Landmarke 1
Hübichenstein Bad Grund
Hübichenstein Bad Grund
Geologische Entwicklung des Gebietes
Die Landmarke überspannt das Relief des westlichen Harzrandes,
der von der Harzhochfläche recht abrupt in die vorgelagerte
Senke übergeht. Nach Westen schließt sich das Hügelland des
Westerhöfer Waldes an.
Drei Struktureinheiten teilen das Gebiet dieser vielgestaltigen
Landmarke: der Block des Oberharzes mit der unter karbonischen Kulmhochfläche und dem devonischen Atoll-Riffkomplex
des Iberg-Winterberges, der Gittelder Graben am westlich en Harzrand
mit dem Harzwestabbruch und seiner Zechstein- und Quartärfüllung sowie das westliche Harzvorland mit Buntsandstein
und Muschelkalk. Die variszische Faltung führte im höheren
Karbon vor ca. 300 Mio. Jahren zur Auffaltung der zuvor entstandenen
sandigen und tonigen Meeresablagerungen (Grauwacken
und Schiefer). Die nach Nordwest geneigten Faltenstreichen in
Richtung Südwest. Beginnend im ausgehenden Erdaltertum
(Paläozoikum), kam es zu Hebungen der variszischen Harzscholle
entlang des Harzwestabbruches. Gemeinsam mit der nachfolgenden
Erosion haben sie das Gebirge modelliert. Heute prägen das
Gebiet zu dem zahlreiche Lagerstätten, historischer Bergbau auf
Blei, Silber und Eisen, moderne Tagebaue, senkungsgefährdete
Gebiete und Spuren der Eiszeit. In Letzterer erreichte während der
Saalekaltzeit vor ca. 200.000 Jahren das nordische Inlandeis den
äußersten Südrand des Harzes bei Münchehof. Nur in Relikten
finden sich tertiäre Ablagerungen als Schlüssel zum Verständnis
der Landschaftsgeschichte zwischen mesozoischer Meeres- und
jüngerer Festlands-, Landschafts- und Klimageschichte.
Am Iberg sowie stärker noch am Winterberg bei Bad Grund hat
sich die Verkarstung des Riffkalkes und mit ihr die Entstehung der
Brauneisenlagerstätten wohl schon im Tertiär entwickelt. Die
Auflösung des Gipses der am Harzrand nach Osten ausstreichenden
Zechsteinschichten und mesozoischen Evaporite hat aber nur
Spuren ihrer nach eiszeitlichen Entwicklung hinterlassen. Ältere
Schichten sind abgetragen. Unabhängig vom Alter der oberflächlichen
Erscheinungen geht der Grundwasserstrom in den Karstwasserleitern weiter und entwässert den Westharz nach Süden in
die Quellgruppe von Förste (Landmarke 11) bzw. nach Norden ins
Nettetal.
Die Barriere des unwirtlich rauen Harzgebirges war ein Hindernis
für die frühe menschliche Besiedlung, doch kreuzten Handelswege
von der Bronzezeit bis ins Mittelalter das Gebiet. Transportiert
wurden auf diesen Wegen Erze, Salz und andere Güter
von Wert.
Die Landmarke des Gebietes Hübichenstein Bad Grund ( 1 )
Der Hübichenstein ist
Teil eines ehemaligen
Korallenriffs und befindet
sich direkt an der
B 242. Er besteht aus
zwei mit ein ander verbunden en Felsnasen und
überragt seine Umgebung
um ca. 50 m. Seine
Besteigung ist über in
den Fels gehauene Stufen
möglich und wird mit
einem herrlichen Ausblick
auf die Stadt Bad Grund und den Steinbruch Winterberg
belohnt.
Im Jahre 1897 wurde auf der Spitze des höheren Felsens ein bronzener Adler angebracht. Am Fuße des Hübichensteins befindet
sich eine kleine Felsenbühne.
Die Harzer Sage berichtet, dass im Mittelalter der Zwergenkönig
Hübich Herr des Hübichensteins gewesen sei. Er war ein meist
freundlicher und hilfsbereiter Mann, welcher notleidenden
Menschen großzügige Geschenke machte und in vergangenen
Zeiten goldene Tannenzapfen an die Armen verschenkte.
