Landmarke 10 Auerberg
Oberes Selketal
Oberes Selketal
Harzgrundgebirge Der Auerberg bei Stolberg ( 1 )
Über die Schichtserien
der Harzgeröder Zone
erhebt sich bei Stolberg
der Auerberg-Porphyrkegel.
Vom Parkplatz des
Wellness-Vital Hotels
Schindelbruch aus ist es
nur ein 1 km kurzer
Aufstieg hinauf auf den
Großen Auerberg (579 m
ü. NN) mit dem 38 m
hohen Josephskreuz.
Der Aussichtsturm ist
das größte Doppelkreuz
der Welt. Dort, wo sich
bereit im 17. Jh. ein Aussichtsturm
befand, ließ
der kunstsinnige Graf JOSEPH ZU STOLBERG-STOLBERG (1771-
1839) einen ganz besonderen Turm errichten. Mit Karl-
Friedrich SCHINKEL (1781-1841) konnte er für dessen
Planung den berühmtesten Baumeister des Klassizismus
gewinnen. SCHINKEL entwarf den Aussichtsturm in Form
eines Doppelkreuzes. Für seinen Bau wurden in den umliegenden
Wäldern 365 Eichen gefällt. Der nach dem Grafen
benannte Aussichtsturm wurde 1834 eingeweiht, doch
Blitzschlag zerstörte dieses Bauwerk bereits im Jahr 1880.
In Anlehnung an den ursprünglichen Entwurf wurde das
Josephskreuz unter Mitwirkung des Harzklubs von der
fürstlichen Kammer zu Stolberg 1896 wieder errichtet, nun
aus Metall – erbaut von der Dampfkessel- und
Gasometerfabrik Braunschweig. Als großes Vorbild diente
wohl der Eiffelturm, der sieben Jahre zuvor in Paris anlässlich
der Weltausstellung eröffnet wurde.
2006 wurde das komplett sanierte Josephskreuz als schönster
Aussichtsturm des gesamten Harzes mit dem Harzer
Naturparkpreis prämiert. Turm und Umfeld werden vom
Wirt des Bergstübels gepflegt. Das urgemütliche Bergstübel
Josephskreuz ist täglich ab 9 Uhr geöffnet und wartet mit
regionaler Küche auf. Nur im Winter ist montags Ruhetag.
Die Rhyolithlava des Auerbergs besteht aus einer schnell
erkalteten feinkristallinen Grundmasse und den darin
„schwimmenden“ Kristallen – die „Stolberger Diamanten“. Es
handelt sich dabei um 1 bis 13 mm große, in Dihexaeder
auskristallisierte Quarze und bis 8 mm große Orthoklase.
Das Wellness-Vital Hotel Schindelbruch, das nicht nur mit
Sonnenterrasse und großem Kinderspielplatz zum Besuch
einlädt, hat in seinem unmittelbaren Umfeld einen wunderschönen
Walderlebnispfad
eingerichtet. An der Rezeption
des Hotels können
wir Schutzbrillen ausleihen,
denn am Walderlebnispfad
können mit bereitliegendem
Werkzeug die „Stolberger Diamanten“
auch aus eigens
platzierten Steinen geklopft
werden.
www.bergstuebl-josephskreuz.de
Grenzen Museum Alte Münze Stolberg ( 2 )
Das hier betrachtete Gebiet teilt sich in
das frühere Herrschaftsgebiet der
Stolberger Grafen (später Preußen) und
der anhaltischen Fürsten. Im Museum
erfahren wir dazu unter anderem
Folgendes:
„Im Mai 1563 wurden vier Bergknappen
der Grube auf der Beiwende,
gehörig zum anhaltischen Amt Harzgerode,
durch die Stolberger Grafen
gefangengesetzt.“ Dieser und andere
Gewaltakte begleiteten einen über 80
Jahre geführten Prozess vor dem
Reichskammergericht zwischen den
Fürsten VON ANHALT und den Grafen ZU
STOLBERG. Anlass war die nach Auffassung
der Fürsten VON ANHALT unkorrekte
Rückgabe der Schlösser und Orte
Güntersberge und Harzgerode im Jahr
1536, welche die Grafen ZU STOLBERG im
Jahr 1498 wiederkäuflich erworben
hatten. Das Haus Anhalt verlangte die Rückgabe von Land,
von dem die Stolberger Grafen behaupteten, es von anderen
Familien, wie denen VON HOYM, gekauft zu haben. Auch
mehrere vom Reichskammergericht in Speyer eingesetzte
Untersuchungskommissionen konnten
die Besitzansprüche beider
Seiten nicht vollständig klären, da
die Grenzmarkierungen verschwunden,
unkenntlich gemacht oder bei
fehlenden Urkunden widersprüchliche
Zeugenaussagen kein Urteil zuließen.
