Landmarke 10 Auerberg
Oberes Selketal
Oberes Selketal
Harzgrundgebirge Der Auerberg bei Stolberg ( 1 )
Über die Schichtserien
der Harzgeröder Zone
erhebt sich bei Stolberg
der Auerberg-Porphyrkegel.
Vom Parkplatz des
Naturresorts Schindelbruch
aus ist es nur ein
1 km kurzer Aufstieg
hinauf auf den Großen
Auerberg (579 m ü. NN)
mit dem 38 m hohen
Josephskreuz.
Der Aussichtsturm ist
das größte Doppelkreuz
der Welt. Dort, wo sich
bereits im 17. Jh. ein
Aussichtsturm befand,
ließ der kunstsinnige Graf JOSEPH ZU STOLBERG-STOLBERG (1771-
1839) einen ganz besonderen Turm errichten. Mit KARLFRIEDRICH
SCHINKEL (1781-1841) konnte er für dessen Planung
den berühmtesten Baumeister des Klassizismus gewinnen.
SCHINKEL entwarf den Aussichtsturm in Form eines
Doppelkreuzes. Für seinen Bau wurden in den umliegenden
Wäldern 365 Eichen gefällt. Der nach dem Grafen benannte
Aussichtsturm wurde 1834 eingeweiht, doch Blitzschlag
zerstörte dieses Bauwerk bereits im Jahr 1880. In Anlehnung
an den ursprünglichen Entwurf wurde das Josephskreuz
unter Mitwirkung des Harzklubs von der fürstlichen Kammer
zu Stolberg 1896 wieder errichtet, nun aus Metall – erbaut
von der Dampfkessel- und Gasometerfabrik Braunschweig.
Als großes Vorbild diente wohl der Eiffelturm, der sieben
Jahre zuvor in Paris anlässlich der Weltausstellung eröffnet
wurde.
Das komplett sanierte Josephskreuz erhielt 2006 den
Naturparkpreis als schönster Aussichtsturm des gesamten
Harzes. Turm und Umfeld werden vom Wirt des Bergstübels
gepflegt. Das urgemütliche Bergstübel Josephs kreuz ist
täglich ab 9 Uhr geöffnet und wartet mit regionaler Küche
auf. Nur im Winter ist montags Ruhetag.
Die Rhyolithlava des Auerbergs besteht aus einer schnell
erkalteten feinkristallinen Grundmasse und den darin
„schwimmenden“ Kristallen – die „Stolberger Diamanten“. Es
handelt sich dabei um 1 bis 13 mm große, in Dihexaeder
auskristallisierte Quarze und bis 8 mm große Orthoklase.
Das Naturresort Schindelbruch, das nicht nur mit
Sonnenterrasse und großem Kinderspielplatz zum Besuch
einlädt, hat in seinem unmittelbaren Umfeld einen wunderschönen
Walderlebnispfad
eingerichtet. An der Rezeption
des Hotels können wir
Schutzbrillen ausleihen, um
am Walderlebnispfad mit
bereitliegendem Werkzeug
die „Stolberger Diamanten“
aus eigens platzierten Steinen
zu klopfen.
Grenzen Museum Alte Münze Stolberg ( 2 )
Das hier betrachtete Gebiet teilt sich in
das frühere Herrschaftsgebiet der
Stolberger Grafen (später Preußen) und
der anhaltischen Fürsten. Im Museum
erfahren wir dazu unter anderem
Folgendes:
„Im Mai 1563 wurden vier Bergknappen
der Grube auf der Beiwende, gehörig
zum anhaltischen Amt Harzgerode,
durch die Stolberger Grafen gefangengesetzt.“
Dieser und andere Gewaltakte
begleiteten einen über 80 Jahre geführten
Prozess vor dem Reichskammergericht zwischen den Fürsten
von Anhalt und den Grafen zu Stolberg.
