Landmarke 7
Kohnstein - Thüringer Südharzrand
Kohnstein - Thüringer Südharzrand
Südharzer Zechsteingürtel Kohnstein Niedersachswerfen ( 1 )
Der Kohnstein bei Niedersachswerfen
beherrscht das Landschaftsbild in bemerkenswerter
Weise. So beeindruckte die
natürliche Steilstufe des Berges
bereits von alters her die
Menschen und ist deshalb in
zahlreichen historischen Darstellungen dokumentiert. Heute
wird das Bild von einem
Anhydrittagebau geprägt, dem
bereits große Teile des Bergmassivs
zum Opfer gefallen sind.
Das Kohnsteinmassiv besteht aus bis zu 400 m mächtigem
Anhydrit der Werra-Folge mit einer Gipsrinde und wird in
seinen höchsten Partien von Resten des Hauptdolomits der
Staßfurt-Folge abgeschlossen. In dem vergipsten
Werraanhydrit sind zahlreiche Karsterscheinungen
entwickelt.
Bereits im Jahr 1917 beginnt die BASF die Gewinnung von
Anhydrit im Untertagebetrieb: die Geschichte der Entstehung
eines umfangreichen künstlichen Hohlraumsystems nimmt
ihren Anfang. Bis 1935 wurden ca. 35 Mio. t Anhydrit gebrochen (teilweise auch im Tagebau) und zur chemischen
Verarbeitung in die Leunawerke Merseburg geliefert.
www.karstwanderweg.de Karstwanderweg
Der Karstwanderweg, der auch durch
das Gebiet des Kohnsteins führt, ist
ein landschaftsbezogener Weg und
interdisziplinärer thematischer
Lehrpfad mit geowissenschaftlichem
Schwerpunkt. Er erstreckt sich als
etwa 200 km langer Wanderweg mit
rund 200 Erklärungstafeln von Förste
im Westen (Landmarke 11) bis nach
Pölsfeld im Osten (Landmarke 12).
Der Weg verbindet die Südharzer
Karstlandschaft über die Grenzen der
Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Er
erreicht den Landkreis Nordhausen von Westen her in zwei
Ästen, die sich bei Gudersleben zu einem Weg vereinigen.
Viele der in diesem Faltblatt vorgestellten Geopunkte liegen
am Karstwanderweg. Ein roter Balken auf weißem Grund
kennzeichnet den Verlauf des Karstwanderweges in seinen
mittleren und östlichen Abschnitten.
Tourismus – Informationszentrum NordhausenTel.: (03631) 902154
www.nordhausen-tourist.de
Gedenkstätte Mittelbau-Dora (2)
Eine bedeutende Erweiterung
erfuhr das künstliche Hohlraumsystem
im Kohnstein, als
im Jahr 1935 die Wirtschaftliche
Forschungsgesellschaft
(Wifo) - ein Ressort des Reichswirtschaftsministeriums
- mit
der Auffahrung eines umfangreichen
Stollensystems
be gann, um gemäß ihres Auftrags
ein Rohstoff- und
Materiallager für den Kriegsfall
anzulegen. Dass dies konkrete
Kriegsvorbereitungen waren,
darüber besteht heute traurige Gewissheit! Das
Treibstofflager für die Wehrmacht war im Spätsommer
des Jahres 1943 fast fertiggestellt, als
Luftangriffe auf die Raketenfertigung in Peenemünde
deren Verlagerung erforderlich machte. Das
nationalsozialistische Regime entschied, die Raketenmontage
unter Tage zu verlagern. Ende August 1943 wurde deshalb im
Kohnstein bei Nordhausen eiligst ein Außenlager des Konzentrationslagers
Buchenwald eingerichtet, das den Namen
„Dora“ erhielt. Für die Bauarbeiten brachte die SS Menschen
aus vielen von Deutschland besetzten Ländern nach Dora. Sie
waren Tag und Nacht in den Stollen eingeschlossen, viele
starben schon nach wenigen Wochen unter den mörderischen
Arbeits- und Lebensbedingungen. Erst im Frühjahr 1944
wurde ein oberirdisches Barackenlager gebaut.
Im Oktober 1944 erhielt das Lager Dora unter dem Namen „KZ
Mittelbau“ den Status eines selbständigen Konzentrationslagers
(KZ). Es entwickelte sich zum Zentrum eines großen
Lagerkomplexes mit über 40 Außenlagern und Arbeitskommandos
in der Harzregion. Die meisten Häftlinge des KZ
Mittelbau mussten auf den zahlreichen Baustellen arbeiten,
nur etwa ein Zehntel war in der unterirdischen Fabrik
beschäftigt. Von den 60.000 Häftlingen des KZ Mittelbau-Dora
kamen 20.000 ums Leben.
