Landmarke 1
Hübichenstein Bad Grund
Hübichenstein Bad Grund
Geologische Entwicklung des Gebietes
Die Landmarke überspannt das Relief des westlichen Harz randes,
der von der Harzhochfläche recht abrupt in die vor ge la gerte Senke
übergeht. Nach Westen schließt sich das Hügel land des Westerhöfer
Waldes an.
Drei Struktureinheiten teilen das Gebiet dieser vielgestaltigen
Land marke: der Block des Oberharzes mit der unter karbonischen Kulmhochfläche und dem devonischen Atoll-Riffkomplex
des Iberg-Winterberges, der Gittelder Graben am westlichen Harzrand
mit dem Harzwestabbruch und seiner Zechstein- und Quartärfüllung sowie das westliche Harzvorland mit Buntsandstein und
Muschelkalk. Die variszische Faltung führte im höheren Karbon vor
ca. 300 Mio. Jahren zur Auffaltung der zuvor entstandenen sandigen
und tonigen Meeresablagerungen (Grauwacken und Schiefer).
Die nach Nordwest geneigten Falten streichen in Richtung Südwest.
Beginnend im ausgehenden Erdaltertum (Paläozoikum), kam es
mehrfach zu Hebungen der variszischen Harz scholle entlang des
Harzwestabbruches. Diese Hebungen erfolgten abgesetzt von den
Senkungen des Harzvorlandes und modellierten so das morphologisch
unverkennbare Bild des Westharzes. Heute prägen das
Gebiet zu dem zahlreiche Lagerstätten, historischer Bergbau auf
Blei, Silber und Eisen, moderne Tagebaue, senkungsgefährdete
Gebiete und Spuren der Eiszeit. In Letzterer erreichte während der
Saalekaltzeit vor ca. 200.000 Jahren das nordische Inlandeis den
äußersten Südrand des Harzes bei Münchehof. Nur in Relikten
finden sich tertiäre Ablagerungen als Schlüssel zum Verständnis
der Landschaftsgeschichte zwischen mesozoischer Meeres- und
jüngerer Festlands-, Landschafts- und Klimageschichte.
Am Iberg sowie stärker noch am Winterberg bei Bad Grund hat sich
die Verkarstung des Riffkalkes und mit ihr die Entstehung der
Brauneisenlagerstätten wohl schon im Tertiär entwickelt. Die
Auflösung des Gipses der am Harzrand nach Osten ausstreichenden
Zechsteinschichten und mesozoischen Evaporite hat aber nur
Spuren ihrer nach eiszeitlichen Entwicklung hinterlassen. Ältere
Schichten sind ab getragen. Unabhängig vom Alter der oberflächlichen
Erscheinungen geht der Grundwasserstrom in den Karstwasserleitern weiter und entwässert den Westharz nach Süden in
die Quellgruppe von Förste (Landmarke 11) bzw. nach Norden ins
Nettetal.
Die Barriere des unwirtlich rauen Harzgebirges war ein Hindernisfür die frühe menschliche Besiedlung, doch kreuzten Handelswege
von der Bronzezeit bis ins Mittelalter das Gebiet. Transportiert
wurden auf diesen Wegen Erze, Salz und andere Güter von Wert.
Die Landmarke des Gebietes Hübichenstein Bad Grund ( 1 )
Der Hübichenstein
( N 5 1 ° 4 9 . 2 1 0 ’ ;
E010°14.097’) ist
Teil eines ehemaligen Korallenriffs
und befindet sich in
unmittelbarer Nähe
der B 242. Er besteht
aus zwei mit einander
verbundenen
Felsnasen. Den Kalkstein
des Hübichensteins
bilden Riffkarbonatgesteine des
oberen Mitteldevons
(Givet). Er gehört erdgeschichtlich zum Kalkstock des nahen
Ibergs. Die nesterförmigen Spat- und Brauneisenvorkommen
des Iberges finden sich ähnlich auch unter dem Hübichenstein,
so dass auch hier Pingen und Reste des Erzes zu finden sind.
Der Felsen des Hübichensteins überragt seine Umgebung um
ca. 50 m. Seine Besteigung ist über in den Fels gehauene Stufen
möglich und wird mit einem herrlichen Ausblick auf die Stadt
Bad Grund und den Steinbruch Winterberg belohnt.
