Landmarke 6
Poppenbergturm
Poppenbergturm
Poppenberg bei Ilfeld ( 1 )
Am Südrand des Harzes erhebt
sich nordöstlich von Ilfeld der
breite Buckel des Poppenberges.
Mit seiner Höhe von 600 m
über NN beherrscht er weit hin
sichtbar das Landschaftsbild
des Südharzrandes. Den Berggipfel erreichen wir zu Fuß entweder
von Ilfeld (ca. 4 km), von
Neustadt (ca. 4,5 km), vom
Bahnhof Netzkater (ca. 3,7 km)
oder vom Waldparkplatz „Tisch“
am Nordhang des Poppenbergs
(ca. 1,5 km). Der Poppenberg ist aus Sedimenten und Vulkaniten
des Rotliegenden aufgebaut. Durch die unterschiedliche
Widerstandsfähigkeit der Gesteinsschichten gegen die Kräfte
der Verwitterung erhebt sich der Bergtreppenartig über seine
Umgebung, was besonders bei einem Aufstieg von der Südseite
aus deutlich wird. An seinem Fuß streicht am Nordhang
das Steinkohlenflöz des Unterrotliegenden aus, das hier an
verschiedenen Stellen Gegenstand des historischen Bergbaus
gewesen ist. Auf dem Weg zum Gipfel überqueren wir
verschieden zusammengesetzte Gesteine, Sandstein- und
Tonsteinschichten und mit dem Ilfelder Melaphyr ein fast
schwarzes Ergußgestein. Der Berggipfel besteht aus rot -
braunem Rhyolith, dem so genannten Ilfel der Porphyrit. Diese
fast 300 m mächtige Lavaschicht bedeckt heute noch eine
Fläche von rund 55 km2.
Auf dem höchsten Punkt des Bergrückens (N51o35.289’;
E010o49.648’) befindet sich der Poppenbergturm, der im Jahr
1894 als Stahlgitterkonstruktion errichtet und im Jahr 1994
vollständig restauriert wurde. Von dem freizugänglichen
Turm aus blicken wir über den gesamten Unterharz bis zum
Brockenmassiv. Bei günstigem Wetter reicht der Blick über das
Thüringer Becken bis zum Inselsberg im Thüringer Wald.
Wunderschöne Ausblicke auf Ilfeld, Niedersachswerfen und den Kohnstein (Landmarke 7 ) können wir auch von den Bielsteinen (N51o35.069’; E010o48.587’) oder vom Standort der Ilfelder Wetterfahne (N51o35.242’; E010o47.499’) genießen. Die 3 km vom Poppenbergturm entfernte Wetterfahne wurde im Jahr 1872 errichtet und 1998 wieder aufgebaut. Bis zum Gänseschnabelfelsen (Geopunkt 6) sind es von hier nur noch 1,5 km.
Grauwacke - die Basis des Rotliegenden Steinbruch Unterberg ( 2 )
Vom Bahnhof Eisfelder Talmühle der Harzer Schmalspurbahnen
erreichen wir auf einem ca. 2,5 km langen Fußweg
den im Stiftsforst Ilfeld gelegenen Kellertalskopf. Hier bietet
sich ein imposanter Ausblick in den modernen großen Steinbruch
des Hartsteinwerkes Unterberg der KEMNA BAU
Andreae GmbH & Co. KG.
In der Zeit des Devons vor ca. 400 Millionen Jahren lag der
mitteldeutsche Raum in der Nähe des Äquators und war Teil
eines Meeres, in das der Abtragungsschutt der benachbarten
Festländer eingeschwemmt wurde. Ton und Sand finden wir
heute als Tonschiefer, Grauwacke und Quarzit. In ruhigen
flachen Meeresteilen siedelnde Korallen bildeten Kalke, und
vulkanische Aktivitäten führten zu Lavaergüssen am Meeresboden,
die wir heute als Diabas antreffen. Gegen Ende der
Devonzeit kündigte sich die beginnende variszische
Gebirgsbildung an. Das Gebiet der Mitteldeutschen Kristallinschwelle
zwischen Kyffhäuser und Ruhla wurde aus dem
Meer herausgehoben, während sich gleichzeitig das
an grenzende Meeresbecken absenkte. Gewaltige Schuttmassen
wurden in das Meer transportiert und liegen heute
vorwiegend als Grauwacke vor. Dies ist ein sandsteinartiges
Gestein mit einem hohem Anteil an Gesteinsbruchstücken
und Bruchstücken des Minerals Feldspat. An den steilen
submarinen Rändern des Festlandes kam es in Verbindung
mit Erdbeben immer wieder zum Abrutschen der noch
unverfestigten Ablagerungen, in die teilweise auch bereits
verfestigte ältere Gesteine einbezogen wurden. Diese
Schlammströme führten zur Verfrachtung und Umlagerung
von ganzen Gesteinspaketen bis zu Entfernungen von 25 km
von der Mittel deutschen Kristallinschwelle nach Nordwesten.