Von besonderer Brisanz bei
dieser juristischen Auseinandersetzung
waren die Festlegungen
über die Salz- und Edelmetallbergwerke
im Vertrag von 1498. Die Bergwerke gehörten nicht
zu den gekauften Nutzungsrechten, was die Grafen aber
nicht hinderte, widerrechtlich auf anhaltischem Gebiet
Bergbau zu betreiben. Da der Grenz- und Nutzungsstreit
beiden Parteien schwere wirtschaftliche Schäden zufügte,
einigten sie sich schließlich 1613 in einem gütlichen
Vergleich.
Infolge des 30jährigen Krieges (1618-1648) kam der Bergbau
in der Grafschaft Stolberg zum Erliegen. Die Wiederaufnahme
um 1660 hatte nur mäßigen Erfolg. Neue
Bergbautechniken und die Reichsgesetze zur Münzprägung
führten zum Ende des 17. Jahrhunderts zur erneuten Belebung
der Straßberger Gruben.
Geschichte und Techniken der Münzprägung widmet die
Ausstellung im Museum breiten Raum.
Führungen auf Anfrage: Tel.: (034654) 85960Öffnungszeiten:
Mi. - Fr. 10.00-12.30 und 13.00-17.00 Uhr
Sa., So. & Feiertage 10.00-12.00 und 13.00-17.00 Uhr
Bergbau in der Grafschaft Stolberg Grube Glasebach Straßberg ( 3 )
Für die Anreise mit dem Auto stehen
direkt an den Tagesanlagen, den
überirdischen baulichen Anlagen
der Grube Glasebach, ausreichend
Parkmöglichkeiten zur Verfügung;
folgen Sie einfach der Beschilderung
in Straßberg. Sehr interessant wäre
aber auch eine kurze Wanderung auf
dem Bergbaulehrpfad vom Haltepunkt
„Hüttenplatz“ der Harzer
Schmalspurbahn.
Die Übertageanlagen zeigen Zeugnisse des Bergbaus aus
der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (Vorführungen intakter
Maschinen). Den Spuren des historischen Bergbaus aus der
Zeit des Altbergbaus folgen wir hingegen in der Grube
Glasebach. Die Befahrung (bergmännischer Ausdruck für
das Begehen der untertägigen Bereiche) beginnt in der übertägigen
Radstube mit dem rekonstruierten
Kunstrad (Durchmesser
9,5 m). Die notwendige Schutzausrüstung
wird dort angelegt, ehe
es hinein geht um die Schwingenkunst
(Wasserhebetechnik), die Ausbau-
und Abbauarten (Eichenholzverzimmerung
aus dem 18. Jh.,
Trockenmauerung), Schrägschacht
und historische Wasserbautechnik
sowie die reiche farbige Mineralisierung
der Grube zu erkunden. Über eine im Hauptschacht
eingebaute Treppenkonstruktion werden die erste und zweite
Sohle befahren. Die Führung dauert ca. 80 Minuten.
Nach Eröffnung des Silberbergwerks Heidelberg nördlich
von Straßberg 1438 nahmen 1462 die ersten Hochöfen der
Silbermetallurgie auf der Schmelzhütte der Stolberger
Grafen in Straßberg den Betrieb auf. Um 1690 findet eine
Grube „Seidenglanz“ (später Grube
„Vertrau auf Gott“) Erwähnung.
Während der Blütezeit des Straßberger
Bergbaus in der ersten Hälfte
des 18. Jh., als zeitweilig bis zu 500
Bergleute hier tätig waren, wurde
diese Grube unter dem Namen
„Glasebach“ neu verliehen. Um die
Wende 18./19. Jh. erwirbt Anhalt die
Konkursmasse des Straßberger Bergbaus.
