Landmarke 13
Rübeländer Tropfsteinhöhlen
Rübeländer Tropfsteinhöhlen
Geologie des Gebietes
Im geologisch gut abgegrenzten Raum des Elbingeröder Komplexes
sind rund 400 Millionen Jahre geologischer Entwicklung
manifestiert. Nach der Sedimentation toniger Schlammschichten
im Unterdevonmeer begann vor 380 Millionen
Jahren eine nachhaltige Vulkantätigkeit, die zur Bildung der
Gesteine Keratophyr und Spilit (bergmännisch „Schalstein“)
führte. Die Laven schufen (zwischen Königshütte und
Blankenburg) vier meist submarine Spaltenvulkane. Die Vulkanite
variieren stark, meist sind sie grün, seltener rötlich. Sie
führen eingewalztes Fremdmaterial, sind blasig oder fragmentiert
und auch pseudogeschichtet. Nach der vulkanischen
Hauptphase, im Schaubergwerk Büchenberg (Landmarke )
sichtbar sogar schon embryonal zuvor, erfolgte dann die Bildung
einer der größten (aber qualitativ schlechten) Eisenerzlagerstätten
Deutschlands. Untermeerisch austretende, mineralisierte
Hydrothermen aus den Magmenherden brachten die
verschiedensten Elemente direkt auf den Lavaoberflächen
zum Absatz. Je nach den örtlichen Bedingungen entstanden
so die verschiedensten Eisenminerale: Magnetit, Hämatit, Siderit
und Chlorit, dazu noch wechselnd Quarz und aus dem
Meerwasser Kalkstein. Deshalb ändert sich nicht nur die Zusammensetzung
der Eisenerze, sondern auch ihre räumliche
Erstreckung. Die Erzkörper sind bis zu 30 m mächtig und
manchmal über mehrere hundert Meter lang. Dagegen entstanden
zeitgleich im Mitteldevon kaum weiter als 2.000 m
entfernt chemisch reinste Korallenkalkstein-Sedimente mit bis
zu 600 m Mächtigkeit. Die optimalen Bedingungen dafür
waren die Äquatorlage im Devon und die Kalziumlieferung
aus den Vulkanen. Gleichzeitig sank der Meeresgrund hier
kontinuierlich ab, so dass die Korallen ihre Bauten ständig der
lebensnotwendigen Wassertiefe von maximal 60 m anpassen
mussten. Mitten im Elbingeröder Komplex war auch noch
Schwefel im Angebot der Hydrothermen, so dass als Sondertyp
eine gleichalte Pyritabscheidung stattfand. Im Oberdevon
tauchte dann der ganze Komplex ab, wurde dadurch
landfern und mit Schiefersedimenten zugedeckt. In diese
schalteten sich einzelne Grauwackenlagen ein.
Der nächste Magmatismus lieferte im Perm zwischen Wernigerode
und Ilfeld die Mittelharzer Porphyr-Gänge. Jüngste
geologische Prozesse, gebunden an die Heraushebung als
Harzgebirge, sind die Höhlenbildung (Verkarstung) im Kalkstein
und die Oxidation der Pyritlagerstätte zu Brauneisenerz
(Eiserner Hut).Rübeländer Tropfsteinhöhlen ( 1 )
Nicht ohne Grund würdigte
schon JOHANN WOLFGANG VON
GOETHE (1749-1832) die Schönheit
der Baumannshöhle. Seither
haben beide Rübeländer
Höhlen (Baumanns- und Hermannshöhle)
ihre besondere
Stellung innerhalb des deutschen
Höhlenkatasters auch
widerspruchslos behaupten
können. Wo hat der Besucher
sonst schon die Chance, innerhalb
einer Entfernung von 500 m
zwei grundverschiedene Höhlentypen sehen zu können! Die
Baumannshöhle glänzt durch ihren Tropfsteinschmuck, der
von Deckenzapfen (Stalaktiten) über Bodenzapfen (Stalagmiten)
– zusammengewachsenen Stalagnaten – bis zu
Sinterterrassen reicht. Die Formen der Gebilde, die aus an
Kalziumbikarbonat reichen Niederschlagswässern kristallisieren,
hängen von der unterschiedlichen Wasserzufuhr ab.