Anlass war die nach Auffassung der
Fürsten von Anhalt unkorrekte
Rückgabe der Schlösser und Orte
Güntersberge und Harzgerode im Jahr
1536, welche die Grafen zu Stolberg im
Jahr 1498 wiederkäuflich erworben
hatten. Das Haus Anhalt verlangte die Rückgabe von Land,
von dem die Stolberger Grafen behaupteten, es von anderen
Familien, wie denen von Hoym, gekauft zu haben. Auch
mehrere vom Reichskammergericht in Speyer eingesetzte
Untersuchungskommissionen konnten
die Besitzansprüche beider Seiten
nicht vollständig klären, da die
Grenzmarkierungen verschwunden,
unkenntlich gemacht oder bei fehlenden
Urkunden widersprüchliche
Zeugenaussagen kein Urteil zu ließen.
Von besonderer Brisanz bei dieser
juristischen Auseinandersetzung
waren die Festlegungen über die
Salz- und Edelmetallbergwerke im
Vertrag von 1498. Die Bergwerke gehörten nicht zu den
gekauften Nutzungsrechten, was die Grafen aber nicht hinderte,
widerrechtlich auf anhaltischem Gebiet Bergbau zu
betreiben. Da der Grenz- und Nutzungsstreit beiden Parteien
schwere wirtschaftliche Schäden zufügte, einigten sie sich
schließlich 1613 in einem gütlichen Vergleich.
Infolge des 30jährigen Krieges (1618-1648) kam der Bergbau
in der Grafschaft Stolberg zum Erliegen. Die Wiederaufnahme
um 1660 hatte nur mäßigen Erfolg. Neue
Bergbautechniken und die Reichsgesetze zur Münzprägung
führten zum Ende des 17. Jahrhunderts zur erneuten
Belebung der Straßberger Gruben.
Geschichte und Techniken der Münzprägung widmet die
Ausstellung im Museum breiten Raum.Führungen auf Anfrage: (034654) 85960
Öffnungszeiten:
Fr.- So. & Feiertage 10.00 – 12.30 Uhr und 13.00 – 17.00 Uhr
Bergbau in der Grafschaft Stolberg Grube Glasebach Straßberg ( 3 )
Für die Anreise mit dem Auto stehen
direkt an den Tagesanlagen, den
überirdischen baulichen Anlagen
der Grube Glasebach, ausreichend
Parkmöglichkeiten zur Verfügung;
folgen Sie einfach der Beschilderung
in Straßberg. Sehr interessant wäre
aber auch eine kurze Wanderung auf
dem Bergbaulehrpfad vom Haltepunkt
„Hüttenplatz“ der Harzer
Schmalspurbahn.
Die Übertageanlagen zeigen Zeugnisse des Bergbaus aus
der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (Vorführungen intakter
Maschinen). Den Spuren des historischen Bergbaus aus der
Zeit des Altbergbaus folgen wir hingegen in der Grube
Glasebach. Die Befahrung (bergmännischer Ausdruck für
das Begehen der untertägigen
Bereiche) beginnt in der übertägigen
Radstube mit dem rekonstruierten
Kunstrad (Durchmesser 9,5 m). Die
notwendige Schutzausrüstung wird
dort angelegt, ehe es hinein geht um
die Schwingenkunst (Wasserhebetechnik),
die Ausbau- und Abbauarten
(Eichenholzverzimmerung aus dem
18. Jh., Trockenmauerung), Schrägschacht
und historische Wasserbautechnik
sowie die reiche farbige Mineralisierung der
Grube zu erkunden. Über eine im Hauptschacht eingebaute
Treppenkonstruktion werden die erste und zweite Sohle
befahren. Die Führung dauert ca. 80 Minuten.
Nach Eröffnung des Silberbergwerks Heidelberg nördlich
von Straßberg 1438 nahmen 1462 die ersten Hochöfen der
Silbermetallurgie auf der Schmelzhütte der Stolberger
Grafen in Straßberg den Betrieb auf.
