Landmarke 3

Rammelsberg

Museum & Besucherbergwerk

Rammelsberg

Maltermeisterturm
Maltermeisterturm

Im Mittelalter ballten sich in der Harzregion Königsgut und ottonisches Hausgut zu einer Kernlandschaft des Reiches. Nicht zufällig, denn bereits 968, während der Regierungszeit von Kaiser Otto I. (936 – 973), wurde erstmals die Erzgewinnung urkundlich erwähnt. Archäologische Befunde belegen am Rammelsberg bergbauliche Aktivitäten sogar schon vor 3.000 Jahren. Millionen Tonnen Erze ruhten einst im Berg. Sie waren reich an silberhaltigem Bleiglanz, Zinkblende, Kupferkies, Schwerspat und anderen Mineralen. Entstanden waren die Erze mit den sie umgebenden Tonschiefern während der Zeit des Devons. Aus dem Boden eines riesigen Meeres traten heiße metallhaltige Thermen aus. Es bildeten sich zwei große Erzlinsen, die später (im Karbon) in die Faltung der Gesteine des Harzes einbezogen wurden. Ihre überkippte Lage wahrzunehmen, vermag allerdings allein der Geologe. Wir entdecken zunächst die imponierende Silhouette des 635 m hohen Berges. Aus der Ferne werden wir eines Turms gewahr. Es ist der Maltermeisterturm. Als älteste heute noch existierende Tagesanlage war er um 1500 am Hang des Rammelsberges errichtet worden und diente anfangs der Überwachung der Gruben.

Vitriole im Rammelsberg
Vitriole im Rammelsberg

Um aber selbst in den Berg zu gelangen, fahren wir in Goslar von der B 241 ab und folgen der Rammelsberger Straße. Am Besucherbergwerk gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten. Schon beim Gang über den Vorhof beeindruckt uns das denkmalgeschützte Ensemble der Tagesanlagen aus den 1930er Jahren mit der Hangaufbereitung und dem Rammelsbergschacht. Das Ensemble war von der UNESCO gemeinsam mit der Goslarer Altstadt bereits im Jahr 1992 in die Liste des Kulturerbes der Welt aufgenommen worden. Vier Jahre zuvor war die Lagerstätte erschöpft, Bergbaubetrieb und Aufbereitung geschlossen worden.

Öffnungszeiten: 9 – 18 Uhr
(außer am 24. und 31.12.)
Tel.: 05321 - 7500
www.rammelsberg.de

Altstadt

Goslar

Kaiserhaus
Kaiserhaus

Als es gelungen war, aus dem Erz des Rammelsberges auch Silber zu gewinnen, begründete Heinrich II. († 1024) am Flüsschen Gose anstelle des königlichen Jagdhofs einen Pfalzbezirk. Kaiser Heinrich III. (1017 – 1056) wählte die neu gegründete Stadt Goslar zu seiner Lieblingsresidenz. Er ließ dort die im Kern noch erhaltene Kaiserpfalz erbauen und gründete das Stift St. Simon und Juda. An die Zeit erinnert heute der „Kaiserstuhl“ aus dem 12. Jh. Der Thronsessel der Salier- und Hohenstaufen-Kaiser ist jederzeit in der Domvorhalle zu besichtigen. Auf ihm soll auch Kaiser Wilhelm I. (1797 – 1888) gesessen haben, als er am 21. März 1871 im Preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin den ersten Reichstag des Deutschen Reiches eröffnete. Die Vorhalle ist der einzige Rest des 1819 wegen Baufälligkeit abgerissenen Doms. Anstelle des Domes befindet sich heute der Großparkplatz „Kaiserpfalz“. Das Kaiserhaus, ein im Kern zweigeschossiger Saalbau, bezeichnete der Chronist Lampert von Hersfeld (* um 1008) als den berühmtesten Wohnsitz des Reiches. Der obere (Sommer-) Saal wurde Ende des 19. Jh. von Hermann Wislicenus (1825 – 1899) ausgemalt. Die mächtigen Gemälde zeigen Bilder aus der deutschen Geschichte, aus Märchen und Sagen.

