Landmarke 3
Rammelsberg
Rammelsberg
Klassische Quadratmeile der Geologie
Der westliche Nordharzrand wird zu Recht als die „Klassische
Quadratmeile der Geologie“ bezeichnet, denn hier sind fast
alle Schichten vom Erdaltertum bis zu jüngsten Ablagerungen
auf engstem Raum aufgeschlossen. Nahe zu lückenlos finden
sich Zeugnisse von knapp 400 Mio. Jahren Erdgeschichte - wie
kaum anderswo in Mitteleuropa!
Der Nordharzrand
ist durch eine große
tektonische Bruchlinie
geprägt – auch
Goslar liegt mitten
auf ihr. Durch die
Aufschiebung des
Harzes auf sein Vorland
sind die Schichten aus der horizontalen Lage empor geschleppt
und senkrecht
gestellt worden.
Dadurch wurde
entlang des Harzrandes
die Schichtenfolge aus dem
Erdmittelalter an der
Erdoberfläche zugänglich. So treten
hier Gesteine aus Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Jura
sowie Ober- und Unterkreide auf; östlich Bad Harzburg und
westlich Hahausen zusätzlich Zechstein. Die meisten Schichten
sind fossilreich und sind oder waren in zahlreichen
Steinbrüchen, Sand- oder Tongruben aufgeschlossen. In vielen
geologischen Sammlungen liegen Funde. Besonders zu
erwähnen sind die Sammlung im Goslarer Museum, die einen
ausgezeichneten Überblick der geologischen Entwicklung des
Nordharzes gibt sowie die Mineraliensammlung im
Weltkulturerbe Rammelsberg mit zahlreichen Fundstücken
der Lagerstätte Rammelsberg.
Zwischen Goslar und Bad Harzburg stoßen von Süden devonische
Gesteine an den Harzrand. Sie bilden die breite Struktur
des Oberharzer Devonsattels, in dessen Kern unterdevonische
Sandsteine und Quarzite anstehen (Kahleberg-Sandstein).
Westlich schließt sich der Goslarer Trog an, der 1.000 m
mächtige Mitteldevon-Tonschiefer mit Diabasen als Zeugen
eines untermeerischen Vulkanismus enthält. Zwischen Sattel
und Trogrissen Spalten auf, in denen metallhaltige Lösungen
aufstiegen. Sie bildeten Erzschlämme auf dem Meeresgrund,
die sich später zu den Erzen des Rammelsberges verfestigten.
Die aus dem Bergbau und dem damit verbundenen Hüttenwesen
entstandenen Altlasten, Grundwasserbelastungen und
anderen Umweltprobleme sowie eine einmalige Schwermetallvegetation
und viele Sanierungsversuche sind hier
ebenfalls exemplarisch zu studieren – man könnte daher
heute auch von der „Klassischen Quadratmeile der Umweltgeologie“
sprechen.
Weltkulturerbe I Rammelsberg Goslar ( 1 )
Im Gegensatz zu den Oberharzer Erzgängen
entstanden die Rammelsbergerze
untermeerisch gemeinsam mit den umgebenden
Tonschiefern. Die Lagerstätte liegt
überkippt, das heißt, sie steht „unterirdisch
Kopf" – eine Folge der Faltung des
Harzgebirges. Die Erze sind reich an Blei,
Zink und Kupfer sowie Nebenelementen,
darunter Cadmium, Gold und Silber. Für
die alten Bergherren stand die Gewinnung
von Kupfer und Silber, später auch Blei im
Vordergrund; der moderne Bergbau legte
den Schwerpunkt auf Zink und Schwerspat.
Die Erzlagerstätte wurde wahrscheinlich
schon in der Bronzezeit entdeckt und
begründete später – im Mittelalter und der
frühen Neuzeit – den Reichtum der deutschen
Könige, der Herzöge von Braunschweig
und der Stadt Goslar. Während des
hohen Mittelalters baute man vornehm lich
auf silberhaltiges Kupfererz – so er tragreich,
dass die ottonischen und salischen
Kaiser am Fuße des Rammelsberges ihre
größte Pfalzanlage errichteten.
