Landmarke 19
Bösenburg
Bösenburg
Geologische Übersicht
Das Gebiet der Landmarke 19 liegt im südöstlichen Vorland des
Harzes und erstreckt sich stellenweise bis an die Saale. Das
Landschaftsbild bietet mit seinen weiten, kaum gegliederten
Hochflächen, der steppenartigen Feldflur und der Waldarmut
recht wenig Abwechslung. Umso spannender sind die Verhältnisse
im Untergrund. Das Blockbild zeigt eine große schüsselartige
Struktur: die Mansfelder Mulde. Diese Einmuldung entstand im
Jungtertiär vor etwa 20 Mio. Jahren. Wenige Millionen Jahre zuvor
war das Gebiet noch vom Rupelmeer überflutet.
Die Schichtenfolge der Mansfelder Mulde setzt vor ca. 310 Mio.
Jahren mit mächtigen Bildungen des Oberkarbons und des
Rotliegenden ein. Dabei handelt es sich vor allem um
Abtragungsschutt des zuvor aufgefalteten Variszischen Gebirges.
Dieser Schutt sammelte sich in von Flüssen gespeisten
Schwemmebenen und besteht meist aus rötlichen Sandsteinen. Es
folgen die 258 bis 251 Mio. Jahre alten Ablagerungen des
Zechsteins mit dem Kupferschieferflöz und den hier bis 300 m
mächtigen Sulfat- und Salzgesteinen. Diese löslichen Gesteine
sind durch mehrfachen Wechsel von Überflutung und Eindampfung
eines flachen Meeres entstanden. Darüber folgt die Trias. Die
Sedimentation der Trias setzt mit sandig-tonigen Fluss- und
Seeablagerungen des 251 bis 243 Mio. Jahre alten Buntsandsteins
ein. Ihre z. T. kompakten Sandsteine wurden in zahlreichen
Steinbrüchen gewonnen und sind an vielen Bauwerken wiederzufinden.
Der Muschelkalk (Unterer und Mittlerer Muschelkalk, bis
vor ca. 239 Mio. Jahren) ist nur im Zentrum der Mulde zwischen
Polleben und Schochwitz verbreitet. Es handelt sich um
Ablagerungen eines Flachmeeres, das sich infolge eines globalen
Meeresspiegelanstiegs entwickelte. Bildungen des Tertiärs (65 bis
2,6 Mio. Jahre, Braunkohle, Sand, Kies) sind in Randsenken der Sattelstrukturen sowie in lokalen Senkungsgebieten erhalten, die
durch Auslaugung vor allem des Zechsteins entstanden. Das größte
Tertiär vorkommen liegt im Süden und wird von der Firma
Romonta im Braunkohlentagebau Amsdorf abgebaut. Während
des Eiszeitalters (Pleistozän, Beginn vor 2,6 Mio. Jahren) wurde die
Region zweimal vom skandinavischen Gletschereis überfahren.
Die Hinterlassenschaften der Gletscher und ihrer Schmelzwässer
(Geschiebemergel, Sand, Kies, Ton) bedecken das Gebiet weitflächig.
Durch Windablagerung entstand eine mächtige Lössdecke,
auf der sich fruchtbare Schwarzerden entwickelten. Erst während
der noch heute andauernden Warmzeit (Holozän, seit 11.600
Jahren) sind in Senkungsgebieten über abgelaugtem Zechsteinsalz
die Seen des Mansfelder Landes entstanden (z. B. Süßer See).
Die abwechslungsreichen geologischen Verhältnisse beflügelten
seit alters her den Bergbau. Von besonderer wirtschaftlicher
Bedeutung waren die Bildungen des Zechsteins. An seiner Basis
lagert der nur etwa 40 cm mächtige Kupferschiefer. Er wurde 800
Jahre lang intensiv abgebaut und machte die Mansfelder Mulde als
Bergbaurevier weithin bekannt. Erste Anfänge gehen sogar bis auf
die Bronzezeit zurück. Ab der Bronzezeit und im Mittelalter nutzte
man zunächst die am Muldenrand zu Tage ausstreichenden
erzführenden Bereiche und arbeitete sich später bis zum Zentrum
in immer größere Teufen vor. Bei Bösenburg liegt mit 995 m der
tiefste Grubenaufschluss des Mansfelder Reviers. Die drei gewaltigen
Spitzkegelhalden der ehemaligen Schächte Fortschritt I,
Thälmann und Brosowski sind Zeugnisse der letzten Phase dieses
Bergbaus, der mit der Erschöpfung der Lagerstätten im Jahre 1969
endete. Insgesamt wurden im Mansfelder Revier 80 Mio. t Erz
gefördert, die eine Ausbeute von 2 Mio. t Kupfer ergaben.
