Landmarke 10

Auerberg

Harzgrundgebirge

Der Auerberg bei Stolberg

Stolberger Diamanten
Stolberger Diamanten

Schon aus der Ferne ist der Vulkankegel des Auerbergs von anderen Bergen im Unterharz sicher zu unterscheiden, überragt doch das „Josephskreuz“ den Baumbestand auf seinem Gipfel. Vom Parkplatz des Naturresorts Schindelbruch aus ist es nur ein kurzer Aufstieg hinauf auf den 579 m hohen Berg. Der dortige 38 m hohe Aussichtsturm, das größte Doppelkreuz der Welt, ist benannt nach seinem Erbauer, dem kunstsinnigen Graf JOSEPH ZU STOLBERG-STOLBERG (1771-1839). Als Architekt konnte dieser KARL FRIEDRICH SCHINKEL (1781-1841) verpflichten. Der berühmte Baumeister des Klassizismus ließ für den Turmbau in den umliegenden Wäldern 365 Eichen schlagen. Das 1834 eingeweihte hölzerne Doppelkreuz fiel jedoch bereits im Jahr 1880 einem Blitzschlag zum Opfer.

Geo- und Walderlebnispfad
Geo- und Walderlebnispfad

In Anlehnung an den ursprünglichen Entwurf wurde das Josephskreuz unter Mitwirkung des Harzklubs von der fürstlichen Kammer zu Stolberg 1896 wieder errichtet, nun aus Metall – erbaut von der Dampfkessel- und Gasometerfabrik Braunschweig. Als großes Vorbild diente der Eiffelturm, der sieben Jahre zuvor in Paris anlässlich der Weltausstellung eröffnet worden war. Das nach 1990 komplett sanierte Josephskreuz erhielt 2006 den Naturparkpreis als schönster Aussichtsturm des gesamten Harzes. Turm und Umfeld werden von der Wirtin des Gasthauses „Bergstübel“ gepflegt. Die Rhyolithlava des Auerbergs besteht aus einer schnell erkalteten fein kristallinen Grundmasse und den darin „schwimmenden“ Kristallen – die „Stolberger Diamanten“. Es handelt sich dabei um 1 bis 13 mm große, in Dihexaeder auskristallisierte Quarze und bis 8 mm große Orthoklase.

Grenzen

Museum Alte Münze Stolberg

Ausstellungsstück Bleiglanz
Ausstellungsstück Bleiglanz

Das hier betrachtete Gebiet teilt sich in das frühere Herrschaftsgebiet der Stolberger Grafen und das der Fürsten von Anhalt. Im Museum ist zu lesen: „Im Mai 1563 wurden vier Bergknappen der Grube auf der Biewende, gehörig zum anhaltischen Amt Harzgerode, durch die Stolberger Grafen gefangengesetzt.“ Derartige Gewaltakte begleiteten einen über Jahrzehnte geführten Rechtsstreit. Anlass war die nach Auffassung der Anhaltiner unkorrekte Rückgabe der Schlösser und Orte Güntersberge und Harzgerode im Jahr 1536, welche die Grafen im Jahr 1498 wiederkäuflich erworben hatten. Das Haus Anhalt verlangte die Rückgabe von Land, von dem die Stolberger behaupteten, es u. a. von der Familie VON HOYM gekauft zu haben. Auch mehrere vom Reichskammergericht eingesetzte Kommissionen konnten die Besitzansprüche nicht vollständig klären; Grenzmarkierungen waren ebenso verschwunden wie wichtige Urkunden.

