Landmarke 13
Rübeländer Tropfsteinhöhlen
Geologie des Gebietes
Motiv Im geologisch gut abgegrenzten Raum des Elbingeröder Komplexes sind rund 400 Millionen Jahre geologischer Entwicklung manifestiert. Nach der Sedimentation toniger Schlammschichten im Unterdevonmeer begann vor 380 Millionen Jahren eine nachhaltige Vulkantätigkeit, die zur Bildung der Gesteine Keratophyr und Spilit (bergmännisch „Schalstein“) führte. Die Laven schufen (zwischen Königshütte und Blankenburg) vier meist submarine Spaltenvulkane. Die Vulkanite variieren stark, meist sind sie grün, seltener rötlich. Sie führen eingewalztes Fremdmaterial, sind blasig oder fragmentiert und auch pseudogeschichtet. Nach der vulkanischen Hauptphase, im Schaubergwerk Büchenberg (Landmarke ) sichtbar sogar schon embryonal zuvor, erfolgte dann die Bildung einer der größten (aber qualitativ schlechten) Eisenerzlagerstätten Deutschlands. Untermeerisch austretende, mineralisierte Hydrothermen aus den Magmenherden brachten die verschiedensten Elemente direkt auf den Lavaoberflächen zum Absatz. Je nach den örtlichen Bedingungen entstanden so die verschiedensten Eisenminerale: Magnetit, Hämatit, Siderit und Chlorit, dazu noch wechselnd Quarz und aus dem Meerwasser Kalkstein. Deshalb ändert sich nicht nur die Zusammensetzung der Eisenerze, sondern auch ihre räumliche Erstreckung. Die Erzkörper sind bis zu 30 m mächtig und manchmal über mehrere hundert Meter lang. Dagegen entstanden zeitgleich im Mitteldevon kaum weiter als 2.000 m entfernt chemisch reinste Korallenkalkstein-Sedimente mit bis zu 600 m Mächtigkeit. Die optimalen Bedingungen dafür waren die Äquatorlage im Devon und die Kalziumlieferung aus den Vulkanen. Gleichzeitig sank der Meeresgrund hier kontinuierlich ab, so dass die Korallen ihre Bauten ständig der lebensnotwendigen Wassertiefe von maximal 60 m anpassen mussten. Mitten im Elbingeröder Komplex war auch noch Schwefel im Angebot der Hydrothermen, so dass als Sondertyp eine gleichalte Pyritabscheidung stattfand. Im Oberdevon tauchte dann der ganze Komplex ab, wurde dadurch landfern und mit Schiefersedimenten zugedeckt. In diese schalteten sich einzelne Grauwackenlagen ein. Der nächste Magmatismus lieferte im Perm zwischen Wernigerode und Ilfeld die Mittelharzer Porphyr-Gänge. Jüngste geologische Prozesse, gebunden an die Heraushebung als Harzgebirge, sind die Höhlenbildung (Verkarstung) im Kalkstein und die Oxidation der Pyritlagerstätte zu Brauneisenerz (Eiserner Hut).