Die heutige Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist Teil der von der
Bundesregierung und dem Land Thüringen getragenen
Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau - Dora.
Neben der Dauerausstellung zur Entstehung und Funktion des
Lagers bietet die Gedenkstätte Führungen im Lagergelände
und in den Stollenanlagen an. Die Dokumentationsstelle und
die Bibliothek sind nach Absprache zugänglich. Wir erreichen
die Gedenkstätte indem wir in Nordhausen (Richtung Ilfeld)
zunächst der B 4 und von dieser nach links abzweigend dann
der Beschilderung Mittelbau-Dora folgen.Öffnungszeiten der ständigen Ausstellung (außer Montag):
März - Okt.: 10.00 - 18.00 Uhr
Nov. - Feb: 10.00 - 16.00 Uhr
Gruppenführungen nach Voranmeldung: (03631) 495820
www.dora.de
Karst Buchholzer Erdfall ( 3 )
Charakteristisch für diese Landmarke ist der Karst. Direkt am
Ortsausgang von Buchholz in Richtung Stempeda befindet
sich eine geologische Störung. Das von der Störung einsickernde
Wasser traf hier auf auslaugungsfähige Gipse des
Zechsteins. Zunächst entstanden so Karsthöhlen, die später
einbrachen. Sichtbares Zeugnis dieses Prozesses ist der fast
30 m tiefe Buchholzer Erdfall. Eine Schautafel erklärt die
speziellen örtlichen Verhältnisse.
Der Begriff „Karst“ ist den Landschaften Kroatiens entlehnt und
beschreibt Gebiete, in denen das Niederschlagswasser nicht
oder nicht mehr oberirdisch abläuft und Fluß- und Bachbetten
aufgrund der unterirdischen Entwässerung eine Zeit des Jahres
trocken liegen. Ursache ist die gute Löslichkeit der Gesteine
Kalkstein, Dolomit und Gips sowie auch Stein- und Kalisalz. In
den meisten Karstgebieten ist es der Kalk der verkarstet, am
Südharz jedoch neben dem Dolomit vor allem der Gips, der
sich - gegenüber Kalk - um das 100-fache leichter aufzulösen
vermag: 2 g Gips werden in 1 l Wasser gelöst! Wird der
schwerer lösliche Anhydrit dem Einfluss des Wassers
ausgesetzt, wird dieser zu Gips umgebildet. Steht weiterhin
ausreichend Wasser zur Verfügung, bilden sich - ausgehend
von Rissen, Klüften und Schichtfugen im Gestein - Spalten und
Hohlräume heraus. Diese können letzten Endes dazu führen,
dass ein Teil der oberirdischen Gewässer über Bachschwinden
oder Ponore in den Untergrund verschwindet und damit zu
einem Bestandteil des Grundwassers werden kann. Das
Grundwasser bewegt sich bevorzugt auf Spalten und
Hohlräumen, die durch die Verkarstung entstanden bzw.
erweitert worden sind und kann konzentriert in mehr oder
weniger markanten Quellen zu Tage treten. Für diese
Karstquellen konnte durch Markierungsversuche in einigen
Fällen ein direkter Zusammenhang mit versunkenen
Oberflächenwässern nachgewiesen werden.
Auch das in den Buchholzer Erdfall einfließende Wasser wurde
versuchshalber eingefärbt, ein Verbleib konnte jedoch nicht
nachgewiesen werden. Es wird vermutet, dass das Wasser
Richtung Süden einem großen unterirdischen Karstwasserstrom
im Bereich der Goldenen Aue zufließt.
Die Verkarstung hat außer zur Entstehung von Erdfällen zur
Herausbildung von Auslaugungssenken, Höhlen sowie der
Entwicklung der morphologisch sehr bewegten vielgestaltigen
Gipskarstlandschaft geführt.
Salzaquelle ( 4 )
Die unmittelbar südlich des Kohnsteins
gelegene Salzaquelle („Salzaspring“),
liegt am Karstwanderweg
und stellt das für das unterirdische
Wasser bestimmende hydrogeologische
Element des Südharzer Zechsteingürtels dar. Mit einer mittleren
Quellschüttung von rund 400 l/s ist
sie eine der bedeutendsten
Karstquellen Deutschlands und gilt
als stärkste Quelle Thüringens.
