Landmarke 7

Kohnstein

Südharzer Zechsteingürtel

Kohnstein Niedersachswerfen

Abbauwand am Kohnstein
Abbauwand am Kohnstein

Auf unserer Erkundungsreise durch den Geopark kommen wir aus dem Gebiet um die Landmarke 6 von Ilfeld entweder mit dem Auto auf der B 4 oder mit der Harzer Schmalspurbahn nach Niedersachswerfen. Beide Orte sind seit Anfang 2012 in der Gemeinde Harztor vereint. Richtung Niedersachswerfen folgten wir der Bere, einem 17 km langen Flüsschen, das bei knapp 600 m NHN im Grenzgebiet zu Sachsen-Anhalt entspringt. In Thüringen, am Fuße des 334,9 m NHN messenden Kohnsteins schließlich mündet die Bere in die Zorge. Die Zorge ihrerseits kommt aus Niedersachsen, durchfließt Ellrich, Niedersachswerfen und Nordhausen, um am Ende nordöstlich von Heringen in die Helme zu münden. Rechts und links der Zorge erstreckt sich das hier betrachtete Teilgebiet des Geoparks Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen, dem der Kohnstein als weithin sichtbare Landmarke seinen Namen gibt. Beeindruckte die natürliche Steilstufe des Berges die Menschen schon von alters her, so ist heute die weiße Abbauwand des Anhydrittagebaus unübersehbar. Einige Kalkröstereien am Kohnstein fanden schon im Jahre 1368 Erwähnung. Ab 1917 ließ hier dann die Badische Anilin & Soda-Fabrik (BASF) für das Ammoniakwerk Merseburg in großem Stil Sulfatgestein abbauen. Die Geschichte der Entstehung eines umfangreichen künstlichen Hohlraumsystems nimmt ihren Anfang. Bis 1935 wurden ca. 35 Mio. t Anhydrit gebrochen (teilweise auch im Tagebau). Das Kohnsteinmassiv besteht aus bis zu 400 m mächtigem Anhydrit der Werra-Folge mit einer Gipsrinde und wird in seinen höchsten Partien von Resten des Hauptdolomits der Staßfurt- Folge abgeschlossen. In dem vergipsten Werraanhydrit sind zahlreiche Karsterscheinungen entwickelt. Auf dem Kohnstein befand sich eine Wallanlage. Saxwerfe wurde 1208 erstmals urkundlich erwähnt.

Tourismus – Informationszentrum Nordhausen
Tel.: 03631 – 902154
www.nordhausen-tourist.de

Gedenkstätte

Mittelbau-Dora

Ehemaliger Appellplatz
Ehemaliger Appellplatz

Eine bedeutende Erweiterung erfuhr das künstliche Hohlraumsystem im Kohnstein, als im Jahr 1935 die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft (Wifo) - ein Ressort des Reichswirtschaftsministeriums – mit der Auffahrung eines umfangreichen Stollensystems begann. Dass dies konkrete Kriegsvorbereitungen waren, darüber besteht heute traurige Gewissheit! Das Treibstofflager für die Wehrmacht war im Spätsommer des Jahres 1943 fast fertiggestellt, als Luftangriffe auf Peenemünde die Verlagerung der Raketenproduktion erforderlich machte. Ende August 1943 wurde deshalb im Kohnstein eiligst unter dem Namen „Dora“ ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet. Für die Bauarbeiten brachte die SS Menschen aus den Besatzungsgebieten in das Lager nahe Nordhausen. Die Häftlinge waren dort Tag und Nacht in den Stollen eingeschlossen. In großer Zahl fielen sie schon nach wenigen Wochen den mörderischen Arbeits- und Lebensbedingungen zum Opfer. Erst im Frühjahr 1944 wurde ein oberirdisches Barackenlager gebaut. Im Oktober desselben Jahres erhielt das Lager unter dem Namen „Mittelbau“ den Status eines selbständigen Konzentrationslagers. Es entwickelte sich zum Zentrum eines großen Lagerkomplexes mit über 40 Außenlagern und Arbeitskommandos in der Harzregion. Von den 60.000 Häftlingen kamen ca. 20.000 ums Leben. Die heutige Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist Teil der in Weimar ansässigen Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Neben der Dauerausstellung zur Entstehung und Funktion des Lagers bietet die Gedenkstätte Führungen im Lagergelände und in den Stollenanlagen an. Wir erreichen die Gedenkstätte indem wir auf der B4 weiter in Richtung Nordhausen fahren und der entsprechend ausgeschilderten Abfahrt nach rechts folgen.

