Landmarke 2
Ottiliae-Schacht- Gerüst Clausthal-Zellerfeld
Ottiliae-Schacht- Gerüst Clausthal-Zellerfeld
Oberharzer Bergwerksmuseum Ottiliae-Schacht ( 1 )
Fahren wir von Westen kommend
auf der B 242, so sehen wir bereits
kurz vor der Bergstadt Clausthal-
Zellerfeld auf der linken Seite das
stählerne Gerüst eines Förderturms.
Es ist das Ottiliae-Schacht-
Gerüst, das zu den bekanntesten
montanen Sehenswürdigkeiten der
Region gehört. Im Jahr 1876 in der
Königlichen Zentralschmiede Clausthal
hergestellt, ist es heute eines
der ältesten erhaltenen Fördergerüste
Mitteleuropas.
Bis 1930, als der Bergbau in Clausthal-Zellerfeld eingestellt
wurde, war der Ottiliae-Schacht der zentrale Förderschacht
dieses Reviers. In den Tagesgebäuden dieses Schachtes, der
nach dem Berghauptmann ERNST HERMANN OTTILIAE benannt ist,
unterhält das Oberharzer Bergwerksmuseum eine Außenstelle.
Die wieder in Betrieb gesetzte Fördermaschine und andere
Bergbaumaschinen sind Zeugnisse der Harzer Industriegeschichte
und dokumentieren die Techniken im Bergbau von
etwa 1880 bis zur Gegenwart. Den Auftakt für eine
Besichtigung der Tagesanlagen bildet eine erlebnisreiche
Grubenbahn-Fahrt auf der rekonstruierten 2,2 km langen
Tagesförderstrecke. Auf ihr wurde während einer Umbauphase
unter Tage von 1900 bis 1905 das Erz vom Schacht „Kaiser
Wilhelm II.“ zur zentralen Erzaufbereitung am Ottiliae-Schacht
transportiert. Im Sommerhalbjahr fährt die Bahn an Wochenenden
und Feiertagen vom „Alten Bahnhof“ (Stadtbücherei)
zum Ottiliae-Schacht (N51°48.504’; E010°18.794’).
Ältestes Bergwerksmuseum Deutschlands ( 2 )
Bereits 1892 wurde das älteste Bergwerksmuseum des Landes
gegründet. Im Stadtteil Zellerfeld gelegen, vermittelt es einen
geschlossenen Überblick über die Entwicklung des Oberharzer
Bergbaus vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jh. Das Schaubergwerk
mit einem etwa 250 m langen Besucherstollen und
originalen Bergwerksgebäuden im Freigelände, darunter der
einzige erhaltene bergbauliche Pferdegaipel Deutschlands, die
einzige Erzaufbereitung mit einem Pochwerk und das Schachtgebäude
aus dem Jahre 1787, sind eindrucksvolle Zeugen der
Bergbaugeschichte. Die bergbau- und kulturkundliche Sammlung
in 30 Schauräumen des Hauptgebäudes mit der berühmten
Modellsammlung, umfangreichen
Mineralien- und Münzsammlungen, einer
Spezialsammlung von Grubenlampen,
bergmännischem Gezähe und Zeugnissen
der Wohnkultur vervollständigen das
Bild einer Bevölkerung, deren alleinige Lebensgrundlage
über Jahrhunderte der
Erzbergbau war. Ein vielfältiges kulturpädagogisches
Programm ergänzt das
Museumsangebot.
