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Schloss Ballenstedt

Residenz anhaltischer Fürsten

Schloss & Schlossplatz Ballenstedt

Schlosspark
Schlosspark

Auf einem Berg am nördlichen Harzrand erhebt sich Schloss Ballenstedt. Für Reisende, die von Osten auf der B 185 über den als „Die Hohe" bezeichneten Kalkhöhenzug kommen, ist es bereits weithin sichtbar. Im Jahre 1765 erhoben die Fürsten von Anhalt-Bernburg Ballenstedt zu ihrer Residenz. So wie das Schloss deshalb in besonderer Weise mit dem Herzogtum Anhalt verbunden ist, sind es auch die Zeugen des Bergbaus rings um die frühere Residenzstadt Ballenstedt.
Das Schloss Ballenstedt, eine barocke Dreiflügelanlage, wurde in der ersten Hälfte des 18. Jh. unter Einbeziehung von Teilen einer ehemaligen Klosteranlage erbaut. Ballenstedt war wegen der Jagdleidenschaft von VICTOR II. FRIEDRICH (1700-1765) und seinem ältesten Sohn FRIEDRICH ALBRECHT (1735-1796) zum bevorzugten Aufenthaltsort der Fürsten von Anhalt-Bernburg geworden. Im ehemaligen Westwerk der Klosterkirche befinden sich die Grabstätten ALBRECHT DES BÄREN (1100– 1170) und seiner Gemahlin.

Museum Ballenstedt
Museum Ballenstedt

Zum Schlossareal gehört auch ein Park, der nach Entwürfen von PETER JOSEPH LENNÉ (1789–1866) angelegt worden war und von einer aufwändigen formalen Wasserachse im Stil italienischer Villengärten sowie weiten landschaftlichen Partien geprägt ist. Das in einem Barockpalais aus dem 18. Jh. untergebrachte Museum am Schlossplatz zeigt die Kultur- und Wirtschafts geschichte der Stadt. Im Museum befinden sich außerdem eine Mineraliensammlung sowie eine kleine Ausstellung über die Bergbaugeschichte der Region. Das ebenfalls am Schlossplatz gelegene, 1788 im frühklassizistischen Stil erbaute, Schloss- und Hoftheater ist das älteste Theater Sachsen-Anhalts. In den mehr als 225 Jahren seines Bestehens konnte das einmalige Ambiente des Theaters im Innen- und Außenbereich bewahrt werden.


Tourist-Information Ballenstedt Tel.: (039483) - 263
www.ballenstedt-information.de

Kreidezeitlicher Sandstein

Gegensteine Ballenstedt

Großer Gegenstein
Großer Gegenstein

Am westlichen Stadtrand fahren wir von der B 185 in nördliche Richtung zum Wanderparkplatz mit Geopark- Informationstafel. Weiter geht es zu Fuß zunächst zum Kleinen und weiter durch das Naturschutzgebiet zum Großen Gegenstein. Die Gegensteine sind Teil der Aufrichtungszone entlang des Nordharzrandes (Involutus- Sandstein aus der Oberkreide). Der Große Gegenstein kann über eine in den Fels gehauene, steile Treppe bestiegen werden (Ausblick auf Harz und Brocken, die Aufrichtungszone mit Teufelsmauer und Regenstein sowie auf die Blankenburger Mulde mit Flugplatz). Die Inschrift der vermutlich aus Mägdesprung stammenden Kunstgusstafel aus dem Jahr 1863 erinnert an die Errichtung des Kreuzes 50 Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig, im Todesjahr des Herzogs ALEXANDER CARL VON ANHALT-BERNBURG (1805–1863). Schmuckfunde aus der Bronzezeit weisen auf die frühe Besiedlung des Gebietes hin.