Auch für die Salzaquelle wurden
und werden immer wieder direkte
Verbindungen mit versunkenem Oberflächenwasser,
insbesondere der Wieda, angenommen, wobei ein direkter
Nachweis allerdings bisher nicht geführt werden konnte. Die
letzte umfassende Bearbeitung der Karsthydrogeologie des
Südharzer Zechsteingürtels erfolgte durch HAASE (1936). HAASE
kommt zu den auch modernen Vorstellungen entsprechenden
Erkenntnissen, dass die Salzaquelle nicht an ein bestimmtes
Karstgerinne gebunden ist, sondern ein im Zechsteinausstrich
liegendes unter irdisches Einzugsgebiet entwässert. Da das
Quellwasser fast konstant 9,5 °C warm ist, friert die Salza auch
bei starkem Frost nicht zu und war deshalb lange Zeit für
zwölf unterliegende Mühlen von größter Bedeutung.
Ältestes Naturdenkmal im Landkreis Nordhausen Kelle bei Werna ( 5 )
Von der Salzaquelle
wandern wir auf dem
K a r s t w a n d e r w e g
westwärts weiter
entlang der Hörninger
Kuppen. Diese reizvolle
Landschaft am
Westrand des Kohnstein
massivs ist Teil
des Naturschutzgebietes
„Sattelköpfe“.
An der Gabelung des
Karstwanderweges bei
Gudersleben, wandern
wir in Richtung Appenrode
und erreichen die
„Kelle“ - eine Gipshöhle. Im Jahr 1589 wurde die Höhle
erstmals kartografisch dargestellt. Die Höhle bestand
ursprünglich aus einer mächtigen 85 m langen Halle mit
einem Höhlensee und einer kleinen Deckenöffnung, durch die
das Tageslicht einfiel. Der Verfall einer durch die Auslaugung
von Gips entstandenen Karsthöhle lässt sich am Beispiel der
Kelle gerade zu exemplarisch verfolgen, da er wegen der
frühen Erstbeschreibung und der späteren Bekanntheit der
Höhle ausgezeichnet dokumentiert ist.
Vor der Reformation diente die Kelle als Wallfahrtsort. Die
Pilger zogen in einer Prozession zur Kelle, ein Priester tauchte
ein Kreuz in das Wasser des Höhlensees und rief den
Gläubigen zu: "Kommt und gucket in die Kelle, so kommt ihr
nicht in die Hölle!"
Über die Entstehung des Höhlensees mit dem eigentümlichen
Namen weiß die Sage zu berichten, die man sich in der
Gegend um Ellrich erzählt: Es war einmal eine arme Waise, die
ihr Herz vollends an ihren Verlobten gegeben hatte, jedoch
von ihm betrogen ward. Sie musste mit ansehen, wie er ein
anderes Mädchen küsste und liebkoste. Da lief sie in den Wald
und weinte bitterlich. Sie beklagte ihr Schicksal und wünschte
sich den Tod. Und weil im Frühling alle Wünsche in Erfüllung
gehen, wuchs plötzlich aus dem Nichts eine große Männergestalt
empor. Er trug das Handwerkszeug eines Maurers bei
sich. Schweigend und voller Mitgefühl schaute er auf das
Mädchen herab. Dann stieß er mit voller Wucht seine Maurerkelle
in den Boden so dass sich dieser auftat und das Mädchen
in die Tiefe riss. Die Öffnung füllte sich sogleich mit Wasser.
Noch heute soll der Wasserspiegel an manchen Tagen ein
trauriges Mädchengesicht zeigen. Entweder hat die Betrogene
nie wieder den Tag gefunden, an dem ihr Wunsch nach
Erlösung in Erfüllung geht, oder sie hat diesen Wunsch gar
nicht und möchte lieber für immer in der Tiefe bleiben.
Seit etwa 1770 setzte ein rascher Verfall der Höhle ein, so dass
sie sich heute - durchaus eindrucksvoll - als ein ganzes
Ensemble von Karsterscheinungen präsentiert: Ein durch eine
Naturbrücke zweigeteilter Erdfall mit einer angrenzenden
halb offenen Grotte und dem Höhlensee.
Fremdenverkehrsbüro EllrichTel.: (03 63 32) 260
www.ellrich.info
Alabastergipsbruch Rüdigsdorf ( 6 )
Zwischen Krimderode und Rüdigsdorf,
beides Ortsteile der Stadt
Nordhausen, liegt unmittelbar an
der Ortsverbindungsstraße am
Rand eines weiten Auslaugungstals
ein ehemaliger Steinbruch.