Burgberg in Bösenburg ( 1 )
Der spornartige Burgberg
(170 m über NN) in Bösenburg
überragt das Tal des
Fleischbaches um 40 m und
wird von der romanisch-frühgotischen
Kirche St. Michael
gekrönt, die als Landmarke
weithin sichtbar ist. Bereits in
der Bronzezeit existierte an
dieser geschichtsträchtigen
Stelle eine 15 ha große
Höhensiedlung. Im Zuge der
germanischen Besiedlung entstand
hier ab dem 4. Jh. eine
heute längst verschwundene
Fluchtburg mit Begräbnisplatz,
Gerichtsstätte und religiösem
Zentrum. Diese Burg galt als
Mittelpunkt des Thüringerreiches.
Sie wurde aber vermutlich im 11. Jh. wieder aufgegeben.
Der Name „Bösenburg“ geht wahrscheinlich auf den thüringischen
König BISINUS (um 460) zurück.
Wir können den Gipfel von der Dorfstraße aus über einen
schmalen Fahrweg erreichen. Am Hang sind Spuren des alten,
unterirdischen Sandsteinabbaus zu sehen: nackte Felspartien,
ein vergittertes, fast verschüttetes Mundloch und Haldenmaterial.
Ziel des Abbaus waren
Werksteine des Mittleren
Buntsandsteins (Solling-Formation,
Chiroth erien-Sandstein).
Der begehrte, helle, gut
zu behauende Sandstein
wurde zum großen Teil im Ort
selbst durch einheimische
Stein metze bearbeitet. Zwischen
1620 und 1630 wanderten
Fachleute aus dem böhmischen
Olmütz ein, die mit ihrer
spe ziellen Kunstfertigkeit
(„Bösen burger Stein metz schule“)
das Gewerk zu höchster
Blüte führten. Lokal und regional
ist der Sandstein in vielen
Bauten und Kunstwerken präsent
(u. a. Kirche und Wassermühle
in Bösenburg, Grabmale
auf den Friedhöfen von Bösenburg
und Burgsdorf).
Während des Zweiten Weltkrieges dienten die bombensicheren
Hohlräume des Fried richs bruchs als Depot für Bestände der
Universitäts- und Landesbibliothek Halle.
Die Kirche kann nach Anmeldung besichtigt werden. Kontakt: Gudrun Scheffler (034773) 20390
Straßenanschnitt im Sandstein bei
Polleben (2)
Polleben (2)
Zwischen Helmsdorf und Polleben
führt die Landstraße durch das
obere Schlenzetal. Der Bach durchquert
hier widerständige Sandsteinschichten.
Sein in Polleben noch
weites und flachhängiges Tal verengt
sich jetzt auf nur 50 m Breite.
Steile, bis 30 m hohe Flanken geben
ihm einen fast mittelgebirgsartigen
Charakter. Auf Höhe der Steinmühle
fällt am westlichen Straßenrand eine
helle Felswand auf. Der 50 m lange
und 5 m hohe Aufschluss zeigt blassgelbe und rotbraune
Ablagerungen des Buntsandsteins (Hardegsen-Formation). Wir
befinden uns knapp unterhalb des Niveaus der in Bösenburg
gewonnenen Werksteine (Solling-Formation). Interessant ist die
Schrägstellung der Schichten. Sie fallen mit ca. 15° Neigung nach
Süden zum Zentrum der Mansfelder Mulde hin ein, das in 3 km
Entfernung östlich von Polleben liegt. Dort wird der Buntsandstein
bereits von Muschelkalk überdeckt. Der im Straßenanschnitt
dünnbankige, oft nur zentimetergeschichtete Sand- und
Schluffstein ist als Werkstein ungeeignet. In den beiderseits des
Schlenzetales 300 m weiter südlich liegenden, zugewachsenen
Steinbrüchen wurden hingegen – wie in Bösenburg – die festen
Sandsteinbänke der Solling-Formation gewonnen.
