Landmarke 1
Hübichenstein Bad Grund
Geologische Entwicklung des Gebietes
Die Landmarke überspannt das Relief des westlichen Harzrandes, der von der Harzhochfläche recht abrupt in die vorgelagerte Senke übergeht. Nach Westen schließt sich das Hügelland des Westerhöfer Waldes an. Drei Struktureinheiten teilen das Gebiet dieser vielgestaltigen Landmarke: der Block des Oberharzes mit der unter karbonischen Kulmhochfläche und dem devonischen Atoll-Riffkomplex des Iberg-Winterberges, der Gittelder Graben am westlich en Harzrand mit dem Harzwestabbruch und seiner Zechstein- und Quartärfüllung sowie das westliche Harzvorland mit Buntsandstein und Muschelkalk. Die variszische Faltung führte im höheren Karbon vor ca. 300 Mio. Jahren zur Auffaltung der zuvor entstandenen sandigen und tonigen Meeresablagerungen (Grauwacken und Schiefer). Die nach Nordwest geneigten Faltenstreichen in Richtung Südwest. Beginnend im ausgehenden Erdaltertum (Paläozoikum), kam es zu Hebungen der variszischen Harzscholle entlang des Harzwestabbruches. Gemeinsam mit der nachfolgenden Erosion haben sie das Gebirge modelliert. Heute prägen das Gebiet zu dem zahlreiche Lagerstätten, historischer Bergbau auf Blei, Silber und Eisen, moderne Tagebaue, senkungsgefährdete Gebiete und Spuren der Eiszeit. In Letzterer erreichte während der Saalekaltzeit vor ca. 200.000 Jahren das nordische Inlandeis den äußersten Südrand des Harzes bei Münchehof. Nur in Relikten finden sich tertiäre Ablagerungen als Schlüssel zum Verständnis der Landschaftsgeschichte zwischen mesozoischer Meeres- und jüngerer Festlands-, Landschafts- und Klimageschichte. Am Iberg sowie stärker noch am Winterberg bei Bad Grund hat sich die Verkarstung des Riffkalkes und mit ihr die Entstehung der Brauneisenlagerstätten wohl schon im Tertiär entwickelt. Die Auflösung des Gipses der am Harzrand nach Osten ausstreichenden Zechsteinschichten und mesozoischen Evaporite hat aber nur Spuren ihrer nach eiszeitlichen Entwicklung hinterlassen. Ältere Schichten sind abgetragen. Unabhängig vom Alter der oberflächlichen Erscheinungen geht der Grundwasserstrom in den Karstwasserleitern weiter und entwässert den Westharz nach Süden in die Quellgruppe von Förste (Landmarke 11) bzw. nach Norden ins Nettetal. Die Barriere des unwirtlich rauen Harzgebirges war ein Hindernis für die frühe menschliche Besiedlung, doch kreuzten Handelswege von der Bronzezeit bis ins Mittelalter das Gebiet. Transportiert wurden auf diesen Wegen Erze, Salz und andere Güter von Wert.
Motiv
Die Landmarke des Gebietes Hübichenstein Bad Grund ( 1 )
Motiv Der Hübichenstein ist Teil eines ehemaligen Korallenriffs und befindet sich direkt an der B 242. Er besteht aus zwei mit ein ander verbunden en Felsnasen und überragt seine Umgebung um ca. 50 m. Seine Besteigung ist über in den Fels gehauene Stufen möglich und wird mit einem herrlichen Ausblick auf die Stadt Bad Grund und den Steinbruch Winterberg belohnt. Im Jahre 1897 wurde auf der Spitze des höheren Felsens ein bronzener Adler angebracht. Am Fuße des Hübichensteins befindet sich eine kleine Felsenbühne. Die Harzer Sage berichtet, dass im Mittelalter der Zwergenkönig Hübich Herr des Hübichensteins gewesen sei. Er war ein meist freundlicher und hilfsbereiter Mann, welcher notleidenden Menschen großzügige Geschenke machte und in vergangenen Zeiten goldene Tannenzapfen an die Armen verschenkte. Allerdings durfte kein Mensch den Hübichenstein besteigen. Solch frevelhaftes Handeln soll Hübich umgehend bestraft haben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Spitze des Hübichensteins von Soldaten aus lauter Zerstörungslust herunter geschossen. Seitdem wurde der Zwergenkönig Hübich nie wieder gesehen.
