Landmarke 14
Kloster Huysburg
Kloster Huysburg
Kloster Huysburg und die Umgebung des Huy ( 1 )
Etwa 10 km nördlich von Halberstadt thront auf einem der
höchsten Berge des Huy das Benediktinerkloster Huysburg,
dessen Geschichte bis in das Jahr 1084 zurückreicht. Die
Abteikirche aus dem Jahr 1121 ist eines der bedeutendsten
Bauwerke romanischer Baukunst und wurde aus dem Kalkstein
der Umgebung erbaut. Die Inneneinrichtung mit Kanzel,
Altären und Orgel ist barocken Ursprungs. Von der preußischen
Regierung wurde das Kloster 1803 aufgehoben, jedoch
blieben Kirche und angrenzende Gebäude Eigentum der
katholischen Kirche. Seit 1972 ist die Huysburg wieder ein
Benediktinerkloster. Für einen Besuch fahren wir von Halberstadt
aus in Richtung Dingelstedt. Mit bis zu 313 m über NN
erhebt sich der Huy über die umgebenden Ackerflächen.
Zahlreiche Wanderwege führen vorwiegend durch Buchenwälder.
Eine Wanderung lohnt zu jeder
Jahreszeit.
Seit über 1.000 Jahren lieferten die
Muschelkalkbänke der Huyberge das
Baumaterial für Gebäude und Grenzmauern,
deren helles Mauerwerk noch
heute den umliegenden Dörfern ihr
charakteristisches Gepräge gibt. Beispielhaft
soll hier das nördlich vom Huy
gelegene Dorf Schlanstedt erwähnt
werden. Ein Graf ließ dort im 10. Jh.
eine Burg errichten. Die umgebenden
fruchtbaren Böden auf Löss und die
günstigen klimatischen Bedingungen
förderten die Entwicklung der
Landwirtschaft als bedeutendsten
Wirtschaftszweig. Der Landwirt und
Pflanzenzüchter ARNOLD AUGUST WILHELM
RIMPAU (1814 - 1892) ließ 1839 in
Schlanstedt eine der ersten Zuckerfabriken
Deutschlands erbauen. Zum
Transport der Zuckerrüben wurde eine
Feldbahn errichtet. In der Burg Schlanstedt
wird in einem Saatzuchtkabinett
an diese Zeit erinnert, und auch die
Gesteinssammlung von HERBERT G.
WILHELM RIMPAU (geb. 1943) kann hier
besichtigt werden. Die Saatzuchtfirma
STRUBE baute in der Gemarkung
Schlanstedt eine Feldbahn. Diese und
ein agrarorientiertes Feldbahnmuseum
werden heute von einem Verein betreut
und der Öffentlichkeit zu verschiedenen
Anlässen präsentiert.
Schon auf dem Weg vom Huy in
Richtung Schlanstedt fällt etwa 1,5 km
südwestlich des Ortes an der Straße
zwischen Eilsdorf und Schlanstedt ein
kleiner aufgelassener Steinbruch auf.
Hier wurde mürber Rhätsandstein
(Oberer Keuper vor etwa 215 Mio.
Jahren) zur Verwendung als Bau- und
Stubensand abgebaut.