Stalaktiten entstehen durch das von der Decke ablaufende
bzw. abtropfende Wasser, die Bodenzapfen dagegen aus den
Aufschlagswässern. Sintergalerien bilden sich, wenn die
Wässer von der Oberfläche her auf längeren Klüften eindringen
können. Die Hermannshöhle ist das Paradebeispiel dafür,
wie sich eine Flusshöhle entwickelt. Man sieht, wie die Hohlraumbildung
von weit reichenden Klüften (Erdbebenrissen)
ausgeht und wie hier in den zusammengewachsenen großen
Räumen Bruchfelder entstehen. Auch ist deutlicher als anderswo
die etappenweise Vertiefung der Höhle mit Schaffung
neuer Räume parallel zur jeweiligen Vertiefung des Bodelaufes
zu erkennen. Beiden Höhlen gemeinsam sind aber der
Tropfsteinschmuck, die niedrigen Temperaturen von ganzjährig
nur 8o C, eine hohe Luftfeuchtigkeit, Tropfnässe, Knochenfunde
prähistorischer Tiere (z. B. Höhlenbär), Schwärmund
Winterquartiere von Fledermäusen sowie Lehmeinschwemmungen.
In der Baumannshöhle gestaltete man einen
2.500 m2 großen Hohlraum zum Goethe-Saal mit dem künstlichen
Wolfgang-See: Ort von Höhlenfestspielen und Hochzeitsfeiern.
In der Hermannshöhle leben, vor vielen Jahren aus
Slowenien importierte, männliche Grottenolme Proteus anguineus
ohne Chance auf Vermehrung. An einer besonderen
Stelle der Hermannshöhle gibt es eine exquisite, weltweit sehr
seltene Sekundärbildung: Aus einem einst stehenden Wasserbecken
kristallisierte ein Rasen von wenigen Millimetern
großen Calciten aus. Die Kalksteinvorkommen der Region
weisen weitere Höhlen auf, von denen aber nur wenige begehbar
sind. Im alten Höhlenportal der Baumannshöhle jedoch
übernachteten – oder lebten zumindest zeitweise – bereits altsteinzeitliche
Menschen.Rübeländer Tropfsteinhöhlen
Öffnungszeiten:
täglich ab 9.00 Uhr, in Vor- und Nachsaison jeweils nur eine Höhle (039454 ) 49132
www.harzer-hoehlen.de
Der Blaue See bei Hüttenrode ( 2 )
Soll der See am Garkenholz bei
Hüttenrode seinem Namen gerecht
werden, so muss man ihn
im Frühjahr besuchen. Er füllt ein
kleines, 50 Jahre altes Tagebaurestloch
im Kalkstein. Niederschlagswässer
mit gelöstem Kalziumbikarbonat
strömen ihm zu,
ein Teil verdunstet und eine geringe
Menge fließt auch ab.
Durch die Verdunstung reichert
sich der gelöste Stoff soweit an,
dass ein sogenannter überkritischer Zustand entsteht. Jeder
Fremdkörper im Wasser wirkt als Kristallisationskeim und
beseitigt das Ungleichgewicht. Auf dem Seeboden setzt sich
Kalkschlamm ab. So wird jegliches Leben im See unmöglich.
Derart „wüstes“ Wasser reflektiert vornehmlich die blauen
Anteile des Lichtes. Mit fortschreitender Jahreszeit reicht der
gelöste Stoffanteil dann nicht mehr aus, alles Fremde
abzusenken – der See wird durch Algenwuchs grün und bleibt
es bis zum Frühjahr. Im abfließenden Rinnsal setzt sich der
Fällungsprozess fort, Blätter und Gräser werden versteinert –
als Vorstufe eines Travertin-Vorkommens. Der Blaue See liegt
in einem um 1886 begonnenen großen Kalkstein-Abbaufeld.