Museum Alte Münze Stolberg
Museum Alte Münze Stolberg

Besonders brisant waren die Festlegungen im Vertrag von 1498 über die Bergwerke, die nicht zu den gekauften Nutzungsrechten gehörten, was die Grafen aber nicht hinderte, widerrechtlich auf anhaltischem Gebiet Bergbau zu betreiben. Da der Streit beiden Parteien schwere wirtschaftliche Schäden zufügte, einigten sie sich schließlich 1613 in einem Vergleich. Infolge des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) kam der Bergbau im Stolbergischen zum Erliegen. Die Wiederaufnahme um 1660 hatte nur mäßigen Erfolg. Neue Bergbautechniken und die Reichsgesetze zur Münzprägung führten zum Ende des 17. Jh. zur erneuten Belebung der Straßberger Gruben. Geschichte und Techniken der Münzprägung widmet die Ausstellung breiten Raum.

Bergbau in der Grafschaft

Stolberg Grube Glasebach Straßberg

Tagesanlagen der Grube
Tagesanlagen der Grube

Der Beschilderung folgend ist eine Anreise mit PKW ebenso möglich wie eine Wanderung vom Haltepunkt „Hüttenplatz“ der Selketalbahn. Übertage werden Zeugnisse des Bergbaus aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg präsentiert. Den Spuren des Altbergbaus folgen wir hingegen in die Grube. Die Befahrung (bergmännisch für Begehen) beginnt in der übertägigen Radstube mit dem rekonstruierten, riesigen Kunstrad. Hier legen wir dann auch die Schutzausrüstung an. Wir wollen die Wasserhebetechnik, die Ausbau- und Abbauarten (u. a. Eichenholzverzimmerung aus dem 18. Jh.), Schrägschacht und die reiche farbige Mineralisierung erkunden. Über eine im Hauptschacht eingebaute Treppenkonstruktion werden die erste und zweite Sohle befahren. Die Führung dauert ca. 80 Minuten.

Gräflich-Stolbergische Hütte
Gräflich-Stolbergische Hütte

Nach Eröffnung des Silberbergwerks „Heidelberg“ nördlich von Straßberg gingen im 15. Jh. die ersten Hochöfen der Silbermetallurgie auf der Straßberger Schmelzhütte der Stolberger Grafen in Betrieb. Um 1690 findet eine Grube „Seidenglanz“ Erwähnung. Während der Blütezeit des Straßberger Bergbaus in der ersten Hälfte des 18. Jh., als zeitweilig bis zu 500 Bergleute hier tätig waren, wurde diese Grube unter dem Namen „Glasebach“ neu verliehen. Um die Wende 18./19. Jh. erwarb Anhalt-Bernburg die Konkursmasse des Straßberger Bergbaus. Fast 150 Jahre später wurde 1950 der alte Schacht wieder geöffnet und die Grube „Glasebach“ neu erkundet. In der Folgezeit gewannen die Bergleute Fluorit (bergmännisch: Flußspat) und verbrachten es über eine unterirdische Verbindung zum Fluorschacht (zwischen Straßberg und Siptenfelde), wo das Material dann zu Tage gefördert wurde.

Fenster in die Erdgeschichte

Pfingstfelsen Stolberg

Pfingstklippen
Pfingstklippen

Vom Stolberger Markt fahren wir die Rittergasse entlang zum Hotel „Chalet Waldfrieden“. KARL FRIEDRICH SCHINKEL war Architekt auch dieses imposanten Hauses das 1810 im Auftrag der Grafen als Schützenhaus entstand. Heute beherbergt es Hotel, Gaststätte und Café- Maschinen Museum. Wir wandern an Waldbad und Reiterhof vorbei. Ein besonders reizvoller Blick eröffnet sich auf die Schweizer Hütte. Der mit einem gelben Balken auf weißem Grund markierte Weg trägt fortan den kuriosen Namen „Besoffener Weg“. Links des Weges plätschert die Lude. Nahe der Einmündung des Klippwassers reihen sich am Hang der Benedixköpfe eindrucksvoll die Klippen der Pfingstfelsen. Angeschnitten ist die Südharz-Decke. Sichtbar ist untermeerisch erstarrte Kissenlava mit eingeschalteten Metabasalt-Tuffen.