Als Teil einer solchen Gleitscholle erreicht die im Harz im
nördlichen Teil des Landkreises Nordhausen anstehende
Südharzgrauwacke eine Mächtigkeit von 400 bis 500 m.
Die Südharzgrauwacke wurde in der Vergangenheit in
zahlreichen kleineren Steinbrüchen, heute in dem großen
Tagebau am Unterberg, gewonnen und dient der Herstellung
hochwertiger mineralischer Baustoffe wie Brechsand, Splitt
und Schotter.
www.kemna.de
www.kemna.de
Steinkohlenbergbau Rabensteiner Stollen ( 3 )
Direkt am Bahnhof
Netzkater der Harzer
Schmalspurbahnen
befindet sich das
einzige Steinkohlen
– Besucherbergwerk
im Harz, der Rabensteiner Stollen. Es
ist mit der Bahn
sowohl vom Nordharz
als auch vom
Südharz aus gut erreichbar. Aber auch
die Anreise mit dem
Fahrzeug über die
Bundesstraße B 81
ist möglich; es
stehen ausreichend
Parkmöglichkeiten
zur Verfügung.
Das Kohleflöz am Rabenstein wurde im Jahr 1737 erschürft,
der Abbau war jedoch von Anfang an mit Problemen behaftet.
Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit zwischen dem Klosterstift
Ilfeld und dem Grafen von Stolberg–Wernigerode sowie die
geringe Qualität der Kohlen verhinderten einen gewinnbringenden
Bergwerksbetrieb. Der Bergbau kam immer wie der zum
Erliegen, wurde aber auch mehrmals wieder aufgenommen.
Die Betriebsperioden lagen in den Jahren 1737-1770, 1831-
1836 und 1849-1880. Die Abbaustrecken des Rabensteiner
Stollens erreichten im Laufe der Zeit eine Gesamtlänge von
etwa 6.500 m.
Während die bekannten deutschen und europäischen Steinkohlenvorkommen
im Oberkarbon gebildet wurden, sind die
Steinkohlen des Harzes Bildungen des Perms. Nach der Herausbildung des variszischen Gebirges herrschte in diesem
jungen Gebirgsland in der Zeit des Perms vor ca. 300 Millionen
Jahren ein warmes trockenes Klima. Die Kräfte der Verwitterung
begannen ihr zerstörerisches Werk unmittelbar nach
dem Auftauchen des Gebirges aus dem Meer am Ende der
Karbonzeit. Der dabei anfallende Abtragungsschutt des
Gebirges - Steine, Schotter, Sand, Kies und Ton - sammelte
sich innerhalb und am Rande des Gebirges in riesigen Becken,
die sich langsam absenkten. Wegen der über wiegenden
Rotfärbung dieser Ablagerungen wird die untere Abteilung
des Perms als Rotliegend bezeichnet. Eines der Sammelbecken
für den Abtragungsschutt des variszischen Gebirges ist das
Ilfelder Becken. Hier herrschte zu Beginn des Perms noch ein
feucht-tropisches Klima mit üppigem Pflanzenwuchs. Die
Pflanzenreste wurden nach ihrem Absterben teilweise rasch
von Schlammsedimenten überdeckt, gerieten so unter
Luftabschluß und wurden allmählich zu Kohle umgebildet. Auf
den Halden des Steinkohlenbergbaus kann man in den heute
zu Tonsteinen verfestigten Schlammablagerungen z. T. sehr
schöne Abdrücke von Resten der Vegetation der Rotliegendzeit,
wie z. B. Farnwedel und Schachtelhalme finden.Felsbildungen und Steinkohlenbergbau Felsentor Neustadt ( 4 )
Das Felsentor bei
Neustadt liegt
unweit der Parkanlagen
östlich des
Luftkurortes Neustadt
und ist zu
Fuß von dem Parkplatz
am Grillplatz
Zapfkuhle zu erreichen. Wie im
Ilfelder Tal sind
auch am Felsentor
durch die Verwitterung
unterschiedllich widerstandsfähiger Partien
des Porphyrits markante Felsformationen
entstanden. Die Porphyritfelsen verengen hier ein
aus dem Harz kommendes weites Tal wie ein Tor zu einem
schmalen Durchgang. Durch dieses Tor gelangt man in das
Neustädter Steinkohlenrevier.