Fallstein bei Osterwieck
Ebenso wie Huy und Hakel ist auch der Fallstein
eine Sattelstruktur, in der sich der Muschelkalk
aus der Ebene emporhebt. Nördlich des Fachwerkstädtchens
Osterwieck mit seiner romanischen
Stephanikirche liegt der Große Fallstein
(ca. 287 m über NN). Zahlreiche Wanderwege
führen durch das bewaldete Gebiet. Vom Bismarckturm, der 1904 am Südrand des Großen Fallsteins eingeweiht wurde, hat man einen wunder
vollen Blick zum Harz. Westlich liegt der
Kleine Fallstein, ein Höhen rücken der von Kalkstei
nen der Oberkreide (98 - 66 Mio. Jahre) sowie
Tei len der Unterkreide (144-98 Mio. Jahre) gebildet
ist. Nördlich der Gemeinde Hoppenstedt
befindet sich ein sehr schöner Aufschluss, der
als Naturdenkmal ausgewiesene ehemalige Kalkbruch
Hoppenstedt. Im Profil sind sehr gut die
vier Sedimentationseinheiten zu erkennen. Im
Osterwiecker Heimatmuseum gibt eine umfangreiche
prähistorische Sammlung Einblick in die
Geschichte der Region.Öffnungszeiten:
Die - Do. 10 - 12 Uhr und 13 - 16 Uhr
So. 13 - 16 Uhr
Hakel zwischen Heteborn und Cochstedt ( 3 )
Vom nördlichen Harzrand 16 km entfernt
erhebt sich inmitten einer fruchtbaren
Ackerlandschaft die bewaldete
Bergkuppe des Hakel. Gesteine des
Unteren Muschelkalks streichen hier
großflächig oberflächennah aus und
werden nur von einer geringmächtigen
weichselkaltzeitlichen Lössschicht
bedeckt. Wegen seiner Armut an Oberflächengewässern ist das Gebiet weitgehend
unzersiedelt. Internationale
Berühmtheit erlangte der Hakel als
Wildforschungsgebiet und wegen seiner
einzigartigen Greifvogelfauna. Der besondere Naturschutzstatus
(Landschaftsschutzgebiet seit 1939, Europareservat
seit 1995) hat bis heute zur Folge, dass kaum
Wanderwege ausgeschildert sind. Einzig eine Tour zur Ruine
der mittelalterlichen Domburg (244,5 m über NN) kann empfohlen
werden. Dazu fahren wir zum Waldrand des Großen
Hakel bei Heteborn und legen den Rest der Strecke zu Fuß
zurück durch einen wunderschönen Laubwald mit vielen
seltenen Baumarten. Legendär unter ihnen sind die Wildkirschen, aus deren Holz Schlafzimmermöbel getischlert
wurden, die die Töchter der Hakelförster als Aussteuer in die
Ehe gebracht haben sollen.
Bergbaufolgelandschaft "Seeland"
Concordiasee bei Nachterstedt ( 4 )
Südlich des Hakels und unmittelbar
angrenzend an das anhaltische
Kohlerevier bei Frose (Landmarke 9 )
liegen im ehemals preußischen
Gebiet die Braunkohlevorkommen
Nachterstedt, Schadeleben und
Königsaue. Durch Salzbewegungen
im Untergrund bildete sich der
Ascherslebener Sattel. In dessen
Randsenken kam es zur Braunkohlebildung,
die einem kleineren
nordöstlichen Becken (mit dem heute
vorrangig Naturschutzzwecken
gewidmetem See im Tagebaurestloch Königsaue) und einem
größeren südwestlichen Becken zugeordnet werden kann. Hier
befindet sich heute der Concordia See (Tagebaurestloch
Nachterstedt/Schadeleben). Seine Geschichte begann im Jahr
1856 mit dem Aufschluss des Tagebaus Nachterstedt, nachdem
zuvor bereits seit 1831 Kohle unter Tage abgebaut wurde. Die
größte Kohlemächtigkeit erreichte das Nachterstedter Hauptflöz
mit 30 bis 50 m. Hingegen waren die Flöze in der Lagerstätte
Königsaue nur zwischen 2 und 13 m mächtig. Mit der Förderung
der Braunkohle ging ein wirtschaftlicher Aufschwung durch die
Region; der erste Eimerkettenbagger Deutschlands arbeitete in
der Grube Concordia. Um das Jahr 1900 hatte der Tagebau
Nachterstedt die höchsten Fördermengen in Preußen. Der Abbau
der Braunkohle erforderte in den Folgejahren die Verlegung einer
Eisenbahnstrecke (1914) und sogar die Umsiedlung der Orte
Nachterstedt (ab 1928) und Königsaue (1965).
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erwies sich die
Kohleförderung als unwirtschaftlich, so dass 1991 die Stilllegung
des Tagebaus Schadeleben eingeleitet wurde; deshalb gelangten
ca. 18 Mio. t Kohle nicht mehr zum Abbau. Während die
Wasserhaltung im Tagebaurestloch Königsaue bereits 1991 eingestellt
wurde, waren im Bereich des heutigen Concordia Sees
noch umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig, um in diesem
Gebiet eine Erholungslandschaft anzulegen.