Fast 150 Jahre später wurde
1950 der alte Schacht wieder geöffnet und die Grube
Glasebach neu erkundet. In der Folgezeit gewannen die
Bergleute Fluorit und verbrachten es über eine unterirdische
Verbindung zum Fluorschacht, wo das Material dann gefördert
wurde.
www.strassberg-harz.deÖffnungszeiten des Bergwerksmuseums
(April-Oktober): Di.- Do. 10.00-16.00 Uhr
sowie Sa./So. 10.00-17.00 Uhr
Sonderöffnung bei Gruppenanmeldungen: Tel.: (039489) 226
Klippen Pfingstfelsen Stolberg ( 4 )
Vom Stolberger Marktplatz kommend
fahren wir die Rittergasse entlang,
passieren das Rittertor und stellen das
Auto am besten bereits am Hotel
„Chalet Waldfrieden“ ab. Architekt des
imposanten Hauses war kein
Geringerer als der Berliner KARLFRIEDRICH
SCHINKEL. Erbaut wurde es
1810 im Auftrag der Grafen STOLBERG ZU
STOLBERG als Schützenhaus. Heute
beherbergt es neben Hotel und
Gaststätte ein Kaffeemaschinen-Museum (www.kaffeemaschinen-
museum.de). Nach unserer Wanderung zu den
Klippen der Pfingstfelsen werden wir der Einladung von
Familie Beutel folgen und diesem einmaligen Museum einen
Besuch abstatten (Öffnungszeiten:
außer Montag und Dienstag 14-17
Uhr; Eintritt frei). Zunächst geht es
aber zu Fuß weiter das Ludetal aufwärts,
vorbei am Waldbad und am
Reiterhof. Ein landschaftlich besonders
reizvoller Blick eröffnet sich
auf die Schweizer Hütte inmitten
einer ausgedehnten Waldwiese. Der
vom Harzklub mit einem gelben
Balken auf weißem Grund markierte
Weg trägt fortan den kuriosen Namen „Besoffener Weg“.
Links des Weges plätschert die Lude und rechts am Hang der
Benedixköpfe reihen sich imposante Klippen. Zu ihnen
gehören die Pfingstfelsen, die gleichsam ein Fenster in die
Erdgeschichte eröffnen. Sichtbar wird anstehender Diabas.
Vom Monat Mai bis in den Sommer hinein betört der Duft der
Gemeinen Nachtviole, einem bis 2,5 m hohen Kreuzblütengewächs.
Wer das Risiko scheut, sich zu verlaufen, der
folgt dem Weg bis zum Ludeteich und kehrt sodann zum
Ausgangspunkt zurück. Alternativ bietet sich eine Wanderung
vorbei am „Tannengarten“ Richtung Stolberger Schloss
oder vorbei am Röhrenteich zurück ins Ludetal.
Erd-und montangeschichtliche Tour Unterwegs im Anhaltischen
Ausgangspunkt einer erlebnisreichen
Tour, die teilweise auch durch das
Gebiet der Landmarke 15 verläuft, soll
Harzgerode sein. Die Route ist in verschiedene
Abschnitte gegliedert, die
sich als Tages- oder Halbtagestouren
eignen. Als Ausgangspunkt wurde
Harzgerode gewählt, weil sich im dortigen
eher unscheinbaren Schloss
noch im 19. Jahrhundert das Anhaltische
Bergamt befand. Eine sehr
schöne Darstellung der für den Erzbergbau
interessanten Gangzüge bietet der Brunnen auf dem
Marktplatz der Stadt (siehe auch Faltblatt der Landmarke 15).
Vom großen Parkplatz an der B242 geht es zunächst entlang
der B242 in Richtung Alexisbad, vorbei an der Einmündung
der Straße „Am Ehrenberg“ und dann nach rechts den romantisch
verwachsenen Pfad über den Damm des Hahnröder
Teiches. Nach der Querung der Schienen der Harzer Schmalspurbahn
halten wir uns zunächst rechts und benutzen den
Rundweg Richtung „Himmelsgarten“ bzw. „Liebeslaube“.Zum Steinbruch „Schneckenberg“ ( 5 )
Die „Liebeslaube“ ist eine Schutzhütte und
befindet sich direkt oberhalb des bis 1938
betriebenen Steinbruchs „Schneckenberg“.
