Landmarke 3
Rammelsberg
Rammelsberg
Klassische Quadratmeile der Geologie
Der westliche Nord harzrand wird zu Recht als die „Klassische
Quadratmeile der Geologie“ bezeichnet, denn hier sind fast
alle Schichten vom Erdaltertum bis zu jüngsten Ablagerungen
auf engstem Raum auf geschlossen. Nahe zu lückenlos finden
sich Zeugnisse von knapp 400 Mio. Jahren Erdgeschichte - wie
kaum anderswo in Mitteleuropa!
Der Nordharzrand
ist durch eine große
tektonische Bruchlinie
geprägt – auch
Goslar liegt mitten
auf ihr. Durch die
Aufschiebung des
Harz es auf sein Vorland
sind die Schichten aus der horizontalen Lage empor geschleppt
und senkrecht
gestellt worden.
Dadurch wurde
entlang des Harzrandes
die Schichtenfolge aus dem
Erdmittelalter an der
Erdoberfläche zugänglich. So treten
hier Gesteine aus Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Jura
sowie Ober- und Unterkreide auf; östlich Bad Harzburg und
westlich Hahausen zusätzlich Zechstein. Die meisten Schichten
sind fossilreich und sind oder waren in zahlreichen
Steinbrüchen, Sand- oder Tongruben aufgeschlossen. In vielen
geologischen Sammlungen liegen Funde. Besonders zu
erwähnen sind die Sammlung im Goslarer Museum, die einen
ausgezeichneten Überblick der geologischen Entwicklung des
Nordharzes gibt und die Mineraliensammlung im Weltkulturerbe
Rammelsberg mit zahlreichen Fundstücken der Lagerstätte
Rammelsberg.
Zwischen Goslar und Bad Harzburg stoßen von Süden devonische
Gesteine an den Harzrand. Sie bilden die breite Struktur
des Oberharzer Devonsattels, in dessen Kern unterdevonische
Sandsteine und Quarzite anstehen (Kahleberg-Sandstein).
West lich schließt sich der Goslarer Trog an, der 1.000 m
mächtige Mitteldevon-Tonschiefer mit Diabasen als Zeugen
eines untermeerischen Vulkanismus enthält. Zwischen Sattel
und Trogrissen Spalten auf, in denen metallhaltige Lösungen
aufstiegen. Sie bildeten Erzschlämme auf dem Meeresgrund,
die sich später zu den Erzen des Rammelsberges verfestigten.
Die aus dem Bergbau und dem damit verbundenen Hüttenwesen
entstandenen Altlasten, Grundwasserbelastungen und
anderen Umweltprobleme sowie eine einmalige Schwermetallvegetation
und viele Sanierungsversuche sind hier
ebenfalls exemplarisch zu studieren – man könnte daher
heute auch von der „Klassischen Quadratmeile der Umweltgeologie“
sprechen.
Weltkulturerbe I Rammelsberg Goslar ( 1 )
Im Gegensatz zu den Oberharzer Erzgängen
entstanden die Rammelsbergerze
untermeerisch gemeinsam mit den umgebenden
Tonschiefern. Die Lager stätte liegt
überkippt, das heißt, sie steht „unterirdisch
Kopf" – eine Folge der Faltung des
Harzgebirges. Die Erze sind reich an Blei,
Zink und Kupfer sowie Neben elementen,
darunter Cadmium, Gold und Silber. Für
die alten Bergherren stand die Gewinnung
von Kupfer und Silber, später auch Blei im
Vordergrund; der moderne Bergbau legte
den Schwerpunkt auf Zink und Schwerspat.
Die Erzlagerstätte wurde wahrscheinlich
schon in der Bronzezeit entdeckt und
begründete später – im Mittelalter und der
frühen Neuzeit – den Reichtum der deutschen
Könige, der Herzöge von Braunschweig
und der Stadt Goslar. Während des
hohen Mittelalters baute man vornehmlich
auf silberhaltiges Kupfererz – so er tragreich,
dass die ottonischen und salischen
Kaiser am Fuße des Rammelsberges ihre
größte Pfalzanlage errichteten.
Die Goslarer Kaufleute hatten über den
Metallhandel großes Gewicht in der Hanse.