Lohmühle
Lohmühle

Zwischen Dom- und Marktplatz liegen an der Abzucht (Museumsufer) das Zinnfigurenmuseum und das Goslarer Museum. Das Zinnfigurenmuseum ist in der 500 Jahre alten restaurierten Lohmühle untergebracht. In 50 Dioramen sind die Altstadt Goslars, der Bergbau und die Oberharzer Wasserwirtschaft „en miniature“ zu erleben. Das Goslarer Museum nutzt die Räume der 1541 erbauten Stiftskurie. Mit den Dauerausstellungen „Die Klassische Quadratmeile der Geologie“ und „Vom Erz zum Metall“ ist es Informationszentrum des Geoparks.

Öffnungszeiten Zinnfigurenmuseum:
Di bis So 10 – 16 Uhr
Tel.: 05321 - 25889
www.zinnfigurenmuseum-goslar.de

Höhlenkapelle

Klusfelsen

Klusfelsen
Klusfelsen

Um zu der innerstädtisch gelegenen 20 m hohen Felsrippe zu gelangen, fragen wir nach dem Festplatz Osterfeld (Parkplatz) und folgen dann der Beschilderung „Kluskapelle“ in die Straße „Petersberg“. Ihr Name weist auf die Ruine der im 16. Jh. zerstörten Kirche St. Peter, von wo wir einen wunderbaren Blick auf die Altstadt haben. Der Klusfelsen besteht aus gelbem, porösem und grobkörnigem Hils-Sandstein. Er ist seiner Entstehung nach eine küstennahe Ablagerung des Unterkreidemeeres vor etwa 110 Mio. Jahren. Eine Höhle im Felsen wird erstmals 1167 als Klause erwähnt. Der Raum wurde später zunächst für einfache Wohnzwecke genutzt, seit Beginn des 19. Jh. als Kapelle (restauriert 1982/83). Die Hils-Sandsteinschicht lieferte früher wichtige Werksteine, die als Bausteine für Sakralbauten und zur Modellierung feiner Architekturelemente gewonnen wurden.

Aussichtsturm

Sudmerberg

Auf dem Sudmerberg
Auf dem Sudmerberg

Weiter fahren wir in Richtung Oker und erkennen bald den breiten Sudmerberg mit Antenne und Aussichtsturm. Wir biegen von der B 498 nach links in den Stadtteil Sudmerberg ein, fahren dort zu einem Parkplatz beim Schützenhaus und steigen auf dem Forstweg hinauf zum Gipfel (354 m NHN). Der Berg, der von flach lagernden Schichten des oberen Mittelsantons (Oberkreide) gebildet wird, offenbart dem Geologen anhand von Diskordanzen, dass die letzten bedeutenden Bewegungen an der Harzrandstörung hier an der Wende Mittleres/Oberes Santonium vor mehr als 83 Mio. Jahren stattgefunden haben. Die Santonschichten werden von einer Wechselfolge harter Kalksandsteine und weicher Mergel aufgebaut. Insbesondere der gelbliche Kalksandstein wurde als Werkstein gewonnen und fand bei vielen Bauwerken in der Region Goslar Verwendung, so auch beim Bau des Aussichtsturms.

www.harzklub.de

Hüttenstandort

Industrielandschaft Oker

Industrielandschaft Oker
Industrielandschaft Oker

Wir wählen im Stadtteil Oker von der B 498 den Stadtstieg, um zum Segelflugplatz zu gelangen. Von dort lässt sich die Szenerie am besten überblicken (u. a. Absetzbecken zur Grubenwasseraufbereitung des ehemaligen Bergwerks Rammelsberg). Zu einem Zentrum der Hüttenindustrie in der Harzregion entwickelte sich Oker nach der Gründung des Blei- und Kupferhüttenwerks „Frau-Marien-Hütte“ im Jahr 1527 durch Heinrich II. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1489 – 1568). 1909 entstand in deren Nähe die Zinkoxydhütte Oker. Wurden früher Erze verhüttet, produziert u. a. die Harz-Metall GmbH aus Recyclingmaterial einen angereicherten zink- und bleioxidhaltigen Staub als Ausgangsstoff für die Gewinnung von metallischem Zink. Größter Arbeitgeber am Standort ist heute jedoch die H. C. Starck GmbH, ein Unternehmen der chemischen und metallurgischen Industrie.

