Landmarke 11
Alte Burg
Osterode am Harz
Alte Burg
Osterode am Harz
Alte Burg und Harzkornmagazin
Osterode am Harz ( 1 )
Osterode am Harz ( 1 )
Inmitten des städtischen
Friedhofs finden wir die
Ruine der Burg, die namensgebend
für die Landmarke 11
ist. Ursprünglich diente die
„Alte Burg“ der Sicherung der
Harzstraße, des Übergangs
über das Flüsschen Söse und
der Siedlung. Die Ministerialen
der welfischen Herzöge
von Braunschweig hatten
hier ihren Sitz. 1512 war die
Burg nicht mehr bewohnt; sie ist wohl wegen drohenden Einsturzes
infolge nach gebenden Baugrunds aufgegeben worden.
Der erhaltene Halbzylinder des romanischen Wohnturms gehört
mit einem unteren Durchmesser von 14,5 m und einer verbliebenen
Höhe von 35 m zu den größten Bergfrieden Mitteleuropas.
Errichtet aus Sösekieseln (überwiegend großen Quarzitgeröllen),
die durch grobstückigen Gipsbeton zusammengehalten werden,
steht die Alte Burgbau- und territorialgeschichtlich inmitten
der Tradition vieler Burgen des Hochmittelalters um den
Harz. Der Gips wurde aus den "Kalk"-Bergen entnommen. Die
hohe bautechnische Qualität dieses lokaltypischen Baustoffs
hat die Ruine überdauern lassen. Von den anderen Burggebäuden
sind heute nur Grundmauern erhalten. Die Ruine war durch
Verwitterung zunehmend gefährdet und ist in den 1990er
Jahren mit als Restaurierungsmörtel nachgemischtem Gipsmörtel
zur Wahrung der Materialidentität gesichert worden.
Ganz in der Nähe entstand 1719-1722 ein Kornspeicher zur
Versorgung der Harzer Bergknappen. Dieses „Harzkornmagazin“
fasste auf seinen Böden 2.000 t Getreide. Auf einem mächtigen
Sockelgeschoß aus überwiegend heimischem Quarzitgestein
ruht ein gewaltiges Eichenfachwerk. Der als Mörtel
genutzte Gips wurde seinerzeit auf der Baustelle gebrannt.
Harzer Schiefer aus Elbingerode bedeckt das Dach. Verwendung
fanden Ziegel der ehemaligen Ziegelei Düna, für die Grauer
Salzton gewonnen wurde. Das prächtige Giebeldreieck, die
Fensterlaibungen und Gesimse sind mit Buntsandstein aus
Estorf (Stolzenau) gefertigt. Über dem Portal steht in goldenen
Lettern: „Utilitate Hercyniae“ (Dem Harze zu Nutzen). Größte
Bedeutung für die Getreidelagerung hatte der aktive und passive
Schutz vor Mäusen.
Tourist-Information Osterode am HarzEisenbahnstraße 1
37520 Osterode am Harz
touristinfo@osterode.de
www.osterode.de
Tel. 05522 / 318 - 333
Fax 05522 / 318 - 336
Stadtmauer Osterode am Harz
und Museum im Ritterhaus ( 2 )
und Museum im Ritterhaus ( 2 )
Die 1233 erstmals
urkundlich erwähnte
Stadtmauer wurde aus
grob zugehauenen
großen Flussgeröllen
der Söse, vornehmlich
unter karbonischen
Quarziten des Acker-
Bruchberges errichtet.
Bindemittel ist der bei
Osterode allgegenwärtige
Gips, der an Ort
und Stelle gebrannt
wurde. 1548 wurde
erstmals eine „Rathskalkmühle“ erwähnt.
Im Jahr 1994 begann eine Arbeitsgruppe
um W. BINNEWIES aus Förste,
unter Mitwirkung der Universitäten
Göttingen und Clausthal sowie von
Gipsfirmen, Versuche mit einem Gipsbrennofen nach mittelalterlichen Überlieferungen.
Nachdem zwei Versuchsbrände 1995 kein befriedigendes
Ergebnis zeigten, konnte 1996 ein
Gipsmörtel gewonnen werden, der
dank seiner hohen Festigkeitswerte zur Restauration der
Osteroder Stadtmauer eingesetzt wurde.