Rübeländer Tropfsteinhöhlen ( 1 )
Motiv Nicht ohne Grund würdigte schon JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832) die Schönheit der Baumannshöhle. Seither haben beide Rübeländer Höhlen (Baumanns- und Hermannshöhle) ihre besondere Stellung innerhalb des deutschen Höhlenkatasters auch widerspruchslos behaupten können. Wo hat der Besucher sonst schon die Chance, innerhalb einer Entfernung von 500 m zwei grundverschiedene Höhlentypen sehen zu können! Die Baumannshöhle glänzt durch ihren Tropfsteinschmuck, der von Deckenzapfen (Stalaktiten) über Bodenzapfen (Stalagmiten) – zusammengewachsenen Stalagnaten – bis zu Sinterterrassen reicht. Die Formen der Gebilde, die aus an Kalziumbikarbonat reichen Niederschlagswässern kristallisieren, hängen von der unterschiedlichen Wasserzufuhr ab. Stalaktiten entstehen durch das von der Decke ablaufende bzw. abtropfende Wasser, die Bodenzapfen dagegen aus den Aufschlagswässern. Sintergalerien bilden sich, wenn die Wässer von der Oberfläche her auf längeren Klüften eindringen können. Die Hermannshöhle ist das Paradebeispiel dafür, wie sich eine Flusshöhle entwickelt. Man sieht, wie die Hohlraumbildung von weit reichenden Klüften (Erdbebenrissen) ausgeht und wie hier in den zusammengewachsenen großen Räumen Bruchfelder entstehen. Auch ist deutlicher als anderswo die etappenweise Vertiefung der Höhle mit Schaffung neuer Räume parallel zur jeweiligen Vertiefung des Bodelaufes zu erkennen. Beiden Höhlen gemeinsam sind aber der Tropfsteinschmuck, die niedrigen Temperaturen von ganzjährig nur 8o C, eine hohe Luftfeuchtigkeit, Tropfnässe, Knochenfunde prähistorischer Tiere (z. B. Höhlenbär), Schwärmund Winterquartiere von Fledermäusen sowie Lehmeinschwemmungen. In der Baumannshöhle gestaltete man einen 2.500 m2 großen Hohlraum zum Goethe-Saal mit dem künstlichen Wolfgang-See: Ort von Höhlenfestspielen und Hochzeitsfeiern. In der Hermannshöhle leben, vor vielen Jahren aus Slowenien importierte, männliche Grottenolme Proteus anguineus ohne Chance auf Vermehrung. An einer besonderen Stelle der Hermannshöhle gibt es eine exquisite, weltweit sehr seltene Sekundärbildung: Aus einem einst stehenden Wasserbecken kristallisierte ein Rasen von wenigen Millimetern großen Calciten aus. Die Kalksteinvorkommen der Region weisen weitere Höhlen auf, von denen aber nur wenige begehbar sind. Im alten Höhlenportal der Baumannshöhle jedoch übernachteten – oder lebten zumindest zeitweise – bereits altsteinzeitliche Menschen.

Rübeländer Tropfsteinhöhlen
Öffnungszeiten:
täglich ab 9.00 Uhr, in Vor- und Nachsaison jeweils nur eine Höhle (039454 ) 49132
www.harzer-hoehlen.de
Motiv
Der Blaue See bei Hüttenrode ( 2 )
Motiv Soll der See am Garkenholz bei Hüttenrode seinem Namen gerecht werden, so muss man ihn im Frühjahr besuchen. Er füllt ein kleines, 50 Jahre altes Tagebaurestloch im Kalkstein. Niederschlagswässer mit gelöstem Kalziumbikarbonat strömen ihm zu, ein Teil verdunstet und eine geringe Menge fließt auch ab. Durch die Verdunstung reichert sich der gelöste Stoff soweit an, dass ein sogenannter überkritischer Zustand entsteht. Jeder Fremdkörper im Wasser wirkt als Kristallisationskeim und beseitigt das Ungleichgewicht. Auf dem Seeboden setzt sich Kalkschlamm ab. So wird jegliches Leben im See unmöglich. Derart „wüstes“ Wasser reflektiert vornehmlich die blauen Anteile des Lichtes. Mit fortschreitender Jahreszeit reicht der gelöste Stoffanteil dann nicht mehr aus, alles Fremde abzusenken – der See wird durch Algenwuchs grün und bleibt es bis zum Frühjahr. Im abfließenden Rinnsal setzt sich der Fällungsprozess fort, Blätter und Gräser werden versteinert – als Vorstufe eines Travertin-Vorkommens. Der Blaue See liegt in einem um 1886 begonnenen großen Kalkstein-Abbaufeld. Von dem einstmals hier zum Kalkbrand verwendeten Ringofen ist nur noch die Ruine zu erahnen. In der Steinbruchwand im Osten des Geländes zeigt sich eine Doline als Einsturztrichter oder Karstrinne des Tertiär. Ein Gemenge aus Tertiärquarziten und Tonschieferbruchstücken in braunem Lehm gebettet ist eingeschwemmt. Am Fuß des Bruches liegt an der B 27 ein unbewachter Parkplatz.