Um 1690 findet eine Grube „Seidenglanz“
(später Grube „Vertrau auf
Gott“) Erwähnung. Während der
Blütezeit des Straßberger Bergbaus in
der ersten Hälfte des 18. Jh., als zeitweilig
bis zu 500 Bergleute hier tätig
waren, wurde diese Grube unter dem
Namen „Glasebach“ neu verliehen.
Um die Wende 18./19. Jh. erwarb
Anhalt die Konkurs masse des
Straßberger Bergbaus. Fast 150 Jahre später wurde 1950 der
alte Schacht wieder geöffnet und die Grube Glasebach neu
erkundet. In der Folgezeit gewannen die Bergleute Fluorit
und verbrachten es über eine unterirdische Verbindung zum
Fluorschacht, wo das Material dann gefördert wurde.
www.strassberg-harz.deÖffnungszeiten des Bergwerksmuseums
(April-Oktober): Di.- Do. 10.00-16.00 Uhr
sowie Sa./So. 10.00-17.00 Uhr
Sonderöffnung bei Gruppenanmeldungen: Tel.: (039489) 226
Klippen Pfingstfelsen Stolberg ( 4 )
Vom Stolberger Marktplatz kommend
fahren wir die Rittergasse
entlang, passieren das Rittertor und
stellen das Auto am besten bereits
am Hotel „Chalet Waldfrieden“ ab.
Architekt des imposanten Hauses
war kein Geringerer als der Berliner
KARL-FRIEDRICH SCHINKEL. Erbaut wurde
es 1810 im Auftrag der Grafen
Stolberg–Stolberg als Schützen haus.
Heute beherbergt es neben Hotel
und Gaststätte ein Kaffeemaschinen-Museum (www.kaffeemaschinen-
museum.de). Nach unserer Wanderung zu den Klippen
der Pfingstfelsen werden wir der Einladung von Familie Beutel
folgen und diesem einmaligen Museum einen Besuch abstatten
(Öffnungszeiten: außer Montag und Dienstag 14-17 Uhr;
Eintritt frei). Zunächst geht es aber zu
Fuß weiter das Ludetal aufwärts, vorbei
am Waldbad und am Reiterhof. Ein
landschaftlich besonders reizvoller
Blick eröffnet sich auf die Schweizer
Hütte inmitten einer ausgedehnten
Waldwiese. Der vom Harzklub mit
einem gelben Balken auf weißem Grund
markierte Weg trägt fortan den kuriosen
Namen „Besoffener Weg“. Links
des Weges plätschert die Lude und
rechts am Hang der Benedixköpfe reihen
sich imposante Klippen. Zu ihnen gehören die Pfingstfelsen,
die gleichsam ein Fenster in die Erdgeschichte eröffnen.
Sichtbar wird anstehender Diabas. Vom Monat Mai bis in den
Sommer hinein betört der Duft der Gemeinen Nachtviole,
einem bis 2,5 m hohen Kreuzblütengewächs. Wer das Risiko
scheut, sich zu verlaufen, der folgt dem Weg bis zum
Ludeteich und kehrt sodann zum Ausgangspunkt zurück.
Alternativ bietet sich eine Wande rung vorbei am „Tannengarten“
Richtung Stolberger Schloss oder vorbei am Röhrenteich
zurück ins Ludetal.
Erd-und montangeschichtliche Tour Unterwegs im Anhaltischen
Ausgangspunkt einer erlebnisreichen
Tour, die teilweise auch durch das
Gebiet der Landmarke 15 verläuft, soll
Harzgerode sein. Die Route ist in verschiedene
Abschnitte gegliedert, die
sich als Tages- oder Halbtagestouren
eignen. Als Ausgangspunkt wurde
Harzgerode gewählt, weil sich im dortigen
eher unscheinbaren Schloss
noch im 19. Jahrhundert das Anhaltische
Bergamt befand. Eine sehr
schöne Darstellung der für den Erzbergbauinteressanten
Gangzüge bietet der Brunnen auf dem Marktplatz der Stadt
(siehe auch Faltblatt der Landmarke 15).