Öffnungszeiten: 10.00 bis 17.00 Uhr Tel.: (05323) 98950
Schachtanlage „Kaiser Wilhelm II.“ Clausthal ( 3 )
Am Rande des TU-Neubaugebietes liegt an
der Erzstraße der Schacht „Kaiser Wilhelm
II.“ mit dem zweitältesten erhaltenen
eisernen Förderturm Mitteleuropas. Der
Turm wurde als klassisches Bockgerüst im
Jahr 1880 errichtet. Mit dem Schacht
„Kaiser Wilhelm II.“ schloss 1930 die letzte
Grube Clausthal-Zellerfelds. Heute sind
die Tagesanlagen in den Betriebshof der
Harzwasserwerke integriert. Auf dem
Schachtgelände befinden sich neben den
restaurierten Gebäuden des Maschinenhauses,
der Schachthalle, der Kaue und
anderen Versorgungsgebäuden, fotogene
originalgetreue Nachbildungen von
hölzernen Wasserrädern. Eine Ausstellung
informiert über die Wasserwirtschaft
im Oberharz.Weitere Informationen: www.oberharzerbergwerksmuseum.de
Oberharzer Wasserregal Sperberhaier Damm ( 4 )
Ohne die speziell auf den Bergbau ausgerichtete
Wasserwirtschaft wäre der Harzer Erzbergbau
nicht denkbar gewesen. Rund um
Clausthal-Zellerfeld, Hahnenklee und Sankt
Andreasberg sind seit 1530 die Anlagen des
heutigen Kulturdenkmals „Oberharzer Wasserregal"
entstanden. Es ist ein vernetztes System
von insgesamt ca. 700 km Gräben, 120 Teichen
und 30 km unterirdischen Wasserläufen, das
dazu diente, Wasser aufzufangen, zu speichern
und zu transportieren, um z. B. Wasserräder
zum Heben von Lasten zu betreiben. Auch
Pumpenanlagen wurden mit diesem Wasser
angetrieben. Sie waren überlebenswichtig, um
das Grubenwasser aus den Bergwerken
schaffen zu können.
Mit dem sehr aufwändigen System konnte Wasser auch aus
größeren Entfernungen auf die Clausthaler Hochfläche geleitet
werden, so z. B. das Wasser des Bruchberges und des
Brockenfeldes. Dazu wurde in den Jahren 1732 bis 1734 der
Sperberhaier Damm erbaut, ein 940 m langes und maximal
16 m hohes Bauwerk an der B 242 zwischen den Einmündungen
der B 498 aus Richtung Osterode bzw. Altenau.
Die Harzwasserwerke GmbH erhalten und pflegen dieses
Kulturdenkmal. Die Teiche und Gräben des Oberharzer
Wasserregals können wir gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad
erkunden.
Weitere Informationen: www.harzwasserwerke.de
Technische Universität GeoMuseum Clausthal ( 5 )
Die Beschäftigung mit geowissenschaftlichen
Fragestellungen
hat an der im Jahr 1775
als montanistische Lehrstätte
gegründeten späteren Bergakademie
(1864) und heutigen
TU Clausthal eine lange Tradition.
Deren mineralogische
Sammlungen nehmen mit
mehr als 120.000 Sammlungsstücken
eine überregionale
Spitzenposition ein. Herausragend
sind die Sammlungen
der Erze und nichtmetallischen
mineralischen Rohstoffe - sie
sind die Basis für vergleichende
Untersuchungen und stehen Wissenschaftlern der ganzen
Welt zur Verfügung. Der öffentliche Teil der mineralogischen
Sammlung ist nicht nur für Spezialisten von Bedeutung,
sondern jedermann zum Besuch zu empfehlen. Die Geo-
Abteilung widmet sich den wichtigsten Abläufen der
Evolution; einmalig sind die ausgestellten originalgetreuen
Modelle der größten fossilen Fluginsekten. Ein weiterer
Schwerpunkt ist die Darstellung wichtiger, im Harz und
Harzvorland vorkommender Fossilien (Ammoniten und
Trilobiten). Die Exponate zur Naturgeschichte des Harzes
zeigen Ausschnitte der gesamten überlieferten Erdgeschichte
im Harzgebiet von rund 480 Mio. Jahren.
Das GeoMuseum befindet sich im Hauptgebäude der
Technischen Universität (TU), Adolph-Roemer-Straße 2a.Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch und Freitag 9.30 – 12.30 Uhr
Donnerstag 14.00 – 17.00 Uhr
Sonntag 10.00 – 13.00 Uhr
(außer an gesetzlichen Feiertagen)
Aus dem Hauptgebäude der TU
kommend zur Linken erinnert auf dem
zentralen Platz Clausthals ein Denkmal
an den Bergamtsassessor FRIEDRICH
ADOLPH ROEMER (1809-1869). Es wurde
dem berühmten Geologen und
Begründer der Bergakademie Clausthal
von seinen Schülern 1882 gesetzt und
enthält im Sockel charakteristische
Gesteine des Harzes.