Während der zweiten bergbaulichen Blüte
im 16. Jh. fiel die Berghoheit allerdings an
die Braunschweiger Herzöge zurück – zum Schaden der
Goslarer Bergherren, doch nicht zum Schaden des Bergbaus.
Eine letzte Blütezeit erlebte der Rammelsberger Bergbau im
20. Jh., nachdem es gelungen war, das fein verwachsene Erz optimal aufzubereiten. 1988 war die Lagerstätte erschöpft;
Bergbaubetrieb und Aufbereitung wurden geschlossen. Der
Rammelsberg war als einziges Erzbergwerk der Welt kontinuierlich
über tausend Jahre in Betrieb. 1992 wurde es zusammen
mit der Goslarer Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.
Wer das WELTKULTURERBE RAMMELSBERG besucht, stößt
aller orts auf bedeutende Bergbaudenkmale: auf Abraumhalden
aus dem 10. Jh., den Rathstiefsten Stollen (12. Jh.), das
Feuergezäher Gewölbe (den ältesten ausgemauerten Grubenraum
Europas), den Maltermeisterturm (das älteste Tagesgebäude
des deutschen Bergbaus), den Roeder-Stollen (19. Jh.)
mit seinen Wasserrädern und viele andere. In vier Museumshäusern
erwarten den Besucher Dauer- und Wechselausstellungen
zu Leben und Arbeit der Menschen, zu moderner
Kunst, die verblüffende Zugänge zur hiesigen Arbeitskultur
er öffnet, sowie zur Geologie und Mineralogie.
Weltkulturerbe II Altstadt Goslar ( 2 )
Unseren Goslar-
Besuch starten wir
am Kaiserpfalz-Parkplatz.
Von hier bietet
sich ein guter
Blick auf die mächtige
romanische Pfalz.
Im Jahr 1009 fand
die erste Reichsversammlung in Goslar
statt. Bis 1253 blieb
die Stadt ein wichtiges
Herrschaftszentrum
der deutschen Könige und Kaiser.
Ein besonderes Erlebnis sind die engen
Goslarer Altstadtgassen. Der Altstadtkern
wurde auf engstem Raum von nur ca. 1 km2
angelegt. Mitten darin, in einem für Goslar
typischen Haus – ein im Kern zweigeschossiger
spätgotischer Bau – bietet das Goslarer
Museum Sammlungen zur mittelalterlichen
und neueren Stadtgeschichte, zu Kunst und
Kultur, zur Geologie und Mineralogie des
Harzes. In die 2006/2007 neugestaltete
Ausstellung zur „Klassischen geologischen
Quadratmeile“ ist eine Informationsstelle des UNESCOGeoparks
Harz. Braunschweiger Land. Ostfalen integriert.
Der Nachbau eines 1.000 Jahre alten Harzer Kupferschmelzofens
vermittelt Kenntnisse über historische Verhüttungstechniken.
Öffnungszeiten Goslarer Museum:
April - Oktober 10.00 - 17.00 Uhr
November - März 10.00 - 16.00 Uhr
(jeweils außer montags)
Bemerkenswerte Sandsteinformationen Klusfelsen Goslar (3)
Die 20 m hohe Felsrippe des
Klusfelsens ist erreichbar über den
Straßen zug Osterfeld – Petersberg.
Wir folgen der Beschilderung
„Kluskapelle“.
Der Klusfelsen besteht aus gelbem,
porösem und grobkörnigem Hils-
Sandstein, der sich in der
Unterkreide vor etwa 110 Mio.
Jahren in einem küstennahen Flachmeer
gebildet hat und Mächtigkeiten
von fast 100 m erreichen kann. Die
südliche Küstenlinie befand sich
nur wenige Kilo meter südlich des
heutigen Klusfelsens im Nordharzbereich.
Der Hils-Sandstein
verkörpert einen markanten
Meereseinbruch aus dem Niedersächsischen
Becken. Aus Sedimentstrukturen,
z. B. der Schrägschichtung,
kann man schließen, dass die
bevorzugte Meeresströmung parallel
zur Küste von Nordwest nach Südost verlief.