Das Harzer Seeland ist ein weitläufiges Naturgebiet mit kilometerlangen,
gut ausgebauten Wegen und herrlichen Ausblicken.
Das Zentrum der touristischen Nutzung liegt
gegenwärtig im Norden des Concordia Sees
und reicht von der entstehenden Ferienhaussiedlung
über den Abenteuerspielplatz, dem
Reitsportzentrum Königsaue bis hin zu verschiedenen
Aussichtspunkten sowie dem
Informations- und Versorgungszentrum mit
Gaststätte am Aussichtspunkt Schadeleben.
Auch nach dem Erdrutsch von Nachterstedt im
Juli 2009 wird die touristische Infrastruktur
weiterentwickelt. Dazu gehören u. a. der
Ausbau des Europaradweges R1 und der
Aufbau eines Infopunktes für Radfahrer.
Halberstädter Kreidemulde Lehof bei Quedlinburg ( 5 )
Wir verlassen Quedlinburg hinter dem
Klinikum, folgen dem nach links abbiegenden
Ditfurter Weg und erreichen bald
den Felsen des Lehofs. Wegen seiner
besonderen Eigenart und Schönheit sowie
seiner Bedeutung als Lebensraum seltener
Tier- und Pflanzenarten wurde er
frühzeitig als Naturdenkmal geschützt. So
reichen heute Sandtagebaue bis an den
Felsen heran, dürfen diesen aber nicht
zerstören. Abgebaut wird kreidezeitlicher entfestigter Sandstein,
der die Sedimentfolge beginnend im tieferen Untergrund
mit Sedimenten der Trias und darüber des Jura und
der Kreide mit den sogenannten Involutus-Schichten der
oberen Kreide (Emscher) abschließt. Ein Aufstieg auf den
Felsen des Lehofs lohnt wegen einer wunderschönen Aussicht
auf das nördliche Harzvorland.
Großer Thekenberg bei Westerhausen ( 6 )
Auf dem Steinholzweg verlassen wir Quedlinburg
in nordwestlicher Richtung, um am
Südrand des Naturschutzgebietes „Harslebener
Berge und Steinholz“ zum Großen Thekenberg
(205 m über NN) und damit weiter am Südrand
der Halberstädter Kreidemulde zu wandern.
Wer die weite Entfernung scheut, der fährt von
Westerhausen auf der Landstraße in Richtung
Halberstadt bis zum Wanderparkplatz am
Naturschutzgebiet und beginnt seine Tour
dort. Das Naturschutzgebiet ist Teil einer langgestreckten Schichtstufe aus Sandsteinen der
Oberkreide (Involutus-Sandstein, Coniac) an
der Südflanke der Halberstädter Kreidemulde.
Nach Westen hin zum Großen Thekenberg werden
die dort unbewaldeten Südhänge immer
steiler. Teilweise steht blanker Fels an. Gravuren
im Sandstein zeugen von der jahrzehntelangen
Anwesenheit von Soldaten der früheren
Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf
den waldfreien Flächen haben sich Trockenrasengesellschaften mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten ausgebildet.
Das Wegegebot im Naturschutzgebiet ist deshalb
unbedingt zu beachten. Besonders eindrucksvoll
sind in jedem Frühjahr die blühenden Frühlings-
Adonisröschen (Adonis vernalis).
Am Fuße des Großen Thekenberges gibt es ein besonderes
Naturschauspiel zu beobachten, wenn auf dem Ackerland
plötzlich ein 12 ha großer zu- und abflussloser Flachwassersee
entsteht. Das passiert allerdings nicht in jedem Jahr. Er
trägt im Volksmund den Namen „Schnepfensee“, weil er
durchziehenden Schnepfenvögeln, deren Brutgebiete bis in
die arktischen Tundrenreichen, Rastmöglichkeiten bietet.
Interessant sind zwei große Sickerschächte eines Entwässerungssystems
aus dem 19. Jh.