Die Harzer Sage berichtet, dass im Mittelalter der Zwergenkönig
Hübich Herr des Hübichensteins gewesen sei. Er war ein
meist freundlicher und hilfsbereiter Mann, welcher notleidenden
Menschen großzügige Geschenke machte und in vergangenen
Zeiten goldene Tannenzapfen an die Armen verschenkte.
Allerdings durfte kein Mensch den Hübichen stein besteigen.
Solch frevelhaftes Handeln soll Hübich umgehend bestraft
haben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Spitze des Hübichensteins von Soldaten aus lauter Zerstörungslust herunter geschossen. Seitdem wur de der Zwergenkönig Hübich nie wieder
gesehen.
Im Jahre 1897 wurde auf der Spitze
des höheren Felsens ein bronzener
Adler angebracht.
Am Fuße des
Hübichensteins befindet sich eine kleine
Felsenbühne.
Diese ist jedes Jahr
in der Nacht zum
ersten Mai Schauplatz
einer der bedeutendsten Walpurgisfeiern im
Harz.
ArtenvielfaltArboretum Bad Grund
Das in der Nähe der Felsnadel
des Hübichensteins befindliche
Arboretum lohnt ebenfalls
einen Besuch. Das
wissenschaftlich betreute und
vom Niedersächsischen Forstamt
Riefensbeek gepflegte
Arboretum ist einer der größten
Baumgärten in Deutschland.
Rund 75 ha sind mit
über 600 exotischen Baumund
Straucharten bepflanzt.
Hier wird erforscht, welche
Baumarten unter unseren
Klimabedingungen vital und
anpassungsfähig sind. Auf drei Rundwegen erlebt man die Wälder
Europas, Asiens und Nordamerikas. Besonders im Frühjahr zur
Blüte der Rhododendren, Magnolien und Kirschbäume ist das
Arboretum sehr beliebt. Die meisten Besucher lockt der so
genannte „Indian Summer“, wenn im Herbst die Blätter von Ahorn,
Birke oder Tulpenbaum blutrot oder goldgelb leuchten.
Die Karte hilft Ihnen bei der
Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um den
Hübichenstein. Auch sachkundige Führungen können
vermittelt werden (Kontakt:
Leiter der Arbeitsgruppe der
Geoführer im Regionalverband
Harz, Herr Dr.STEIGER
(03944) 369085 oder mail:
T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e.V.
wünscht Ihn en gute Erholung
und interessante Einblicke in
Geologie und Geschichte im
hier vorgestellten Teil des
Natur- und Geoparks Harz!Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München
www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Geologische und bergbaugeschichtliche Besonderheiten Iberg Bad Grund ( 2 )
Unmittelbar an der B 242 befindet
sich das HöhlenErlebnisZentrum
Iberger Tropfsteinhöhle mit Ausstellungen
zur Höhlenarchäologie in
der Lichtensteinhöhle (Landmarke
11 Geopunkt ) sowie zur Geologie
und Bergbaugeschichte des Ibergs.
Doch vor allem aus geologischer
Sicht ist der Iberg eine Rarität.
Umgeben von jüngeren harztypischen
Gesteinen wie Grauwacken
und Tonschiefern erhebt sich der
mächtige Iberg als Rest eines
uralten Korallenriffes, das bereits
im Erdaltertum (Mittel- und
Oberdevon) vor etwa 385 Millionen
Jahren in einem tropisch warmen
Meer südlich des Äquators entstand.
Durch die noch heute andauernde
Verschiebung der Kontinente
gelangte Europa mitsamt die sem
Riff sehr langsam bis in die heutigen
Breiten. Dem Aussehen nach,
glich das Gebiet den aus der Südsee
bekannten Riffatollen mit seichter
Lagune und umgebendem Riffwall
mit flachen Inseln.
In der Iberger Tropfsteinhöhle können
neben zahlreichen weiteren
kleinen Tropfsteingebilden u.a. ein
mehr als 10 t schwerer Bodentropfstein,
die sogenannte „Zwergenorgel“
und der „Versteinerte Wasserfall“
mit einem Alter von vermutlich bis zu 350.000 Jahren,
bewundert werden. In der Höhle und im neu aufgefahrenen
„Museum im Berg“ können wir die Kalkablagerungen der einstigen
Rifflagune durchschreiten und Erdgeschichte hautnah erleben.