Die Hils-Sandsteine waren früher wichtige Werksteine, die
zwischen Langelsheim und Lutter am Barenberge als Bausteine
für Sakralbauten und zur Modellierung feiner Architekturelemente gewonnen wurden. Der Porenraum dieser
Sandsteine ist oft nur unvollständig mit Quarzzement verfüllt
und die Gesteine neigen zur Absandung, was zu Bauschäden
führen kann. www.goslar.de Tel.: (05321) 43394
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer
ganz persönlichen Georoute rund um den
Rammelsberg.
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht
Ihnen gute Erholung und interessante
Einblicke in Geologie und Geschichte im
hier vorgestellten Teil des Natur- und
Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmigung des Verwaltungs- Verlages München - www.stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmigung des Verwaltungs- Verlages München - www.stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Exkursion nach Osten Sudmerberg und Industrielandschaft Oker (4) (5)
Vom Klusfelsen fahren wir Richtung
Oker und erkennen bald den breiten
Sud merberg mit seiner Senderanlage .
Wir biegen von der B 498 nach links in
den Stadtteil Sudmerberg ein, fahren
dort zu einem Parkplatz nahe des
Schützenhauses und steigen auf dem
Forstweg hinauf auf den Gipfel des Berges,
der von flachlagernden Schichten
des oberen Mittelsantons (Oberkreide)
gebildet wird. Die hiesigen Diskordanzen
zeigen den Geologen, dass die
letzten bedeutenden Bewegungen an der Harzrandstörung
hier an der Wende Mittleres/Oberes Santon stattgefunden haben.
Die Santon schichten werden von einer Wechselfolge
harter Kalksandsteine und weicher Mergel aufgebaut. Ins besondere
die gelblichen Kalksand steine des Sudmerbergs wurden
früher als Baustein gewonnen, der bei vielen Bauwerken
in der Region Goslar Verwendung fand – so auch beim Bau des
Aussichtsturms, von dem aus sich gerade vormittags mit der
Sonne im Rücken eine schöne Aussicht auf Goslar bietet. Mit
Blick in Richtung Harzgut zu sehen sind auch die Gewässer
der Schlamm-Absitzbecken der ehemaligen Rammelsberger
Erzaufbereitungen . Dorthin gelangen wir auf unserer Weiterfahrt
nach Osten, indem wir in
Oker nach dem Unterfahren der
Eisenbahnbrücke rechts in den
Stadtstieg einbiegen und von
den Tennisplätzen hinaufgehen
zum Flugplatz Bollrich.
Auch nach Einstellung der Erzaufbereitung haben die Absitzbecken
eine Funktion: In ihnen
sedimentieren die Feststoffe
nach einer Wasserbehandlung
der in dem ehemaligen Erzbergwerk
anfallenden Grubenwässer.
Je nach Stärke der Niederschläge
werden jährlich bis zu 90.000
Kubik meter saures Grubenwasser
behandelt, um die seit Jahrhunderten mit Buntmetallen befrachteten
Flüsse Abzucht und
Oker nicht zusätzlich zu belasten.
Im Hüttenort Oker wurden schon
seit dem Mittelalter Rammelsberger
Erze verhüttet. Die Buntmetallhütten von Oker-Harlingerode
gehen auf die 1527 gegründete Frau-Marien-Saigerhütte zurück.
Heute werden hier keine primären Erze mehr verhüttet
– es sind jetzt Recyclinghütten mit einem europaweiten Einzugsgebiet.
Beim Blick über die Industrielandschaft erweckt die weiße
Wand eines riesigen geologischen Aufschlusses unsere
Neugier: der Langenberg.
Vision Jurapark Kalkwerk Oker ( 6 )
Im Zentrum von Oker biegen wir links ab nach
Bad Harzburg. Die geradeaus führende Straße
würde uns ins Granitgebiet des Okertals bringen.
