sich die Ruine Stapelburg eindrucksvoll über den
gleichnamigen Ort, der einen Besuch lohnt. Dazu fahren wir
über die alte oder neue B 6 bis zur Kirche von Stapelburg. Ein
kleiner Spaziergang führt uns sodann hinauf auf den Burgberg
mit seinen wunderschönen Streuobstwiesen und einer mächtigen
Linde, in deren Schatten eine Bank zum Verweilen einlädt.
In den Mauerresten der Stapelburg, z. B. links neben dem Eingang
zum Kellergewölbe, finden wir auch Rogenstein als Baumaterial
(vgl. Geopunkt 1).
Während der Zeit der Teilung Deutschlands lag Stapelburg im
so genannten Schutzstreifen der innerdeutschen Grenze.
Letztere verlief in der Mitte des Flüsschens Ecker. Im Herbst
1989 wurde hier der Durchgang durch die Mauer geschaffen,
der den meisten Ostharzern einen ersten Besuch im Westharz
ermöglichte.
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer
ganz persönlichen Georoute rund um das Schloß Wernigerode
®. Auch sachkundige Führungen können vermittelt
werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im
Regionalverband Harz, Herr Dr. STEIGER (03944) 369085 oder
T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung
und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier
vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Mundglashütte in Derenburg Glasmanufaktur Harzkristall ( 5 )
Die Derenburger Glasmanufaktur
HARZ KRISTALL
gehört zu den wenigen noch
produzierenden Mundglashütten
in Deutschland und
geht neue Wege, um Besucher
in die Geheimnisse der
Glasproduktion einzuweihen.
Zwar besteht die Glashütte
bereits seit 60 Jahren, doch
erst in den vergangenen
Jahren rückte die idyllisch
gelegene Hütte stärker ins
Visier der Touristen. Den
Besuchern wird die Hüttengeschichte und die Geschichte
des Glases nahe gebracht.
Die wohlgehüteten Geheimnisse der Herstellung dieses
Werkstoffes und seine Verarbeitung werden auf ansprechende
Art vermittelt. Beim Rundgang wird den Gästen ein sinnliches
Erlebnis geboten. Aus der Geschichte der Glasherstellung
wandert der Besucher in die reale Arbeitswelt der Glasmacher,
erlebt perfektes Handwerk und Führer, die selbst mit diesem
Handwerk verwurzelt sind. Zu vielen Anlässen können die
Gäste selbst Glas blasen und so erfahren, wie viel Geschick
Glasmacher brauchen. In einer Verkaufsausstellung sind die
Glasprodukte zu besichtigen und zu erwerben. Während die
Kinder auf dem Spielplatz toben können, bleibt Zeit für einen
Blick auf einen kleinen Auwaldrest an der Holtemme, Fischreiher
auf den Feldern sowie Rot- und Schwarzmilane in der Luft oder
auf ihren Schlafbäumen vor Derenburg und für einen Rundgang
durch das neu angelegte parkähnliche Gelände mit
Wasserfall.
Glasmanufaktur Harzkristall GmbH & Co. KG
Im Freien Felde 5, 38895 Derenburg
Führungen täglich zwischen 10.30 - 15.30 Uhr
(03 94 53) 680-0, Fax -25
www.harzkristall.de
Steil gestellt: Die Nordharz-Aufrichtungszone Der Horstberg ( 6 )
Wir verlassen Wernigerode auf
der B 6 alt in Richtung Blankenburg.
Am Ortsausgang sehen
wir linker Hand die Reste einer
alten Wege warte auf dem Horstberg.
Links zweigt ein Feldweg
ab. Dort lassen wir unser Auto
stehen. Am Kammweg entdecken
wir einen aufgelassenen
Steinbruch (N51°50.470´;
E010°49.434´). Vom Gipfel
haben wir einen wunder schönen
Blick auf den Harz bzw. in
das subhercyne Becken.