Von dem einstmals hier zum Kalkbrand verwendeten
Ringofen ist nur noch die Ruine zu erahnen. In der Steinbruchwand
im Osten des Geländes zeigt sich eine Doline als
Einsturztrichter oder Karstrinne des Tertiär. Ein Gemenge aus
Tertiärquarziten und Tonschieferbruchstücken in braunem
Lehm gebettet ist eingeschwemmt. Am Fuß des Bruches liegt
an der B 27 ein unbewachter Parkplatz.Marmorbruch Krockstein ( 3 )
An der B 27 zwischen Rübeland und
Hüttenrode nehmen unterhalb des Krocksteins
die bis dahin parallel verlaufende
Straße und die Bode unterschiedliche Wege.
Zwischen den Häusern führt ein schmaler
Pfad bergauf zu den Brüchen und den Abraumhalden.
Der hier seit dem 12. Jh. abgebaute
Marmor ist ein differenziert hämatitisierter,
fossilreicher Kalkstein eines devonischen
Riffatolls und als solcher das zeitliche
Äquivalent der Eisenerzlagerstätten. Die
hohe Zeit des Abbaus datiert zwischen 1715
und 1889. Eine starke tektonische Verschuppung
der Gesteinsfolgen ließ im Prinzip
nur die Fertigung von Dekorationselementen
zu (z. B. im Berliner Dom). Am steilen Wandabbruch
zur Bode ist ebenso Vorsicht zu wahren wie bei der
Visite in den Brüchen. Schon der Blick Richtung Rübeland
über das Bodetal entschädigt für die Mühen des Aufstiegs.
Am Fuße des Krocksteins an der Bushaltestelle beeindruckt
ein exzellenter Aufschluss in einer Kulm-Grauwacke.
Besucherbergwerk„Drei Kronen & Ehrt“ ( 4 )
Nach 101 Jahren Tiefbau verließ am
Barbaratag des Jahres 1990 (4. Dezember)
der letzte Förderwagen die „Grube
Einheit“. Zeitgleich mit der Verwahrung
der Schwefelkiesgrube begann der Ausbau
des Besucherbergwerks „Drei Kronen
& Ehrt“. Die Lagerstätte hatte während
ihrer Betriebsperioden einiges an
Rohstoffen zu bieten. In ihrem ausstreichenden
Verwitterungsbereich (Pinge
„Großer Graben“) reichte es über Jahrhunderte
von Brauneisen- bis zu Manganerzen. Über fast 100
Jahre war dann der Pyrit (Schwefelkies) von alleinigem Interesse.
Er diente als Grundlage für die Schwefelsäure-Industrie und war
das einzige abbauwürdige Pyritvorkommen in der DDR. Die
hohen Gestehungskosten führten mit der Währungsunion 1990
zur Schließung. Eine Besonderheit war die 1982 in geringsten
Mengen angetroffene, fleckig-rot durch Hämatit imprägnierte
grüne Keratophyrlava. Der Rohstein konnte vor der Verwahrung
geborgen werden. Er dient seither unter der Bezeichnung „Harzer
Blutstein“ zur Fertigung von geschliffenen und hochglanzpolierten
unikaten Schmucksteinen aller Art. Ebenso stehen auch
Calcitkristalle und –kristallstufen der Lagerstätte als Souvenir
käuflich zur Verfügung. Vor der Grubenschließung barg man aus
den bekannten Kalksteinschlotten des Tiefenkarsts in abzuwerfenden
Grubenteilen auch die restlichen Exemplare des in Sammlerkreisen
gut bekannten Minerals; aber: Obwohl es eine Pyritgrube
war, Kristalle dieses Minerals traten so gut wie nie in Erscheinung.