Mundloch des Schlüsselstollens
bei Friedeburg ( 3 )
bei Friedeburg ( 3 )
400 m westlich vom Ortseingang
Friedeburg aus Richtung Gerbstedt
führt ein Feldweg zur Neumühle.
Unweit des Gebäudes stoßen wir auf
eine der imposantesten Hinterlassenschaften
des Mansfelder
Kupfer schieferbergbaus: den Schlüssel
stollen. Die starke Wasser führung
am Mundloch lässt erkennen, welche
Bedeutung dem schon im 18. Jh.
als „Friedeburgischer neuer Haupt- und Erbstollen“ begonnenen,
1809 bis 1879 als „Tiefer Mansfelder Schlüssel stollen“ weitergefahrenen
Bauwerk zukam: Es bildete das Rückgrat der
Entwässerung des gesamten Reviers. Die Sammlung der
Grubenwässer erfolgte über kanalartige „Ritzstrecken“, die ca.
2 m tief in das unterhalb des Kupferschieferflözes liegende
Gestein eingehauen wurden. Pumpstationen leiteten das sich in
freiem Gefälle an den tiefsten Stellen der Grubenbaue sammelnde
Wasser dann dem Schlüsselstollen zu, der für einen Durchfluss
von 100 m3/min ausgelegt ist. Der Stollen setzt westlich von
Eisleben an, zieht sich am West- und Nordrand der Mansfelder
Mulde über Klostermansfeld, Großörner und Gerbstedt bis
Friedeburg hin und entwässert über die Schlenze in die Saale. Die
Präzision, mit der er bei einem durchschnittlichen Gefälle von nur
14 cm pro km über eine Länge von 31,06 km vorangetrieben
wurde, verdient höchsten Respekt.Blick auf die „Mansfelder Pyramiden“Hoyerstein bei Welfesholz ( 4 )
Schon aus Dutzenden Kilometern Entfernung fallen drei gewaltige
graue, kegelartige Erhebungen ins Auge, die das Relief des
Mansfelder Landes auf unverwechselbare Weise prägen. Es sind
im 20. Jh. aufgeschüttete Großhalden, die im Volksmund als
„Mansfelder Pyramiden“ bezeichnet werden. Sie zeugen vom
Höhepunkt und zugleich vom Ende des 800-jährigen
Kupferschieferbergbaus. Ein
instruktiver Blick auf alle drei
Halden bietet sich am Hoyerstein
(auch „Löchriger Stein“, Gestein:
Tertiärquarzit). Ihn erreichen wir
über den am südlichen Ortsrand
von Welfesholz nach Osten führenden
Feldweg. Der Hoyerstein erinnert
an die Schlacht am Welfesholz,
bei der im Jahre 1115 Truppen aufständischer
Fürsten unter der
Führung des Sachsenherzogs
LOTHAR VON SÜPPLINGENBURG († 1137)
die Einheiten von Kaiser HEINRICH V. († 1125) besiegten. Der
Führer der Kaiserlichen, Graf HOYER VON MANSFELD, verlor damals
im Zweikampf sein Leben.
Vom Südrand des Denkmalplatzes sind die „Mansfelder
Pyramiden“ gut sichtbar: Die Halde des südlich von Volkstedt
abgeteuften Fortschrittschachtes I (1909 bis 1967, früher Wolf-
Schacht) bringt es auf 311 m über NN und ca. 140 m Höhe. Die
Haldenspitze des nördlich von Volkstedt gelegenen Ernst-
Thälmann-Schachtes (1915 bis 1962, früher Vitzthum-Schacht)
liegt bei 350 m über NN und überragt ihre Umgebung um 130
m. Östlich von Augsdorf befindet sich der Otto-Brosowski-
Schacht (1906 bis 1969, früher Paul-Schacht), dessen Halde mit
283 m über NN und etwa 100 m Höhe in dieser Rangfolge den
dritten Platz einnimmt. Die Spitzkegelhalden der drei „Mansfelder
Pyramiden“ bilden zusammen mit den Sargdeckelhalden des
19./20. Jh. die dritte und letzte Haldengeneration. Aus dem 18.
Jh. stammen die recht wenigen, nur bis 30 m hohen Flachhalden
der zweiten Generation. Die Anfänge des Bergbaus hingegen
werden durch zahllose hügelartige, bis 4 m hohe Kleinhalden
markiert.