Ein Spaziergang durch das
Neubaugebiet der TU Clausthal am
Feldgraben führt zur Universitätsbibliothek;
deren Calvör’sche Bibliothek
- eine Gelehrtenbibliothek der
Barockzeit - gehört zu den kostbarsten
Kulturgütern des Oberharzes. Der
Geologiepfad vermittelt Eindrücke der
Harzgeologie, und auch die Paläontologie-Sammlung im
Institut kann nach Anmeldung besichtigt werden.Bergbau bis 1812 Schalker Teich Oberschulenberg ( 6 )
Wir fahren hinab in das Tal der Schalke
und parken in Oberschulenberg
(N51°49.812’; E010°23.928’). Aufgeschlossen
ist hier die Grenze zwischen
Clausthaler Kulmfaltenzone und Oberharzer
Devonsattel. Sie wird vom
Bockswieser Gangzug gebildet, einer
Verwer-fung, die über 12 km Länge
vom Innerstetal im Westen bis östlich
des Okertals zu verfolgen ist. Örtlich
wies der Gang Erze auf, die bis 1907
abgebaut wurden. Südlich der Verwerfung stehen Unterkarbongesteine
an, wie sie der nach Westen entlang des
Baches ins Mertenstal führende Forstweg aufschließt. Nördlich
der Störung treten dagegen devonische Gesteine auf, die
auf einer kleinen Wanderung rund um den Schalker Teich zu
sehen sind. Der Untere Schalker Teich wurde 1729 bis 1733
angelegt, um die hier liegenden Gruben und Pochwerke mit
Aufschlagswasser versorgen zu können. Am zweiten
Weihnachtstag 1733 brach der Damm; die Flutwelle forderte
neun Todesopfer und richtete schwere Verwüstungen im
gesamten Okertal an. Der Damm wurde jedoch umgehend
wieder aufgebaut. Wer sich für seine Erkundungen weniger
Zeit nehmen möchte, sollte am oberen Ende der Häuserreihe
dem nach rechts führenden Pfad folgen. Er führt zu zwei historischen
Lochsteinen, die die Grenze der Grubenfelder
markieren. Etwas weiter erreichen wir den Erzgang; neben
dem hier aus Quarz bestehendem tauben Gang deuten
Pingen den Verlauf der Erzkörper an. Nach Osten schließen
sich die ausgedehnten Oberschulenberger Halden an – sie
wurden bekannt durch das Auftreten von Kupfer-, Zink- und
Blei-Sekundärmineralien, von denen der Schulenbergit nach
diesem Fundort benannt wurde.
Bogenstaumauer Okertalsperre ( 7 )
Im Verlauf unserer weiteren Talfahrt erreichen
wir die Okertalsperre
(N51°51.051’; E010°27.510’). Linker
Hand wird die Straßenböschung teilweise
von riesigen, freiliegenden
Schichtflächen der Kulmtonschiefer gebildet.
Die ca. 260 m lange Staumauer
stellt eine ungewöhnliche Konstruktion
dar: auf eine 55 m hohe Bogenstaumauer,
die den Druck des angestauten Wassers auf die
Talflanken ablenkt, wurde eine 13 m hohe Gewichtsmauer
aufgesetzt. Ausschlaggebend hierfür war die Geologie, da die
im höheren Teil der Talflanken anstehenden Grauwacken im
Gegensatz zu den darunterliegenden, kontaktmetamorph
gehärteten Tonschiefern keine entsprechenden Kräfte aufnehmen
können. Das Stauvolumen der Talsperre beträgt max.
47 Mio. m3. Die Abgabe des Wassers erfolgt entweder durch
den Grundablass oder durch einen 1,7 km langen
Druckstollen, der zum Kraftwerk Romkerhalle führt. Auf der
Talsperre verkehrt ein Ausflugsschiff.