Muschelkalk

Bückeberg Gernrode

Bückeberg · Gernrode
Bückeberg · Gernrode

Nördlich des Ortsteils der Stadt Quedlinburg liegt der ehemalige Kalksteinbruch Bückeberg. Den Geopunkt erreichen wir vom Parkplatz Ziegeleistraße über den nach Norden führenden Weg. Er führt hinauf auf den Höhenzug. Auch der Bückeberg (Unterer Muschelkalk) ist Teil der Aufrichtungszone entlang des Nordharzrandes. Durch den künstlichen Aufschluss ist die überkippte Lagerung der Schichten sehr gut zu erkennen. Das Profil ist eines der vollständigsten zusammenhängenden Muschel kalkprofile in Mitteldeutschland. Leider wurde speziell an diesem Geopunkt wiederholt die Informationstafel zerstört. Wir bitten um Verständnis, dass diese Tafel nun nicht mehr erneuert wird. Vom Parkplatz aus können wir nach fünfminütigem Spaziergang stadteinwärts die Stiftskirche St. Cyriakus erreichen, den einzigen, weitgehend unverändert gebliebenen Kirchenbau Deutschlands aus ottonischer Zeit.

Gernrode Information Tel.: (039485) - 93022
www.gernrode.de

Karbon mit Granit

Anhaltischer Saalstein & Rambergmassiv

Grenzstein
Grenzstein

Vom Kurpark Bad Suderode talaufwärts wandernd, passieren wir zunächst die Lessinghöhle. Hier in den „Düsteren Bergen“ wurden nachweislich bereits im 16. Jh. Flussspat und Kupferkies gewonnen. Nächstes Ziel ist der Anhaltische Saalstein. Den 800 m langen steilen Aufstieg eingeschlossen, benötigen wir bis dorthin etwa eine halbe Stunde. Unsere Blicke schweifen nun über das Kalte Tal, durch das erst seit 1888 eine Straße hinauf nach Friedrichsbrunn führt. Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt der Preußische Saalstein. Schon im Mittelalter wurden im niederdeutschen Sprachgebiet Besitzrechte eines Grundherren und Dienstbarkeiten seiner Grund untertanen in Salbüchern verzeichnet. Die „Sal“-steine beschreiben also eine sehr alte Grenze. Der Anhaltische Saalstein ist im Zweiglimmergranit des Ramberg-Plutons ein Ausschnitt der westexponierten Steilhänge des Kalten Tales mit Felsklippen und Blockschutthalden. Durch eine auf Grundlage des Anhaltischen Naturschutzgesetzes erlassene Ministerial verordnung wurde er 1924 unter Schutz gestellt.

Kleine Teufelsmühle auf dem Ramberg
Kleine Teufelsmühle auf dem Ramberg

Weiter wandern wir auf der mit einem T markierten Themenroute „Historische Grenzen“. Im Natur schutzgebiet „Spaltenmoor“ liegt unweit von Friedrichsbrunn der Wegenerskopf (587 m ü. NHN). Die mit 581 m ü. NHN zweithöchste Erhebung des Rambergs trägt ihren Namen nach Fürst VIKTOR II. FRIEDRICH VON ANHALT-BERNBURG, der unterhalb des Berges ein Jagdhaus besaß. Ganz in der Nähe der Viktorshöhe befinden sich die Klippen der Kleinen und der Großen Teufelsmühle (Ramberg-Granit mit Wollsackverwitterung). Am Bärweg erinnert ein aufgerichteter Granitblock mit guss eiserner Tafel an den letzten Bären, der Ende des 17. Jh. in den anhaltischen Forsten erlegt wurde. Vorbei am Campingplatz Bremer Teich geht es schließlich zum Bahnhof Sternhaus-Ramberg.

Touristinformation Quedlinburg Tel.: (03946) - 905620
www.quedlinburg.de

Oberkarbon - Unterperm mit Steinkohle

Kohlenschacht Opperode

Kleine Teufelsmühle auf dem Ramberg
Kleine Teufelsmühle auf dem Ramberg

Nur bei Opperode, einem Ortsteil der Stadt Ballenstedt, wurde in Anhalt von 1573 bis 1824 Steinkohle gefördert. Ausgebeutet wurden hier geringmächtige Flöze innerhalb des Rotliegenden. 1770 musste der Abbau wegen eines in Brand geratenen Flözes unterbrochen werden. In der darauffolgenden Zeit wurde die Gewinnung der Steinkohle auf bis zu jährlich 3.000 t gesteigert. Die Gewinnung erfolgte untertägig im Strebbau. Eine Wanderung durch das Revier beginnen wir mit einem Besuch des Bismarckturms. Lohnend ist auch ein Abstecher zum Kunstteich, der 1749 für die Wasserhaltung des nahegelegenen Steinkohlenschachtes angelegt worden war (Bademöglichkeit). Zum nächsten Geopunkt gelangen wir entlang der historischen Grenze auf dem heutigen Selketal-Stieg. AB steht auf den historischen Grenzsteinen für das Amt Ballenstedt (Anhalt), AF für das Amt Falkenstein (Preußen).