Öffnungszeiten der ständigen Ausstellung (außer Montag):
März - Okt.: 10.00 - 18.00 Uhr
Nov. - Feb: 10.00 - 16.00 Uhr
Gruppenführungen nach Voranmeldung: Te.: 03631 495820
www.dora.de

Karst

Buchholzer Erdfall

Buchholzer Erdfall
Buchholzer Erdfall

Direkt am Ortsausgang von Buchholz in Richtung Stempeda befindet sich eine geologische Störung. Oberflächenwasser traf hier auf auslaugungsfähige Gipse des Zechsteins. Durch Versickerung entstanden zunächst Karsthöhlen, die später einbrachen. Sichtbares Zeugnis dieses Prozesses ist der fast 30 m tiefe Buchholzer Erdfall. Karstlandschaften werden durch spezielle Gesteinsformationen geprägt. Es überwiegt unterirdische Entwässerung. Fluss- und Bachbetten liegen deshalb zeitweilig trocken. Ursache ist die gute Löslichkeit von Kalkstein, Dolomit und Gips bzw. von Stein- und Kalisalz. In den meisten Karstgebieten ist es der Kalk, der verkarstet. Hier am Südharz jedoch ist es neben dem Dolomit vor allem der Gips, der ausgelaugt wird. Letzterer vermag sich 100-mal leichter aufzulösen als Kalk: 2 g Gips werden in einem Liter Wasser gelöst!

Zum Karstwanderweg

Salzaquelle

Salzaquelle
Salzaquelle

Wir kehren zurück in die Gegend südlich des Kohnsteins, dorthin wo die Salza entspringt. Parallel zur Zorge fließt diese nach ca. 6 km direkt in die Helme. Die Salzaquelle, auch „Salzaspring“ genannt, stellt das für das unterirdische Wasser bestimmende hydrogeologische Element des Südharzer Zechsteingürtels dar. Mit einer mittleren Quellschüttung von rund 400 l/s ist sie eine der bedeutendsten Karstquellen Deutschlands und gilt als stärkste Quelle Thüringens. Nach moderner Vorstellung ist die Salzaquelle nicht an ein bestimmtes Karstgerinne gebunden. Vielmehr entwässert sie ein im Zechsteinausstrich liegendes unterirdisches Einzugsgebiet. Da das Quellwasser eine fast konstante Temperatur von 9,5 °C hat, friert die Salza auch bei starkem Frost nicht zu. Sie war deshalb lange Zeit für bis zu zehn unterliegende Mühlen von größter Bedeutung.