Marmorbruch Krockstein ( 3 )
Motiv An der B 27 zwischen Rübeland und Hüttenrode nehmen unterhalb des Krocksteins die bis dahin parallel verlaufende Straße und die Bode unterschiedliche Wege. Zwischen den Häusern führt ein schmaler Pfad bergauf zu den Brüchen und den Abraumhalden. Der hier seit dem 12. Jh. abgebaute Marmor ist ein differenziert hämatitisierter, fossilreicher Kalkstein eines devonischen Riffatolls und als solcher das zeitliche Äquivalent der Eisenerzlagerstätten. Die hohe Zeit des Abbaus datiert zwischen 1715 und 1889. Eine starke tektonische Verschuppung der Gesteinsfolgen ließ im Prinzip nur die Fertigung von Dekorationselementen zu (z. B. im Berliner Dom). Am steilen Wandabbruch zur Bode ist ebenso Vorsicht zu wahren wie bei der Visite in den Brüchen. Schon der Blick Richtung Rübeland über das Bodetal entschädigt für die Mühen des Aufstiegs. Am Fuße des Krocksteins an der Bushaltestelle beeindruckt ein exzellenter Aufschluss in einer Kulm-Grauwacke.
Besucherbergwerk„Drei Kronen & Ehrt“ ( 4 )
Motiv Nach 101 Jahren Tiefbau verließ am Barbaratag des Jahres 1990 (4. Dezember) der letzte Förderwagen die „Grube Einheit“. Zeitgleich mit der Verwahrung der Schwefelkiesgrube begann der Ausbau des Besucherbergwerks „Drei Kronen & Ehrt“. Die Lagerstätte hatte während ihrer Betriebsperioden einiges an Rohstoffen zu bieten. In ihrem ausstreichenden Verwitterungsbereich (Pinge „Großer Graben“) reichte es über Jahrhunderte von Brauneisen- bis zu Manganerzen. Über fast 100 Jahre war dann der Pyrit (Schwefelkies) von alleinigem Interesse. Er diente als Grundlage für die Schwefelsäure-Industrie und war das einzige abbauwürdige Pyritvorkommen in der DDR. Die hohen Gestehungskosten führten mit der Währungsunion 1990 zur Schließung. Eine Besonderheit war die 1982 in geringsten Mengen angetroffene, fleckig-rot durch Hämatit imprägnierte grüne Keratophyrlava. Der Rohstein konnte vor der Verwahrung geborgen werden. Er dient seither unter der Bezeichnung „Harzer Blutstein“ zur Fertigung von geschliffenen und hochglanzpolierten unikaten Schmucksteinen aller Art. Ebenso stehen auch Calcitkristalle und –kristallstufen der Lagerstätte als Souvenir käuflich zur Verfügung. Vor der Grubenschließung barg man aus den bekannten Kalksteinschlotten des Tiefenkarsts in abzuwerfenden Grubenteilen auch die restlichen Exemplare des in Sammlerkreisen gut bekannten Minerals; aber: Obwohl es eine Pyritgrube war, Kristalle dieses Minerals traten so gut wie nie in Erscheinung. Zu besichtigen sind Geologie und Technik in 800 m (von einst 45.000 m) Grubenstrecke und ein Abbau. Alles ist mit Bergbaumaschinen letzter DDR-Tage ausgestattet. Jede Maschine ist funktionstüchtig und wird Besuchern vorgeführt. Ein Zug mit für den Personentransport umgebauten Hunten bringt uns in den Berg. Schutzkleidung wird gestellt. Bergbautypische Exponate auf dem Betriebshof und ein kleines Museum komplettieren die Ausstellung. Ansehenswert sind die Bandbreiten der Calcitkristalle und vulkanischen Gesteine aus der Grube „Einheit“. Die Bergmannsklause bewirtet ihre Gäste und liefert außerdem in einem warmen, trockenen Untertageraum auf Bestellung ein rustikales, so genanntes Tscherperessen für Gruppen bis 70 Personen. Ein bergmännisch drapierter Zugang zum Besucherbergwerk liegt etwa auf der Mitte zwischen Elbingerode und Rübeland an der B 27. Hinweisschilder weisen den Weg zum Parkplatz.

Öffnungszeiten: Mai-Oktober 9.00 - 17.30 Uhr November - April 10.00 - 16.30 Uhr
(0 39 45 4) 42 910
www.dreikronenundehrt.de
Übersichtskarte Landmarke 13
Motiv
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen Georoute rund um die Rübeländer Tropfsteinhöhlen. Auch sachkundige Führungen können vermittelt werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im Regionalverband Harz, Herr DR. STEIGER (03944) 369085 oder T_Steiger@gmx.de). Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!
