Landmarke 15
Schloss & Schlossplatz Ballenstedt ( 1 )
Am Rande der Stadt und an der Grenze des geschlossenen
Waldgebietes des Harzes auf einem Berg gelegen, erhebt
sich Schloss Ballenstedt. Für Reisende, die von Osten auf
der B 185 über den als „Die Hohe" bezeichneten Kalkhöhenzug
kommen, ist es bereits weithin sichtbar. Im Jahre
1765 erhoben die Fürsten von Anhalt-Bernburg das Schloss
Ballenstedt zu ihrer Residenz. So wie dieses Schloss deshalb
in besonderer Weise mit dem Herzogtum Anhalt verbunden
ist, sind es auch die Zeugen des Bergbaus, die
nachfolgend ringsum Ballenstedt zwischen Frose, Tilkerode,
Harzgerode und dem Anhaltischen Saalstein an der früheren
Grenze zu Preußen, zum Besuch empfohlen werden.
Das Schloss Ballenstedt, eine barocke Dreiflügelanlage,
wurde in der ersten Hälfte des 18. Jh. unter Einbeziehung
von Teilen der ehemaligen Klosteranlage erbaut. Im ehemaligen
Westwerk der Klosterkirche befinden sich die
Grabstätten ALBRECHT DES BÄREN (1100 - 1170) und seiner
Gemahlin SOPHIE.
Zum Schlossareal gehört auch ein Schlosspark, der nach
Entwürfen von PETER JOSEPH LENNÉ (1789 - 1866) angelegt
wurde und von einer aufwändigen formalen „Wasserachse"
im Stil italienischer Villengärten sowie weiten landschaftlichen
Partien geprägt ist.
Das in einem Barockpalais
aus dem 18. Jh. untergebrachte
Museum ist Teil
des historischen Gebäudeensembles
am Schlossplatz.
Das Museum zeigt
die Besiedlungs-, Kulturund
Wirtschaftsgeschichte
der Stadt. Die Ausstellung
informiert auch über die
„Residenzzeit", als
Ballenstedt bis in das Jahr
1863 Sitz der Fürsten und
Herzöge von Anhalt-
Bernburg war. Im Museum
befinden sich außerdem
eine Mineraliensammlung
sowie eine kleine Ausstellung
über die Bergbaugeschichte der Region. Das am Schlossplatz
gelegene, 1788 im frühklassizistischen Stil erbaute, Schlossund
Hoftheater ist das älteste Theater Sachsen-Anhalts. In
den 215 Jahren seines Bestehens konnte das einmalige
Ambiente des Theaters im Innen- und Außenbereich bewahrt
werden. Das Theater kann je doch nur zu Aufführungen
besucht werden.
Öffnungszeiten Museum: Mai - Oktober Di. - So. 10.00-17.00 Uhr
November - April Di. - So. 10.00-16.00 Uhr
Tel.: (039483) 8866
Kreide Gegensteine Ballenstedt ( 2 )
Die Gegensteine befinden sich nördlich
von Ballenstedt. Zum Parkplatz
der in einem Naturschutzgebiet gelegenen
Gegensteine weist die Beschilderung
am westlichen Ortseingang
Ballenstedts im Zuge der B 185 bzw.
der L 242. Vom Parkplatz gelangen
wir in ca. 10 Minuten zum Kleinen
Gegenstein. Ein Fußweg führt von
dort zum Großen Gegenstein. Die
Gegensteine gehören zu der Aufrichtungszone entlang des
Nordharzrandes. Es handelt sich um Involutus-Sandstein
aus der Oberkreide. Durch Abtragung entstand die als
Schichtrippe herauspräparierte, morphologische Form.
Der Große Gegenstein kann über eine in den Fels gehauene,
steile Treppe bestiegen werden. Der Mut wird durch einen
atemberaubenden Ausblick auf den Nordharzrand mit
Ballenstedt im Süden, auf den Brocken, die Aufrichtungszone des nördlichen Harzvorlandes mit Teufelsmauer
und Regenstein im Westen (Landmarke 9) sowie auf die
Blankenburger Mulde, die Seweckenberge und das im
Anhaltischen gelegene Dorf Badeborn im Norden belohnt.
Die Inschrift der vermutlich aus Mägdesprung stammenden
Kunstgusstafel aus dem Jahr 1863 erinnert an die Errichtung
des Kreuzes auf dem Großen Gegenstein im Todesjahr des
Herzogs ALEXANDER CARL VON ANHALT-BERNBURG (1805 - 1863).