Parallel zur Harzburger Straße verläuft die
Harzrandstörung, wie der hier steil aufragende
Adenberg anzeigt – er besteht bereits aus
Unterdevon. Nach einigen hundert Metern biegen
wir links ab in Richtung Harlingerode und
erreichen die Einfahrt zum Kalkwerk Oker der
Rohstoffbetriebe Oker GmbH am Westende des
Langenberges. Die riesigen, langgestreckten
Abbauwände dieses Steinbruches schließen in
der Südflanke des Langenberges steil überkippt
nach Süden einfallende, teilweise dolomitische Kalk- und Kalkmergelsteine des Oberen Jura auf. Der großflächige Aufschluss
erlaubt einen einmaligen Blick in den Schichtenaufbau der an der
Harzrandstörung auf gerichteten Schichten. Er ist ein beherrschendes
Landschaftselement: der Aufschluss des Langenberges. Vor
allem die Kalksteine sind ungewöhnlich reich an Fossilien. In
jüngerer Zeit wurden Knochenfunde von Sauriern gemacht; sie
gaben den Anstoß für die Planung eines Juraparks. Für die
Besichtigung des Steinbruchs ist eine Anmeldung und Betretungsgenehmigung
der Betriebsleitung unbedingt erforderlich. Ein
Stop am Werkszaun der westlich der Landstraße gelegenen Hüttenwerke gibt die Möglichkeit, eine gut entwickelte und sehr
artenreiche Variante der Harzer Schwermetallvegetation mit Hallerscher Grasnelke (Armeria
halleri) auf schwermetall angereicherten Böden
zu studieren. Der Nordharz bildet ein europäisches
Schwerpunktvorkommen dieser auf metallhaltige
Böden spezialisierten Pflanzengesellschaften
– ein spannendes umweltgeologisches
Kapitel der Landmarke Rammelsberg.www.okerkalk.de
Quarzgang Elfenstein ( 7 )
Zurück auf der Harzburger Straße, fahren wir weiter in Richtung
Bad Harzburg und biegen am Silberbornbad rechts ein (Parkplatz).
Zu Fuß queren wir das Gelände der Rennbahn und die
schutzwürdigen Gestütswiesen, die sich über den hier im Untergrund
verborgenen Jura- und Triasschichten ausdehnen. Dabei
sehen wir bereits große Quarzitblöcke entlang der Straße (Radweg
R1) liegen. Am Harzrand setzen wir unseren Weg in gleicher
Richtung noch knapp 600 m zu Fuß in das Gläseckental hinein
fort. Dort erreichen wir rechts am Wege einen kleinen Steinbruch,
in dem ein mächtiger Quarzgang aufgeschlossen ist: der Elfenstein
gang. Er zieht sich nach Osten zum Hang des Elfensteins
hinauf und ist dort in Form von Klippen herausgewittert. Dieser
Gang wird in das Gefolge des Okergranits gestellt, d. h. er dürfte
also spät-ober kar bonischen Alters sein. Umso bemerkenswerter
ist sein Verlauf, der auf rund 3 km parallel zur Harzrandstörung
streicht und so die Existenz dieser tektonischen Richtung schon
zu Ende der variszischen Gebirgsbildung beweist. Der Nordharzrand
ist also an einer sehr alten Störung angelegt.
Eisenerz Grube Friederike Bündheim ( 8 )
Wir fahren zurück auf die Hauptstraße, biegen
rechts ein und erreichen entlang der Galopprennbahn
Bündheim, einen Ortsteil von Bad Harzburg.
Wir folgen der Straße noch ein Stück in die Stadt
und biegen dann in einer großen Linkskurve rechts
in die Silberbornstraße ein. So erreichen wir am
Ende der Straße ein Wildgehege, das sich auf dem
Gelände der ehemaligen Eisenerzgrube Friederike
befindet. Der Straßenname „Grubenweg“ und eine
Hinweistafel erinnern an die Bergbaugeschichte. In
die Tone des Lias sind hier vier Erzlager von zusammen
rund 20 m Mächtigkeit eingelagert. Diese Erze
stammen aus der Verwitterung eines nahen Festlandes
im heutigen Harz, der schon im Jura über dem Meeresniveau
lag. Das Erz kam küstennah zur Ausfällung. Auch die
Erzvorkommen von Peine-Salzgitter haben eine ähnliche Entstehung,
stammen aber aus der Kreidezeit. Berühmt war die
Grube Friederike für ihre großen Ammoniten; guterhaltene
Stücke befinden sich unter anderem in der Sammlung des Goslarer
Museums. Die alten Halden sind eingeebnet oder befinden
sich innerhalb des Wild geheges. Auch von den Grubengebäuden
ist wenig erhalten; nur das Bruchfeld mit deutlichen Bodensenkungen
über den Abbauhohlräumen ist noch zu erkennen.