Quellfassung

Strulle Meisdorf

Strulle
Strulle

Die „Strulle” wird von einer Verwerfungsquelle gespeist. Hinsichtlich seines Lösungsinhaltes hat das Wasser einen intermediären Charakter, es ist bei weitem nicht so arm an Mineralstoffen wie gewöhnlich die Quellwässer im Gebirge. Andererseits verfügt es aber auch nicht über die höheren Lösungskonzentrationen, wie sie häufig an den zechsteinbürtigen Quellen des nahen Harznordrandes auftreten. Der Gehalt an festen, gelösten Stoffen liegt bei ungefähr 700 mg/l (zu etwa zwei Drittel Calzium und Hydrogenkarbonat). Nach einer Inschrift an der Natursteineinfassung wurde die „Strulle” letztmalig im Jahr 1937 saniert. Während einer Befahrung des etwa 10 m tief in den Berg führenden Stollens wurden im Sommer 2007 mehrere Golfbälle in einer Seitennische gefunden. Sie stammen sicher vom nahen Golfplatz und lassen auf eine Verbindung zur Erdoberfläche schließen.

Anhaltinisches Bergamt

Harzgerode

Schloss Harzgerode
Schloss Harzgerode

Das Schloss Harzgerode ließ Fürst GEORG III. VON ANHALT-DESSAU Mitte des 16. Jh. auf einer älteren Anlage erbauen. Es ist einer der wenigen noch erhaltenen Schlossbauten der Frührenaissance in Sachsen- Anhalt. Von 1635 bis 1709 diente es den Fürsten des souveränen Zwergstaats Anhalt- Bernburg-Harzgerode als Wohnsitz. Danach fiel Harzgerode an Anhalt-Bernburg zurück. Im 19. Jh. war das Schloss Dienstgebäude des Forst- und Bergamtes. Heute befindet sich hier u. a. eine Heimatstube. In den Festsaal wird von Zeit zu Zeit zu Konzerten eingeladen, eine gute Gelegenheit, um das aus Hölzern 18 verschiedener Baumarten des Harzes gefertigte Parkett zu bestaunen. Im Wehrgang über dem Westflügel veranschaulicht eine Ausstellung von ca. 50 Kunstgussobjekten aus der Sammlung CARL HORN die künstlerische und gusstechnische Qualität von Produkten eines Produktionsabschnittes der Eisenhütte Mägdesprung.

Touristinformation Harzgerode
Tel.: 039484 - 7476703
www.harzgerode.de

Gold, Silber, Selen und Eisenerz

Bergbaulehrpfad Tilkerode

Dennert-Tanne
Dennert-Tanne

Zum Fürstentum Anhalt-Bernburg-Harzgerode gehörte auch eine Exklave in der Grafschaft Mansfeld. Völlig isoliert von den generell herzynisch streichenden Unterharzer Gängen treten hier in einem aus silurischen Graptolithenschiefern und darin eingelagerten Diabasen bestehenden Sattel einige Nord-Süd verlaufende, steil nach Osten einfallende Eisenerzgänge auf. Bis 1858 lieferte das Revier etwa 35.000 – 40.000 t Eisenerze, die größtenteils in Mägdesprung verarbeitet wurden. Weltweit bekannt wurde Tilkerode 1821, als Bergrat JOHANN LUDWIG CARL ZINCKEN (1791–1862) hier edelmetallhaltige Seleniderze entdeckte. 1825 wurden darin auch Gold und Spuren von Palladium nachgewiesen. Die eher unbedeutende Menge von rund 400 g Gold besaß einen hohen ideellen Wert, war es doch das einzige Gold, das jemals in Anhalt gewonnen wurde. Aus ihm wurden 116 Dukaten geprägt, die die Aufschrift „EX AURO ANHALTINO" tragen.