Vom großen Parkplatz an der B242 geht es dann entlang der B242 in Richtung Alexisbad, vorbei an der Einmündung der
Straße „Am Ehrenberg“. Nun folgen wir rechts dem romantisch
verwachsenen Pfad über den Damm des Hahnröder
Teiches. Nach der Querung der Schienen der Harzer Schmalspurbahn
halten wir uns zunächst rechts und benutzen den
Rundweg Richtung „Himmelsgarten“ bzw. „Liebeslaube“.
Zum Steinbruch „Schneckenberg“ ( 5 )
Die „Liebeslaube“ ist eine Schutzhütte und
befindet sich direkt oberhalb des bis
1938 betriebenen Steinbruchs „Schneckenberg“.
Aufgeschlossen sind dort Hercynkalke
eines in fremder Umgebung gelegenen
großen Felsblocks (Großolistholith in
der Harzgeroder Zone). Er ist Teil des
Harzgeröder Olisthostroms, einem
Sedimentkörper mit chaotischem Gefüge,
der aus einem der Schwerkraft folgenden
Schlammfluss entstanden und in den
Sedimenten des Gebietes, in dem er zur Ruhe kam, eingelagert
ist. Der Steinbruch erschließt einen besonderen tektonischen
Aufbau der Devonkalke. Er ist im Harz der bekannteste
Fundpunkt der princeps-Kalkfauna (Fossilien aus dem vor
405 Mio. Jahren beginnenden Unterdevon).
Geologische Entwicklung des Gebietes
Für die Betrachtung des Gebietes rings um den Auerberg bietet sich
ein Rückblick in die frühe Phase der Entstehung der Tonschiefer
und Grauwacken an. Es ist die Zeit des Erdaltertums, als im Silur,
Devon und Unterkarbon (vor 400-300 Mio. Jahren) ein weiter Ozean
das Gebiet des heutigen Mitteleuropas einnahm. In diesen Ozean
hinein wurden über Jahrmillionen gewaltige Massen von Sedimenten
geschüttet. Fern der Küsten gelangten dabei nur die sehr feinen
Partikel, wurden dort als Tonschlamm abgelagert und unter großem
Druck verfestigt. Anderswo bildeten sich im Meeresboden tiefe
Spalten an denen glutflüssige Basaltmagma austrat und zur Bildung
der heute im Harz weit verbreiteten Diabase führte. Die weitere
Entwicklung beschreibt KNAPPE (1976) so: „Fortwährend wurde dieser
ständig absinkende Meerestrog, die sogenannte Geosynklinale,
weiter mit Ton, Sand, Kalk oder vulkanischem Gestein aufgefüllt.“
Im Oberkarbon (vor ca. 300 Mio. Jahren) erfasste dann die von SE
nach NW vordringende variszische Faltung den mit Sedimenten
gefüllten Trog. Durch eine fortdauernde Aufwärts be wegung wurde
dieser gesamte Komplex schließlich über den Meeresspiegel hinaufgehoben
(Auffaltung des variszischen Gebirges). Am Ende der
Faltungsära stiegen abermals glutflüssige Gesteinsschmelzen meist
granitischer Zusammensetzung aus der Tiefe auf, wurden in die
gefalteten Schichten hineingepresst, und erstarrten dort langsam
zu richtungslosen körnigen Tiefengesteinen (Gabbro, Granit).
Schon im 19. Jh. erkannten Geologen einen Zusammenhang zwischen
den Granitkörpern (z. B. des Rambergs) und dem Auftreten
von Erzgängen. Die großen magmatischen Körper lieferten während
ihrer langen Abkühlungsphase 100-400 °C heiße, metall- und
mineralreiche Lösungen, die während ihres Aufstiegs langsam
abkühlten und dabei ihre mitgeführte Fracht als Erz- oder
Granitminerale in vorhandenen Hohlräumen ausfällten. Das Zentrum
der Unterharzer Gangmineralisation liegt im Gebiet Straßberg-
Neudorf-Harzgerode (LIESSMANN 1992). Der Auerberg ist ein zeitlich
jüngeres Erguss äquivalent des Ramberg-Plutons. Wahrscheinlich
ist, dass beide Gesteine einen gemeinsamen Herd besitzen.
