Landmarke 4
Brocken
Brocken
Höhepunkt eines jeden Harzbesuchs Der Brocken ( 1 )
Eine Wanderung auf den Brocken können wir vielerorts beginnen,
oder wir fahren
mit der Harzer
Schmalspurbahn auf
den mit 1.141 m ü.
NHN höchsten Berg
des Geoparks.
Bei einem Rundgang
um die oberhalb
der natürlichen
Waldgrenze liegende
Brockenkuppe
finden wir die schon
von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) beschriebenen
Granit felsen „Teufelskanzel“ und „Hexenaltar“ (N51°47.860’;
E010°36.984’). Das vorherrschende Gestein des Brockens ist
ein Syenogranit („Kerngranit“); flach nach Süd einfallende
Lagerklüfte prägen diese Klippen.
Nicht nur bei dem hier oben oft rauen Wetter lädt das
Brockenhaus zu einer (Zeit-) Reise durch die Vielfalt und
Magie des höchsten Berges Norddeutschlands ein. Wir
erleben auf vier Etagen alles Wissenswerte zur Geschichte
und Natur des Berges und zu seiner einzigartigen Geologie,
Flora und Fauna. Gleich am Eingang werden wir zu einem
virtuellen Flug auf dem Hexenbesen eingeladen und begeben
uns sodann auf die Spur berühmter Brockenwanderer,
darunter Heinrich Heine (1797-1856) oder Herrmann Löns (1866-
1914). Die militärische Nutzung des Brockens in der jüngsten
deutsch-deutschen Vergangenheit sowie die Nutzung des
Gebäudes als Abhörzentrale der Staatssicherheit der DDR
sind weitere Themen im Brockenhaus. Geotop und zugleich
auch Biotop sind die Hochmoore und der Brockenurwald mit
ihrer ursprünglichen Natur; Einsichten in die komplexen ökologischen
Zusammenhänge des Nationalparks Harz und in
die globale Vernetzung der Lebensräume bekommen wir an
diesen beiden Beispielen an schaulich vermittelt. Für alle
Altersgruppen an sprechend präsentiert wird auch die
Geschichte der weltweiten Verbreitung der Nationalparkidee.
Bevor wir dann über den
Aufgang zur Kuppel hinaus
auf die Aussichtsterrasse gelangen,
präsentiert sich uns
die deutsche Rundfunk- und
Fernsehgeschichte anhand
vieler Originalexponate aus
jener Zeit, in der die Bilder
laufen lernten. Ein Abstecher
in die Cafeteria rundet den
Besuch ab.
täglich geöffnet, www.nationalpark-brockenhaus.de
Gewachsen seit der letzten Eiszeit Oberharzer Hochmoore ( 2 )
Der Brocken ist mit im langjährigen
Durchschnitt 1.561 mm Niederschlag/
Jahr einer der regenreichsten Punkte
Deutschlands. Seine Luvseite ist deutlich
maritim geprägt. Die vorherrschend
westlichen Winde treiben die Wolken
herbei, die sich dann am Brocken
abregnen. Die in folge der mit knapp 3 °C
Jahres durchschnittstemperatur geringe
Verdunstung und die Ausprägung des
Reliefs bedingen einen Wasser überschuss
als Voraussetzung für die Entstehung
von Regenmooren. Diese sind
ähnlich einem Uhrglas zu ihrer Mitte hin
aufgewölbt und werden deshalb auch
als Hochmoore bezeichnet. In der Region
rund um Brocken und Bruchberg finden
wir so Moore und Moor fichten wälder auf knapp 30 km2.
Um einen Eindruck von der wunderschönen Moorlandschaft
gewinnen zu können, fahren wir zum Torfhaus (Groß parkplatz
an der B 4). Zur Einstimmung besuchen wir hier das
Nationalpark-Besucherzentrum (www.torfhaus.info). Auf
einem kurzen Spaziergang folgen wir dann dem Goetheweg
in Richtung Brocken. Bald erreichen wir linker Hand das
waldfreie Radaubornmoor, auch „Großes Torfhausmoor“
genannt. Ein Holzsteg des Nationalparks Harz macht die
ganze Schönheit dieses Hochmoores erlebbar. Wir stehen
hier im Quellgebiet der Radau, eines Neben flusses der Oker.