Nach Anmeldung kann die Gedenkstätte zur Schlacht am Welfesholz in Welfesholz, Dorfstraße 36 besichtigt werden. Kontakt: Edgard von Stromberg (034783) 31103
Rohmontanwachs für die WeltTagebau Amsdorf ( 5 )
Auf der Hochfläche südlich des ehemaligen Salzigen Sees liegt
zwischen Röblingen und Wansleben der Braunkohlentagebau
Amsdorf. Geologisch zählt das Gebiet bereits zur Querfurter
Mulde, die sich im Süden an die Mansfelder Mulde anschließt
und von dieser durch den Teutschenthaler Sattel getrennt wird.
Unterirdische Salzauslaugung und -abwanderung haben hier
eine große Senke geschaffen, die mit mächtigen Bildungen aus
dem Tertiär (Braunkohle, Sand, Ton) gefüllt ist und von einer
Decke aus eiszeitlichen Ablagerungen (Sand, Kies, Steine) überlagert
wird.
Vom Aussichtspunkt auf der Südseite des Tagebaus, den wir von Stedten aus Richtung Osten fahrend erreichen, bietet sich ein weiter Blick in das Abbaugelände. Im Norden sind die Produktionsanlagen der Firma Romonta („Rohmontanwachs aus Amsdorf“) zu sehen. Seit 1958 ist der Tagebau Amsdorf in Betrieb. Pro Jahr werden hier ungefähr 500.000 t Kohle gefördert. Das durch spezielle Verfahren extrahierte Rohmontanwachs wird in 60 Länder der Welt exportiert und vielfältig genutzt, so zur Herstellung von Polituren, Schmierstoffen und Schuhcremes, aber auch in der Asphaltindustrie und im Gießereiwesen.
Wir queren den Tagebau über die vor wenigen Jahren gebaute Straße in Richtung Norden. Rechts werden rekultivierte Abbauflächen sichtbar, hinter denen die Spitzhalde des ehemaligen Kalischachtes Teutschenthal aufragt. Nach links in Richtung Unterröblingen abbiegend, erreichen wir beim Romonta- Haupttor einen Parkplatz. Vor dem Werkszaun ist die Freilichtausstellung „Rollendes Material“ zur Technikgeschichte des Montanwachs- Weltmarktführers installiert (Loks, Spezialwaggons, Extraktoren u. a.), die jederzeit besichtigt werden kann.
Für Gruppen werden Betriebsbesichtigungen angeboten. Kontakt: Detlef Berger, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (034601) 40158
Alte Bergschule und
Knappenbrunnen in Eisleben ( 6 )
Knappenbrunnen in Eisleben ( 6 )
Durch die Entwicklung des Bergbaus
war der Bedarf an Steigern und
Hüttenvögten im Mansfelder
Kupferschieferbergbau sehr groß.
Schon 1719 wurde auf dem
Generaltag der Mansfelder
„Eislebisch und Hettstedtischen
Gewerkschaften“ beschlossen, jungen
Bergleuten eine wissenschaftliche
Ausbildung zu vermitteln. Als
Vorbild diente Freiberg. Dort gab es
bereits seit 1702 die Möglichkeit für
angehende Bergbeamte, sich entsprechend
schulen zu lassen. In
Eisleben wurde der Unterricht
zunächst sporadisch nach dem
Bedarf und den Möglichkeiten
durchgeführt. Die kurfürstlich-sächsische
Regierung beschloss 1780,
den Unterricht in Eisleben regelmäßig
durchzuführen. 18 Jahre später,
am 14. Juli 1798, wurde die Eisleber Bergschule gegründet. Bis
1808 wurden, entsprechend dem damaligen Beamtenbedarf, jährlich
acht Schüler aufgenommen. Die Ausbildungskosten übernahmen
die Mansfelder Gewerkschaften. Die Schule stand auch weiteren
Schülern offen, die allerdings die Kosten selbst zu tragen
hatten. Der Schulalltag war mit dem heutigen nicht vergleichbar.