Zu besichtigen sind Geologie und Technik in 800 m
(von einst 45.000 m) Grubenstrecke und ein Abbau. Alles ist mit
Bergbaumaschinen letzter DDR-Tage ausgestattet. Jede Maschine
ist funktionstüchtig und wird Besuchern vorgeführt. Ein Zug mit
für den Personentransport umgebauten Hunten bringt uns in den
Berg. Schutzkleidung wird gestellt. Bergbautypische Exponate
auf dem Betriebshof und ein kleines Museum komplettieren die
Ausstellung. Ansehenswert sind die Bandbreiten der Calcitkristalle
und vulkanischen Gesteine aus der Grube „Einheit“. Die
Bergmannsklause bewirtet ihre Gäste und liefert außerdem in einem
warmen, trockenen Untertageraum auf Bestellung ein rustikales,
so genanntes Tscherperessen für Gruppen bis 70 Personen.
Ein bergmännisch drapierter Zugang zum Besucherbergwerk
liegt etwa auf der Mitte zwischen Elbingerode und Rübeland
an der B 27. Hinweisschilder weisen den Weg zum Parkplatz.Öffnungszeiten: Mai-Oktober 9.00 - 17.30 Uhr November - April 10.00 - 16.30 Uhr
(0 39 45 4) 42 910
www.dreikronenundehrt.de
Übersichtskarte Landmarke 13
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen Georoute
rund um die Rübeländer Tropfsteinhöhlen. Auch sachkundige
Führungen können vermittelt werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe
der Geoführer im Regionalverband Harz, Herr DR.
STEIGER (03944) 369085 oder T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung und
interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier vorgestellten
Teil des Natur- und Geoparks Harz!
Altbergbau-Pinge „Großer Graben“ ( 5 )
„....wo der Stein mit Keilhacken ohne einige
Mühen losgerissen werden kann“,
so ist 1620 in einer Beschwerde der Elbingeröder
Bergleute an das Bergamt
zu lesen, als sie für ihr „hartes“ Roteisenerz
eine höhere Bezahlung forderten
als sie für das Erz vom Großen Graben
üblich war. Es war weiches Brauneisenerz,
ein Verwitterungsprodukt von Pyrit
in der Nähe der Tagesoberfläche, entstanden
durch Nässe zusammen mit
dem Sauerstoff der Luft und begünstigt durch das Wirken von
Schwefelbakterien, die Sulfiderze zersetzen. Da das Brauneisen
auch noch höhere Gehalte an Mangan besaß, bestand
eine große Nachfrage bei den Hütten. Die nächstgelegenen
Hütten an der Bode konnten obendrein günstig angefahren
werden. Auch lieferte diese Lagerstätte zuverlässiger als andere,
da sie kaum Schwierigkeiten mit zusetzenden Wässern
hatte, denn die benachbarten, 70 m tiefer liegenden Täler von
Bode und Mühlenbach entwässerten auf natürlichem Wege
das hangende Kalksteingebirge über die Karst-(Höhlen-)räume
und verminderten so den Wasserzutritt in den Tagebau erheblich.