Bergbau in Anhalt

Zum Steinbruch „Schneckenberg“

Schneckenberg
Schneckenberg

Die „Liebeslaube“ ist eine Schutzhütte zwischen Harzgerode und Alexisbad. Sie steht direkt oberhalb des bis 1938 betriebenen Steinbruchs. Unterhalb befindet sich im Langen Tal das neue Klärwerk der Stadt Harzgerode. Im Steinbruch wurden vier faziell unterschiedliche Kalksteintypen abgebaut, darunter Princeps- Kalk mit z. T. reicher fossiler Fauna aus dem Unterdevon (416–398 Mio.). Das Kalksteinvorkommen ist Teil des Harzgeröder Olisthostroms, ein großer Felsblock (Großolistholith). Olisthostrome sind die Absätze von einstmals der Schwerkraft folgenden Schlammströmen. Die ungeschichtete, chaotische Gesteinsmasse des Harzgeroder Olisthostroms ist also das Ergebnis einer untermeerischen Rutschung. Olistholite sind Gesteinsbruchstücke und Gesteinsfolgen unterschiedlichster Größen, die in die sandig-tonig-mergeligen Massen eines Olisthostroms eingelagert sind.

Selketal-Stieg

Pioniertunnel Alexisbad

Pioniertunnel
Pioniertunnel

Eine sehr schöne Halbtagestour auf dem Selketal-Stieg beginnt an der Verlobungsurne auf dem Habichtstein hoch über Alexisbad. Der Stieg verläuft gleichsam direkt auf dem Harzgerode-Olisthostrom. Typisch sind Tonschiefer der Olisthostrom-Matrix und die chaotisch abgelagerten und später, während der variszischen Tektogenese, linsen- bis lanzettförmig verformten Scherkörper, die Olistolithe (FRANZKE & SCHWAB 2011). Birkenhäuschen, Friedensdenkmal und Luisentempel liegen am Weg, ehe es durch den Pioniertunnel geht. Errichtet wurde der Tunnel von der 2. Kompanie des Magdeburger Pionierbataillons Nr. 4 im Mai 1900. Er ist teilweise bergmännisch verbaut und bietet Schutz bei Regen oder Abkühlung an heißen Sommertagen. Über Köthener Hütte und Mägdetrappe geht es weiter nach Mägdesprung und von dort im Tal zurück nach Alexisbad.

Weg Deutscher Kaiser und Könige

Mühlenberg-Zug unter der Erichsburg

Gangzug
Gangzug

Von Mägdesprung kommend erreichen wir Alexisbad dort, wo der „Weg Deutscher Kaiser und Könige“ das Selketal kreuzt. Wir folgen ihm das Friedenstal aufwärts, um alsbald eine Stelle zu erreichen, an der - vom Bachlauf freigespült - eine im gewachsenen Fels eingetiefte Fahrspur einstmals eisenbereifter Räder erkennbar wird. Ebendort sind vertikal eingeschichtete Schieferplatten als Untergrundsicherung und zur Herstellung einer trittsicheren Oberfläche für die Zugtiere gut sichtbar. Dieser aufwändige Wegebau lässt auf die einstmals große Bedeutung für den Verkehr schließen. Es folgen Reste kaskadenartig angelegter Stauteiche, in denen Aufschlagwasser für die Wasserräder der Werke im Selketal gespeichert wurde. Schließlich erreichen wir das Mundloch der Grube „Fürst Karl Wilhelm“, in der von 1708 bis 1741 auf dem Mühlenberg-Zug Kupferkies abgebaut wurde.