Der als Flächennaturdenkmal ausgewiesene Gipsbruch ist Teil des
Landschaftsschutzgebietes
„Rüdigsdorfer Schweiz“, das u. a.
wegen seiner ausgeprägten Karsterscheinungen und der spezifischen
Pflanzen- und Tiergemeinschaften bekannt ist.
In dem Steinbruch wurde der vergipste Anhydrit der Werrafolge
gewonnen. Die gut erhaltene Steinbruchwand gestattet einen
Einblick in den internen Aufbau der
Schichtenfolge. Der Gips ist feingeschichtet.
Deutlich erkennbar ist eine Wechsellagerung dünner Lagen von reinem
weißen Gips, dem Alabaster, und durch
Ton und Karbonate verunreinigtem grauen
Gips. In diese Wechsellagerung sind
lagenweise Gebilde von besonders reinem
Gips mit einem Durchmesser von 20 bis
40 cm, sogenannte Alabasterknollen, eingeschaltet.
Alabaster lässt sich leicht
bearbeiten. Früher wurden aus dem hiesigen
Material Figuren, Vasen und ähnliches
gefertigt.
Grenzland Alter Stolberg ( 7 )
Vom Waldhotel Kalkhütte aus können wir
auf dem Grenzweg durch die ausgedehnten
Rotbuchenwälder des Naturschutzgebietes
„Alter Stolberg“ wandern. Der Alte Stolberg
ist durch Erdfälle und andere markante
Karsterscheinungen gekennzeichnet.
Unweit des Waldhotels Kalkhütte gibt eine
Informationstafel des Karstwanderweges
dazu erste Erläuterungen. Der Weg führt
entlang der früheren Grenze zwischen Kursachsen
und Hannover zum Grenzstein Nr.
100.
Grenzstreitigkeiten zwischen Kursachsen
und Hannover wurden am 30. August 1735
in Nordhausen mit einem Abkommen
beendet. Darin wurde festgelegt, dass die bisher eingerammten
Grenzpfähle durch 252 Grenzsteine ersetzt werden sollten.
Auf der han noverschen Seite wurde das Ross, auf der
sächsischen Seite der schreitende Löwe eingemeißelt. Der
Löwe war das Wappentier der Landgrafschaft Thüringen.
Diese war 1423 im Kurlande Sachsen-Wittenberg
aufgegangen.
Noch heute tragen die Bundesländer Niedersachsen und
Thüringen Ross bzw. Löwe im Staatswappen.
Spur der Steine Stadtmauer Nordhausen ( 8 )
Die Stadt Nordhausen wurde erstmals 927 in
einer Schenkungsurkunde HEINRICHS I. an seine
Frau MATHILDE urkundlich erwähnt. Im 13. Jh.
begann der Bau einer steinernen Befestigung.
Ständige Fehden mit den Grafen von
Hohnstein, Stolberg und Schwarzburg machten
eine Erweiterung der Stadtbefestigung
notwendig. Im 14. und 15. Jh. wurde die
Stadtmauer erweitert und erhielt zahlreiche
Wehrtürme. Vier Haupttore ermöglichten den
Zugang zum Stadtkern: Töpfertor, Rautentor,
Neuewegstor und Barfüßertor. Die Steine
zum Bau der Stadtbefestigung mussten von
den umliegenden Dörfern geliefert werden.
Der als Baustein überwiegend ver wendete
Dolomit wurde am Kohnstein gewonnen .
Ein Luftangriff kurz vor dem Ende des Zweiten
Weltkriegs zerstörte die Stadt zu über 70%. Auch deshalb sind
heute nur noch ca. 1.600 m der Stadtmauer erhalten und zu
besichtigen.
Wir beginnen unsere Stadtbesichtigung mit dem Besuch der
Altstadt. Markantestes Bauwerk ist der um 1130 erbaute Dom
zum Heiligen Kreuz. Der Roland, als Sinnbild der Eigenständigkeit
einer Stadt mit Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit, wurde
erst mals 1411 erwähnt.
Unser Stadtrundgang führt uns schließlich zu einem weitläufigen
Gelände, dass erst im Rahmen der Landesgartenschau 2004 neu
gestaltet wurde. Hier finden wir besonders eindrucksvolle Reste
der einst wehrhaften Stadtummauer ung mit ihren Wehrtürmen.
Von der Wucht der Druckwellen detonierender Bomben am 4.