Schmuckfunde (Museum Ballenstedt) aus der Bronzezeit
weisen auf die frühe Besiedlung des Gebietes hin. Für die
kleine Wanderung sollte man 1 bis 2 Stunden einplanen.
Muschelkalk Ehemaliger Steinbruch am Bückeberg Gernrode ( 3 )
Am nördlichen Ortsrand von Gernrode
befindet sich der ehemalige Kalksteinbruch
Bückeberg. Den Geopunkt erreichen
wir vom Parkplatz Gernrode (Straße
nach Bad Suderode) über den markierten
Wanderweg in ca. 10 Minuten. Aus dem
Unteren Muschelkalk stammend gehört
der Bückeberg zu der Aufrichtungszone
entlang des Nordharzrandes. Durch den
künstlichen Aufschluss ist die überkippte
Lagerung der Schichten gut zu erkennen.
Das Profil ist eines der vollständigsten
zusammenhängenden Muschelkalkprofile
in Mitteldeutschland.
Vom Parkplatz aus erreicht man in ca. 5 Minuten zu Fuß
auch die Stiftskirche St. Cyriakus. Die über 1.000-jährige
Stiftskirche ist der einzige weitgehend unverändert gebliebene
Kirchenbau Deutschlands aus ottonischer Zeit.
Karbon mit Granit Anhaltinischer Saalstein und Rambergmassiv ( 4 )
In Fahrtrichtung Friedrichsbrunn befindet sich
links der Straße am Ende des Kurparks Bad
Suderode ein gebührenfreier Parkplatz. Von
dort wandern wir entgegen der Fließrichtung
des Baches und kommen zunächst an der
„Lessinghöhle“ vorbei, wo nachweislich bereits
im 16. Jh. Flussspat und Kupferkies gewonnen
wurden. Halten wir uns hier nicht länger auf, so
erreichen wir in etwa einer halben Stunde (ein
steiler Aufstieg von 800 m eingeschlossen) den
Anhaltischen Saalstein. Schon der Umstand,
dass auf der gegenüberliegenden Talseite der
Preußische Saalstein liegt, lässt auf altes Grenzgebiet
schließen. Im niederdeutschen Sprachgebiet
wurden im Mittelalter und in der frühen
Neuzeit Besitzrechte eines Grundherren und
Dienstbarkeiten seiner Grunduntertanen in
Salbüchern verzeichnet. Die „Sal“-steine beschreiben also
eine sehr alte Grenze. Der aus Ramberg-Granit bestehende
Felsen wurde auf der Grundlage des Anhaltischen
Naturschutzgesetzes vom 14. Juni 1923 und einer in
Ausführung dieses Gesetzes erlassenen Ministerialverordnung
am 26. Januar 1924 unter Schutz gestellt. Er ist
ein Ausschnitt der westexponierten Steilhänge (320 bis
380m ü. NHN) des Kalten Tales mit Felsklippen und
Blockschutthalden im Zweiglimmergranit des Ramberg-
Plutons.
Wandern wir vom Anhaltischen Saalstein den Schutzhüttenweg
entlang, erreichen wir nach 4,5km die höchste
Erhebung des Rambergs, die Viktorshöhe (581m ü. NHN).
Der Name geht auf Fürst VIKTOR FRIEDRICH VON ANHALT (1700
- 1765) zurück, der um 1750 unterhalb des Berges ein
Jagdhaus besaß. In der Nähe befinden sich die Klippen der
Kleinen und der Großen Teufelsmühle (Ramberg-Granit mit
Wollsackverwitterung).
Wer nicht denselben Weg zurücklaufen möchte, dem wird
empfohlen, weitere 3 km zum Bärendenkmal zu wandern.
Eine gusseiserne Tafel in einem Granitstein erinnert an den
letzten Bären, der an dieser Stelle Ende des 17. Jh. in den
anhaltischen Forsten erlegt wurde. Nach einem weiteren
Kilometer erreichen wir den
Bremer Teich (mit Bademöglichkeit
und Campingplatz),
von wo aus es dann bis zum
Haltepunkt „Sternhaus-Ramberg"
der Harzer Schmalspurbahn
nur noch 2km
Fußweg sind. Wegen der
artenreichen Laub wälder ist
das gesamte Gebiet Teil des
europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000.