Die Goslarer Kaufleute hatten über den
Metallhandel großes Gewicht in der Hanse.
Während der zweiten bergbaulichen Blüte
im 16. Jh. fiel die Berghoheit allerdings an
die Braunschweiger Herzöge zurück – zum Schaden der
Goslarer Bergherren, doch nicht zum Schaden des Bergbaus.
Eine letzte Blütezeit erlebte der Rammelsberger Bergbau im
20. Jh., nachdem es gelungen war, das fein verwachsene Erz
optimal aufzubereiten. 1988 war die Lagerstätte erschöpft;
Bergbaubetrieb und Aufbereitung wurden geschlossen. Der
Rammelsberg war als einziges Erzbergwerk der Welt kontinuierlich
über tausend Jahre in Betrieb. 1992 wurde es zu sammen
mit der Goslarer Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.
Wer das WELTKULTURERBE RAMMELSBERG besucht, stößt
allerorts auf bedeutende Bergbaudenkmale: auf Abraumhalden
aus dem 10. Jh., den Rathstiefsten Stollen (12. Jh.), das
Feuergezäher Gewölbe (den ältesten ausgemauerten Grubenraum
Europas), den Maltermeisterturm (das älteste Tages gebäude
des deutschen Bergbaus), den Roeder-Stollen (19. Jh.)
mit seinen Wasserrädern und viele andere. In vier Museumshäusern
erwarten den Besucher Dauer- und Wechselausstellungen
zu Leben und Arbeit der Menschen, zu moderner
Kunst, die verblüffende Zugänge zur hiesigen Arbeitskultur
eröffnet, sowie zur Geologie und Mineralogie.
Weltkulturerbe II Altstadt Goslar ( 2 )
Unseren Goslar-
Besuch starten wir
am Kaiserpfalz-Parkplatz.
Von hier bietet
sich ein guter Blick
auf die mächtige
romanische Pfalz. Im
Jahr 1009 fand die
erste Reichsversammlung in Goslar
statt. Bis 1253 blieb
die Stadt ein wichtiges
Herrschaftszentrum
der deutschen Könige und Kaiser.
Ein besonderes Erlebnis sind die engen
Goslarer Altstadt gassen. Der Altstadtkern
wurde auf engstem Raum von nur ca. 1 km2
angelegt. Mitten darin, in einem für Goslar
typischen Haus – ein im Kern zweigeschossiger
spätgotischer Bau – bietet das Goslarer
Museum Sammlungen zur mittelalterlichen
und neueren Stadtgeschichte, zu Kunst und
Kultur, zur Geologie und Mineralogie des
Harzes. In die Ausstellung zur „Klassischen
geologischen Quadratmeile“ ist eine
Informationsstelle des Geoparks Harz. Braunschweiger Land.
Ostfalen integriert. Über die Metallgewinnung informiert die
neue Ausstellung „Vom Erz zum Metall“.Der Nachbau eines
1.000 Jahre alten Harzer Kupferschmelzofens vermittelt Kenntnisse
über historische Verhüttungstechniken.
Öffnungszeiten Goslarer Museum:
April - Oktober 10.00 - 17.00 Uhr
November - März 10.00 - 16.00 Uhr
(jeweils außer montags)
Bemerkenswerte Sandsteinformationen Klusfelsen Goslar (3)
Die 20 m hohe Felsrippe des
Klusfelsens ist erreichbar über
den Straßenzug Osterfeld –
Petersberg. Wir folgen der
Beschilderung „Kluskapelle“.
Der Klusfelsen besteht aus gelbem,
porösem und grobkörnigem
Hils-Sandstein, der sich in
der Unterkreide vor etwa 110
Mio. Jahren in einem küstennahen
Flachmeer gebildet hat
und Mächtigkeiten von fast
100 m erreichen kann. Die
südliche Küstenlinie befand
sich nur wenige Kilometer südlich
des heutigen Klusfelsens
im Nordharzbereich. Der Hils-
Sandstein verkörpert einen
markanten Meereseinbruch
aus dem Niedersächsischen
Becken. Aus Sedimentstrukturen,
z. B. der Schrägschichtung, kann man schließen,
dass die bevorzugte Meeresströmung parallel zur Küste
von Nordwest nach Südost verlief.
