Landmarke 18

Schloss Liebenburg

Auf dem Lever Berg

Schloss Liebenburg

Wendeltreppe im Hausmannsturm
Wendeltreppe im Hausmannsturm

Im Territorialstreit mit den Welfen hatte Bischof SIEGFRIED II. im Jahr 1291 die Harlyburg bei Vienenburg zerstören lassen. Zur Sicherung der Ostgrenze des seit 1235 souveränen Bistums Hildesheim ließ er danach die „Levenborch“ errichten. Diese kam zwar durch den Quedlinburger Rezess von 1523 zeitweilig in den Besitz der Fürsten von Braunschweig- Wolfenbüttel, doch wurde der Quedlinburger durch den Hildesheimer Hauptrezess von 1643 wieder aufgehoben. Gut 100 Jahre später ließ CLEMENS AUGUST VON BAYERN die wehrhafte Levenborch abreißen und an ihrer Stelle das heutige Barockschloss erbauen. Der Kurfürst und Erzbischof von Köln war auch Bischof von Hildesheim. Von der Burg blieben nur Reste, darunter der 1991 sanierte Hausmannsturm, von dem sich ein wunderbarer Ausblick über den Salzgitterschen Höhenzug bietet.

Dreischeibenkreuz
Dreischeibenkreuz

Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches verlor das Bistum Hildesheim seine Souveränität. Liebenburg war nacheinander Teil der Königreiche Preußen, Westphalen, Hannover und schließlich 1866 wieder Preußen. Die Liebenburg war Amtssitz des gleichnamigen Amtes (bis 1885) und Sitz eines Amtsgerichtes (bis 1959). Heute ist das Schloss Eigentum des Künstlers GERD WINNER (* 1936). Am Schloss befindet sich ein moderner Skulpturenpark. Er füllt eine historische Lücke, denn durch den Tod des Kurfürsten und Fürstbischofs CLEMENS AUGUST VON BAYERN im Jahr 1761 war der Schlosspark nicht mehr vollendet worden. Während sich in den meisten Skulpturen moderne Baustoffe finden, spiegelt das historische Mauerwerk der Schloss- und Burganlagen die regionale Geologie wider. Im Schloss dominiert der Rhät-Sandstein des Oberen Keuper, der hier in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut wurde.

Gemeinde Liebenburg
Bürgerbüro Tel.: 05346 - 900033
www.liebenburg.de

Ein Profil durch den Salzgitterschen Höhenzug

Flöteberg Heimerode

Aufschluss Flöteberg
Aufschluss Flöteberg

Vom Schloss Liebenburg fahren wir hinab zur Hauptstraße und folgen der Landesstraße L500 in Richtung Othfresen. Die Liebenburger Gutsteiche lassen wir links liegen. Nach etwa 3 km erreichen wir den ehemaligen Bergarbeiterort Heimerode. Dort erinnert rechter Hand ein mit Schlägel und Eisen verzierter Förderwagen an den 1962 geschlossenen Bismarck-Schacht. Weiter in Richtung Othfresen verläuft die L500 im Einschnitt durch den Flöteberg. Unmittelbar am Ende der Durchfahrt finden wir am Abzweig eines landwirtschaftlichen Weges eine Abstellmöglichkeit für unser Auto. Wir gehen zurück zum durch den Straßenbau entstandenen Aufschluss. Hier liegen die ältesten Gesteine scheinbar auf den jüngeren. Zurückzuführen ist dies auf eine Überkippung der Westflanke des Salzgitter Sattels: Die horizontal abgelagerten Schichten wurden durch die Schichtverstellungen beim Salzaufstieg über die Vertikale hinaus verkippt und liegen nun gleichsam auf dem Kopf. Ans Tageslicht kamen Gesteine aus Alb (Unterkreide), Cenoman und Turon (Oberkreide). Das Profil beginnt mit gefleckten, so genannten Flammenmergeln; die Gesteine der Oberkreide beginnen mit einer Lage von gelbgrauen, mürben Mergelsteinen. In diese sind Körner des grünschwarzen Minerals Glaukonit eingeschlossen. Diese Gesteine werden auch als Ultimus-Ton bezeichnet. Dann beginnt eine mächtige Serie von grauen, mergeligen Kalksteinen, die als Pläner-Kalke bekannt sind. Etwa im Bereich der Zeitgrenze Cenoman – Turon kommt eine auffällige Lage rötlich gefärbter Gesteine von 10 bis 20 m Mächtigkeit vor, so genannter Rotpläner. Die Plänerkalke sind reich an Fossilien. Zu finden sind Schalen von großen Muscheln (Inoceramen), Brachiopoden, seltener auch Seeigel und Ammoniten. Über den Plänerkalken des Turons folgen weiche, unscheinbare Mergelsteine der höheren Oberkreide (Emscher-Mergel), die nur selten an der Erdoberfläche aufgeschlossen sind. Das Profil endet daher abrupt am westlichen Fuße des Flötebergs.