Deckenkolke, kuppelartige Hohlformen an den Wänden und
Wasserstandsmarken zeigen, dass die Höhlen des Ibergs einst im
stehenden Grundwasser entstanden. Die einzigartige Entstehungsgeschichte der Iberger Höhlen begann vor etwa 10 Millionen
Jahren im Zusammenhang mit der letzten intensiven Hebungsphase
des Harzes im ausgehenden Tertiär und lässt sich in diesem
Umfang weltweit nur hier nachweisen. Sie geht auf die
oberflächennahe chemische Umwandlung ausgedehnter
Spateisensteinlagerstätten zurück, die sich nach dem Absterben
des Riffes in den Klüften des Kalkfelsens gebildet hatten und zu
dieser Zeit in den Bereich des stehenden Grundwassers gerieten.
Bei der Reaktion des Eisens mit dem Sauerstoff des Wassers entstand
Kohlensäure, die den sonst gegenüber reinem Wasser sehr
widerstandsfähigen Kalk um die Lagerstätten herum in größer em
Umfang aufzulösen vermochte. Auf dem Boden der neu entstandenen
Hohlräume setzte sich das „verrostete“ Eisen als so
genannter Eisenstein mit Eisenanteilen von bis zu 60 % ab. Seit
dem Beginn des Eiszeitalters vor 2 Millionen Jahren sank der Grundwasserspiegel im Iberg und die
Höhlen fielen trocken. In einigen bildeten
sich prächtige Tropfsteine und Wandsinterkaskaden.
Vom Parkplatz aus führt ein Wanderweg
zur bekannten Ausflugsgaststätte am
Albertturm. Vom Turm haben wir einen
wunderbaren Ausblick auf Bad Grund und
das Harzvorland. An der Gaststätte beginnt auch ein bis zum Winterberg-Steinbruch und zum Hübichenstein führender
Rundwanderweg. Er bietet Gelegenheit,
den Iberg mit seinen jahreszeitlich wechselnden
Reizen zu erkunden. Heute repräsentiert das Kalkmassiv des Iberges mit
seinem Kalkbuchenwald eines der wertvollsten
Kalk karstbiotope Niedersachsens
und ist ein bedeutendes Quartier bedrohter
Fledermausarten.
Bergbaugeschichte und LungentherapieEisensteinstollen im Teufelstal ( 2 )
Wegen der reichhaltigen, leicht
abzubauenden Eisensteinlager hatte
am Iberg sehr früh der Bergbau ein gesetzt.
Seine Anfänge gehen in das 1. Jh.
v. Chr. zurück und repräsentieren damit
den ältesten Harzer Eisenbergbau. Wer
heute die Wanderwege des Ibergs
begeht, sieht allenthalben noch die
alten Schächte, Pingen, Halden, Tagebaue
und Hohlwege. Kaum ein Quadratmeter
der Oberfläche ist im Laufe der erst im Jahre 1885 endgültig
zu Ende gegangenen Bergbaugeschichte unberührt geblieben.
Aus der Endphase der Iberger Bergbauzeit stammt der in den
Jahren 1870-1875 aufgefahrene Eisensteinstollen, der um 1985
für die Höhlentherapie hergerichtet worden ist. Sein Mundloch
liegt im Teufelstal unterhalb der B 242 (Parkplatz Iberger Tropfsteinhöhle).
In 80 bis 130 m Entfernung vom Stollenmundloch
befindet sich der Therapieraum für 50 Personen, der klimatisch
in das weitverzweigte Höhlensystem des Ibergs eingebunden ist.
Sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit weisen
kaum Schwankungen auf und liegen bei 6 bis 7 °C bzw. bei fast
100 % Luftfeuchtigkeit.
