Naturpark-Blick bei Osterode am Harz
Naturpark-Blick bei Osterode am Harz

Preisträger 2015

 

Jochen Klähn in der Grube Samson

Es ist gar schön, an einem Orte fremd zu sein, und doch notwendig, eine Heimat zu haben.“

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Jährlich lobt der Regionalverband Harz den Harzer Naturparkpreis aus. Für 2015 wurden kleinere Heimatmuseen in den Blick genommen, die privat bzw. ehrenamtlich geführt werden.

 

Zur Person

Der Preisträger

Jochen Klähn, geboren am 4. Mai 1939 in Sankt Andreasberg, war 1979 von der Bergstadt Sankt Andreasberg angestellt worden als Leiter des Bergwerksmuseums Grube Samson. Das Beschäftigungsverhältnis endete 23 Jahre später. Jochen Klähn pachtete danach das Bergwerksmuseum, in das er fortan auch privat kräftig investierte. Er hat so gemeinsam mit seiner Frau ein Museum mit hoher touristischer Relevanz für die Harzregion nicht nur erhalten, sondern mit dem Harzer Roller-Kanarienvogelmuseum sogar um ein heimatkundlich wichtiges Thema erweitert. Jochen Klähn ist eine herausragende Persönlichkeit in der Kulturszene der Harzregion und darüber hinaus seit 2011 Botschafter für den Naturpark Harz.

 

Braunlage / Bergstadt Sankt Andreasberg

Harzer Roller-Kanarienvogelmuseum

Wer der Beschilderung zur Grube Samson folgt, findet in Sankt Andreasberg auch das Harzer Roller- Kanarienvogelmuseum. Es ist dort im Samsoner Gaipel untergebracht. Anlässlich des Doppeljubiläums 70 Jahre Geschichtsverein Sankt Andreasberg und 50 Jahre Bergwerksmuseum Grube Samson war das Harzer Roller-Kanarienvogelmuseum im Jahr 2001 in der ehemaligen Gaipelwärterwohnung eröffnet worden. Es zeigt die Geschichte der Kanarienvogelzucht und -haltung vom 15. Jh. bis heute. Wir erfahren, wie die Kanarienvögel nach Europa und in den Harz kamen. Viele Besucherinnen und Besucher sind sehr überrascht zu hören, dass auch Vögel ihren arttypischen Gesang erlernen müssen, ähnlich wie jeder Mensch seine Muttersprache. Aber eben erst dadurch bot sich den Züchtern im Harz die Gelegenheit, den Gesang ihrer Kanarienvögel nach ihrem Geschmack zu verbessern. Das Ergebnis gefiel auch anderen Menschen weltweit so gut, dass sich die kleinen gefiederten Sänger zu einem Exportschlager, einem wichtigen

Wirtschaftszweig für die einheimische Bevölkerung entwickelten. Bergleute und deren Familienangehörige produzierten die „Vuchelheisle“, die Transportkäfige. Ihre Herkunft aus dem Erzgebirge konnten die Bergleute nicht verbergen, sobald sie den Mund aufmachten! Zu Fuß wurden die Vögel in Reffs bis zu den Häfen, ja gar bis nach Sankt Petersburg gebracht. Das war ein harter Job! Ein Hochgenuss ist hingegen der Besuch des liebevoll eingerichteten Museums, wo uns scheinbar selbstverständlich der Gesang der Kanarienvögel entgegenschallt. In die Küche eintretend möchte man meinen, dass gleich auch der Gaipelwärter persönlich erscheint, um seine gelben Lieblinge zu füttern!