Allerdings durfte kein Mensch den Hübichenstein besteigen. Solch
frevelhaftes Handeln soll Hübich umgehend bestraft haben. Im
Dreißigjährigen Krieg wurde die Spitze des Hübichensteins von
Soldaten aus lauter Zerstörungslust herunter geschossen. Seitdem
wurde der Zwergenkönig Hübich nie wieder gesehen.
Geologische und bergbaugeschichtliche Besonderheiten Iberg Bad Grund ( 2 )
Unmittelbar an der B 242 befindet
sich das Höhlen Erlebnis-
Zentrum Iberger Tropf steinhöhle
mit Ausstellungen zur Höhlen -
archäologie in der Lichtensteinhöhle
(Landmarke 11 Geopunkt
10) sowie zur Geologie und Bergbaugeschichte
des Ibergs. Doch
vor allem aus geologischer Sicht
ist der Iberg eine Rarität.
Umgeben von jüngeren harztypischen
Gesteinen wie Grauwacken
und Tonschiefern erhebt sich der mächtige Iberg als Rest
eines uralten Korallenriffes, das bereits im Erdaltertum
(Mittel- und Oberdevon) vor etwa 385 Millionen Jahren in
einem tropisch warmen Meer südlich des Äquators entstand.
Durch die noch heute andauernde Verschiebung der Kontinente gelangte Europa mitsamt diesem Riff sehr langsam
bis in die heutigen Breiten. Dem Aussehen nach glich das
Gebiet den aus der Südsee bekannten Riffatollen mit seichter
Lagune und umgebendem Riffwall mit flachen Inseln.
In der Iberger Tropfsteinhöhle können neben zahlreichen weiteren kleinen Tropfsteingebilden
u. a. ein mehr als 10 t
schwerer Bodentropf stein, die
sogenannte „Zwergenorgel“ und
der „Versteinerte Wasserfall“ mit
ei nem Alter von vermutlich bis zu
350.000 Jahren bewundert werden.
In der Höhle und im neu
aufgefahrenen „Museum im Berg“
können wir die Kalkablagerungen
der einstigen Rifflagune durchschreiten
und Erdgeschichte
hautnah erleben. Deckenkolke,
kuppelartige Hohlformen an den
Wänden und Wasserstandsmarken
zeigen, dass die Höhlen des
Ibergs einst im stehenden Grundwasser
entstanden. Die einzigartige
Entstehungsgeschichte der
Iberger Höhlen begann vor etwa
10 Millionen Jahren im Zusammen
hang mit der letzten intensiven
Hebungsphase des Harzes
im ausgehenden Tertiär und lässt
sich in diesem Umfang weltweit
nur hier nachweisen. Sie geht auf
die oberflächennahe chemische
Umwandlung ausgedehnter Spateisensteinlagerstätten zurück,
die sich nach dem Absterben des
Riffes in den Klüften des
Kalkfelsens gebildet hatten und
zu dieser Zeit in den Bereich des
stehenden Grundwassers gerieten.
Bei der Reaktion des Eisens
mit dem Sauerstoff des Wassers
entstand Kohlensäure, die den
sonst gegenüber reinem Wasser
sehr widerstandsfähigen Kalk um
die Lagerstätten herum in größer
em Umfang auf zu lösen vermochte. Auf dem Boden der neu
entstandenen Hohlräume setzte
sich das „verrostete“ Eisen als so
genannter Eisenstein mit Eisenanteilen von bis zu 60 % ab. Seit dem Beginn des Eiszeitalters
vor 2 Millionen Jahren sank der Grundwasserspiegel im Iberg
und die Höhlen fielen trocken. In einigen bildeten sich prächtige
Tropfsteine und Wandsinterkaskaden.
Vom Parkplatz aus führt ein Wanderweg zur bekannten Ausflugsgaststätte am Albertturm. Vom Turm haben wir einen
wunderbaren Ausblick auf Bad Grund und das Harzvorland.