Der Goetheweg bildet mit dem begleitenden Abbegraben
den hier künstlichen Moorrand. Die Vermoorung begann zu
Ende der letzten Eiszeit und schon vor ca. 3.000 Jahren hatte
das Moor bereits fast die heutigen Ausmaße erreicht. Es ist
eines der ältesten Hochmoore des Hochharzes.
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um den Brocken. Der Nationalpark Harz bietet
geführte Touren mit den Nationalparkrangern und lädt in die
Nationalparkhäuser ein. www.nationalpark-harz.de
Der Regionalverband Harz e. V. und der Nationalpark Harz
wünschen Ihnen gute Erholung und interessante Einblicke in
Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des
Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München www.stadtplan.net-Lizenz-Nr.07-08-110
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München www.stadtplan.net-Lizenz-Nr.07-08-110
Im Quellgebiet der Bode Feuersteinklippe ( 3 )
Der kleine Wintersport- und
Luftkurort Schierke liegt südöstlich
des Brockens im Tal der Kalten
Bode. Er ist idealer Ausgangspunkt
für Touren in den Nationalpark
Harz. Im Jahr 1898 bekam der Ort
von Wernigerode aus Anschluss an
die Harzquerbahn, und im Jahr
1899 wurde die Brockenbahn
eröffnet.
Der Schierker Bahnhof ist Ausgangspunkt
unserer geologischen
Wanderung, die mit einem Abstecher zur nahe gelegenen Feuersteinklippe, einem rötlich
gefärbten Granitfelsen, beginnt. Auf verschlungenen Pfaden
oder im Winter besser auf dem Winterwanderweg vom
Bahnhof Schierke aus wandern wir weiter in Richtung
Erdbeerkopf und folgen der Beschilderung Richtung
Ahrensklint (822 m ü. NHN). Wie schon die Feuersteinklippe weist auch der Ahrensklint eine intensive senkrechte und
waagerechte Klüftung auf, die bei der Abkühlung des
erstarrenden Magmas entstand. Entlang dieser Klüfte griffen
die Kräfte der Verwitterung an und zerlegten das Gestein in
rundliche Blöcke, die an übereinander gestapelte Wollsäcke
erinnern. Diese Wollsackverwitterung ist für alle hiesigen
Granitformationen typisch. Die Klippe des Ahrensklints liegt
unweit des Glashüttenwegs, dessen Name darauf hinweist,
dass der quarzreiche Granitgrus früher im Harz zu Glas
verarbeitet wurde. Die Klippe kann über Treppen bestiegen
werden. Von dort aus (N51°46.395’; E010°40.017’) haben wir
einen weiten Ausblick. Zurück wandern wir über den Pfarrstieg
zur Kirche in Schierke (2,3 km).
Granit und Hornfels Oderteich und Rehberger Graben ( 4 )
Ausgehend vom Parkplatz Oderteich
an der B242 können wir entlang des
Rehberger Grabens nach Süden bis
nach Sankt Andreasberg wandern.
Der Oderteich mit seinem Fassungsvermögen
von 1,7 Mio. m3 und der
über 7 km lange Rehberger Graben
wurden 1714 - 1723 angelegt, um die
Bergwerke in Sankt Andreasberg mit
dem notwendigen Wasser zum Antrieb
der Bergwerksmaschinen zu versorgen.
Nach ca. 0,5 km erreichen wir einen Aufschluss der
Granitverwitterung. Unter dem Einfluss des feuchtwarmen
Klimas im Tertiär verwandelte sich der Kalifeldspat durch
Wasseraufnahme teilweise in das Tonmineral Kaolinit,
wodurch der Granit seine Festigkeit einbüßte und zerfiel.
Diese Umwandlung erfolgte nicht an allen Stellen gleichmäßig
– vielmehr gibt es einzelne Bereiche, in denen das Gestein
bereits zu Sand zerfallen ist und andere Bereiche mit noch
intakten Granitblöcken. In diesem Aufschluss ist der Granitverband
bereits soweit aufgelöst, dass nur noch einzelne
große Blöcke in einer sandigen Grundmasse schwimmen.