Nur wenige Schritte vom restaurierten Teil der Stadtmauer
ent fernt gelangen wir zu einem
bedeutenden Gebäude, das seinen
Namen „Ritterhaus“ einer
Holzfigur am Eckständer des
Fachwerks verdankt. Es beherbergt
ein Museum, welches unter
an derem die Ausstellungen "Geologie des Harzes und seines Vorlandes",
"Gips" sowie "Ur- und
Frühgeschichte" zeigt. Von den
ältesten Fossilien der Silurzeit bis
zu Großsäugern des Eiszeitalters
wer den Knochen, Zähne und
ganze Schädel ausgestellt. Eine
Vitrine widmet sich der Einhornhöhle
bei Scharzfeld (Landmarke
5). Die zahlreichen Erzlagerstätten
und Steinbruch betriebe
des Südharzes lieferten skurrile
und formschöne Erze und Mineralstufen. Die Anschauungsobjekte
mit der Beschreibung im
Museum können mit den Fundorten im Gelände vernetzt
werden.


Führungen nach Vereinbarung: (05522) 919793.
www.museum.osterode.de
Öffnungszeiten:
Di - Fr: 10.00 - 13.00 u. 14.00 - 17.00 Uhr
Sa & So: 14.00 - 17.00 Uhr
Momentaufnahme einer Meeresüberflutung Fuchshalle in Osterode am Harz ( 3 )
Geologische Situation: Ausschnitt ca. 5m1 = gefalteter und gestörter unterkarbonischer Kieselschiefer
2 = Zechstein - Konglomerat
3 = Kupferschiefer
4 = Zechsteinkalk
(Zeichnung: Nielbock)
Der Steinbruch Fuchshalle
liegt im Stadtgebiet von
Osterode östlich des
Fuchshaller Weges (Richtung
Altes Krankenhaus)
und ist frei zugänglich.
Das Harzgebiet, im Karbon
zu einem Gebirge aufgefaltet,
war zu Beginn der
Permzeit Festland. Die
Gebirgsketten wurden in
der ersten Phase der
Permzeit, dem Rotliegenden,
weitgehend abgetragen
und es bildeten sich
weite Verebnungsbecken.
Vor ca. 258 Mio. Jahren
rückte dann von Norden
ein Meer vor und überflutete
die weitläufigen Senken. In der heutigen Südharzregion
traf dieses „Zechsteinmeer“ auf Untiefen und Schwellen. Die
neu entstehenden Ablagerungsschichten legten sich flach
auf das alte Faltengebirge. Diese Momentaufnahme einer
Meeresüberflutung, eingefangen und über Jahrmillionen
konserviert, wird für uns heute neben ähnlichen Aufschlüssen
in der Umgebung Osterodes gerade im Steinbruch Fuchshalle
exemplarisch anschaulich sichtbar.
Direkt auf den verfalteten und von tektonischen Störungen
durchsetzten Schichten der Devon- und Karbonzeit zeigt
uns ein Aufarbeitungshorizont, das Zechstein-Konglomerat,
die Kraft des schnell anbrandenden Wassers. Darüber befindet
sich der fossilreiche Kupferschiefer mit seinen
Jahrtausende lang begehrten Erzen. Es schließt sich aufliegend
ein dolomitischer Zechsteinkalk an. Innerhalb einer
Handspanne berichten diese unterschiedlichen Gesteine von
der Entstehung und den unterschiedlichen Phasen eines
Meeres der Permzeit.
Diabas und Eisenstein Freilichtmuseum und Eisensteinlehrpfad Lerbach ( 4 )
Lerbach blickt auf Zeugnisse langer Bergbaugeschichte
zurück. Etwa 2 Mio. Tonnen Eisenstein wurden hier von 1530
bis 1887 abgebaut, weitere 3 Mio. werden noch im Boden
vermutet. Das Hotel Sauerbrey ist Ausgangspunkt der
Wanderung, denn wenige Schritte oberhalb weist ein Schild
zum Freilichtmuseum. Ein etwa zweistündiger angenehmer
Wanderweg führt zu den historischen Stollen, Schächten und
Hüttenplätzen. Die größten Erzlager mit bis zu 20 m Gangmächtigkeit
hießen "Weintraube", "Blauer Busch" und
"Juliuszeche". Die Gruben sind heute Trinkwasserspeicher.
Die Lerbacher Eisenerzgänge enthalten dichten Roteisenstein.