 

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9:00 bis 12:30 Uhr & 13:00 bis 16:00 Uhr;

Sonntag 10:30 bis 12:30 Uhr & 14:00 bis 16:00 Uhr

Informationen: www.harzer-roller.de

 

Weitere Wettbewerbsteilnehmer:

 

Gemeinde Nordharz

Heimatmuseum Abbenrode

Die ehemalige Gaststätte „Zur Linde“ ist heute das Domizil des Heimatmuseums Abbenrode. Der 1991 gegründete Heimat-, Kultur- und Museumsverein Abbenrode ist seit 2006 Eigentümer des Objekts. Engagierte Vereinsmitglieder haben es saniert. Das Museum mit einer Ausstellungsfläche von über 600 m² konnte so zum kulturellen Treffpunkt für Einwohner und Gäste des Ortes entwickelt werden. In Haupt- und

Nebengebäuden sind eine Fülle von Ausstellungsgegenständen zu besichtigen – von A wie Alltagsgegenständen bis Z wie Zonengrenzzaun. Eine der Attraktionen ist ein 250 Jahre alter, funktionstüchtiger Webstuhl. Wir erfahren auch, dass es im Ort einst ein vegetarisches Diät-, Kur- und Gesundungsheim gab. Besichtigt werden können außerdem mehrere Funktionsmodelle ehemaliger Abbenröder Wassermühlen.

Schon seit dem 12. Jh. wird in Abbenrode die Kraft des Wassers genutzt. Von der Ecker, die im Brockengebiet entspringt, und die bis heute streckenweise die Landesgrenze markiert, ging ein Netz künstlich angelegter Gräben aus. Mehrere Mühlen sind wenigstens zu Teilen bis heute erhalten geblieben. Ein ausgeschilderter

und mit Schautafeln versehener Mühlenwanderweg verbindet die ehemaligen Mühlenstandorte. Unweit des Heimatmuseums hat der Heimat-, Kultur- und Museumsverein zwischen 2002 und 2007 die ehemalige Mühle Otto saniert. Die

voll funktionsfähige Mühle wird zu besonderen Tagen wieder mit Wasserkraft betrieben, so auch jährlich am Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag.

Jährlich einmal gibt der Verein eine Heimatzeitung heraus. Darin finden sich sowohl Beiträge zur Geschichte des Ortes als auch Zeitzeugenberichte. Im Bundeswettbewerb „Menschen und Erfolge im ländlichen Raum“ erhielt der Verein 2014 in der Kategorie „Neue Organisationsformen und Partnerschaften“ einen von neun Preisen.

 

Öffnungszeiten: Außer im Januar jeweils am 1. Samstag von 14:00 bis 17:00 Uhr

Informationen: www.abbenrode-harz.de

 

Einheitsgemeinde Stadt Thale

Heimatmuseum Westerhausen

Anlass für die Gründung des Heimatmuseums war die 1050-Jahrfeier des Ortes Westerhausen im Jahr 1987. Damals stifteten viele Einwohner Gegenstände für den Aufbau eines Museums. Noch unter dem Dach des Kulturbundes der DDR bauten engagierte Bürger das Museum im Seitenflügel einer Scheune im Oberdorf Nr. 5a auf. Mittlerweile ist der Verein für Heimatgeschichte und Naturschutz e. V. Träger des nach einem Umbau 2012 wiedereröffneten Heimatmuseums. Auf einer Ausstellungsfläche von etwa 250 m² ist die Geschichte des Ortes dokumentiert. Angefangen von geologischen Zeugnissen über archäologische Funde der ersten Besiedlungszeit vor etwa 6.000 Jahren geht die Reise durch die Geschichte bis ins

20. Jh. Zu den Besonderheiten gehören beispielsweise die Teile einer historischen Holzwasserleitung. Werkzeuge, Geräte und Kleinmaschinen aus Handwerk, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe geben Einblick in die Arbeitswelt vergangener Zeiten. Wie wohnte man um 1900? Der Blick in die liebevoll ausgestatteten Räume verrät auch das! Ein weiterer Blickfang sind die Modelle von Gebäuden des Ortes, von denen es manche so heute nicht mehr gibt. Fotos und Ausstellungsgegenstände

erzählen zudem vom vielfältigen Vereinsleben. Ein Großteil der Exponate ist bilingual beschriftet: Hoch- und Plattdeutsch. Damit die Westerhäuser Mundart nicht in Vergessenheit gerät, haben Vereinsmitglieder gemeinsam mit der Kirchengemeinde

eine Arbeitsgruppe gebildet. Bei regelmäßigen Treffen wird dann „op Platt eschproken“. Jeweils zu einem speziellen Thema organisieren die Vereinsmitglieder aller zwei Jahre die Westerhäuser Museumstage. Im Museum können die Heimatblätter und zahlreiche Bücher erworben werden, darunter die mehrteiligen

„Geschichten aus Westerhausen“.