Geo- und Biodiversität

Gipskuhle Othfresen

Gipsaufschluss
Gipsaufschluss

Nachdem wir den Straßeneinschnitt zurück in Richtung Heimerode durchschritten haben, wandern wir auf dem in südliche Richtung abzweigenden Feldweg. Unser Ziel ist eine kahle Bergkuppe. Sie ist Zeugnis einer erhaltenswerten Kulturlandschaft. Dieser Aufgabe stellt sich seit Jahren der Verein Natur- und Umwelthilfe Goslar, der in der Gegend zahlreiche Grundstücke kaufte. Es ging bzw. geht dem Verein um die Wiederherstellung und den Erhalt artenreicher Kalk-Halbtrockenrasen auf dem Salzgitterschen Höhenzug sowie auf den nahegelegenen Höhen des Hirsch- und Backenbergs bei Heißum. Visionär arbeiten die Vereinsmitglieder an der Schaffung eines Biotopverbundsystems. Die geologische Vielfalt der bodenbildenden Gesteine ist die Grundlage der diversen Pflanzengemeinschaften. Wandern wir weiter nach Süden, so erreichen wir die etwa 500 m südwestlich von Heimerode gelegene Gipskuhle Othfresen.

Wundklee
Wundklee

Hier steht inmitten der Kalke ein anderes weißes Gestein an. Es ist Gips. Dessen geologisches Alter ist unklar. Er stammt entweder aus dem Zechstein oder aber dem Röt (Oberer Buntsandstein). Das Gelände ist knapp zwei Hektar groß. Aufgeschlossene Anhydrite bzw. Gipse im Bereich von Salzstrukturen sind selten. Der Erhalt und die Pflege dieser Geotope hat deshalb eine überregionale Bedeutung. Die Gipse bei Othfresen wurden nachweislich schon im 19. Jh. zur Bau- und Stukkaturgips-Gewinnung abgebaut. Nach den Renaturierungsarbeiten können wir hier heute wieder viele typische Arten der Kalk-Halbtrockenrasen entdecken. Auffällig sind aber auch Kieselschiefer- und Grauwackegerölle in der Umgebung der Gipskuhle. Wir stehen dort auf dem ältesten Talboden der Innerste! Der im Harz entspringende Fluss hatte einstmals den Salzgitterschen Höhenzug nach Nordosten überflossen. Wer eine längere Wanderung machen möchte, kann weiter nach Nordosten auf der Trasse der alten Erzbahn der Grube Fortuna direkt zum Geopunkt 4 wandern.

Monumentales Zeugnis des Eisenerzabbaus

Grube Fortuna bei Groß Döhren

Erhaltener Bunkerturm
Erhaltener Bunkerturm

Wir fahren zurück nach Liebenburg, durchqueren die Gemeinde im Verlauf der L 500 und biegen am Ortsausgang rechts in Richtung Vienenburg ab. Am Ortseingangsschild von Groß Döhren halten wir uns rechts und fahren am östlichen Ortsrand auf dem Weißen Weg bergan in Richtung Waldrand. Auf der Höhe öffnet sich links am Straßenrand ein kleiner Aufschluss in den Oberkreidekalken (Weißpläner). Wir befinden uns hier auf der östlichen Sattelflanke des Salzgitterschen Höhenzuges, noch im Hangenden der Erzlagerstätte. An der nächsten Wegekreuzung halten wir uns links und parken im Bereich der hier befindlichen eindrucksvollen baulichen Reste der Schachtanlage Fortuna. Es handelt sich um ein stillgelegtes Eisenerzbergwerk des Salzgitter-Reviers, das – ebenso wie die Grube Ida-Bismarck – zuletzt durch die Barbara Erzbergbau AG betrieben wurde.