Wildes Flusstal Unteres Okertal ( 8 )
Das Okertal unterhalb der Talsperre
verdankt seinen schluchtartigen Charakter
und seinen Reichtum an Felsenklippen
der Tatsache, dass es ein
Granitmassiv durchschneidet. Der
Okergranit stellt einen eigenen Intrusionskörper
dar und ist nicht die
unmittelbare Fortsetzung des Brockenplutons
(Landmarke 4). Das Intrusivgestein
stieg zum Ende der variszschen
Faltung im Oberkarbon empor und
drang in das gefaltete Gesteinspaket
ein. Der Granit setzt, als ein in unverwittertem
Zustand hartes Gestein, der
Erosionskraft des Wassers großen
Widerstand entgegen. Vorwiegend durch
Hitzeeinwirkung des Magmenkörpers wurden auch die
älteren devonischen bzw. unterkarbonischen Gesteine, in die
die Schmelze eindrang, in ihrem mineralogischen Aufbau
"kontaktmetamorph" verändert und dabei gehärtet. Tonige
Gesteine und die unterkarbonischen Grauwacken wurden in
zähe Hornfelse umgewandelt. Im Okertal treten so vielfältige
Gesteinsvarietäten auf, die in zahlreichen Aufschlüssen
studiert werden können.
Die steil stehende Westflanke der Romkerhaller Mulde ist in
der Rabenklippe (N51°51.526’; E010°28.025’) gut aufgeschlossen.
Um zur Rabenklippe zu gelangen, gehen wir
vom Parkplatz am Romkerhaller Kraftwerk 300 m weit bergan
auf dem Fußweg entlang der B 498.
Fantastische Felsbildungen Granitklippen der Käste ( 9 )
Vom Parkplatz am Kraftwerk wählen wir linksseits
des künstlichen Romkerhaller Wasserfalls den
steilen Aufstieg über Schöppenstedter Weg –
Romkerkopfweg – Klippenweg in Richtung Berggasthaus
„Käste“ (ca. 3 km). Nachdem wir einen
lichten Abschnitt des Klippenweges - bestanden
mit Ginster und Heidekraut - passiert haben,
erreichen wir zunächst die Feigenbaumklippe, in
der sich eine aus übereinander getürmten Granitblöcken
gebildete Überdeckungshöhle befindet.
Schon von der Feigenbaumklippe aus genießen
wir einen bis in das nördliche Harzvorland
reichenden Ausblick. Erosionskräfte haben das
Dach des Okergranits freigelegt. Die Granitverwitterung
zerlegt das Gestein allmählich in
immer kleiner werdende, wie Wollsäcke geformte gehalten. Wir passieren
dann noch die „Hexenküche“,
um schließlich die
am Berggasthaus gelegene
Kästeklippe (605 m über
NN) zu erreichen. Eine
besonders markante Felsbildung
wird hier
( N 5 1 ° 5 2 . 1 0 1 ’ ;
E010°28.985’) „Der Alte
vom Berge“ genannt. Ein
bequemerer Weg führt uns
über den „Treppenstein“
zurück ins Okertal (ca. 5
km). Auf dem Treppenstein befinden sich Überreste einer
Burganlage, die sich mit der Burg auf dem Ilsestein bei
Ilsenburg (Landmarke 4) vergleichen lässt.
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen Georoute.
Auch sachkundige Führungen können vermittelt werden
(Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im Regionalverband
Harz, Herr Dr. STEIGER (03944) 369085 oder e-mail:
T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung und
interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier vorgestellten
Teil des Natur- und Geoparks Harz!Verwaltungs-Verlag München, Lizenz-Nr. 03/09/92. Weitere Stadtpläne unter www.stadtplan.net
Exkursion in das Innerstetal Pochsandhalden ( 10 )
Wir verlassen Clausthal in
Richtung Bad Grund auf
der sich in das Tal des
Zellbaches hinunterwindenden
B 242 und erreichen
nach ca. 2 km das
Areal der früheren Clausthaler
Bleihütte. Diese
ging auf die 1554 gegründete
Frankenscharrn-
Hütte zurück und wurde
bis 1967 betrieben. Nach
der Stilllegung der Hütte
wurden die Gebäude
abgebrochen. Als Folge
der Schwefelemissionen des hier über Jahrhunderte betriebenen
Röstprozesses der sulfidischen Erze ist die Vegetation
in der Umgebung der Hütte abgestorben und regeneriert
sich nur langsam. Während der Blütezeit der Calluna-
Heide ist dies wohl die „schönste Altlast“ des Harzes! Mit
Schwermetallen kontaminierte Pochsandhalden belasten die
Auensedimente bis heute, weil das lose Haldenmaterial bei
Starkregen abgespült wird und in die Innerste gerät – auch
dies ein Erbe des historischen Bergbaus.