 

Öffnungszeiten: Samstag von 10:00 bis 12:00 Uhr

Informationen: www.westerhausen-heimat.de

 

Stadt Kelbra

Knopfmacher- und Heimatmuseum

Eines der repräsentativsten und das in seinem Ursprung zugleich älteste Gebäude der Stadt Kelbra ist die ehemalige Oberpfarre. Der denkmalgerecht sanierte Fachwerkbau mit massivem Erdgeschoss beherbergt seit dem Jahr 2000 das

Knopfmacher- und Heimatmuseum. Knopfmacher in Kelbra? Tatsächlich prägte das Knopfmacherhandwerk seit 1822 für etwa 170 Jahre die wirtschaftliche

Entwicklung des Ortes. Das Museum vermittelt Einblick in die Geschichte der Knopfmacherei, angefangen vom Import der Rohstoffe (Muscheln) bis hin zur Entwicklung, Verbesserung oder dem Umbau von Maschinen zur Knopfherstellung. Und natürlich gibt es jede Menge Knöpfe zu sehen, die seit Beginn des 20. Jh. nicht nur aus Perlmutter, sondern auch aus anderen Materialien wie Horn, Holz oder Kunststoff gefertigt wurden! Einblick in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Knopfmacher gibt eine vollständig eingerichtete Küche, die zugleich Werkstatt war. Schließlich wurden die Knöpfe bis zum Ende des 19. Jh. in Heimarbeit hergestellt. Auch die Kinder im Haus mussten mitarbeiten. Der Verdienst war karg. Um beispielsweise ein Stück Butter bezahlen zu können, mussten 4.000 Knöpfe auf die Verkaufspappen genäht werden.

Weitere ansprechend präsentierte Ausstellungsschwerpunkte informieren über das Bäcker- bzw. Schuhmacherhandwerk, die Landwirtschaft der einstigen Ackerbürgerstadt, die Geschichte der Feuerwehr, die Mineralien der Region und den Bergbau. Außerdem wird eine Filmtechnik-Ausstellung des Filmzirkels „Studio 77“ gezeigt.

Regelmäßige Veranstaltungen sind besonders bei den Einheimischen sehr beliebt. Kindergarten und Schule nutzen gerne die museumspädagogischen Angebote. Das in Trägerschaft der Stadt Kelbra befindliche Museum wird vom Förderkreis für Heimatgeschichte der Stadt Kelbra e. V. betreut.

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 16:00 Uhr

Informationen: www.knopfmachermuseum-kelbra.de

 

Stadt Ellrich

Feuerwehrmuseum

Ellrich ist die nördlichste Stadt Thüringens. Außer einem Heimatmuseum in der Hospitalstraße befindet sich in der Ravenstraße auch ein Feuerwehrmuseum. Integriert darin ist mit dem Ravensturm ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung (Geopunkt 9 im Gebiet der Landmarke 7 des Geoparks). Das Feuerwehrmuseum zeigt die Geschichte des Löschwesens der Stadt und des Landkreises Nordhausen.