An der Gaststätte beginnt auch ein bis zum Winterberg-Steinbruch
und zum Hübichenstein führender Rundwanderweg.
Er bietet Gelegenheit, den Iberg mit seinen jahres zeitlich
wechselnden Reizen zu erkunden. Heute repräsentiert das
Kalkmassiv des Iberges mit seinem Kalkbuchenwald eines
der wertvollsten Kalkkarstbiotope Niedersachsens.
Bergbaugeschichte und LungentherapieEisensteinstollen im Teufelstal ( 2 )
Wegen der reichhaltigen, leicht
abzubauenden Eisensteinlager hatte
am Iberg sehr früh der Bergbau ein gesetzt.
Seine Anfänge gehen in das 1. Jh.
v. Chr. zurück und repräsentieren damit
den ältesten Harzer Eisenbergbau.
Wer heute am Iberg wandert, sieht
allenthalben noch die alten Schächte,
Pingen, Halden, Tagebaue und
Hohlwege. Kaum ein Quadratmeter der
Oberfläche ist im Laufe der erst im Jahre 1885 endenden Bergbaugeschichte
unberührt geblieben. Aus der Endphase der
Iberger Bergbauzeit stammt der in den Jahren 1870-1875 aufgefahrene
Eisensteinstollen, der um 1985 für die Höhlentherapie
hergerichtet worden ist. Sein Mundloch liegt im Teufelstal unterhalb
der B 242 (Parkplatz Iberger Tropfsteinhöhle). In 80 bis
130 m Entfernung vom Stollenmundloch befindet sich der
Therapieraum für 50 Personen, der klimatisch in das weitverzweigte
Höhlensystem des Ibergs eingebunden ist. Sowohl die
Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit weisen kaum Schwankungen
auf und liegen bei 6 bis 7 ° C bzw. bei fast 100 % Luftfeuchtigkeit.
Die Untertage-Klima-Therapie ist eine schonende, neben wirkungsfreie Behandlungsmöglichkeit für atemwegserkrankte
Patienten, auch im höheren Lebensalter. Sie trägt dazu bei, die
mit Atemwegserkrankungen zusammenhängenden Symptome
zu lindern. Die Therapie dauert in der Regel je weils zwei Stunden
und wird auch an Sonn- und Feiertagen angeboten. Vor der
Therapie sollte ein örtlicher Badearzt auf gesucht werden. Bisher
gibt es hervorragende Erfolge mit dem „Asthmastollen“ und
zufriedene Gäste!Gesundheitszentrum Bad Grund (05327) 7 00 710
www.gesundheitszentrum-badgrund.de
RiffkalkWinterberg Bad Grund ( 3 )
Ebenso wie der Iberg gehört
auch der Winterberg zu dem
nördlich von Bad Grund gelegenen
Korallen- und
Schwammriff komplex. Die
fossilreichen Kalkgesteine
und Spaltenfüllungen im Riff
werden altersmäßig in die Zeit
des obersten Mitteldevons bis
Unterkarbons eingestuft. Der
starre Riffkomplex wird allseitig
von tektonischen Störungszonen begrenzt und ragt als Fenster aus den karbonischen Gesteinen Grauwacke und
Schiefer heraus. Die hochreinen
Riffkalke mit
Kalkgehalten von über 96 %
sind von hoher wirtschaftlicher
Bedeutung und werden
schon seit den 1930er Jahren
im Tagebau am Winterberg
abgebaut.
Das Kalkwerk Münchehof, wo
diese Kalke seit 1938 verarbeitet
werden, stellt gebrannte
Stückkalkprodukte, Weißfeinkalk und Kalkhydrat für
die Eisen- und Stahlindustrie,
die Baustoffindustrie, den
Umweltschutz und die chemische
Industrie her. Zum
anderen finden die Rohkalksteine
als Schotter und Splitte
Verwendung. Ursprünglich
dienten die hier abgebauten
Kalke jedoch als basische
Zuschlagstoffe zur Schmelzpunkterniedrigung bei der
Verhüttung von Eisen in der
Eisenindustrie Salzgitter.