Die Hils-Sandsteine waren früher wichtige Werksteine, die
zwischen Langelsheim und Lutter am Barenberge als Bausteine
für Sakralbauten und zur Modellierung feiner Architekturelemente gewonnen wurden. Der Porenraum dieser
Sandsteine ist oft nur unvollständig mit Quarzzement verfüllt
und die Gesteine neigen zur Absandung, was zu Bauschäden
führen kann.www.goslar.de Tel.: (05321) 43394
Exkursion nach Osten Sudmerberg und Industrielandschaft Oker (4) (5)
Vom Klusfelsen fahren wir Richtung
Oker und erkennen bald den breiten
Sudmerberg mit seiner Senderanlage .
Wir biegen von der B 498 nach links in
den Stadtteil Sudmerberg ein, fahren
dort zu einem Parkplatz nahe des
Schützenhauses und steigen auf dem
Forstweg hinauf auf den Gipfel des Berges,
der von flach lagernden Schichten
des oberen Mittelsantons (Oberkreide)
gebildet wird. Die hiesigen Diskordanzen
zeigen den Geologen, dass die
letzten bedeutenden Bewegungen an der Harzrandstörung
hier an der Wende Mittleres/Oberes Santon stattgefunden haben.
Die Santonschichten werden von einer Wechselfolge
harter Kalksandsteine und weicher Mergel aufgebaut. Ins besondere
die gelblichen Kalksandsteine des Sudmerbergs wurden
früher als Baustein gewonnen, der bei vielen Bauwerken
in der Region Goslar Verwendung fand – so auch beim Bau des
Aussichtsturms, von dem aus sich gerade vormittags mit der
Sonne im Rücken eine schöne Aussicht auf Goslar bietet. Mit
Blick in Richtung Harz gut zu sehen sind auch die Gewässer
der Schlamm-Absitzbecken der ehemaligen Rammelsberger
Erzaufbereitungen . Dorthin gelangen wir auf unserer Weiterfahrt
nach Osten, indem wir in
Oker nach dem Unterfahren der
Eisenbahnbrücke rechts in den
Stadtstieg einbiegen und von
den Tennisplätzen hinaufgehen
zum Flugplatz Bollrich.
Auch nach Einstellung der Erzaufbereitung haben die Absitzbecken
eine Funktion: In ihnen
sedimentieren die Feststoffe
nach einer Wasserbehandlung
der in dem ehemaligen Erzbergwerk
anfallenden Grubenwässer.
Je nach Stärke der Niederschläge
werden jährlich bis zu 90.000
Kubikmeter saures Grubenwasser
behandelt, um die seit Jahrhunderten mit Buntmetallen befrachteten
Flüsse Abzucht und
Oker nicht zusätzlich zu belasten.
Im Hüttenort Oker wurden schon
seit dem Mittelalter Rammelsberger
Erzeverhüttet. Die Buntmetallhütten von Oker-Harlingerode
gehen auf die 1527 gegründete Frau-Marien-Saigerhütte zurück.
Heute werden hier keine primären Erze mehr verhüttet
– es sind jetzt Recyclinghütten mit einem europaweiten Einzugsgebiet.
Beim Blick über die Industrielandschaft erweckt die weiße
Wand eines riesigen geologischen Aufschlusses unsere
Neugier: der Langenberg.
Vision Jurapark Kalkwerk Oker ( 6 )
Im Zentrum von Oker biegen wir links ab nach
Bad Harzburg. Die geradeaus führende Straße
würde uns ins Granitgebiet des Okertals bringen.