Heute liegt eine leicht zugewachsene ovale Vertiefung in der
Art einer Napfkuchenform vor, 40 m tief, mit einem braunen
Kegel im Zentrum. Die mittige Erhebung ist verwitterte unbauwürdige
Keratophyr-Lava. Um zum Geo-Punkt zu gelangen,
biegen wir auf der B 27 hinter Elbingerode in Richtung
Rübeland unmittelbar vor dem Ortsausgangsschild nach
rechts ab und überqueren aufmerksam den schlecht
einsehbaren Bahnübergang. Dann folgen wir dem schmalen
Weg bis zum oberen Betriebstor zu Füßen des zentralen
Fördergerüstes. Hier gibt es eine Parkmöglichkeit, die
restlichen 250 m entlang eines kleinen Wäldchens bis zum
Aussichtspunkt können wir laufen. Die Pinge ist gesperrt, weil
auf ihrem Grund mehrere unverfüllte Schächte eine Gefahr
darstellen. Von der Zufahrt hat man einen herrlichen Blick auf
Elbingerode, auf Kalksteinbrüche und –halden, das Hohne-
Massiv und den Brocken.Galgenberg ( 6 )
Östlich von Elbingerode liegt
am Weg Deutscher Kaiser und
Könige der Galgenberg mit
seinen imposanten, das ebene
Wiesengelände überragenden
Klippen (506 m ü. NN). Devonischer
Kalkstein des Harzer
Grundgebirges baut diese
Klippen auf. Von hier haben
wir einen herrlichen Ausblick
über einen Teil der Elbingeröder Hochfläche. Mit etwas Glück
und scharfem Auge können wir auch herausgewitterte Fossilien
der ehemaligen Korallenstöcke erkennen. Der geringmächtige,
kalkreiche Boden des Klippenumlandes trägt eine entsprechende
artenreiche Vegetation von Gräsern, Kräutern und
sogar Orchideen. Südlich erstreckt sich ein Tagebau auf Kalkstein
mit mehreren Sohlen. Hier wird, wie auch auf der anderen
Seite des Ortes im „Neuen Tagebau“ (Informationspunkt), Kalkstein
abgebaut und in den unmittelbar benachbarten Schachtöfen
gebrannt. Eine steilstehende, in den Kalkstein eingeschuppte
karbonische Schieferscholle fällt durch ihre dunkle
Farbe auf. Wahrzeichen der Gegend sind große Unterkornhalden
des Kalksteins, auf deren Betreten in jedem Falle
verzichtet werden sollte. Auch sind unbedingt die akkustischen
Sprengsignale zu beachten.
In frühen Zeiten soll sich auf dem Galgenberg eine Thing- und
Gerichtsstätte und ab dem 16. Jahrhundert eine Hinrichtungsstätte
befunden haben. Heute finden wir hier die Stempelstelle
Nr. 38 für die „Harzer Wandernadel“.
Bockberg bei Königshütte ( 7 )
Fahren wir auf der B 27 von
Königshütte in Richtung
Mandelholz, so queren wir
unmittelbar vor der Eisenbahnbrücke
das Teichtal.
Dort ragt an der B 27 eine
steile Wand empor. Grüne,
basische Vulkanite (Schalsteine)
des Mitteldevon zeigen
hier exemplarisch, wie
auf Klüften im Gestein einst
die wässrigen, eisenführenden
Lösungen durch das
Gestein in Richtung Meeresboden
nach oben wanderten.
Die Klüfte sind in einigen Bereichen, oft auch begleitet von
einer Hämatitisierung des Gesteins selbst, mit Hämatiterzen
sowie mit Quarz, seltener mit Calcit gefüllt. Im weiteren Verlauf
der B 27 stehen nach etwa 300 m am rechten Straßenrand
einige kleine Gebäude, in denen wir abgesehen von sehr wenig
Fremdgestein fast alle Varietäten derjenigen Schalsteine
verbaut finden, die es um Elbingerode herum gibt. Auch die
Elbingeröder Kirche ist nur aus Schalstein gebaut.
Von der Königsburg zum Hahnenkopf ( 8 )
Die Königsburg liegt am
Zusammenfluss von Kalter
und Warmer Bode oberhalb
Königshütte in Richtung
Tanne. Gestalterische Elemente
des Parkplatzes zu
ihren Füßen (N51°45.328’;
E010°45.899’) sind große
Brocken Kalkstein aus dem
Neuen Tagebau Elbingerode.
Dieses Gestein ist wegen
seiner intensiven Durchsetzung
mit grobspätigem
Calcit wirtschaftlich unbrauchbar
aber dennoch
schön anzusehen. Der Turm
der Burg aus dem 10. Jh.