Motiv
Altbergbau-Pinge „Großer Graben“ ( 5 )
Motiv „....wo der Stein mit Keilhacken ohne einige Mühen losgerissen werden kann“, so ist 1620 in einer Beschwerde der Elbingeröder Bergleute an das Bergamt zu lesen, als sie für ihr „hartes“ Roteisenerz eine höhere Bezahlung forderten als sie für das Erz vom Großen Graben üblich war. Es war weiches Brauneisenerz, ein Verwitterungsprodukt von Pyrit in der Nähe der Tagesoberfläche, entstanden durch Nässe zusammen mit dem Sauerstoff der Luft und begünstigt durch das Wirken von Schwefelbakterien, die Sulfiderze zersetzen. Da das Brauneisen auch noch höhere Gehalte an Mangan besaß, bestand eine große Nachfrage bei den Hütten. Die nächstgelegenen Hütten an der Bode konnten obendrein günstig angefahren werden. Auch lieferte diese Lagerstätte zuverlässiger als andere, da sie kaum Schwierigkeiten mit zusetzenden Wässern hatte, denn die benachbarten, 70 m tiefer liegenden Täler von Bode und Mühlenbach entwässerten auf natürlichem Wege das hangende Kalksteingebirge über die Karst-(Höhlen-)räume und verminderten so den Wasserzutritt in den Tagebau erheblich. Heute liegt eine leicht zugewachsene ovale Vertiefung in der Art einer Napfkuchenform vor, 40 m tief, mit einem braunen Kegel im Zentrum. Die mittige Erhebung ist verwitterte unbauwürdige Keratophyr-Lava. Um zum Geo-Punkt zu gelangen, biegen wir auf der B 27 hinter Elbingerode in Richtung Rübeland unmittelbar vor dem Ortsausgangsschild nach rechts ab und überqueren aufmerksam den schlecht einsehbaren Bahnübergang. Dann folgen wir dem schmalen Weg bis zum oberen Betriebstor zu Füßen des zentralen Fördergerüstes. Hier gibt es eine Parkmöglichkeit, die restlichen 250 m entlang eines kleinen Wäldchens bis zum Aussichtspunkt können wir laufen. Die Pinge ist gesperrt, weil auf ihrem Grund mehrere unverfüllte Schächte eine Gefahr darstellen. Von der Zufahrt hat man einen herrlichen Blick auf Elbingerode, auf Kalksteinbrüche und –halden, das Hohne- Massiv und den Brocken.
Galgenberg ( 6 )
Motiv Östlich von Elbingerode liegt am Weg Deutscher Kaiser und Könige der Galgenberg mit seinen imposanten, das ebene Wiesengelände überragenden Klippen (506 m ü. NN). Devonischer Kalkstein des Harzer Grundgebirges baut diese Klippen auf. Von hier haben wir einen herrlichen Ausblick über einen Teil der Elbingeröder Hochfläche. Mit etwas Glück und scharfem Auge können wir auch herausgewitterte Fossilien der ehemaligen Korallenstöcke erkennen. Der geringmächtige, kalkreiche Boden des Klippenumlandes trägt eine entsprechende artenreiche Vegetation von Gräsern, Kräutern und sogar Orchideen. Südlich erstreckt sich ein Tagebau auf Kalkstein mit mehreren Sohlen. Hier wird, wie auch auf der anderen Seite des Ortes im „Neuen Tagebau“ (Informationspunkt), Kalkstein abgebaut und in den unmittelbar benachbarten Schachtöfen gebrannt. Eine steilstehende, in den Kalkstein eingeschuppte karbonische Schieferscholle fällt durch ihre dunkle Farbe auf. Wahrzeichen der Gegend sind große Unterkornhalden des Kalksteins, auf deren Betreten in jedem Falle verzichtet werden sollte. Auch sind unbedingt die akkustischen Sprengsignale zu beachten. In frühen Zeiten soll sich auf dem Galgenberg eine Thing- und Gerichtsstätte und ab dem 16. Jahrhundert eine Hinrichtungsstätte befunden haben. Heute finden wir hier die Stempelstelle Nr. 38 für die „Harzer Wandernadel“.