„Roten Stein“ nannten die Bergleute die an Kieselsäure gebundenen schwer zu verhüttenden
Eisenerze; die an Kalk
gebundenen hießen „Blauer
Stein“ - sie waren in den
Hütten begehrter. Die Erze
sind Teil des „Oberharzer
Diabas zuges“, einer geologischen
Struktur, die sich
von Osterode auf 25 km
über Altenau bis Bad Harzburg
zieht. Sie umfaßt stark
gefaltete, z.T. steil stehende
Meeres ablagerungen des
Devon bis zum unteren
Karbon. Die Verformung geht auf die Lage des Diabaszuges
zwischen den mächtigen harten Grauwacken der Sösemulde
und ebensolchen der Clausthaler Kulmfaltenzone während
des Zusammenschubes der ursprünglich nebeneinanderliegenden
Meeresbecken bei der Harzfaltung im Karbon
zurück.
Die Heimatstube Lerbach hat viele historische Plätze und
Gebäude im Ortsamt der 1789 erbauten Königlich-Kurfürstlich-
Braunschweig-Lüneburgischen Eisenhütte kenntlich gemacht.
Der Eisensteinlehrpfad und das Freigelände sind jederzeit frei
zu besichtigen.Führungen auf Anfrage: (05522) 7 45 97
Grauwacke Rund um die Sösetalsperre ( 5 )
Mächtige Folgen miteinander abwechselnder
Tonschiefer und Grauwacken
sowie Konglomerate des unteren Karbons
bauen die Sösemulde auf. In dieser geologischen
Struktur liegt das heutige
Sösetal und die 1931 fertiggestellte
Sösetalsperre. Vom Wasserwerk am Fuße
des Dammes führt seit 1934 eine
Fernleitung nach Bremen und eine jüngere
Trinkwasserleitung nach Göttingen.
400 m südöstlich der Dammkrone findet
sich ein alter Steinbruch. Abgebaut wurden
zur Gewinnung der Schüttmassen für
die Talsperre Grauwacken und deren gröbere
Variante, das Sösekonglomerat, ein
aus älteren Schottern aufgebautes
Gestein. Daraus isolierte Kalkgerölle mit
Mikrofossilien weisen auf die mitteldeutsche
Hauptschwelle, ein älteres rhenohercynisches
Liefergebiet hin und enthalten
Gerölle des mittleren Devons bis unteren
Karbons. Sie sind Zeugnisse lang anhaltender
Umlagerungs- und früher Gebirgsbildungsprozesse
im Erdaltertum.

Klippen und Blockschutt Das Allertal bei Riefensbeek- Kamschlacken ( 6 )
Unsere Tour beginnt am Landhaus Meyer
in Riefensbeek. Ein Wanderweg führt von
Riefensbeek über Ackerblick und
Hühnenkopf entlang des Nationalparks
zum Freibad Kamschlacken. Eindrucksvolle
Zeugen der jüngsten geologischen
Vergangenheit sind die Felsklippen und
Blockschutthalden östlich Kamschlackens.
Vom Freibad in knapp 400 m Höhe aus
lassen sich Aller- und Wolfsklippen,
Siebenwochen- und Ifenklippen zu einer
Rundwanderung auf bis zu 690 m Höhe
verbinden. An den westlichen Hängen des Höhenzuges „Auf
dem Acker“ (geologisch: Acker-Bruchberg-Zug), liegt die
Nahtzone zwischen dessen mächtigen und harten
Quarzitgesteinen und den weicheren Gesteinen der untersten
Schichtglieder der angrenzenden Sösemulde mit ihren teilweise
oberdevonischen Tonschiefern, fossilführenden
Kalklinsen sowie Diabas- und Kieselschiefereinlagerungen.
Die hohe Reliefintensität geht auch auf diese Gesteinsunterschiede
zurück. Während des eiszeitlichen Dauer bodenfrostes
bildeten harte Grauwacken- und Quarzitschichten
hohe steile Klippen aus, an deren Unterhängen sich durch
Frostsprengung in Blockgröße ihr herabstürzendes und allmählich
zu Tale kriechendes Gestein ansammelte.
Burgen, Gips und Stollen Pipinsburg und Osteroder Kalkberge ( 7 )
Hoch auf den Gipsfelsen
und direkt über der Söse
thronte einstmals die
Pipinsburg. Die ehemaligen
Befestigungsanlagen der
Pipinsburg sind heute nur
noch als grasbewachsene
Wälle kenntlich. Die erste
urkundliche Erwähnung der
Burg stammt aus dem Jahr
1134. Bereits 1365 wurde
sie zerstört. Zu den Funden
und Befunden archäologischer
Grabungen gehören Keramik, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände
aus der Bronzezeit, der Eisenzeit und dem
Mittelalter. Die Höhenfestung sicherte vornehmlich die
Handelswege und das Berg- und Hüttenwesen am Harzrand.