Bei anfangs drei Stunden Unterricht pro Woche dauerte die
Ausbildung vier Jahre. Bedingung war, dass die Auszubildenden
täglich im jeweiligen Betrieb arbeiteten. Nach dem Wiener
Kongress 1815 gehörte die Grafschaft Mansfeld zu Preußen. Das
Bergamt Eisleben und das Oberbergamt Halle waren nun die
zuständigen Bergbehörden des preußischen Staates. In der erstmals
im Jahr 994 urkundlich erwähnten Stadt Eisleben erinnern
verschiedene Denkmäler an den 800-jährigen Kupfer schieferbergbau,
so der „Kamerad Martin“ auf dem Breiten Weg oder der
Knappenbrunnen, der sich gegenüber der ehemaligen Alten
Bergschule befindet. Der Brunnen wurde 1983 vom Mansfeld-
Kombinat gestiftet und vom
Quedlinburger Bildhauer WOLFGANG
DREYSSE gestaltet. Berühmt ist Eisleben,
das den Beinamen „Lutherstadt“
trägt, auch als Geburts- und
Sterbeort MARTIN LUTHERS (* 1483,
† 1546). Luthers Vater war Hüttenmeister
und Eigentümer mehrerer
Bergwerke und Hütten. Graf ALBRECHT
IV. VON MANSFELD, ein Freund Luthers,
gründete die Eisleber Neustadt mit
der Kirche St. Anna, in der eine in
Europa einmalige Steinbilderbibel
zu besichtigen ist. Das Wohnhaus
Graf ALBRECHTS IV., ein repräsentatives
spätgotisches Haus am Markt,
beherbergte über Jahrhunderte die
Bergbaubehörden.
Kornflaschen in Friedeburgerhütte ( 7 )
Friedeburgerhütte besitzt ein einmaliges
Denkmal der Produktionsgeschichte
des Mansfelder Bergbaus
und Hüttenwesens und der
Landwirtschaft: die Kornflaschen.
Sie befinden sich direkt links an
der Ortseingangsstraße aus
Richtung Gerbstedt. Es handelt
sich um große, aus Schlackesteinen
(„Wickelschlacken“) gemauerte
Behälter, die zwischen 1825 und
1841 etappenweise erbaut wurden.
Sie dienten bis zur Schließung
der dortigen Kupferhütte 1870 der
geschützten Aufbewahrung von
Deputatgetreide für die Arbeiter
und halfen, Notzeiten zu überbrücken.
Die Kornflaschen sind
jeweils 9,5 m hoch, haben eine
lichte Weite von 4,5 m und sind
unterirdisch im Lösslehm angelegt.
Da die oben befindliche Öffnung der Flaschen etwa einen Meter
unter der Erdoberfläche lag und mittels einer Steinplatte verschlossen
wurde, blieb die Temperatur im Inneren relativ konstant.
Das verfugte Schlackenmauerwerk ließ keine Feuchtigkeit
eindringen und gewährleistete dadurch eine lange Haltbarkeit
sowie Schutz vor Ungeziefer. Von ehemals zehn dieser
Kornflaschen sind nach Abgrabung des Lösslehms im Jahre
1913 nur noch drei in Resten erhalten. Sie wurden zwischen
1995 und 2001 gesichert und saniert. Die imposante Anlage ist
jederzeit zugänglich.
Mansfelder SeenGalgensäule am Süßen See ( 8 )
Zwei Seen bestimmten lange Zeit das Landschaftsbild der
Region: der Salzige und der Süße See. Sie galten als die „blauen
Augen“ des Mansfelder Landes. Geblieben ist davon nur der
Süße See. Ein dritter See, der Faule See, befand sich am Ostrand
der Stadt Eisleben. Sein Zentrum lag etwa dort, wo alljährlich das
größte Volksfest Mitteldeutschlands, der „Eisleber Wiesenmarkt“
stattfindet.
Die Mansfelder Seen bildeten sich nach der letzten Eiszeit während
des Holozäns, einer
Warmzeit, die vor 11.600
Jahren begann und bis
heute anhält. Die
Entstehung der Seen ist
eng mit der Geländeabsenkung
durch Auslaugung
von Salzen des
Zechsteins verknüpft. Die
drei Seen entwickelten sich
jedoch nicht gleichzeitig. Vor etwa 8.000 bis 7.000 Jahren begann sich der Süße See zu
bilden. Der von Seeburg bis Lüttchendorf reichende, etwa 4,9 km
lange und bei Aseleben knapp 1 km breite See nimmt heute eine
Fläche von 250 ha ein. Sein steiles,
durch Quertäler eingekerbtes
Nordufer besteht aus Unterem
Buntsandstein und dient vor allem
dem Wein- und Obstanbau. Hoch
oben von der Anhöhe aus bietet
sich ein reizvoller Blick auf den See,
den Ort Seeburg und das auf einer
Halbinsel gelegene gleichnamige
Renaissance-Schloss. Auf der
Anhöhe nördlich des Campingplatzes
Seeburg befindet sich auch
die Galgensäule. Es ist der Rest
eines 1720 aus Feldsteinen gemauerten Fundaments eines
Galgens. Vom Campingplatz an der Seestraße erreichen wir die
Galgensäule entlang eines Pfades, der Hang aufwärts führt.