Aufgeschlossen sind dort Hercynkalke
eines in fremder Umgebung gelegenen
großen Felsblocks (Großolistholith in
der Harzgeroder Zone). Er ist Teil des
Harzgeröder Olisthostroms, einem
Sedimentkörper mit chaotischem Gefüge,
der aus einem der Schwerkraft folgenden
Schlammfluss entstanden und in den
Sedimenten des Gebietes, in dem er zur Ruhe kam, eingelagert
ist. Der Steinbruch erschließt einen besonderen tektonischen
Aufbau der Devonkalke. Er ist im Harz der bekannteste
Fundpunkt der princeps-Kalkfauna (Fossilien aus dem vor 405
Mio. Jahren beginnenden Unterdevon).
Zum Pioniertunnel Alexisbad ( 6 )
Die Tour wird nach dem Besuch des
Steinbruchs „Schneckenberg“ auf dem
Rundwanderweg fortgesetzt. Wir gehen
den nächsten nach rechts abbiegenden
Weg, halten uns dann links und erreichen
alsbald die „Paul-Krause-Hütte“ des Harzklubs
(Schutzhütte mit Infotafel). Von dort
sind es nur noch wenige Schritte bis zum
Naturdenkmal „Trompel“, einem Rondell
alter Ahorn- und Lindenbäume, das die
Lage des 3. Lichtlochs des „Schwefelstollens“
markiert. Um 1880 wurde der
Schacht verfüllt und einplaniert. Die Bäume
stammen aus jenen Jahren. Der „Schwefelstollen“
folgt dem „Reichen Davidsgang“.
Abgebaut wurden bis 1752 Schwefelkies (Pyrit) und Bleiglanz.
Anschließend folgen wir dem sehr schön gestalteten Naturlehrpfad
in Richtung der 1897 erbauten „Köthener Hütte“.
Gleichsam einem Abenteuerspielplatz präsentieren sich an
einem Punkt des Lehrpfads verschiedene jagdliche Einrichtungen.
Doch es wird noch abenteuerlicher, nachdem wir an
der „Köthener Hütte“ den nach Süden gerichteten abschüssigen
Weg Richtung Alexisbad eingeschlagen haben. Es
ist der „Klippenweg“. Wir passieren zunächst die „Teufelsklippen“,
ehe der „Pioniertunnel“ erreicht wird. Hier verläuft
die Wanderung dann ein kurzes Stück unter Tage. Errichtet
wurde der Tunnel von der 2. Kompanie des Magdeburger
Pionierbattallions Nr. 4 im Mai 1900. Er ist teilweise bergmännisch
verbaut und bietet Schutz bei Regen oder Abkühlung
an heißen Sommertagen.
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute. Auch sachkundige Führungen können vermittelt werden
(Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im
Regionalverband Harz, Herr Dr. STEIGER (03944) 369085 oder
email: T_Steiger@gmx.de). Der Regionalverband Harz e. V.
wünscht Ihnen gute Erholung und interessante Einblicke in
Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des
Naturparks Harz/Sachsen-Anhalt! Weg Deutscher Kaiser und Könige Zur Grube „Mühlenberg-Zug unter der Erichsburg“ ( 7 )
Jahrhunderte zuvor befand sich unten im
Selketal das Klostergut Hagenrode. Im Jahr
993 gestattete König OTTO III. dem Abt das
Markt-, Münz- und Zollrecht in Hagenrode,
welches zu diesem Zeitpunkt Verwaltungszentrum
der Harzer Besitzungen des
Klosters Nienburg war. Nach Auflösung der
Klöster im Zuge der Reformation fiel es von
der Nienburger Güterverwaltung an den
Landesherren. Im Bauernkrieg 1525 wurde
es Opfer mordbrennerischer Bauern. Die
Steine wurden 1870 beim Bau des Hotels
„Klostermühle“ genutzt. Von diesem historischen
Ort aus folgen wir dem „Weg
Deutscher Kaiser und Könige“ das
Friedenstal hinauf. Alsbald wird eine Stelle
erreicht an der, vom Bachlauf freigespült,
eine im gewachsenen Fels eingetiefte Fahrspur
einstmals eisenbereifter Räder erkennbar wird.