Förderverein Gipsmuseum und Karstwanderweg
www.karstwanderweg.de

Auf dem Karstwanderweg unterwegs

Kelle bei Werna

Kelle mit Grottensee
Kelle mit Grottensee

Von der Salzaquelle wandern wir auf dem Karstwanderweg westwärts entlang der Hörninger Kuppen durch das Naturschutzgebiet „Sattelköpfe“. An der Gabelung des Karstwanderweges bei Gudersleben halten wir uns in Richtung Appenrode und erreichen eine Gipshöhle. Es ist die „Kelle“, eine erstmals 1589 kartographisch dargestellte Höhle. Sie bestand ursprünglich aus einer mächtigen 85 m langen Halle mit einem Höhlensee und einer kleinen Deckenöffnung, durch die das Tageslicht einfiel. Seit etwa 1770 setzte ein rascher Verfall der Höhle ein, sodass sie sich heute eindrucksvoll als ein ganzes Ensemble von Karsterscheinungen präsentiert: Ein durch eine Naturbrücke zweigeteilter Erdfall mit einer angrenzenden halb offenen Grotte und dem Höhlensee. Bis zur Reformation war die Kelle Ziel von Wallfahren. Ein Priester tauchte ein Kreuz in das Wasser des Höhlensees und rief den Pilgern zu: "Kommt und gukket in die Kelle, so kommt ihr nicht in die Hölle!" Über die Entstehung des Höhlensees und über dessen eigentümlichen Namen weiß eine Sage zu berichten, dass einstmals eine arme Waise in der Gegend von Ellrich lebte, die ihr Herz vollends an ihren Verlobten gegeben hatte. Der jedoch betrog sie. Da lief sie in den Wald, weinte bitterlich, beklagte ihr Schicksal und wünschte sich den Tod. Und weil im Frühling alle Wünsche in Erfüllung gehen, wuchs plötzlich aus dem Nichts eine große Männergestalt empor. Er trug das Handwerkszeug eines Maurers bei sich. Voller Mitgefühl schaute er auf das Mädchen. Dann stieß er mit voller Wucht seine Maurerkelle in den Boden so dass sich dieser auftat und das Mädchen in die Tiefe riss. Die Öffnung füllte sich sogleich mit Wasser. Ein trauriges Mädchengesicht soll sich heute noch gelegentlich im See zeigen.

Fremdenverkehrsbüro Ellrich
Tel.: 036332 – 260
www.stadtellrich.de

Rüdigsdorfer Schweiz

Alabastergipsbruch Rüdigsdorf

Alabasterkugeln
Alabasterkugeln

An der Straße von Krimderode nach Rüdigsdorf liegt am Rand eines weiten Auslaugungstals ein ehemaliger Steinbruch. Der als Flächennaturdenkmal geschützte Gipsbruch ist Teil des Landschaftsschutzgebietes „Rüdigsdorfer Schweiz“. Das Landschaftschutzgebiet ist für seine ausgeprägten Karsterscheinungen und speziellen Pflanzen- und Tiergemeinschaften bekannt. Im Steinbruch wurde vergipster Anhydrit der Werrafolge gewonnen. Die gut erhaltene Steinbruchwand gestattet Einblicke in den internen Aufbau der Schichtenfolge. Der Gips ist feingeschichtet. Deutlich erkennbar ist eine Wechsellagerung dünner Lagen von reinem weißen Gips - dem Alabaster - und durch Ton und Karbonate verunreinigtem grauen Gips. In diese Wechsellagerung sind lagenweise Gebilde von besonders reinem Gips mit einem Durchmesser von 20 bis 40 cm eingeschaltet. Es sind die sogenannten Alabasterknollen.

Historische Grenze

Alter Stolberg

Grenzstein
Grenzstein

Von Steigerthal aus führt uns der Stempedaer Marktweg direkt zum Stein Nr. 100. Er ist einer von einstmals 252 kunstvoll gearbeiteten und nummerierten Grenzsteinen zwischen der Gegend am Birkenkopf im Gebiet der Landmarke 6 und der Alten Leipziger Straße an der Gemarkungsgrenze Leimbach zu Bielen. Die Steinsetzung entlang der bereits im 15. Jh. urkundlich erwähnten Grenze erfolgte auf der Grundlage des am 30. August 1735 in Nordhausen abgeschlossenen Rezesses, der die langjährigen Streitigkeiten zwischen Kursachsen und Kurhannover um Steuerpflichten und Hutungsrechte in der Gegend beendete. Auf der hannoverschen Seite wurde das Ross, auf der sächsischen Seite der schreitende Löwe der Landgrafschaft Thüringen eingemeißelt. Am Stein Nr. 100 haben wir die halbe Strecke unserer Wanderung zurückgelegt, die uns zum Waldhotel Kalkhütte im Alten Stolberg führt.