Bockberg bei Königshütte ( 7 )
Rabenklippe Fahren wir auf der B 27 von Königshütte in Richtung Mandelholz, so queren wir unmittelbar vor der Eisenbahnbrücke das Teichtal. Dort ragt an der B 27 eine steile Wand empor. Grüne, basische Vulkanite (Schalsteine) des Mitteldevon zeigen hier exemplarisch, wie auf Klüften im Gestein einst die wässrigen, eisenführenden Lösungen durch das Gestein in Richtung Meeresboden nach oben wanderten. Die Klüfte sind in einigen Bereichen, oft auch begleitet von einer Hämatitisierung des Gesteins selbst, mit Hämatiterzen sowie mit Quarz, seltener mit Calcit gefüllt. Im weiteren Verlauf der B 27 stehen nach etwa 300 m am rechten Straßenrand einige kleine Gebäude, in denen wir abgesehen von sehr wenig Fremdgestein fast alle Varietäten derjenigen Schalsteine verbaut finden, die es um Elbingerode herum gibt. Auch die Elbingeröder Kirche ist nur aus Schalstein gebaut.
Von der Königsburg zum Hahnenkopf ( 8 )
Motiv Die Königsburg liegt am Zusammenfluss von Kalter und Warmer Bode oberhalb Königshütte in Richtung Tanne. Gestalterische Elemente des Parkplatzes zu ihren Füßen (N51°45.328’; E010°45.899’) sind große Brocken Kalkstein aus dem Neuen Tagebau Elbingerode. Dieses Gestein ist wegen seiner intensiven Durchsetzung mit grobspätigem Calcit wirtschaftlich unbrauchbar aber dennoch schön anzusehen. Der Turm der Burg aus dem 10. Jh. (Umbau letztmalig im 14. Jh., endgültig aufgegeben im Jahr 1518) und die Mauerruinen bestehen aus Gesteinen der näheren, aber auch weiteren Umgebung: Schiefer, Diabas, Schalstein, Granit, Kalkstein, Grauwacke, Keratophyr, Flinzkalk, Wetzschiefer – nur Roteisenerz scheint zu fehlen. Erstaunlich ist auch, dass ausgesprochen wenig Flussgerölle verbaut sind. Folgen wir linksseitig der abwärts fließenden Bode auf einer fahrzeuggesperrten Betonstraße, so finden wir Gesteine aus dem Liegenden des Elbingeröder Komplexes. Zuerst allerdings treffen wir auf einen Mittelharzer Granitgang, der als Härtling herausgewittert ist. Sein Grenzbereich (Salband) zum Schiefer verläuft unregelmäßig, ist aber deutlich wahrnehmbar. In die unterdevonischen Schiefer sind immer wieder wechselnd mächtige Diabaskörper eingelagert. Sie fallen durch ihre weißen Einsprenglinge von Feldspat in einer dichten Grundmasse auf und sind stets herauspräpariert. So auch der Papenberg nördlich der Überleitungssperre Königshütte, dessen Hangvorsprung mit Klippenbildung unterhalb des einmündenden Bachtales besonders mächtig ist. Diese durch unterschiedliche harte Gesteine bedingte Morphologie bestimmt die Talausbildung bis nach Rübeland. Wir können das Tal entlang der Überleitungssperre bis zur Staumauer erleben. Dort angelangt, folgen wir ca. 500 m weit dem Weg in Richtung Elbingerode, um dann den Wanderweg (Teil der nördlichen Route des Harzer Hexenstiegs bzw. auf dem Weg deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters) Richtung Susenburg und Hahnenkopf einzuschlagen.
Motiv
Susenburg ( 9 )
Motiv Viel wissen wir nicht über Alter und Bedeutung der Susenburg. Vermutlich stammt sie aus der Zeit HEINRICH I. (876-936). Womöglich war es auch nur eine unvollendete 167 m lange und 60 m breite Anlage auf dem von der Bode umflossenen Bergsporn, von dem heute noch sieben Gräben und eine in den Fels gehauene Treppe zeugen. Ein Besuch lohnt wegen des atemberaubenden Ausblicks und der Stille hoch über der Bode dennoch. Eine Bank lädt zum Verweilen ein. Wandern wir danach weiter auf dem Weg deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters in Richtung Rübeland, so queren wir zwischen den Ortsteilen Susenburg und Hahnenkopf die Bode. Alsbald gelangen wir zu einer Halde mit unverwertbarem Material aus einem dahinter liegenden Bruch. Die Betriebsperiode auf diese dunkelblaugrauen Kulmtonschiefer ist in das 18. Jh. zu setzen, letzte Versuche liefen in den Nachkriegsjahren 1946/47. Große Bedeutung scheint dieses Vorkommen aber nicht gehabt zu haben. Am Hahnenkopf liegen die Vulkanite bereits über 800 m tief. Oberhalb der Hermannshöhle Rübeland empfehlen wir einen Abstecher zum Aussichtspavillon „Der Hohe Kleef“, wo unser Titelbild entstand.