(Umbau letztmalig im 14. Jh.,
endgültig aufgegeben im
Jahr 1518) und die Mauerruinen
bestehen aus Gesteinen
der näheren, aber auch
weiteren Umgebung: Schiefer, Diabas, Schalstein, Granit,
Kalkstein, Grauwacke, Keratophyr, Flinzkalk, Wetzschiefer –
nur Roteisenerz scheint zu fehlen. Erstaunlich ist auch, dass
ausgesprochen wenig Flussgerölle verbaut sind. Folgen wir
linksseitig der abwärts fließenden Bode auf einer
fahrzeuggesperrten Betonstraße, so finden wir Gesteine aus
dem Liegenden des Elbingeröder Komplexes. Zuerst allerdings
treffen wir auf einen Mittelharzer Granitgang, der als
Härtling herausgewittert ist. Sein Grenzbereich (Salband)
zum Schiefer verläuft unregelmäßig, ist aber deutlich wahrnehmbar.
In die unterdevonischen Schiefer sind immer
wieder wechselnd mächtige Diabaskörper eingelagert. Sie
fallen durch ihre weißen Einsprenglinge von Feldspat in einer
dichten Grundmasse auf und sind stets herauspräpariert. So
auch der Papenberg nördlich der Überleitungssperre Königshütte,
dessen Hangvorsprung mit Klippenbildung unterhalb
des einmündenden Bachtales besonders mächtig ist. Diese
durch unterschiedliche
harte Gesteine bedingte
Morphologie bestimmt
die Talausbildung bis
nach Rübeland. Wir
können das Tal entlang
der Überleitungssperre
bis zur Staumauer erleben.
Dort angelangt,
folgen wir ca. 500 m
weit dem Weg in Richtung
Elbingerode, um
dann den Wanderweg
(Teil der nördlichen
Route des Harzer Hexenstiegs
bzw. auf dem
Weg deutscher Kaiser
und Könige des Mittelalters)
Richtung Susenburg
und Hahnenkopf
einzuschlagen.
Susenburg ( 9 )
Viel wissen wir nicht über Alter und Bedeutung
der Susenburg. Vermutlich stammt sie
aus der Zeit HEINRICH I. (876-936). Womöglich
war es auch nur eine unvollendete 167 m
lange und 60 m breite Anlage auf dem von
der Bode umflossenen Bergsporn, von dem
heute noch sieben Gräben und eine in den
Fels gehauene Treppe zeugen. Ein Besuch
lohnt wegen des atemberaubenden Ausblicks
und der Stille hoch über der Bode dennoch.
Eine Bank lädt zum Verweilen ein.
Wandern wir danach weiter auf dem Weg
deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters
in Richtung Rübeland, so queren wir zwischen
den Ortsteilen Susenburg und Hahnenkopf
die Bode. Alsbald gelangen wir zu
einer Halde mit unverwertbarem Material aus
einem dahinter liegenden Bruch. Die Betriebsperiode auf diese
dunkelblaugrauen Kulmtonschiefer ist in das 18. Jh. zu setzen,
letzte Versuche liefen in den Nachkriegsjahren 1946/47.