Ebendort gut sichtbar sind vertikal eingeschichtete
Schieferplatten als Untergrundsicherung und zur Herstellung
einer trittsicheren Oberfläche für die Zugtiere.
Dieser aufwändige Wegebau lässt auf die einstmals große
Bedeutung des Friedenstals schließen.
Weiter talaufwärts befanden sich früher kaskadenartig
angelegte Stauteiche, in denen Aufschlagwasser für die
Wasserräder der verschiedensten Nutzungen im Bereich
Mägdesprung (Landmarke ) gespeichert wurde.
Schließlich erreichen wir das Mundloch der Grube, in der
von 1708 bis 1741 unter dem damaligen Grubennamen
„Fürst Karl Wilhelm“ insgesamt 12.000 Tonnen Kupferkies
abgebaut wurden, ausreichend für eine jährliche Kupfererzeugung
von 25 Tonnen. Auch Flussspat, Arsenkies,
Schwefelkies und Wolframit führte der Gangzug. Der Gang
fällt im Granit rund 65° nach Süden ein. Als 1742 Fürst
VIKTOR II. FRIEDRICH VON ANHALT-BERNBURG (1700-1765) die Bergwerke
im anhaltischen Harz übernahm, wurde die
Förderung eingestellt. Die Grube war offensichtlich nicht
mehr rentabel.Raubrittertum und Schlageinteilung der Wälder Vom Bergrat Müller Teich zur Erichsburg
Zur Wasserhaltung der Grube „Fürst Karl Wilhelm“ wurden
oberhalb der Erichsburger Teich (1709) und 1737/38 der
Bergrat Müller Teich (8) angelegt. Bergrat MÜLLER aus Gernrode
war ein bedeutender Bergbaufachmann seiner Zeit. Ein
kleiner und stark verwachsener Steinbruch am Bergrat
Müller Teich schließt Zweiglimmergranit des Rambergs mit
gut ausgebildeter Verwitterungszone auf (Oberkarbon).
Beachtenswert ist ein Grenzstein am Damm des Bergrat
Müller Teichs. Er ist Zeugnis der Schlageinteilung der
Wälder, mit der der fürstlich anhaltische Forstkommissar
JOHANN JACOB BÜCHTIG (1729-1799) beauftragt war. BÜCHTIG
war der erste deutsche Forstpraktiker mit einem Universitätsstudium
(Universität Halle) und bekleidete ab 1765
das Amt des Bergamtsassessors in Harzgerode.
Von der romantischen Blockhaussiedlung des Ferienparks
Merkelbach entlang der „Beckstraße“ nur 700 m in Richtung Siptenfelde entfernt führt ein schmaler Pfad
links die Böschung hinauf zum Erichsberg.
Auf ihm befinden sich die Wallanlagen und
die noch heute sichtbaren Reste des
Burgfrieds, eines Wohngebäudes und Wohnturms
der früheren steinernen Kernburg.
Die Erichsburg (9) wurde 1320 an die Grafen
VON STOLBERG verkauft. Über ihr weiteres
Schicksal weiß Spangenbergs Mansfeldische
Chronica von 1572 zu berichten, dass
Graf HERMANN VON STOLBERG als Raubritter
schlimmster Art keinen schonte und sein
Handwerk trieb, bis der Landgraf von
Thüringen mit Erfurtern, Mühlhäusern und
auch Nordhäusern Bürgern das Raubnest ausnahm
und strengstes Gericht hielt. Der Graf musste sich
verpflichten, die Burg niemals wieder aufzubauen. Sie ist
seither wüst.
Im unmittelbaren Burgbereich wurde im Mittelalter möglicherweise
Bergbau betrieben (sogenannter „Erichsburger
Glanz“).
Zeugnisse des Bergbaus Durch das Uhlenbachtal
Nach ca. 1 km verlassen wir die Beckstraße
und steigen rechts ins Tal hinab, folgen weiter
der Beschilderung zum Forsthaus „Uhlenstein“.
Dem idyllisch gelegenen Forsthaus ist
ein Teich vorgelagert.