Wir wandern weiter zum
sogenannten „Goetheplatz“.
In den Felsklippen, die
rechter Hand hinter dem
Rehberger Graben aufragen,
ist ein Kontakt der Granitintrusion
zu erkennen: Hier
lagert zu Hornfels verändertes
älteres Sedimentgestein
auf dem später aufgedrungenen
Granit. Dieser
Aufschluss wurde bereits
von Goethe im Jahr 1783
besucht, der hier in seiner
(irrigen) Ansicht bestärkt
wurde, der Granit sei das
„neptunische Urgestein“,
das alle jüngeren Sedimente unterlagere. Goethe war von
diesem Aufschluss so angerührt, dass er schließlich auf die
Schultern des ihn begleitenden Zellerfelder Berg haupt manns
Friedrich W. h. v. Trebra (1740 - 1819) stieg, um seine Hand
direkt auf die Kontaktfläche legen zu können.
Vom Grabenweg aus geht der Blick tief hinab in das steilwandig
eingeschnittene Odertal. Auf dem gegen überliegenden
Hang sind große Blockmeere heraus gewitterter
Granit felsen zu erkennen. Unten im Tal weisen Vorkommen
von Moränen ab lager ung en sowie Schuttdecken, Staubecken-
Schluffe und -Sande darauf hin, dass einige Harztäler im Pleistozän
in geringem Maße vergletschert gewesen sind.
Der Weg führt weiter zur Nationalpark-Waldgaststätte Rehberger Grabenhaus, das 1772 als Unterkunft für den Grabenwärter
errichtet wurde, der für die Instandhaltung des Wasserlaufs verantwortlich war. Von hier führt der Weg über die
Jordanshöhe mit einem gesteinskundlichen Lehrpfad
schließlich zur Bergstadt Sankt Andreasberg.
Gaipel, Schacht, Stollen und Wasserräder ... Grube Samson und Nationalparkhaus ( 5 )
Die Silberlagerstätte von Sankt
Andreasberg gilt wegen ihres
Reichtums an gut kristallisierten
Mineralen als das „Schatzkästchen“
des Harzes. Auf rund 20
meist geringmächtigen Erzgängen
treten hier, anders als im
übrigen Oberharz, neben sulfidischen
Blei-, Zink- und Kupfererzen
auch komplexe Silberreicherze
auf. Insgesamt lieferte dieses
weltberühmte Revier rund 320 t Silbermetall. Zum Bergwerksmuseum
Grube Samson gehören die komplett erhaltenen
Tagesanlagen der 1910 stillgelegten, 810 m tiefen Silbererzgrube.
Mit der weltweit einzigen noch in Betrieb befindlichen
Drahtseil-Fahrkunst erhielt die Anlage das Prädikat eines internationalen
Maschinenbaudenkmals. Zwei große Wasserräder,
ein funktionsfähiges Kunstrad (12 m Ø) und ein um 1890
gebautes Kehrrad (9 m Ø) vermitteln einen lebendigen Eindruck
von der hochentwickelten montanen Wasserkraftnutzung.
Die Schachtanlage dient nicht nur als Museum, sondern auch
als Quelle für umweltfreundliche regenerative Energie: Sechs
Wasserkraftwerke, zwei davon im Samson-Schacht, versorgen
die Bergstadt zu mehr als 70 % mit erneuerbarer Energie. Der
Gaipel der Grube Samson beheimatet außerdem das Harzer
Roller-Kanarien-Museum (www.harzer-roller.de). Bergbau zum
Anfassen erleben wir im angeschlossenen Schaubergwerk
„Catharina Neufang“. Das Lehrbergwerk Grube Roter Bär
vermittelt historischen Bergbau. Ausgerüstet mit Helm und
Grubenlampe erhalten wir unter fachkompetenter Führung
Einblick in den „Alten Mann“, dem verlassenen Grubengebäude.