Zum Pioniertunnel Alexisbad ( 6 )
Die Tour wird nach dem Besuch des
Steinbruchs „Schneckenberg“ auf dem
Rundwanderweg fortgesetzt. Wir gehen
den nächsten nach rechts abbiegenden
Weg, halten uns dann links und erreichen
alsbald die „Paul-Krause-Hütte“ des Harzklubs
(Schutzhütte mit Infotafel). Von dort
sind es nur noch wenige Schritte bis zum
Naturdenkmal „Trompel“, einem Rondell
alter Ahorn- und Lindenbäume, das die
Lage des 3. Lichtlochs des „Schwefelstollens“
markiert. Um 1880 wurde der
Schacht verfüllt und einplaniert. Die Bäume
stammen aus jenen Jahren. Der „Schwefelstollen“
folgt dem „Reichen Davidsgang“. Abgebaut wurden bis
1752 Schwefel kies (Pyrit) und Bleiglanz.
Anschließend folgen wir dem sehr schön gestalteten Naturlehrpfad in Richtung der 1897 erbauten „Köthener Hütte“.
Gleichsam einem Abenteuerspielplatz präsentieren sich an
einem Punkt des Lehrpfads verschiedene jagdliche Einrichtungen.
Doch es wird noch abenteuerlicher, nachdem wir an
der „Köthener Hütte“ den nach Süden gerichteten abschüssigen
Weg Richtung Alexisbad eingeschlagen haben. Es ist der
„Klippenweg“. Wir passieren zunächst die „Teufelsklippen“, ehe
der „Pioniertunnel“ erreicht wird. Hier verläuft die Wanderung
dann ein kurzes Stück unter Tage. Errichtet wurde der Tunnel
von der 2. Kompanie des Magdeburger Pionierbattallions Nr. 4
im Mai 1900. Er ist teilweise bergmännisch verbaut und bietet
Schutz bei Regen oder Abkühlung an heißen Sommertagen.
Weg Deutscher Kaiser und Könige Zur Grube „Mühlenberg-Zug unter der Erichsburg“ ( 7 )
Jahrhunderte zuvor befand sich unten im
Selketal das Klostergut Hagenrode. Im Jahr
993 gestattete König OTTO III. dem Abt das
Markt-, Münz- und Zollrecht in Hagenrode,
welches zu diesem Zeitpunkt Verwaltungszentrum
der Harzer Besitzungen des
Klosters Nienburg war. Nach Auflösung der
Klöster im Zuge der Reformation fiel es von
der Nienburger Güterverwaltung an den
Landesherren. Im Bauernkrieg 1525 wurde
es Opfer mordbrennerischer Bauern. Die
Steine wurden 1870 beim Bau des Hotels
„Klostermühle“ genutzt. Von diesem historischen
Ort aus folgen wir dem „Weg
Deutscher Kaiser und Könige“ das Friedenstal
hinauf. Alsbald wird eine Stelle erreicht
an der, vom Bachlauf freigespült, eine im
gewachsenen Fels eingetiefte Fahrspur einstmals eisenbereifter
Räder erkennbar wird. Ebendort sind vertikal eingeschichtete
Schieferplatten als Untergrundsicherung und zur
Herstellung einer trittsicheren Oberfläche für die Zugtiere
gut sichtbar. Dieser aufwändige Wegebau lässt auf die einstmals
große Bedeutung des Friedenstals schließen.
Weiter talaufwärts befanden sich früher kaskadenartig angelegte
Stauteiche, in denen Aufschlagwasser für die Wasserräder
der verschiedensten Nutzungen im Bereich Mägdesprung
(Landmarke 15) gespeichert wurde.