Der Horstberg weist zwei Härtlingszüge auf. Sowohl die Terebratelbank des Unteren Muschelkalkes als auch die Trochitenkalkedes Oberen Muschelkalkes treten als Härtling auf. Die
da zwischen liegenden Schichten des Mittleren Muschelkalkes
sind als weiche dolomitische Kalke ausgebildet, wurden
schneller abgetragen und bilden deshalb eine Senke. Im zentralen
Steinbruchteil kann das Überkippen der Schichten und
ihre Steilstellung in der Nordharz-Aufrichtungszone beobachtet
werden. Hier wurden die Schaumkalkbänke des Wellenkalkes
abgebaut. Am südlichen Berghang fallen im Ackerboden die
rötlich-grauen, teilweise bläulichen Tone des Oberen Buntsandsteins
auf.
Von unserer kleinen Exkursion zum Auto zurückgekehrt,
können wir noch die Straße überqueren und zur Tongrube der
ehemaligen Ziegelei „Heuer“ gehen. Dort wurden Tone des
Mittleren und Unteren Buntsandsteins abgebaut. Der härtere
Schicht rücken des Rogensteins ist dadurch gut herausgearbeitet.
Bereits 50 m weiter südlich stehen schon die
Gesteine des Harzpaläozoikums an.
Zechstein-Erdfälle und „Harz-Zacke“ Wolfsholz und Benzingeröder
Vorsprung ( 7 )
In östlicher Richtung liegt die Siedlung
Wolfsholz (N51°50.065´;
E010°50.492´). Die hiesigen kleinen
„Wasserlöcher" entstanden oft als
Erdfälle bzw. Dolinen auf Zechsteinunterlage. Es sind kessel- bis trichterförmige
Hohl formen im Gelände,
in denen die Deckschichten über
ein gestürzten Auslaugungshohlräumen im Gips nachgebrochen
sind. Wir befinden uns am Sporn des
sogenannten Benzingeröder Vorsprungs.
Da die Nordharzrandstörung
nicht geradlinig verläuft, nennt
man die zackenartigen Harzausbuchtungen
nach Norden "Sporne",
denen jeweils eine "Einbuchtung"
nach Süden folgt. Weitere Sporne sind der Schimmerwald
zwischen Stapelburg und Bad Harzburg (Landmarke 15) und
der Sporn bei Ermsleben (Landmarke 3).
Naturschutzgebiet Struvenburg bei Benzingerode ( 8 )
Weiter östlich am Harzrand
- im Taldurchbruch des
Hellbaches durch den
Muschelkalkrücken - liegt
Benzingerode. Der Übergang
vom Harzvorland zum
Harzgebirge ist hier mit
Höhen unterschieden bis zu
300 m sehr markant. Vom
Ortszentrum wandern wir
zur Struvenburg, einer Wallanlage wahrscheinlich
fränkischer Herkunft (N51°50.083´; E010°52.247´). Sie liegt
bereits im Naturschutzgebiet (NSG) „Ziegenberg bei Heimburg“.
Insbesondere am Südhang beherrscht ein Enzian-Schillergras-
Halbtrockenrasen das Bild. Kleine aufgelassene Steinbrüche
zeigen meist eine steile, zum Harz hin überkippte Lagerung
von Schichten der Trias, vorwiegend Unterer Muschelkalk bis
teilweise zum Mittleren Keuper. Abgebaut wurden in der
Regel die Schaumkalkbänke des Wellenkalkes.
Wir können das NSG auf dem Kammweg begehen und auf der
Südseite zum Ausgangspunkt zurückkehren. Die südlich des
NSG gelegenen Vertiefungen sind Erdfälle bzw. alte Pingen, in
denen Gips gebrochen wurde.
Sagenhafte Steinsäulen Menhire bei Benzingerode ( 9 )
Drei Riesen wollten einst
die Entscheidung, wer von
ihnen ein von allen umworbenes
Bauernmädchen zur
Frau erhält, in einem Steinwurfwettkampf
herbeiführen.
Da sie am Ende
aber feststellen mussten,
dass die von ihnen geworfenen
Steine unterschiedlich
groß waren, konnte
keiner zum Sieger erhoben
werden. Die Riesen gingen
im Zorn auseinander und
verließen die Gegend.
Zurück blieben aufrechtstehende Steinsäulen: die
Menhire bei Benzingerode.
Soweit die Sage, doch welche Bedeutung hatten die vor mehr
als 5.000 Jahren aufgerichteten Steine, die aus verkieseltem
Heimburger Sandstein bestehen tatsächlich? Wir wissen es
nicht.