Wer sich keine weite Wanderung
zumuten möchte,
dem sei ein Besuch des
Gesteins gartens im Kurpark Bad Suderode empfohlen (vom
Parkplatz ein kurzes Stück talabwärts).
Karbon mit Grauwacke Steinbruch Rieder
An vielen Stellen zwischen
Ballenstedt und Gernrode
sind kleinere und größere
Abbaustellen der insbesondere
für den Verkehrswegebau
wichtigen Grauwacke zu
finden. Überwiegend sind die
ehemaligen Steinbrüche heute
nach dem Naturschutzgesetz
des Landes Sachsen-
Anhalt besonders geschützte
Biotope. In einem der Steinbrüche
wird von der Mitteldeutschen
Baustoffe GmbH
auch heute noch Grauwacke
gewonnen und verarbeitet. Trotz seiner inzwischen bedeutenden
Ausmaße ist der Gewinnungsbetrieb aber so angeordnet,
dass er die Erholungseignung des Naturparks Harz
nicht beeinträchtigt. Die bewaldete Harzrandzone bleibt
erhalten, und die Höhe der Abraumhalden wird das natürlich
gewachsene Geländeniveau nicht überschreiten. Aus
Sicherheitsgründen kann der Steinbruch derzeit noch nicht
für den Besucherverkehr freigegeben werden, doch wird ein
künftiger Abschlussbetriebsplan auch die Einrichtung einer
Aussichtsplattform vorsehen.Informationen: www.mdb-gmbh.de/rieder/
Oberkarbon - Unterperm mit Steinkohle Kohlenschacht Opperode ( 5 )
Nur an einer Stelle, bei Opperode, wurde in Anhalt von
1573 bis 1824 Steinkohle geschürft. Ausgebeutet wurden
geringmächtige Flöze innerhalb des Rotliegenden. Eine
Wanderung durch das Revier beginnen wir am Sportplatz
des Ballenstedter Ortsteils Opperode und verbinden diese
mit einer Besteigung des Bismarckturms. Lohnend ist auch
der Besuch des als Naturbad beliebten Kunstteiches, der
1749 für die Wasserhaltung des nahegelegenen Steinkohlenschachtes
angelegt wurde.
Strulle Meisdorf ( 6 )
Wann und zu welchem Zweck
die „Strulle” gegenüber dem
Schlossteich von Meisdorf
angelegt wurde, ist nicht
bekannt. Ein vermuteter
direkter Zusammenhang mit
dem ehemaligen Opperöder
Steinkohlenbergbau konnte
nicht belegt werden. Bei
einer Befahrung des etwa
10 m tief in den Berg führenden
Stollens wurden im
Sommer 2007 mehrere
Golfbälle in einer Seitennische
gefunden, die vermutlich
vom Meisdorfer
Golfplatz stammen und somit auch auf eine Verbindung zur
Erdoberfläche schließen lassen.
Die „Strulle” wird von einer Verwerfungsquelle gespeist. Hinsichtlich
seines Lösungsinhaltes hat das Wasser einen intermediären
Charakter. So ist es bei weitem nicht mehr so arm
an Mineralstoffen, wie es die Quellwässer im Harzgebirge
gewöhnlich sind, andererseits verfügt es aber auch nicht über
die höheren Lösungskonzentrationen, wie sie häufig an den
zechsteinbürtigen Quellen des nahen Harznordrandes auftreten.
Sein Gehalt an festen gelösten Stoffen liegt bei ungefähr
700 mg/l. Hauptbestandteile sind mit etwa 65 % Calzium und
Hydrogenkarbonat. Der Rest setzt sich aus Natrium, Kalium,
Magnesium, Sulfat und Chlorid zusammen.
Nach einer Inschrift an der Natursteineinfassung wurde die
„Strulle” letztmalig am 9. Mai 1937 saniert.
Zur Entwicklungsgeschichte des Gebietes
Das Gebiet zeigt in eindrucksvoller Weise die Entstehungsgeschichte
eines ca. 500 Mio. Jahre alten Gebirges und
dessen Aufschiebung auf sein jüngeres Vorland. Seit dem
Ordovizium war das Gebiet des Harzes ein Meeresbecken,
welches über 180 Mio. Jahre von feinkörnigen Sedimenten
aufgefüllt wurde. Während des Devons veränderte sich der
Boden des Meeres in Schwellen und Becken. Gleichzeitig
kam es zu einem intensiven untermeerischen Vulkanismus,
der bis in das jüngere Unterkarbon anhielt.