Schlageinteilung der Wälder

Bergrat Müller Teich ( 8 )

Bergrat Müller Teich
Bergrat Müller Teich

Der Mühlenberger Gang, eine mineralgefüllte Gebirgsspalte, führt neben Kupfer- auch Schwefel- und Arsenkies. Zur Wasserhaltung der Grube „Fürst Karl Wilhelm“ wurden oberhalb der Erichsburger Teich (1709) und der Bergrat Müller Teich (1737/38) angelegt. Bergrat MÜLLER war ein bedeutender Bergbaufachmann seiner Zeit. Ein kleiner, stark verwachsener Steinbruch am Bergrat Müller Teich schließt Zweiglimmergranit des Rambergs mit gut ausgebildeter Verwitterungszone auf (Oberkarbon). Beachtenswert ist ein Grenzstein am Damm des Teiches. Er ist Zeugnis der Schlageinteilung der Wälder, mit der der fürstlich anhaltische Forstkommissar JOHANN JACOB BÜCHTIG (1729-1799) beauftragt war. Er war der erste deutsche Forstpraktiker mit einem Universitätsstudium und bekleidete ab 1765 das Amt des Bergamtsassessors in Harzgerode.

Raubritter

Ruine Erichsburg

Ruine Erichsburg
Ruine Erichsburg

Von der Blockhaussiedlung des Ferienparks entlang der Beckstraße nur 700 m in Richtung Siptenfelde entfernt führt ein schmaler Pfad links die Böschung hinauf. Hier befinden sich die Wallanlagen und die noch heute sichtbaren Reste des Bergfrieds, eines Wohngebäudes und Wohnturms der früheren steinernen Kernburg. Die Erichsburg wurde 1320 an die Stolberger Grafen verkauft. Über ihr weiteres Schicksal weiß Spangenbergs Mansfeldische Chronica von 1572 zu berichten, dass Graf HERMANN VON STOLBERG als Raubritter schlimmster Art sein Handwerk trieb, bis der Landgraf von Thüringen mit Bürgern aus Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen das Raubnest ausnahm und strengstes Gericht hielt. Der Graf musste sich verpflichten, die Burg niemals wieder aufzubauen. Sie ist seither wüst. Im unmittelbaren Burgbereich wurde im Mittelalter möglicherweise Bergbau betrieben.

Altbergbau und seine Folgen

Steinbruch Brachmannsberg

Dennert-Tanne
Dennert-Tanne

Nach ca. 1 km verlassen wir die Beckstraße und steigen rechts ins Tal hinab, folgen weiter der Beschilderung zum idyllisch gelegenen Forsthaus Uhlenstein. Von dort geht es weiter talabwärts zum ehemaligen Steinbruch am Brachmannsberg, der erst vor wenigen Jahren mit Material aus der Auffahrung der Wasserlösungsstollen im Uhlenbachtal teilweise verfüllt wurde. Am Steinbruch befindet sich auch der im Jahr 1784 getäufte 50-55 m tiefe Hauptschacht der Grube „Brachmannsberg“. Gefördert wurde Flußspat (Fluorit, CaF2). Der Rohstoff fand Verwendung bei der Verhüttung von Metallen, der Herstellung von Fluor und in der Glasindustrie. Fein verteilter Pyrit (FeS2) war für die Bildung schädlicher Grubenwässer verantwortlich, die noch heutzutage nicht ohne entsprechende Behandlung in die Vorflut entlassen werden können.

Zurück ins Selketal

Wasserlösungsstollen

Wasserlösungsstollen im Uhlenbachtal
Wasserlösungsstollen im Uhlenbachtal

Talabwärts müssen wir die Bundesstraße 242 queren und an dieser ca. 100 m nach rechts gehen. Bald ist das Mundloch des 1995-1998 aufgefahrenen „Brachmannsberger Stollens“ erreicht. Wie auch der „Biwender Stollen“ auf der anderen Talseite dient er der kontrollierten Entwässerung des Altbergbaus. Zwischen beiden Mundlöchern wurde nach der Auffahrung der Wasserlösungsstollen eine Wasseraufbereitungsanlage errichtet. Am Ausgang des Uhlenbachtals in das Selketal führt die Route rechts entlang der Kreisstraße nach Silberhütte. Dort, wo sich zunächst eine Pottaschenhütte und eine Ölmühle befanden, wurde 1692 die Silberhütte eingerichtet. 1752 wich dieses Werk einer fürstlichen Glashütte. Eine große Kunstgusstafel weist darauf hin, dass Herzog ALEXIUS FRIEDRICH CHRISTIAN VON ANHALTBERNBURG (1767-1834) im Jahr 1825 die Schmelzwerke umbauen und verbessern ließ.