Die Natur auf dem Vormarsch
Die Natur auf dem Vormarsch

Es war das größte Eisenerzbergwerk im südlichen Salzgitterschen Höhenzug und kann hinsichtlich seiner Architektur durchaus mit den großen Kohlebergwerken des Ruhrgebiets verglichen werden. Abgebaut wurde eine Trümmererzlagerstätte der Unterkreide im Tage- und Tiefbau. Nach einer ersten Bergbauperiode (ab 1857) erlebten die Gruben eine wechselvolle Geschichte. Während der Aufrüstung Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Aufschluss- und Ausbauarbeiten neu belebt. Mit dem Durchschlag der Verbindungstrecke Fortuna – Morgenstern auf der 50 Meter-Sohle bestand ab 1959 ein untertägiger Verbund mehrerer Bergwerke. Die höchste Einzelförderung erreichte Fortuna im Jahr 1959 mit 593.100 Tonnen. 1961 nahte bereits das Ende. Die Stahlunternehmen im Ruhrgebiet beschlossen, keine inländischen Eisenerze mehr abzunehmen – Importerze waren billiger. So wurde die Grube 1963 stillgelegt.

Lebendiges Zeugnis des Untertagebergbaus

Schroederstollen bei Klein Döhren

Im Stollen
Im Stollen

Wir fahren wieder zurück, durchqueren Groß Döhren bis zur südlichen Ortszufahrt, parken rechter Hand am Waldrand und gehen ein Stück zu Fuß. Hinter einer bewaldeten Halde liegt das Mundloch des Schroederstollens. Er wurde ab 1922 zum Erztransport aus dem Dörntener Grubenrevier durch das Gebirge gebaut und endet am Tiefbauschacht Georg Friedrich bei Dörnten. Der Stollen wurde nach dem Landesgeologen Bergrat Prof. Dr. HENRY SCHROEDER benannt und ist 2.206 m lang. Die Dörntener Erzfelder liegen am Südwestende des Salzgitterschen Höhenzuges. Dort treten im Kern des Sattels die letzten Trias-Schichten auf. Nach Süden ist nur noch Lias im Sattelkern vorhanden. Über dessen Schichten liegt die Unterkreide mit dem Eisenerzlager an der Basis. Auf dem Ostflügel sind die Triasschichten am vollständigsten ausgebildet.

Stollenmundloch
Stollenmundloch

Der Westflügel hingegen ist an einer Verwerfung abgesunken, daher tritt hier nur der Lias auf. Der Stollen durchquert die Kernzone des Sattels und bietet den besten geologischen Aufschluss im gesamten Salzgitterschen Höhenzug. Die Arbeitsgemeinschaft Schroederstollen hat das Mundloch seit 2005 wieder geöffnet. Der Ausbau als Besucherbergwerk ist geplant. Schon heute sind individuelle Besuche nach Absprache möglich. Zurück am Hauptwanderweg gehen wir bergauf Richtung Schneeberg. Entlang des Weges finden wir anstehend die mergeligen Kalksteine des Turonpläners. In einem rechter Hand liegenden Steinbruch wurden sie abgebaut. Rotpläner und Cenoman-Pläner sind im weiteren Verlauf des Wegs aufgeschlossen. Kurz darauf erreichen wir die Landstraße von Groß Döhren nach Hahndorf. Die breite Verebnungsfläche, die wir von hier aus sehen, ist auf den weichen Tongesteinen des Jura angelegt.