Stadtinformation Nordhausen
Tel.: 03631 – 696797
www.nordhausen.de

Ausgezeichneter Qualitätsweg

Karstwanderweg

Wegemarkierung
Wegemarkierung

Zwei als Qualitätswege „Wanderbares Deutschland“ zertifizierte Wanderwege gibt es heute in der Harzregion. Es sind der Harzer-Hexen-Stieg und der Karstwanderweg. Letzterer erschließt das ca. 100 km breite Karstgebiet am Südharzrand. Dabei verbindet der 235 km lange Karstwanderweg Förste, ein Ortsteil der Stadt Osterode am Harz in Niedersachsen (Landmarke 5 ), mit dem Ortsteil Pölsfeld der Stadt Allstedt in Sachsen-Anhalt (Landmarke 12). Zwischen Förste und dem Kleinen Steinberg zwischen Gudersleben (Ortsteil der Stadt Ellrich) und Mauderode (Ortsteil der Gemeinde Werther) verläuft hier in Thüringen der Karstwanderweg sogar auf zwei parallelen Routen. Entlang des Weges geben ca. 200 Erläuterungstafeln Auskunft zu Karsterscheinungen wie Höhlen, Erdfälle und Dolinen, Karstquellen, Bachschwinden und Flussversickerungen, Karstkegel, Schlotten oder geologischen Orgeln.

Stadtmauern, Tore ...

Nordhausen

Museum Flohburg
Museum Flohburg

Ständige Fehden mit den Grafen von Hohnstein, Stolberg und Schwarzburg erforderten vom Mittelalter bis in die Neuzeit einen fortgesetzten Ausbau der aus Mauern und Wehrtürmen bestehenden Stadtbefestigungs anlagen. Zugang zum Kern der bis zur Mediatisierung im Jahr 1802 Freien Reichsstadt Nordhausen ermöglichten die vier Haupttore: Töpfertor, Rautentor, Neuewegstor und Barfüßertor. Die Steine zum Bau der Stadtbefestigung mussten von den umliegenden Dörfern geliefert werden. Der als Baustein überwiegend verwendete Dolomit wurde am Kohnstein gewonnen. Ein Luftangriff kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte die Stadt am 4. April 1945 zu über 70%. Auch deshalb sind heute nur noch ca. 1.600 m der Stadtmauer erhalten und zu besichtigen. Geologie und Stadtgeschichte werden sehr anschaulich vermittelt im Museum Flohburg in der Barfüßerstraße.

… und Türme

Ellrich

Wernaer Tor
Wernaer Tor

Sehenswert ist auch die Stadtmauer von Ellrich, die 1315 erstmals in einer Urkunde der Hohnsteiner Grafen erwähnt wird. Schon einige Jahre zuvor, im Jahr 1292, war Ellrich als „civitas“ – also als Stadt – bezeichnet worden. Unter der Herrschaft der Hohnsteiner Grafen erhielt Ellrich 1332 das Münzrecht. Die Stadtmauer besteht aus zweischaligem, im Mittel 90 cm dickem Natursteinmauerwerk (mit Füllmauerwerk), welches sich über den Fundamentgewölben deutlich verbreitert. Auch in Ellrich fand Dolomit in Kombination mit Anhydrit als Baumaterial Verwendung. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch in einem der ältesten Fachwerkhäuser von Ellrich in der Hospitalstraße. Dort befinden sich das Heimatmuseum und in unmittelbarer Nachbarschaft die Hospitalkapelle „St. Spiritus“ aus dem 16. Jh. Einen wunderbaren Überblick über die Stadt und ihr Umland bietet sich vom Ravensturm.