Parallel zur Harzburger Straße verläuft die
Harzrandstörung, wie der hier steil aufragende
Adenberg anzeigt – er besteht bereits aus
Unterdevon. Nach einigen hundert Metern biegen
wir links ab in Richtung Harlingerode und
erreichen die Einfahrt zum Kalkwerk Oker der
Rohstoffbetriebe Oker GmbH am Westende des
Langenberges. Die riesigen, langgestreckten
Abbauwände dieses Steinbruches schließen in
der Südflanke des Langenberges steil überkippt
nach Süden einfallende, teilweise dolomitische Kalk- und Kalkmergel
steine des Oberen Jura auf. Der großflächige Aufschluss
erlaubt einen einmaligen Blick in den Schichtenaufbau der an der
Harzrandstörung aufgerichteten Schichten. Er ist ein beherrschendes
Landschaftselement: der Aufschluss des Langenberges. Vor
allem die Kalksteine sind ungewöhnlich reich an Fossilien. In
jüngerer Zeit wurden Knochenfunde von Sauriern gemacht; sie
gaben den Anstoß für die Planung eines Juraparks. Für die
Besichtigung des Steinbruchs ist eine Anmeldung und Betretungsgenehmigung
der Betriebsleitung unbedingt erforderlich. Ein
Stop am Werkszaun der westlich der Landstraße gelegenen Hüttenwerke gibt die Möglichkeit, eine gut entwickelte und sehr
artenreiche Variante der Harzer Schwermetallvegetation mit Hallerscher Grasnelke (Armeria
halleri) auf schwermetall angereicherten Böden
zu studieren. Der Nordharz bildet ein europäisches
Schwerpunktvorkommen dieser auf metallhaltige
Böden spezialisierten Pflanzengesellschaften
– ein spannendes um weltgeologisches
Kapitel der Landmarke Rammelsberg.www.okerkalk.de
Quarzgang Elfenstein ( 7 )
Zurück auf der Harzburger Straße, fahren wir weiter in Richtung
Bad Harzburg und biegen am Silberbornbad rechts ein (Parkplatz).
Zu Fuß queren wir das Gelände der Rennbahn und die
schutzwürdigen Gestütswiesen, die sich über den hier im Untergrund
verborgenen Jura- und Triasschichten ausdehnen. Dabei
sehen wir bereits große Quarzitblöcke entlang der Straße (Radweg
R1) liegen. Am Harzrand setzen wir unseren Weg in gleicher
Richtung noch knapp 600 m zu Fuß in das Gläseckental hinein
fort. Dort erreichen wir rechts am Wege einen kleinen Steinbruch,
in dem ein mächtiger Quarzgang aufgeschlossen ist: der Elfenstein
gang. Er zieht sich nach Osten zum Hang des Elfensteins
hinauf und ist dort in Form von Klippen herausgewittert. Dieser
Gang wird in das Gefolge des Okergranits gestellt, d. h. er dürfte
also spät-oberkarbonischen Alters sein. Um so bemerkenswerter
ist sein Verlauf, der auf rund 3 km parallel zur Harzrandstörung
streicht und so die Existenz dieser tektonischen Richtung schon
zu Ende der variszischen Gebirgsbildung beweist. Der Nordharzrand
ist also an einer sehr alten Störung angelegt.
Eisenerz Grube Friederike Bündheim ( 8 )
Wir fahren zurück auf die Hauptstraße, biegen
rechts ein und erreichen entlang der Galopprennbahn
Bündheim, einen Ortsteil von Bad Harzburg.
Wir folgen der Straße noch ein Stück in die Stadt
und biegen dann in einer großen Linkskurve rechts
in die Silberbornstraße ein. So erreichen wir am
Ende der Straße ein Wildgehege, das sich auf dem
Gelände der ehemaligen Eisenerzgrube Friederike
befindet. Der Straßenname „Grubenweg“ und eine
Hinweistafel erinnern an die Bergbaugeschichte. In
die Tone des Lias sind hier vier Erzlager von zusammen
rund 20 m Mächtigkeit ein gelagert. Diese Erze
stammen aus der Verwitterung eines nahen Festlandes
im heutigen Harz, der schon im Jura über dem Meeresniveau
lag. Das Erz kam küstennah zur Ausfällung. Auch die
Erzvorkommen von Peine-Salzgitter haben eine ähnliche Entstehung,
stammen aber aus der Kreidezeit. Berühmt war die
Grube Friederike für ihre großen Ammoniten; guterhaltene
Stücke befinden sich unter anderem in der Sammlung des Goslarer
Museums. Die alten Halden sind eingeebnet oder befinden
sich innerhalb des Wild geheges. Auch von den Grubengebäuden
ist wenig erhalten; nur das Bruchfeld mit deutlichen Bodensenkungen
über den Abbauhohlräumen ist noch zu erkennen.