Mächtige Basaltkörper drangen in die devonischen
Sedimente ein. Ein solcher Intrusivkörper, ein sogenannter
„Diabasgang" ist am Osterteich bei Gernrode zu besichtigen.
Im Zeitraum vor 360-330 Mio. Jahren wurde das
Gebiet des Harzes von der variszischen Gebirgsbildung
erfasst, dabei gefaltet, herausgehoben und teilweise abgetragen.
Zum Abschluss erfolgte vor rund 300 Mio. Jahren
der Aufstieg saurer Magmen. Das Granitmassiv des
Rambergs gehört in diese Zeit. Während des Rotliegenden
(vor 320-272,5 Mio. Jahren) verstärkte sich die Abtragung
in die nach der Gebirgsbildung entstandenen Senken hinein. Klimatisch bedingt kam es zur Bildung von Steinkohle,
wie sie heute noch im Meisdorfer Becken auf alten Halden
(z.B. bei Opperode) zu finden ist.
In der zwischen Hoym und Badeborn gelegenen Mulde sind
die jüngeren Gesteine der Kreidezeit erhalten geblieben.
Der Höhenzug des Ruhmbergs bei Badeborn kündigt den
Quedlinburger Sattel an. Hier treten ältere Gesteine z.B. der
Muschelkalk (243-230 Mio. Jahre alt) zu Tage. Südlich von
Badeborn befindet sich die mit Sandsteinen aus der
Kreidezeit (89-81 Mio. Jahre alt) gefüllte Blankenburger
Mulde. Deren Südflanke mit den Gegensteinen ist morphologisch
herausgehoben. Die Gegensteine bestehen aus
Sandstein, der durch silikatische Lösungen aus dem Untergrund
besonders verfestigt ist (quarzitischer Sandstein).
Die Steilstellung der Schichten ist ein Beweis für die
Heraushebung des Harzgrundgebirges und seine Auf schiebung
nach Norden vor ca. 80 Mio. Jahren. Am Bückeberg
bei Gernrode sind die Schichten des Muschelkalks steilgestellt
und teilweise überkippt.
In den absinkenden Randsenken des aufsteigenden Salzstockes
von Aschersleben kam es im Tertiär (vor 49-37 Mio.
Jahren) zur Bildung eines ausgedehnten Moores. So entstand
die Braunkohlenlagerstätte bei Frose.
Anhaltinisches Bergamt Harzgerode ( 7 )
Das Schloss Harzgerode ließ Fürst GEORG III. VON
ANHALT-DESSAU (1507–1553) auf einer älteren
Anlage zwischen 1549 und 1552 aufbauen. Im
Laufe der Jahrhunderte wechselte die Nutzung
des Schlosses, und so war es im 19. Jh. auch
Anhalt isches Bergamt.
Der Brunnen auf dem Marktplatz Harzgerode mit
Darstellung der Lage der Gangzüge im Revier
weckt die Neugier auf weitere Entdeckungen des
anhaltischen Bergbaus auch in der angrenzenden
Landmarke – 10 Auerberg - Oberes Selketal.
Gold, Silber, Selen und Eisenerz Bergbaulehrpfad Tilkerode ( 8 )
Wir folgen der Straße zwischen Abberode
(Ortsteil der Stadt Mansfeld) und Stangerode,
um zu einem der beiden Ausgangspunkte
des Bergbaulehrpfads zu gelangen. Der fünf
Kilometer lange Weg führt durch das ehemalige
Tilkeröder Eisenerzrevier, vorbei an
Pingen, Halden und verbrochenen Stollenmundlöchern.
Völlig isoliert von den generell
herzynisch streichenden Unterharzer Gängen
treten hier in einem aus silurischen
Graptolithen schiefern und darin eingelagerten
Diabasen bestehenden Sattel einige Nord-
Süd verlaufende,steil nach Osten einfallende
Eisenerzgänge auf. Dieses Revier lieferte bis 1858 etwa
35-40.000 t Eisenerz, die größtenteils auf der Eisenhütte
Mägdesprung verarbeitet wurden.