Die Gewinnung der Kohle begann hier um das Jahr 1730
zunächst in kleinen Tagebauen, aber auch - nachdem die
ober flächennahen Vorkommen erschöpft waren - bereits
Mitte des 18. Jh. untertägig mittels Stollen und Schächten,
die bis 80 m Tiefe erreichten.
In dem Neustädter Revier wurden ebenso wie am Rabenstein
(vgl. Geopunkt ) Steinkohlen der "Kohleführenden Schichten"
des unteren Rotliegenden abgebaut. Es sind drei
Kohleflöze mit einer Gesamtmächtigkeit der Kohle von 25
bis 70 cm ausgebildet.
Die wirtschaftliche Entwicklung des Neustädter Steinkohlenbergbaus
ist durch ein ständiges Auf und Ab gekennzeichnet.
Die letzte zusammenhängende Betriebsperiode dauerte
bis zum Jahre 1862. Die Einstellung des Bergbaus erfolgte
dann wegen Erschöpfung der Vorräte, zu teurer Wasserhaltung
und Kapitalmangels.
Als heutige Sachzeugen finden wir im Gelände in dem
Bereich Vaterstein – Felsentor:• ehemalige Tagebaue am Südosthang des Vatersteins: erkennbar als bis 3,5 m tiefe Senken;
• ehemalige Stollenmundlöcher: erkennbar nur noch an den Geländeeinschnitten der Zuwegungen;
• ehemalige Schächte: erkennbar als "Pinge", ein kegelförmiges 5 m tiefes Loch, umgeben von einer sichelförmigen Halde;
• "Stollenborn" in der Nähe des Grillplatzes Zapfkuhle: das ist die ehemalige Wasserhaltung des Steinkohlenreviers am Vaterstein.
Neustadt-InformationTel.: (036331) 46277
www.neustadt-harz.de
Manganerzrevier Ilfeld Lehrpfad „Kleiner Möncheberg“ ( 5 )
Von Ilfeld aus führt ein ca. 3,5 km langer ausgeschilderter
Wanderweg zum sogenannten Braunsteinhaus inmitten der
Laubwälder des Südharzes. Mit dem Fahrzeug erreichen wir
das Braunsteinhaus von der Landstraße Ilfeld – Appenrode
aus über einen befestigten Fahrweg. Das Braunsteinhaus ist
das ehemalige Zechenhaus des hier wohl bereits im Mittelalter,
bergmännisch fachgerecht seit Anfang des 18. Jh., betriebenen
Manganerzbergbaus. Braunstein ist eine alte bergmännische
Bezeichnung für derbe braunschwarze Manganerze.
Mangan war schon im Mittelalter ein gesuchter Rohstoff. Die
im Harz verbreiteten Venezianersagen gehen vermutlich auf
Prospektoren (Fachleute die Bodenschätze erkunden) aus
Venedig, zurück, die hier nach dem sehr hochwertigen Braunstein
suchten. Venedig war seit dem frühen Mittelalter das
Zentrum der europäischen Glasmacherkunst. Eines der dort
gehüteten Geheimnisse war das Verfahren zur Herstellung
von farblosen Gläsern, zu deren Produktion ein Zusatz von
Manganoxid erforderlich war.
Neben den Manganerzen wurde im Gräflich Stolberg Hohnsteinschen Forst auch Eisenerz abgebaut. Der Manganerzabbau
wurde zunächst bis zum Jahr 1890 betrieben und dann
wegen Erschöpfung der Lagerstätte eingestellt. Ab 1916
folgte eine zweite Bergbauperiode, die im Jahr 1922 mit der
endgültigen Stilllegung des Ilfelder Manganerzbergbaus
endete.
Vom Braunsteinhaus aus starten wir unsere Rundwanderung
auf dem ca. 2 km Lehrpfad im ehemaligen Manganerzbergbaurevier.