Rezenter Tagebau

Kalkwerk Oker

Kalksteinbruch Langenberg
Kalksteinbruch Langenberg

Von Oker fahren wir nun in Richtung Harlingerode und erreichen auf halbem Wege die Einfahrt zum Kalkwerk der Rohstoffbetriebe Oker GmbH. Hier befinden wir uns am Westende des Langenberges. Die riesigen, langgestreckten Abbauwände des Steinbruches schließen steil überkippt nach Süden einfallende, teilweise dolomitische Kalk- und Kalkmergelsteine des Oberen Jura (vor 163 – 152 Mio. Jahren) auf. Der großflächige Aufschluss erlaubt einen einmaligen Blick in den Aufbau der an der Harzrandstörung aufgerichteten Gesteinsschichten. Vor allem die Kalksteine sind ungewöhnlich reich an Fossilien. Ein hier gefundenes Bruchstück des Brustbeins eines Europasaurus holgeri ist als Dauerleihgabe in der Informationsstelle des Geoparks in Quedlinburg ausgestellt. Das Betreten des Steinbruchs bedarf aus Sicherheitsgründen der vorherigen Genehmigung der Betriebsleitung.

Öffnungszeiten Geopark-Infostelle Quedlinburg
Hohe Straße 6
Mo bis Do 9 – 16 Uhr
Fr 9 – 13 Uhr

Quarzgang

Elfenstein

Quarzbruchweg
Quarzbruchweg

Zurück auf der Harzburger Straße, fahren wir weiter nach Osten und folgen der Beschilderung zum Silberbornbad. Zu Fuß queren wir dann das Gelände der Pferderennbahn und der Gestütswiesen, die sich über den im Untergrund verborgenen Jura- und Triasschichten ausdehnen. Hier am Radweg R1 entdecken wir bereits größere Quarzitblöcke. Am Harzrand setzen wir unseren Weg in gleicher Richtung noch knapp 600 m in das Gläseckental hinein fort. Dort erreichen wir rechts am Wege einen kleinen Steinbruch, in dem ein mächtiger Quarzgang aufgeschlossen ist: der Elfensteingang. Er zieht sich nach Osten zum Hang des Elfensteins hinauf und ist dort in Form von Klippen herausgewittert. Dieser Gang wird in das Gefolge des Okergranits gestellt, d. h. er dürfte also spät-oberkarbonischen Alters sein. Der Nordharzrand ist hier an einer sehr alten Störung angelegt.

Spur der Steine

Diabas-Steinbruch Wolfshagen

Ammonit
Ammonit

Um sich auf die Spur der Steine, den seit 2016 bestehenden Rundweg um den Diabas-Steinbruch, zu begeben, wandern wir zunächst auf den Heimberg. Dort befindet sich nicht nur die Stempelstelle Nr. 109 der Harzer Wandernadel; Informationstafeln rahmen den malerischen Blick in den renaturierten Steinbruch ein. Was im Jahr 1885 als handwerklicher Betrieb begann, wandelte sich in den 1960-70er Jahren zu einem Betrieb mit einer Jahresproduktion von knapp 1 Mio. t. Bis 1986 wurde der wegen seiner hohen Druckfestigkeit und sehr guten Frostbeständigkeit für den Verkehrswegebau stark nachgefragte Rohstoff gewonnen. Entstanden war das grünliche Gestein vor etwa 380 Mio. Jahren untermeerisch

aus in Tonschlamm eindringenden Magmen. Dank regelmäßiger Pflege ist der aufgelassene Steinbruch ein einzigartiger Lebensraum für seltene und geschützte

Tier- und Pflanzenarten.