www.schroederstollen.de

Salzstock

Harly bei Vienenburg

Harlyturm
Harlyturm

Wir fahren nun nach Vienenburg, wo wir eine weitere Salzstruktur erreichen: den Harly. Dieser am Nordrand der Klassischen Quadratmeile der Geologie gelegene Höhenzug ist mindestens so bemerkenswert wie der Salzgittersche Höhenzug. Der salztektonisch gebildete Schmalsattel des Harly verläuft parallel zum Harz. Im Westteil ist durch den Aufstieg des Salzes und die damit verbundene Heraushebung eine Abfolge vom Unteren Buntsandstein bis zum Oberen Muschelkalk aufgeschlossen. Auf der Südseite des Harly befinden sich Relikte des ehemaligen Vienenburger Kalibergwerks Hercynia. Mit der Gründung der Gewerkschaft Hercynia begann die rasante Entwicklung des Kalibergbaus außerhalb des Staßfurter Raumes. Bemerkenswert ist ebenso der über Jahrhunderte im Harly umgehende Gipsabbau (Erwähnung der „Alabaster von Wöltingerode“ bereits im Jahr 1571).

Eingang zur Kräuter-August-Höhle
Eingang zur Kräuter-August-Höhle

Noch bis in die 1930er Jahre wurde im Harly Rogenstein als Werkstein abgebaut. Entdecken können wir den Rogenstein u. a. in den Mauern der Klosterkirche Wöltingerode. Erkennbar ist dieser besondere Sandstein an seiner eigenartigen Struktur: kleine Kügelchen erinnern an Fischlaich (Rogen). Die abwechslungsreiche Pflanzen- und Tierwelt ist ein Abbild der geologischen Vielfalt auf engstem Raum. Konsequenterweise ist der Harly als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Für Erholungssuchende ist er durch drei Erlebnispfade erschlossen (Start und Ziel jeweils der Klosterkrug am Kloster Wöltingerode). Einen Besuch lohnt auch das älteste noch erhaltene Bahnhofsgebäude Deutschlands mit dem Eisenbahnmuseum Vienenburg. Der BUND hat eine Broschüre über den Harly herausgegeben, die in der Tourist-Information Vienenburg erhältlich ist. Ob der Harlyturm geöffnet ist, zeigt die Fahne an: Ist sie gehisst, dann ist er sonn- und feiertags von 10 –17 Uhr geöffnet.

Im Gebiet der „Klassischen Quadratmeile der Geologie“

Butterberg bei Bad Harzburg

Aufschluss auf dem Butterberg
Aufschluss auf dem Butterberg

Wir fahren nach Bad Harzburg bis in die Geißmarstraße, wo wir am Friedhof parken. Von hier sind es nur wenige Schritte in Richtung auf den vor uns liegenden Butterbergrücken. Eine Informationstafel erläutert Details zum geologisch und vegetationskundlich interessanten Bergrücken. Er ist mit seiner Härtlingsrippe aus Kalksandsteinen der Sudmerberg-Formation des Mittleren Santon Teil der Nordharzrand-Aufrichtungszone. Die Sedimente wurden während des letzten Vorstoßes des Kreidemeeres von Norden küstennah abgelagert, verfestigt und beim Aufstieg des Harzes herausgehoben. Die Brandung des Kreidemeeres zerschlug die dickbankigen Schichten des Oberen Jura. Daher findet sich am Butterberg eine gemischte Fossilienfauna der Kreidezeit und des Jura.