In Fachkreisen weltweit bekannt wurde Tilkerode 1821, als
der Bergrat JOHANN LUDWIG CARL ZINCKEN (1791 - 1862) hier
edelmetallhaltige Seleniderze entdeckte. 1825 wurden darin
auch Gold und Spuren von Palladium nachgewiesen.
Die an sich unbedeutende Menge von
rund 400 Gramm Gold besaß einen
hohen ideellen Wert, war es doch das
einzige Gold, das jemals in Anhalt
gewonnen wurde. Denn die Gemarkung
Tilkerode war eine anhaltische Exklave,
in die das preußische Abberode eingeschlossen
war. Aus dem Tilkeröder
Gold wurden 116 Dukaten geprägt, die
die Aufschrift „EX AURO ANHALTINO"
tragen.
Industriegeschichte des Selketals Carlswerk Mägdesprung ( 9 )
Kurz hinter dem Abzweig der Straße zur Selkemühle
von der B 185 befindet sich das Carlswerk,
ein technisches Denkmal, dessen Maschinen und
Anlagen funktionstüchtig erhalten sind und das in
der Etage über der Maschinenhalle eine hochinteressante
Ausstellung zur industriegeschichtlichen
Entwicklung des Standortes beherbergt.
Am 9. November1646 wurde durch einen Vertrag
zwischen Fürst FRIEDRICH VON ANHALT (1613 – 1670)
und dem vermögenden Tuchhändler aus Quedlinburg,
JOHANN HEIDFELD, die „Eisenhütte unter dem
Mägdesprung" gegründet. Teil der späteren
Mägdesprunger Eisenhüttenwerk AG war ab 1829
die Maschinenfabrik, zu der ab 1842 auch das
Carlswerk gehörte.
Zur Palette der unzähligen verschiedenen Produkte
der bis in das Jahr 1991 reichenden Geschichte
der Maschinenfabrik zählen nicht nur Wasserhaltungsanlagen
für den Bergbau, Brechwerke und Mühlen zum
Zerkleinern von Gesteinen, sondern auch Dampfmaschinen
sowie Maschinen und Anlagen für Zuckerfabriken,
Getreidemühlen, Brennereien, Ziegelindustrie, Pulvermühlen,
Sägewerke bis hin zu Uhren gewichten (in Zapfenform für
deutsche oder in Holzschuhform für holländische Uhren),
Öfen und zuletzt Gaskochern.
In Hammerwerken (I. bis IV. Hammer) entlang der Selke
unterhalb von Mägdesprung wurde das Eisenerz zerkleinert
und in Blauöfen eingeschmolzen oder Roheisen aus
Mägdesprung weiterverarbeitet. Gleich unterhalb des
Carlswerkes befindet sich so der I.Hammer, dessen Turbine
nach der Einstellung der Erzverarbeitung noch bis 1956
Strom lieferte. Verlässt man am III.Hammer linksseitig das
Selketal, entdeckt man zwei architektonisch interessante
Mehrfamilienhäuser und einen historischen Friedhof mit
Zeugnissen des Mägdesprunger Kunstgusses. Das
Baumaterial für die Häuser
lieferte der gegenüber dem
Carlswerk gelegene Plattenschieferbruch.
Im Jahr 1821 übernahm
ZINCKEN das Amt eines Direktors
der anhalt-bernburgischen
Berg- und Hüttenwerke.
Bergrat ZINCKEN lebte
und arbeitete 27 Jahre
lang in Mägdesprung. Ihm
gelang die Entdeckung
mehrerer neuer Minerale,
von denen eines den Namen
Zinckenit trägt.
Öffnungszeiten:
März – November tgl. 10.00 – 16.00 Uhr
www.harzgerode.de
Kunstguss Erbstollenportal bei Mägdesprung ( 10 )
Ein Erbstollen ist in der Sprache der Bergleute der
tiefste Entwässerungsstollen in einem Grubenrevier,
der den darüber liegenden „enterbt“ hat.
Zwischen III. und IV. Hammer finden wir dort, wo
der Schiebecksbach in die Selke mündet, das Portal
des Herzog-Alexis-Erbstollen. Um dorthin zu gelangen,
wandern wir von Mägdesprung aus auf dem
„Selketalstieg“, der uns später weiter zur gemütlichen
Einkehr im Land- und Reiterhotel Selkemühle
führt. Schon ab dem IV. Hammer weitet sich der
Talgrund des Selketals zu einem Wiesental mit
romantischen Landschaftsbildern.