Tal der Steinbrüche und Bergwerke Grauwacke-Steinbrüche im Innerstetal ( 11 )
Dort, wo sich Zellbach und Innerste vereinigen, biegen wir von
der B 242 Richtung Zechenhaus „Untere Innerste“ ab. Nach
etwa 500 m (N51°47.800’; E010°17.922’) liegt rechts ein
kleiner Steinbruch, in dem steilstehende, grobkörnige bis
konglomeratische Kulm-Grauwacken mit Tonschiefer-Zwischenlagen
anstehen. Die Ablagerung der Grauwacken wird
als Folge untermeerischer Trübeströme gedeutet, die sich von
höher gelegenen Bereichen des Meeresbodens aus in tiefere
Becken ergossen. Folge dieser Bewegungen sind eindrucksvolle
Schleifmarken, die auf der Unterseite der Grauwackenbänke
konserviert sind und von mitgerissenen Geröllen am
Meeresboden verursacht wurden.
Zurück auf der Hauptstraße folgen wir ihr entlang der Innerste
in Richtung Wildemann. Bald sehen wir linker Hand das Gerüst
des Meding-Schachtes der
früher selbständigen
Grube „Bergwerkswohlfahrt“.
Am Abzweig nach
Wildemann halten wir an
und besuchen den großen,
auf der rechten Straßenseite
gelegenen Jung’-
schen Steinbruch. In den
Grauwacken und besonders
auch in den tonigeren
Zwischenlagen lassen
sich karbonische
Pflanzenreste finden, vor
allem Schachtelhalmgewächse
(Calamiten).Besucherbergwerk I 19-Lachter-Stollen Wildemann ( 12 )
Wir fahren im Innerstetal in Richtung
Langelsheim und erreichen die Bergstadt
Wildemann. Die hiesigen Gruben bauten auf
dem Westteil des Zellerfelder Gangzuges,
dem Spiegeltaler Gang und dessen
westlicher Verlängerung, dem Hüttschentaler
Gang. In den letztgenannten Gängen
kam der Bergbau schon um 1760 bzw. 1803
praktisch zum Erliegen. Auf dem
Zellerfelder Gangzug ging der Bergbau
dagegen noch bis etwa 1930 um.
Besuchenswert ist der 19-Lachter-Stollen,
der bereits um 1551 begonnen wurde und
sowohl der Wasserlösung wie der
Erzförderung diente. Bis 1924 waren Bergwerk und Stollen in
Betrieb; seit 1970 ist hier ein Besucherbergwerk eingerichtet.
Von dem 8,8 km langen Stollen, der allein in Handarbeit mit
Schlägel und Eisen aufgefahren wurde, kann man bei einem
Besuch ca. 500 m erkunden und gelangt dabei 100 m unter
Tage.Führungen: täglich 11.00 Uhr
www.harztourismus.com
Besucherbergwerk II Grube Lautenthals Glück ( 13 )
Wir fahren weiter talabwärts
nach Lautenthal. Die Bergstadt
war Sitz des Königlichen
Hüttenamtes, das dem
Oberbergamt Clausthal unterstand.
Der Bergbau auf dem Lautenthaler
Gangzug dauerte bis
1945, danach konnten keine
wirtschaftlichen Erzreserven
mehr erschlossen werden.
Als letzte Bergbauaktivität
fand bis in die 1970er Jahre
die Rückgewinnung von Haldenmaterial
mit hohen Zinkgehalten
statt. Bis 1967 wurde die Lautenthaler Silberhütte
betrieben, in der das Silber der in Clausthal verarbeiteten
Bleierze nutzbar gemacht wurde.
Am Ortseingang befindet sich rechter Hand die Grube
„Lautenthals Glück“ mit Besucherbergwerk und Hüttenmuseum.