An 12 Stationen sind verschiedene Sachzeugen des
Bergbaus in Form von Halden, steilwandigen Tagebauen,
Pingen und verbrochenen Stollenmundlöchern zu sehen. Sie
stammen überwiegend aus der letzten Betriebsperiode
während des Ersten Weltkrieges.
Zur Wanderung sollte man unbedingt das dazu gehörige
Begleitheft mitnehmen. Es kann bei der Südharz-Touristik
Ilfeld erworben werden.
Fantastische Verwitterungsformen Gänseschnabel,
Mönch, Nadelöhr ( 6 )
Der rotbraune Ilfelder Porphyrit ist ein Gestein sehr unterschiedlicher Festigkeit. Das Material ist teilweise sehr
mürbe, verwittert relativ schnell und tiefgründig zu einem
Grus. In unmittelbarer Nachbarschaft ist das gleiche Gestein
gegen über den Kräften der Verwitterung sehr widerstandsfähig
und bildet z.T. bizarre Klippen. Solche Klippen sind in
verschied enen Tälern im Südharz ausgebildet. Wegen ihrer
skurrilen Formen haben sie schon immer die Fantasie der
Menschen angeregt und so haben die besonders markanten
Felsbildungen fast alle einen eigenen Namen, der oft mit
einer Legende verbunden ist. Zu den auffallendsten Felsen
im Ilfelder Tal gehören “Gänseschnabel“, “Mönch“ und
“Nadelöhr“. Der Name “Nadelöhr“ wurde dem Felsen wohl
gegeben, weil er eine enge Spalte hat. Einer Legende nach
mussten alle Fuhrleute, die mit ihren Fuhrwerken in den
Harz wollten, an diesem Stein vorbei. Neue Fuhrknechte
mussten unter dem Beifall der Kameraden durch den engen
Felsspalt kriechen. Blieben sie stecken, so halfen die
anderen mit ihren Peitschen nach. Natürlich war es den
Neulingen auch möglich, sich mit einem Taler von dieser
Strapaze freizukaufen.
Die Felsen sind vom nördlichen Ortsrand Ilfelds aus auf
einem bequemen Wanderweg entlang des Flüßchens Bere
zu besichtigen. Folgt man diesem Weg weiter in Richtung
Netzkater, trifft man auf eine Verengung des Tales, in der
sich die Bere ihren Weg durch eine Ansammlung großer
Felsbrocken bahnen musste. Dieser romantische Tal abschnitt,
das „Kleine Bodetal“, entstand durch einen prähistorischen Felssturz, bei dem abrutschende Porphyritmassen
das Tal absperrten und die Bere bis zum Netzkater aufstauten.
Am Grunde des Zechsteinmeeres Aufschluss Lange Wand ( 7 )
Die „Lange Wand“ südlich
von Ilfeld, ist zu Fuß oder
mit dem Fahrzeug über
eine innerörtliche Straße
von dem Haltepunkt Ilfeld
Schreiberwiese der Harzer
Schmalspurbahnen an der
Bundesstraße B4 aus zu erreichen.
Die „Lange Wand“, ein Steilhang
am linken Ufer des
Flüßchens Bere, ist ein klassischer geologischer Aufschluss,
der eindrucksvoll
unterschiedliche erdgeschichtliche Entwicklungszyklen zeigt. Magmatische
Gesteine des Unteren Rotliegenden, die einst die Landoberfläche bildeten, werden in
einer scharfen Grenze von den Ablagerungen des Zechsteinmeeres
überlagert. Der in diesem Profil aufgeschlossene
Kupferschiefer war Gegenstand bergbaulicher Aktivitäten.
Nach der Herausbildung des Harzes als Gebirge wurde in der
Zeit des Rotliegenden vor ca. 300 Millionen Jahren durch
gewaltige Vulkanausbrüche eine Landfläche, die heute noch
55 km2 beträgt, mit bis zu 300 m mächtigen Lavaschichten
überdeckt. Am Ende dieser unruhigen Zeit hatten die ständig
wirkenden Kräfte der Verwitterung das Gebirge völlig
eingeebnet. Dieses flache Land wurde vor etwa 255 Millionen
Jahren erneut vom Meer erobert. Mit der Überflutung des
Festlandes begann die Zeit des Zechsteins, einer geologischen
Epoche, die für unser Gebiet von ganz besonderer Bedeutung
ist. Am Strand des Zechsteinmeeres wurden wie an jeder Meeresküste
Sand und Geröll angespült. Das Meer drang allmählich
weiter in das Landes innere vor und wurde hier an unserem
Standort allmählich tiefer. Am Meeresgrund wurde kein Sand,
sondern schwarzer Schlamm abgelagert. In diesem Schlamm
waren Verbindungen von Kupfer, Silber und an deren wertvollen
Metallen enthalten. Die in dem Meer lebenden Fische sanken
nach ihrem Tod auf den Grund ab und wurden in den Schlamm
eingebettet. Der Charakter des Meeresbeckens änderte sich zu
einem lichtdurchfluteten Flachmeer, wie wir es heute an
tropischen Küsten finden.