Bei bauvorbereitenden archäologischen Untersuchungen, für
die vierspurige B6n wurden zahlreiche Belege einer Besiedlung
im Neolithikum gefunden, darunter eine Totenhütte, in
der zur Zeit der Bernburger Kultur (3.400 bis 2.800 v. Chr.)
ca. 40 Menschen bestattet wurden. In beiden Fahrtrichtungen
der B 6n gibt es dazu auf den Rastplätzen „Regensteinblick“
Informationen.
Kugelige Körper im Gestein Kalksandstein-Konkretionen bei
Blankenburg ( 10 )
Beim Bau der B6n wurden in den Heimburg-
Schichten des Obersantons (Oberkreide)
kugelförmige Kalksandstein-Konkretionen gefunden, die verwitterungsbeständiger sind als die umgebenden Sandsteine
und an der B6n zu großen Kegeln
auf gehäuft wurden. Sie entstanden aus
zirkulierenden Lösungen.
Bergbau im Elbingeröder Komplex Schaubergwerk Büchenberg
Elbingerode (11 )
Von Heimburg aus fahren wir in
Richtung Elbingerode und folgen der
Ausschilderung zum Schaubergwerk
Büchenberg. Vom Parkplatz bis zum
Eingang (N51°47.478’; E010°49.085’)
ist es noch ein kurzer Spaziergang.
Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer
können mit dem PKW bis zum Eingang
fahren. Am Ende des Weges fällt ein
Eisengittermast auf: Es ist die Stütze
Nr. 1, die an die einstmals längste
Industrieseilbahn Europas erinnert. Im Schaubergwerk ist
seit 1989 ein 600 m langer Teil der 1. Sohle zwischen
Seilbahn und Schacht I (Rotenbergschacht) öffentlich
zugänglich. Eine Ausstellung im Foyer gibt Informationen zu
Geologie, Bergbaugeschichte und Erzförderung/-verhüttung.
Die Grubenbefahrung (auch für Rollstuhlfahrer möglich)
erlaubt Einblicke in die Abbautechnik und Erzförderung der
letzten Betriebsperiode und gewährt mit dem Schalsteinlager
in der Schachtumfahrung und dem Erzkörper Nr. 5 Einblicke
in interessante Erztypen. Beim Anfahren der Antriebsanlage
der Industrieseilbahn und dem Vorführbetrieb von
Bohrhammer, Überkopflader und Schrapper können wir reale
Bergbauatmosphäre spüren.
Eisenerzbergbau ist bei Elbingerode schon seit dem 10. Jh.
belegt, aber tatsächlich wohl noch viel älter. Abgebaut
wurden vor allem kalkige Roteisenerze, die sich als günstiger
Zuschlagstoff für die Verhüttung der sauren Salzgitter-Erze
erwiesen. Nach Kriegsende trugen die Harzer Eisenerzgruben
Büchenberg und Braunesumpf wesentlich zur DDR Roheisenversorgung
bei. In der letzten Förderungsperiode
überwogen im Büchenberger Fördererz Magnetit, Eisenspat
und Roteisenstein mit Quarzbeimengungen.
Am Schaubergwerk beginnt und endet ein Bergbaulehrpfad,
der in historisches Bergbaugebiet führt. Östlich des Bergwerks
befindet sich das Naturdenkmal „Marmorpinge Hartenberg“,
wo Eisenerz und Kalke abgebaut wurden. Aufgrund
des feucht-kalten Mikroklimas haben sich hier seltene Farne,
Moose und Flechten erhalten.
Übrigens gibt es die günstige Kombikarte, die den Eintritt in
eine Rübeländer Tropfsteinhöhle (Landmarke ) und in das
Schaubergwerk Büchenberg ermöglicht.
Führungen täglich um 10, 12, 14 und 16 Uhr und auf Anmeldung.