BergbaumuseumSchachtanlage Knesebeckschacht ( 4 )
Der Ort Grund war eine der ersten
Siedlungen im Oberharz (erste urkundliche
Erwähnung um 1320). 1524 verlieh HERZOG
HEINRICH DER JÜNGERE VON BRAUNSCHWEIGWOLFENBÜTTEL
Grund und anderen Harzer
Bergorten die Bergfreiheit. Den Berg- und
Hüttenbetrieben wur den so eigene Bergsowie
Zivilgerichte, Freiheit von Abgaben
und Herrendiensten, freies Gewerbe und
Wochenmärkte, schließlich noch freies Bauund
Brennholz zu gesprochen. Während der
Eisensteinbergbau am Iberg bis gegen Ende
des vorigen Jahrhunderts betrieben wurde,
stellte man am Ende des 16. Jh. den Silberbergbau
ein.
Das Grubenfeld des Erzbergwerks Grund
umfasst den südwestlichen Teil des Oberharzer Gangerzreviers.
Das bis in Teufen von über 700 m abbauwürdige Erz enthielt im
Mittel 10 % Metall. Die bedeutendsten Erze waren silberreicher
Bleiglanz und Zinkblende. An Gangarten fanden sich Kalkspat,
Eisenspat, Schwerspat und Quarz.
Das von der früheren Preussag AG betriebene Erzbergwerk Grund
baute bis 1992 den westlichen Silbernaaler Gangzug und seine
Begleitzüge ab. Dieser war vom Innerstetal bis zum Westrand des
Harzes auf einer Länge von ca. 10 km in ost-westlicher Richtung
erzführend, wobei sich die Lagerstätte in verschiedene Hauptvererzungszonen
gliederte. Die Lagerstätte war durch vier Tagesschächte
erschlossen, darunter der am Fuße des Eichelbergs
direkt im Stadtgebiet gelegene „Knesebeckschacht“. Dessen
Tagesanlagen beherbergen heute das Bergbaumuseum.
Insgesamt wurden auf diesen Gruben ca. 19 Mio. t silberhaltige
Blei-Zink-Erze gefördert. Aus ihnen gewann man über 1 Mio. t
Blei, ca. 700.000 t Zink und etwa 2.500 t Silber. Das
Bergbaumuseum zeigt die technische Entwicklung der unter
Denkmalschutz stehenden Anlage von der Mitte des 19. Jh. bis
zum Betriebsende. Neben zwei restaurierten „Radstuben“, in
denen ab 1855 bis zu 12 m hohe Wasserräder die Energie für den
Schachtbetrieb lieferten, sind eine Fördermaschine von 1923
sowie ein großer Elektro-Kompressor wichtige Zeitzeugen für
bergmännische Technik. Wahrzeichen der Anlage ist der 47 m
hohe Hydrokompressorenturm. Dieses einzigartige
Montandenkmal wurde bereits 1912
errichtet und war Teil einer wassertechnischen
Anlage, mit der Druckluft für die Maschinen in
der Grube erzeugt wurde. Von der
Schachtanlage führen, mit einem Tagesstollen
versehen, ein um 1850 aufgefahrenes
Wasserlaufsystem sowie ein 1894 „angehauener“
Suchstollen in den Eichelberg hinein. Der
untertägige Bereich wird bei den Führungen
vorgestellt.Öffnungszeiten: Täglich außer Montag
Führungen jeweils 11 und 14 Uhr,
Sonderführungen auf Anfrage. Tel.: (05327) 2826
WasserlösungErnst August Stollen Gittelde ( 5 )
In der Mitte des 18. Jh. hatte
der Oberharzer Bergbau mit
ernsthaften Existenzsorgen zu
kämpfen. Als größtes Problem
galt das in die Gruben sickernde
Wasser, dessen man kaum
Herr werden konnte. Die oberflächennahen Erzvorkommen
waren aus gebeutet. Um neue
Erzlager zu erschließen, musste
man in größere Teufen vorstoßen.
Viele Bergwerke waren
an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit
gestoßen und deshalb
bereits stillgelegt worden.