Der mit rund 40 Infotafeln ausgestattete Geologisch-Bergbauhistorische
Wanderweg am Beerberg führt zu zahlreichen
Bergbaurelikten und erschließt gewissermaßen die Wiege des
Sankt Andreasberger Silberbergbaus. Hier wurden um 1520
die ersten reichen Silbererze entdeckt. Beide Ziele können wir
vom Großparkplatz im Wäsche grund an der Sankt Andreasberger
Sommerrodelbahn aus bequem erwandern. In der Erzwäsche,
der ehemaligen Aufbereitung
der Grube Samson, lädt
das Nationalparkhaus Sankt
Andreasberg zu einer Zeitreise
ein. Im Erlebniskino reisen wir
um Jahrmillionen in die Entstehungszeit
des Harzes zurück.
Wir können nacherleben, wie
ehemals die Wälder und die
Wasserressourcen ausgebeutet
wurden und wie sich die Natur
heute im Nationalpark wieder
erholt. „Natur Natur sein lassen“
lautet dessen Motto. Eine Sammlung von Erzmineralien und
Gesteinen veranschaulicht die geologische Vielfalt des Harzes.Info: www.nationalparkhaus-sanktandreasberg.de
Tourist-Information Sankt Andreasberg(0 55 82) 8 03 36
www.sankt-andreasberg.de
Eckertalsperre und Eckergneis ( 6 )
Südlich des Radauwasserfalls
können wir in das Radautal fahren
und am Ende der öffentlichen
Straße parken. Auf der
Wanderung zur Eckertalsperre
passieren wir den Aufschluss
„Kohlebornskehre“, wo uns
eine Informationstafel darüber
informiert, dass hier Harzburgit
auftritt. Überwiegende Bestandteile
des Harzburgits sind serpentinsierte
Olivine und Orthopyroxene. Wegen der Reflektion
des Orthopyroxens wird dieses
Gestein auch „Schillerfels“ genannt.
Die Eckertalsperre ist der am
höchsten gelegene Stausee der
Harzwasserwerke.
Die Staumauer ist eine 235 m lange und 65 m hohe Gewichtsmauer,
die mit ihrem Eigengewicht von 420.000 t dem
Wasserdruck standhält (Stauinhalt 13,3 Mio. m3). Die Talsperre
wurde 1942 fertiggestellt. Da mals trennte die Ecker die preußischen
Provinzen Sachsen im Osten und Hannover im Westen.
Als Folge des Zweiten Weltkriegs verlief später ebendort die
innerdeutsche Grenze, und die Grenztruppen der DDR errichteten
eine Mauer auf der Staumauer. Eine dort belassene
Betongrenzsäule kündet heute noch von jener Zeit.
An den Ufern des Eckerstausees tritt ein interessantes Gestein
zu Tage – eingekeilt zwischen dem Brockengranit und dem
Harzburger Gabbro – der Eckergneis. Zwei Informationstafeln
erläutern geologische Details.
Im Tal der Ilse Nationalparkgemeinde Ilsenburg ( 7 )
Seine als Jagdpfalz genutzte
Reichsburg Elysynaburg schenkte
Otto III. (980-1002) nebst Inventar
und Burgbesatzung dem Bistum
Halberstadt. Unter Verwendung
von Rogenstein wurde auf dem
Burggelände 1078-1087 die Klosterkirche
als dreischiffige kreuzförmige
romanische Basilika
erbaut. In ihren Mauern verbirgt
die Klosterkirche umfangreiche
Fragmente eines in Europa einzigartigen
Gipsestrichfußbodens.
Weil Mönche und Burgbesatzung ständig im Zwist lagen,
baute die Burgbesatzung auf dem gegenüberliegen den Ilsestein
(Granit) eine neue Höhenburg. Im Jahre 1106 wurde
diese jedoch auf päpstlichen Erlass zerstört. Fortan konnte
sich das Ilsenburger Kloster ungestört zu einem kulturellen
und wirtschaftlichen Mittelpunkt des nördlichen Harzvorlandes
entwickeln. Zu jener Zeit wurde im Harz bereits Eisenerz abgebaut.
Im Jahr 1530 grün dete Graf Botho III. zu StolBerg-
Wernigerode (1467-1538) die heutige Fürst Stolberg-Hütte.