Freilichtmuseum

Harzer Waldhof Silberhütte

Auf dem Waldhof
Auf dem Waldhof

Zu einem besonderen Anziehungspunkt nicht nur für Schulklassen und Familien mit Kindern hat sich der „Harzer Waldhof“ entwickelt. Eingerichtet wurde dieses Freilichtmuseum 1998 im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Forstamts Harzgerode. Gemeinsam mit einem Förderverein haben der Landesforstbetrieb und das Landeszentrum Wald seither die Anlage weiter vervollkommnet und um eine Ausstellung (u. a. historische Motorsägen) im ehemaligen Bahnhofsgebäude der Selketalbahn erweitert. Auf dem ständig frei zugänglichen Gelände werden die Entwicklung der Forstwirtschaft und deren (frühere) Bedeutung für den Bergbau und die Köhlerei sowie die heutzutage wichtigen Waldfunktionen Nutzung (Holz), Schutz (Naturschutz, Gewässer- und Bodenschutz) und Erholungsvorsorge dargestellt. Außerdem wird jährlich zum Tag des Baumes auf dem Gelände eine neue Baumart gepflanzt.

Bergbaugeschichte

Grube „Pfaffenberg“ Neudorf

Ehemaliger „Blauer Schacht“
Ehemaliger „Blauer Schacht“

Am Waldhof beginnt ein geologischer Wanderweg über den Wolfsberg; am Birnbaumteich finden wir den Ausgangspunkt des Neudorfer Bergbaurundwegs. Fürst OTTO VON ANHALT († 1304) verlieh Klöstern bereits um 1300 Schürfrechte im Birnbaumrevier. In Neudorf angekommen lohnt dort geduldiges Umherstreifen, denn der Ort ist voller Zeugnisse der Bergbaugeschichte. Von 1887-1912 führte eine 4,5 km lange Erzbahn nach Silberhütte. Ein Förderschacht befand sich direkt in Neudorf. Von dessen ehemaligem Standort aus gehen wir „In den Eichen“ und vorbei am „Blauen Schacht“ zur Grube Pfaffenberg („Fürst Christian-Schacht“). Mehrere Röschen (untertägige Wasserläufe) verbinden sich hier mit dem Meiseberger Wipperstollen. Sie brachten Aufschlagwasser für ein Wasserrad. 1822/23 wurde an dessen Stelle eine Dampfmaschine zur Hebung des Grundwassers erbaut.

Zu guter Letzt

Bergsee Güntersberge

Bergsee Güntersberge
Bergsee Güntersberge

Sie werden es bemerkt haben: Die Geopunkte 5 bis 13 ließen sich zu einer erd- und montanhistorischen Wanderung durchs Anhaltische verbinden. Ausgangspunkt dazu wäre Harzgerode, in dessen Schloss sich noch im 19. Jh. das Anhaltische Bergamt befand. Eine sehr schöne Übersicht der für den Erzbergbau interessanten Gangzüge bietet der Brunnen auf dem Marktplatz der früheren Residenzstadt. Von der Grube „Pfaffenberg“ können wir über den Damm des Fürstenteiches Neudorf, die Stahlquelle (Stempelstelle Nr. 193 der Harzer Wandernadel), Wegehaus und Taterhöhe zurück nach Harzgerode wandern. Wer des vielen Wanderns müde geworden ist, fährt mit der Selketalbahn nach Güntersberge. Vom dortigen Haltepunkt der Harzer Schmalspurbahn ist es nur ein kurzes Stück Weg bis zum Bergsee (Bademöglichkeit, Bootsverleih).