April 1945 kündet noch ein verschobener Block des 1880
errichteten steinernen Obelisken, der dem Andenken gefallener
Söhne der Stadt in den Kriegen des 19. Jh. gewidmet ist.
Stadtinformation NordhausenTel.: (03631) 696797
www.nordhausen.de
Stadtmauer Ellrich ( 9 )
Sehenswert ist auch die Stadtmauer
von Ellrich. 1315 erstmals urkundlich
erwähnt, ist sie auch heute noch in
zusammenhängenden Teilen zu
besichtigen. Ein 1912 geschaffen er
kürzerer und bequemerer Zugang zu
einer neu angelegten Straße erhielt
einen im posanten Torbogen. Auch die
Stadtmauer Ellrich wurde aus örtlich
anstehendem Gestein erbaut.
Empfohlen wird ebenfalls der Besuch
des Hospitals, des ältesten Fachwerkensembles von Ellrich,
welches im 12. Jh. durch das Kloster Walkenried (Landmarke
16) gegründet wurde.
Sühnekreuze Glockensteine Steigerthal ( 10 )
Etwa 1 km südwestlich von
Steigerthal steht auf der
Haard eine Steingruppe.
Ein Porphyrkreuz und zwei
Nebensteine sollen der
Sage nach daran erinnern,
dass hier ein Glockengießer
aus Stolberg seinen Gesellen erschlug, weil dieser
einen Glockenguss besser
vollendet hatte als er
selbst. Das tatsächliche
Alter der Steingruppe ist nicht bekannt. Ein Sühnekreuz soll
Vorübergehende in Erinnerung an den Getöteten zu einem
Gebet für dessen Seele veranlassen.
Steinkreuz Sülzhayn ( 11 )
Von dem Sühnekreuz an der
Hohen Straße bei Sülzhayn erzählt
der Volksmund, dass es zur
Erinnerung an einen hier erschlagenen
Mönch errichtet wurde. Es
soll ein Raubmord gewesen sein,
dem der Mann Gottes im Jahr
1774 zum Opfer fiel, als er sich
mit den Einnahmen aus dem
Verkauf von Erzeugnissen des
Klosters auf dem Heimweg nach
Walkenried befand.
Auch 200 Jahre später gab es eine
Zeit, in der Menschen, die von
dem „rechten Weg“ abkamen, hier
in der Gegend um ihr Leben
fürchten mussten: Sülzhayn lag
unmittelbar an der innerdeutschen
Grenze. Das frühere „Davos des
Nordens“ litt darunter schwer,
doch es blüht wieder auf!
Sinnbildlich dafür steht das jährlich
stattfindende Rhododendron fest.
Der einst mals deutschlandweit bekannte heilklimatische
Kurort und heutige Erholungsort hat wieder etwas zu bieten,
selbst für geologisch Interessierte. In der Umgebung ging
früher der Bergbau um. Insbesondere Steinkohle wurde im
Revier des Steierberg (Annastollen) gewonnen.
Goldene Aue Seenlandschaft zwischen Heringen und Bielen ( 12 )
Im Gebiet der Goldenen
Aue, die bereits zum Randbereich
des Thüringer Bekkens
gehört, bildete sich
mit der, infolge der Heraushebung
des Harzes, im
Tertiär einsetzenden intensiven
Salzauslaugung
parallel zum Harzrand ein
Senkungsgebiet heraus.
Dieses Senkungsgebiet
wurde schon im Pleistozän
vor rund 400.000 Jahren
von der Zorge durchflossen,
die hier den Abtragungsschutt des Harzes vor allem in
Form von Kies und Sand ablagerte. Die Absenkungsgeschwindigkeit
und die Auffüllung der Senke standen langfristig
annähernd im Gleichgewicht, so dass heute in der Goldenen
Aue bis zu 80 m Mächtigkeit Kies, Sand und andere Lockergesteine
lagern. Diese bilden auf Grund der Größe des Vorkommens
und ihrer guten Qualität eine wichtige rohstoffwirtschaftliche
Basis am Südharz und werden in verschiedenen
Tagebauen abgebaut. Der Kieskörper der Goldenen Aue ist
mit Grundwasser erfüllt, das beim Abbau des Kieses freigelegt
wird. Die so entstandenen Gewässer sind inzwischen landschaftsprägend.
Schöne Liegeplätze erreichen wir von der B 80 in Bielen durch
die Marktstraße, vorbei am Sportplatz und dann nach
Querung der Zorge rechts einbiegen in die Straße „An den
Kiesteichen“.