Der Lautenthaler Gangzug, auf dem die hiesigen Gruben
bauten, ist eine bedeutende Verwerfung. Im Bereich der
Lautenthaler Lagerstätte war der Gang in mehrere parallele
Teilgänge (Trümer) aufgespalten, die mit Bleiglanz und
Zinkblende vererzt waren. An einem Wanderweg am Ostufer
der Innerste ist die gesamte Schichtenfolge vom Mitteldevon
bis zum Unterkarbon gut aufgeschlossen und mit Infotafeln
erklärt.Fossilreicher Aufschluss Steinbruch am Großen Trogtaler Berg ( 14 )
Wir verlassen Lautenthal nach Norden
(Richtung Langelsheim) und biegen
dann nach links ab auf die Landesstraße
in Richtung Seesen. Dort, wo die Straße
ihren höchsten Punkt erreicht, fahren
wir auf den Parkplatz „Sternplatz“. Weiter
geht es dann zu Fuß entlang des
Wanderweges in Richtung Luchsstein.
Noch ehe der Luchsstein erreicht wird,
der an den Abschuss des letzten autochthonen
Luchses (Lynx lynx) des Harzes
im März 1818 erinnert, treffen wir am
Südhang des Großen Trogtaler Berges
auf einen kleinen Steinbruch. Hier ist
eine fossilreiche Schichtenfolge aus dem
höheren Unterkarbon aufgeschlossen.
In diesen sogenannten „Posidonien-
Schiefern“ finden sich versteinerte Muscheln
(Posidonia becheri), Goniatiten
und zahlreiche andere Fossilien. Die
Suche im anstehenden Gestein ist nicht
erlaubt, wohl aber auf der Steinbruchshalde.
Die Schichten sind etwa 335 Mio.
Jahre alt. Die starke Verfaltung der
unterkarbonischen Schichten ist im
Steinbruch selbst nicht zu erkennen, jedoch
in der Wegeböschung etwa 100 m
weiter in Richtung Luchsstein.
Gaststätte auf dem Schacht Maaßener Gaipel ( 15 )
Zurück in Lautenthal, biegen
wir in der Ortsmitte in
Richtung Hahnenklee-Bockswiese
links ab. Die Straße
führt bergan und wird
rechter Hand von einem
ausgedehnten Haldengelände
begleitet. Am oberen
Ende der Halden folgen wir
einem Fahrweg nach rechts,
der uns im Bogen zurück zu
dem hoch über Lautenthal
gelegenen Waldgasthaus bringt. Von hier genießen wir einen
reizvollen Blick über die Bergstadt Lautenthal. Wir stehen
inmitten einer sehenswerten Bergbaulandschaft mit Stollenmundlöchern,
Halden und Lochsteinen, die durch beschilderte
Wanderpfade erschlossen und mit Informationstafeln
erläutert werden. Auf den Halden findet sich besonders häufig
Zinkblende. Auf einigen Halden besteht allerdings ein
Sammelverbot, um Erosionsschäden zu vermeiden und nun
die seltene Schwermetallvegetation zu schützen. Mit finanzieller
Unterstützung des Landes Niedersachsen konnte
der Harzklub 2004 umfangreiche Pflegemaßnahmen
im gesamten Gelände dieses Geopunktes realisieren.Zuständig für ganz Norddeutschland Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld
Das Landesbergamt residiert im alten
Amtshaus* in Clausthal schräg gegenüber
des Hauptgebäudes der TU (Geopunkt 5 ).
Hierher kamen der König oder seine Minister
bei Harzbesuchen; zu besonderen Anlässen
nahm der Berghauptmann oder sein ranghöchster
Gast vom Balkon des Hauses aus in
den Abendstunden die bergmännische
Aufwartung im Schein der Grubenlichter der
Bergleute und der Fackeln der Hüttenleute
entgegen. Das Gebäude wurde nach dem
großen Stadtbrand 1725 in den Jahren 1726-
1730 neu erbaut und erhielt 1904 -1912
einen Erweiterungsbau u. a. für die Oberbergamtsbibliothek
und das wertvolle, 450 Jahre alte Bergamtsarchiv. Dieses
wurde später zum Bergarchiv Clausthal erweitert und ist
heute eine Aussenstelle des Hauptstaatsarchivs Hannover;
dafür wurde 2000 ein moderner Neubau errichtet. Seit 2001
führt das traditionsreiche Amt den Namen "Landesbergamt".