Die Untertage-Klima-Therapie ist eine schonende, nebenwirkungsfreie Behandlungsmöglichkeit für atemwegserkrankte
Patienten, auch im höheren Lebensalter. Sie trägt dazu bei, die
mit Atemwegserkrankungen zusammenhängenden Symptome
zu lindern. Die Therapie dauert in der Regel jeweils zwei Stunden
und wird auch an Sonn- und Feiertagen durchgeführt. Vor der
Therapie sollte ein örtlicher Badearzt aufgesucht werden. Bisher
gibt es hervorragende Erfolge mit dem „Asthmastollen“ und
zufriedene Gäste!Gesundheitszentrum Bad Grund (05327) 7 00 710
www.gesundheitszentrum-badgrund.de
RiffkalkWinterberg Bad Grund ( 3 )
Ebenso wie der Iberg gehört
auch der Winterberg zu dem
nördlich von Bad Grund gelegenen
Korallen- und
Schwammriff komplex. Die
fossilreichen Kalkgesteine
und Spaltenfüllun gen im Riff
werden altersmäßig in die
Zeit des obersten Mitteldevons
bis Unterkarbon eingestuft.
Der starre Riffkomplex
wird allseitig von
tektonischen Störungszonen begrenzt und ragt als Fenster aus
den karbonischen Gesteinen Grauwacke und Schiefer heraus.
Die hoch reinen Riffkalke mit Kalkgehalten von über 96 % sind
von hoher wirtschaftlicher Bedeutung und werden schon seit
den 1930er Jahren im Tagebau am Winterberg ab gebaut.
Das Kalkwerk Münchehof, wo diese Kalke seit 1938 verarbeitet
werden, stellt gebrannte Stückkalkprodukte, Weißfeinkalk und
Kalkhydrat für die Eisen- und Stahlindustrie, die Baustoffindustrie,
den Umweltschutz und die chemische Industrie her.
Zum anderen finden die Rohkalksteine Verwendung als Schotter
und Splitte sowie
als Mineralgemische
für die Straßenbau-, Beton-,
Putz- und Mörtelindustrie.
Ursprünglich dienten
die Kalke als
basische Zuschlagstoffe
zur Schmelzpunkterniedrigung
bei der Verhüttung
von Eisen in dem
damals errichteten
Zentrum der Eisenindustrie in Salzgitter. Aus dieser
Zeit stammt auch
die so genannte
Ibergsiedlung in
Bad Grund, wo die
in der Zeit des
Nationalsozialismus
zum Teil aus
Südtirol angeworbenen
ca. 300
Arbeiter des Steinbruchbetriebes in
bescheidenen
Fachwerkhäusern im bekannten Stil der Bergmannssiedlungen
wohnten. Die Siedlung steht heute unter Denkmalschutz.
BergbaumuseumSchachtanlage Knesebeckschacht ( 4 )
Der Ort Grund war eine der ersten Siedlungen
im Oberharz (erste urkundliche Erwähnung
um 1320). Wahrscheinlich ging schon in dieser
Zeit der Bergbau auf Eisenstein und Silbererze
um. 1524 verlieh HERZOG HEINRICH DER
JÜNGERE VON BRAUNSCHWEIG-WOLFENBÜTTEL Grund
und anderen Harzer Bergorten die Bergfreiheit.
Den Berg- und Hütten betrieben wurden
so eigene Berg- und Zivilgerichte, Freiheit
von Abgaben und Herrendiensten, freies
Gewerbe und Wochenmärkte, schließlich noch
freies Bau- und Brennholz zu gesprochen.
Während der Eisensteinbergbau am Iberg bis
gegen Ende des vorigen Jahrhunderts betrieben
wurde, stellte man am Ende des 16. Jh.
den Silberbergbau ein.
Das Grubenfeld des Erzbergwerks Grund umfasst den südwestlichen Teil des Oberharzer Gangerzreviers. Das bis in Teufen von
über 700 m abbauwürdige Erz enthielt im Mittel 10 % Metall. Die
bedeutendsten Erze waren silberreicher Bleiglanz und Zinkblende.
An Gangarten fanden sich Kalkspat, Eisenspat, Schwerspat und
Quarz.
Das von der früheren Preussag AG betriebene Erzbergwerk Grund
baute bis 1992 den westlichen Silbernaaler Gangzug und seine
Begleitzüge ab. Dieser war vom Innerstetal bis zum Westrand des
Harzes auf einer Länge von ca. 10 km in ost-westlicher Richtung
erzführend, wobei sich die Lagerstätte in verschiedene Hauptvererzungszonen
gliederte. Die Lagerstätte war durch vier Tagesschächte
erschlossen, darunter der am Fuße des Eichelbergs direkt
im Stadtgebiet (N51°48.390’; E010°14.594’) gelegene „Knesebeckschacht“.