Fernsicht und Solquellen Burgberg Bad Harzburg ( 9 )
Bad Harzburg wurde 1894 gegründet,
als das Dorf Neustadt zur Stadt erhoben
wurde; Namensgeber wurde die nahegelegene
Harzburg. Diese wurde um
1065 unter HEINRICH IV. als eine der ersten
Harzer Reichsburgen erbaut.
Begünstigt durch die Lage auf dem steilen
Burgberg entwickelte sie sich zu
einer der bedeutendsten Burgen ihrer
Zeit, spielte in den Sachsen aufständen
eine wichtige Rolle und wurde 1074 geplündert und zerstört.
Nach dem Wiederaufbau erlebte sie unter OTTO IV. noch einmal
eine Blüte: die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches
wurden damals hier aufbewahrt. Der Tod von OTTO IV. auf der
Harzburg beendete ihre bedeutende Rolle. Auf dem Großen
Burgberg ist unter anderem der 57 m tiefe Burgbrunnen erhalten
geblieben. Der Burg berg bietet von der Canossa-Säule einen
hervorragenden Blick über den Nordharz und unsere bisherige
Exkursionsroute sowie das weitere nördliche Harzvorland, aus
dem sich einzelne, durch Salztektonik entstandene Höhenzüge
wie der Harly bei Vienenburg mit seinem früheren Kali-Bergwerk
erheben. Bad Harzburg ist heute als Solbad bekannt, das aus der
Harzrandstörung stammende Quellen nutzt. Insgesamt sechs
Heil- und Mineralwasserquellen sprudeln hier. Schon 1569 wurde
durch Herzog JULIUS VON BRAUNSCHWEIG ein Salzwerk eingerichtet,
das bis 1849 betrieben wurde. Die Solquellen lagen nahe dem
heutigen Stadtzentrum (Straße „Am alten Salz werk“). Danach
wurde die Saline in ein Solbad umgewandelt, welches das in
mehreren Schächten und Bohrungen gesammelte Mineralwasser
zu Trink- und Badekuren nutzt. Um die Mineralwasserausbeute zu erhöhen, wurde 1964/65 im Kurpark eine 840 m tiefe
Bohrung niedergebracht, welche zunächst Schichten des Harz-
Paläozoikums, dann die nach Süden unter den Harz einfallende
Harzrandstörung und darunter überkippt liegende Schichten des
Oberen Buntsandsteins und Muschelkalkes antraf. Aus dem
Salinar des Muschelkalks fließt dem Bohrloch eine 2 %ige Salzsole von 30° C zu. Bad Harzburg hat also auch eine Thermalquelle! Vom Kurpark Bad Harzburg ist nicht nur der Große Burgberg per Seilbahn erreichbar – es lohnt auch der Besuch des Hauses der Natur. Hier wird mit modernen Mitteln das Ökosystem Wald dargestellt. Den Einstieg zu der Umweltschau stellt eine Waldkartei dar, die sich mit der Vielfalt der Harzer Tiere und Pflanzen beschäftigt.
Exkursion nach Westen Granetalsperre ( 10 )
Wir verlassen Goslar nach Westen auf
der B 82 und folgen der Beschilderung
zur Granetalsperre. Dabei durchfahren
wir die von der Straße zerschnittene
Schotterlandschaft der Haar. Die ca.
10 m mächtigen eiszeitlichen Schotter
sind deutlich geschichtet; zuunterst
liegt aus dem Harz stammendes Material, darüber kaltzeitliche Schotter mit
nordischen Bestand teilen, die von den
Gletschern aus Skandinavien bis zum
Nordharzrand verfrachtet wurden. Beim Bau der Granetalsperre
wurde hier Schotter für den Staudamm gewonnen. Wir erreichen
den Ortsteil Herzog-Julius-Hütte, der auf ein Metallhüttenwerk
zurückgeht, wo seit dem Mittelalter Rammelsberger
Erze erschmolzen wurden. Heute werden auf diesem ehemaligen
Hüttenstandort Arsen, Gallium, Ger manium, Indium und
andere Sondermetalle für die Halbleiter- und IT-Industrie produziert.