Zu erreichen ist die Pipinsburg von Katzenstein im Sösetal.
Von dort führt der stark verwachsene alte Hohlweg auf die
Hochfläche der Osteroder Kalkberge. Auf den dortigen
Feldwegen lassen sich mit eindrucksvollen Fernblicken die
Kalkberge zwischen Osterode und Badenhausen erwandern.
Diese Osteroder „Kalk“-berge bestehen aus Gips! Früher
unterschied man nur zwischen kohlensaurem Kalk, dem
Karbonat, und dem schwefelsauren „Kalk“, also dem Gips!
Kalk war ein Sammelbegriff und hat sich als örtliche
Bezeichnung erhalten. Dem bis zu 80 m hohen Steilwandvorkommen
hochwertiger Gipssteine, erdgeschichtlich mit
257 Mio. Jahren dem Werraanhydrit als ältester Serie des
Zechsteins zuzuordnen, verdankt Osterode eine alte Tradition
in der Gipsverarbeitung; noch heute ist ein Verarbeitungsbetrieb
in der historischen Osteroder Rathsmühle ansässig.
Die abgebauten Gipsrohsteine werden von den hiesigen
Firmen vornehmlich zu Baugipsen verarbeitet, finden aber
auch Verwendung z. B. in der Lebensmittel- und Dentalindustrie.
Im unteren Bereich gehen die Gipssteine (CaSO4 x
2 H2O) in den wasserfreien Anhydrit (CaSO4) über, der ebenfalls
für die Bau- und Zementindustrie gewonnen wird. Die
von weitem noch sichtbaren großen Stollenmundlöcher zeugen
davon, dass der kompakte Anhydrit auch im Untertagebau
gewonnen wurde. 1944 war hier eine unterirdische Erdölraffinerie
im Bau, wozu Häftlinge des Außenlagers „Dachs IV“
des KZ Mittelbau-Dora eingesetzt waren.
Eine weitere markante Befestigungsanlage stellte am Nordende
der Osteroder Kalkberge die „Hindenburg“ bei Badenhausen
dar, die im 12. Jahrhundert auf dem nördlichsten
Ausläufer des Pagenberges gebaut wurde. Die Burgruine,
dessen Bergfried, ein Caminata-Bau, ihr wohl beeindruckendstes
Merkmal gewesen sein mag, erhebt sich ca. 30 m über
der Söse. Der Pagenberg, zu dem auch das geowissenschaftliche
Naturdenkmal „Königstein“ gehört, besteht aus Dolomit
(„Magnesiumkalk“) und ist geologisch dem sogenannten
„Stinkdolomit“ zuzuordnen, dessen erdgeschichtliches Alter
vor etwa 257 Mio. Jahren anzusiedeln ist. Ursprünglich entstanden
ist der Königstein aus Korallen als Riffbildung im
Zechsteinmeer unter tropisch warmen Bedingungen.
An der Nahtlinie zwischen Gebirge und Vorland Teufelsbäder ( 8 )
Besonders deutlich ist bei
Osterode die Harzrandsenke ausgebildet.
Der Gips ist im Untergrund stark in Auflösung begriffen,
es gibt aktive Senkungsgebiete. Ein solches sind die
Teufelsbäder, erreichbar über die
B 243 Abfahrt Leege und den
Karstwanderweg. Über tief abgesenkten
Flußkiesen liegen z.T.
fast 100 m mächtige moorige
Ablagerungen. Gespeist wird die wassergefüllte Senke durch
das „Teufelsloch“, eine starke Karstquelle. Großes und Kleines
Teufelsbad sind durch Dämme entstandene und heute verlandende
Fischgewässer. Die Teiche und Sumpfgebiete bilden
wertvolle Biotope. Viele Vogelarten nisten in den Röhrichtzonen
des Naturschutzgebietes. Die Teufelsbäder sind ein schönes,
übersichtliches Wandergebiet.