Große Bedeutung scheint dieses Vorkommen aber nicht
gehabt zu haben. Am Hahnenkopf liegen die
Vulkanite bereits über 800 m tief. Oberhalb der
Hermannshöhle Rübeland empfehlen wir einen
Abstecher zum Aussichtspavillon „Der Hohe Kleef“,
wo unser Titelbild entstand.Harzköhlerei Stemberghaus ( 10 )
An der B 81 von Hasselfelde nach
Blankenburg liegt unweit von
Hasselfelde die Harzköhlerei
Stemberghaus. Hier wird wie seit
Jahrhunderten in Deutschland
üblich noch traditionell in Erdmeilern
Holzkohle hergestellt. In
früheren Jahrhunderten war Holzkohle
unverzichtbar für die örtliche
Verhüttung der Eisen- und
Buntmetallerze. Heute setzt man
dafür Koks ein. Warum Holzkohle
in unserer Zeit nicht nur zum
Grillen von Fleisch benötigt wird, darüber informiert das
kleine angeschlossene Museum. Ebenso erhalten wir einen
Eindruck von den schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen
der Köhler, Waldarbeiter und Fuhrleute in früherer
Zeit. Von Anfang April bis Ende Oktober werden die
traditionellen Erdmeiler aufgebaut und abgekohlt. In der
Köhlerei werden so jährlich aus Restholz der Forstwirtschaft
(Buche und Eiche) etwa 150 t Holzkohle hergestellt. Ein
Köhlerweg mit zwölf interessanten Stationen, an denen über
die Köhlerei informiert wird, verbindet das Stemberghaus mit
Hasselfelde.Öffnungszeiten: tägl. 10.00 - 18.00 Uhr
(039459 ) 72254
www.harzkoehlerei.de
Erzrevier Hasselfelde„Silber-Marie“ bei Trautenstein ( 11 )
Im rechtsseitigen Tal der Rappbode zwischen
Trautenstein und dem Einlauf in die Vorsperre finden
wir nach kaum zehnminütigem Fußmarsch
vom Haus des Gastes (Parkplatz) das Stollenmundloch
des Stollens "Silber-Marie" (N51°41.426’;
E010°47.329’). Eine Tafel vor Ort gibt ausführliche
Informationen. Danach begann der Bergbau wahrscheinlich
schon Anfang des 11. Jh. In der ersten
Hälfte des 18. Jh. trug die Grube den Namen „Herzog
Ludwig“, doch mit Beginn des Siebenjährigen
Krieges (1756 - 1763) wurde ihr Betrieb zunächst
eingestellt. Unter dem Namen „Silber-Marie“ erfolgte
hier erst wieder ab 1873 Erzgewinnung.
In der Region um Hasselfelde finden wir viele weitere
Zeugen des vergangenen und teilweise recht
alten Bergbaus. Die Gründung der Stadt Hasselfelde an der
Kreuzung bedeutender Handelswege ist ungefähr in das 9. Jh.
zu datieren. Interessant sind Schlackenfunde an verschiedenen
Stellen um Hasselfelde, die eine Verhüttung lange vor dem Jahr
1350 vermuten lassen. Zwei unterschiedliche Lagerstättentypen
waren Gegenstand der Gewinnung. Zum einen baute man
Eisenerze ab. Dies geschah in historischen Zeiten überall auch
aus kleinsten Vorkommen. Von diesem Typ sind dort vier Reviere
überliefert, die sich heute nur noch an meist zugewachsenen
Pingen z. B. am Radeweg (Parkplatz) erkennen lassen:
Dellen im Gelände, sonst morphologisch nicht erklärbare Hügel
und zum Teil auch mehr oder weniger reichliche Schlackenfunde
als Reste einer nicht immer grubennahen Erzverhüttung.
Westlich dieses Bergbaus standen dagegen Gangerze in Ausbeute.
Von Interesse waren hier sowohl die Metalle Kupfer als
auch das in den Bleierzen versteckte edlere Silber, wie eben im
Stollen „Silber-Marie“, aber auch im „Nassen Wolf“ und in der
Grube „Gertrud“.Druidenstein in Trautenstein ( 12 )
Unmittelbar an der Kirche in der Ortsmitte
von Trautenstein liegt der Druidenstein. Er
ist ein imposanter Härtling aus einem Gang
feinkörnigen Granitporphyrs der Mittelharzer
Gangschar, die sich von Wernigerode
bis nach Ilfeld quer durch den Harz ziehen.