(039454) 42 200
www.schaubergwerk-buechenberg.de
Karstquellen, Stollenmundloch, Kalkhöhlen
und artesischer Brunnen Von Jasperode in den Klostergrund ( 12 )
Aus dem Kalkstein des Braunesumpf-Sattels
entspringt an dem wenig sehenswerten
Flecken Eggeröder Brunnen (Ortsteil Jasperode
der Stadt Elbingerode) eine leider ein gehauste
Karstquelle. Der Flecken ist aber Ausgangspunkt für eine Wanderung zu drei
sehenswerten Geopunkten. Wir erreichen
Jasperode über einen öffentlichen Waldweg,
der nordöstlich Elbingerode von der nach
Heimburg führenden Straße im Drecktal am
Drei-Herren-Stein abzweigt. Wir suchen einen
Stellplatz für das Auto und folgen dem Wanderweg
Richtung Blankenburg. An der Gabelung
am Forsthaus wählen wir den nach links
führenden Talweg in den Klostergrund. Nach
etwa 1 km öffnet sich linker Hand in dunkelgrauen Spilit-Kissenlaven das Mundloch eines
Stollens, der alte Eisenerzgruben des Mittelberges
entwässert (N51°47.147’; E010°
52.247’).
Weiter talabwärts wird uns an einer alten
Fichte der Weg in ein Seitental gewiesen. Es
sind nur wenige Schritte bis zu einer munter
sprudelnden Karstquelle, dem Volkmarsbrunnen.
Rechter Hand in einer Kalkklippe
entdecken wir nach einem kleinen Aufstieg
die künstlich erweiterte Naturhöhle „Volkmarskeller“ (N51°47.287’; E010°52.346’). Der
Hauptraum der Höhle, eine heute trockenliegende Etage dieses Höhlensystems, ist an
zwei parallelen, etwa 60° nach West ein fallenden
Nord-Süd-Klüften angelegt. Im Jahre 956
wird die Höhle dem Reichsstift Quedlinburg
geschenkt. In der Schenkungsurkunde König
OTTOS wird eine Klausnerin Liutbirg erwähnt,
die um 850 in der Höhle gewohnt haben soll.
Erwähnung findet für diesen Ort auch eine
Michaelskirche. Zwei in den Felsen gehauene
Weihekreuze sind an den Felsenwänden
erhalten. Später befand sich hier eine Einsiedelei
der sagenhaften Volkmarsbrüder.
1146 ließen sich Zisterziensermönche nieder;
die Fundamente oberhalb der Höhle dürften
die Reste dieses ersten Klosters Michaelstein
sein, das später talabwärts verlegt wurde (Landmarke 9). Ein
enger Schacht verbindet das ehemalige Kloster mit der
Höhlenkirche.
Alle diese Anlagen haben sich entlang des Karstwasserbaches
im Klostergrund entwickelt. Archäologische Funde belegen,
dass schon in dieser Zeit am Eggeröder Brunnen in Rennfeueröfen
Eisenerze verhüttet wurden.
Wieder in den Klostergrund zurückgekehrt, wandern wir weiter
talabwärts. Etwa auf halbem Weg zum Kloster Michaelstein
entdecken wir rechter Hand noch ein unverschlossenes
Bohrloch (N51°47.925’; E010°53.820’). Es entstand bei einer
Probebohrung zur Erkundung von Eisenerzlagerstätten. Das
Bohrloch wirkt wie ein artesischer Brunnen: periodisch tritt
schwefelhaltiges Grundwasser aus. Bis zur gemütlichen Einkehr
im Gasthaus „Zum Klosterfischer“ ist es nun nicht mehr weit.
Geologie des Gebietes
Mitten durch das Gebiet der Landmarke und die östlich
angrenzende Landmarke 9 verläuft die Nordharzrandstörung.
Im Norden setzen sich die Schichten des dem Harz
vorgelagerten Sedimentbeckens – des Subhercynen Beckens
– in der Landmarke 14 fort. Südlich der Harznordrandstörung
steht das Grundgebirge aus Gesteinen des Erdaltertums
(Paläozoikum) an. Aus Meeresablagerungen des
Devons und Unterkarbons gingen Tonschiefer und Grauwacken
hervor, denen auch örtlich Kieselschiefer und Kalksteine
eingelagert sind.