Rechts den Berg hinauf kommen wir zum Wasserwerk
Granetalsperre. Der Grane-Staudamm wurde 1966-1969 in erster
Linie zur Trinkwassergewinnung erbaut. Die am Wasserwerk
gelegene Ausstellung „Wasser, die besondere Ressource“ ist
einen Besuch wert. Höhepunkt der Ausstellung ist ein 8.000
Liter fassendes Großaquarium, in dem Fische in einer dem natürlichen
Lebensraum nachempfundenen Umgebung zu beobachten
sind. Am Windenhaus auf der Dammkrone genießen
wir den weiten Blick auf den Harzrand, die Nordharz-Aufrichtungs
zone und die Innerste-Mulde, die bis zum bewaldeten
Kamm des Salzgitter-Sattels im Hintergrund reicht. Diese Mulde
ist der westlichste Teil der subherzynen, also dem Harz
vorgelagerten Kreidemulde, die den nördlichen Harzrand begleitet.
www.harzwasserwerke.de
Weiße Klippen an der Innerste Kanstein bei Langelsheim ( 11 )
Wir fahren zurück zur B 82n und weiter nach Westen zum alten
Hüttenort Langelsheim (Abfahrt Langelsheim Ost). Am Ortseingang
biegen wir rechts in Richtung Jerstedt ab. Die kleine
Straße bringt uns zum langen geologischen Profil am Kanstein.
Der Prallhang der Innerste lässt hier die Schichten folge in einer
hohen Böschung zutage treten. Das Kreideprofil beginnt mit dem Hils-Sandstein der Unterkreide,
der hier diskordant auf
Lias-Tonen liegt. Danach folgen geringmächtiger
Minimus-Ton und
kieseliger, grau-gelblich gefleckter
Flammenmergel. Hieran schließen
Cenoman-Kalke und -Mergel an,
auf die wiederum Rotpläner und
Turonkalke sowie Coniac-Schichten folgen. Diese werden in einem
großen Steinbruch rechts der
Straße abgebaut, dem Steinbruch Langelsheim der Rohstoffbetriebe
Oker GmbH & Co. Stehen die Schichten bis hierhin
noch steil bis überkippt, so ist im weiteren Profil rasch der
Übergang in fast flache Lagerung zu erkennen. Im Steinbruch
am Kanstein lohnt die Fossilsuche. Er bietet auch Einblick in
die Kluft- und Störungssysteme des Gesteins in diesem
Gebiet. Entlang von tektonischen Trennflächen ist es - verstärkt
durch die Abbaueinwirkungen - zu Bewegungen größerer
Felskörper gekommen, die ein Aufreißen kleiner Spalthöhlen
verursachten und wegen der ständigen Steinschlaggefahr eine
Verlegung der Landstraße erzwangen. Auf dem Kansteingipfel
befinden sich die Reste einer karolingischen Burganlage.
Lutterer Becken ( 12 )
Zurück in Langelsheim, setzen wir
die Fahrt Richtung Seesen fort und
erreichen bald das Lutterer Becken.
Die Umrahmung dieser Struktur bilden
nach Osten hin Höhenzüge, die
erneut vorwiegend aus Hils-Sandstein
gebildet werden. Dieser ist
hier besonders fest ausgebildet und
wurde früher bei Ostlutter in großem
Umfang gebrochen. Die Kirche
von Lutter ist ein eindrucksvolles Beispiel der örtlichen Steinmetzkunst. Die bewaldeten Höhen rücken am Westrand des
Lutterer Sattels bestehen dagegen aus harten Kalken des Unteren
Muschelkalkes. Nach Süden hin schließt das Harz-Paläozoikum
das Lutterer Becken ab. Hier läuft die Nordharzrandstörung
auf kurzer Entfernung schnell aus.
Lutter wurde bekannt, weil hier 1626 die Schlacht von Lutter am
Barenberge stattfand. Das kaiserlich-ligistische Heer unter TILLY
schlug die Truppen des Dänenkönigs CHRISTIAN IV. hier so massiv,
dass sich dieser nach Holstein zurückziehen musste.
Erfolgloser Bergbau Kupferschieferbergbau bei Neuekrug-Hahausen ( 13 )
Bei Hahausen verlassen wir die
B 82 und fahren auf der B 248 in
Richtung Seesen bis zum Parkplatz
zwischen Neuekrug und Einmündung
der Kreisstraße nach Bornhausen.