Weiter geht es talabwärts zum ehemaligen
Steinbruch „Brachmannsberg“ (10) der erst
vor wenigen Jahren mit Material aus der
Auffahrung der Wasserlösungsstollen im
Uhlenbachtal teilweise verfüllt wurde. Am
Steinbruch befindet sich auch der im Jahr
1784 getäufte 50-55 m tiefe Hauptschacht
der Grube „Brachmannsberg“. Gefördert
wurde Flußspat. Fein verteilter Pyrit war für
die Bildung schädlicher Grubenwässer verantwortlich,
die noch heutzutage nicht ohne
entsprechende Behandlung in die Vorflut entlassen werden
können.
Talabwärts müssen wir die Bundesstraße 242 queren und
an dieser ca. 100 m nach rechts gehen. Bald ist das Mundloch
des 1995-1998 aufgefahrenen „Brachmannsberger
Stollens“ erreicht. Wie auch der „Biwender Stollen“ auf der
anderen Talseite dient er der kontrollierten Entwässerung
des Altbergbaus. Die BST Mansfeld GmbH & Co. KG betreibt
nach der Auffahrung der Wasserlösungsstollen zwischen
beiden Mundlöchern eine Wasseraufbereitungsanlage (11).
Am Ausgang des Uhlenbachtals in das Selketal führt die
Route rechts entlang der Kreisstraße hinein in den Ort
Silberhütte. Dort, wo sich zunächst eine Pottaschenhütte
und eine Ölmühle befanden, wurde 1692 die Silberhütte
eingerichtet. 1752 wich dieses Werk einer fürstlichen
Glashütte, die besonders Tafelglas in großen Scheiben herstellte.
Eine große Kunstgusstafel weist darauf hin, dass
Herzog ALEXIUS FRIEDRICH CHRISTIAN (1767-1834) im Jahr
MDCCCXXV 1825 die Schmelzwerke umbauen und verbessern
ließ.
Freilichtmuseum Harzer Waldhof Silberhütte ( 12 )
Zu einem besonderen Anziehungspunkt
nicht nur für Schulklassen und Familien
mit Kindern hat sich der „Harzer Waldhof“
entwickelt. Eingerichtet wurde dieses
Freilichtmuseum 1998 im Rahmen
der Öffentlichkeitsarbeit des Forstamts
Harzgerode. Gemeinsam mit einem
Förderverein hat der Landesforstbetrieb
seither die Anlage weiter vervollkommnet
und um eine Ausstellung (u. a.
historische Motorsägen) im ehemaligen
Bahnhofsgebäude erweitert. Auf dem ständig frei zugänglichen
Gelände werden die Entwicklung
der Forstwirtschaft und deren (frühere)
Bedeutung für den Bergbau und die
Köhlerei sowie die heutzutage wichtigen
Waldfunktionen Nutzung (Holz),
Schutz (Naturschutz, Wasserschutz,
Bodenschutz) und Erholungsvorsorge
dargestellt.
Stadtinformation Harzgerode(039484) 32 421
www.harzgerode.de
Auf geologischen Wanderwegen Zurück über die Grube Pfaffenberg Neudorf ( 13 )
Direkt auf dem Waldhofgelände beginnt
ein 4 km langer geologischer Wanderweg,
der über den Wolfsberg zum Birnbaumteich
führt. Will man nicht den Tau von
den auf dem Weg wachsenden Gräsern
abstreifen, so beginnt man seine Wanderung
dort nicht am frühen Morgen! Am
Ferienpark Birnbaumteich finden wir den
Ausgangspunkt des Neudorfer Bergbaurundwegs.