Industriegeschichte des Selketals

Carlswerk Mägdesprung

Bergrat Zincken
Bergrat Zincken

Das Carlswerk ist ein technisches Denkmal mit funktionstüchtigen Maschinen. Es beherbergt eine Ausstellung zur industriegeschichtlichen Entwicklung des Selketals. 1646 war durch einen Vertrag zwischen Fürst FRIEDRICH VON ANHALT-BERNBURG-HARZGERODE und dem vermögenden Tuchhändler JOHANN HEIDFELD aus Quedlinburg die „Eisenhütte unter dem Mägdesprung" gegründet worden. Teil der späteren Mägdesprunger Eisenhüttenwerk AG war ab 1829 die Maschinenfabrik, zu der ab 1842 auch das Carlswerk gehörte. Zur Palette der Erzeugnisse, die hier bis 1991 hergestellt wurden, zählen Wasser haltungs anlagen für den Bergbau, Brechwerke und Mühlen zum Zerkleinern von Gesteinen, Dampf maschinen sowie Maschinen und Anlagen für Zuckerfabriken, Getreide mühlen, Bren nereien, Ziegelindustrie, Pulvermühlen, Sägewerke bis hin zu Uhrengewichten (in Zapfenform für deutsche oder in Holzschuhform für holländische Uhren), Öfen und zuletzt Gaskocher. In Hammerwerken unterhalb von Mägdesprung wurde das Eisenerz zerkleinert und in Blauöfen eingeschmolzen.

Carlswerk
Carlswerk

Im Jahr 1821 hatte JOHANN LUDWIG CARL ZINCKEN das Amt eines Direktors der Anhalt-Bernburgischen Berg- und Hüttenwerke übernommen. Er lebte und arbeitete 27 Jahre lang in Mägdesprung. Verschiedene Minerale, darunter das nach ihm benannte Zinckenit (Pb9Sb22S42), hatte er entdeckt und beschrieben. Unweit des Carlswerkes liegt flussabwärts der Erste Hammer, dessen Turbine nach der Einstellung der Erzverarbeitung noch bis 1956 Strom lieferte. Verlassen wir am Dritten Hammer linksseitig das Selketal, können wir zwei architektonisch interessante Mehrfamilienhäuser und einen historischen Friedhof mit Zeugnissen des Mägdesprunger Kunst gusses entdecken. Das Baumaterial für die Häuser lieferte der gegenüber dem Carlswerk gelegene Plattenschieferbruch.

Für eine Wanderung entlang der anhaltischen Grenzen im Naturpark empfehlen wir die Karte „ANHALT(en) im NATURPARK HARZ“. Bezug: www.harzregion.de/shop

Kunstguss

Erbstollenportal bei Mägdesprung

Erbstollenportal
Erbstollenportal

Ein Erbstollen ist in der Sprache der Bergleute der tiefste Entwässerungsstollen in einem Grubenrevier, der den darüber liegenden „enterbt“ hat. Zwischen Drittem und Viertem Hammer finden wir am Selketal- Stieg das Portal des Herzog-Alexis-Erbstollens. Der 2.256 m lange Stollen wurde zwischen 1831 und 1864 zur Untersuchung der Gangzüge nördlich von Harzgerode vorgetrieben. Sein im Zeitraum 1830 bis 1848 entstandenes klassizistisches Portal ist ein eindrucksvolles Zeugnis zeitgenössischer Kunst gussprodukte, die zwischen 1821 und 1914 in Mägdesprung entstanden. Auch die berühmte Gussplastik „Siegender Hirsch" in Friedrichsruh bei Hamburg wurde 1895 in Mägdesprung gegossen. Sie war ein Geschenk des Landes Anhalt an Fürst OTTO VON BISMARCK (1815–1898) zu dessen 80. Geburtstag.