Geologische und bergbaugeschichtliche Besonderheiten Iberg Bad Grund ( 2 )
Motiv Unmittelbar an der B 242 befindet sich das Höhlen Erlebnis- Zentrum Iberger Tropf steinhöhle mit Ausstellungen zur Höhlen - archäologie in der Lichtensteinhöhle (Landmarke 11 Geopunkt 10) sowie zur Geologie und Bergbaugeschichte des Ibergs. Doch vor allem aus geologischer Sicht ist der Iberg eine Rarität. Umgeben von jüngeren harztypischen Gesteinen wie Grauwacken und Tonschiefern erhebt sich der mächtige Iberg als Rest eines uralten Korallenriffes, das bereits im Erdaltertum (Mittel- und Oberdevon) vor etwa 385 Millionen Jahren in einem tropisch warmen Meer südlich des Äquators entstand. Durch die noch heute andauernde Verschiebung der Kontinente gelangte Europa mitsamt diesem Riff sehr langsam bis in die heutigen Breiten. Dem Aussehen nach glich das Gebiet den aus der Südsee bekannten Riffatollen mit seichter Lagune und umgebendem Riffwall mit flachen Inseln. In der Iberger Tropfsteinhöhle können neben zahlreichen weiteren kleinen Tropfsteingebilden u. a. ein mehr als 10 t schwerer Bodentropf stein, die sogenannte „Zwergenorgel“ und der „Versteinerte Wasserfall“ mit ei nem Alter von vermutlich bis zu 350.000 Jahren bewundert werden. In der Höhle und im neu aufgefahrenen „Museum im Berg“ können wir die Kalkablagerungen der einstigen Rifflagune durchschreiten und Erdgeschichte hautnah erleben. Deckenkolke, kuppelartige Hohlformen an den Wänden und Wasserstandsmarken zeigen, dass die Höhlen des Ibergs einst im stehenden Grundwasser entstanden. Die einzigartige Entstehungsgeschichte der Iberger Höhlen begann vor etwa 10 Millionen Jahren im Zusammen hang mit der letzten intensiven Hebungsphase des Harzes im ausgehenden Tertiär und lässt sich in diesem Umfang weltweit nur hier nachweisen. Sie geht auf die oberflächennahe chemische Umwandlung ausgedehnter Spateisensteinlagerstätten zurück, die sich nach dem Absterben des Riffes in den Klüften des Kalkfelsens gebildet hatten und zu dieser Zeit in den Bereich des stehenden Grundwassers gerieten. Bei der Reaktion des Eisens mit dem Sauerstoff des Wassers entstand Kohlensäure, die den sonst gegenüber reinem Wasser sehr widerstandsfähigen Kalk um die Lagerstätten herum in größer em Umfang auf zu lösen vermochte. Auf dem Boden der neu entstandenen Hohlräume setzte sich das „verrostete“ Eisen als so genannter Eisenstein mit Eisenanteilen von bis zu 60 % ab. Seit dem Beginn des Eiszeitalters vor 2 Millionen Jahren sank der Grundwasserspiegel im Iberg und die Höhlen fielen trocken. In einigen bildeten sich prächtige Tropfsteine und Wandsinterkaskaden. Vom Parkplatz aus führt ein Wanderweg zur bekannten Ausflugsgaststätte am Albertturm. Vom Turm haben wir einen wunderbaren Ausblick auf Bad Grund und das Harzvorland. An der Gaststätte beginnt auch ein bis zum Winterberg-Steinbruch und zum Hübichenstein führender Rundwanderweg. Er bietet Gelegenheit, den Iberg mit seinen jahres zeitlich wechselnden Reizen zu erkunden. Heute repräsentiert das Kalkmassiv des Iberges mit seinem Kalkbuchenwald eines der wertvollsten Kalkkarstbiotope Niedersachsens.