Jede Kältephase des Eiszeitalters hat ihre eigene Schuttfracht
aus dem Harz im Sösetal abgelagert, man bezeichnet sie als
Terrassenkiese. Deren jüngste, die Niederterrasse, wurde noch
vor 10 Jahren zwischen Eisdorf und Förste aus einem Kiesteich
abgebaut. Deren Älteste, die Oberterrasse, reicht hoch hinauf
in die Harzrandlagen am Acker-Bruchberg. Von hier zieht eine
solche Kiesablagerung bis in die Senke der Teufelsbäder und
nach Süden in das Tal der Kleinen Steinau zum Einzugsgebiet
der Sieber hinab. Es hat also eine Zeit gegeben, da die Söse
ihren Unterlauf (auch) im unteren Siebertal fand. Es gibt viele
solche Beispiele, die zeigen, wie sich Talverläufe und
Entwässerungsmuster des niederschlagsreichen Harzes innerhalb
des Eiszeitalters mehrfach verlagert haben.
Alle Phänomene auf kleinstem Raum Gipskarstlandschaft Hainholz-Beierstein ( 9 )
Gut ausgebaute Wanderwege mit Erläuterungstafeln erschließen das Hainholz-Beierstein-
Gebiet. Das Naturschutzgebiet gehört zu
den berühmtesten Ausschnitten der Südharzer
Gipskarstlandschaft. Die Wege lassen sich zu
kürzeren oder bis vierstündigen Rundwegen
verbinden und schließen nach West und Ost
an den Karstwanderweg Südharz an. Zentraler
Startpunkt ist der Parkplatz südwestlich von
Düna. Der Untergrund wird von zechsteinzeitlichen
Dolomit- und Tongesteinen, im Wald
von Gipsgesteinen des Hauptanhydrits und –
im Anstieg weiter südlich – vom roten unteren
Buntsandstein eingenommen. Hier kommen
viele Phänomene dieses Landschaftstypus auf
engstem Raume gut sichtbar vor: 30 Laug- und Gerinnehöhlen,
da runter die Jettenhöhle, Hunderte von Erdfällen und Dolinen,
Bachschwinden (am Beierstein verschwindendes Bachwasser
tritt in den Quellen von Förste wieder zu Tage; im Hainholz
versinkendes Wasser in der Rhumequelle) und Karstquellen, Karstteiche, Schlotten und Karrenfelder mit eiszeitlichen
Nashorn- und altsteinzeitlichen Werkzeugfunden, Karstkuppen
und Karstgrundwasser, Estavelle, Dachsbauten,
Halbtrockenrasen, Wüstungen, Höhlensiedlungen oder gar
Kultstätten. Bewaldet ist das Hainholz seit der letzten Eiszeit;
nie gerodet, hat dieser Wald die Fülle der Pflanzen- und
Tierarten Südharzer Kalkbuchen wälder bewahren können.
Weil man hier lange Zeit um Schutz oder rohstoffliche
Nutzung des Gipses rang, ist über kaum ein anderes Gebiet
so viel geforscht und publiziert worden.
Höhlen und Schlotten - Schatzgruben der Ur- und Frühgeschichte Der Lichtenstein ( 10 )
Zwischen Dorste und Förste
erhebt sich am Südostrande
des Sösetals der weithin sichtbare
Lichtenstein. Nach
Westen wird das Gipsgebiet
durch den Harzwestabbruch
begrenzt. Imposante Erdfälle
und Dolinen, aber auch die für
den Gipskarst typische Flora
und Fauna prägen heute das
Erscheinungsbild des Naturschutzgebietes, das durch
den Karstwanderweg für den
Besucher erschlossen und von
der B 241 zwischen Osterode
und Dorste zu erreichen ist.
Für die frühe Weichselkaltzeit (vor 50.000
Jahren) ist am Lichtenstein durch
Fossilfunde eine reiche Großsäugerfauna nachgewiesen. 1961
entdeckte man in einer Doline im heutigen Steinbruch zahlreiche
Skelettreste u.a. von Bison, Wollnashorn, Pferd, Höhlenlöwe
und Riesenhirsch; sie sind im Osteroder Museum ausgestellt.