Schließlich erreichen wir das Mundloch der Grube, in der von
1708 bis 1741 unter dem damaligen Grubennamen „Fürst
Karl Wilhelm“ insgesamt 12.000 Tonnen Kupferkies abgebaut
wurden, ausreichend für eine jährliche Kupfer erzeugung
von 25 Tonnen. Auch Flussspat, Arsenkies, Schwefelkies und
Wolframit führte der Gangzug. Der Gang fällt im Granit rund
65° nach Süden ein. Als 1742 Fürst VIKTOR II. FRIEDRICH VON
ANHALT-BERNBURG (1700-1765) die Berg werke im anhaltischen
Harz übernahm, wurde die Förderung eingestellt. Die Grube
war offensichtlich nicht mehr rentabel.
Raubrittertum und Schlageinteilung der Wälder Vom Bergrat Müller Teich zur Erichsburg
Zur Wasserhaltung der Grube „Fürst Karl Wilhelm“ wurden
oberhalb der Erichsburger Teich (1709) und 1737/38 der
Bergrat Müller Teich.... angelegt. Bergrat MÜLLER aus Gernrode
war ein bedeutender Bergbaufachmann seiner Zeit. Ein kleiner
und stark verwachsener Steinbruch am Bergrat Müller Teich
schließt Zweiglimmergranit des Rambergs mit gut ausgebildeter
Verwitterungszone auf (Oberkarbon).
Beachtenswert ist ein Grenzstein am Damm des Bergrat Müller
Teichs. Er ist Zeugnis der Schlageinteilung der Wälder, mit der
der fürstlich anhaltische Forstkommissar JOHANN JACOB BÜCHTIG
(1729-1799) beauftragt war. BÜCHTIG war der erste deutsche
Forstpraktiker mit einem Universitätsstudium (Universität
Halle) und bekleidete ab 1765 das Amt des Bergamtsassessors
in Harzgerode. Von der romantischen Blockhaussiedlung des
Ferienparks Merkelbach entlang der
„Beckstraße“ nur 700 m in Richtung Siptenfelde
entfernt führt ein schmaler Pfad links die
Böschung hinauf zum Erichsberg. Auf ihm
befinden sich die Wallanlagen und die noch
heute sichtbaren Reste des Bergfrieds, eines
Wohngebäudes und Wohnturms der früheren
steinernen Kernburg. Die Erichsburg (9) wurde
1320 an die Stolberger Grafen verkauft. Über
ihr weiteres Schicksal weiß Spangenbergs
Mansfeldische Chronica von 1572 zu berichten,
dass Graf HERMANN VON STOLBERG als
Raubritter schlimmster Art keinen schonte und sein Handwerk
trieb, bis der Landgraf von Thüringen mit Erfurter, Mühlhäuser
und auch Nordhäuser Bürgern das Raubnest ausnahm und
strengstes Gericht hielt. Der Graf musste sich verpflichten, die
Burg niemals wieder aufzubauen. Sie ist seither wüst. Im
unmittelbaren Burgbereich wurde im Mittelalter möglicherweise
Bergbau betrieben (sogenannter „Erichsburger Glanz“).
Zeugnisse des Bergbaus Durch das Uhlenbachtal
Nach ca. 1 km verlassen wir die Beckstraße
und steigen rechts ins Tal hinab, folgen weiter
der Beschilderung zum Forsthaus „Uhlenstein“.
Dem idyllisch gelegenen Forsthaus ist
ein Teich vorgelagert.
Weiter geht es talabwärts zum ehemaligen
Steinbruch „Brachmannsberg“ (1 , der erst
vor wenigen Jahren mit Material aus der
Auffahrung der Wasserlösungsstollen im
Uhlenbachtal teilweise verfüllt wurde. Am
Steinbruch befindet sich auch der im Jahr
1784 getäufte 50-55 m tiefe Hauptschacht
der Grube „Brachmannsberg“. Gefördert
wurde Flußspat. Fein verteilter Pyrit war für
die Bildung schädlicher Grubenwässer verantwortlich,
die noch heutzutage nicht ohne
entsprechende Behandlung in die Vorflut entlassen werden
können.