Heimatmuseum Ellrich
So. 14 – 16 Uhr
Tel.: 036332 – 260

Flohburg - Das Nordhausen - Museum
Di. – So. 10 – 17 Uhr
Tel.: 03631 – 4725680

Sühnekreuz I

Glockensteine Steigerthal

Glockensteine
Glockensteine

Wir begeben uns noch einmal auf einen Abstecher an den westlichen Rand des Alten Stolbergs, einem kleinen Vorgebirge des Harzes. Dort liegt an der alten Heerstraße nach Magdeburg der Ort Steigerthal, dessen Existenz als „Villa stegerdal“ schon in einer 1288 in Walkenried ausgestellten Urkunde belegt ist. Ab 1414 gehörte das Dorf zum Besitz der Grafen zu Stolberg. Zuvor war es seit 1345 im Besitz des Klosters Ilfeld. Etwa 1 km südwestlich von Steigerthal steht auf der Haard eine Steingruppe. Ein Porphyrkreuz und zwei Nebensteine sollen der Sage nach daran erinnern, dass hier ein Glockengießer aus Stolberg seinen Gesellen erschlug, weil dieser einen Glockenguss besser vollendet hatte als er selbst. Das tatsächliche Alter der Steingruppe ist nicht bekannt. Ein Sühnekreuz soll Vorübergehende in Erinnerung an den Getöteten zu einem Gebet für dessen Seele veranlassen.

Sühnekreuz II

Steinkreuz Sülzhayn

Steinkreuz Sülzhayn
Steinkreuz Sülzhayn

Wir kehren zurück in das Gebiet der Stadt Ellrich, in die Sülzhayn schon 1994 eingemeindet wurde. Der bis 1866 zum Köngreich Hannover gehörige Ort ist idyllisch gelegen im historischen Dreiländereck zum Herzogtum Braunschweig und zu Preußen. Diese Lage brachte nach der Teilung Deutschlands große Probleme mit sich. Sülzhayn lag plötzlich in einem Sperrgebiet. Das frühere „Davos des Nordens“ war nur noch mit Passierschein zugänglich. Zaghaft blühte der einstmals von zahlreichen großen Sanatorien geprägte Luftkurort seit 1990 wieder auf. Von dem Sühnekreuz an der Hohen Straße bei Sülzhayn erzählt der Volksmund, dass es zur Erinnerung an einen hier erschlagenen Mönch errichtet wurde. Im Jahr 1774 soll er einem Raubmord zum Opfer gefallen sein, als er sich mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Erzeugnissen des Klosters Walkenried auf dem Heimweg befand.

www.harzklub.de

Kiesgewinnung & Sommerfreuden

Goldene Aue bei Nordhausen

Sundhäuser See
Sundhäuser See

Infolge der Heraushebung des Harzes und der intensiven Salzauslaugung während der Zeit des Tertiär vor mehr als 2,6 Mio. Jahren bildete sich parallel des Südharzrandes ein riesiges Senkungsgebiet. Es wird im Süden von der Windleite und dem Kyffhäusergebirge begrenzt. Dieses Senkungsgebiet durchfloss die Zorge schon im Pleistozän vor rund 400.000 Jahren. Die Zorge war es auch, die hier in der Goldenen Aue den Abtragungsschutt des Harzes ablagerte. Die entstandenen Kieskörper werden vom Grundwasser durchströmt, und so bleiben im Ergebnis der Kiesgewinnung große Seen zurück. Sie prägen das Bild der Goldenen Aue zwischen den beiden Flüssen Zorge und Helme, die sich bei Heringen zur Helme vereinen. Einige der neu entstandenen Seen tragen inzwischen Namen: Bielener und Sundhäuser See, Forellen- und Möwensee. Inzwischen gibt es hier auch attraktive Liegeplätze.