Aus den Überresten der in dem warmen Wasser lebenden
Organismen entstanden kalkige Ablagerungen. Die weitere
Entwicklung des Zechsteinmeeres führte zur Bildung der
gewaltigen Gips- und Anhydritablagerungen und der Stein- und
Kalisalze im Inneren des Thüringer Beckens.
An der „Langen Wand“ bei Ilfeld stehen wir genau an der Grenze
zwischen den eingeebneten Lavaergüssen (Ilfelder Porphyrit)
der Landoberfläche des Rotliegenden. Wir erkennen den durch
das Meerwasser gebleichten Porphyrit und darüber den Strand
des Zechsteinmeeres – die zu Sandstein verfestigten Strandsedimente
(„Zechsteinkonglomerat“), den zu einem dünnplattigen
Gestein verfestigten metallhaltigen Schlamm, den
Kupferschief er und darüber die zu einem bankigen Kalkstein
gewordenen kalkigen Ablagerungen, den Zechsteinkalk.
Kupferschieferbergbau Schaubergwerk „Lange Wand“ ( 8 )
Das Besucherbergwerk „Lange Wand“
befindet sich ca. 100 m nordöstlich des
klassischen geologischen Aufschlusses
ebenfalls am linken Ufer der Bere. Am
Aufschluss "Lange Wand" blickten wir
zunächst wie durch ein Fenster der Erdgeschichte
in die Zeit des Perms und können
nun das bereits Beobachtete im Inneren
der Erde gleichsam aus der Sicht des Bergmanns
betrachten.
Die bergmännischen Aktivitäten reichen
hier wohl bis in das 16. Jh. zurück. In
mehreren Stollen wurden zunächst Kobalterze
und Schwerspat, erst später auch
Kupferschiefer gefördert. Ende des Jahr es
1860 ist der Bergbau endgültig zum
Erliegen gekommen. Einwirtschaftlicher
Erfolg ist dem Bergwerk in allen Betriebsperioden
versagt geblieben. Heute besteht jedoch die Möglichkeit,
das hier sehr charakteristisch ausgebildete Vorkommen
von Kobalt erzen in den sogenannten Erzrücken,
neben Kupfererzen in dem Kupferschieferflöz und die unterschiedlichen
Bergbautechnologien - den Gangerz- und den
Flözabbau, unmittelbar nebeneinander zu beobachten.Öffnungszeiten: März bis Oktober, mittwochs 14.00 & 15.00 Uhr
und auf Anfrage (036331) 32033
Porphyrit Burgruine Hohnstein ( 9 )
Oberhalb des Luftkurortes Neustadt
befindet sich die Ruine der
Anfang des 12. Jh. erbauten ehemaligen Grafenburg Hohnstein.
Die Burg wurde im 30-jährigen
Krieg zerstört, ist aber auch heute
noch eine der größten und beeindruckendsten Burganlagen im
Harzgebiet. Nach umfangreichen
Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten durch den Landkreis
Nordhausen ist die Burgruine ein
sehr attraktives Ausflugsziel.
Die Burg Hohnstein befindet sich
mitten im Verbreitungsgebiet des
Ilfelder Rhyoliths ("Porphyrit") auf
einem felsigen Bergsporn. Dementsprechend wurde vorwiegend
der dunkelrotbraune Porphyrit als
Baumaterial verwendet. Der natürliche Untergrund, der "gewachsene
Fels", und das von Menschen
errichtete Bauwerk bestehen überwiegend
aus dem gleichen
Material; die Mauern und Gebäudereste erscheinen gleichsam
als selbstverständliche Fortsetzung der natürlichen Felsformationen.