Motiv Motiv
Motiv
Bergbaugeschichte und LungentherapieEisensteinstollen im Teufelstal ( 2 )
Motiv Wegen der reichhaltigen, leicht abzubauenden Eisensteinlager hatte am Iberg sehr früh der Bergbau ein gesetzt. Seine Anfänge gehen in das 1. Jh. v. Chr. zurück und repräsentieren damit den ältesten Harzer Eisenbergbau. Wer heute am Iberg wandert, sieht allenthalben noch die alten Schächte, Pingen, Halden, Tagebaue und Hohlwege. Kaum ein Quadratmeter der Oberfläche ist im Laufe der erst im Jahre 1885 endenden Bergbaugeschichte unberührt geblieben. Aus der Endphase der Iberger Bergbauzeit stammt der in den Jahren 1870-1875 aufgefahrene Eisensteinstollen, der um 1985 für die Höhlentherapie hergerichtet worden ist. Sein Mundloch liegt im Teufelstal unterhalb der B 242 (Parkplatz Iberger Tropfsteinhöhle). In 80 bis 130 m Entfernung vom Stollenmundloch befindet sich der Therapieraum für 50 Personen, der klimatisch in das weitverzweigte Höhlensystem des Ibergs eingebunden ist. Sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit weisen kaum Schwankungen auf und liegen bei 6 bis 7 ° C bzw. bei fast 100 % Luftfeuchtigkeit. Die Untertage-Klima-Therapie ist eine schonende, neben wirkungsfreie Behandlungsmöglichkeit für atemwegserkrankte Patienten, auch im höheren Lebensalter. Sie trägt dazu bei, die mit Atemwegserkrankungen zusammenhängenden Symptome zu lindern. Die Therapie dauert in der Regel je weils zwei Stunden und wird auch an Sonn- und Feiertagen angeboten. Vor der Therapie sollte ein örtlicher Badearzt auf gesucht werden. Bisher gibt es hervorragende Erfolge mit dem „Asthmastollen“ und zufriedene Gäste!

Gesundheitszentrum Bad Grund (05327) 7 00 710
www.gesundheitszentrum-badgrund.de
RiffkalkWinterberg Bad Grund ( 3 )
Motiv Ebenso wie der Iberg gehört auch der Winterberg zu dem nördlich von Bad Grund gelegenen Korallen- und Schwammriff komplex. Die fossilreichen Kalkgesteine und Spaltenfüllungen im Riff werden altersmäßig in die Zeit des obersten Mitteldevons bis Unterkarbons eingestuft. Der starre Riffkomplex wird allseitig von tektonischen Störungszonen begrenzt und ragt als Fenster aus den karbonischen Gesteinen Grauwacke und Schiefer heraus. Die hochreinen Riffkalke mit Kalkgehalten von über 96 % sind von hoher wirtschaftlicher Bedeutung und werden schon seit den 1930er Jahren im Tagebau am Winterberg abgebaut. Das Kalkwerk Münchehof, wo diese Kalke seit 1938 verarbeitet werden, stellt gebrannte Stückkalkprodukte, Weißfeinkalk und Kalkhydrat für die Eisen- und Stahlindustrie, die Baustoffindustrie, den Umweltschutz und die chemische Industrie her. Zum anderen finden die Rohkalksteine als Schotter und Splitte Verwendung. Ursprünglich dienten die hier abgebauten Kalke jedoch als basische Zuschlagstoffe zur Schmelzpunkterniedrigung bei der Verhüttung von Eisen in der Eisenindustrie Salzgitter.