Bad Harzburg

Burgberg

Blick zum Burgberg
Blick zum Burgberg

Bad Harzburg (bis 1892 Neustadt) war schon im 19. Jh. ein beliebter Kurort. Das Kurmittel lieferten Solquellen. Um die Ausbeute zu erhöhen, wurde 1964/65 im Kurpark eine 840 m tiefe Bohrung niedergebracht. Sie traf zunächst auf Schichten des Harz-Paläozoikums, dann die nach Süden unter den Harz einfallende Harzrandstörung und darunter schließlich überkippt liegende Schichten des Oberen Buntsandsteins und des Muschelkalkes. Aus dem Salinar des Muschelkalks fließt dem Bohrloch eine 30° C warme Sole zu. Vom Kurpark hinauf zum Großen Burgberg (485 m NHN) führt eine Zweikabinenseilbahn, die ihren Dienst bereits seit 1929 verrichtet. Oben erinnert die Canossa-Säule an Heinrich IV. (1050 – 1106), der zu Beginn des Sachsenkrieges 1073 aus der Kaiserpfalz Goslar auf die Harzburg fliehen musste. Ihrer Belagerung konnte er nur knapp entkommen.

Nebenfluss der Innerste

Granetalsperre

Granetalsperre
Granetalsperre

Westlich von Goslar staut ein Ende der 1960er Jahre aufgeschütteter Damm das Wasser der Grane. Wir folgen zunächst der B 82. In Richtung Langelsheim durchfahren wir die von der Straße zerschnittene Schotterlandschaft der Haar. Die mächtigen eiszeitlichen Schotter sind deutlich geschichtet. Zuunterst liegt aus dem Harz stammendes Material, darüber kaltzeitliche Schotter mit nordischen Bestandteilen, die von den Gletschern aus Skandinavien bis zum Harzrand verfrachtet wurden. Zum Bau des Staudamms wurde hier Schotter gewonnen. Wir erreichen sodann den Ortsteil Herzog-Julius-Hütte, wo schon im Mittelalter Rammelsberger Erze verarbeitet wurden. Heute werden am Standort Germanium, Indium und andere seltenere Metalle produziert. Rechts den Berg hinauf kommen wir zum Wasserwerk. Die dortige Ausstellung ist auch wegen des großen Aquariums besuchenswert.

Prallhang der Innerste

Kanstein bei Langelsheim

Kanstein
Kanstein

Wir fahren zurück zur B 82 und weiter nach Westen zur Abfahrt Langelsheim Ost. Am Ortseingang biegen wir rechts in Richtung Jerstedt ab. Die kleine Straße bringt uns zum langen geologischen Profil am Kanstein. Der Prallhang der Innerste lässt hier die Schichtenfolge in einer hohen Böschung zutage treten. Das Kreideprofil beginnt mit dem Hils-Sandstein der Unterkreide, der hier diskordant auf Lias-Tonen liegt. Danach folgen geringmächtiger Minimus-Ton und kieseliger, grau-gelblich gefleckter Flammenmergel. Hieran schließen Cenoman- Kalke und -Mergel an, auf die wiederum Rotpläner und Turonkalke sowie Coniac-Schichten folgen. Diese werden im Steinbruch Langelsheim der Rohstoffbetriebe Oker GmbH & Co. abgebaut. Stehen die Schichten bis hierhin noch steil bis überkippt, so ist im weiteren Profil rasch der Übergang in eine fast flache Lagerung zu erkennen.