Vor ca. 300 Mio. Jahren setzte an der Wende Unterkarbon/
Oberkarbon die variszische Ge birgsbildung ein, mit der
diese Gesteine aufgefaltet und geschiefert wurden. Das
Meer wurde zurückgedrängt. Teile der Erdkruste schmolzen
auf und stiegen als saures Magma auf, bis die Intrusivkörper
stecken blieben und sich abkühlten. Dabei entstand u. a. der
Brockengranit, der heute im Ergebnis von Hebungs- und
Abtragungsvorgängen von der Erdoberfläche angeschnitten
ist.
Seit dem Oberkarbon wurde das Faltengebirge abgetragen
und im Oberen Perm zu nächst vom Zechstein-Meer überflutet.
Im Laufe des Erdmittelalters (Mesozoikum) wurden
überwiegend unter Meeresbedeckung mächtige Schichten
abgelagert, wie die Ton-, Sand- und Kalksteine der Trias
oder die Kreidesandsteine. Seit dem Jura, besonders während
der Kreide und weit in das Tertiär hinein stieg im Zuge der
saxonischen Tektonik die Pultscholle des Harzer
Grundgebirges an einem NW–SE gerichteten Tiefenbruch,
der Harznordrandstörung, auf – im Nord harz ca. 3 km!
Gleichzeitig wurden die nördlich vor ge lagerten mesozoischen
Sedimente emporgeschleppt und aufgerichtet, so
dass ihre ehemals horizontalen Schichtflächen nun senkrecht
stehen. So finden wir in dieser, dem Harzrand vorgelagerten
„Aufrichtungszone“ ursprünglich über einander
abgelagerte Gesteine unterschiedlicher Verwitterungsbeständigkeit nebeneinander, z. B. Muschelkalk des Ziegenbergs
Wernigerode, des Horstbergs, des Struvenbergs und
des Ziegenbergs Heimburg bzw. der Kreidesandsteine der
Teufelsmauer und der Gegensteine in den Landmarken
9 und 15.
Ausgewählte Hotels
Zum Klosterfischer“Blankenburg/Michaelstein
www.klosterfischer.de
Tel.: (03944) 351114
Hotel „Der Kräuterhof“Drei Annen Hohne
www.hotel-kraeuterhof.de
Tel.: (039455) 840
Waldgasthaus und Hotel"Drei Annen"
Drei Annen-Hohne
www.drei-annen.de
Tel.: (039455) 570-0
Hotel BlocksbergSilstedt
www.hotel-blocksberg.de
Tel.: (03943) 54710
Hotel „Am Anger“Wernigerode
www.hotel-am-anger.de
Tel.: (03943) 9232-0
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002
gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der
Regionalverband Harz e. V. übernommen. Träger im nördlich
angrenzenden Gebiet ist der Verein FEMO mit Sitz in Königslutter.
Der Übersichtskarte können Sie die Lage aller Land marken
entnehmen. Wie dieses Faltblatt werden Ihnen auch die Faltblätter
für die anderen Landmarken helfen, Ihren nächsten Besuch im
Natur- und Geopark zu planen.
Herausgeber: Regionalverband Harz e. V., Hohe Straße 6, 06484 Quedlinburg
Telefon: 0 39 46 - 9 64 10, Fax: 0 39 46 - 96 41 42
4., neu bearbeitete Auflage. © Regionalverband Harz e. V.
Alle Rechte vorbehalten. Quedlinburg 2009
Internet: www.harzregion.de
Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Klaus George, Achim Groß, Guido Harnau,
Silvia Lisowski, Dr. Dieter Mucke, Fritz Reinboth, Dr. Horst Scheffler
& Dr. Rainer Schulz
Blockbild: Dr. I. Rappsilber & Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und
Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: Bandarau, Büchenberg, George, Mucke, Schauhöhlen- und
Bergwerksbetrieb Rübeland
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke
Gestaltung: Design Office Agentur für Kommunikation, Wernigerode
Druck: Koch-Druck, Halberstadt
Telefon: 0 39 46 - 9 64 10, Fax: 0 39 46 - 96 41 42
4., neu bearbeitete Auflage. © Regionalverband Harz e. V.
Alle Rechte vorbehalten. Quedlinburg 2009
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& Dr. Rainer Schulz
Blockbild: Dr. I. Rappsilber & Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und
Bergwesen Sachsen-Anhalt)
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Bergwerksbetrieb Rübeland
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke
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