Inchnadamph. Auf Einladung des North West Highland Geoparks tagten Mitte September der Rat und die Kommission des Netzwerks der Europäischen Geoparke (European Geoparks Network – EGN) im schottischen Inchnadamph (siehe Hintergrund). Auf der Tagesordnung stand unter anderem auch die Revalidierung des Geoparks Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen, der 2004 in die internationalen Netzwerke aufgenommen worden war und damit eine bis Ende 2007 befristete Anerkennung als UNESCO-Geopark erhielt. Bereits im ersten Halbjahr begann ein umfangreicher Prozess der Überprüfung. Dazu hatten der Regionalverband Harz (Quedlinburg) und das Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen (Königslutter) als Träger (Geopark GbR) des mit über 10.000 km² größten Geoparks in Europa vorzulegen: eine detaillierte Beschreibung (Dokument A: Geologie und Landschaft, Managementstruktur, Umweltbildungskonzept, Tourismus und nachhaltige Regionalentwicklung), einen detaillierten Bericht zu der seit 2004 geleisteten Arbeit (Dokument B: Mitarbeit in den internationalen Netzwerken, Entwicklung des Managements und der Finanzausstattung, Strategie zum Schutz des geologischen Erbes, strategische Partnerschaften, Marketing, Darstellung des europäischen und des globalen Geopark-Netzwerks in der Region, nachhaltige regionale Wirtschaftsentwicklung) sowie ein englischsprachiges Dossier. Die im Ergebnis der Erarbeitung dieser Unterlagen vorzunehmende Selbsteinschätzung wurde im Juli 2007 von Inspektoren aus Großbritannien und Österreich während einer dreitägigen Bereisung des Geoparkgebietes überprüft. Erreicht wurden 6.330 von 7.040 möglichen Punkten im Dokument A bzw. 775 von 1.000 möglichen Punkten im Dokument B. Im Ergebnis ihrer Bereisung hatten beide Inspektoren eine weitere Anerkennung der Mitgliedschaft für die Jahre 2008 bis 2011 empfohlen (Greencard). Dem wollten sich jedoch Rat und Kommission nach teilweise kontroversen Diskussionen nicht anschließen. Sie verlängerten die Mitgliedschaft in den internationalen Netzwerken und die damit verbundene Anerkennung als UNESCO-Geopark schließlich nur um zwei Jahre bis Ende 2009. Danach wird eine erneute Überprüfung erfolgen. Konkret wird gefordert, dass der Geopark Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen international stärker in Erscheinung tritt. Dies könne erreicht werden durch die regelmäßige Teilnahme beider offiziellen Vertreter an allen Netzwerktreffen, durch Partnerschaften mit anderen Geoparks (Erfahrungsaustausch, Gemeinschaftsprojekte), Beteiligung an transnationalen LEADER-Projekten oder durch Beteiligung an einem Gemeinschaftsprojekt im Rahmen des Förderprogramms INTERREG IV–C. Wie die finanziellen Voraussetzungen (z. B. zur Sicherung der erforderlichen Eigenanteile) zu erfüllen sind, ist in den Gremien der beiden Trägervereine zu klären. In Gesprächen am Rande des Treffens wurde aber auch klar, dass der bürokratische/personelle Aufwand der Teilnahme an internationalen Förderprojekten nicht unerheblich ist. Auch über derartige Auswirkungen wird zu sprechen sein. Letztlich sollte eine komplett zweisprachige Website eine Selbstverständlichkeit sein.
Insgesamt 13 UNESCO-Geoparke wurden 2007 überprüft. Keinem der erst 2004 in die Netzwerke aufgenommenen Geoparke ist es auf Anhieb gelungen, nach der ersten Überprüfung eine Grüne Karte zu erhalten. Jeweils eine „Greencard“ ohne Auflagen ging an die vier Geoparke Haute Provence (Frankreich), Petrified Forest of Lesvos (Griechenland) sowie TerraVita und Vulkaneifel (beide Deutschland). Die Grüne Karte für den Geopark Kamptal (Österreich) wurde mit einer Auflage versehen.
Unmittelbar an die Tagung von Rat und Kommission des EGN schloss sich die 7. Konferenz der Europäischen Geoparke in Ullapool an. Sie wurde eröffnet von Umweltminister Michael Russel (Schottland). Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans Gert Pöttering, sprach zu den Konferenzteilnehmern via Videokonferenz. Höhepunkt war die Aufnahme von vier neuen Mitgliedern (aus England, Italien, Kroatien und Schottland) in das EGN.
Hintergrund
Im Unterschied zu den 851 Welterbestätten (darunter 660 Stätten des Weltkulturerbes wie z. B. in Eisleben, Quedlinburg und Goslar), die die UNESCO aktuell listet, wird von den derzeit 52 UNESCO-Geoparken eine regelmäßige Zusammenarbeit erwartet. Die UNESCO-Geoparke sind Mitglieder eines globalen Netzwerkes und eben nicht lediglich gelistet. Zu den Zielen der Zusammenarbeit gehört ein permanenter Erfahrungsaustausch über Möglichkeiten, Aktivitäten und Erfolge bezüglich des Schutzes des geologischen Erbes, bezüglich der nachhaltigen Regionalentwicklung durch Förderung des Tourismus und bezüglich der Umweltbildung.
Das EGN (European Geoparks Network) wurde im Jahr 2000 gegründet und koordiniert die Arbeit der Geoparke in Europa. Im Jahr 2004 wurde mit der UNESCO eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit getroffen. Jeder der aktuell 32 europäischen Geoparke hat zwei offizielle Vertreter in die Kommission (Coordination Committee) zu entsenden. Die Kommission entscheidet über Aufnahme von Geoparks in bzw. Verbleib im EGN und damit auch im GGN (Global Geoparks Network der UNESCO-Geoparke). Dabei hat jeder im EGN vertretene Geopark maximal zwei Stimmen. Die deutschen Geoparke haben je eine Stimme, denn je Mitgliedsstaat der UNO ist die Höchstzahl der Stimmen auf sechs begrenzt. Der Rat (Advisory Group) bereitet die Entscheidungen der Kommission vor. Im Rat ständig vertreten sind die UNESCO, die Internationale Union der Geologischen Gesellschaften (IUGS), die Internationale Naturschutzunion (IUCN) und die vier Gründungsmitglieder des EGN. Für jeweils zwei Jahre entsendet zudem die Kommission wechselnd fünf ihrer Mitglieder in den Rat. |