Gläserner Mönch bei Langenstein ( 7 )
Ein beliebtes Ausflugsgebiet ist die südlich von
Halberstadt liegende Hügellandschaft. Mitte des
18. Jh. wurden die damals kahlen Spiegelsberge
vom Halberstädter Dom dechanten ERNST LUDWIG
CHRISTOPH SPIEGEL (1711-1785) zu einem Landschaftspark umgestaltet. In den folgenden Jahren
wurden auch die Klusberge aufgeforstet. Die
Klusberge mit ihren Felsklippen befinden sich in
östlicher Richtung.
Wir wandern auf den ausgeschilderten Wegen
vom Gut Spiegelsberge in der Nähe des Tiergeheges
Halberstadt in Richtung Langenstein und
erreichen nach ca. 4 km den Aufstieg zur Felsklippe
„Gläserner Mönch“. Eine Treppe führt zur Bergkuppe.
Eine weitere Treppe führt dann die aus
Sandstein der Oberkreide bestehende Felsklippe
hinauf. Für die Anstrengungen des Aufstiegs werden wir mit
einem wunderschönen Blick auf den Harz und das Vorland
belohnt.
Anschließend empfehlen wir den Besuch der nahegelegenen
Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge. In den Jahren 1944/45
leisteten hier Tausende Häftlinge unter unmenschlichen
Bedingungen Schwerstarbeit. Zur Untertageproduktion von
Rüstungsteilen der Junkerswerke mussten die Häftlinge ein
Stollensystem in den Thekenbergen anlegen.
Höhlenwohnungen Langenstein ( 8 )
Das Dorf Langenstein wird südlich von einem
schmalen Sandsteinhöhenzug begrenzt. Im 12.
Jh. wurde hier eine Burg erbaut, die in den folgenden
zwei Jh. ein beliebter Aufenthalts ort der
Halberstädter Bischöfe war. Im 17. Jh. wurde die
Burg weitestgehend abgerissen. Heute zeugen
vereinzelte Mauerreste von ihrer Existenz. Vom
Bergkamm aus erschließt sich uns ein fantastischer
Ausblick in Richtung Norden auf Halberstadt
und den Huy sowie in Richtung Süden auf
den Regenstein (Landmarke 9). Weiter westwärts
gelangen wir zu den Sandsteinhöhlenwohnungen,
die an einem schmalen Hohlweg liegen. Seit
wann die künstlich angelegten Höhlen existieren,
ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wurde eine der Höhlen noch
bis 1916 bewohnt. Auch auf dem Schäferberg gab es eine
„Höhlenstraße“, deren Wohnungen ebenfalls bis Anfang des
20. Jh. bewohnt waren. Einer der letzten Höhlenbewohner war
ein gewisser LUDCHEN SCHMIDT, der sein Geld sprichwörtlich „im
Hand umdrehen“ verdiente: Er war Drehorgelspieler.
Nach dem Spaziergang in die nähere Umgebung bietet sich
ein Besuch auf dem Schäferhof Langenstein an. Hier lassen
sich bei hausgebackenem Kuchen oder einem herzhaften
Imbiss neue Kräfte sammeln.
Erwähnenswert ist auch das Schloss Langenstein. Es war von
der Freifrau MARIA ANTONIA VON BRANCONI (1746-1793) bewohnt,
die JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749-1832) mehrfach zu ihren
Gästen zählte. Um das Schloss erstreckt sich einer der schönsten
Landschaftsparks des nördlichen Harzvorlandes.
Quedlinburger Sattel Hoppelberg zwischen Börnecke und Langenstein ( 9 )
Der Hoppelberg ist mit 308 m über NN
ein bestimmender Berg des nördlichen
Harzvorlandes und bildet morphologisch
den nordwestlichen Scheitelpunkt
in der Schichtrippenlandschaft. Geologisch
ist er das nordwestliche Ende des
Quedlinburger Sattels (Landmarke 9).