1546 wurde in Ilsenburg der erste Hochofen errichtet. Die
Berühmtheit der Ilsen bur ger Eisenindustrie veranlasste später
Zar Peter I. (1682-1725) auf seiner legendären Reise nach
Holland zu einem Abstecher an den
Harz. Die Eisenhütte in Ilsenburg war
200 Jahre lang eine der größten Rohund
Gusseisenhersteller der deutschen
Staaten. Neben den reichen Erzvorkommen
waren die Wasserkraft der Ilse
und Holz die erforderlichen Ressourcen.
Hans Dietrich von Zanthler (1717-1778),
Oberforstmeister der längst auch über
Ilsenburg herrschen den Grafen zu Stolberg-
Wernigerode, sah den Raubbau an
den Wäldern des Harzes und führte
planmäßige Wiederaufforstungen durch.
Der heute in aller Munde geührte
Begriff der „Nachhaltigkeit“ hat auch
hier im Harz seinen Ursprung.
Das Hütten- und Technikmuseum
Ilsenburg in formiert nicht nur über die Stadtgeschichte,
sondern zeigt auch technische Funktionsmodelle und
beherbergt eine reiche Sammlung von Eisenkunstguss vom
16. bis zum 20. Jh.
Öffnungszeiten Hütten- und Technikmuseum:
Dienstag bis Freitag 10:00 – 16:00 Uhr
Sonntag 13:30 – 16:30 Uhr
Einen Besuch wert ist auch das Nationalparkhaus Ilsetal.
Tourist-Information IlsenburgTel.: (03 94 52) 1 94 33
www.ilsenburg-tourismus.de
Im Flussgebiet der Holtemme Durch die Steinerne Renne zum Ottofelsen ( 8 )
Nordöstlich der Zeterklippen und des Hohnekamms
entwässert die Holtemme das Gebiet.
Sie fließt weiter durch Wernigerode und
Halberstadt, um schließlich bei Krottorf in die
Bode zu münden.
Vom Bahnhof Steinerne Renne aus begleiten
wir die Holtemme entlang ihres Hauptlaufes
hinauf in die Berge. Die erste geologisch
interessante Station liegt bereits nahe des
Bahnhofs der Harzer Schmalspurbahnen: Der
Nachbau einer historischen Krananlage zeigt
Phasen der Verarbeitung des an stehenden
Granits zu Werksteinen. Nach einer kurzen
Rast wandern wir weiter, passieren einen
Gedenkstein und begleiten die Holtemme
durch die Steinerne Renne bis zum gleichnamigen
Hotel. Der dortige Wasserfall ist ein
gutes Beispiel für „rückschreitende Erosion“.
Durch die von der Verwitterung herauspräparierten Granitfelsen
erhält das Tal seinen wildromantischen Charakter.
Auf unserem weiteren Weg verlassen wir nun das Tal und folgen
der Ausschilderung Richtung Lochstein und Otto felsen.
Nach 0,5 km er reichen wir den
Lochstein, der in manchen
Wanderkarten auch als „Gebohrter
Stein“ bezeichnet wird.
Es ist eine markante Granitklippe
mit soweit fortgeschrittener
Wollsackverwitterung,
dass man an einer Stelle
durch den Stein hindurchschauen
kann. Etwa zwei Stunden
nach Beginn unseres Aufstiegs
am Bahnhof Steinerne
Renne erreichen wir schließlich
den Ottofelsen. Treppen führen hinauf auf das Felsplateau der
mächtigen Granitklippe. Lohn der Anstreng ung en sind wunderschöne
Aussichten auf den Brocken und in das Harzvorland.
Als Rückweg wählen wir den Fahrweg im Thumkuhlental vorbei
am Haus der Bergwacht. Linker Hand erkennen wir alsbald
einen aufgelassenen Granitsteinbruch; Schotter und Steine
wurden mit einer elektrisch betriebenen Feldbahn (Stromerzeugung im Wasserkraftwerk Rennetal) bis zur Verladestation
an der im Jahr 1898 fertig gestellten Harzquerbahn transportiert und dort umgeladen. Von der ehemaligen Verladestation
folgen wir nun dem Weg entlang den Gleisen der Harzquerbahn.