Eisenhütte und Pulverfabrik an der

Innerste-Kunigunde

Kollergang in der Pulverfabrik
Kollergang in der Pulverfabrik

Kunigunde lag verkehrsgünstig zu den Eisenerzlagern. Daher gründete 1682 JOBST EDMUND VON BRABECK eine Eisenhütte, die jedoch schon bald darauf wieder geschlossen wurde. Hier befanden sich zudem Mühlenbetriebe, ein Kupferhammer und eine Pulvermühle. Letztere belieferte die fiskalischen Bergwerke im Harz mit Schwarzpulver, verlor aber Ende des 19. Jh. an Bedeutung. Durch die Erfindung des Dynamits, die ALFRED NOBEL (1833–1896) auf der Basis des Wissens u. a. der Harzer Bergleute gelang, fielen die Oberharzer Bergwerke als Abnehmer aus. Anfang des 20. Jh. stieg dann jedoch die Nachfrage der Kalibergwerke nach Sprengpulver und Sprengsalpeter; die Fabrik wurde daraufhin erweitert. Während der Weltkriege war die Fabrik Teil der deutschen Rüstungsindustrie. Heute wird das Werk von der WANO Schwarzpulver GmbH betrieben und stellt so seit über 300 Jahren Schwarzpulver und Zündschnüre her.

Zwischen Harz und Baddeckenstedt

Innerstemulde

Die episodische Karstquelle Kirschensoog
Die episodische Karstquelle Kirschensoog

Wir fahren entlang der Innerste nach Norden bis Sehlde und befinden uns in der Innerstemulde. Sie umschließt eine Fläche von rund 150 km² zwischen Goslar im Südosten und Baddeckenstedt im Nordwesten und bildet den nordwestlichen Abschluss der Subherzynen Kreidemulde. Südliche Grenze ist der Harz. Die Mulde untergliedert sich in die Ringelheimer Ebene im Nordwesten und die Bredelemer Ebene im Südosten. Die Muldenfüllung besteht aus verkarstungsfähigen Kalken der Oberkreide (Cenoman- und Turonpläner). Zum Muldeninneren werden die Kalke von schwer wasserdurchlässigem Emschermergel überdeckt. Durch die Mergel wird das Karstwasser gestaut und und gelenkt. So fließt das Wasser am Hang entlang der Schichtgrenze von verkarstetem Turon und wasserstauendem Emschermergel zum tiefsten erreichbaren Punkt des Plänerkalkausstrichs bei Baddeckenstedt.

Steinkreuz Sehlde
Steinkreuz Sehlde

Entdeckt wurde der Fließweg 1889 durch Versenkung von Endlaugen der Langelsheimer Chlorkaliumfabrik. Dort wurden Kalisalze der Grube Hercynia im Harly (Geopunkt 6) verarbeitet. Da in den Karstquellen von Alt Wallmoden und Baddeckenstedt Kalilauge festgestellt wurde, erkannte man das zusammenhängende Karstgerinne. Es erstreckt sich auch bis Goslar und hat eine Länge von ca. 27 km (Luftlinie). Die Fließgeschwindigkeiten des Karstwassers liegen um 100 Meter pro Stunde. Örtlich markieren Erdfälle den Verlauf der unterirdischen Fließwege. Ein Teil des heutigen Karstgerinnes tritt in Form von zwei Springquellen in Alt Wallmoden aus. Dort biegt der Lutterer Sattel in die Innerstemulde hinein, was eine Steilerstellung der Schichten mit einer Querschnittsverengung für das Karstgerinne bewirkt.

Knapp 1 km NW der Karstquelle Kirschensoog, steht unweit des Bahnübergangs im Verlauf der L 496 in Richtung Sehlde ein gotisches Steinkreuz aus Kalkstein um das sich zahlreiche Sagen ranken.



Wallmoden
www.sg-lutter.de

Westliche Grenze der Innerstemulde

Hainberg mit Jägerhaus

Hubertusmotiv
Hubertusmotiv

Von Sehlde fahren wir nach Westen auf den Hainberg. Diese Salzstruktur bildet den Westrand der Ringelheimer Mulde. Große Teile sind Landschaftsschutzgebiet, die Felsen z. T. auch streng geschützt (Naturdenkmäler). Bald erreichen wir das „Jägerhaus“. Das imposante Jagdhaus wurde 1727 unter CLEMENS AUGUST VON BAYERN (1700-1761), der seit 1724 auch Fürstbischof von Hildesheim war, errichtet. Heute ist es eine Ausflugsgaststätte. 1733 kam eine Felsenkapelle hinzu (unterhalb der Terrasse der Gaststätte), die dem heiligen Hubertus, Patron der Jäger, geweiht ist. Die Sandsteine zeigen hier Wabenverwitterung. Eine Wanderung nach Süden führt uns zu den Bodensteiner Klippen, den bedeutendsten Geotopen des Hainberges. Sie erstrecken sich über etwa 4 km in Nord-Süd-Richtung zwischen dem Jägerhaus und Bodenstein und bestehen aus Hilssandstein der Unterkreide, der ein Alter von ca. 110 Mio. Jahren hat.