Auf mehreren DENNERT-Tannen
erfahren wir vieles über das Gebiet mit
dem ältesten bekannten Bergbau in der
Region. Durch Fürst OTTO VON ANHALT (†
1304) erhielten Klöster bereits um 1300
Schürfrechte im Birnbaumrevier (Biwender
Gangzug). Nach 4 km in Neudorf angekommen
lohnt dort geduldiges Herumirren, denn der Ort
ist voller Zeugnisse der Bergbaugeschichte, die hier erst
1941 endete. So führte von dort 1887-1912 eine 4,5 km
lange Erzbahn (750 mm Spurbreite) nach Silberhütte (siehe
dort Beschilderung am Bremsenberg). Der Förderschacht
des Grubenreviers Meiseberg („Herzog-Alexis-Richtschacht“
auf dem Neudorfer Gangzug, Teufe 180 m) befand sich
direkt in Neudorf. Von dessen ehemaligen Standort aus
gehen wir „In den Eichen“ und entlang des südlichen Ortsrandes
zur Grube Pfaffenberg („Fürst Christian-Schacht“,
Teufe 355 m) bzw. zum „Ölkeller“. Mehrere Röschen (untertägige
Wasserläufe) verbinden sich hier mit dem Meiseberger
Wipperstollen. Sie brachten Aufschlagwasser für ein hier seit 1805 in Betrieb befindliches Wasserrad. 1822/23
wurde an dessen Stelle eine Dampfmaschine zur Hebung
des Grundwassers erbaut. Weiter geht es dann vorbei am
„Gondelteich“ Neudorf zurück nach Harzgerode über den
Harzgeröder Fußweg. Schon mit Blick auf Harzgerode
zweigt nach links der Albertinenweg ab (vorbei an der
Grube „Fürstin Elisabeth-Albertine“ auf dem Feld und
Quellenzug, Förderung von Blei und Silber bis ca. 1850,
Teufe 272 m).
Entspannung Zum Bergsee Güntersberge ( 14 )
Wer des vielen Wanderns
müde geworden ist, fährt
mit der Selketalbahn von
Alexisbad oder Silberhütte
nach Güntersberge. Vom
Haltepunkt der Harzer
Schmalspurbahn, ist es nur
ein kurzes Stück Weg bis
zum Bergsee (Bademöglichkeit,
Bootsverleih). Der
Bergsee, auch „Mühlenteich“
genannt, ist sieben
Hektar groß und wurde ursprünglich
zur Versorgung der
Mühlen, der Hammerwerke und des Bergbaus im unterliegenden
Selketal erbaut.
Am Hang des Südufers befindet sich das Naturdenkmal „Aufschluss
Teichdamm“ (N51°39.420’;E010°58.598’). Für Kenner
sichtbar ist ein Typusprofil von nationaler Bedeutung.
Aufgeschlossen sind devonische Herzynkalke in unterkarbonischer
Rutschmasse (Olisthostrom).
Im schattigen Wald beginnt unterhalb des Damms ein vom
örtlichen Harzklubzweigverein sehr interessant gestalteter
Naturlehrpfad, in dessen Verlauf nach 1,5 km die Ruine der
„Güntersburg“ erreicht werden kann. 485 m über NN findet
sich dort eine ausgedehnte, bereits Anfang des 17. Jh. wüste
Siedlung mit Wallanlage, Fundamenten
von Tortürmen und sonstigen Gebäuden.
Geschichtlich belegt ist an dieser Stelle
auf dem Kohlberg im 11. und 12. Jh. eine
Siedlungsanlage mit Burg. Auf steinernen
Fundamenten standen Holzhäuser, deren
Dächer mit Thüringer Schiefer eingedeckt
waren. Schon 1319 wurde ein unterhalb
der „Kohlbergsburg“ verlaufender Weg als
„Hohe Straße“ bezeichnet.
Östlich von Güntersberge an der Zufahrt
zum Berghotel „Glück auf“ weist eine
DENNERT-Tanne auf den Standort der
Grube „Anna“ hin. Die Grube (Teufe 35 m)
liegt auf dem westlichen Ende des ca.
9 km langen Biwender Gangzuges.