Funktionsmodell

Geopark-Informationsstelle Werna

Informationsstelle Werna
Informationsstelle Werna

Ganz am Ende unserer Tour durch die Karstlandschaft des südlichen Harzvorlandes fahren wir auf der B 4 zurück nach Norden. In Niedersachswerfen zweigt eine Straße ab über Appenrode und Werna nach Ellrich. Wir wollen zum Abschluss unserer kleinen Entdeckungsreise noch der Geopark-Informationsstelle in Werna einen Besuch abstatten; finden diese im sanierten Haus des Inspektors eines früheren Rittergutes. Den imposanten Fachwerkbau des Gutes ließ Freiherr Ernst Ludwig Christof von Spiegel zum Desenberg (1711-1785) erbauen. Es schließt sich ein weitläufiger Park an mit alten Eichen und Seerosenteich. Hauptattraktion der Ausstelluung mit Heimatstube und historischer Küche ist ein Modell der Karstlandschaft. Es zeigt den ober- und unterirdischen Weg des Wassers. Thematisiert werden außerdem historische Grenzsteine aus der Südharzregion.

Öffnungszeiten Geopark-Informationsstelle:
Mo. – Fr. 11 –16 Uhr und auf Anfrage
Tel.: 036332 – 72257

Entstehung ausgewählter Rohstofflager

Zur geologischen Entwicklung

Im Zeitraum von vor 300-150 Mio. Jahren existierte der letzte große Superkontinent der Erdgeschichte. Der bekannte Polar- und Geowissenschaftler Alfred Wegener (1880-1930), der sich mit der Entstehung der Kontinente und Ozeane befasste, nannte ihn Pangäa. Die geographische Breite der damals dazugehörigen, heute mitteleuropäischen Region entsprach vor ca. 255 Mio. Jahren in etwa der des heutigen Nordafrikas.

Mehrfach wurde das flache Land vom Zechsteinmeer überflutet. An der Küste wurden Sand und Geröll angespült. Die zu Sandstein verfestigten Strandsedimente finden wir heute am Südharzrand als Zechsteinkonglomerat. Als das Meer allmählich weiter vordrang und tiefer wurde, lagerte sich ein schwarzer Schlamm ab: der heutige Kupferschiefer. Später wurde das Meer wieder flach; es bildeten sich kalkige Ablagerungen. Zeitweilig war in der weiteren Entwicklung die Verbindung zum offenen Ozean abgerissen. Unter den herrschenden klimatischen Verhältnissen verdunstete daraufhin allmählich das Wasser, und die darin gelösten Salze wurden am Meeresgrund abgeschieden. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrfach und führte zur Bildung von Dolomitschichten sowie zur Bildung der mächtigen Gips- und Anhydritlager im Südharzer Zechsteingürtel und der Stein- und Kalisalze im Inneren des Thüringer Beckens. Alle Gesteine des Zechsteins waren und sind von großem wirtschaftlichem Interesse.

Der Kupferschiefer wurde bereits in der Bronzezeit genutzt. Dolomit fand als Werkstein Verwendung zur Errichtung von massivem Mauerwerk, z. B. auch der Stadtmauer von Nordhausen. Die große Mächtigkeit und die vielfältige Ausbildung der Anhydrit- und Gipslager machten diese seit dem Mittelalter zu einem begehrten Rohstoff. Gips als Mörtel finden wir schon in den Bauten des Mittelalters. Als Baustein wurde er u. a. zum Bau von Dorfkirchen genutzt. Außerdem fand Gips unter der Bezeichnung Alabaster als Werkstein für künstlerische Arbeiten Verwendung bis weit hinein in das 20. Jh.

Anhydrit als Rohstoff für die Produktion von Schwefelsäure wurde bis 1990 gewonnen. Auch heute spielen Gips und Anhydrit immer noch eine herausragende Rolle als Rohstoff, vor allem in der Baustoffindustrie (z. B. Gipskartonplatten).

© Regionalverband Harz e. V.
Quedlinburg 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Autoren: Dipl.-Geol. Helmut Garleb & Dr. Klaus George
Fotos: George, Linke & Hotels

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