Der Göttinger Anatom J. F. BLUMENBACH (1752-1840) lieferte für
die Stammesgeschichte der Tiere neue und brauchbare
Ordnungssysteme und wurde so zum deutschen Begründer
wissenschaftlicher Säugetier paläontologie. Es waren vor allem
die Hainholz-Funde von 1750 sowie die nördlich Ührde zuletzt
1808 entdeckten eiszeitlichen Großsäuger (Mammut,
Wollhaarnashorn und andere kälteliebende Großsäuger), die
BLUMENBACH zu der noch heute gültigen Erkenntnis gelangen
ließen, dass in geologischer Vergangenheit Tiere, die heute in
anderen geographischen Breiten und
Klimataleben, auch in hiesigen Gefilden
beheimatet waren. Auch aus kulturgeschichtlicher Sicht ist
der Lichtenstein einen Besuch wert. Auf
der Kuppe befindet sich die Ruine der
mittelalterlichen Burg Lichtenstein. Ein
gut erhaltener Burggraben mit Wallanlage
und Reste des überwiegend aus
Gipsblöcken aufgeführten Mauerwerkes
der Wehrmauer können besichtigt werden.
Die nur schwer durchlässige Kuppe aus unterem
Buntsandstein leitet das Niederschlagswasser an ihren Flanken
ab. An ihrem Rande trifft dies auf die den Buntsandstein unterlagernden
löslichen Gipsschichten und erzeugt hier imposante
Erdfälle als Lösungs- und Einsturzdolinen. Von überregionaler Bedeutung ist die am Nordwesthang gelegene
115 m lange Lichtensteinhöhle. 1980 entdeckte man in
dieser fossilen Quellaufstiegsspalte im Gipsgestein eine vollkommen
unversehrte, mehr als 2.700 Jahre alte Kult- und
Begräbnisstätte aus der jüngeren Bronzezeit mit den Resten
von 39 Menschen. Neben dem Nachweis umfangreicher
Kulthandlungen gelang es hier weltweit erstmalig, anhand
genetischer Fingerabdrücke verwandtschaftliche Beziehungen
innerhalb einer größeren bronzezeitlichen Menschengruppe
nachzuweisen. Der Stammbaum ließ sich über mehrere
Generationen hinweg rekonstruieren.
Die Wirkungen des Wassers Quellregion Förste ( 11 )
35 Quellen „durchnässen“ Förste;
ein Bach heißt noch heute die
„Salza“. Der Name und die historisch
offenbar größere Bedeutung
der sehr alten Siedlung mit ihrer
Nähe zur Pipinsburg und Lichtensteinhöhle
läßt mittelalterliche
oder noch frühere Salzgewinnung
vermuten. Vor 1910 war das
Sösetal fast jedes Frühjahr überschwemmt,
dann begradigte man
die zuvor stark mäandrierend
fließende Söse. Ab 1931 übernahm
dann die Sösetalsperre
sehr erfolgreich den Hochwasserschutz. Förste liegt auf
einer geologischen Schwächezone. Die unter eiszeitlichem
Schotter des Sösetals liegenden Gesteine sind hier durch
den Harzwestabbruch um rund 1.000 m gegeneinander
verworfen worden. Von beiden Seiten dieser Störungszone
steigt Wasser auf: salzbeladenes Tiefenwasser aus nördlicher
und westlicher Richtung sowie sulfat- und
karbonatbeladenes oberflächennäheres Karstgrundwasser von Osten und Süden. Seit den
1960er Jahren wird das Quellvorkommen genutzt,
davon die chloridischen Wässer zu Heilzwecken.
Karstwanderweg Südharz
Von Förste im Westen bis Pölsfeld (Landmarke 12 ) im Osten
erschließt der Karstwanderweg die einzigartige Gipskarstlandschaft in den Landkreisen Osterode, Nordhausen und
Mansfeld-Südharz. Im Kreis Osterode bestehen zwei parallele
Karstwanderwege. Am Förster Mühlteich 11 und der dortigen
Mineralwasserfabrik beginnt von Westen her der Karstwanderweg
Südharz, hier der südliche Ast. Der nördliche Ast
beginnt an der Sösebrücke unterhalb der Pipinsburg 7 .
Ausgewählte Wanderempfehlungen enthält der multimediale
Führer zum Karstwanderweg, der im Buchhandel oder bei
den Tourist-Infos erhältlich ist. Der Förderverein Deutsches
Gipsmuseum und Karstwanderweg richtet Veranstaltungen,
insbesondere die geführten Sonntagswanderungen, aus.