Selketalbahn
Selketalbahn

Der Bergsee, auch „Mühlenteich“ genannt, wurde ursprünglich zur Versorgung der Mühlen, der Hammerwerke und des Bergbaus im unterliegenden Selketal erbaut. Am Hang des Südufers befindet sich das Naturdenkmal „Aufschluss Teichdamm“. Für Kenner sichtbar ist ein Typusprofil. Aufgeschlossen sind devonische Herzynkalke in unterkarbonischer Rutschmasse (Olisthostrom). Eine Informationstafel erläutert die geologischen Gegebenheiten. Unterhalb des Damms beginnt ein interessanter Naturlehrpfad, an dessen 15 Stationen gespielt und geknobelt werden kann. Ziel ist die Ruine der Güntersburg, eine ausgedehnte, bereits Anfang des 17. Jh. wüste Siedlung mit Wallanlage, Fundamenten von Tortürmen und sonstigen Gebäuden. Auf steinernen Fundamenten standen Holzhäuser, deren Dächer mit Schiefer eingedeckt waren. Schon 1319 wurde ein unterhalb der „Kohlbergsburg“ verlaufender Weg als „Hohe Straße“ bezeichnet.

Am Anfang war ein Meer

Geologische Entwicklung des Gebietes

Für die Betrachtung des Gebietes rings um den Auerberg bietet sich ein Rückblick in die frühe Phase der Entstehung der Tonschiefer und Grauwacken an. Es ist die Zeit des Erdaltertums, als im Silur, Devon und Unterkarbon (vor 444-318 Mio. Jahren) ein weiter Ozean das Gebiet des heutigen Mitteleuropas einnahm. In diesen Ozean hinein wurden über Jahrmillionen gewaltige Massen von Sedimenten geschüttet. Fern der Küsten gelangten dabei nur die sehr feinen Partikel, wurden dort als Tonschlamm abgelagert und unter großem Druck verfestigt. Anderswo bildeten sich im Meeresboden tiefe Spalten an denen glutflüssige Basaltmagma austrat und zur Bildung der heute im Harz weit verbreiteten Diabase führte.

Die weitere Entwicklung beschreibt KNAPPE (1976) so: „Fortwährend wurde dieser ständig absinkende Meerestrog, die sogenannte Geosynklinale, weiter mit Ton, Sand, Kalk oder vulkanischem Gestein aufgefüllt.“ Im Oberkarbon (vor ca. 300 Mio. Jahren) erfasste dann die von SE nach NW vordringende variszische Faltung den mit Sedimenten gefüllten Trog. Durch eine fortdauernde Aufwärtsbewegung wurde dieser gesamte Komplex schließlich über den Meeresspiegel hinaufgehoben (Auffaltung des variszischen Gebirges). Am Ende der Faltungsära stiegen abermals glutflüssige Gesteinsschmelzen meist granitischer Zusammensetzung aus der Tiefe auf, wurden in die gefalteten Schichten hineingepresst, und erstarrten dort langsam zu richtungslosen körnigen Tiefengesteinen (Gabbro, Granit).

Schon im 19. Jh. erkannten Geologen einen Zusammenhang zwischen den Granitkörpern (z. B. des Rambergs) und dem Auftreten von Erzgängen. Die großen magmatischen Körper lieferten während ihrer langen Abkühlungsphase 100-400 °C heiße, metall- und mineralreiche Lösungen, die während ihres Aufstiegs langsam abkühlten und dabei ihre mitgeführte Fracht als Erz- oder Granitminerale in vorhandenen Hohlräumen ausfällten.

Das Zentrum der Unterharzer Gangmineralisation liegt im Gebiet Straßberg-Neudorf-Harzgerode (LIESSMANN 1992). Der Auerberg ist ein zeitlich jüngeres Ergussäquivalent des Ramberg-Plutons. Wahrscheinlich ist, dass beide Gesteine einen gemeinsamen Herd besitzen.

© Regionalverband Harz e. V.
Quedlinburg 2014. Alle Rechte vorbehalten.


Autor: Dr. Klaus George
Fotos: Dr. Klaus George, Christiane Linke, Hotels

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