Kurmittel und Felsklippen

Alexisbad

Kapellenfelsen Alexisbad
Kapellenfelsen Alexisbad

Alexisbad war 1810 unter der Regierung des Fürsten ALEXIUS FRIEDRICH CHRISTIAN VON ANHALT-BERNBURG (1767– 1834) als Badeort gegründet worden. Das Kurmittel, eisensulfathaltiges Wasser mit hohem Fluoridanteil, lieferte der so genannte „Selkebrunnen". Diese Wasserfassung finden wir am Mundloch des Schwefelstollens. Am Mundloch des St. Catharinen stollens befand sich 1825-1955 der „Alexisbrunnen“. In der näheren Umgebung sehenswert sind besonders die Felsklippen unterschiedlicher Gesteinsarten. Der „Kapellenfelsen" und der „Habichtfelsen" bestehen aus Plattenschiefer, der „Adolffelsen" aus Tanner Grauwacke mit conodontenführenden Kalkbändern (Mikrofossilien). Im Mai 1856 gründeten 23 deutsche Ingenieure in Alexisbad den Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Ihr Ziel war es, alle geistigen Kräfte der Technik zum gemeinsamen Wirken zusammenzufassen. Diese Idee hat bis heute Bestand.

Askanier, Sammlung Schmidt und Freimaurerloge

Museum der Stadt Aschersleben

Freimaurerloge
Freimaurerloge

In Anhalt regierten Grafen, Fürsten und Herzöge aus dem Geschlecht der Askanier. Der Name leitet sich ab von Ascharia (Aschersleben). ALBRECHT DER BÄR nannte sich als erster seines Geschlechts auch „Graf von Aschersleben“. Erst sein Enkel, HEINRICH I. († 1251), nannte sich später, nach der bei Harzgerode gelegenen Burg, „von Anhalt“. Er hinterließ drei Söhne, die das von ihm begründete Fürstentum unter drei Linien der Askanier aufteilten. Nach dem Aussterben der Ascherslebener Linie fiel die Stadt im 14. Jh. an das Bistum Halberstadt und kam mit diesem schließlich zu Preußen.
An der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt Berlin fand Anfang des 20. Jh. der aus Aschersleben stammende Geologe MARTIN SCHMIDT (1863–1947) eine Anstellung. Der Wissenschaftler, der u. a. in Stuttgart und Tübingen wirkte, blieb seiner Heimatstadt verbunden und bereicherte die erdgeschichtliche Abteilung des Museums mit wertvollen Sammlungsstücken.

Sammlung Schmidt im Museum Aschersleben
Sammlung Schmidt im Museum Aschersleben

Unter dem Datum 28. August 1928 ist in einem Dankschreiben des Magistrats der Stadt Aschersleben an ihn zu lesen: „… so ist der von Ihnen eigenhändig aufgebaute Schrank eine Sache für Feinschmecker …“. Bei den damit angesprochenen Delikatessen handelt es sich freilich um sehr wertvolle Fossilien. SCHMIDTS 1929 erschienenes Standardwerk „Die Lebewelt unserer Trias“ wurde im Jahr 2000 neu aufgelegt (ca. 2.300 Abbildungen, um fang reichstes Nachschlagewerk zur deutschen Trias). Viele Abbildungsvorlagen können im Museum in originalen Sammlungsschränken bestaunt werden. Urund Frühgeschichte, Stadtgeschichte, der Freimaurer- Tempel der Johannisloge und wechselnde Sonderausstellungen sind weitere Themen im Museum.

Öffnungszeiten:

Di – Fr & So: 10 – 16

Sa: 14 – 17 Uhr

Tourist-Information Aschersleben Tel.: 03473 - 8409440
www.aschersleben-tourismus.de