Motiv
BergbaumuseumSchachtanlage Knesebeckschacht ( 4 )
Motiv Der Ort Grund war eine der ersten Siedlungen im Oberharz (erste urkundliche Erwähnung um 1320). 1524 verlieh HERZOG HEINRICH DER JÜNGERE VON BRAUNSCHWEIGWOLFENBÜTTEL Grund und anderen Harzer Bergorten die Bergfreiheit. Den Berg- und Hüttenbetrieben wur den so eigene Bergsowie Zivilgerichte, Freiheit von Abgaben und Herrendiensten, freies Gewerbe und Wochenmärkte, schließlich noch freies Bauund Brennholz zu gesprochen. Während der Eisensteinbergbau am Iberg bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts betrieben wurde, stellte man am Ende des 16. Jh. den Silberbergbau ein. Das Grubenfeld des Erzbergwerks Grund umfasst den südwestlichen Teil des Oberharzer Gangerzreviers. Das bis in Teufen von über 700 m abbauwürdige Erz enthielt im Mittel 10 % Metall. Die bedeutendsten Erze waren silberreicher Bleiglanz und Zinkblende. An Gangarten fanden sich Kalkspat, Eisenspat, Schwerspat und Quarz. Das von der früheren Preussag AG betriebene Erzbergwerk Grund baute bis 1992 den westlichen Silbernaaler Gangzug und seine Begleitzüge ab. Dieser war vom Innerstetal bis zum Westrand des Harzes auf einer Länge von ca. 10 km in ost-westlicher Richtung erzführend, wobei sich die Lagerstätte in verschiedene Hauptvererzungszonen gliederte. Die Lagerstätte war durch vier Tagesschächte erschlossen, darunter der am Fuße des Eichelbergs direkt im Stadtgebiet gelegene „Knesebeckschacht“. Dessen Tagesanlagen beherbergen heute das Bergbaumuseum. Insgesamt wurden auf diesen Gruben ca. 19 Mio. t silberhaltige Blei-Zink-Erze gefördert. Aus ihnen gewann man über 1 Mio. t Blei, ca. 700.000 t Zink und etwa 2.500 t Silber. Das Bergbaumuseum zeigt die technische Entwicklung der unter Denkmalschutz stehenden Anlage von der Mitte des 19. Jh. bis zum Betriebsende. Neben zwei restaurierten „Radstuben“, in denen ab 1855 bis zu 12 m hohe Wasserräder die Energie für den Schachtbetrieb lieferten, sind eine Fördermaschine von 1923 sowie ein großer Elektro-Kompressor wichtige Zeitzeugen für bergmännische Technik. Wahrzeichen der Anlage ist der 47 m hohe Hydrokompressorenturm. Dieses einzigartige Montandenkmal wurde bereits 1912 errichtet und war Teil einer wassertechnischen Anlage, mit der Druckluft für die Maschinen in der Grube erzeugt wurde. Von der Schachtanlage führen, mit einem Tagesstollen versehen, ein um 1850 aufgefahrenes Wasserlaufsystem sowie ein 1894 „angehauener“ Suchstollen in den Eichelberg hinein. Der untertägige Bereich wird bei den Führungen vorgestellt.