Dessen Tagesanlagen beherbergen heute das Grundner
Bergwerksmuseum. Insgesamt wurden auf diesen Gruben ca. 19
Mio. t silberhaltige Blei-Zink-Erze gefördert. Aus ihnen gewann man
über 1 Mio. t Blei, ca. 700.000 t Zink und etwa 2.500 t Silber.
Das am Knesebeck-Schacht eingerichtete Museum zeigt die technische
Entwicklung der unter Denkmalschutz stehenden Anlage von
der Mitte des 19. Jh. bis zum Betriebsende. Neben zwei restaurierten
„Radstuben“, in denen ab 1855 bis zu 12 m hohe Wasserräder die
Energie für den Schachtbetrieb lieferten, sind eine historische Fördermaschine
von 1923 sowie ein großer Elektro-Kompressor wichtige
Zeitzeugen für bergmännische Technik. Wahrzeichen der Anlage ist der 47 m hohe Hydrokompressorenturm. Dieses einzigartige Montandenkmal
wurde be reits 1912 errichtet und war
Teil einer wassertechnischen Anlage, mit der
jahr zehntelang Druckluft für die Maschinen in
der Grube erzeugt wurde. Von der Schachtanlage
führen, mit einem Tagesstollen versehen, ein um
1850 aufgefahren es Wasserlaufsystem sowie ein
1894 „angehauener“ Suchstollen in den
Eichelberg hin ein. Der untertägige Bereich wird
bei den Führungen vorgestellt.Öffnungszeiten: Täglich außer Montag
einstündige Führungen je 11 und 14 Uhr,
Sonderführungen auf Anfrage. Tel.: (05327) 2826
WasserlösungErnst August Stollen Gittelde ( 5 )
In der Mitte des 18. Jh. hatte der
Oberharzer Bergbau mit ernsthaften
Existenzsorgen zu kämpfen.
Als größtes Problem galt das
in die Gruben sickernde Wasser,
dessen man kaum Herr werden
konnte. Die oberflächennahen
Erzvorkommen waren aus gebeutet.
Um neue Erzlager zu
erschließen, musste man in größere
Teufen vorstoßen. Viele
Bergwerke waren an die Grenzen
der Wirtschaftlichkeit gestoßen
und deshalb bereits stillgelegt
worden. Insbesondere die Heranführung
der Aufschlagwasser,
ihre Speicherung, sowie die
Unterhaltung und der Betrieb der
Wasserräder und Wasserkünste
belasteten die finanziellen Möglichkeiten
der einzelnen Gruben über alle Maßen. Abhilfe konnte
nur der Bau eines zentralen tiefen Wasserlösungsstollens für alle
Oberharzer Gruben schaffen. Durch den in den Jahren 1777-
1799 aufgefahrenen „Tiefen Georg-Stollen“, der 135 m unter
dem 13-Lachter-Stollen (Landmarke 2 ) und 290 m unter der
Marktkirche von Clausthal lag, wurde es möglich, die Gruben
von dem zusitzenden Wasser zu befreien und neue Lagerstätten
zu erschließen. Das Entwässerungsniveau konnte erheblich
gesenkt werden.
Ab 1803 wurde in Clausthal die „Tiefe Wasserstrecke“ aufgefahren,
die dazu diente, die aus den tieferen Grubenbauen der
Reviere um Clausthal und Zellerfeld hochgepumpten Wasser zu
sammeln und auf das Niveau des „Tiefen Georg-Stollens“ zu
heben. Das Mundloch befindet sich in Bad Grund an der Auffahrt
zur Grube Hilfe Gottes und ist auf einige Meter begehbar. 1851
wurde dann damit begonnen, auf dem Niveau der „Tiefen
Wasserstrecke“ einen Wasserlösungsstollen bis zum Harzrand
bei Gittelde aufzufahren. Der Vortrieb erfolgte mit 18 Gegenörtern
und dauerte 13 Jahre. Der „Knesebeckschacht“ wurde
ursprünglich im Jahr 1855 als Lichtloch für den Bau des „Ernst-
August-Stollens“ angelegt. Mit einem 1880 fertiggestellten
Flügelort in das Bockswieser und Lautenthaler Revier beträgt
seine Länge 26 km. Da die privaten Anteilseigner nicht in der
Lage gewesen wären, die für die Fortführung des Bergbaues,
insbesondere für die Auffahrung des „Ernst-August-Stollens“
erforderlichen Gelder aufzubringen, übernahm das Königreich
Hannover 1864 deren Anteile. Der Stollen endet bei der Grube
„Regenbogen“ bei Clausthal-Zellerfeld. Wegen der Bedeutung für
den ganzen Oberharzer Bergbau wurde er nach König ERNST
AUGUST VON HANNOVER (1771-1851) benannt. Das in Form eines
neuromanischen Portals mit flankierenden Rundtürmen und
Zinnenkranz errichtete Stollenmundloch finden wir, eingebettet
in einen kleinen Park (N51°47.751’; E010°11.463’), in Gittelde in
Richtung Bahnhof.