Wir gehen auf dem straßenbegleitenden
Radweg 700 m zurück,
weiter nach links den asphaltierten
landwirtschaftlichen Weg und noch vor der Eisenbahnbrücke den grasbewachsenen Weg. Hier
treffen wir die nördlichsten Ausläufer
des Zechsteinzuges, der
den Harz auf seiner Südseite
begleitet. Dicht über der Basis des
Zechsteins tritt Kupferschiefer auf,
dessen Metallgehalte die
Grundlage für den Bergbau im
Mansfelder und Sangerhäuser
Revier (Landmarke 12) bildeten.
Angeregt durch dessen wirtschaftlichen Erfolg, versuchte man
auch hier Kupferschiefer auszubeuten. Die geologischen
Umstände und zu geringe Metallgehalte führten aber schnell zu
einem Scheitern der „New Mansfield Copper and Silver Mining
Company“. Zurück blieben Halden, auf denen man neben
Brocken von Zechsteinkalk auch Kupferschiefer antrifft. Auch
fossile Fischreste (Palaeoniscus freieslebeni) wurden hier schon
gefunden.
Erdfälle und Trinkwasser Wasserlehrpfad Winkelsmühle ( 14 )
Am Ortseingang von Seesen biegen wir
rechter Hand in Richtung Gasthaus
Winkels mühle ab. Der dortige Wasserlehrpfad
führt uns auf einen entspannten
Spaziergang durch die wunderschöne
Erdfall- und Teichlandschaft
und zum Naturschutz gebiet „Silberhohl“
mit seinem eindrucksvollen
Großerdfall. Entstanden sind die Erdfälle
durch die örtliche Auflösung der
Zechsteinschichten im Untergrund und
das Nachbrechen der Buntsandstein -
Deckschichten. Viele der Erdfälle sind
heute mit Wasser gefüllt.
Geosammlung, Klaviere und Blechwaren Städtisches Museum Seesen ( 15 )
Wir haben nun das Ende des
nördlichen Harzrandes er reicht.
Seesen hieß früher Sehusa
(= See hausen). Die innerstädtischen
Seen sind heute verlandet;
einen letzten Rest dieser
teilweise auf Erdfälle zurückgehenden
Wasser flächen stellt der
Schlossteich hinter dem Städtischen
Museum dar. Ein Besuch
des Museums lohnt nicht nur in geologischer Hinsicht. Neben
einer umfangreichen Bergbau-, Geo- und Mineralien sammlung
bildet der Klavierbau einen Schwerpunkt, denn die Firma
Steinway & Sons hatte hier ihren Ursprung. Weitere Exponate
lieferte die Seesener Blechwarenindustrie; HEINRICH ZÜCHNER
stellte hier um 1830 die ersten deutschen Konservendosen in
Handarbeit her. In Seesen wurde 1886 der Harzklub
gegründet.
www.seesen.de
Ausgewählte Informationsstellen, Einkehrund
Übernachtungsmöglichkeiten
Ringhotel Goldener Löwe Seesenwww.loewe-seesen.de
(05381) 933-0
Hotel Winterberg Bad Harzburg www.solehotels.de
(05322) 928692
Hotel Tannenhof Bad Harzburg www.solehotels.de
(05322) 96880
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002
gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der
Regionalverband Harz e. V. übernommen. Träger im nördlich
angrenzenden Gebiet ist der Verein FEMO mit Sitz in Königslutter.
Der Übersichtskarte können Sie die Lage aller Land marken entnehmen.
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Geopark zu planen.
Herausgeber: Regionalverband Harz e. V., Hohe Straße 6, 06484 Quedlinburg
Telefon: 0 39 46 - 9 64 10, Fax: 0 39 46 - 96 41 42
3., neubearbeitete Auflage, Quedlinburg 2009,
© Regionalverband Harz e. V., alle Rechte vorbehalten.
Internet: www.harzregion.de
Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Volker Wrede, Hans-Georg Dettmer & Achim Jahns
Fotos: Bothe, George
Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke
Gestaltung: Design Office Agentur für Kommunikation, Wernigerode
Druck: Koch-Druck, Halberstadt
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Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Volker Wrede, Hans-Georg Dettmer & Achim Jahns
Fotos: Bothe, George
Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke
Gestaltung: Design Office Agentur für Kommunikation, Wernigerode
Druck: Koch-Druck, Halberstadt
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