Harzer Grauwacke

Steinbruch Rieder

Freimaurerloge
Teilansicht des Steinbruchs Rieder

Unser Ziel ist die Aussichtsplattform am Südrand des Steinbruchs. Um dorthin zu gelangen, wird hier eine Wanderung empfohlen, die am Schlosshotel „Großer Gasthof“ in Ballenstedt ihren Anfang nimmt. Durch den Schlosspark und dort über den Damm des Schlossteichs geht es zum Fürstenweg. Der verläuft am Waldrand in westliche Richtung. Im Schatten alter Laubbäume geht es über die B 185. Den Abzweig zur Roseburg lassen wir rechts liegen. Der Fürstenweg quert bald das Eulenbachtal, in dem eine asphaltierte Straße zum Steinbruch hinauf führt. Wir überqueren jedoch auch diese Straße, um auf dem nun ansteigenden Fürstenweg (R1) weiter in westliche Richtung zu wandern. Erst auf Höhe des rechts vom Weg gelegenen früheren Forsthauses geht es dann hinauf in den Wald. Bald verläuft parallel der Riederschen Trift, dem heutigen Wanderweg in Richtung Sternhaus, eine Hochspannungsleitung. Den Abzweig zur Aussichtsplattform (Stempelstelle 61 der Harzer Wandernadel) hat der Harzklub ausgeschildert.

Der Abbau von Grauwacke im Eulenbachtal bei Rieder geht zurück auf einen kleinen Steinbruch des Reichsarbeitsdienstes im Jahr 1935. Ende der 1960er Jahre verlagerte das VEB Natursteinkombinat Halle- Sennewitz seine Produktionsstätte vom Teichgrund bei Ballenstedt hierher. Die moderne Anlage zum Brechen und Klassifizieren errichtete der heutige Betreiber des Edelsplittwerks, die Mitteldeutsche Baustoffe GmbH im Jahr 1992. Der größte Teil der Produktion wird im Umkreis von bis zu 40 km abgesetzt. Weil jährlich 800.000 t das Werk verlassen, werden die Vorräte hochwertiger Grauwacke der Lagerstätte im Eulenbachtal bald erschöpft sein. Die Anlage zum Brechen und Klassifizieren jedoch soll weiterbetrieben und von einer anderen Lagerstätte mittels Bandanlage mit Rohstoff versorgt werden.

Zur Entwicklungsgeschichte des Gebietes

Das Gebiet zeigt in eindrucksvoller Weise die Entstehungsgeschichte eines ca. 500 Mio. Jahre alten Gebirges und dessen Aufschiebung auf sein jüngeres Vorland. Anfangs war das Gebiet des Harzes ein Meeresbecken, welches über 180 Mio. Jahre von feinkörnigen Sedimenten aufgefüllt wurde. Während des Devons entstanden Schwellen und Becken im Meer. Gleichzeitig kam es zu einem intensiven untermeerischen Vulkanismus, der bis in das jüngere Unterkarbon anhielt. Mächtige Basaltkörper drangen in die devonischen Sedimente ein. Ein solcher Intrusivkörper, ein sogenannter „Diabasgang" ist am Osterteich bei Gernrode 13 zu besichtigen. Im Zeitraum vor 360-330 Mio. Jahren wurde das Gebiet des Harzes von der variszischen Gebirgsbildung erfasst, dabei gefaltet, herausgehoben und teilweise abgetragen. Zum Abschluss erfolgte vor rund 300 Mio. Jahren der Aufstieg saurer Magmen. Das Granitmassiv des Rambergs gehört in diese Zeit. Während des Rotliegenden (vor 320– 272,5 Mio. Jahren) verstärkte sich die Abtragung in die nach der Gebirgsbildung entstandenen Senken hinein. Klimatisch bedingt kam es zur Bildung von Steinkohle. Südlich von Badeborn befindet sich die mit Sandsteinen aus der Kreidezeit (89–81 Mio. Jahre alt) gefüllte Blankenburger Mulde. Deren Südflanke ist morphologisch herausgehoben (Gegensteine). Die Steilstellung der Schichten ist ein Beweis für die Heraushebung des Harzgrundgebirges und seine Aufschiebung nach Norden vor ca. 80 Mio. Jahren. Am Bückeberg bei Gernrode sind die Schichten des Muschelkalks steilgestellt und teilweise über kippt. In den absinkenden Randsenken des aufsteigenden Salzstockes von Aschersleben kam es im Tertiär (vor 49-37 Mio. Jahren) zur Bildung eines ausgedehnten Moores. So entstand die Braunkohlenlagerstätte bei Frose.

© Regionalverband Harz e. V.
Quedlinburg. Alle Rechte vorbehalten.

Autoren: Dr. Klaus George, U. Herold & C. Linke
Fotos: George, Krause, Lange, Linke, RVH, MDB

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