Harzpanorama und ...Muschelkalk bei Eisdorf ( 6 )
Der Muschelkalk (Mittlere Trias)
gehört nicht zu den Gesteinen der
Harzscholle. Er ist von dort seit
dem Tertiär schon abgetragen.
Westlich des Gittelder Grabens,
der seine Einsenkung vermutlich
der Auslaugung der im Untergrund
ruhenden Zechsteinsalze verdankt,
steht aber mit gut 100 m
Mächtigkeit der Muschelkalk an
und ist boden- und reliefbestimmend
für den Höhenzug
des Westerhöfer Waldes. Am
Aufschluss (N51°45.707’;
E010°09.393’), einem ehemaligen
kleinen Steinbruch zur Gewinnung
von Wegebaumaterial, steht der
Untere Muschelkalk (Wellenkalk) in
plattiger Ausbildung an. In der
er haltenen Steinbruchswand ist
eine Schaumkalkbank sowie eine
schwach über kippte Falte aufgeschlossen.
Diese Falte mag ihre
Ursache im Nachrutschen einer
lokalen Muschelkalkplatte nach
Osten hinein in den sich absenkenden
Gittel der Graben haben. Den kleinen Steinbruch finden
wir linker Hand am nach Westen aus Eisdorf herausführenden
Roten Weg, dort wo rechter Hand am Waldrand Tische und Bänke
zum Picknick einladen. Hier auf der Abraumhalde des ehemaligen
Steinbruches, hat sich eine interessante Flora der Halbtrockenrasen
entwickelt.
Bei klarer Sicht ist in nördlicher Richtung sehr gut der Steinbruch
Winter berg (3) zu erkennen. Ungleich schwerer scheint es da, den
nur wenige Meter entfernten Muschelkalkaufschluss des wirklich
sehr kleinen Steinbruchs zu finden, der von hoher Ruderalvegetation
und einigen Laubbäumen ein geschlossen ist.
Äußerste Ausdehnung des Inlandeises der SaalekaltzeitEndmoräne Münchehof ( 7 )
Von der Kreuzung des Assekenbaches mit der Landesstraße hat
man einen schönen Rundblick: nach Norden auf Herrhausen und
das Nettetal, nach Westen auf den Margaretenkamp, also die
Endmoräne der 2. Eiszeit, nach Süden auf Münchehof, das Areal
eines eiszeitlichen Stausees und den Anstieg zur Westharz-
Wasserscheide am Heinrichswinkel sowie nach Osten auf die
ansteigenden Hänge des Harzgebirges. Bis hierher reichten die
Gletscher; von Skandinavien bis Münchehof lag ein einziger großer
Eisschild. Beim Vortrieb von den skandinavischen Hochlagen
über das Ostseebecken nach Süden nahmen die Gletscher viele
Gesteine auf, schoben sie, eingebacken in die Eismassen, mit
nach Süden und lagerten sie wieder ab, besonders als Endmoräne am Gletscherrand. So kamen
auch die kreidezeitlichen
Feuersteine (Flint) nach
Süden an den Harzrand. Die
ersten Menschen, die die
Region auf suchten - Neandertaler oder früher noch
der Homoerectus - sammelten
aus den Gletscherablagerungen die Flinte heraus
und schlugen diese
scharfkantig splitternden
Gesteinsknollen zu Werkzeugen
(Faustkeile, Schaber,
Bohrer usw.) und trugen sie auf ihren Streifzügen dem heimischen
Wild hinterher auch nach Süden in die unvergletscherten
Gebiete. So ist jeder Flintfund südlich der Grenze der
Inlandvereisung auf Verschleppung durch Menschen der
Altsteinzeit zurückzuführen.