Insbesondere die Heranführung
der Aufschlagwasser,
ihre Speicherung sowie die
Unterhaltung und der Betrieb
der Wasserräder und Wasserkünste
belasteten die finanziellen
Möglichkeiten der einzelnen Gruben über alle Maßen.
Abhilfe konnte nur der Bau eines zentralen tiefen Wasserlösungsstollens
für alle Oberharzer Gruben schaffen. Durch den
in den Jahren 1777-1799 aufgefahrenen „Tiefen Georg-Stollen“,
der 135 m unter dem 19-Lachter-Stollen (Landmarke 2 ) und
290 m unter der Marktkirche von Clausthal lag, wurde es möglich,
die Gruben von dem zu sitzenden Wasser zu befreien und
neue Lagerstätten zu erschließen. Das Entwässerungsniveau
konnte erheblich gesenkt werden.
Ab 1803 wurde in Clausthal die „Tiefe Wasserstrecke“ aufgefahren,
die dazu diente, die aus den tieferen Grubenbauen der
Reviere um Clausthal und Zellerfeld hochgepumpten Wasser zu
sammeln und auf das Niveau des „Tiefen Georg-Stollens“ zu
heben. Das Mundloch befindet sich in Bad Grund an der Auffahrt
zur Grube Hilfe Gottes und ist auf einige Meter begehbar. 1851
wurde dann damit begonnen, auf dem Niveau der „Tiefen
Wasserstrecke“ einen Wasserlösungs stollen bis zum Harzrand
bei Gittelde aufzufahren. Der Vortrieb erfolgte mit 18
Gegenörtern und dauerte 13 Jahre. Dabei wurde der „Knesebeckschacht“
4 ursprünglich als Lichtloch angelegt. Mit einem
1880 fertiggestellten Flügelort in das Bocks wieser und
Lautenthaler Revier beträgt die Gesamtlänge des „Ernst-August-
Stollens“ 26 km. Da die privaten Anteilseigner nicht in der Lage
gewesen wären, die erforderlichen Gelder aufzubringen, übernahm
das Königreich Hannover 1864 deren Anteile. Der Stollen
endet bei der Grube „Regenbogen“ bei Clausthal-Zellerfeld.
Wegen der Bedeutung für den ganzen Oberharzer Bergbau
wurde er nach König ERNST AUGUST VON HANNOVER (1771-1851)
benannt. Das in Form eines neoromanischen Portals mit flankierenden
Rundtürmen und Zinnenkranz errichtete Stollenmundloch
finden wir, eingebettet in einen kleinen Park, in Gittelde in
Richtung Bahnhof.
Harzpanorama und ...Muschelkalk bei Eisdorf ( 6 )
Der Muschelkalk (Mittlere Trias)
gehört nicht zu den Gesteinen der
Harzscholle. Er ist dort seit dem
Tertiär schon ab getragen. Westlich
des Gittelder Grabens, der seine
Einsenkung vermutlich der Auslaugung
der im Untergrund ruhenden
Zechsteinsalze verdankt,
steht aber noch der Muschelkalk
mit gut 100 m Mächtigkeit an.
Dieser ist boden- und reliefbestimmend
für den Höhenzug
des Westerhöfer Waldes. Am
Aufschluss, einem ehemaligen
kleinen Steinbruch zur Gewinnung
von Wegebaumaterial, steht der
Untere Muschelkalk (Wellenkalk) in
plattiger Ausbildung an. In der
er haltenen Steinbruchswand ist
eine Schaumkalkbank sowie eine
schwach über kippte Falte aufgeschlossen.
Diese Falte mag ihre
Ursache im Nachrutschen einer
lokalen Muschelkalkplatte nach
Osten hinein in den sich absenkenden
Gittel der Graben haben.
Den kleinen Steinbruch finden wir linker Hand am nach Westen
aus Eisdorf herausführenden Roten Weg, dort wo rechter Hand
am Waldrand Tische und Bänke zum Picknick einladen. Hier auf
der Abraumhalde des ehemaligen Steinbruches hat sich eine interessante Flora der Halbtrockenrasen entwickelt.