Es ist naheliegend, dass die zum Bau der Burg benötigten
Steine aus der unmittelbaren Umgebung, wahrscheinlich
so gar teilweise aus dem Gelände der Burg selbst stammen. Es
ist heute aber nicht mehr möglich, einen bestimmten Steinbruch
zu lokalisieren, in dem das zum Bau verwendete
Gestein gebrochen wurde. Neben dem Porphyrit haben aber
auch verschiedene andere Gesteine, vor allem der heimische
Gips, als Baumaterial Verwendung gefunden. Seine Bedeutung
liegt vor allem in der Verwendung als Mörtel, den man überall
in den weißen Fugen findet, die in schönem Kontrast zu dem
dunkelbraunen Porphyrit der Burg ihr charakteristisches
Gesicht verleihen. Ebenfalls massenhaft ist gebrannter Gips
für die Herstellung der Estrich - Fußböden benutzt worden,
deren Reste man vielerorts auf der Burg findet. Gelegentlich
wurde der Gips (Alabaster) auch als Werkstein für besonders
feine Arbeiten eingesetzt.
Neben diesen hauptsächlichen Materialien sind in geringerem
Umfang wohl nahezu alle in der näheren Umgebung verfügbaren
Gesteinsarten beim Bau oder auch bei Ausbesserungsarbeiten
der Burg verwendet worden. So dienten derbe
Schieferplatten aus dem Harz als Dacheindeckung, wurden
Sandsteine von Kelbra für Mauerbögen, Kalksteine aus dem
Thüringer Becken für Gesimse und heimische Flußschotter als
Pflasterung in Stall und Küche verwendet.
Bei einem Gang durch das Burggelände sollte man nicht nur
das alte Gemäuer im Auge haben. Vom Burghof oder noch
besser vom Bergfried aus haben wir einen umfassenden
Rundblick über weite Teile der alten Grafschaft. Bei klarer
Sicht sind der Kyffhäuser, die Hainleite, das Eichsfeld und der
Ravensberg zu sehen.
Blick ins Innere eines Vulkans Steinbruch Bornberg ( 10 )
Der ehemalige Gemeindesteinbruch befindet sich am nordöstlichen
Ortsrand des Ortsteils Osterode der Gemeinde
Neustadt/Harz in der geologischen Einheit "Ilfelder Becken".
Dieses bildet mit einer Fläche von ca. 120 km2 das größte
Rotliegend-Vorkommen des Harzes und ist im Raum Ilfeld-
Neustadt durch eine mächtige rhyolitische Vulkanitserie
gekennzeichnet. Dieser in der älteren Literatur als "Ilfelder
Porphyrit" bezeichnete Vulkanitkomplex ist auf einer Fläche
von ca. 50 km2 verbreitet. Zugehörige Vulkanschlote bzw.
Lava för derzentren sind jedoch nur sehr wenige bekannt. Im
Aufschluss am Bornberg ist ein Lavaförderzentrum in Form
einer in idealer Gefügeanordnung ausgebildeten Quellkuppe
aufgeschlossen.
Hier ist rhyolitische Lava in bereits vorher abgelagerte, aber
noch nicht verfestigte Aschestromablagerungen einge drungen
und hat in mehreren Schüben eine domartige Struktur
gebildet. Auf Grund seiner an diesem Standort gegebenen
Festigkeit ist das vulkanische Gestein, der Rhyolith ("Ilfelder
Porphyrit"), hier abgebaut worden, wodurch die innere Struktur
der vulkanischen Quellkuppe sichtbar wurde und in sehr
an schaulicher Weise die Fördertätigkeit des Rotliegend-Vulkanismus deutlich wird.
Ausgewählte Hotels
Hotel "Am Kloster" Ilfeld/SüdharzTel.: (036331) 366
Hotel “Hufhaus“ Harzhöhe, Ilfeldwww.hotelhufhaus.de
Tel.: (036331) 48125
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um den Poppenberg. Auch sachkundige Führungen
können vermittelt werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der
Geoführer im Regionalverband Harz, Herr Dr. STEIGER (03944)
369085 oder e-mail: T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung und
interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier
vorgestellten Teil des Geoparks Harz!
Autoren: Dipl.-Geol. Helmut Garleb, Dr. Klaus George
Fotos: Dipl.-Geol. Helmut Garleb, Dr. Klaus George, Rabensteiner Stollen e. V.
Fotos: Dipl.-Geol. Helmut Garleb, Dr. Klaus George, Rabensteiner Stollen e. V.