Harzköhlerei Stemberghaus ( 10 )
Motiv An der B 81 von Hasselfelde nach Blankenburg liegt unweit von Hasselfelde die Harzköhlerei Stemberghaus. Hier wird wie seit Jahrhunderten in Deutschland üblich noch traditionell in Erdmeilern Holzkohle hergestellt. In früheren Jahrhunderten war Holzkohle unverzichtbar für die örtliche Verhüttung der Eisen- und Buntmetallerze. Heute setzt man dafür Koks ein. Warum Holzkohle in unserer Zeit nicht nur zum Grillen von Fleisch benötigt wird, darüber informiert das kleine angeschlossene Museum. Ebenso erhalten wir einen Eindruck von den schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen der Köhler, Waldarbeiter und Fuhrleute in früherer Zeit. Von Anfang April bis Ende Oktober werden die traditionellen Erdmeiler aufgebaut und abgekohlt. In der Köhlerei werden so jährlich aus Restholz der Forstwirtschaft (Buche und Eiche) etwa 150 t Holzkohle hergestellt. Ein Köhlerweg mit zwölf interessanten Stationen, an denen über die Köhlerei informiert wird, verbindet das Stemberghaus mit Hasselfelde.

Öffnungszeiten: tägl. 10.00 - 18.00 Uhr
(039459 ) 72254
www.harzkoehlerei.de
Erzrevier Hasselfelde„Silber-Marie“ bei Trautenstein ( 11 )
Motiv Im rechtsseitigen Tal der Rappbode zwischen Trautenstein und dem Einlauf in die Vorsperre finden wir nach kaum zehnminütigem Fußmarsch vom Haus des Gastes (Parkplatz) das Stollenmundloch des Stollens "Silber-Marie" (N51°41.426’; E010°47.329’). Eine Tafel vor Ort gibt ausführliche Informationen. Danach begann der Bergbau wahrscheinlich schon Anfang des 11. Jh. In der ersten Hälfte des 18. Jh. trug die Grube den Namen „Herzog Ludwig“, doch mit Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) wurde ihr Betrieb zunächst eingestellt. Unter dem Namen „Silber-Marie“ erfolgte hier erst wieder ab 1873 Erzgewinnung. In der Region um Hasselfelde finden wir viele weitere Zeugen des vergangenen und teilweise recht alten Bergbaus. Die Gründung der Stadt Hasselfelde an der Kreuzung bedeutender Handelswege ist ungefähr in das 9. Jh. zu datieren. Interessant sind Schlackenfunde an verschiedenen Stellen um Hasselfelde, die eine Verhüttung lange vor dem Jahr 1350 vermuten lassen. Zwei unterschiedliche Lagerstättentypen waren Gegenstand der Gewinnung. Zum einen baute man Eisenerze ab. Dies geschah in historischen Zeiten überall auch aus kleinsten Vorkommen. Von diesem Typ sind dort vier Reviere überliefert, die sich heute nur noch an meist zugewachsenen Pingen z. B. am Radeweg (Parkplatz) erkennen lassen: Dellen im Gelände, sonst morphologisch nicht erklärbare Hügel und zum Teil auch mehr oder weniger reichliche Schlackenfunde als Reste einer nicht immer grubennahen Erzverhüttung. Westlich dieses Bergbaus standen dagegen Gangerze in Ausbeute. Von Interesse waren hier sowohl die Metalle Kupfer als auch das in den Bleierzen versteckte edlere Silber, wie eben im Stollen „Silber-Marie“, aber auch im „Nassen Wolf“ und in der Grube „Gertrud“.