Fernsicht und Solquellen Burgberg Bad Harzburg ( 9 )
Bad Harzburg wurde 1894 gegründet,
als das Dorf Neustadt zur Stadt erhoben
wurde; Namensgeber war die nahegelegene
Harzburg. Diese wurde um 1065
unter HEINRICH IV. als eine der ersten
Harzer Reichsburgen erbaut. Begünstigt
durch die Lage auf dem steilen Burgberg
entwickelte sie sich zu einer der bedeutendsten
Burgen ihrer Zeit, spielte in den
Sachsen aufständen eine wichtige Rolle
und wurde 1074 ge plündert und zerstört. Nach dem Wiederaufbau
erlebte sie unter OTTO IV. noch einmal eine Blüte: die
Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches wurden
damals hier aufbewahrt. Der Tod von OTTO IV. auf der Harzburg
beendete ihre bedeutende Rolle. Auf dem Großen Burgberg ist
unter anderem der 57 m tiefe Burgbrunnen erhalten geblieben.
Der Burgberg bietet von der Canossa-Säule einen hervorragenden
Blick über den Nordharz und unsere bisherige Exkursionsroute
sowie das weitere nördliche Harzvorland, aus dem sich
einzelne, durch Salztektonik entstandene Höhenzüge wie der
Harly bei Vienenburg mit seinem früheren Kali-Bergwerk erheben.
Bad Harzburg ist heute als Solbad bekannt, das aus der
Harzrandstörung stammende Quellen nutzt. Insgesamt sechs
Heil- und Mineralwasserquellen sprudeln hier. Schon 1569 wurde
durch Herzog JULIUS VON BRAUNSCHWEIG ein Salzwerk eingerichtet,
das bis 1849 betrieben wurde. Die Solquellen lagen nahe
dem heutigen Stadtzentrum (Straße „Am alten Salzwerk“).
Danach wurde die Saline in ein Solbad umgewandelt, welches
das in mehreren Schächten und Bohrungen gesammelte
Mineralwasser zu Trink- und Badekuren nutzt. Um die Mineralwasserausbeute zu erhöhen, wurde 1964/65 im Kurpark
eine 840 m tiefe Bohrung niedergebracht, welche zunächst
Schichten des Harz-Paläozoikums, dann die nach Süden unter
den Harz einfallende Harzrandstörung und darunter überkippt
liegende Schichten des Oberen Buntsandsteins und Muschelkalkes
antraf. Aus dem Salinar des Muschelkalks fließt dem Bohrloch
eine 2 %ige Salzsole von 30° C zu. Bad Harzburg hat also auch
eine Thermalquelle! Vom Kurpark Bad Harzburg ist nicht nur der
Große Burgberg per Seilbahn erreichbar – es lohnt auch der
Besuch des Hauses der Natur. Hier wird mit modernen Mitteln
das Ökosystem Wald dargestellt. Den Einstieg zu der Umweltschau
stellt eine Waldkartei dar, die sich mit der Vielfalt der Harzer
Tiere und Pflanzen beschäftigt.
Exkursion nach Westen Granetalsperre ( 10 )
Wir verlassen Goslar nach Westen auf
der B 82 und folgen der Beschilderung
zur Granetalsperre. Dabei durchfahren
wir die von der Straße zerschnittene
Schotterlandschaft der Haar. Die ca.
10 m mächtigen eiszeitlichen Schotter
sind deutlich geschichtet; zuunterst liegt
aus dem Harz stammendes Material,
darüber kaltzeitliche Schotter mit nordischen
Bestand teilen, die von den
Gletschern aus Skandinavien bis zum
Nordharzrand verfrachtet wurden. Beim Bau der Granetalsperre
wurde hier Schotter für den Staudamm gewonnen. Wir erreichen
den Ortsteil Herzog-Julius-Hütte, der auf ein Metallhüttenwerk
zurückgeht, wo seit dem Mittelalter Rammelsberger
Erze erschmolzen wurden. Heute werden auf diesem ehemaligen
Hüttenstandort Arsen, Gallium, Ger manium, Indium und
andere Sondermetalle für die Halbleiter- und IT-Industrie produziert.