Weitere Informationen: www.karstwanderweg.de
Weitere Informationen: www.karstwanderweg.de
Geologische Entwicklung des Gebietes
Seit dem Devon bis vor 300 Mio. Jahren war die Region überflutet,
zeitweise sogar Tiefseegebiet. Im Devon und frühen Karbon entstanden
mächtige teilweise fossilführende Meeresablagerungen:
Kalk- oder Sandsteine, Kieselschiefer aus Kieselsäureskeletten von
Einzellern, Tonschiefer und Grauwacken. Die Diabase des
"Oberharzer Diabaszuges" bei Lerbach
sind Laven untermeerischer
Vulkane.
In Verbindung mit
ihnen entstanden
Roteisensteinlager.
Zu Beginn des Oberkarbons
setzte in
Europa die "Variskische
Gebirgsbildung"
ein. Dabei
entstanden Erzlagerstätten
in Klüften
und Spalten. Das
Gebiet des Harzes
war intensiv aufgefaltet
und fiel dann
trocken. Noch während
des Oberkarbons und zu Beginn der Permzeit wurde dieses
Gebirge weitgehend abgetragen. Der rötliche Abtragungsschutt -
daher der Name Rotliegendes für diese Zeitstufe - sammelte sich in
weiten Becken am Rande des Rumpfgebirges. Vor 258 Mio. Jahren
wurde Mitteleuropa dann erneut überflutet. Die Ablagerungsschichten
dieses "Zechstein-Meeres", die sich über 100 km am Südharzrand
entlangziehen, legten sich flach auf die gefalteten Schichten des
Rumpfgebirges. Bei Osterode veranschaulichen geologische
Aufschlüsse dies quasi als Momentaufnahme der Erdgeschichte.
Die neuen Meeresablagerungen begannen mit dem
Zechsteinkonglomerat, einem alten Brandungsgeröll. Es folgt als
Kupferschiefer ein Faulschlamm am Boden eines stagnierenden
Teilmeeres. Dann kam es zu wiederkehrenden Ablagerungen von
Kalken bzw. Dolomiten, Tonsteinen, Gipsen und Salzen. Es sind
überwiegend chemische Absatzgesteine, die unter extremen
Klimabedingungen durch Eindampfen des Meerwassers entstanden
sind, in einem Klima wie heute am Roten Meer. Dieses heiße
Klima entspricht der geographischen Breite Westafrikas, wo unser
Raum damals lag. Die Verlagerung in die heutige nördliche Position
sowie die Entstehung des Atlantiks geht auf die Verschiebung der
Kontinentalplatten zurück; eine bereits 1912 von ALFRED WEGENER
entwickelte und vielfach bestätigte Lehre. In der nachfolgenden
Trias- und Jurazeit war der Harz erneut Meeres gebiet. Die Ablagerungen
der Formationen wurden seit ca. 100 Mio. Jahren nach und
nach abgetragen. Relikte des Erdmittelalters (Trias, Jura, Kreide)
gibt es im Gebiet des Harzes nicht mehr; sie stehen allerdings im
Vorharz an. Seit dem Tertiär vor 65 Mio. Jahren wird der Harzraum
erneut angehoben, dies förderte die Abtragung. Die Kaltphasen
des nachfolgenden Quartärs beschleunigten die Erosion. Die Täler
wurden tiefergelegt und ihre Abtragungsmaterialien liegen heute
als Flußkiese im Sösebett vor. Die Gipsberge von Osterode bis
Badenhausen bilden seither eine markante Geländestufe. Das
Gebiet ist verkarstet, denn Gips ist ein wasserlösliches Mineral und
bildet Hohlformen, z. B. Höhlen und Erdfälle, sowie eine unterirdische
Entwässerung. Die noch heute sichtbaren Karsterscheinungen
entstanden in der allerjüngsten Zeit, dem Holozän.
Ausgewählte Informationsstellen, Einkehr- und
Übernachtungsmöglichkeiten
Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel „Sauerbrey“Osterode-Lerbach
www.hotel-sauerbrey.de
Tel.: (05522) 50930
Hotel „Zum Röddenberg“Osterode
www.hotel-roeddenberg.com
Tel.: (05522) 90540
Hotel „Landhaus Meyer“Osterode-Riefensbeek
www.hotel-landhaus-meyer.de
Tel.: (05522) 3837
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um Osterode am Harz. Auch sachkundige
Führungen können vermittelt werden:
wanderungen@karstwanderweg.de
Autoren: Dr. G. Dehne, Dr. St. Flindt, Dr. R. Nielbock, Dipl.-Geol. F. Vladi
Fotos: Eichberger, George, Nielbock, Vladi
Fotos: Eichberger, George, Nielbock, Vladi