Der 2.256 m lange Herzog-Alexis-Erbstollen wurde
zwischen 1831 und 1864 zur Untersuchung der
Gangzüge nördlich von Harzgerode vorgetrieben.
Sein im Zeitraum 1830 bis 1848 entstandenes klassizistisches
Portal ist ein eindrucksvolles Zeugnis zeitgenössischer
Kunstgussprodukte, die zwischen 1821 und 1914 in
Mägdesprung entstanden. Viele weitere Zeugnisse des
Mägdesprunger Kunstgusses finden wir bis zum IV. Hammer
und insbesondere in Mägdesprung. Beispielhaft sei hier die
1862 entstandene Gussplastik „Der besiegte Hirsch"
erwähnt.
Auch die berühmte Gussplastik „Siegender Hirsch" in Friedrichs
ruh bei Hamburg wurde 1895 in Mägdesprung
gegossen. Sie war ein Geschenk des Landes Anhalt an Fürst
OTTO VON BISMARCK (1815 - 1898) zu dessen 80. Geburtstag.Kurmittel und Felsklippen Alexisbad ( 11 )
Alexisbad, in einer Aufweitung des Selketales an
der B 185 gelegen, wurde 1810 unter der Regierung des Fürsten ALEXIUS FRIEDRICH CHRISTIAN VON
ANHALT-BERNBURG (1767 - 1834) als Badeort gegründet.
Das Kurmittel, eisensulfathaltiges Wasser mit
hohem Fluoridanteil, lieferte der so genannte
„Selkebrunnen". Diese Wasserfassung findet man
am Mundloch des Schwefel stollens I. Zunennen
sind auch noch die „Freundschaftsquelle“ (Schwefelstollen
II) und das eingefasste Mundloch des Katharinenstollens, der „Alexisbrunnen“. Sehenswert bei
Alexisbad sind besonders die Felsklippen unterschiedlicher Gesteinsarten. Der „Kapellenfelsen"
und der „Habichtfelsen" bestehen aus Plattenschiefer,
der „Adolffelsen" aus Tanner Grauwacke
mit conodontenführenden Kalkbändern (Mikrofossilien).
In Alexisbad, dass in dem zur damaligen Zeit bedeutenden
Industrieort Mägdesprung eingepfarrt war, gründeten
Ingenieure aus ganz Deutschland am 12. Mai 1856 den
Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Zu den 23 Gründungsmitgliedern
zählte auch der Hüttenmeister CARL BISCHOF
(1812 - 1884) aus Mägdesprung. Ihr Ziel war es, alle geistigen
Kräfte der Technik zum gemeinsamen Wirken zusammenzufassen.
Diese Idee hat bis heute Bestand.
Tertiär mit Braunkohle Anhaltische Kohlenwerke Frose ( 12 )
Noch im Jahr 1904 fanden allein in der
Grube der Anhaltischen Kohlenwerke
bei Frose 192 Bergleute Arbeit. Die
geförderte Braunkohle diente nicht nur
der Brennstoffversorgung in einem
Umkreis von ca. 50 km Radius, sondern
war auch der Rohstoff für die
Jahresproduktion von 935 t Teer und
7.650 t Grudekoks, mit deren Herstellung
viele weitere Menschen ihr Lohn
und Brot verdienten. In den letzten
Jahrzehnten war der anhaltische Braunkohlenabbau
wegen nahegelegener viel bedeutenderer
Tagebaue im Nachterstädter Revier weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst die Böschungssanierung nach
1990 erzeugte wieder Aufmerksamkeit für das zuvor von
Wald umgebene Tagebaurestloch, dass man unmittelbar
in der Nähe des Bahnhofs Frose findet. Sehenswert in
Frose ist auch die romanische Stiftskirche. THOMAS MÜNTZER
(um 1490 - 1525) wirkte hier von 1515 - 1517 als
Probst.
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Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002
gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der
Regionalverband Harz e. V. übernommen. Träger im nördlich
angrenzenden Gebiet ist der Verein FEMO mit Sitz in Königslutter.
Der Übersichtskarte können Sie die Lage aller Land marken entnehmen.
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Herausgeber: Regionalverband Harz e. V., Hohe Straße 6, 06484 Quedlinburg
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6., neu bearbeitete Auflage. © Regionalverband Harz e. V.
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