Rechts den Berg hinauf kommen wir zum Wasserwerk
Granetalsperre. Der Grane-Staudamm wurde 1966-1969 in erster
Linie zur Trinkwassergewinnung erbaut. Die am Wasserwerk
gelegene Ausstellung „Wasser, die besondere Ressource“ ist
einen Besuch wert. Höhepunkt der Ausstellung ist ein 8.000
Liter fassendes Großaquarium, in dem Fische in einer dem natürlichen
Lebensraum nachempfundenen Umgebung zu beobachten
sind. Am Winden haus auf der Dammkrone genießen wir
den weiten Blick auf den Harzrand, die Nordharz-Aufrichtungszone
und die Innerste-Mulde, die bis zum bewaldeten Kamm
des Salzgitter-Sattels im Hintergrund reicht. Diese Mulde ist der
westlichste Teil der subherzynen, also dem Harz vorgelagerten
Kreidemulde, die den nördlichen Harzrand begleitet.www.harzwasserwerke.de
Weiße Klippen an der Innerste Kanstein bei Langelsheim ( 11 )
Wir fahren zurück zur B 82n und weiter nach Westen zum alten
Hüttenort Langelsheim (Abfahrt Langelsheim Ost). Am Ortseingang
biegen wir rechts in Richtung Jerstedt ab. Die kleine
Straße bringt uns zum langen geologischen Profil am Kanstein.
Der Prallhang der Innerste lässt hier die Schichtenfolge in einer
hohen Böschung zutage treten. Das Kreideprofil beginnt mit dem Hils-Sandstein der Unterkreide,
der hier diskordant auf
Lias-Tonen liegt. Danach folgen geringmächtiger
Minimus-Ton und
kieseliger, grau-gelblich gefleckter
Flammenmergel. Hieran schließen
Cenoman-Kalke und -Mergel an,
auf die wiederum Rotpläner und
Turon kalke sowie Coniac-Schicht
en folgen. Diese werden im Steinbruch
Langelsheim der Rohstoffbetriebe
Oker GmbH & Co. abgebaut. Stehen die Schichten bis
hierhin noch steil bis überkippt, so ist im weiteren Profil rasch
der Übergang in fast flache Lagerung zu erkennen. Im
Steinbruch am Kanstein lohnt die Fossilsuche. Er bietet auch
Einblick in die Kluft- und Störungssysteme des Gesteins in
diesem Gebiet. Entlang von tektonischen Trennflächen ist es
zu Bewegungen größerer Felskörper gekommen, die ein
Aufreißen kleiner Spalthöhlen verursachten und wegen der
Steinschlaggefahr eine Verlegung der Landstraße erzwangen.
Auf dem Kansteingipfel befinden sich die Reste einer karolingischen
Burganlage.
Lutterer Becken ( 12 )
Zurück in Langelsheim, setzen wir
die Fahrt Richtung Seesen fort und
erreichen bald das Lutterer Becken.
Die Umrahmung dieser Struktur bilden
nach Osten hin Höhenzüge, die
erneut vorwiegend aus Hils-Sandstein
gebildet werden. Dieser ist
hier besonders fest ausgebildet und
wurde früher bei Ostlutter in großem
Umfang gebrochen. Die Kirche
von Lutter ist ein eindrucksvolles Beispiel der örtlichen Steinmetzkunst. Die bewaldeten Höhen rücken am Westrand des
Lutterer Sattels bestehen dagegen aus harten Kalken des Unteren
Muschelkalkes. Nach Süden hin schließt das Harz-Paläozoikum
das Lutterer Becken ab. Hier läuft die Nordharzrandstörung
auf kurzer Entfernung schnell aus.
Lutter wurde bekannt, weil hier 1626 die Schlacht von Lutter am
Barenberge stattfand. Das kaiserlich-ligistische Heer unter TILLY
schlug hier die Truppen des Dänenkönigs CHRISTIAN IV. www.sg-lutter.de
Erfolgloser Bergbau Kupferschieferbergbau bei Neuekrug-Hahausen ( 13 )
Bei Hahausen verlassen wir die
B 82 und fahren auf der B 248 in
Richtung Seesen bis zum Parkplatz
zwischen Neuekrug und Einmündung
der Kreisstraße nach Bornhausen.