Talabwärts müssen wir die Bundesstraße 242 queren und
an dieser ca. 100 m nach rechts gehen. Bald ist das Mundloch
des 1995-1998 aufgefahrenen „Brachmannsberger
Stollens“ erreicht. Wie auch der „Biwender Stollen“ auf der
anderen Talseite dient er der kontrollierten Entwässerung
des Altbergbaus. Zwischen beiden Mundlöchern wurde
nach der Auffahrung der Wasserlösungsstollen eine
Wasseraufbereitungsanlage errichtet .
Am Ausgang des Uhlenbachtals in das Selketal führt die
Route rechts entlang der Kreisstraße hinein in den Ort
Silberhütte. Dort, wo sich zunächst eine Pottaschenhütte
und eine Ölmühle befanden, wurde 1692 die Silberhütte
eingerichtet. 1752 wich dieses Werk einer fürstlichen
Glashütte, die besonders Tafelglas in großen Scheiben herstellte.
Eine große Kunstgusstafel weist darauf hin, dass
Herzog ALEXIUS FRIEDRICH CHRISTIAN (1767-1834) im Jahr 1825
die Schmelzwerke umbauen und verbessern ließ.
Freilichtmuseum Harzer Waldhof Silberhütte ( 12 )
Zu einem besonderen Anziehungspunkt
nicht nur für Schulklassen und Familien
mit Kindern hat sich der „Harzer Waldhof“
entwickelt. Eingerichtet wurde dieses
Freilichtmuseum 1998 im Rahmen
der Öffentlichkeitsarbeit des Forstamts
Harzgerode. Gemeinsam mit einem
Förderverein hat der Landesforstbetrieb
seither die Anlage weiter vervollkommnet
und um eine Ausstellung (u. a.
historische Motorsägen) im ehemaligen
Bahnhofs gebäude erweitert. Auf dem
ständig frei zugänglichen Gelände werden
die Entwicklung der Forstwirtschaft
und deren (frühere) Bedeutung für den
Bergbau und die Köhlerei sowie die
heutzutage wichtigen Waldfunktionen
Nutzung (Holz), Schutz (Naturschutz,
Wasserschutz, Bodenschutz) und
Erholungsvorsorge dargestellt.
Stadtinformation Harzgerode(039484) 32 421
www.harzgerode.de
Auf geologischen Wanderwegen Zurück über die Grube Pfaffenberg Neudorf ( 13 )
Direkt auf dem Waldhofgelände beginnt
ein 4 km langer geologischer Wanderweg,
der über den Wolfsberg zum Birnbaumteich
führt. Will man nicht den Tau von
den auf dem Weg wachsenden Gräsern
abstreifen, so beginnt man seine Wanderrung dort nicht am frühen Morgen! Am
Ferienpark Birnbaumteich finden wir den
Ausgangspunkt des Neudorfer Bergbaurund
wegs. Auf mehreren Dennert-Tannen
erfahren wir vieles über das Gebiet mit
dem ältesten bekannten Bergbau in der
Region. Durch Fürst OTTO VON ANHALT
(† 1304) erhielten Klöster bereits um
1300 Schürfrechte im Birnbaumrevier
(Biwender Gangzug). Nach 4 km in Neudorf angekommen
lohnt dort geduldiges suchen, denn der Ort ist voller Zeugnisse
der Bergbaugeschichte, die hier erst 1941 endete. So
führte von dort 1887-1912 eine 4,5 km lange Erzbahn (750
mm Spurbreite) nach Silberhütte (siehe dort Beschilderung
am Bremsenberg). Der Förderschacht des Grubenreviers
Meiseberg („Herzog-Alexis-Richtschacht“ auf dem Neudorfer
Gangzug, Teufe 180 m) befand sich direkt in Neudorf. Von
dessen ehemaligem Standort aus gehen wir „In den Eichen“
und entlang des südlichen Orts randes zur Grube Pfaffenberg
(„Fürst Christian-Schacht“, Teufe 355 m) bzw. zum „Ölkeller“.