Bei klarer Sicht ist in nördlicher Richtung sehr gut der Steinbruch
Winterberg 3 zu erkennen. Ungleich schwerer scheint es da, den
nur wenige Meter entfernten Muschelkalkaufschluss des wirklich
sehr kleinen Steinbruchs zu finden, der von hoher Ruderalvegetation
und einigen Laubbäumen eingeschlossen ist.
Äußerste Ausdehnung des Inlandeises der SaalekaltzeitGletscherstein Münchehof ( 7 )
Von der Kreuzung des Assekenbaches mit der Landesstraße
haben wir einen schönen Rundblick: nach Norden auf Herrhausen
und das Nettetal, nach Westen auf den Margaretenkamp
(die Endmoräne der 2. Eiszeit), nach Süden auf Münchehof, das
Areal eines eiszeitlichen Stausees und den Anstieg zur Westharz-
Wasserscheide am Heinrichswinkel sowie nach Osten auf die
an steigenden Hänge des Harzgebirges. Bis hierher reichten die
Gletscher. Von Skandinavien bis Münchehof lag ein einziger
großer Eisschild. Beim Vorrücken von den skandinavischen
Hochlagen über das Ostseebecken nach Süden nahmen die
Gletscher viele Gesteine auf, schoben sie - eingebacken in die
Eismassen - mit nach Süden und lagerten sie dort ab. So kamen auch die kreidezeitlichen
Feuersteine (Flinte) nach
Süden an den Harzrand.
Die ersten Menschen, die
die Region aufsuchten -
Neandertaler oder früher
noch der Homoerectus sammelten aus den Gletscherablagerungen die
Flinte heraus, schlugen
diese scharfkantig splitternden
Gesteinsknollen zu
Werkzeugen (Faustkeile,
Schaber, Bohrer usw.) und
trugen sie auf ihren Streifzügen dem heimischen Wild hinterher
auch nach Süden. So ist jeder Flintfund südlich der Grenze der
Inlandvereisung auf Verschleppung durch Menschen der
Altsteinzeit zurück zu führen.
Weil vor dem heutigen Ort Münchehof das Gelände nach Süden
anstieg, ergossen sich die dem Gletschertor entströmenden
Schmelzwassermassen in den Talkessel und stauten ihn an. In
diesem Eisstausee lagerte sich die feine Gletschertrübe ab, aber
auch die Geröllfracht, die die Harzbäche lieferten.
ErdfallTiefe Kuhle Fürstenhagen ( 8 )
Verlassen wir Münchehof in Richtung
Fürstenhagen, so zweigt kurz
vor der Domäne Fürstenhagen
linker Hand die „Tiefe Kuhle-
Straße“ (Harzklubwanderweg 6a) in
Richtung Stauffenburg ab. Dieser
Weg führt bergan, hinein in den
Ausläufer des Westerhöfer Waldes.
Er quert alle drei Muschelkalkabteilungen:
den Ceratitenkalk und
den mit zahlreichen Seelilienstielgliedern
durchsetzten Trochitenkalk
des Oberen Muschelkalkes,
der die Kuppe des Grefenberges
bildet. Im Untergrund liegt der
etwa 40 m mächtige Mittlere
Muschelkalk, in den neben recht
weichen Mergeln und Mergelkalken
Gipsablagerungen eingeschlossen
sind. Die Auslaugung von Gipsen oder Salzgesteinen
ist die Ursache für die dortige Erdfallbildung. Die Tiefe Kuhle
war vor Jahrzehnten Ablagerungsort von Schlämmen der
Rübenverarbeitung. Heute stockt auf ihrer so um einige Meter
angehobenen Sohle ein Bruchwald, in dessen Kronenbereich
wir vom Weg aus hineinblicken können.
Fossillagerstätte von WeltrangWillershausen ( 9 )
Verlassen wir bei Echte die A7 und fahren auf der L525, der
Osteroder Landstraße, über die Obere Mühle in Richtung Osten,
so erreichen wir bald den kleinen Ort Willershausen. Ein
Willkommensschild am Ortseingang zeigt das Wappen der einstmals
selbstständigen Gemeinde, die heute zur Gemeinde Kalefeld
gehört. Das Gold und Schwarz gespaltene Wappenschild ist in der
Mitte belegt mit einem Schild: darin
auf silbernem Grund ein Kreuz, das an
die lange Zugehörigkeit des Ortes
zum Kloster Fulda erinnert.