Halberstädter Saurier Museum Heineanum Halberstadt ( 10 )
In einer Halberstädter Tongrube fand man
1899 zwei Wirbelknochen, die der Apotheker
JOHANNES MAAK als wissenschaftlich wertvoll
einstufte. Er überzeugte den Grubenbesitzer
davon, nach weiteren Knochen suchen zu
lassen. Dabei wurde das fast vollständige
Skelett eines Rudersauriers (Plesio saurus)
gefunden. Das Skelett wurde im Städtischen
Museum ausgestellt. In einer anderen
Halberstädter Tongrube fand man ca. 10
Jahre später weitere fossile Knochen. Nachdem
der Greifswalder Professor OTTO JAEKEL
(1863-1929) die Funde als Dinosaurierreste
analysiert hatte, wurde weitergegraben und
man fand hier bis 1912 die Reste von etwa 35 Sauriern, die
vorwiegend zur Gruppe der Plateosaurier gehören. Aber auch
Reste von Muscheln, Krebsen und Fischen sowie das fast vollständige
Skelett einer der ältesten bisher bekannten
Landschildkröte wurden geborgen. Die Dinosaurier lebten im
Erdmittelalter, im Keuper vor 220 Mio. Jahren. Etwa 20-30 Mio.
Jahre später, zu Beginn des Jura, lebte der Rudersaurier. Zu
dieser Zeit lag das heutige Harz gebiet am Rande des
Germanischen Binnenmeeres, dessen Ausdehnung sich häufig
veränderte und das sich zu Beginn des Juras weiter ausgedehnt
hatte. Das Klima war subtropisch und feucht warm.
Die beiden Skelette des Plateosauriers und des Plesiosauriers
sind im Eingangsbereich des Museums Heineanum ausgestellt.
Ein geologisches Modell zeigt die Schichtfolge des
Fundortes. Das Heineanum ist auch ein einzigartiges Museum
für Vogelkunde. Die ornithologische Sammlung sowie eine
umfangreiche Bibliothek mit Werken der Ornithologie und
Zoologie wurden von Oberamtmann FERDINAND HEINE (1809–
1894) angelegt. Seit 1909 ist die Sammlung öffentlich zugänglich.
Das 100 jährige Jubiläum im Jahr 2009 beging das
Heineanum mit einer Festwoche und verschiedenen
Veranstaltungen. Die Ausstellungen des Heineanums befassen
sich u. a. mit den Themen „Vögel der Welt“ und „Vögel des
Harzes und seines Vorlandes“. Auf dem Museumsgelände
kann auch ein Stromatolith besichtigt werden
(vgl. Geopunkt 13).www.heineanum.de
Öffnungszeiten Museum Heineanum:
Di - Fr 09.00-17.00 Uhr Sa /So 10.00-17.00 Uhr
Führungen auf Anfrage: (03941) 551460
Zum Ensemble des Domplatzes gehören neben dem gotischen Dom und weiteren Museen auch die romanische Liebfrauenkirche, deren Baumaterial im Huy gewonnen wurde.
Zurück in den Huy Daneilshöhle bei Röderhof ( 11 )
Wir fahren mit dem Auto von Röderhof aus in
Richtung Mönchhai und folgen der Ausschilderung
zur Daneilshöhle.
In einer Felswand des Mittleren Buntsandsteins
bilden drei miteinander verbundene Räume
Höhlen, die während der Eiszeit aus dem Sandstein
gewaschen wurden. Die geraden Felswände
und Ausbuchtungen für Sperrbalken deuten
darauf hin, dass die Höhle künstlich erweitert
wurde und zeitweise bewohnt war.
Der Name der Höhle geht auf die Sage vom Räuber
Daneil zurück. Dieser hauste in der Höhle,
über fiel und beraubte vor allem reisende Kaufleute
im Wald. Eines Tages beraubte er auch ein
Mädchen, ließ ihr aber das Leben. Dafür musste sie mit in
seine Räuberhöhle kommen und ihm den Haushalt führen.
Nach einigen Jahren gelang ihr endlich die Flucht. Da sie
Daneil aber versprochen hatte, keinem Menschen etwas von
ihm und seinem Aufenthaltsort zu erzählen, klagte sie dem
steinernen Roland am Halberstädter Rathaus ihr Leid.
Natürlich hörte heimlich jemand mit und die Nachricht verbreitete
sich schnell unter den Bürgern der Umgebung. Mit
reichlich Mehl und Wasser zogen sie in den Wald und kochten
dort große Mengen an Mehlbrei. Diesen schütteten sie in eine
Höhlenöffnung so dass der Räuber und sein Gefolge jämmerlich
darin umkamen.