Mehrere Röschen (untertägige Wasserläufe) verbinden sich hier mit dem Meiseberger Wipperstollen. Sie brachten
Aufschlagwasser für ein hier seit 1805 in Betrieb befindliches
Wasserrad. 1822/23 wurde an dessen Stelle eine
Dampfmaschine zur Hebung des Grundwassers erbaut.
Weiter geht es dann vorbei am „Gondelteich“ Neudorf
zurück nach Harzgerode über den Harzgeröder Fußweg.
Schon mit Blick auf Harzgerode zweigt nach links der
Albertinenweg ab (vorbei an der Grube „Fürstin Elisabeth-
Albertine“ auf dem Feld und Quellen zug, Förderung von Blei
und Silber bis ca. 1850, Teufe 272 m).
Entspannung Zum Bergsee Güntersberge ( 14 )
Wer des vielen Wanderns
müde geworden ist, fährt
mit der Selketalbahn von
Alexisbad oder Silberhütte
nach Güntersberge. Vom
Halte punkt der Harzer
Schmalspurbahn ist es nur
ein kurzes Stück Weg bis
zum Bergsee (Bademöglichkeit,
Bootsverleih). Der
Bergsee, auch „Mühlenteich“ genannt, ist sieben
Hektar groß und wurde ursprüng lich zur Versorgung der
Mühlen, der Hammerwerke und des Bergbaus im unterliegenden
Selketal erbaut.
Am Hang des Südufers befindet sich das Naturdenkmal „Aufschluss
Teichdamm“. Für Kenner sichtbar ist ein Typusprofil
von nationaler Bedeutung. Auf geschlossen sind devonische
Herzyn kalke in unterkarbonischer Rutschmasse
(Olisthostrom).
Im schattigen Wald beginnt unterhalb des Damms ein vom
örtlichen Harzklubzweigverein sehr interessant gestalteter
Naturlehrpfad, in dessen Verlauf nach 1,5 km die Ruine der
Güntersburg erreicht werden kann. 485 m über NN findet
sich dort eine ausgedehnte, bereits Anfang des 17. Jh. wüste
Siedlung mit Wallanlage, Fundamenten
von Tortürmen und sonstigen Gebäuden.
Geschichtlich belegt ist an dieser Stelle
auf dem Kohlberg im 11. und 12. Jh. eine
Siedlungsanlage mit Burg. Auf steinernen
Fundamenten standen Holzhäuser, deren
Dächer mit Schiefer eingedeckt waren.
Schon 1319 wurde ein unterhalb der
„Kohlbergsburg“ verlaufender Weg als
„Hohe Straße“ bezeichnet. Spannende
Erlebnisse erwarten die jungen Besucher
auf dem 3 km langen Naturlehrpfad. An
15 Stationen kann gespielt und geknobelt
werden.
Informationen, Einkehren & Übernachten
Naturresort SchindelbruchStolberg/Harz - Schindelbruch
www.schindelbruch.de
(034654) 8080
Hotel Beutel „ChaletWaldfrieden“ Stolberg/Harz
www.hotel-beutel.de
(034654) 8090
Ferienpark MerkelbachSiptenfelde-Friedrichsbrunn
www.ostharz.de
(039487) 7530
Berghotel „Glück auf“Güntersberge
www.berghotel-guentersberge.de
(039488) 301
Kinder- und ErholungszentrumGüntersberge e.V.
Güntersberge
www.kiez-harz.de
(039488) 7622
Bergstüb’l JosephskreuzStolberg/Harz
www.bergstuebl-josephskreuz.de
(034654) 476

Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute. Auch sachkundige Führungen können vermittelt werden
(Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im
Regionalverband Harz, Herr Dr. STEIGER (03944) 369085 oder
email: T_Steiger@gmx.de). Der Regionalverband Harz e. V.
wünscht Ihnen gute Erholung und interessante Einblicke in
Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des
Naturparks Harz/Sachsen-Anhalt!
Text: Dr. K. George
Fotos: George, Hotels
Fotos: George, Hotels