Sein heutiger Zuständigkeitsbereich umfasst Niedersachsen,
Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen einschließlich der
Erdöl- und Gasförderung im Festlandsockel der Nord- und
Ostsee. Während der Teilung Deutschlands war es sogar
zuständiges Bergamt Westberlins.* u. a. Sitz des Königlich Hannoverschen Berg- und Forstamtes, später des Königlich Preußischen Oberbergamtes und 1943-1945 des Reichs-Oberbergamtes
Geologische Entwicklung des Gebietes
Die Clausthaler Kulmfaltenzone nimmt den größten Teil des
nordwestlichen Oberharzes im Bereich der Landmarke 2 ein
und besteht vorwiegend aus einer Wechsellagerung von
Grauwacken und Tonschiefern der Kulm-Ausbildung (Fazies)
des Unterkarbon. Sie gehen lückenlos aus dem unterlagernden
Devon hervor und wurden in einem Meeresbecken abgelagert,
in das sich Schuttströme vom umliegenden Festland
hinein ergossen. Die Sortierung der Sedimente - die gradierte
Schichtung - zeigt diesen Vorgang sehr deutlich: zunächst
wurde das schwerere grobe Material abgelagert, dann nach
und nach das leichtere Feinmaterial und zuletzt die Tonminerale,
aus denen sich später die Tonschiefer entwickelten.
Anhand von Schleifmarken auf dem Meeresgrund, die sich
über Jahrmillionen erhalten haben, lässt sich die Transportrichtung
der Schuttströme rekonstruieren. Sie kam von einem
Hochgebiet, das südlich bis südwestlich des Harzes lag.
Pflanzenreste in den Sedimenten dokumentieren die Vegetationsverhältnisse
im Unterkarbon.
Die Kulmfaltenzone wird im Nordosten durch die Harz-
Nordrandstörung abgeschnitten (Landmarke 3 ); im Süden
und Westen greift Zechstein diskordant auf die steil
aufgerichteten Schichten der Kulmfaltenzone über, wie z. B.
am Geopunkt Fuchshalle (Landmarke 11 ) sichtbar wird.
Die Kulmfaltenzone wurde während der variszischen Gebirgsbildung,
d. h. vor ca. 300 Mio. Jahren, intensiv gefaltet. Quer
durch diese Faltenzone ziehen sich parallel zum Harzrand
verlaufende tektonische Brüche, denen die Oberharzer
Mineralgänge aufsitzen. Der Metallinhalt dieser Gänge war die
Grundlage für einen intensiven Bergbau im Bereich der
Landmarke 2. Der Bergbau und die Forstwirtschaft haben
hier eine markante Kulturlandschaft geprägt.
Ausgewählte Hotels
Hotel „Goldene Krone“ Clausthal-Zellerfeldwww.goldenekrone-harz.de
Tel.: (05323) 9300
Waldhotel Untermühle Clausthal-Zellerfeldwww.untermuehle.harz.de
Tel.: (05323) 983098
Waldhotel Café-Restaurant Pixhaier Mühle Clausthal-Zellerfeldwww.pixhaier-muehle.harz.de
Tel.: (05323) 2215
Harzhotel zum Prinzen Clausthal-Zellerfeldwww.zum-prinzen.de
Tel.: (05323) 96610
Der Geopark Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen wurde 2002 gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der Regionalverband Harz e. V. übernommen. Der Übersichtskarte können Sie die Lage der Landmarke 2 – Ottiliae-Schacht-Gerüst Clausthal-Zellerfeld entnehmen. Wie dieses Faltblatt werden Ihnen auch die anderen Faltblätter für die insgesamt 16 Landmarken helfen, Ihren nächsten Besuch im Natur- und Geopark Harz zu planen.
Autoren: Dipl.-Geol. Friedhart Knolle, Dr. Volker Wrede & Dr. Klaus George
Fotos: George, Oberharzer Bergwerksmuseum
Fotos: George, Oberharzer Bergwerksmuseum