Pleistozän Gletschertöpfe bei Huy-Neinstedt ( 12 )
Die Gletschertöpfe befinden sich ca. 800 m
südlich von Huy-Neinstedt. Sie sind von der
Parkmöglichkeit an der Landstraße zwischen
Athenstedt und Huy-Neinstedt zu
erreichen. An der Straße befindet sich ein
Hinweisschild. Durch den Wald läuft man
ca. 5 Minuten (nach etwa 2 Minuten Fußweg
nimmt man an der Weggabelung den
rechten Weg) und erreicht dann den ehemaligen
Steinbruch am Hardelsbruch. Hier
wurden die Gletschertöpfe beim Gesteinsabbau freigelegt.
Gletschertöpfe sind Gesteinsauswaschungen die durch die
Wirkung eiszeitlichen Schmelzwassers entstanden sind. Die
Gletschertöpfe beweisen die Anwesenheit der skandinavischen Gletscher an diesem Ort. Ihre Entstehung geht auf
die Saale-Kaltzeit vor mehr als 200.000 Jahren zurück.
Gletschertöpfe sind im außeralpinen Raum sehr selten.
Deswegen hat der Geotop eine überregionale Bedeutung.
Unterer Bundsandstein Rogenstein und Stromatolithen bei Wilhelmshall ( 13 )
Im ehemaligen Steinbruch am Herrenberg
ca. 300 m südöstlich von Wilhelmshall sind
Rogensteinbänke und Stromatolithen aufgeschlossen.
Der Aufschluss ist von der Landstraße
zwischen Athenstedt und Huy-
Neinstedt auf einem beschilderten Wanderweg
zu erreichen, ebenso von verschiedenen
Wanderwegen aus Richtung Mönchhai
oder Sargstedter Warte.
Im Unteren Buntsandstein, vor ca. 240 Mio.
Jahren, war das Gebiet von einem Meer
bedeckt. Obwohl es ein flaches Meer war,
herrschten extrem lebensfeindliche Bedingungen. Aus dem Wasser wurden kleine
sandige Kalkkügelchen (Ooide) ausgeschieden,
die sich zu bankigen Schichten am
Meeresboden ablagerten. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Fischrogen werden diese
Schichten auch Rogenstein genannt. Die
Hauptrogensteinzone des Unteren Buntsandsteins
ist im Huy bis zu 35 m mächtig.
Rogenstein ist besonders charakteristisch am Harz-Nordrand.
Er ist gut bearbeitbar und wurde deshalb zur Errichtung verschiedenster
Bauwerke benutzt.
Trotz der lebensfeindlichen Bedingungen im Meer des Unteren
Buntsandsteins lebten hier Einzeller, sogenannte Cyanobakterien.
Durch ihre sauerstoffproduzierende Tätigkeit trugen
sie dazu bei, dass weiteres Leben auf der Erde möglich
wurde. Sie lebten in Kolonien z.B. auf Sand und bildeten nach
ihrem Tod eine verhärtete Schicht auf der sich die nächste
Kolonie ansiedelte. So entstanden die Stromatolithen, die im
Huy eine Höhe von über einem Meter erreichen können. Man
erkennt sie an der nach oben konvexen Wölbung.
Cyanobakterien gelten als die ältesten Lebewesen und lebten
schon vor 3,5 Mrd. Jahren. Noch lebende Kolonien wurden
übrigens an der Westküste Australiens entdeckt. Sie zählen
dort zum Weltkulturerbe.
Grenzen Der Kiebitzdamm im Großen Bruch bei Dedeleben ( 14 )
In vielfacher Hinsicht besuchen wir mit
dem Großen Bruch ein Grenzgebiet: Schon
in der Urkunde Königs Otto III. aus dem
Jahr 994 über die Verleihung des Markt-,
Münz- und Zollrechtes für das Stift
Quedlinburg heißt es sinngemäß, dass sich
niemand in den Marktrechtsbereich einzumischen
hat, der sich „innerhalb der folgenden
Grenzen ... vom Süden zum Norden
von der Unstrut und Helme bis zur Bode
und dem Sumpfgebiet, das sich zwischen
Oschersleben bis zur Hornburg ersteckt.“ Das Sumpfgebiet als
Teil des Oscherslebener Urstromtals ist ein ursprünglich
knapp 50 km langes und 1 bis 4 km breites Niedermoorgebiet,
ein Sammelbecken des von den angrenzenden Höhenzügen
abfließenden Wassers. Bohrungen wiesen fluviatile Sedimente
nach, die als elster- und saalezeitlich eingestuft wurden. An
der Oberfläche stehen holozäne Niedermoortorfe, Kalkmudden,
Wiesenkalke sowie lößbürtige Abschlämmmassen an.