Geologische Entwicklung des Gebietes
Für die Betrachtung des Gebietes rings um den Auerberg bietet sich
ein Rückblick in die frühe Phase der Entstehung der Tonschiefer und
Grauwacken an. Es ist die Zeit des Erdaltertums, als im Silur, Devon
und Unterkarbon (vor 400-300 Mio. Jahren) ein weiter Ozean das
Gebiet des heutigen Mitteleuropas einnahm. In diesen Ozean hinein
wurden über Jahrmillionen gewaltige Massen von Sedimenten
geschüttet. Fern der Küsten gelangten dabei nur die sehr feinen
Partikel, wurden dort als Tonschlamm abgelagert und unter großem
Druck verfestigt. Anderswo bildeten sich im Meeresboden tiefe
Spalten an denen glutflüssige Basaltmagma austrat und zur Bildung
der heute im Harz weit verbreiteten Diabase führte. Die weitere
Entwicklung beschreibt KNAPPE (1976) so: „Fortwährend wurde dieser
ständig absinkende Meerestrog, die sogenannte Geosynklinale,
weiter mit Ton, Sand, Kalk oder vulkanischem Gestein aufgefüllt.“ Im
Oberkarbon (vor ca. 300 Mio. Jahren) erfasste dann die von SE nach
NW vordringende variszische Faltung den mit Sedimenten gefüllten
Trog. Durch eine fortdauernde Aufwärtsbewegung wurde dieser
gesamte Komplex schließlich über den Meeresspiegel hinaufgehoben
(Auffaltung des variszischen Gebirges). Am Ende der Faltungsära
stiegen abermals glutflüssige Gesteinsschmelzen meist granitischer
Zusammensetzung aus der Tiefe auf, wurden in die gefalteten
Schichten hineingepresst, und erstarrten dort langsam zu richtungslosen
körnigen Tiefengesteinen (Gabbro, Granit). Schon im 19. Jh.
erkannten Geologen einen Zusammenhang zwischen den Granitkörpern
(z. B. des Rambergs) und dem Auftreten von Erzgängen. Die
großen magmatischen Körper lieferten während ihrer langen Abkühlungsphase
100-400 °C heiße, metall- und mineralreiche
Lösungen, die während ihres Aufstiegs langsam abkühlten und
dabei ihre mitgeführte Fracht als Erz- oder Granitminerale in vorhandenen
Hohlräumen ausfällten. Das Zentrum der Unterharzer
Gangmineralisation liegt im Gebiet Straßberg-Neudorf-Harzgerode
(LIEßMANN 1992). Der Auerberg ist ein zeitlich jüngeres Ergussäquivalent
des Ramberg-Plutons. Wahrscheinlich ist, dass beide
Gesteine einen gemeinsamen Herd besitzen.
Ausgewählte Hotels
Wellness Hotel „Schindelbruch“Stolberg/Harz - Auerberg
www.harzlive.de
(034654) 8080
Hotel Beutel „ChaletWaldfrieden“ Stolberg/Harz
www.hotel-beutel.de
(034654) 8090
Ferienpark MerkelbachSiptenfelde-Friedrichsbrunn
www.ostharz.de
(039487) 7530
Berghotel „Glück auf“Güntersberge
www.berghotel-guentersberge.de
(039488) 301
Kinder- und ErholungszentrumGüntersberge e.V.
Güntersberge
www.kiez-harz.de
(039488) 7622
Hotel „Zur Güntersburg“Güntersberge
www.hotel-guentersburg.de
(038488) 330
Der Geopark Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen wurde
2002 gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat
der Regionalverband Harz e. V. übernommen.
Der untenstehenden Übersichtskarte können Sie die Lage der
Landmarke Auerberg - Oberes Selketal entnehmen. Wie dieses
Faltblatt der Landmarke 10 werden Ihnen auch die anderen
Faltblätter der 17 Landmarken helfen, Ihren nächsten Besuch
im Natur- und Geopark Harz zu planen.
Herausgeber: Regionalverband Harz e. V.,
Hohe Straße 6,
06484 Quedlinburg
Tel.: 03946-96410,
Fax: 03946-964142
Internet: www.harzregion.de
Email: rvh@harzregion.de
5., neubearbeitete Auflage
© Regionalverband Harz e. V.
Alle Rechte vorbehalten
Quedlinburg 2009
Text: Dr. K. George Fotos: George, Hotels
Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke
Konzeption & Gestaltung: DESIGN OFFICE Agentur für Kommunikation
Herstellung: Koch-Druck Halberstadt
Hohe Straße 6,
06484 Quedlinburg
Tel.: 03946-96410,
Fax: 03946-964142
Internet: www.harzregion.de
Email: rvh@harzregion.de
5., neubearbeitete Auflage
© Regionalverband Harz e. V.
Alle Rechte vorbehalten
Quedlinburg 2009
Text: Dr. K. George Fotos: George, Hotels
Redaktion: Dr. K. George, Ch. Linke
Konzeption & Gestaltung: DESIGN OFFICE Agentur für Kommunikation
Herstellung: Koch-Druck Halberstadt