Schlachtfeld Lutter am Barenberge

Lutterer Becken

Lutterer Becken
Lutterer Becken

Zurück in Langelsheim, setzen wir die Fahrt in westliche Richtung fort und erreichen bald das Lutterer Becken. Die Umrahmung dieser Struktur bilden nach Osten hin Höhenzüge, die vorwiegend aus Hils-Sandstein gebildet werden. Dieser ist hier besonders fest und wurde bei Ostlutter in großem Umfang gebrochen. Die Kirche von Lutter ist ein Beispiel der örtlichen Steinmetzkunst. Aus harten Kalken des Unteren Muschelkalkes bestehen hingegen die bewaldeten Höhenrücken am Westrand des Lutterer Sattels. Nach Süden hin schließt das Harz- Paläozoikum das Lutterer Becken ab. Hier läuft die Nordharzrandstörung auf kurzer Entfernung schnell aus. Weltbekannt ist die Örtlichkeit, weil hier 1626 die Schlacht von Lutter am Barenberge stattfand, in der das kaiserliche Heer unter Graf Tilly (1559 – 1632) die Truppen des Dänenkönigs Christian IV. (1577 – 1648) schlug.

Neuekrug-Hahausen

Kupferschiefer

Halde bei Neuekrug
Halde bei Neuekrug

Bei Hahausen verlassen wir die B 82 und fahren auf der B 248 in Richtung Seesen bis zum Parkplatz zwischen Neuekrug und Einmündung der Kreisstraße nach Bornhausen. Wir gehen auf dem straßenbegleitenden Radweg 700 m zurück, weiter nach links den asphaltierten landwirtschaftlichen Weg und noch vor der Eisenbahnbrücke den grasbewachsenen Weg. Hier treffen wir die nördlichsten Ausläufer des Zechsteinzuges, der den Harz auf seiner Südseite begleitet. Dicht über der Basis des Zechsteins tritt Kupferschiefer auf, der Gegenstand des Bergbaus im Gebiet der Landmarken 12 und 17 war. Angeregt durch die wirtschaftlichen Erfolge im Mansfeldischen, versuchte man auch hier Kupferschiefer auszubeuten. Die geologischen Umstände und der geringe Metallgehalt führten aber zum Scheitern der „New Mansfield Copper and Silver Mining Company“. Zurück blieben allein die Halden.

Öffnungszeiten Heimatmuseum Lutter:
nach Vereinbarung
Tel.: 05383 - 96010
www.sg-lutter.de

Seesen

Wasserlehrpfad Winkelsmühle

Teichlandschaft Winkelsmühle
Teichlandschaft Winkelsmühle

Auf der B 248 aus Richtung Hahausen kommend fahren wir, kurz bevor Seesen erreicht ist, in Richtung Gasthaus Winkelsmühle ab. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um eine ehemalige Wassermühle. Der dort entlangführende Wasserlehrpfad wurde anlässlich der Expo 2000 angelegt. Er führt durch die wunderschöne Erdfall- und Teichlandschaft und zum 2,3 ha großen Naturschutzgebiet „Silberhohl“. Kern des seit Juni 1977 durch Verordnung der Bezirksregierung Braunschweig geschützten Gebietes ist ein trichterförmiger Erdfall. Seit dessen Entstehung vor etwa 5.000 Jahren wuchs in ihm ein 11 m mächtiger Moorkörper auf. So wie der Silberhohl entstanden auch die anderen Erdfälle durch die örtliche Auflösung der Zechsteinschichten im Untergrund und das Nachbrechen der Buntsandstein-Deckschichten. Viele der Erdfälle sind heute mit Wasser gefüllt.