Öffnungszeiten: Täglich außer Montag
Führungen jeweils 11 und 14 Uhr,
Sonderführungen auf Anfrage. Tel.: (05327) 2826
Motiv
WasserlösungErnst August Stollen Gittelde ( 5 )
Motiv In der Mitte des 18. Jh. hatte der Oberharzer Bergbau mit ernsthaften Existenzsorgen zu kämpfen. Als größtes Problem galt das in die Gruben sickernde Wasser, dessen man kaum Herr werden konnte. Die oberflächennahen Erzvorkommen waren aus gebeutet. Um neue Erzlager zu erschließen, musste man in größere Teufen vorstoßen. Viele Bergwerke waren an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit gestoßen und deshalb bereits stillgelegt worden. Insbesondere die Heranführung der Aufschlagwasser, ihre Speicherung sowie die Unterhaltung und der Betrieb der Wasserräder und Wasserkünste belasteten die finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Gruben über alle Maßen. Abhilfe konnte nur der Bau eines zentralen tiefen Wasserlösungsstollens für alle Oberharzer Gruben schaffen. Durch den in den Jahren 1777-1799 aufgefahrenen „Tiefen Georg-Stollen“, der 135 m unter dem 19-Lachter-Stollen (Landmarke 2 ) und 290 m unter der Marktkirche von Clausthal lag, wurde es möglich, die Gruben von dem zu sitzenden Wasser zu befreien und neue Lagerstätten zu erschließen. Das Entwässerungsniveau konnte erheblich gesenkt werden. Ab 1803 wurde in Clausthal die „Tiefe Wasserstrecke“ aufgefahren, die dazu diente, die aus den tieferen Grubenbauen der Reviere um Clausthal und Zellerfeld hochgepumpten Wasser zu sammeln und auf das Niveau des „Tiefen Georg-Stollens“ zu heben. Das Mundloch befindet sich in Bad Grund an der Auffahrt zur Grube Hilfe Gottes und ist auf einige Meter begehbar. 1851 wurde dann damit begonnen, auf dem Niveau der „Tiefen Wasserstrecke“ einen Wasserlösungs stollen bis zum Harzrand bei Gittelde aufzufahren. Der Vortrieb erfolgte mit 18 Gegenörtern und dauerte 13 Jahre. Dabei wurde der „Knesebeckschacht“ 4 ursprünglich als Lichtloch angelegt. Mit einem 1880 fertiggestellten Flügelort in das Bocks wieser und Lautenthaler Revier beträgt die Gesamtlänge des „Ernst-August- Stollens“ 26 km. Da die privaten Anteilseigner nicht in der Lage gewesen wären, die erforderlichen Gelder aufzubringen, übernahm das Königreich Hannover 1864 deren Anteile. Der Stollen endet bei der Grube „Regenbogen“ bei Clausthal-Zellerfeld. Wegen der Bedeutung für den ganzen Oberharzer Bergbau wurde er nach König ERNST AUGUST VON HANNOVER (1771-1851) benannt. Das in Form eines neoromanischen Portals mit flankierenden Rundtürmen und Zinnenkranz errichtete Stollenmundloch finden wir, eingebettet in einen kleinen Park, in Gittelde in Richtung Bahnhof.
Harzpanorama und ...Muschelkalk bei Eisdorf ( 6 )
Motiv Der Muschelkalk (Mittlere Trias) gehört nicht zu den Gesteinen der Harzscholle. Er ist dort seit dem Tertiär schon ab getragen. Westlich des Gittelder Grabens, der seine Einsenkung vermutlich der Auslaugung der im Untergrund ruhenden Zechsteinsalze verdankt, steht aber noch der Muschelkalk mit gut 100 m Mächtigkeit an. Dieser ist boden- und reliefbestimmend für den Höhenzug des Westerhöfer Waldes. Am Aufschluss, einem ehemaligen kleinen Steinbruch zur Gewinnung von Wegebaumaterial, steht der Untere Muschelkalk (Wellenkalk) in plattiger Ausbildung an. In der er haltenen Steinbruchswand ist eine Schaumkalkbank sowie eine schwach über kippte Falte aufgeschlossen. Diese Falte mag ihre Ursache im Nachrutschen einer lokalen Muschelkalkplatte nach Osten hinein in den sich absenkenden Gittel der Graben haben. Den kleinen Steinbruch finden wir linker Hand am nach Westen aus Eisdorf herausführenden Roten Weg, dort wo rechter Hand am Waldrand Tische und Bänke zum Picknick einladen. Hier auf der Abraumhalde des ehemaligen Steinbruches hat sich eine interessante Flora der Halbtrockenrasen entwickelt. Bei klarer Sicht ist in nördlicher Richtung sehr gut der Steinbruch Winterberg 3 zu erkennen. Ungleich schwerer scheint es da, den nur wenige Meter entfernten Muschelkalkaufschluss des wirklich sehr kleinen Steinbruchs zu finden, der von hoher Ruderalvegetation und einigen Laubbäumen eingeschlossen ist.