Inschrift zu Clemens August
Inschrift zu Clemens August

Über dem Hilssandstein liegt der sogenannte Minimus-Ton. Darüber folgen Flammenmergel (Alb) und die meist weißen oder rötlichen Plänerkalke der Oberkreide. Gebildet wurde der Hilssandstein küstennah im Flachmeerbereich. Weiter meerwärts wurden gleichzeitig feine, tonige Sedimente abgelagert. Hilssandstein besteht aus kleinen Sandkörnchen sowie unterschiedlichen Anteilen von Ton und Eisenmineralien, wie z. B. Glaukonit. Diese Komponente verleiht dem Sandstein im bergfrischen Zustand ein grünliches Aussehen. Nach Verwitterung ist dieses Mineral oxidiert und der Sandstein hat eine bräunliche Farbe. Die ursprünglich küstennahe Bildung bedingt die z. T. starken Schwankungen der Schichtmächtigkeit. Auch die Festigkeit des Hilssandsteins unterliegt einem starken Wechsel. Im Hainberg ist die Härte recht hoch, weshalb die Bodensteiner Klippen durch Verwitterungsprozesse in ihrer heutigen Form herauspräpariert wurden.

www.femo-online.de

Geologische Entwicklung des Gebietes

Durch die Aufschiebung des Harzes auf sein Vorland sind die Schichten empor geschleppt und senkrecht gestellt worden – so am Butterberg bei Bad Harzburg. Parallel zur Harzhebung wurde das Subherzyne Becken im Nordharzvorland ca. 2.000 m tief abgesenkt. Zeitgleich mit der Anhebung des Harzblockes wurde aber auch dessen Deckgebirge abgetragen. Im Harzvorland sind deshalb u. a. auch Gerölle von Harzer Schiefern zu finden. Im Subherzynen Becken sind insgesamt bis zu 750 m mächtige Sedimente der Kreidezeit (vor 145,5 bis vor 65,5 Mio. Jahren) ausgebildet. Morphologisch auffällig sind die Kreidesandsteine im Bereich der Sättel, z. B. die Bodensteiner Klippen. Eine Besonderheit sind die Salzstöcke. Schon zum Ende des Erdaltertums, im Perm (vor 299-251 Mio. Jahren) war das heutige Europa zeitweise von einem flachen Schelfmeer bedeckt (Zechsteinmeer). Seinerzeit hatte sich ein Becken gebildet, das durch eine Schwelle vom offenen Meer abgetrennt war. Meerwasser strömte stetig in das Becken und verdunstete im heißen Klima. Kalk begann sich zuerst abzulagern, dann folgten Dolomit, Gips, Steinsalz und schließlich Edelsalze. Steinsalz besitzt eine geringere Dichte als das darüber lagernde Gestein; unter Auflagerungsdruck reagiert es plastisch und reagiert wie eine zähe Masse. Auslöser für entsprechende Massenbewegungen können Brüche sein. Der Salzaufstieg im Gebiet erstreckte sich über den Zeitraum von der Oberen Trias bis ins Tertiär, mithin also bis in die Erdneuzeit hinein. Vergleichbar den Verformungen, wenn wir den Kopf in ein Kissen legen und sich dessen seitliche Teile daraufhin aufwölben, entstanden die Salzstrukturen Salzgitterscher Höhenzug, Harly und Hainberg.

© Regionalverband Harz e. V.
Quedlinburg 2016. Alle Rechte vorbehalten.


Autoren: Dr. Klaus George & Dr. Friedhart Knolle
Fotos: Dr. Klaus George, Christiane Linke, Verlag Schadach/BUND Westharz & WANO Schwarzpulver GmbH

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