Während der deutschen Teilung verlief im Großen Bruch die
innerdeutsche Grenze. Die über den Kiebitzdamm verlaufende
Eisenbahnstrecke wurde unterbrochen und schließlich nach
der Wiedervereinigung aufgegeben. Heute erinnert der
Gedenkstein an die Grenzöffnung am 8. Dezember 1989 und
fast beiläufig an die frühere Grenze zwischen Preußen und
Braunschweig. Ihren Schrecken hat die Grenze verloren, auch
wenn sie heute als solche zwischen den Bundesländern
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt weiter existiert.
Älteste Wasserburg Deutschlands Wasserschloss Westerburg ( 16 )
Die von zwei Burgwällen und zwei Burggräben umgebene
Anlage ist vollständig erhalten. Bei der Kernburg handelt es
sich um eine nahezu quadratische Ringmauerburg mit rundem
Bergfried, der vermutlich um 1200 entstand. Die Wohnburg
entstand hauptsächlich in der Spätgotik. Weitere Ausbauten
erfolgten in der Renaissance, in der auch der Wirtschaftshof
auf ovalem Grundriss errichtet wurde. Ein Kleinod ist die barokke
Schlosskapelle, deren Innenausstattung unverändert erhalten
ist.
Erste Erwähnung fand das Gebiet um die Burg im Jahr 1052, als
es Kaiser Heinrich III. dem Bistum Halberstadt schenkte. Es
folgten mehrmalige Besitzerwechsel. Heute beherbergt die
denkmalgerecht sanierte Burg ein Fist-Class-Superior Hotel.
Geologie des Gebietes
Der Untergrund des nördlichen Harzvorlandes ist durch
Salztektonik geprägt. Infolge Fließbewegungen des Salzes bildeten
sich Sättel und Mulden. Dort, wo die älteren Gesteine anstehen
(Buntsandstein, Muschelkalk), befinden sich Salzhochlagen
und unter den anstehenden jüngeren Schichten (Kreide, Jura,Tertiär) salinare Tieflagen. So fallen im Norden die Muschelkalk-
Höhenzüge von Hakel, Huy und Großem Fallstein besonders auf. Im
Südosten umgrenzen steilgestellte und herausgewitterte
Kreidesandsteine die Strukturen des Quedlinburger Sattels und der
Halberstädter Mulde.
Ausgewählte
Übernachtungsmöglichkeiten
Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel Villa Heine Halberstadtwww.hotel-heine.de
(03941) 31400
Landhotel Schäferhof Langensteinwww.schaeferhof-langenstein.de
(03941) 613841
Hotel-Restaurant WaldhausOsterwieck
www.waldhaus-osterwieck.de
(039421)6180
Camping am Halberstädter SeeHalberstadt
www.camping-am-see.de
(03941) 609308
Romanik-Hotel Wasserschloss Westerburgwww.hotel-westerburg.de
(039422) 9550
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz
persönlichen Georoute rund um die Huysburg. Auch sachkundige
Führungen können vermittelt werden (Kontakt: Leiter der
Arbeitsgruppe der Geoführer im Regionalverband Harz, Herr Dr.
STEIGER Tel.: (03944) 369085 oder e-mail: T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung
und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier
vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!
Autoren: Dr. K. George, Ch. Linke, Dr. M. Thomae
Geol. Blockbild: Dr. I. Rappsilber, Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: George, Lerche, Linke, Seeland GmbH, RVH
Geol. Blockbild: Dr. I. Rappsilber, Dr. M. Thomae (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: George, Lerche, Linke, Seeland GmbH, RVH