Motiv
Äußerste Ausdehnung des Inlandeises der SaalekaltzeitGletscherstein Münchehof ( 7 )
Motiv Von der Kreuzung des Assekenbaches mit der Landesstraße haben wir einen schönen Rundblick: nach Norden auf Herrhausen und das Nettetal, nach Westen auf den Margaretenkamp (die Endmoräne der 2. Eiszeit), nach Süden auf Münchehof, das Areal eines eiszeitlichen Stausees und den Anstieg zur Westharz- Wasserscheide am Heinrichswinkel sowie nach Osten auf die an steigenden Hänge des Harzgebirges. Bis hierher reichten die Gletscher. Von Skandinavien bis Münchehof lag ein einziger großer Eisschild. Beim Vorrücken von den skandinavischen Hochlagen über das Ostseebecken nach Süden nahmen die Gletscher viele Gesteine auf, schoben sie - eingebacken in die Eismassen - mit nach Süden und lagerten sie dort ab. So kamen auch die kreidezeitlichen Feuersteine (Flinte) nach Süden an den Harzrand. Die ersten Menschen, die die Region aufsuchten - Neandertaler oder früher noch der Homoerectus sammelten aus den Gletscherablagerungen die Flinte heraus, schlugen diese scharfkantig splitternden Gesteinsknollen zu Werkzeugen (Faustkeile, Schaber, Bohrer usw.) und trugen sie auf ihren Streifzügen dem heimischen Wild hinterher auch nach Süden. So ist jeder Flintfund südlich der Grenze der Inlandvereisung auf Verschleppung durch Menschen der Altsteinzeit zurück zu führen. Weil vor dem heutigen Ort Münchehof das Gelände nach Süden anstieg, ergossen sich die dem Gletschertor entströmenden Schmelzwassermassen in den Talkessel und stauten ihn an. In diesem Eisstausee lagerte sich die feine Gletschertrübe ab, aber auch die Geröllfracht, die die Harzbäche lieferten.
Motiv
ErdfallTiefe Kuhle Fürstenhagen ( 8 )
Motiv Verlassen wir Münchehof in Richtung Fürstenhagen, so zweigt kurz vor der Domäne Fürstenhagen linker Hand die „Tiefe Kuhle- Straße“ (Harzklubwanderweg 6a) in Richtung Stauffenburg ab. Dieser Weg führt bergan, hinein in den Ausläufer des Westerhöfer Waldes. Er quert alle drei Muschelkalkabteilungen: den Ceratitenkalk und den mit zahlreichen Seelilienstielgliedern durchsetzten Trochitenkalk des Oberen Muschelkalkes, der die Kuppe des Grefenberges bildet. Im Untergrund liegt der etwa 40 m mächtige Mittlere Muschelkalk, in den neben recht weichen Mergeln und Mergelkalken Gipsablagerungen eingeschlossen sind. Die Auslaugung von Gipsen oder Salzgesteinen ist die Ursache für die dortige Erdfallbildung. Die Tiefe Kuhle war vor Jahrzehnten Ablagerungsort von Schlämmen der Rübenverarbeitung. Heute stockt auf ihrer so um einige Meter angehobenen Sohle ein Bruchwald, in dessen Kronenbereich wir vom Weg aus hineinblicken können.