Die Gründung einer Spritzengesellschaft in Ellrich ist für das Jahr 1765 nachweisbar. Im Mai 1881 wurde eine Pflichtfeuerwehr gegründet, die in dem im Jahr 1876 errichteten Städtischen Spritzenhaus untergebracht war. An bislang drei Standorten sind die historischen Exponate ausgestellt. Die meisten Exponate sind im ehemaligen Spritzenhaus mit dem Ravensturm zu sehen. Die Freiwillige Feuerwehr hatte das Gebäude im Jahr 1987 übernommen und in den folgenden Jahren saniert. Die Sanierung des Ravensturmes erfolgte von 1994 bis 1998. Im Jahr 2001 konnte das Feuerwehrmuseum dann offiziell eröffnet werden. Zu sehen sind Signaleinrichtungen, historische Löschgeräte, darunter beispielsweise zwei alte Handdruckspritzen.

Eine Außenstelle befindet sich auf dem Bahnhofsgelände. Gezeigt werden der Löschgeräteraum der ehemaligen Betriebslöschgruppe des Bahnhofs, Luftschutzraum mit Gasschleuse, Notabort und Notausstieg aus der Zeit des Dritten Reiches sowie der ehemalige Bahnhofsbrunnen, der zur Löschwasserzisterne umgebaut wurde.

Im Ortsteil Sülzhayn existiert mit dem dörflichen Spritzenhaus eine zweite Außenstelle. Dort können die Handdruckspritze „Hamma“ oder der Handschlauchwagen „Oßmannstedt“ besichtigt werden. Träger des Feuerwehrmuseums sind die Stadt, die Freiwillige Feuerwehr sowie der Feuerwehrverein Ellrich. Letzterer betreibt das Museum.

 

Öffnungszeiten: Mai bis September jeweils am 1. Sonntag von 15:00 bis 17:00 Uhr

Informationen: www.kulturoffensive-suedharz.de/feuerwehr

 

Uffestadt Bad Sachsa

Glasmuseum Steina

Im Haus des ehemaligen Gemeindebüros in Steina gibt eine attraktive Ausstellung Einblick in die Zeit der Waldglashütten der Region. Waldglas steht einerseits für grünlich gefärbtes Glas. Andererseits wird damit auch die Epoche bezeichnet, in der Wander-Glashütten zeitweilig in den Wäldern Glas produzierten, bis eine der Ressourcen am Standort aufgebraucht war. Lange Zeit geriet die Glasmacherei in der Region in Vergessenheit. Erst die Vorbereitungen zur 700-Jahrfeier Steinas im Jahr 1989 brachten das Thema wieder auf die Tagesordnung. Gezielte Suche nach Zeugnissen der Glasherstellung in der Umgebung lieferten in den folgenden Jahren Funde verschiedener Art. Es reifte die Idee, ein Glasmuseum einzurichten, das dann schließlich 1994 auch gegründet wurde. Die Ausstellung „Die gläserne Spur“ dokumentiert anhand von eindrucksvollen Exponaten die Waldglashüttenzeit der Region. Darunter befinden sich die Nachbildung eines Glasschmelzofens, Dokumente und Filme. Die Glasmacherzeit im Harz hatte zu Anfang des 16. Jh. begonnen, als Glasmacher aus Hessen sich hier niederließen. Sämtliche Rohstoffe zur Glasherstellung – Quarzsand, Kalkstein, Metalloxide und Holzasche – waren

vorhanden. Die Region um Sachsa entwickelte sich zum regionalen Glasmacherzentrum. Bereits Ende des 17. Jh. waren die Waldglashütten jedoch wieder verschwunden. Holz wurde nicht nur zur Herstellung von Pottasche und zum Heizen der Glasschmelzöfen benötigt. Der Bergbau hatte einen ungleich höheren Bedarf. Die Folge war, dass die Holzzuweisungen durch die Landesherren an die Glashütten unterblieben. Die Glasmacher mussten den Harz verlassen. Der im Jahr 1993 gegründete Förderverein Glasmuseum Steina betreibt das Museum. Er wird unterstützt von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe des Pädagogiums.

 

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 15:00 bis 17:00 Uhr

Informationen: www.glasmuseum-steina.de

 

Faltblatt Naturpark-Wettbewerb 2015 zum downloaden:

Heimatmuseen in der Harzregion