Auch hier am Beerberg ging der Bergbau um.1707
gründete Preußen in Wernigerode ein Königliches Bergamt.
Die Grube „König Friedrich“, deren Mundloch wir bald erreichen,
erinnert auch daran, dass Friedrich II. von Preußen (1712-
1786) den Bergbau durch weitgehende Privilegien förderte,
z. B. mit dem Recht auf freie Niederlassung für die Bergleute.
Touristinformation WernigerodeTel.: (0 39 43) 63 30 35
www.wernigerode-tourismus.de
Uranprospektion und Bergbau-Lehrpfad Lossen-Denkmal und Thumkuhlental ( 9 )
Von Wernigerode führt eine Straße
durch das Drängetal nach Drei
Annen Hohne und Schierke. Kurz
nachdem wir den Wernigeröder
Ortsteil Hasserode verlassen
haben, er reichen wir auf der
rechten Seite das Lossen-Denkmal
(N51°48.661´; E010°44.108´).
Dort biegen wir nach rechts ab und
fahren bis zum Wanderparkplatz.
Dieser liegt eben so wie das Denkmal
unmittelbar am Natur kundlich-
Geologischen Lehrpfad Hasserode.
Ehe wir dem Lehrpfad das Thumkuhlental
hinauf folgen, gehen wir
das kurze Stück zurück zur Straße
und schauen uns das Denkmal
etwas genauer an. Es wurde im Jahr
1896 zu Ehren des Geologen Karl August Lossen (1841-1893)
errichtet. Lossen hatte sich als Königlicher Landesgeologe der
Preußischen Geologischen Landesanstalt Berlin und Professor
an der Königlichen Bergakademie Berlin um die Erfor schung
der Geologie des Harzes besonders verdient gemacht. Das
Material des Granitobelisken stammt von den westlich von
Drei Annen Hohne gelegenen Leistenklippen. Die den Sockel
umlagernden Säulen zeigen verschiedene Gesteine aus dem
gesamten Harz.
Unsere kurze Wanderung im Thumkuhlental beginnen wir am
Wanderparkplatz auf dem Fußweg, der an dem „Braunes
Wasser“ genannten Bachberg anführt. Schon bald erreichen wir
einen interessanten Aufschluss und
nur ein kurzes Stück weiter ein
Stollenmundloch. Es liegt etwas
versteckt hinter einer Halde, auf
der eine alte Fichte mit imposanten
Luftwurzeln wächst. In der ersten
Hälfte des 17. Jh. wurden hier
Kobalterze („Hasseröder Blau”) zur
Herstellung blauer Farbe abgebaut.
Ende des 18. Jh. vernichtete eine
Hochwasserkatastrophe die gesamte
Anlage, darunter auch eine Wasserkunst. Weiter talaufwärts
(N51°48.496´; E010°43.663´) wurde eine funktionsfähige
Wasserkunst als Demonstrationsanlage nachgebaut. Die letzte
Episode des Bergbaus im Thumkuhlental fiel in die Zeit des
„Kalten Krieges“ im 20. Jh. Es er fol gte ein Ver suchs berg bau
auf Uran. Spurenhafte Uranmineralisationen waren im heutigen
Sachsen-Anhalt seit Ende des 19. Jh. bekannt. Untersucht
wurden insbesondere die teilweise mächtigen Karbonspatgänge
der Wismut-Kobalt-Nickel-Formation. Im Ergebnis der
Erkundung konnte in der ehemaligen Kobalterz-Grube „Aufgeklärtes
Glück“ eine Uranvererzung nachgewiesen werden.
Wie alle anderen Harzer Uran-Kleinst vorkommen erwies sich
aber auch das Hasseröder Gangrevier als nicht bauwürdige
mineralogische Besonderheit. Daher blieb der Harz von
negativen Auswirkungen des Uranbergbaus verschont.