Fossillagerstätte von WeltrangWillershausen ( 9 )
Motiv Verlassen wir bei Echte die A7 und fahren auf der L525, der Osteroder Landstraße, über die Obere Mühle in Richtung Osten, so erreichen wir bald den kleinen Ort Willershausen. Ein Willkommensschild am Ortseingang zeigt das Wappen der einstmals selbstständigen Gemeinde, die heute zur Gemeinde Kalefeld gehört. Das Gold und Schwarz gespaltene Wappenschild ist in der Mitte belegt mit einem Schild: darin auf silbernem Grund ein Kreuz, das an die lange Zugehörigkeit des Ortes zum Kloster Fulda erinnert. Spannender jedoch sind die ebenfalls im Wappen dargestellten farnartigen Blätter. Es handelt sich um Blätter einer Farnmyrte (Gattung Comptonia). Die einzige heute noch vorkommende Art aus dieser Gattung ist in Nordamerika verbreitet. Im Pliozän jedoch, waren Farnmyrten auch in Europa verbreitet. Beleg dafür ist der Fund eines eben jener Gattung zuzuordnenden fossilen Blattes in der früheren Tongrube Willershausen. Die aktuell aus Schutzgründen nicht zugängliche Tongrube unmittelbar am Ortsrand bestand nachweislich schon im 16. Jh. Dort wurden Sedimente eines vor ca. 3 Mio. Jahren (Zeitabschnitt des Pliozäns) existierenden kleinen Sees abgebaut. Überregionale Bekanntheit erlangte sie, nachdem Fossilfunde aus der Tongrube Willershausen 1914 erstmals in einer Doktorarbeit Erwähnung fanden. In den 1920er Jahren begann daraufhin um HERMANN SCHMIDT, dem Kustos des damaligen Geologischen Instituts der Universität Göttingen, die systematische Willershausenforschung. Im Ergebnis wurden mehr als 45.000 Fossilien geborgen, dar unter Reste des vor ca. 3 Mio. Jahren – eben im Pliozän – lebenden Mastodonten Anancus, einem Vetter unserer heutigen Elefanten. Viele Pflanzen- und Tierarten, die heute unsere Welt bevölkern, lassen sich zu jener Zeit schon nachweisen. Bis der örtliche Heimatverein einen geplanten Erlebnispfad realisiert hat und Führungen anbieten wird, müssen wir uns damit begnügen, Zeugnisse der Produktion der erst 1977 geschlossenen Ziegelei Schlange in Willershausen zu bestaunen. Ziegel sind ja bekanntlich nichts anderes als gebrannter Ton. Zu bestaunen ist beispielsweise das Pfarrhaus von Willershausen. Von seiner neugotischen Architektur her würde man es im ländlichen Raum gar nicht erwarten. Es war nach Plänen des Architekten CONRAD WILHELM HASE 1866 im Auftrag der Hannoverschen Landeskirche erbaut worden. Als eines der größten und imposantesten ländlichen Pfarrhäuser Norddeutschlands liegt es am Rundweg Kirchen & Kapellen der Gemeinde Kalefeld.
Motiv
Motiv
Ausgewählte Informationsstellen, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
MotivHotel & Restaurant „Zur Altenburg“
Oldershausen
www.hotelzuraltenburg.de
Tel.: (05553) 855
MotivRinghotel Goldener Löwe Seesen
www.loewe-seesen.de
Tel.: (05381) 933-0
Motiv
Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen Georoute rund um den Hübichenstein. Auch sachkundige Führungen können vermittelt werden (Kontakt: Leiter der Arbeitsgruppe der Geoführer im Regionalverband Harz, Herr Dr.STEIGER (03944) 369085 oder mail: T_Steiger@gmx.de). Der Regionalverband Harz e.V. wünscht Ihn en gute Erholung und interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des Natur- und Geoparks Harz!


Veröffentlichung der Kartografie mit freundlicher Genehmingung des Verwaltungs-Verlages München
www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 07-08-110
Autoren: Dr. Gerald Dehne, Dr. Stefan Flindt, Dr. Klaus George, Dr. Friedhart Knolle, Dr. Ralf Nielbock, Dipl.-Geol. Firouz Vladi
Fotos: FELS-Werke GmbH, George, Jentsch, Johaentges, Lauterbach, Rotte, Schuhose & Vladi