Geoparkinfostelle Werna ( 13 )
Auf dem Gelände des ehemaligen
Rittergutes wurde im sanierten
Inspektorenhaus eine Geopark-
Infostelle eingerichtet. Das Gut
gehörte einst ERNST LUDWIG
CHRISTOPH VON SPIEGEL, Freiherr
zum Desenberg (1711 – 1785).
Ein Anziehungspunkt der Ausstellung
ist ein Gips-Karst-
Funktionsmodell. Hier kann der
unter- und oberirdische Verlauf
des Wassers in der Karstlandschaft
nachvollzogen werden.
Im Haus befinden sich außerdem
Ausstellungen zur Heimat geschichte,
Historischen Grenzsteinen
und zur Natur der
Region. Im angrenzenden Park gibt es für alle Besucher viel
zu entdecken.Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 11.00 –16.00 Uhr und auf Anfrage
Tel.: (036332) 72257
Zur geologischen Entwicklung des Gebietes
und zur Bedeutung der Rohstoffe
In der Zechsteinzeit, vor ca. 255 Mio. Jahren, lag das Harzgebiet
in einer geographischen Breite, die der des heutigen
Nordafrika entspricht. Das hier vorhandene flache Land
wurde damals vom Meer überflutet und an der Küste wurden
Sand und Geröll angespült. Die zu Sandstein verfestigten
Strandsedimente finden wir heute als Zechsteinkonglomerat.
Das Meer drang allmählich weiter in das Landes innere vor, es
wurde tiefer und zunächst lagerte sich ein schwarzer Schlamm
ab, der heutige Kupferschiefer. Später wurde das Meer wieder
flach und es bildeten sich kalkige
Ablagerungen. In der weiteren
Entwicklung des Zechsteinmeeres
kam es zeitweilig zu Unterbrechungen
der Verbindung des
Meeresbeckens mit dem offenen
Ozean. Durch das warme,
trockene Klima ver dunstete das
Wasser allmählich und die darin
gelösten Salze wurden am Meeresgrund
ab geschieden. Dieser
Vorgang, der sich mehrfach
wieder holte, führte zur Bildung
mächtiger Dolomit schichten und
der gewaltigen Gips- und Anhydritablagerungen
im Südharzer
Zechsteingürtel und der Steinund
Kalisalze im Inneren des
Thüringer Beckens.
Alle Gesteine des Zechsteins
waren und sind von großem wirtschaftlichen
Interesse. Der Kupferschiefer wurde bereits in der
Bronzezeit genutzt. Dolomit fand
als Werkstein Verwendung zur
Errichtung von massivem Mauerwerk,
z. B. auch der Stadtmauer
von Nordhausen.
Die große Mächtigkeit und
vielfältige Ausbildung der Anhydrit-
und Gipslager machten diese
seit dem Mittelalter zu einem
begehrten Rohstoff.
Gips als Mörtel finden wir schon
in den Wehrbauten des Mittelalters.
Gips als Werkstein wurde u. a.
zum Bau von Kirchen genutzt, z.
B. in Rüdigsdorf oder Stempeda;
und Gips als Werkstein für künstlerische
Arbeiten fand unter der
Bezeichnung Alabaster bis in das
20. Jh. Verwendung.
Anhydrit als Rohstoff für die
Produktion von Schwefelsäure
wurde bis 1990 gewonnen. Auch
heute spielen Gips und Anhydrit
immer noch eine herausragende
Rolle als Rohstoff, vor allem der
Baustoffindustrie.
Ausgewählte Informationsstellen
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Waldhotel KalkhütteUrbach - Alter Stolberg
kalkhuette@t-online.de
(036333) 60870
Parkhotel SülzhaynEllrich OT Sülzhayn
www.parkotel-suelzhayn.com
(036332) 2860
Pension „Rüdigsdorfer Schweiz“Nordhausen, OT Rüdigsdorf
www.forst-ruedigsdorf.de
(03631) 47580
Ferienhotel „Wolfsmühle“Nordhausen, OT Rodishain
www.wolfsmuehle.de
(034653)348
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um den Kohnstein. Auch sachkundige Führungen
können vermittelt werden (Kontakt: Förderverein Deutsches
Gipsmuseum und Karstwanderweg e. V., www.karstwanderweg.de,
wanderungen@karstwanderweg.de).
Autoren: Dipl.-Geol. Helmut Garleb, Dr. Klaus George, Christiane Linke
Fotos: Garleb, George, Linke, Meurer
Fotos: Garleb, George, Linke, Meurer