Tiefengesteine mit Kontaktzone
Geologische Entwicklung des Gebietes
Geologische Entwicklung des Gebietes
Durch die variszische Gebirgsbildung, die etwa in der Mitte des
Karbons vor ca. 300 Mio. Jahren stattfand, wurden infolge der
Plattentektonik die überwiegend marinen Sedimente dieses
Gebietes gefaltet, geschiefert und schließlich als Teil des
großen variszischen Faltengebirges über den Meeresspiegel
gehoben. Infolge dieser tektonischen Aktivitäten drang glutflüssiges Magma auf, das in den Gesteinen des Harzes
stecken blieb und abkühlte. Durch diese sogenannte
Granitintrusion entstand der heutige Brockengranit in
zahlreichen Varietäten – das dominierende Gestein im Bereich
der Landmarke Brocken. Die drei Hauptminerale des Granits
sind durch den Merkspruch „Feldspat, Quarz und Glimmer –
die drei vergess’ ich nimmer“ bekannt. Der Granit ist reich an
Quarz, d. h. ein saures Gestein. Vorab drang der Harzburger
Gabbro als Teilausscheidung dieses Magmas auf. Das relativ
seltene Gestein Gabbro kann als Tiefenvariante des Basalts
bezeichnet werden und besteht im Wesentlichen aus den
Mineralen Plagioklas und Pyroxen mit nur geringen Quarzanteilen.
Beim Eindringen der Granit- und Gabbroschmelzen in die
Umgebungsgesteine sind diese kontaktmetamorph überprägt
und verändert worden. An den Kontak zonen der Magmen zu
den benachbarten Sedimentgesteinen entstanden aufgrund
der hohen Temperaturen die besonders harten, erosionsbeständigen Hornfelse.
Die Umgebung des Granit-Gabbro-Massivs wird wesentlich aus
Meeresablagerungen aufgebaut, die während der geologischen
Zeitabschnitte Devon und Unterkarbon und damit vor ca. 440
bis 320 Mio. Jahren entstanden. Sie bestehen vor allem aus
Tonschiefer sowie der für den Harztypischen Grauwacke.
Während des Devons (vor ca. 390 bis 370 Mio. Jahren) entstand
bei untermeerischen Vulkanausbrüchen der Diabas.
Erst im Zuge der Hebung und Abtragung der ehemals überdeckenden Schichten gelangten die Tiefeng steine Granit und
Gabbro an die Oberfläche. Durch die Harzhebung wurde das
Brockenmassiv dann an seinem Nordrand auf jüngere Gesteine
des Harzvorlandes auf geschoben. Im Zuge dieser Aufschiebung
wurden die Gesteinsschichten dort steil aufgerichtet und teilweise
überkippt.
Ausgewählte Hotels und Gaststätten
Hotel BrockenscheideckSchierke – Brockenstraße 49
www.harz-hotel-brockenscheideck.de
Tel.: (039455) 268
Hotel KönigSchierke – Kirchberg 15
www.harz-hotel-koenig.de
Tel.: (039455) 383
BrockenhotelSchierke - Brockenplateau
www.brockenherberge.de
Tel.: (039455) 120
Cafe WinklerSchierke – Barenberg 1
www.brockenwirt.de
Tel.: (039455) 235
Restaurant Grimbart’sBraunlage
www.grimbarts-Braunlage.de
Tel.: (05520) 94310
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002
gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der
Regionalverband Harz e. V. übernommen. Träger im nördlich
angrenzenden Gebiet ist der Verein FEMO mit Sitz in Königslutter.
Der Übersichtskarte können Sie die Lage aller Land marken
entnehmen. Wie dieses Faltblatt werden Ihnen auch die Faltblätter
für die anderen Landmarken helfen, Ihren nächsten Besuch im
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Herausgeber: Regionalverband Harz e. V., Hohe Straße 6, 06484 Quedlinburg
Telefon: 0 39 46 - 9 64 10, Fax: 0 39 46 - 96 41 42
3., neubearbeitete Auflage, © Regionalverband Harz e. V.,
Quedlinburg 2009. Alle Rechte vorbehalten.
Internet: www.harzregion.de Email: rvh@harzregion.de
Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Klaus George, Dr. Wilfried Ließmann,
Dr. Volker Wrede
Fotos: George, Nationalpark Harz, Wimmer
Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke
Gestaltung: Design Office Agentur für Kommunikation, Wernigerode
Druck: Koch-Druck, Halberstadt
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Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Klaus George, Dr. Wilfried Ließmann,
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