Bodetal @Dr. Klaus George
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Stadt Ellrich

 

Stadtwappen © Dr. Klaus George

Von Dr. Klaus George

Die heutige Stadt wurde 1994 als Einheitsgemeinde aus der Stadt Ellrich und den Orten Appenrode, Cleysingen, Gudersleben, Rothesütte, Sülzhayn, Werna und Woffleben gegründet. Bereits seit 2005 ist Ellrich Fördermitglied im Regionalverband Harz.


Die Stadt hat eine sehr bewegte Geschichte. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 9. (Ellrich und Werna) bzw. 10. Jh. (Gudersleben und Woffleben). Gudersleben beispielsweise wird 927 erstmals in einer Schenkungsurkunde von HEINRICH I. erwähnt. Der König übertrug den Ort an seine Gemahlin MATHILDE. Appenrode findet seine erste urkundliche Erwähnung 1190. Noch später erst gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1209 Nachricht von der Existenz des Dorfes Cleysingen an der Heerstraße zwischen Ellrich und Woffleben. Wahrscheinlich befand sich dort eine Klause oder Clus. Als "civitas", also als Stadt, wird Ellrich erstmals 1292 bezeichnet. Mit der Eroberung der Burg Klettenberg im Jahr 1253 war Ellrich zuvor an die Hohnsteiner Grafen gefallen. Unter der Herrschaft der Hohnsteiner Grafen erhielt Ellrich 1332 das Münzrecht. Noch in einer Karte aus dem Jahr 1761 sind Ellrich, Cleysingen, Gudersleben und Woffleben als in der Herrschaft Klettenberg der Grafschaft Hohnstein liegend dargestellt. Die Grafen vom Hohenstein waren allerdings bereits 1593 im Mannesstamm ausgestorben. Die Herrschaft Klettenberg war wie die ebenfalls zur Grafschaft Hohnstein gehörende Herrschaft Lohra 1636 durch die Calenberger Welfen vom Bistum Halberstadt erworben worden.

Halberstädtisches Lehen war zwar nur die Herrschaft Clettenberg selbst, doch der Bischof von Halberstadt hatte 1573 im Tausch gegen Halberstädtische Lehen in der Grafschaft Mansfeld von Sachsen auch das alte kursächsische Lehen Lohra erhalten. Die Stammgrafschaft Hohnstein selbst war mit den Orten Appenrode und Werna altes Braunschweiger Lehen. Im Westfälischen Frieden 1648 war das Gebiet der Grafschaft Hohnstein dann größtenteils dem Kurfürsten von Brandenburg zugesprochen worden, doch erst am 12. Dezember 1699 kann sich Kurfürst FRIEDRICH III. VON BRANDENBURG endgültig der Grafschaft bemächtigen. Calenberg hatte nach dem Dreißigjährigen Krieg nur Gebiet um Ilfeld mit den Orten Sülzhayn und Rothesütte behalten. Dieses wurde Teil des Kurfürstentums Hannover (ab 1814 Königreich). Nach der für die hannoverschen Truppen verloren gegangenen Schlacht bei Langensalza im Juni 1866 wurde das Königreich Hannover zu einer preußischen Provinz. Das gesamte Gebiet der heutigen Stadt Ellrich war fortan Teil Preußens (Provinz Sachsen bzw. Provinz Hannover). 1932 schließlich gliederte man den Landkreis Ilfeld (Regierungsbezirk Hildesheim) in den Landkreis Grafschaft Hohnstein ein. 1950 wurde Werna als Ortsteil Ellrich-Ost in die nahegelegene Stadt eingemeindet. Heute ist die Stadt Ellrich Teil des Landkreises Nordhausen und der Ortsteil Rothesütte der nördlichste Ort des Freistaates Thüringen.


Rothesütte liegt wie Ellrich und Sülzhayn in einem uralten Grenzgebiet zum Stift Walkenried bzw. später zum Herzogtum Braunschweig. Historische Grenzsteine und der legendäre Carlstein zeugen von jener fernen Zeit. Wirklich tiefe Wunden hat jedoch die nur wenige Jahrzehnte dauernde Teilung Deutschlands hinterlassen. Noch 20 Jahre nach dem Mauerfall sind sie an Leerständen und Verfall einzelner Häuser besonders in Ellrich und Sülzhayn schmerzlich sichtbar. Sülzhayn hatte sich bereits Ende des 19. Jh. zu einem bedeutenden Luftkurort entwickelt und war Standort von vielen Sanatorien und Kliniken. In den Ortsteilen der Stadt Ellrich findet sich viel Ursprüngliches. Wohl auch deshalb ging der Naturparkpreis des Regionalverbandes Harz schon zweimal in die Stadt am Südharzrand. 1999 war es der Ort Sülzhayn, der für den schönsten Ortseingang im Harz ausgezeichnet wurde, und 2007 kürten die Juroren das Waldbad Ellrich als schönste Naturbadestelle der Harzregion. Ein Besuch des Parks am Rittergut der Freiherren VON SPIEGEL in Werna ist ebenfalls lohnend, auch weil sich dort eine Informationsstelle des Geoparks Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen befindet. Stichwort Geopark: Er hat im Gebiet viele Attraktionen zu bieten, darunter das Naturdenkmal "Kelle" bei Werna. Erschlossen werden die vielen Attraktionen und die wunderschöne Landschaft durch den Karstwanderweg (www.karstwanderweg.de).

Besonders zu empfehlen ist auch ein Besuch in einem der ältesten Fachwerkhäuser von Ellrich in der Hospitalstraße. Dort befinden sich das Heimatmuseum und in unmittelbarer Nachbarschaft die Hospitalkapelle "St. Spiritus" aus dem 16. Jh. (geöffnet April-Oktober sonntags 14-16 Uhr). Einen wunderbaren Überblick über die Stadt und ihr Umland bietet sich vom Ravensturm. Um ihn zu besteigen, besucht man das einmalige Feuerwehrmuseum (geöffnet jeden 1. Sonntag in den Monaten Mai-September 15-17 Uhr oder nach Vereinbarung, Tel. 036332-20244). Das Haus des Gastes mit Touristinformation befindet sich in Sülzhayn. Weitere Informationen bieten die Faltblätter "Zwischen Harz und Hainleite" aus der Serie "Natur erleben an der Transromanica", das Faltblatt der Landmarke 7 des Geoparks oder das Faltblatt "Über den Harz" aus der Serie "Natur erleben am Kaiserweg".

Weiterführende Literatur


P. Kuhlbrodt (2002): Das alte Ellrich - Geschichte einer Südharzstadt. 2., überarbeitete Auflage im Verlag Neukirchner. Nordhausen.