Motiv
Druidenstein in Trautenstein ( 12 )
Motiv Unmittelbar an der Kirche in der Ortsmitte von Trautenstein liegt der Druidenstein. Er ist ein imposanter Härtling aus einem Gang feinkörnigen Granitporphyrs der Mittelharzer Gangschar, die sich von Wernigerode bis nach Ilfeld quer durch den Harz ziehen. Eindrucksvoll zeigen sich die steilstehenden Abkühlungsflächen in diesem vulkanischen Gestein. An der Rappbode flussabwärts steht neben einer zu überquerenden Brücke eine fasrig verquarzte, nur wenig typische Einschlüsse führende Grauwacke an. Der ehemalige Steinbruch wurde zu einem kleinen Park umgestaltet. Speziell die Gesteinsbezeichnung "Grauwacke" nahm ihren Weg in die geowissenschaftliche Fachwelt vom Harz aus, denn „Wacke“ ist hier die landläufige Bezeichnung für Steine aller Art.
Talsperrensystem des Bodewerkes Geologischer Informationspunkt Wendefurth ( 13 )
Motiv Die Rappbodetalsperre als Hauptstauwerk des Systems ist mit ihrer 415 m langen und 106 m hohen Mauer ein beeindruckendes Objekt der Wasserbaukunst. Die größte Talsperre Deutschlands erreicht bei Vollstau eine Wasserfläche von 390 ha (Stauvolumen über 109 Mio. m3). Die nach der Schneeschmelze im Brockengebiet und hohen Niederschlägen immer wieder auftretenden Überschwemmungen im Harz und Vorharz brauchen die Bewohner des Gebietes seit 1958 immer seltener zu fürchten. Trinkwasser wird seither von der Rappbodetalsperre bis weit hinein in den mitteldeutschen Raum geliefert. Zum System gehören die Vorsperren von Rappbode und Hassel, die Überleitungssperre bei Königshütte und die Mandelholztalsperre, das Pumpspeicherwerk Wendefurth und die Nachstausperre Wendefurth. An der Staumauer der Wendefurther Talsperre ist ein Informationspunkt des Talsperrenbetriebs eingerichtet. Nach einer Videovorführung über das Talsperrensystem der Rappbode und weitere Talsperren in Sachsen-Anhalt starten von hier aus Führungen durch die Kontrollgänge der Staumauer. Geologisch ist die seitliche Gründung der Mauer im anstehenden Felsen von Interesse. Es handelt sich dabei um Wissenbacher Schiefer des Unterdevons. Auf dem Freigelände unterhalb der Staumauer befindet sich ein geologischer Informationspunkt. Er zeigt modellhaft den Verlauf der verschiedenen Bode-Quellflüsse und stellt das Talsperrensystem dar. Die für die jeweiligen Gebiete typischen Gesteine sind ebenso dokumentiert wie charakteristische Pflanzenarten der Region. Eine Informationstafel gibt Auskunft über den Weg des Wassers durch die Gesteine des Harzes. Der unmittelbare Zugang zu diesem Modell ist vom Parkplatz an der B 81 aus möglich. Führungen Talsperre Wendefurth: April - Oktober Mittwoch 14:00 Uhr, Samstag & Sonntag 10:30 Uhr Talsperrenbetrieb: (03944 ) 942-0 www.talsperren-lsa.de
Motiv
Ausgewählte Hotels
MotivHotel-Restaurant-Café "Grüne Tanne"
Elend
www.mandelholz.de
Tel.: (039454) 460
MotivPension & Gaststätte
„Alte Straßenmeisterei“
Hasselfelde
www.alte-strassenmeisterei.de
Tel.: (039459) 70444
MotivFerienhotel und Reisedienst
„Forelle“ Treseburg
www.forelle-reisen.de
Tel.: (039456) 564 - 0
Motiv
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002 gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der Regionalverband Harz e. V. übernommen. Der Übersichtskarte können Sie die Lage der Landmarke 13 – Rübeländer Tropfsteinhöhlen entnehmen. Wie dieses Faltblatt werden Ihnen auch die Faltblätter für die anderen Landmarken helfen, Ihren nächsten Besuch im Natur- und Geopark Harz zu planen. Fordern Sie fehlende Faltblätter in der Geschäftsstelle des Regionalverbandes Harz e. V. an!
Motiv
Text: Dr. Horst Scheffler Geologisches Blockbild: Dr. M. Thomae, Dr. I. Rappsilber (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: George, Kruse, Linke, Scheffler, Schuhose
Motiv