Museum Seesen

Museum Seesen
Museum Seesen

Ganz im Westen unserer Exkursion durch das Gebiet um die Landmarke 3 erreichen wir das Ende des nördlichen Harzrandes. Seesen war im Mittelalter im Besitz des Stifts Gandersheim. Damals hieß der Ort Sehuson (Seehausen). Die innerstädtischen Seen sind weitgehend verlandet. Einen letzten Rest dieser teilweise auf Erdfälle zurückgehenden Wasserflächen stellt der Schlossteich gleich hinter dem Städtischen Museum dar. Das Gebäude, welches das 1964 eröffnete Heimatmuseum beherbergt, war Sattelhof, ab Mitte des 18. Jh. Jagd schloss und wurde später als Forsthaus genutzt. Neben einer Bergbau-, Geound Mineraliensammlung bildet der Klavierbau einen Schwerpunkt, denn die Klavierbau familie Steinweg (Steinway & Sons) stammte aus Wolfshagen bzw. Seesen. Außerdem wird hier die Geschichte der örtlichen Konservendosenindustrie dokumentiert. In Seesen wurde 1886 der Harzklub e. V. gegründet.

Öffnungszeiten Museum:
Di – Fr 11 – 17 Uhr, Sa + So 14 – 17 Uhr
Tel.: 05381 - 48891
www.seesen.de

Klassische Quadratmeile der Geologie

Geologische Entwicklung des Gebietes

Der westliche Nordharzrand wird zu Recht als die „Klassische Quadratmeile der Geologie“ bezeichnet, denn hier sind fast alle Schichten vom Paläozoikum (Erdaltertum vor mehr als 252 Mio. Jahren) bis zu jüngsten Ablagerungen auf engstem Raum aufgeschlossen. Nahezu lückenlos finden sich Zeugnisse von knapp 400 Mio. Jahren Erdgeschichte.

Der Nordharzrand ist durch eine große tektonische Bruchlinie geprägt. Auch Goslar liegt mitten auf dieser Linie. Durch die Aufschiebung des Harzes auf sein Vorland sind Sedimentschichten des Mesozoikums (Erdmittelalter vor 252 – 66 Mio. Jahren) aus ihrer ursprünglich horizontalen Lage empor geschleppt und senkrecht gestellt worden. Entlang des Harzrandes sind so die lithostratigraphischen Einheiten Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper (Germanische Trias) sowie die chronostratigraphischen Systeme Jura und Kreide buchseitengleich aufgeblättert. Die Schichtenfolge aus dem Erdmittelalter ist an der Erdoberfläche erkennbar. Westlich von Hahausen erreicht mit dem Kupferschiefer sogar eine Ablagerung der lithostratigraphischen Gruppe des Zechsteins (Erdaltertum) die Erdoberfläche. Einige Sedimentschichten sind fossilreich und in zahlreichen Steinbrüchen, Sand- oder Tongruben aufgeschlossen.

In vielen geologischen Sammlungen liegen Funde aus Bergwerken und Steinbrüchen. Besonders wertvoll ist die heute magazinierte Sammlung im Goslarer Museum, die einen ausgezeichneten Überblick der geologischen Entwicklung des Nordharzes ermöglicht. Erwähnenswert ist auch die Mineraliensammlung im Museum Weltkulturerbe Rammelsberg mit zahlreichen Fundstücken der Lagerstätte Rammelsberg. Teile dieser Sammlung sind in der Dauerausstellung „Die Klassische Quadratmeile der Geologie“ zu sehen.

Zwischen Goslar und Bad Harzburg stoßen von Süden devonische Gesteine an den Harzrand. Sie bilden die breite Struktur des Oberharzer Devonsattels, in dessen Kern unterdevonische Sandsteine und Quarzite anstehen (Kahleberg-Sandstein). Westlich schließt sich der Goslarer Trog an, der 1.000 m mächtige Mitteldevon-Tonschiefer mit Diabasen als Zeugen eines untermeerischen Vulkanismus enthält. Zwischen Sattel und Trog rissen Spalten auf, in denen metallhaltige Lösungen aufstiegen. Sie bildeten Erzschlämme auf dem Meeresgrund, die sich später zu den Erzen des Rammelsberges verfestigten.

© Regionalverband Harz e. V.
Quedlinburg 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Autoren: Dr. Friedhart Knolle, Dr. Klaus George
Fotos: Richard Bothe, Dr. Klaus George

Zurück