Salziger SeeAussichtspunkt bei Röblingen am See ( 9 )
Der ehemalige Salzige See erstreckte
sich zwischen den Ortschaften
Rollsdorf, Amsdorf und Unterröblingen
bis nach Röblingen und
wird heute als Wiesen- und
Ackerlandschaft von der B 80 direkt
durchquert. Am Aussichtspunkt
kurz vor dem Ortseingang
Röblingen aus Richtung Aseleben
kommend eröffnet sich der Blick
auf das ehemalige Seegebiet.
Erste Seeablagerungen entstanden
bereits im Spätglazial vor 14.000
Jahren, doch erst im Holozän entwick
elte sich eine ausgedehnte Seefläche. Seine größte
Ausdehnung erreichte der See vor ca. 300 Jahren. Zu dieser Zeit
war er mit 840 ha der größte See Mitteldeutschlands. Durch die
Wasserhaltung des Mansfelder Kupferschieferbergbaus senkte
sich sein Seespiegel mehrfach. Nachdem es 1892 zu starken
Wassereinbrüchen in die Grubenbaue kam, wurde der See 1894
endgültig trocken gelegt. Binder- und Kernersee südlich von
Rollsdorf sowie einige kleinere Seen nördlich von Röblingen bilden
die Überreste des ehemaligen Salzigen Sees.
Museum Gerbstedt ( 10 )
Die kleine Stadt Gerbstedt liegt
am Nordrand der Mansfelder
Mulde und gilt als eine Wiege
des mittelalterlichen Kupferschiefer
berg baus. Besonders
sehenswert ist der historische
Ortskern mit dem Renaissance-
Rathaus (1566) und der nahe
gelegenen Stadtkirche (1739).
Ein Teil des ehemaligen
Klostergebäudes dient heute als
Bürgerhaus und beherbergt ein
kleines Museum. Hier wird die Orts- und Bergbaugeschichte
lebendig. Gezeigt werden u. a. ein Modell des Nonnenklosters
zu Gerbstedt, ein Modell des Otto-Brosowski-Schachts und
einige Bergbauuniformen.
Bei einem Bummel durch die Stadt stoßen wir auf zahlreiche
Miniaturen aus bemaltem Beton. Sie wurden durch den
Gerbstedter Künstler GÜNTHER BEINERT geschaffen. Meist handelt
es sich um recht phantasievolle Nachbildungen von Burgen
und Schlössern der Region. Wir können aber auch originelle
Handwerkertypen sowie Bergleute und Schmelzer entdecken,
die als urige Skulpturen das Stadtbild bereichern.
Das Museum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr und sonst nach Anmeldung geöffnet.
Kontakt: Ulrich Elster (034783) 27502 oder (0152) 29138507
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel an der KlosterpforteEisleben
www.klosterpforte.com
Tel.: (03475) 71440
Strandhotel ZahnAseleben
www.strandhotel-zahn.de
Tel.: (034774) 28069
Gasthof ZahnStedten
www.gasthof-zahn.de
Tel.: (034774) 70090
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um Bösenburg. Auch sachkundige Führungen
können vermittelt werden.
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung
und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier
vorgestellten Teil des Geoparks!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmigung des Verwaltungs-Verlages München www.stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmigung des Verwaltungs-Verlages München www.stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Autoren: Dr. Carl-Heinz Friedel, Christiane Linke, Isabel Reuter, Konrad
Schuberth
Fotos: Dr. Klaus George, Christiane Linke, Isabel Reuter, Konrad Schuberth
Redaktion: Dr. Klaus George, Isabel Reuter Blockbild: Dr. Ivo Rappsilber
Fotos: Dr. Klaus George, Christiane Linke, Isabel Reuter, Konrad Schuberth
Redaktion: Dr. Klaus George, Isabel Reuter Blockbild: Dr. Ivo Rappsilber