Weil vor dem heutigen Ort Münchehof das Gelände nach Süden
anstieg, ergossen sich die dem Gletschertor entströmenden
Schmelzwassermassen in den Talkessel und stauten ihn an. In
diesem Eisstausee lagerte sich die feine Gletschertrübe ab, aber
auch die Geröllfracht, die die Harzbäche lieferten.Quelle: BOETZKES et. al. (1999)
ErdfallTiefe Kuhle Fürstenhagen ( 8 )
Verlassen wir Münchehof in Richtung
Fürstenhagen, so zweigt kurz
vor der Domäne Fürstenhagen
linker Hand die „Tiefe Kuhle Straße“
(Harzklubwanderweg 6a) in Richtung
Stauffenburg ab. Dieser Weg
führt bergan, hinein in den Ausläufer
des Westerhöfer Waldes. Er
quert alle drei Muschelkalkabteilungen:
den Ceratitenkalk und
den mit zahlreichen Seelilien stielgliedern
durchsetzten Trochitenkalk
des Oberen Muschelkalkes,
der die Kuppe des Grefenberges
bildet. Im Untergrund liegt der
etwa 40 m mächtige Mittlere
Muschelkalk, in den neben recht weichen Mergeln und Mergelkalken
Gipsablagerungen ein geschlossen
sind. Die Auslaugung dieser „jüngeren“ Gipse ist die Ursache
für die dortige Erdfallbildung. Die Tiefe Kuhle (N51°49.972’;
E010°10.163’) war vor Jahrzehnten Ablagerungsort von
Schlämmen der Rübenverarbeitung. Heute stockt auf ihrer so
um einige Meter angehobenen Sohle ein Bruch wald, in dessen
Kronenbereich wir vom Weg aus hineinblicken können.
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Kur und Sporthotel „Alter Römer“Bad Grund
www.hotel-alter-roemer.de
Tel.: (05327) 7080
Ringhotel Goldener Löwe Seesenwww.loewe-seesen.de
Tel.: (05381) 933-0
Der Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen wurde 2002
gegründet. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat der
Regionalverband Harz e. V. übernommen. Träger im nördlich
angrenzenden Gebiet ist der Verein FEMO mit Sitz in Königslutter.
Der Übersichtskarte können Sie die Lage aller Landmarken
entnehmen. Wie dieses Faltblatt werden Ihnen auch die Faltblätter
für die anderen Landmarken helfen, Ihren nächsten Besuch im
Natur- und Geopark zu planen.
Herausgeber: Regionalverband Harz e. V., Hohe Straße 6, 06484 Quedlinburg
Telefon: 0 39 46 - 9 64 10, Fax: 0 39 46 - 96 41 42
3., neu bearbeitete Auflage. © Regionalverband Harz e. V.
Alle Rechte vorbehalten. Quedlinburg 2010
Internet: www.harzregion.de
Autoren: Dr. Gerald Dehne, Dr. Stefan Flindt, Dr. Friedhart Knolle, Dr. Ralf Nielbock, Dipl.-Geol. Firouz Vladi & Dr. Klaus George
Fotos: FELS-Werke GmbH, George, Jentsch, Johaentges, Lauterbach, Niedersächsische Landesforsten, Rotte, Schuhose & Vladi
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke
Gestaltung: Design Office Agentur für Kommunikation, Wernigerode
Druck: Koch-Druck, Halberstadt
Internet: www.harzregion.de
Autoren: Dr. Gerald Dehne, Dr. Stefan Flindt, Dr. Friedhart Knolle, Dr. Ralf Nielbock, Dipl.-Geol. Firouz Vladi & Dr. Klaus George
Fotos: FELS-Werke GmbH, George, Jentsch, Johaentges, Lauterbach, Niedersächsische Landesforsten, Rotte, Schuhose & Vladi
Redaktion: Dr. K. George, C. Linke
Gestaltung: Design Office Agentur für Kommunikation, Wernigerode
Druck: Koch-Druck, Halberstadt