Spannender jedoch sind die ebenfalls
im Wappen dargestellten farnartigen
Blätter. Es handelt sich um Blätter
einer Farnmyrte (Gattung Comptonia).
Die einzige heute noch vorkommende
Art aus dieser Gattung ist in
Nordamerika verbreitet. Im Pliozän
jedoch, waren Farnmyrten auch in
Europa verbreitet. Beleg dafür ist der
Fund eines eben jener Gattung zuzuordnenden fossilen Blattes in
der früheren Tongrube Willershausen. Die aktuell aus
Schutzgründen nicht zugängliche Tongrube unmittelbar am
Ortsrand bestand nachweislich schon im 16. Jh. Dort wurden
Sedimente eines vor ca. 3 Mio. Jahren (Zeitabschnitt des Pliozäns)
existierenden kleinen Sees abgebaut. Überregionale Bekanntheit
erlangte sie, nachdem Fossilfunde aus der Tongrube Willershausen
1914 erstmals in einer Doktorarbeit Erwähnung fanden. In den
1920er Jahren begann daraufhin um HERMANN SCHMIDT, dem
Kustos des damaligen Geologischen Instituts der Universität
Göttingen, die systematische Willershausenforschung. Im Ergebnis wurden
mehr als 45.000 Fossilien geborgen,
dar unter Reste des vor ca. 3 Mio.
Jahren – eben im Pliozän – lebenden
Mastodonten Anancus, einem Vetter
unserer heutigen Elefanten. Viele
Pflanzen- und Tierarten, die heute
unsere Welt bevölkern, lassen sich zu
jener Zeit schon nachweisen. Bis der
örtliche Heimatverein einen geplanten
Erlebnispfad realisiert hat und
Führungen anbieten wird, müssen wir
uns damit begnügen, Zeugnisse der Produktion der erst 1977
geschlossenen Ziegelei Schlange in Willershausen zu bestaunen.
Ziegel sind ja bekanntlich nichts anderes als gebrannter Ton. Zu
bestaunen ist beispielsweise das Pfarrhaus von Willershausen.
Von seiner neugotischen Architektur her würde man es im ländlichen
Raum gar nicht erwarten. Es war nach Plänen des Architekten
CONRAD WILHELM HASE 1866 im Auftrag der Hannoverschen
Landeskirche erbaut worden. Als eines der größten und imposantesten
ländlichen Pfarrhäuser Norddeutschlands liegt es am
Rundweg Kirchen & Kapellen der Gemeinde Kalefeld.
Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Hotel & Restaurant „Zur Altenburg“Oldershausen
www.hotelzuraltenburg.de
Tel.: (05553) 855
Ringhotel Goldener Löwe Seesenwww.loewe-seesen.de
Tel.: (05381) 933-0
Die Karte hilft Ihnen bei der
Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute rund um den
Hübichenstein. Auch sachkundige Führungen können
vermittelt werden (Kontakt:
Leiter der Arbeitsgruppe der
Geoführer im Regionalverband
Harz, Herr Dr.STEIGER
(03944) 369085 oder mail:
T_Steiger@gmx.de).
Der Regionalverband Harz e.V.
wünscht Ihn en gute Erholung
und interessante Einblicke in
Geologie und Geschichte im
hier vorgestellten Teil des
Natur- und Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München
www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München
www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Autoren: Dr. Gerald Dehne, Dr. Stefan Flindt, Dr. Klaus George,
Dr. Friedhart Knolle, Dr. Ralf Nielbock, Dipl.-Geol. Firouz Vladi
Fotos: FELS-Werke GmbH, George, Jentsch, Johaentges, Lauterbach, Rotte, Schuhose & Vladi
Fotos: FELS-Werke GmbH, George, Jentsch, Johaentges, Lauterbach, Rotte, Schuhose & Vladi