Eindrucksvoll zeigen sich die steilstehenden
Abkühlungsflächen in diesem vulkanischen
Gestein. An der Rappbode flussabwärts
steht neben einer zu überquerenden
Brücke eine fasrig verquarzte, nur wenig
typische Einschlüsse führende Grauwacke an. Der ehemalige
Steinbruch wurde zu einem kleinen Park umgestaltet. Speziell
die Gesteinsbezeichnung "Grauwacke" nahm ihren Weg in
die geowissenschaftliche Fachwelt vom Harz aus, denn „Wacke“
ist hier die landläufige Bezeichnung für Steine aller Art.
Talsperrensystem des Bodewerkes Geologischer Informationspunkt Wendefurth ( 13 )
Die Rappbodetalsperre als Hauptstauwerk des Systems ist mit ihrer 415 m langen und 106 m hohen Mauer ein beeindruckendes Objekt der Wasserbaukunst. Die größte Talsperre Deutschlands erreicht bei Vollstau eine Wasserfläche von 390 ha (Stauvolumen über 109 Mio. m3). Die nach der Schneeschmelze im Brockengebiet und hohen Niederschlägen immer wieder auftretenden Überschwemmungen im Harz und Vorharz brauchen die Bewohner des Gebietes seit 1958 immer seltener zu fürchten. Trinkwasser wird seither von der Rappbodetalsperre bis weit hinein in den mitteldeutschen Raum geliefert. Zum System gehören die Vorsperren von Rappbode und Hassel, die Überleitungssperre bei Königshütte und die Mandelholztalsperre, das Pumpspeicherwerk Wendefurth und die Nachstausperre Wendefurth. An der Staumauer der Wendefurther Talsperre ist ein Informationspunkt des Talsperrenbetriebs eingerichtet. Nach einer Videovorführung über das Talsperrensystem der Rappbode und weitere Talsperren in Sachsen-Anhalt starten von hier aus Führungen durch die Kontrollgänge der Staumauer. Geologisch ist die seitliche Gründung der Mauer im anstehenden Felsen von Interesse. Es handelt sich dabei um Wissenbacher Schiefer des Unterdevons. Auf dem Freigelände unterhalb der Staumauer befindet sich ein geologischer Informationspunkt. Er zeigt modellhaft den Verlauf der verschiedenen Bode-Quellflüsse und stellt das Talsperrensystem dar. Die für die jeweiligen Gebiete typischen Gesteine sind ebenso dokumentiert wie charakteristische Pflanzenarten der Region. Eine Informationstafel gibt Auskunft über den Weg des Wassers durch die Gesteine des Harzes. Der unmittelbare Zugang zu diesem Modell ist vom Parkplatz an der B 81 aus möglich.
Führungen Talsperre Wendefurth: April - Oktober
Mittwoch 14:00 Uhr, Samstag & Sonntag 10:30 Uhr
Talsperrenbetrieb: (03944 ) 942-0
www.talsperren-lsa.de
Ausgewählte Hotels
Hotel-Restaurant-Café "Grüne Tanne"Elend
www.mandelholz.de
Tel.: (039454) 460
Pension & Gaststätte„Alte Straßenmeisterei“
Hasselfelde
www.alte-strassenmeisterei.de
Tel.: (039459) 70444
Ferienhotel und Reisedienst„Forelle“ Treseburg
www.forelle-reisen.de
Tel.: (039456) 564 - 0
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde
2002 gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz
hat der Regionalverband Harz e. V. übernommen. Der Übersichtskarte
können Sie die Lage der Landmarke 13 – Rübeländer
Tropfsteinhöhlen entnehmen. Wie dieses Faltblatt
werden Ihnen auch die Faltblätter für die anderen Landmarken
helfen, Ihren nächsten Besuch im Natur- und Geopark
Harz zu planen. Fordern Sie fehlende Faltblätter in der Geschäftsstelle
des Regionalverbandes Harz e. V. an!
Text: Dr. Horst Scheffler Geologisches Blockbild: Dr. M. Thomae, Dr. I. Rappsilber (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
Fotos: George, Kruse, Linke, Scheffler, Schuhose
Fotos: George, Kruse, Linke, Scheffler, Schuhose