Wir gehen auf dem straßenbegleitenden
Radweg 700 m zurück,
weiter nach links den asphaltierten
landwirtschaftlichen Weg und noch vor der Eisenbahnbrücke den grasbewachsenen Weg. Hier
treffen wir die nördlichsten Ausläufer
des Zechsteinzuges, der
den Harz auf seiner Südseite
begleitet. Dicht über der Basis des
Zechsteins tritt Kupferschiefer
auf, dessen Metallgehalte die
Grundlage für den Bergbau im
Mansfelder und Sangerhäuser
Revier (Landmarke 12) bildeten.
Angeregt durch dessen wirtschaftlichen Erfolg, versuchte man
auch hier Kupferschiefer auszubeuten. Die geologischen
Umstände und zu geringe Metallgehalte führten aber schnell zu
einem Scheitern der „New Mansfield Copper and Silver Mining
Company“. Zurück blieben Halden, auf denen man neben
Brocken von Zechsteinkalk auch Kupferschiefer antrifft. Auch
fossile Fischreste (Palaeoniscus freieslebeni) wurden hier schon
gefunden.
Erdfälle und Trinkwasser Wasserlehrpfad Winkelsmühle ( 14 )
Am Ortseingang von Seesen biegen wir
rechter Hand in Richtung Gasthaus
Winkelsmühle ab. Der dortige Wasserlehrpfad
führt uns auf einen entspannten
Spaziergang durch die wunderschöne
Erdfall- und Teichlandschaft
und zum Naturschutzgebiet „Silberhohl“
mit seinem eindrucksvollen
Großerdfall. Entstanden sind die Erdfälle
durch die örtliche Auflösung der
Zechsteinschichten im Untergrund und
das Nachbrechen der Buntsandstein -
Deckschichten. Viele der Erdfälle sind
heute mit Wasser gefüllt.
Geosammlung, Klaviere und Blechwaren Städtisches Museum Seesen ( 15 )
Wir haben nun das Ende des
nördlichen Harzrandes erreicht.
Seesen hieß früher Sehusa
(– Seehausen). Die innerstädtischen
Seen sind heute verlandet;
einen letzten Rest dieser
teilweise auf Erd fälle zurückgehenden
Wasserflächen stellt der
Schlossteich hinter dem Städtischen
Museum dar. Ein Besuch
des Museums lohnt nicht nur in geologischer Hinsicht. Neben
einer Bergbau-, Geo- und Mineraliensammlung bildet der
Klavierbau einen Schwerpunkt, denn die Firma Steinway &
Sons hatte hier ihren Ursprung. Weitere Exponate
lieferte die Seesener Blechwarenindustrie; HEINRICH
ZÜCHNER stellte hier um 1830 die ersten deutschen
Konservendosen in Handarbeit her. In Seesen
wurde 1886 der Harzklub gegründet.
www.seesen.de
Ausgewählte Informationsstellen, Einkehr- und
Übernachtungsmöglichkeiten
Ringhotel Goldener Löwe Seesenwww.loewe-seesen.de
Tel.: (05381) 933-0
Hotel Winterberg Bad Harzburg www.solehotels.de
Tel.: (05322) 928692
Hotel Tannenhof Bad Harzburg www.solehotels.de
Tel.: (05322) 96880
Vitalhotel am StadtparkBad Harzburg
www.vitalhotel-am-stadtpark.de
Tel.: (05322) 7809-0
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer
ganz persönlichen Georoute rund um den
Rammelsberg.
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht
Ihnen gute Erholung und interessante
Einblicke in Geologie und Geschichte im
hier vorgestellten Teil des Natur- und
Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmigung des Verwaltungs- Verlages München - www.stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmigung des Verwaltungs- Verlages München - www.stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Autoren: Hans-Georg Dettmer & Achim Jahns, Dr. Friedhart Knolle,
Dr. Volker Wrede,
Fotos: Bothe, George
Fotos: Bothe, George